Ein Klang wie aus einer anderen Welt: Pink Floyd neu erlebt: Live at Pompeii – MCMLXXII

3. Mai 2025

Geschickt mit viel Marketing-Power angekündigt und jetzt – endlich – erschienen. Pink Floyd Live at Pompeii – MCMLXXII. Eigentlich war von den Aufnahmen ja vieles schon bekannt, aber Steven Wilson hat nochmal an den Reglern gedreht und aus den Aufnahmen von 1971 Details herausgeholt. Ich habe mir die Vinyl-Ausgabe und den Konzertfilm auf Bluray geholt und schon in der Nacht der Veröffentlichung den Stream via Apple Music geladen.

Wie gesagt: Eigentlich bekannt, aber wieder eine deutliche Steigerung des bekannten Konzerts ohne Zuschauer in der antiken Stadt. Für so einen Sound legt man gerne seine Euro auf den Tisch, damit die lebenden Bandmitglieder Waters, Gilmour und Mason noch ein karges Auskommen haben.
Über meine bisherigen Ausgaben Laserdisc, DVD und Bluray habe ich ja bereits ausführlich gebloggt und den Wert des Konzerts für die Musikgeschichte eingeordnet.

Wenn das Album Stunde um Stunde von mir abgespielt wurde, begreife ich wieder, welch faszinierende Band dies einst war und welches Potenzial in ihr steckte. Der Sound von Pink Floyd zur Zeit von „Live at Pompeii“ (1971) war atmosphärisch, experimentell und von einer intensiven Klangarchitektur geprägt, die weit über konventionelle Rockmusik hinausging. In dieser Phase – zwischen den Alben Meddle (1971) und dem noch in Arbeit befindlichen The Dark Side of the Moon (1973) – präsentierte sich die Band auf dem Höhepunkt ihres psychedelischen und avantgardistischen Schaffens. Man hört sichtlich die Kreativität, die am explodieren ist. Der Übergang von einer psychodelischen Band zu einer Supergroup wurde hier als Zeitdokument eingefangen.

Raumwirkung
Typisch für diese Ära ist ein weiträumiger, fast cineastischer Sound, der durch den bewussten Einsatz von Hall, Echo und Raumwirkung verstärkt wird. In Live at Pompeii ist das besonders eindrucksvoll, da die Band ohne Publikum in einem antiken Amphitheater spielte, was die Musik zusätzlich mit einer gewissen Erhabenheit und Entrücktheit auflädt.

David Gilmours Gitarrenarbeit ist in dieser Zeit geprägt von langgezogenen, singenden Soli, häufig mit viel Reverb und Delay versehen, was dem Klang eine schwebende, fast außerweltliche Qualität verleiht. Seine Spielweise ist melodisch, zurückhaltend virtuos und stets atmosphärisch. Richard Wrights Keyboards – insbesondere die Orgel und der frühe Synthesizer – erzeugen dichte Klangflächen, die den Songs Tiefe und Weite verleihen. Roger Waters’ Bassspiel ist treibend und strukturell, während Nick Mason am Schlagzeug für mich der Star der Aufnahme ist, der mit wirkungsvollen Rhythmen und perkussiven Akzenten arbeitet. Auch der verlorene Drumstick ist in der überarbeiteten Filmaufnahme noch dabei. Mason, ein absoluter Profi und optisch ein wilder Mann.

Der Gesang ist oft fragmentarisch eingesetzt oder wird durch Geräuschcollagen, Klangexperimente und instrumentale Passagen ergänzt oder ersetzt. Auch der Hund in Paris ist wieder dabei. Die Kompositionen bauen sich langsam auf, steigern sich in Wellen und wirken wie musikalische Reisen. Stücke wie Echoes zeigen diese organische Struktur in Reinform – ein Klanggemälde mit psychologischer Tiefe und spiritueller Offenheit.

Für mich ist der Sound von Pink Floyd zur Zeit von Live at Pompeii ein Zwischenraum aus Rock, psychedelischer Musik, klassischer Klangarchitektur und frühem Ambient – introspektiv, hypnotisch und künstlerisch radikal. Es ist Musik, die nicht nur gehört, sondern erlebt wird. Der Kauf der Neuaufnahme Pink Floyd Live at Pompeii – MCMLXXII auf Vinyl und Bluray hat sich für mich gelohnt.

Stabil, flexibel, filmreif – mein Smartphone-Setup für unterwegs

2. Mai 2025

Um das Smaprtphone, in meinem Fall ein iPhone 15 Max pro unterwegs einen sicheren Halt zu bieten, verwende ich ein leichtes Stativ. Um das Smartphone für kleine Drehs einzuspannen, verwende ich Handyhalterung mit Kaltschuh für Mikro oder Licht.

In der Vergangenheit habe ich immer meine Manfrotto-Halterung genutzt. Manfrotto hat mit dem TwistGrip eine sehr intelligente Lichthalterung für Smartphone-Filmer geschaffen. Es passt sich der Größe des Smartphone an und kann auf ein klassisches Stativ u.a. geschraubt werden. Am anderen Ende des TwistGrip befindet sich ein Blitzschuh um ein Licht zu befestigen.

Jetzt setze ich seit ein paar Tagen auf ein System von Smallrig. Der universeller Telefonhalter mit einer multifunktionalen Telefonklemme eignet sich für Fotografie, Live-Streaming, Vlogging und Interviews. Es kann auf einer Kamera oder einem Stativ montiert werden – und es steht deutlich stabiler, ist aber auch ein paar Gramm schwerer als der Kollege von Manfrotto.

Das Smallrig-Teil unterstützt Quer- und Hochformat und verriegelt sicher bei 90°. Die beiden Drehgelenke ermöglichen eine 180-Grad-Verstellung, das kann das Manfrotto-Teil dagegen nicht. Der Smallrig-Telefonhalter hat eine Tragfähigkeit von 500 Gramm.

Hier ein altes Unboxing des Manfrotto-Teils.

Mit Muskelkraft und Musik: Maisach feiert seinen Maibaum

1. Mai 2025

Bayern pflegt seine Traditionen und daher wurde auch in meiner Wohngemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck dieses Jahr wieder ein Maibaum aufgestellt.


Rund eine Stunde dauerte das gemeinschaftliche Aufstellen des Maibaums mit Muskelkraft auf dem Rathausplatz. Die Regie hatte Bürgermeister Hans Seidl inne. Hier das Video vom schweißtreibenden Prozess.

Anschließend traf sich das Dorf zum geselliges Beisammensein bei Tanz und Musik mit der Blaskapelle Maisach. Für das leibliche Wohl sorgen die Trachtler, die freiwillige Feuerwehr und der Sportverein Maisach. Organisiert wurde die Aktion vom Heimat- und Trachtenverein „D´Maisachtaler“. Vorsitzende Christa Turini-Huber aus Stefansberg feuerte immer wieder die Männer übers Mikro bei der schweißtreibenden Arbeit an. Hier die letzten Sekunden als VR 360 Video

und als klassisches Short.

Das Aufstellen eines Maibaums ist in Bayern eine tief verwurzelte Tradition mit kultureller, sozialer und historischer Bedeutung. Es findet in der Regel am 1. Mai statt, dem sogenannten Maifeiertag, und wird in vielen Gemeinden mit einem großen Dorffest verbunden. Der Maibaum – ein meist geschälter und kunstvoll bemalter Baumstamm, häufig geschmückt mit bunten Bändern, Zunftzeichen und einer Krone aus Tannengrün – symbolisiert das Wachstum, die Fruchtbarkeit und die Erneuerung der Natur im Frühling.

Der Brauch hat seine Ursprünge im mittelalterlichen Europa und entwickelte sich in Bayern zu einem Ausdruck dörflicher Identität und Gemeinschaft. Jede Ortschaft gestaltet ihren Maibaum individuell und stellt mit den daran angebrachten Symbolen das lokale Handwerk, das Vereinsleben oder besondere Merkmale des Ortes dar.

Traditionell wird der Baum – oft unter musikalischer Begleitung durch Blaskapellen – in Handarbeit mit sogenannten „Schwaiberln“ (langen Holzstangen) aufgestellt, was körperliches Geschick und Zusammenarbeit erfordert. Abschließend gab es Böllerschüsse.

In Maisach ist das Maibaumaufstellen mehr als ein folkloristisches Ritual. Es ist ein identitätsstiftendes Ereignis, das den Zusammenhalt in der Gemeinde fördert, Handwerk und Brauchtum sichtbar macht und die Verbundenheit mit der Region auf lebendige Weise zum Ausdruck bringt.

Welt-Passwort-Tag: Der trügerische Schutz der KI-Passwörter

1. Mai 2025

Für die einen ist der 1. Mai der Tag der Arbeit, für fällt der Tag auf ein Datum, an dem an ein wichtiges Thema erinnert werden sollte: An jedem ersten Donnerstag im Mai begeht die Online-Gemeinschaft den Welt-Passwort-Tag. Der Tag wird zum Anlass genommen, um auf die Sicherheit von Passwörtern hinzuweisen. Und eben das möchte ich auch tun.

Und heute mal mit einem Denkanstoß von Kaspersky. Der russische Hersteller von Anti-Viren-Software warnt vor KI-generierten Passwörtern. Denn Kaspersky-Experten haben KI-Tools wie ChatGPT, Llama und DeepSeek überprüft und dabei festgestellt, dass diese keine echten Zufallspasswörter erzeugen, sondern Muster aus bestehenden Daten immer wieder imitieren. Das Ergebnis? Scheinbar zufällige Passwörter, die durch ihre vorhersehbaren Muster jedoch von Cyberkriminellen viel schneller geknackt werden können, als es auf den ersten Blick scheint.

In einem Test durch den Cybersicherheitsexperten Alexey Antonov, Data Science Team Lead bei Kaspersky, zeigte sich: 88 Prozent der von DeepSeek und 87 Prozent der von Llama generierten Passwörter waren nicht stark genug, um Angriffen durch hochentwickelte Cyberkriminelle standzuhalten. Auch bei ChatGPT war das Ergebnis wenig ermutigend – 33 Prozent der generierten Passwörter bestanden den Kaspersky-Test nicht und waren somit ebenfalls anfällig für Angriffe.

Eigentlich sollte es klar sein, wenn man über Training von KI ein wenig nachdenkt. Alexey Antonov, Data Science Team Lead bei Kaspersky, erklärt: „Künstliche Intelligenz kann vieles, aber eines nicht: wahre Zufälligkeit. Die generierten Passwörter folgen Mustern, die Angreifer recht leicht erkennen können – sie sind nicht annähernd so sicher, wie sie aussehen. Anstatt uns zu schützen, bieten durch KI generierte Passwörter nur eine trügerische Sicherheit.“

Die Analyse von 1.000 KI-generierten Passwörtern hat gezeigt, dass viele Modelle typische Muster verwenden: Zahlenersetzungen wie in „S@d0w12“ oder „P@ssw0rd!“, häufig wiederkehrende Zeichenfolgen wie „x“, „p“ und „l“ oder Substitutionen der Zahl „0“ durch den Buchstaben „o“. Solche Muster können durch Brute-Force-Angriffe leicht und schnell entschlüsselt werden und heben den erhofften Schutz solch vermeintlich sicherer und starker Passwörter problemlos auf.

Beispiele für typische Muster in KI-generierten Passwörtern:
DeepSeek: P@ssw0rd1, P@ssw0rdV, S@d0w12, M@n@go3, B@n@n@7
Llama: K5yB0a8dS8, S1mP1eL1on, P@ssw0rd1, P@ssw0rdV
ChatGPT: qLUx@^9Wp#YZ, LU#@^9WpYqxZ, YLU@x#Wp9q^Z

Auch die Sicherheitsexperten von Acronis erinnern an diesen Tag, um zu sensibilisieren. Wie wichtig dieser Tag ist, zeigen aktuelle Zahlen des Sicherheitsexperten Acronis: Nur 63 Prozent der Nutzer in Deutschland (weltweit 68 Prozent) setzen auf starke, einzigartige Passwörter für ihre Konten; etwa ein Drittel vernachlässigt somit das Thema. Der Rest verwendet oft dasselbe Passwort für mehrere Plattformen – ein erhebliches Risiko. Wird ein Passwort auf einer Seite gehackt, können Angreifer damit auch zu anderen Konten vordringen, die mit dem gleichen Passwort geschützt sind.

Zusätzlich nutzt nur die Hälfte der Nutzer (51 Prozent in Deutschland, 46 Prozent weltweit) die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), obwohl diese eine zusätzliche Sicherheitsebene bietet. Bei 2FA muss neben dem Passwort ein zweiter Bestätigungsschritt erfolgen, etwa ein Code aus einer App oder per SMS, was das Eindringen von Unbefugten erheblich erschwert.

Ein weiteres Problem: 25 Prozent der Nutzer (weltweit 30 Prozent) warten entweder, bis sie gezwungen werden, oder aktualisieren ihre Passwörter gar nicht. Wer Passwörter über längere Zeiträume hinweg unverändert lässt, erhöht das Risiko, dass sie im Falle eines Sicherheitsvorfalls wiederholt ausgenutzt werden. Hacker bedienen sich häufig gestohlener Passwörter aus Datenpannen, um sich Zugang zu weiteren Konten zu verschaffen.

Und wann haben Sie das letzte Mal Ihre Passwörter gewechselt?

Der Herr der denkenden Horrorfilme: Val Lewton

30. April 2025

Als Fan des klassischen Horrorfilms habe ich wieder Val Lewton für mich entdeckt. Der breiten Masse wird der Name wohl nicht so bekannt sein, aber die Insider werden nun bestätigend nicken.

Val Lewton war Produzent in den vierziger Jahren und schuf wegweisende Filme, die als denkende Horrorfilme bezeichnet wurden. Ich selbst mag die drei Klassiker Katzenmenschen (Cat People) von 1942, Ich folgte einem Zombie (I walked with a zombie) von 1943 und Der Leichendieb (The Body Snatcher) von 1945. Val Lewton hat noch mehr Filme produziert, aber diese drei sind meine Highlights von ihm.

In der Reihe Filmjuwelen sind diese Streifen restauriert vor längerer Zeit auf Bluray erschienen und ich habe mir diese Filme angeschafft, die ich bisher nur als schlechte englische DVD hatte.

Anders als sein Kollege Carl Lämmle jun, der bei Universal den Horrorfilm mit Dracula und Frankenstein einführte, setzte Val Lewton bei RKO auf leisen Horror. Seine Filme waren preiswert produziert und blieben unter 80 Minuten Spielfilmlänge, um eine bessere Kinoauswertung zu bekommen, damit die Filmtheater sie öfters spielen konnten. Das Grauen kam nicht durch Schocks wie bei Frankenstein, sondern der Schrecken entwickelte sich eher in der Vorstellung des Zuschauers.

Ich folgte einem Zombie sah ich als Jugendlicher zum ersten Mal im Deutschen Fernsehen und erwischte mich komplett auf den falschen Fuß. Ich erwarte brutale Zombie-Filme in der Tradition von Romero und Fulchi, bekam aber einen düsteren Schwarzweiß-Film vorgesetzt ohne Gore und Blut. So kann man sich irren. Die italienischen Zombies hatte ich längst vergessen, der Lewton-Zombie auf Haiti blieb mir im Gedächtnis. Meine Liebe zum klassischen Horrorfilm wuchs je älter ich wurde.

Katzenmenschen hatte ein tolles Thema und die Umsetzung Lewtons war grandios. Das war Body Horror der frühen Zeit und David Cronenberg muss Val Lewton geliebt und ihn geprägt haben. Das Verhältnis von Zärtlichkeit und Sex und das Tier im Menschen kennen wir auch aus der Werwolf-Thematik. In Katzenmenschen kommt der Horror auf leisen Pfoten daher. Viele meiner Freunde finden diese Filme langatmig. Ich mag sie und auch die Neuverfilmung 1982 von Regisseur Paul Schrader mit Nastassja Kinski finde ich gelungen.

Der Leichendieb als dritter Film im Bunde zeigt für mich die Verantwortung des Arztes und die Experimente von Medizinern. Die literarische Vorlage stammt von Robert Louis Stevenson und der Film hat mich gefesselt, sicherlich auch, weil es das letzte Zusammentreffen von Boris Karloff und Bela Lugosi war. Karloff spielte den Leichenräuber Gray absolut meisterlich, Lugosi war dagegen schon ein gebrochener, drogenabhängiger Darsteller in einer Nebenrolle, die er gut gemeistert hat, aber zu mehr in seinem Zustand wohl auch nicht fähig war. Regisseur Robert Wise (Der Tag, an dem die Erde stillstand) war ein Spezialist für fantastische Themen und inszenierte mit viel Gefühl. Ich mag Robert Wise, der die Klassiker des Sci-Fi-Films Andromeda und den Spuk-Klassiker Bis das Blut gefriert schuf.

Zwischen Vergangenheit und Vision – Tangerine Dream live in der Isarphilharmonie in München 2025

29. April 2025

Es gab für mich immer drei Highlights im Bereich der elektronischen Musik in Deutschland. Meine absoluten Helden sind Kraftwerk und dann kommen Klaus Schulze und Tangerine Dream.

Jetzt konnte ich mal wieder Tangerine Dream in München sehen, nachdem die Pioniere der elektronischen Musik in der Isarphilharmonie gastierten. Die aktuelle Besetzung Thorsten Quaeschning, Hoshiko Yamane und Paul Frick. Ich war neugierig, denn mein zurückliegendes Konzert war noch mit Edgar W. Froese, der aber 2015 verstarb.

Mit TD ist es so eine Sache. Mal ist die Musik bahnbrechend innovativ, mal ist es austauschbare Massenware, die mich eher langweilt als berührt. Bei über 80 Alben sind Perlen und Nieten für mich dabei.

Also war ich auf München gespannt und mir fiel ein Stein vom Herzen als Thorsten Quaeschning zu Konzertbeginn ankündigte: „Wir spielen alte Sachen, neue Sachen und ganz alte Sachen.“ Und der ganze Auftritt dauerte rund 2,5 Stunden.

Tangerine Dream gehört zu den einflussreichsten und stilprägendsten Formationen der elektronischen Musikgeschichte. Seit ihrer Gründung 1967 durch Edgar Froese hat die Band zahllose Wandlungen durchlebt – künstlerisch wie personell. Vom aktuellen Line-up habe ich auf Vinyl viel Gutes gehört, jetzt wollte ich die Band mal wieder live hören. TD tritt in eine neue Phase ein, die gleichermaßen respektvoll mit dem Erbe umgeht wie zukunftsgewandt neue Wege beschreitet.

Thorsten Quaeschning, seit vielen Jahren musikalischer Leiter der Band und einst persönlich von Froese ausgewählt, verkörpert die Brücke zwischen den klassischen Tangerine-Dream-Phasen der Berliner Schule und einer postmodernen, improvisatorischen Klangauffassung. Sein Gespür für Struktur, Dynamik und Klangfarbe ist prägend für die heutige Identität der Band. Er führt die Handschrift der Gruppe weiter, ohne sie zu imitieren – mit einem tiefen Verständnis für die Philosophie, die hinter dem Klang von Tangerine Dream steht. Hinter seinen Keyboard sah er aus meiner Perspektive der zweiten Reihe ein wenig aus wie „Kilroy was here“, aber er dirigierte seine beiden musikalischen Partner perfekt.

Sehr neugierig war ich auf Hoshiko Yamane, die Geigerin und Klangkünstlerin aus Japan. Sie bringt seit 2011 eine neue emotionale und organische Dimension in das klangliche Gefüge. Ihr Spiel auf der elektrischen und akustischen Violine öffnet Räume zwischen elektronischer Präzision und menschlicher Verletzlichkeit. Sie ergänzt das elektronische Fundament durch eine subtile, fast poetische Intimität, die der Musik Tiefe und Seele verleiht.Die Akustik in der Isarphilharmonie war gut, doch leider ging die Geige an meinem Platz ein wenig unter. Vielleicht kommt ja mal ein Live-Mitschnitt der Tour, damit ich ihr Spiel mehr genießen kann. Sie zeigte auch Humor, denn sie brachte einen Pläuschpapagei auf die Bühne.

Paul Frick, bekannt aus dem Trio Brandt Brauer Frick, bringt eine ganz eigene Sprache mit: als klassisch geschulter Komponist und klangexperimentierender Produzent ist er Bindeglied zwischen Minimal, Clubkultur und akademischer Avantgarde. Mit ihm wird der kreative Rahmen noch weiter geöffnet, ohne den typischen Sound von Tangerine Dream zu verwässern. Seine rhythmische und strukturelle Komplexität bringt frischen Atem – ohne Effekthascherei, dafür mit enormer klanglicher Raffinesse.

Gemeinsam gelang es dem Trio in München, das Erbe Edgar Froeses zu bewahren und dennoch etwas Eigenständiges, Gegenwärtiges zu schaffen. Gleich nach dem Konzert habe ich mir das jüngste Werk „Raum“ (2022) angeschafft, das eindrucksvoll belegt, wie diese Besetzung die ursprüngliche DNA von Tangerine Dream aufgreift und in die Gegenwart transportiert – mit langen, hypnotischen Sequenzen, präzisem Sounddesign und einer meditativen Tiefe, wie man sie lange nicht mehr gehört hat. Und ich war wirklich froh ein paar wirklich alte Stücke, so wie versprochen, gehört zu haben.

Für mich steht nach dem Münchner Konzert fest: Tangerine Dream unter Quaeschning, Yamane und Frick ist mehr als ein nostalgisches Weiterleben der Vergangenheit. Es ist eine künstlerische Behauptung im Hier und Jetzt – voller Respekt, voller Vision und frei von befürchteten Retro-Kitsch. Sie zeigen, dass elektronische Musik auch 50 Jahre nach ihrer Entstehung noch immer etwas über unsere Zeit erzählen kann – mit Spannung, Eleganz und Tiefe. Es hat sich für mich gelohnt.

Ausstellung Farben Japans – Eine Reise durch drei Jahrhunderte lebendiger Kunst

28. April 2025

Irgendwann werde ich es nach Japan schaffen. Das Land fasziniert die ganze Familie. Bis wir nach Japan kommen, dauert es, also muss Japan zu uns kommen. Die Ausstellung „Farben Japans – Holzschnitte aus der Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek“ lädt nach München ein zu einer faszinierenden Reise durch drei Jahrhunderte japanischer Farbholzschnittkunst – von den zarten Anfängen des Mehrfarbendrucks im 18. Jahrhundert bis hin zu den ausdrucksstarken „Neuen Drucken“ (shin-hanga) des 20. Jahrhunderts. Unbedingt ansehen. Das Highlight ist mit Sicherheit Hokusais weltberühmtes „Unter der Welle im Meer vor Kanagawa“.

In der Welt der Edo-Zeit (1603–1868) waren die sogenannten „Bilder der fließenden Welt“ (ukiyo-e) weit mehr als Kunstwerke – sie waren ein Spiegel der urbanen Lebensfreude. Schönheiten, berühmte Schauspieler, traumhafte Landschaften – sie alle erwachten in diesen Drucken zum Leben. Mit feinem Gespür und meisterlichem Können verbanden Künstler wie Utamaro, Hokusai, Hiroshige, Yoshitoshi und Hasui Ästhetik und Handwerkskunst zu einem unvergleichlichen kulturellen Schatz. Ursprünglich für den Alltag geschaffen, werden viele dieser Werke heute als zeitlose Meisterstücke bewundert. Hier ein kleiner Rundgang.

Als diese farbenfrohen Drucke im 19. Jahrhundert ihren Weg nach Europa und Nordamerika fanden, entfachten sie eine Welle der Begeisterung, was ich durchaus verstehen kann. Ihre Spuren sind bis heute sichtbar – in den leuchtenden Farben des Impressionismus, in den schwungvollen Linien des Jugendstils, in den Werken von Claude Monet, Vincent van Gogh und Gustav Klimt. Noch immer verzaubern sie mit ihrer poetischen Bildsprache, dem Detailreichtum und ihrer unverwechselbaren Farbigkeit.

Rund 130 Originalwerke aus der Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek werden in dieser besonderen Ausstellung gezeigt: kunstvoll illustrierte Bücher, kostbare Triptychen und legendäre Einzelblätter – darunter Hokusais weltberühmtes „Unter der Welle im Meer vor Kanagawa“, besser bekannt als „Die Große Welle“. Zusammen mit „Sommergewitter am Fuße des Berges“ und „Südwind, klares Wetter“ – dem strahlenden „Roten Fuji“ – bilden diese Werke das Herzstück der Präsentation. Sie stammen aus der legendären Serie „Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji“, die seit ihrem Erscheinen um 1830 unvergessen geblieben ist.

An vielen Stellen im Haus der Bayerischen Staatsbibliothek werden zusätzliche Themen vertieft, großformatige Reproduktionen lassen die feinsten Details der Drucke noch intensiver erleben. So eröffnet sich den Besuchern ein eindrucksvolles Panorama der japanischen Holzschnittkunst. In der Schatzkammer werden die Originale gezeigt, allerdings bitte nur wochentags ansehen, denn die Schlange ist lange.

Die Japan-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek ist selbst ein Schatz: mit rund 90.000 gedruckten Bänden, 100 Handschriften und 1.000 Einblattdrucken bewahrt sie eine beeindruckende Vielfalt an Zeugnissen einer jahrhundertealten Kulturtechnik.

Mit „Farben Japans“ widmet sich die Bibliothek erstmals in ihrer Geschichte ganz dieser faszinierenden Kunstform – ein Fest für alle Sinne und eine Einladung, die Magie Japans zu entdecken.

Ungewöhnlicher Katalog
Künstlerische Exzellenz in Verbindung mit handwerklichem Können zeichnen den japanischen Farbholzschnitt aus. In Werken von Künstlern werden die besonderen Stilmerkmale und vielfältigen kulturhistorischen Bezüge sichtbar, die diese Kunstform prägen. Präsentiert wird das gesamte Spektrum farbig gedruckter Holzschnitte in einem eindrucksvollen Katalog zur Ausstellung: illustrierte Bücher, seltene Triptychen oder ikonische Einblattdrucke wie Hokusais „Unter der Welle im Meer vor Kanagawa“, bekannt als „Große Welle“. Der Begleitband zur Ausstellung enthält neben einem ausführlichen Bildteil auch eine Reihe von Essays, die unterschiedliche Aspekte des japanischen Farbholzschnitts sowie dessen Entstehungskontext näher beleuchten.

Die Ausstellung ist bis 6. Juli 2025 geöffnet. Sie befindet sich in Bayerische Staatsbibliothek, Schatzkammern, Prachttreppenhaus und Fürstensaal.

animuc Fürstenfeldbruck 2025 – Drei Tage voller Herz, Fantasie und Gemeinschaft

27. April 2025

Pflichttermin einmal im Jahr ist die animuc im Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck. Es ist die wichtigste Cosplayer-Veranstaltung in Oberbayern und an drei ausgebuchten Tagen kam die friedliche Community zusammen, um sich gegenseitig zu feiern. Ein Fest zum Genießen.

Auch ich war wieder dabei, mit einer Neuerung. Ich durfte einen gut besuchten Vortrag zum Thema Godzilla halten. Das japanische Monster ist seit 1954 ein wichtiger Teil der Popkultur und zeigt die japanische Verarbeitung der Trauma von Hiroshima und Nagasaki, die sich dieses Jahr im August zum 80. Mal jähren. Anders als wir Deutsche, die bereits nach dem Krieg mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus begonnen haben, haben die Japaner die Kriegsfrage und Bombenabwürfe nach dem verlorenen Krieg im Pazifik verdrängt. Godzilla war ein Teil dieser kollektiven Aufarbeitung als Film und Produkt der Popkultur.

Von meinem Vortrag existieren leider nur Fotos. Der Videomitschnitt hat ärgerlicherweise nicht funktioniert. Die Gründe kenne ich nicht. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht und ich bewerbe mich für die Animuc 2026 wieder als Referent, um an der Community mitzuarbeiten.

Ich besuchte die Verkaufsausstellung, erwarb einen Steampunk-Ring, der zu meinen Manschettenknöpfen aus dem Baltikum passt.

Zudem quatsche ich lange mit Angelina Paustian von der Mangaküche, die ich immer wieder auf den Szenenveranstaltungen treffe. Dieses Mal erwarb ich ein Reisebesteck, ein Ghibli-Lizenz.

Ach ja Ghibli. Sehr interessant fand ich den Vortrag Die Magie der Ghibli-Filmmusik einer jungen Newcomerin im Referentenpool Lavi. Mit sehr guten Fachwissen analysierte sie die musikalischen Themen der Ghibli-Filme und ihre Wirkung auf die Zuschauer.

Insgesamt wieder eine rundum schöne Veranstaltung. Leider war es etwas kühl, so dass das Herumliegen auf der Wiese vor Kloster Fürstenfeldbruck auf die Dauer etwas kalt war. Ich freu mich auf jeden Fall auf das nächste Jahr und hoffe, dass ich wieder dabei bin.

John Lensing live in München – Musik, die Herz und Seele berührt

26. April 2025

Ich habe für mich eine außergewöhnliche musikalische Entdeckung bei einem Privatkonzert in München gemacht: John Lensing

John Lensing ist ein US-amerikanischer Singer-Songwriter, der seine musikalische Laufbahn als Straßenkünstler begann. Ursprünglich aus den USA stammend und heute in Portland lebend, schrieb er zunächst Lieder und reiste umher, um sie fremden Menschen vorzuspielen. Diese Erfahrungen prägten seinen Stil und seine Haltung: Lensing sieht Musik als Mittel, Menschen miteinander zu verbinden und sie dazu zu bewegen, sich mit sich selbst, anderen und auch mit schmerzhaften Themen auseinanderzusetzen. Seine Songs sind geprägt von emotionaler Ehrlichkeit und Verletzlichkeit, was sich in seinen intimen Auftritten widerspiegelt. Das hat mich bei seinem akustischen Privatkonzert in München direkt angesprochen.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich seine Karriere von Straßenauftritten hin zu Shows und Festivals auf beiden Seiten des Atlantiks, so erzählte er. Lensing tourte durch Nordamerika und Europa, trat unter anderem beim Sommer in Altona Festival in Hamburg sowie beim Underground Music Showcase in Denver auf und teilte die Bühne mit Künstlern wie Matthew Fowler und Corey Kilgannon. Das Folk-Magazin No Depression bezeichnete ihn als „einen Künstler, den man im Auge behalten sollte“. Dem kann ich auf jeden Fall zustimmen.

Seine Musik wurde allein auf Spotify über 500.000 Mal gestreamt. Anfang 2024 veröffentlichte der damals 27-Jährige sein Debütalbum The Weight of the Love. Das Album thematisiert Liebe, Männlichkeit, Queerness und somatische Heilung. Produziert wurde es von Andy D. Park (Noah Gundersen) und William IV Smith (Corey Kilgannon). Die Produktion reicht von aufwendig arrangierten Songs bis hin zu reduzierten Klavier- und Gesangsstücken, wobei Lensings Ehrlichkeit und emotionale Tiefe stets im Mittelpunkt stehen.

In München erwarb ich von ihm sein Vinyl-Album „The Weight of the Love“ und ließ es mir gleich signieren. Ich hörte es am nächsten Tag sehr intensiv, auch während ich diese Zeilen schreibe.

Queerness spielt in John Lensings Liedern eine zentrale Rolle und gehört zu den Hauptthemen seines Debütalbums „The Weight of the Love“. Das Album setzt sich explizit mit Ideen von Liebe, Männlichkeit, Queerness und somatischer Heilung auseinander. Lensing nutzt seine Musik, um persönliche Erfahrungen und Identitätsfragen zu reflektieren und schafft damit einen Raum für Ehrlichkeit und emotionale Verletzlichkeit. Queerness wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern steht im Zusammenhang mit anderen Aspekten von Identität und zwischenmenschlichen Beziehungen, die Lensing in seinen Songs thematisiert. Die Auseinandersetzung mit queeren Perspektiven ist somit ein integraler Bestandteil seines künstlerischen Ausdrucks und trägt zur Authentizität und Tiefe seiner Musik bei.

Lensings Musik zeichnte sich in München durch einfühlsames Storytelling und eine besondere Nähe zum Publikum aus. Seine Lieder spiegeln die Kraft der Verletzlichkeit wider und laden die Zuhörer ein, sich auf persönliche und gesellschaftliche Themen einzulassen. Dabei erforscht er die Balance zwischen Leichtigkeit und Schwere, die im menschlichen Erleben liegt, und nutzt seine Texte, um intime Einblicke und persönliche Erfahrungen zu vermitteln.

William Turner – der Meister des Lichts

24. April 2025

Ich bin einen Tag zu spät dran, aber gratuliere dem großen englischen Maler zum Geburtstag am 23. April 1775. Dankbar, sehr dankbar bin ich, dass ich viele der Turner-Bilder in der Münchner Ausstellung im Lenbachhaus sehen konnte. Die Bilder haben einen großen Eindruck auf mich gemacht.

William Turner (1775–1851), oft als „Meister des Lichts“ bezeichnet, zählt für mich zu den größten und einflussreichsten Malern der britischen Kunstgeschichte. Mit seiner visionären Bildsprache, seiner fast modernen Abstraktion und seinem tiefen Gespür für Atmosphäre und Naturgewalt hat er die Landschaftsmalerei revolutioniert – und die Tür zur Moderne weit aufgestoßen. Hier ein schneller Rundgang durch die Ausstellung.

Geboren 1775 in London, begann Turner bereits früh mit dem Zeichnen. Schon als Jugendlicher wurde sein außergewöhnliches Talent erkannt. Er wurde Mitglied der Royal Academy, stellte mit 15 Jahren erstmals aus – und entwickelte sich rasch zu einem Künstler von großer Anerkennung. Doch statt sich auf akademische Konventionen zu verlassen, begann Turner, mit Farbe, Licht und Form zu experimentieren.

Viele seiner Bilder sind der Allgemeinheit bekannt, spätestens durch James Bond- Seine Werke wie „Das brennende Kriegsschiff Temeraire“, „Regen, Dampf und Geschwindigkeit“ oder „Schneesturm – Dampfer vor der Hafeneinfahrt“ sind keine bloßen Abbilder der Wirklichkeit, sondern emotionale Verdichtungen, in denen Naturkräfte wie Wind, Wasser, Licht und Feuer zu fast metaphysischen Erlebnissen werden. Turner malte nicht, was er sah, sondern was er empfand, wenn er es sah – und genau darin liegt seine Modernität.

In einer Zeit, in der Realismus und Detailtreue hoch geschätzt wurden, wagte Turner einen radikalen Schritt: Seine späten Werke lösen sich zunehmend von der Form, hin zu einem reinen Farb- und Lichtspiel. Damit wurde er zu einem direkten Vorläufer des Impressionismus – Claude Monet verehrte ihn, und viele Moderne sahen in ihm einen Pionier.

Doch Turners Werk ist nicht nur technisch und stilistisch bedeutend, sondern auch philosophisch tiefgründig. In seinen Gemälden schwingt stets ein Nachdenken über Vergänglichkeit, Naturgewalt und die Stellung des Menschen im Kosmos mit. Der Mensch erscheint bei ihm oft klein, fast verloren – eingebettet in eine Welt, die größer, älter und mächtiger ist als er selbst.
William Turner starb 1851 in London. Er hinterließ der britischen Nation einen Großteil seiner Werke – als Vermächtnis für kommende Generationen. Bis heute berühren seine Bilder nicht nur das Auge, sondern auch das Herz. Sie sind wild, poetisch, radikal – und in ihrer Zeit weit voraus. Ein Genie, das seiner Epoche entglitt und die Zukunft der Malerei vorausahnte.