In den 90er Jahren war der Sound für mich vollkommen neu. Ich war ein Fan der traditionellen Elektronischen Musik wie TD, Kraftwerk oder JMJ. Aber war ich bei Kruder & Dorfmeister gehört habe, erweiterte mein Spektrum – und es gefiel mir verdammt gut. Nach all den Jahren konnte ich Kruder & Dorfmeister endlich live in der Isar Philharmonie München erleben – und es war ein Erlebnis.
Früher hatte man solche Musik in Clubs gehört, jetzt geht man in die Philharmonie, um diesen Sound zu genießen.
Gespielt wurde das Album „The K&D Sessions“ aus dem Jahr 1998, das inzwischen berühmt geworden ist. Es ist ein Mehrfachalbum, das hauptsächlich aus Remixen besteht und oft als Meilenstein in der elektronischen Musik bezeichnet wird. Der Sound ist eine Mischung aus verschiedenen Genres wie Dub, Jazz, Hip-Hop und elektronischer Musik. Diese Verschmelzung verschiedener Einflüsse schafft eine einzigartige Klanglandschaft, die viele Fans anzieht, wobei ich mit Hip-Hop am wenigsten anfangen konnte. Das tat der Stimmung in München aber keinen Abbruch.
Kruder & Dorfmeister sind bekannt für ihre Pionierarbeit im Downbeat- und Trip-Hop-Genre. Ihre Musik ist oft entspannt, atmosphärisch und hat einen einzigartigen, unverwechselbaren Sound. Ich habe die beiden Alben The K&D Sessions und DJ-Kicks und wenn ich in der richtigen Stimmung bin, höre ich die Musik den ganzen Tag. Das Interesse an dem Duo weckte einmal ein Bericht als ich hörte, dass Kruder & Dorfmeister ihre Sounds auf einen Atari erzeugten. Als Atari-Fan musste ich damals die Musik hören und besorgte mir eine Audio-Cassette. Sie haben gezielt auf analoge Sounds und Vintage-Equipment gesetzt, um eine organische, fast greifbare Klangtextur zu erzeugen. Damals erschien nur eine EP, die ich aber bei uns nie im örtlichen Plattenladen Sound erhalten konnte. Der Sound begegnete mir auf vielen Partys, die Musik war damals irgendwie allgegenwärtig.
Das Duo hat inzwischen zahlreiche Remixe für andere Künstler produziert, die oft als besser angesehen werden als die Originalversionen. Diese Remixe haben ihren Ruf als innovative und kreative Produzenten gefestigt.
Tage nach dem Konzert habe ich erfahren, dass der !K7-Gründer Horst Weidenmüller nach einer schweren Krankheit verstorben ist. Bei !K7 erschienen die Alben von Kruder & Dorfmeister. Sicherlich ein schwerer Schlag für die Szene. Von der Plattenfirma hieß es: „Seine Vision, Leidenschaft und Hingabe haben !K7 seit 1985 zu dem geformt, was es heute ist, und sein Vermächtnis wird uns weiterhin inspirieren.“
Als ich so in meinem Stuhl in der Isar Philharmonie saß und mein Fuß mitwippte und die Show genoss, dachte ich über die Faszination nach. Ihre Tracks zeichnen sich durch atmosphärische Klangwelten aus, die eine fast cineastische Tiefe erzeugen. Sanfte, hypnotische Beats verbinden sich mit vielschichtigen Melodien und schaffen so eine warme, immersive Soundlandschaft. Das Konzert zeigte, warum das Album The K&D Sessions als Meilenstein des Genres gilt. Wie geschickt die Musiker mit ihrem Sampling, sanften Basslines und ausgefeilten Arrangements eine einzigartige musikalische Atmosphäre erschaffen können. Ich hoffe, dass von der Tour ein Live-Album erscheint – natürlich auf Vinyl. Ich bin dabei.
Ich mag es, wenn Künstler verschiedener Genre zusammenarbeiten. So einstmals geschehen bei einer meiner Lieblingsbands Emerson, Lake & Palmer (ELP) und dem Schweizer Künstler HG Giger für das Plattencover des wegweisenden Albums Brain Salad Surgery.
Ähnliches geschah bei der Zusammenarbeit von Debbie Harry mit Giger für das Album KooKoo aus dem Jahr 1983. Endlich habe ich ein Buch Metamorphosis gefunden, dass die Zusammenarbeit der beiden Künstler mit vielen Fotos zeigt. Es enthält alle Bilder des visuellen Konzeptes, das vom Fotografen Chris Stein dokumentiert wurde.
Gerne wäre ich bei der Zusammenarbeit Mäuschen gewesen und hätte die Kooperation beobachtet. Debbie Harry, die Frontfrau der amerikanischen Band Blondie, und HR Giger, der renommierte Schweizer Künstler, der für seine biomechanischen Kunstwerke und das Design des Aliens im Film „Alien“ bekannt ist, hatten eine bemerkenswerte Begegnung, die in der Musik- und Kunstwelt Wellen schlug. Diese Zusammenkunft zweier kreativer Geister aus unterschiedlichen Disziplinen führte zu einer faszinierenden Kollaboration.
Debbie Harry: Die Punk-Ikone Debbie Harry, geboren als Angela Tremble, stieg in den späten 1970er Jahren mit ihrer Band Blondie zu einer der bekanntesten Figuren der Punk- und New-Wave-Bewegung auf. Mit Hits wie „Heart of Glass“ und „Call Me“ eroberte Blondie die Charts weltweit. Harrys charismatische Bühnenpräsenz und ihr unverwechselbarer Stil machten sie zu einem Symbol für die rebellische Energie der Zeit.
HR Giger: Der Meister des Biomechanischen HR Giger, geboren als Hans Rudolf Giger, war ein Schweizer Maler, Bildhauer und Designer, der für seine düsteren, surrealen und biomechanischen Kunstwerke bekannt ist. Sein Design des Aliens im gleichnamigen Film von Ridley Scott brachte ihm 1980 einen Oscar für die besten visuellen Effekte ein. Gigers Arbeiten sind geprägt von einer faszinierenden Mischung aus organischen und mechanischen Elementen, die oft als verstörend und gleichzeitig hypnotisierend beschrieben werden.
Die Begegnung Die Begegnung zwischen Debbie Harry und HR Giger fand in den frühen 1980er Jahren statt, als beide auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren waren. Harry, die sich schon immer für Kunst und visuelle Ästhetik interessierte, war fasziniert von Gigers Arbeiten. Die beiden trafen sich in Gigers Studio in der Schweiz, wo Harry die Gelegenheit hatte, seine Werke aus nächster Nähe zu betrachten und sich von seiner einzigartigen Vision inspirieren zu lassen.
Die Kollaboration Aus dieser Begegnung entstand eine kreative Zusammenarbeit, die in mehreren Projekten mündete. Eines der bekanntesten Ergebnisse dieser Kollaboration ist das Albumcover von Debbie Harrys Soloalbum „KooKoo“ aus dem Jahr 1981. Das Albumcover von KooKoo (1981) von Debbie Harry, gestaltet von HR Giger, ist ein ikonisches Kunstwerk, das surrealistische und biomechanische Elemente kombiniert.
Das Cover zeigt ein nahes Porträt von Debbie Harrys Gesicht, das eine fast skulpturale, glatte Qualität hat. Ihr Gesicht ist durchstochen von vier langen Nadeln – zwei an den Schläfen und zwei an den Wangen. Diese Nadeln wirken wie chirurgische oder rituelle Instrumente, die durch ihre Haut gedrungen sind, aber es gibt keine sichtbaren Wunden oder Blutspuren, was dem Bild eine unheimlich sterile, aber auch hypnotische Atmosphäre verleiht. Der Hintergrund und die gesamte Komposition erinnern an Gigers typische biomechanische Ästhetik: fließende, metallisch-organische Strukturen, die eine Mischung aus Fleisch und Maschine andeuten. Die monochrome Farbgebung in silbrigen, grauen und blauen Tönen verstärkt den futuristisch-düsteren Look. Das Bild ist ein perfektes Beispiel für die Verschmelzung von Musik und Kunst, die beide Künstler anstrebten.
Die Anzüge Im Rahmen der Zusammenarbeit für das Album KooKoo (1981) entwarf H.R. Giger nicht nur das ikonische Cover, sondern auch biomechanische Anzüge für Debbie Harry. Diese Anzüge wurden speziell für die Musikvideos und eine Fotoserie konzipiert, um Gigers unverwechselbare Ästhetik mit Harrys futuristischer Vision zu verbinden.
Giger schuf hautenge Anzüge, die Debbie Harrys Körper vollständig umhüllten und mit seinen charakteristischen biomechanischen Mustern verziert waren. Diese Designs bestanden aus fließenden, organisch-mechanischen Strukturen, die den Eindruck erweckten, als würde ihr Körper mit einer außerirdischen oder maschinellen Lebensform verschmelzen. Die Anzüge waren mit skelettartigen Rippen, metallischen Segmenten und symmetrischen Ornamenten versehen, die oft an seine Arbeiten für Alien erinnerten.
Diese Anzüge kamen besonders in den Musikvideos zu KooKoo zum Einsatz, darunter Backfired, das ebenfalls von Giger visuell mitgestaltet wurde. In diesem Video sieht man Debbie Harry in einer surrealen, albtraumhaften Umgebung, in der sie sich durch eine dystopische Szenerie bewegt – ein Zusammenspiel von Gigers dunkler Ästhetik und Harrys ikonischem Stil.
Für eine spezielle Foto-Session mit Chris Stein, ihrem Bandkollegen und damaligen Partner, wurde Debbie Harry in diesen Anzügen abgelichtet. Die Bilder zeigen sie in skulpturalen Posen, fast wie eine lebendige Giger-Kreation, inmitten von metallisch-organischen Strukturen. Diese Bilder sind komplett in dem Buch Metamorphosis abgebildet und erläutert.
Das Album KooKoo (1981) Mit KooKoo wagt sich Debbie Harry auf solistisches Terrain, bleibt dabei aber stark in den New-Wave- und Funk-Einflüssen verwurzelt, die Blondie bereits erforschte. Produziert von Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic, bringt das Album eine Mischung aus funkigem Post-Disco-Sound, experimentellen Pop-Elementen und düsteren Synthesizer-Klängen.
Die Single Backfired ist ein treibender Funk-Track mit markanten Gitarrenriffs und einer energiegeladenen Produktion, während The Jam Was Moving mehr nach Blondies Dance-Rock-Wurzeln klingt. Jump Jump und Chrome zeigen die mutigere, avantgardistischere Seite des Albums, die jedoch nicht immer ganz ausgereift wirkt. Die futuristische, fast dystopische Atmosphäre, die durch Gigers Coverkunst angedeutet wird, findet sich in Songs wie Now I Know You Know wieder, bleibt aber musikalisch eher subtil.
Obwohl das Album innovative Momente hat und Debbie Harrys charismatische Stimme immer überzeugt, fehlt ihm ein klarer Fokus. Es wirkt fragmentierter und weniger eingängig als Blondies beste Werke, was vermutlich auch ein Grund für den mäßigen kommerziellen Erfolg war. Trotzdem ist KooKoo ein spannendes Zeitdokument, das Harrys Experimentierfreude und die musikalische Wandlungsfähigkeit der frühen 80er-Jahre widerspiegelt. Ich muss zugeben, dass ich das Album eher schwach finde und es vor allem aus ätherischen Gründen gekauft habe. Die Arbeit, die aus dieser Begegnung hervorging, ist ein bleibendes Zeugnis ihrer kreativen Visionen und ihres Einflusses auf die Popkultur.
Der Einfluss Die Zusammenarbeit zwischen Debbie Harry und HR Giger hatte einen nachhaltigen Einfluss auf beide Künstler und ihre jeweiligen Disziplinen. Für Harry bedeutete es eine Erweiterung ihres visuellen Stils und eine Vertiefung ihrer künstlerischen Identität. Für Giger war es eine Gelegenheit, seine biomechanischen Visionen nach dem ELP-Album von 1974 in einem neuen Kontext zu präsentieren und ein breiteres Publikum zu erreichen.
Langsam werde ich alt und die Heldinnen und Helden meiner Kindheit altern mit mir. Eine meiner Heldinnen meiner TV-Zeit ist Pippi Langstrumpf und diese Ikone der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wird dieses Jahre 80 Jahre alt.
Pippi Langstrumpf hat Generationen von Mädchen und Frauen inspiriert. Seit ihrem ersten Erscheinen im Jahr 1945 hat sie Maßstäbe gesetzt und zeigt bis heute, dass weibliche Protagonistinnen in der Kinderliteratur stark, mutig und eigenständig sein können. Ihre rebellische Natur, ihr selbstbestimmtes Leben und ihr Widerstand gegen gesellschaftliche Konventionen machten sie zu einer unbewussten Vorreiterin der Frauenbewegung. Im Grunde ist Pippi Langstrumpf eine politische Figur.
Astrid Lindgren schuf mit Pippi eine Figur, die sich nicht den Erwartungen an Mädchen und Frauen ihrer Zeit unterordnete. Während die meisten weiblichen Charaktere in der Kinderliteratur des 20. Jahrhunderts sanftmütig, brav und angepasst waren, sprengte Pippi diese Rolle mit Leichtigkeit. Sie lebt allein in der Villa Kunterbunt, verfügt über übermenschliche Kräfte und besitzt einen Schatz voller Goldmünzen – sie ist finanziell unabhängig, körperlich überlegen und emotional unerschütterlich. Damit stellt sie ein Gegenbild zu traditionellen weiblichen Rollenbildern dar und ermutigt junge Leserinnen, ihre eigenen Grenzen zu hinterfragen. Anstatt sich an gesellschaftliche Normen zu halten, macht sie sich ihre eigenen Regeln und lebt nach ihren eigenen Vorstellungen.
Die Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre entdeckte Pippi Langstrumpf als Symbolfigur für Emanzipation. In einer Zeit, in der Frauenrechte weltweit diskutiert und erkämpft wurden, passte Pippis Haltung perfekt in den gesellschaftlichen Wandel. Ihr berühmtes Motto „Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“ wurde als Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung interpretiert – ein Aufruf, sich nicht den Zwängen der Gesellschaft zu beugen, sondern das eigene Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Ein zentraler Aspekt von Pippis Bedeutung für die Frauenbewegung ist ihre Freiheit von männlicher Dominanz. Sie ist kein Mädchen, das gerettet oder beschützt werden muss, sondern übernimmt selbst die Rolle der Beschützerin. Während Tommy und Annika oft unsicher sind und sich an gesellschaftliche Regeln halten, stellt Pippi diese in Frage, widersetzt sich Autoritäten und zeigt, dass Regeln nicht immer sinnvoll sind. Sie lehnt sich gegen Lehrer, Polizisten und strenge Erwachsene auf, aber nicht aus Trotz, sondern weil sie ihr eigenes Urteil über richtig und falsch trifft.
Auch ihr Erscheinungsbild steht im Kontrast zu klassischen weiblichen Schönheitsidealen. Mit ihren abstehenden roten Zöpfen, den bunten Strümpfen und den viel zu großen Schuhen bricht sie mit der Vorstellung, dass Mädchen immer hübsch und ordentlich sein müssen. Sie ist nicht darauf bedacht, anderen zu gefallen – sie ist einfach sie selbst. Damit vermittelt sie ein starkes Körper- und Selbstbewusstsein, das viele Mädchen ermutigt hat, sich nicht nach gesellschaftlichen Erwartungen zu richten.
Doch Pippi ist nicht nur ein Sinnbild der Rebellion, sondern auch der Solidarität und Fürsorge. Sie setzt sich für Schwächere ein, hilft den Armen und beschützt ihre Freunde. Dieser Aspekt ihrer Persönlichkeit zeigt, dass Unabhängigkeit und Mitgefühl keine Gegensätze sind – eine wichtige Botschaft für die feministische Bewegung, die nicht nur Gleichberechtigung, sondern auch Gemeinschaftssinn und soziale Gerechtigkeit fordert.
Bis heute bleibt Pippi Langstrumpf eine Inspirationsquelle für Frauen und Mädchen weltweit. Sie steht für den Mut, anders zu sein, für die Kraft, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen, und für die Freiheit, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. In einer Welt, in der Mädchen oft noch subtil in traditionelle Rollen gedrängt werden, ist Pippi Langstrumpf ein leuchtendes Vorbild für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung – und damit eine unvergängliche Heldin der Frauenbewegung.
Pippi Langstrumpf mag eine fiktive Figur sein, doch ihr Einfluss auf die Frauenbewegung ist real. Sie hat über Jahrzehnte hinweg dazu beigetragen, traditionelle Geschlechterrollen infrage zu stellen und jungen Mädchen das Gefühl zu geben, dass sie stark, unabhängig und einzigartig sein dürfen. In einer Welt, die noch immer mit Gleichberechtigungsfragen kämpft, bleibt Pippi Langstrumpf ein wichtiges Symbol für Selbstbestimmung und weibliche Stärke.
Zum 80. Geburtstag des stärksten Mädchens der Welt veröffentlicht der Filmkunst Musikverlag (FKM) die Originallieder aus der Pippi Langstrumpf Serie erstmals wieder auf Vinyl. Und das Beste: Pippi Langstrumpf – alias ihre deutsche Synchronstimme – meldet sich zwischen den Songs auch selbst zu Wort: mit Originalzitaten aus der Serie, von Plutifikation bis Polizei. Studio 100 International und der Filmkunst Musikverlag haben diese Audiotakes aus den Pippi-Filmen zusammen auch unter Einbeziehung der Synchronsprecherin Eva Mattes „geborgen“ und machen die limitierte Vinyl mit großflächigen Filmfotos und einer knallroten Platte zum Sammlerstück. Die Musik zu den Pippi-Liedern haben Jan Johansson, Konrad Elfers, Georg Riedel und Christian Bruhn komponiert, die Liedtexte stammen von Astrid Lindgren, Wolfgang Franke und Helmut Harun. Erscheinungstermin ist der 28.2.2025.
Ja, ich kenne den Künstler seit über 15 Jahren und seine Musik hat mich all die Jahre hindurch begleitet. Aber dieses Mal habe ich eine besondere Seite von Dominik Plangger erleben dürften. Anders als bisher auf großen Bühnen und Hallen mit zum Teil mehreren Hundert Zuschauern, habe ich den Südtiroler Musiker in einer Privatvorstellung im Münchner Vintage Pub von Mike Nagl genießen dürfen. Rund 60 Zuhörer waren in der engen Privatlocation als geschlossene Gesellschaft versammelt und lauschten der Darbietung.
Dominik Plangger stand auf einem kleinen Podest mit seiner Gitarre und seinem Liederheft und sang sich die Seele aus dem Leib. Es machte ihn sichtlich Spaß vor einem kleinem Kreis zu spielen. Dort konnte er wunderbar austesten, wie seine Anmerkungen zwischen seinen Songs ankamen und woran er noch arbeiten muss. Er spürte direkt, wie seine Erzählungen ankamen, wie er wo noch daran feilen musste und was zielsicher saß. Hier ist sein komplettes Konzert Teil 1 und Teil 2
Irgendwie fühlte ich mich in die Zeit der Singer-Songwriter versetzt. Mitte der sechziger Jahre gab es die Kaffeehaussänger in den USA. Die Musiker zogen von Café zu Café, sangen ein paar Songs und ließen den Hut herumgehen, bevor sie zum nächsten Aufritt eilten. So konnten sie Songs austesten, ob sie beim aufgeschlossenen Publikum ankommen. Es muss eine kreative interessante Zeit gewesen sein und diese Club-Atmosphäre kam in dem genialen Münchner Vintage Pub von Mike Nagl auf. Solche Orte gilt es zu bewahren und sei es auch nur als geschlossene Gesellschaft.
Dominik Plangger, der sonst mit seiner bezaubernden Frau auf der Bühne unterwegs ist, tauchte solo in das Publikum ein. Inzwischen hat er die Alben Ansichtshalber, Decennium, Hoffnungsstur und zuletzt Limes auf den Markt gebracht, er hat mit den großen der Szene wie Konstantin Wecker, Hannes Wader, Reinhard Mey und mehr gesungen und von ihnen gelernt. Welche Wirkung Musik haben kann, merkte man im Münchner Vintage Pub als Plangger die Klassiker „Heute hier, morgen da“ und „Gute Nacht Freunde“ anstimmte und der ganze Vintage Pub miteinstimmte.
Rechtzeitig vor 22 Uhr war die Show vorbei. Der Troubadour packte seine Gitarre ein, klappte sein Liederbuch zu und bereitete sich auf die weiteren Stationen seiner Tour vor. Daten gibt es auf der Website.
Jede Region hat ihre musikalischen Helden. München hat seinen Isarindianer Willy Michl. Der 74jährige gastierte am ersten Weihnachtsfeiertag im Lustspielhaus München, seine zumeist älteren Fans folgten der Einladung zum Soloprogramm. Und weil es der erste Weihnachtsfeiertag war, wurden zum Konzertstart auch gleich zwei Weihnachtslieder in Bluestonart aus voller Brust angestimmt. So muss das sein.
Natürlich war für Willy Michl das Gastspiel ein Heimspiel. Seit März 2024 steht Michl wieder auf die Bühne. Er hat einige Operationen hinter sich und hat sichtlich Lust, vor Publikum zu spielen. Der Großteil seines Publikums kannte das Repertoire und sang die entscheidenden Textpassagen mit. Leider auch ein wenig überdreht, wie ich die ältere Frau an meinem Tisch im Lustspielhaus empfand, die jede Äußerung von Michl egoistisch und nervig kommentieren musste – ein Soloprogramm auf der Bühne reichte mir.
Michl lieferte ab, Blues, Country, Rock’n Roll, Volksmusik, gewürzt mit Erzählungen als eine Art Talking Blues und das fast zwei Stunden lang. Isarflimmern, Una Bella Signorina, Wakan Tanka, Kathmandu, Bob, Ois is Blues, Blues Goes To Mountain und vieles mehr – Inszenierungen voller Hingabe. Nebenbei ließ er die Bemerkung fallen, dass seine Alben Ois is Blues und Blues Goes to Mountain wohl 2025 wieder neu aufgelegt werden. Dann kann ich meine Scheiben aus den Siebzigern in Rente schicken. Willy Michl war so freundlich, mir meine beiden LP-Cover sowie seine Autobiografie in der Pause zu signieren. Vielen Dank. Die Platten höre ich seit meiner Abiturientenzeit.
Willy Michl oder besser Sound of Thunder ist ein wirkliches Original und die bayerische Musikszene hat diesem Künstler viel zu verdanken. Michl spielte an diesem Abend wieder seinen bayerischen Blues und war in den siebziger Jahren Wegbereiter für eine ganze Branche, sich mit ihrer Heimatsprache und handgemachter Musik auseinander zu setzen. München hat ihm enorm viel zu verdanken. Ohne Willy Michls Isarflimmern hätte es Sommer in der Stadt der Spider Murphy Gang nicht gegeben.
Und das ist vielleicht auch der Grund, dass man dem authentischen Musiker viel verzeiht. Michl passt eigentlich nicht mehr in die moderne Zeit, wenn er mit Indianer-Look auf der Bühne steht und sich die Seele aus dem Leib spielt. Das Publikum, das heute überkritisch mit kultureller Aneignung auf die Palme geht, lässt seinem Willy Michl alles durchgehen. Es ist keine Kostümierung, sondern er hat schon immer indigene Wurzeln, wie er immer betont. Auch die sexuellen Anspielungen in seinen Lieder würden bei einem anderen Künstler zu handfesten Protesten führen. Wenn heute ein junger Musiker mit dem Repertoire und Auftreten wie Michl die Bühne betreten würde, würde ihn das Publikum von derselbigen verjagen. Aber der großartige Willy Michl kann es sich erlauben, weil er authentisch ist.
Er ist so fest verwurzelt in seiner Münchner und bayerischen Heimat. Das zeigt sich einmal an der Geschichte um Max Streibl, als er dem damaligen Finanzminister das Isarflimmern vorsang. Aber wirklich dankbar muss ich Willy Michl für seine ausführliche Würdigung auf der Bühne von Karl Stankiewitz sein, der am 13. Dezember 2024 im Alter von 96 Jahren verstarb. Karl Stankiewitz war ein herausragender Journalist und eine prägende Figur der Münchner Stadtgeschichte. Ich hab ihn selbst immer wieder im Internationalen PresseClub am Marienplatz getroffen, wo er eines seiner Bücher vorstellte. Ich erinnere mich an seine Bücher Aus is und gar is!: Verschwundene Wirtshäuser, Theater, Cafés, Nachtclubs und andere Orte Münchner Geselligkeit und München 1972: Wie Olympia eine Stadt veränderte. Zum 50-jährigen Jubiläum der Olympischen Sommerspiele in München 1972. Michl erinnerte an Stankiewitz, der weit mehr als 10.000 Artikel schrieb und 38 Bücher veröffentlichte. Natürlich kannten sich diese beiden Persönlichkeiten Stankiewitz und Michl – und waren befreundet. Für diese Erinnerung an Stankiewitz ziehe ich meinen Hut vor Willy Michl – das hat gut getan.
Auch die Geste seiner Frau Cora war eindrucksvoll. Sie kam mit einem Strauß Rosen auf die Bühne. Das hatte einst die Mutter von Willy Michl getan. Diese Geste übernimmt jetzt die Ehegattin und sie versorgt ihn auch mit Getränken auf deiner Bühne, verbunden mit einem langen Kuss unter dem Applaus der Gäste.
Ja, der Abend mit Willy Michl war ein gelungener Abschluss meines Konzertjahres und es tat gut, den alten Haudegen mal wieder zu sehen. Bitte Willy, bleibt uns noch lange erhalten, denn wir wissen ja: Ois is Blues.
Wahrscheinlich hab ich die Musik als Kind rauf und runter gehört, aber nicht richtig geschätzt. Jetzt aber höre ich sie bewusst und erfreu mich daran. Das Stuttgarter Label Allscore ist immer für eine Überraschung gut und veröffentlichte rechtzeitig zum Jahresende weitere Musik von Peter Thomas. Dieses Mal zu den TV-Serien Derrick & Der Alte aus den Jahren 1974 bis 1984.
Natürlich musste ich hier zugreifen und mir die TV-Beats meiner TV-Jugend anschaffen. An den Wochenenden saß ich mit meinen Eltern vor dem Grundig-Fernseher im Wohnzimmer und zog mir die braven Krimis aus deutscher Fabrikation rein. Derrick & Der Alte waren im Grunde harmlose Krimis, nicht so dramatisch wie die US-Serien Starsky & Hutch oder die britische Serie die Profis. Beide Serien verkörpern klassische Kriminalunterhaltung und sind aus der Geschichte des deutschen Fernsehens nicht wegzudenken.Derrick und Der Alte gehören zu den bekanntesten deutschen Krimiserien, die seit den 1970er Jahren das Fernsehen prägten und internationale Erfolge feierten.
Peter Thomas, einer der bekanntesten deutschen Film- und Fernsehkomponisten, hat die Musik für zahlreiche Produktionen geschaffen, darunter auch die Krimi-Serien „Derrick“ und „Der Alte“. Seine unverwechselbaren Kompositionen prägten das musikalische Ambiente dieser Serien maßgeblich und trugen entscheidend zur besonderen Atmosphäre bei.
Derrick Die Serie Derrick wurde von 1974 bis 1998 im ZDF ausgestrahlt und umfasst 281 Folgen. Hauptfigur ist Kriminaloberinspektor Stephan Derrick, dargestellt von Horst Tappert, der zusammen mit seinem loyalen Assistenten Harry Klein, gespielt von Fritz Wepper, Mordfälle in München und Umgebung aufklärt. Im Mittelpunkt der Serie stand weniger actionreiche Ermittlungsarbeit als vielmehr psychologische Spannung und Dialoge. Derrick agiert ruhig, überlegt und oft mit moralischer Klarheit, um die Täter zu überführen. Die Serie zeichnete sich durch ihre besondere Atmosphäre aus – geprägt von gedämpfter Musik, klarer Bildsprache und einem Fokus auf die zwischenmenschlichen Abgründe der Figuren. Derrick wurde international erfolgreich, besonders in Ländern wie Frankreich, Italien und sogar China. Horst Tappert wurde durch seine Rolle zur Ikone und prägte das Bild des stillen, analytischen Ermittlers für Jahrzehnte.
Der Alte Der Alte startete 1977 im ZDF und ist bis heute eine der langlebigsten deutschen Krimiserien. Die Serie folgt ebenfalls Ermittlern der Münchner Mordkommission, die mit Ruhe und Präzision komplexe Fälle lösen. Im Gegensatz zu Derrick wechselten hier die Hauptfiguren im Laufe der Jahrzehnte, aber für mich war der Alte immer Erwin Köster (Siegfried Lowitz, 1977–1986) Köster war der ursprüngliche Ermittler – erfahren, zäh und einfühlsam. Seine ruhige, väterliche Art gab der Serie ihren Namen. Der Alte konzentriert sich stärker auf die Ermittlungsarbeit im Team und betont die klassische, unaufgeregte Polizeiarbeit. Dabei steht oft der Täter und dessen Motiv im Zentrum der Erzählung. Für diese drei Jahre später, 1977, gestartete Fernsehkrimiserie Der Alte schrieb Peter Thomas sogar die Titelmusik der ersten 100 Folgen sowie die Musik zu vier Folgen, inklusive der ersten, „Die Dienstreise“.
Musik in Derrick Für Derrick komponierte Peter Thomas ab 1978 bis in die 1980er Jahre hinein mehrere Stücke, die den charakteristisch zurückhaltenden und dialoglastigen Stil der Serie unterstrichen. Die Titelmelodie stammt von Les Humphries. Frank Duval komponierte die Musik für 105 Folgen und steuerte einige Lieder (unter anderem Love, 1977, Angel of Mine, 1980 und Face to Face) bei, die zu Hits in den Charts aufstiegen. Die Musikuntermalung der ersten Folge („Waldweg“) stammt von Peter Thomas. Thomas’ Musik zeichnet sich hier durch eine Mischung aus Jazz, Orchesterklängen und dezenten Funk-Elementen aus. Die Stücke sind meist minimalistisch und melancholisch gehalten und reflektieren damit die psychologische Tiefe der Serie. Von Peter Thomas und seinem Sound Orchester stammt bereits die Musik zur ersten Derrick-Folge »Waldweg« (1974). Sechs weitere folgten. Der Komponist und Musiker hatte sogar einen Cameo-Auftritt in der Derrick-Folge »Tod des Trompeters« (1976), wo er sich im Publikum der Sängerin Sabrina (Emy Cesaroni) befindet und kurz mit ihr interagiert. Das entsprechende Stück „Ohne Dich ist es Nacht“ war einstmals eine erfolgreiche Single und ist auf diesem Album zu hören.
Derrick wird in diesem Jahr 50. Es ist ruhig geworden um die überaus populäre und äußerst erfolgreiche deutsche Krimiserie. Das ist des Oberinspektor-Darsteller Horst Tapperts posthum bekanntgewordener NS-Vergangenheit geschuldet.
Musik in Der Alte Auch für Der Alte komponierte Peter Thomas die frühe Musik, vor allem in der Ära des ersten „Alten“ Erwin Köster (gespielt von Siegfried Lowitz). Die Musik ist hier dynamischer und oft spannungsgeladener, spiegelt aber ebenso die typische Zurückhaltung des deutschen Krimis wider. Im Vergleich zu Derrick setzt Thomas bei Der Alte etwas stärker auf dramatische Akzente und orchestrale Elemente, um die Spannung der Ermittlungen zu begleiten.
Ein zentrales Merkmal von Thomas’ Musik ist seine Fähigkeit, Emotionen und Atmosphäre subtil zu erzeugen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Seine Kompositionen für beide Serien sind klar strukturiert, minimalistisch und dennoch einprägsam, was zur ruhigen Erzählweise der Krimis hervorragend passt. Ich mag das Album und kann es empfehlen.
Heute läuft schon den ganzen Tag die Musik von und mit Pete Sinfield. Die wenigsten Musikfreunde außerhalb der Prog- oder Lyrikszene werden diesen Namen überhaupt kennen. Auf jeden Fall ist der Mann, der viel für meine persönliche Musikgeschichte zu tun hat, im Alter von 80 Jahren verstorben. Carl Palmer wies auf den Tod des Künstler in Facebook hin.
Peter John “Pete” Sinfield war ein einflussreicher englischer Lyriker, Songtexter und Musiker, der maßgeblich zur Entwicklung des Progressive Rock beitrug. Als Gründungsmitglied und Texter der Band King Crimson prägte er deren frühe Werke mit seinen poetischen und oft surrealen Texten. Das Debütalbum In the Court of the Crimson King (1969) gilt als Meilenstein des Genres und beeinflusste zahlreiche nachfolgende Künstler. Für mich der Einstieg in die Szene. Schnell kam ich dann zu ELP.
Nach seiner Zeit bei King Crimson arbeitete Sinfield mit verschiedenen Bands und Musikern zusammen. Er schrieb Texte für Emerson, Lake & Palmer, darunter das epische Werk “Karn Evil 9” auf dem Album Brain Salad Surgery (1973). Er war auch beim Besuch der Band bei HR Giger dabei. Dabei entstand das berühmte Foto. Der zweite von links ist Pete Sinfield.
Zudem produzierte er das Debütalbum von Roxy Music und schrieb englische Texte für die italienische Band Premiata Forneria Marconi.
In den 1980er Jahren wandte sich Sinfield dem Pop zu und schrieb Hits wie “The Land of Make Believe” für Bucks Fizz und “Think Twice” für Celine Dion, wofür er 1995 den Ivor Novello Award erhielt. Seine Fähigkeit, komplexe und emotionale Texte zu verfassen, machte ihn zu einem der herausragendsten Songtexter seiner Zeit.
Sinfields Einfluss auf die Musikszene ist vielfältig. Er verband Poesie mit Musik und trug dazu bei, dass Texte im Progressive Rock eine tiefere Bedeutung erhielten. Seine Arbeiten inspirierten zahlreiche Künstler und hinterließen einen bleibenden Eindruck in der Musikgeschichte.
Ich mag sein Album Still von 1973, das meines Wissens sein einiges Solo-Album geblieben ist. Mit prominenter Unterstützung war es ein Flop und blieb nur eingeweihten Sammlern als Kunstwerk in Erinnerung. Und weil bald Weihnachten ist, höre ich von Greg Lake von ELP I Believe in Father Christmas
Es gibt sie noch, die kleinen, aber feinen Perlen und dies auch bei einem Künstler bei dem ich dachte, ich kenne schon viel. Nein, bei Peter Thomas ist es wieder soweit. Es erscheint dieser Tage eine neugestaltete und neuzusammengestellte Compilation von Musik aus den Edgar Wallace Filmen. Und auch unveröffentlichte Schätze.
Der leider verstorbene Peter Thomas war der Hauskomponist der Rialto-Filme, die mich als Kind faszinierten und mich heute weitgehend amüsieren. Ich hab mir die Komplettbox der Filme angeschafft. Und nun veröffentlicht das kleine, spezialisierte Label Allcore diesen musikalischen Leckerbissen auf CD und Vinyl. Dietmar Bosch hat mir eine Vorab-CD zugeschickt, nachdem die limitierte Special Edition auf rotem Vinyl geordert habe, die in den nächsten Tagen veröffentlicht wird.
Es gab 2000 vom gleichen Label schon mal ein Album mit Musik aus Edgar Wallace-Filmen, aber hier mussten sich Peter Thomas und der auch großartige Martin Böttcher den begrenzten Platz auf dem Album teilen. Jetzt hat Peter Thomas ein ganzes Album mit seiner Edgar Wallace Musik für sich – und das steht im sicher zu. In Zusammenarbeit mit Philip Thomas, der den Nachlass seines Vaters Peter Thomas verwaltet, ordnet und sichtet, hat Dietmar Bosch einen wahren Leckerbissen auf den Markt gebracht.
Mit den deutschen Edgar-Wallace-Filmen, überwiegend produziert von der Rialto Film, entstand zwischen 1959 und 1972 die am längsten fortgesetzte Kinofilmreihe der Deutschlands. Die Verfilmungen der Werke des britischen Kriminalschriftstellers waren von Anfang an ein großer Erfolg, was nicht zuletzt auch am unkonventionellen Einsatz signifikanter Musik lag. „Hallo hier spricht Edgar Wallace“ und dann Schüsse aus einem Maschinengewehr – was hab ich mich als Kind davor gefürchtet.
Für den unverwechselbaren Sound fast der Hälfte dieser Thriller (18 von 38) zeichnete Peter Thomas verantwortlich. Dabei konnte er sich, je nach Budget, ordentlich austoben: Schreie, Schüsse, das Klacken von Schnappmessern – es wurde eingebaut, was gefiel. Und wenn man die Scheibe über Kopfhörer hört, gehen diese oft leise eingespielten Effekte voll auf die Birne – genial. Auf dem hier vorliegenden Album sind alle 17 Titelmusiken und sechs weitere Stücke enthalten, die Peter Thomas zwischen 1961 und 1971 für die Wallace-Reihe schrieb. Es ist somit die erste Compilation, die alle von Peter Thomas mit Musik versorgten Filme der Reihe umfasst. Darunter sind fünf Erstveröffentlichungen. Auf der CD finden sich außerdem vier Bonustracks, die sich bereits auf der längst vergriffenen Best of Edgar Wallace-CD von 2000 befanden. Also unbedingt zugreifen und sich ein Exemplar sichern, denn es ist unmöglich von Edgar Wallace bzw Peter Thomas nicht gefesselt zu sein.
Ich habe ihn nochmals gesehen. Ich habe fast geweint. Ich bin glücklich. Es war irgendwie auch ein Abschiednehmen von einer langen Freundschaft. Ich habe den 83jährigen Bob Dylan jetzt nochmals in Nürnberg gesehen und ich glaube nicht, dass ich HisBobness nochmals auf einer Europatour erleben darf.
Zum zweiten Mal durfte ich ein Konzert seiner „Rough and Rowdy Ways Tour“ besuchen. Berlin hatte nicht geklappt, aber in Nürnberg war ich ziemlich weit vorne mit dabei. Zwei Stunden spielte er zusammen mit seiner bewährten Tourband sein Set. Wer Gassenhauer hören wollte, der ist bei Dylan an der falschen Adresse. Zwar spielte er ein paar Klassiker, doch musste man – wie gewohnt – ein geschultes Ohr haben, um die Interpretationen zu erkennen. Für mich die musikalischen Highlights waren When I Paint My Masterpiece und Watching the River.
Das Wegsperren der Smartphones ist beim Meister üblich und so konnte ich ein Konzert ganz ohne Displays genießen. Aufmerksam lauschten die meist älteren Fans und huldigten ihm nach jedem Song mit Applaus. Im Netz ist nur dieses Bild von einem Halodri aufgetaucht, der sich nicht an die Regel hielt.
Und dann geschah etwas, was doch schon etwas seltsam und ungewöhnlich ist. Der Meister bedankte sich. „Der Meister spricht zu uns!“ Kam mir in den Sinn und musste grinsen. Noch mehr freute es mich, dass der 83 ab und zu hinter seinem Klavier hervorkam und so etwas wie Tanzschritte machte, Ach Bob, es war einfach schön. Musikalisch auf hohem Niveau, unterhaltsam und redselig wie selten – der Abend in der Frankenhalle war für alle ein Gewinn.
Dann hieß es Abschied nehmen. Der Zug nach München wartete nicht und so war kein Fachsimpeln mit anderen Fans nicht möglich. So reiste ich mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause und sag einfach danke Bob.
Immer wieder werden musikalische Schätze gehoben und so schlug mein Herz schneller, als mir Philip Thomas das neuneröffentliche Doppelalbum The Tape Masters Vol. 1 von seinem Vater Peter Thomas überreichte.
Es ist stets etwas Besonderes, wenn Musik es schafft, ihre Wirkung über Jahrzehnte hinweg zu entfalten und Generationen zu verbinden. Nochmal mehr, wenn diese Musik eher selten live auf einer Bühne aufgeführt wurde. Der Soundtüftler Peter Thomas gilt als Deutschlands einfallsreichster Filmkomponist der 1960er und 1970er Jahre und ist vor allem für seine kultigen Soundtracks bekannt. Über 600 Filme und Episoden hat das 1925 geborene, musikalische Mastermind vertont. Von den Kriminalfilmen von Jerry Cotton und Edgar Wallace bis zu Indie-Filmen wie Bruce Lees The Big Boss, der außerirdischen Raumpatrouille Orion und den großen deutschen Krimiserien der 60er und 70er Jahre (Derrick, Der Alte, Der Kommissar).
Bevor 2025 der 100. Geburtstag des 2020 verstorbenen Maestros ansteht, erschien jetzt unter dem Titel „The Tape Masters Vol.1 – Library Music“ eine außergewöhnliche Compilation von noch nie veröffentlichten Titeln aus Peter Thomas‘ persönlichem Reel-to-Reel Bandarchiv.
Die 25 Titel auf der neuen Doppel-LP reichen von fetzigem Big-Band-Funk, Space-Jazz, krautigen Synthie-Experimenten bis hin zu Proto-Hiphop, kosmischen Schlagern, schwerem Easy-Listening, gefühlvollen Soundtrack-Stimmungen und absurd verträumten LSD-Balladen und machen diese Zusammenstellung zum wohl obskursten und doch transzendentesten Werk des Komponisten. Schon in der Vergangenheit boten seine Aufnahmen für Musikbibliotheken oft einen unkonventionellen Ansatz. Ihre visionären „Dope Beats“ weckten das Interesse von Vinyl-Liebhabern, Beatmakern und Rare Groove DJs gleichermaßen. Bei der jetzigen Veröffentlichung handelt es sich um besondere Stücke aus dem riesigen Archiv Peter Thomas‘, welche er schon früh begann zu digitalisieren. Allesamt aus den Jahren 1968 – 1976, dokumentieren die Stücke die beeindruckende Vielfalt seines künstlerischen Schaffens.
Peter Thomas Sound Orchester (PTSO) Unter dem Titel Peter Thomas Sound Orchester (PTSO) vereinte der musikalische Tausendsassa ab Anfang der 1960er Jahre die Musiker*innen, die seine Kompositionen im Studio einspielten und bei Gelegenheit auch live aufführten. Auch wenn Besetzung je nach Bedarf und Budget variierten, schaffte Thomas sich so einen Klangkörper, dessen Namen Rückschluss auf den Komponisten bot, gleichwohl aber ausdrückte, dass es hier um eine musikalische Teamleistung geht.
Dieser Teamgedanke war Peter Thomas stets von Bedeutung. Während Komponisten in der Regel auf der notengetreuen Wiedergabe der vorliegenden Werke bestanden, herrschte im PTSO kreativer Freiraum. Sein Namensgeber animierte seine Mitstreiter*innen stets ihre eigenen Ideen einzubringen und setzte solche musikalischen Einfälle oft gleich um. Überliefert sind außerdem die Freude und der Spaß bei den Aufnahmen. Ein Musiker des Orchesters erzählte, dass er bei einer Aufnahme mit einer Tonfolge Probleme hatte und sich mehrfach verspielte. Thomas‘ Reaktion daraufhin: „Ach Olaf, lass den Ton einfach weg“.
Ich durfte zusammen mit Markus Elfert vom Filmreport in Berlin ein Interview mit Philip Thomas führen. Hier kündigt er für 2025 Veröffentlichungen an, darunter neu entdecktes Material der Raumpatrouille Orion.
Wer jetzt behauptet, 50 Jahre alte BASF-Bänder interessierten heute niemanden mehr, dem sei ein Blick auf TikTok ans Herz gelegt. Dort rekontextualisieren seit jüngerer Vergangenheit tausende Creator den 1968er Titel „Natascha – Main Theme“ aus einem Sexualaufklärungsfilm für die Untermalung unterschiedlichster Videos und erreichen damit ein Millionenpublikum. Ein schöner Full-Circle-Moment für die visionäre Schaffenskraft des Komponisten, der sich den Klang des digitalen Zeitalters schon früh ausmalte und analog festhielt – und jetzt von der digitalen Generation wiederentdeckt wird. Ich freue mich über die Aufnahme und höre die neue Doppel-LP mit Genuss und Begeisterung.