Warren William Zevon (* 24. Januar 1947 in Chicago, Illinois; † 7. September 2003 in Los Angeles, Kalifornien) – wir haben dich nicht vergessen.
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Warren Zevon 10. Todestag
7. September 2013Buchtipp für Dylan-Fans: Als sich die Zeiten zu ändern begannen von Suze Rotolo
22. August 2013In zwei Tagen habe ich die Autobiografie der ehemaligen Freundin von Bob Dylan Suze Rotolo gelesen. Das Buch erschien bereits im Jahre 2008, aber ich durch einen Zufall bekam ich es jetzt erst in die Finger. Als sich die Zeiten zu ändern begannen lautet die Erinnerungen an Greenwich Village in den Sechzigern. Rotolo ist bereits 2011 verstorben. Das Buch ist sicherlich nur etwas für Dylan-Fans, die etwas vom Meister erfahren wollten. Kaum ein Buch wurde von den Fans so erwartet wie dieses. Ich bin zwiegespalten nach Ende der Lektüre. Ja, zum einen habe ich wirklich etwas Neues erfahren: So wusste ich nicht, dass die Autorin von Dylan geschwängert wurde und abgetrieben hatte. Diese Information war mir neu. Aber zum anderen: was geht es mich an?
- Der Eingang zum legendären Gaslight-Cafe.
- Das Village ist heute eher Retro.
- Hier spielt unter anderem Hendrix.
Es gab interessante Anekdoten aus der früheren Zeit das Künstlerviertel, über den Umgang der Folkies miteinander und den musikalischen Aufbruch an dessen Spitze dass sich Dylan gestellt hat. Am meisten haben mich die Episoden über das Leben im Greenwich Village beeindruckt. Wer heute das ehemalige Künstlerviertel besucht, der findet Kommerz oder Leute, die immer noch am Sixtys Tropf hängen. Dies hielt mich freilich nicht davon ab, durch die Straßen das berühmten Viertels zu ziehen. Schade, dass ich das Buch von Suze Rotolo nicht dabei hatte. Es wäre ein schöner Reiseführer in längst vergangene Zeiten gewesen. Bei deinem nächsten USA-Besuch nehme ich es mit und suche die Orte aus der Dylans Vergangenheit.
Und ich muss auch zugeben, dass mich die Biografie von Suze Rotolo nicht interessiert hätte, wenn sie nicht zufällig auf dem Cover vom The Freewheelin‘ abgebildet und Robert Zimmermans erste offizielle Freunde als Bob Dylan gewesen wäre. So jedoch, habe ich das Buch an zwei Tagen gelesen und weiß wieder ein paar Details über das Leben von Bob Dylan mehr. Interessant fand ich vor allem die Ausführungen über Dylans Manager Albert Grossmann, der von vielen als Tyrann bezeichnet wurde. Frau Rotolo beschreibt ihn eher mitfühlend. Mir wurde bestätigt, welches musikalische Genie er ist, aber wie schwierig auch einen Zusammenleben mit diesem Herrn wohl auch ist. Also Dylan-Freunden sei dieses Buch durchaus ans Herz gelegt, der Rest wird es sowieso im Regal liegen lassen.
Van Morrison ist sauer über die neue Veröffentilchung von Moondance
19. August 2013Ich freue mich immer, wenn einer meiner alten musikalischen Recken ein neues Album auf den Markt bringt. Anfang Oktober ist es wieder soweit: Es erscheint eine Neuauflage von Van Morrisons Klassiker Moondance (Deluxe Edition) als 5-Disc-Box mit allerlei Schätzen Allerdings erscheint sie ohne des Wissens des Meisters. Auf seiner Website schreibt er, dass er von der Veröffentlichung von Warner nichts wusste und sich auch dagegen ausspricht. Sein damaliges Management verscheuerte die Aufnahmen und Van fühlt sich nach 42 Jahren wieder betrogen durch die Veröffentlichung.
So kann es gehen, wenn man als junger Musikant seine Verträge nicht richtig ließt. Moondance ist eines der wichtigsten Alben des kauzigen Musikers. Die Songs sind Klassiker und begründeten den Ruhm von Van Morrison. Jetzt will der Meister von seiner alten Plattenfirma und von den Verträgen nichts mehr wissen.
Als Fan bin ich aber begeistert, was die Box enthält – da kann sich der Meister noch so ärgern. Die Songs klingen vielversprechend. Zum einen gibt es das Moondance-Album remastered und – HURRA – 50 unveröffentlichte Tracks, Outtakes und neue Mixe. Zudem gibt es eine Blu ray im 5.1 Sound in 48K 24 bit PCM Stereo und DTS-HD Master. Vor allem dürfen wir auf den Song I Shall Sing gespannt sein, der damals vom Album genommen wurde. Er liegt als finale Fassung und in weiteren fünf verschiedenen Versionen vor. Darauf freue ich mich wirklich. Den Song I’ve Been Working kennen wir eigentlich schon vom späteren Album His Band And The Street Choir, aber jetzt liegt erstmals die Originalfassung vor. Alan Light und der Originaltonmeister Elliot Scheiner haben die Booklet-Texte verfasst und den Klang überarbeitet. Die Box kommt übrigens in Leinen daher.
Sorry Van, auch wenn du wahrscheinlich wenig Kohle für diese Veröffentlichung siehst, ich werde sie mir wohl kaufen und ich warte gerne auf ein neues Album von dir.
So sehen die Titel auf den vier CDs und Blu ray aus:
Moondance (Deluxe Edition) Tracklist:
Disc One – Original Album Remastered
01. And It Stoned Me
02. Moondance
03. Crazy Love
04. Caravan
05. Into The Mystic
06. Come Running
07. These Dreams Of You
08. Brand New Day
09. Everyone
10. Glad Tidings
Disc Two – All Previously Unreleased
01. What do we call this Van?
02. Caravan (Take 1)
03. Caravan (Takes 2-3)
04. Caravan (Take 4)
05. Caravan (Takes 5-6)
06. Caravan (Take 7)
07. Caravan (Take 8)
08. I’ve Been Working (Early Version Take 1)
09. I’ve Been Working (Early Version Take 2)
10. I’ve Been Working (Early Version Take 5)
11. Nobody Knows You When You’re Down And Out (Outtake)
12. I Shall Sing (Take 1)
13. I Shall Sing (Takes 2-3)
14. I Shall Sing (Takes 4-6)
15. I Shall Sing (Take 7)
16. I Shall Sing (Takes 8-12)
17. I Shall Sing (Take 13)
Disc Three – All Previously Unreleased
01. Into The Mystic (Take 10)
02. Into The Mystic (Take 11)
03. Into The Mystic (Takes 12-13)
04. Into The Mystic (Takes 14-16)
05. Into The Mystic (Take 17)
06. Brand New Day (Take 1)
07. Brand New Day (Take 2)
08. Brand New Day (Take 3)
09. Brand New Day (Take 4)
10. Brand New Day (Takes 5-6)
11. Brand New Day (Take 7)
12. Glad Tidings (Take 1)
13. Glad Tidings (Takes 2-4)
14. Glad Tidings (Takes 7-8)
15. Glad Tidings (Take 9)
16. Caravan Redo (Takes 1-2)
17. Caravan Redo (Take 3)
Disc Four – All Previously Unreleased
01. Come Running (Take 1)
02. Come Running (Take 2)
03. Come Running (Takes 3-4)
04. Come Running (Take 5)
05. Come Running (“Rolling On 4”)
06. Moondance (Take 21)
07. Moondance (Take 22)
08. Glad Tidings (Alt. Version)
09. These Dreams Of You (Alt. Version)
10. Crazy Love (Remix)
11. Glad Tidings (Remix 1)
12. Glad Tidings (Remix 2)
13. Glad Tidings (Remix 3)
14. Caravan (Remix)
15. These Dreams Of You (Remix)
16. I Shall Sing (Mix)
Disc Five – Blu-Ray Audio disc with high-resolution 48K 24 bit PCM stereo and DTS-HD Master Audio 5.1 surround sound audio of original album
Bayreuth 2013: gewaltiges Bühnenbild bei Wagners Ring
5. August 2013Der neue Ring kommt musikalisch hervorragend an, die Neuinszenierung musste dagegen massiv Kritik einstecken. Regisseur Frank Castorf ist gnadenlos ausgebuht und ausgepfiffen worden. Er nahm es locker, forderte sogar die Zuschauer auf lauter zu buhen und zeigte dem Publikum einen Vogel.
Was neben der Musik gut ankam, waren die Bühnenbilder der beiden ersten Ring-Teile. Diese stammten für Wagners Ring aus den Werkstätten von Studio Hamburg Media Consult International (MCI) GmbH. Zum ersten Mal vergaben die Bayreuther Festspiele die Bühnenbilder als komplette Auftragsarbeit. Die MCI baute die beiden Bühnenbilder in den Hamburger Werkstätten. Auf einer Drehscheibe im Durchmesser von 20,5 Metern und mit einer baulichen Gesamthöhe von bis zu 13 Metern ist das Ergebnis nicht nur in seinen Ausmaßen überzeugend: Bis zu 50 Mitarbeiter arbeiteten auf einer Vorbaufläche von 2.500 Quadratmetern auf dem Studio Hamburg-Gelände an der Realisierung. Das Ergebnis wurde schon im Frühjahr zu seinem Bestimmungsort auf den Grünen Hügel in Bayreuth transportiert. Dafür wurden die geteilten Bühnenelemente in den geeigneten Maßen auf 22 Trailer portioniert.
Die Mannschaft der Hamburger Werkstätten fügte dann vor Ort auf der Bühne im Festspielhaus in fünf Wochen das angelieferte Bühnenbild-Puzzle zusammen: Auf die eigens von der Planungsabteilung konzipierten, riesigen Drehscheibensegmente wurde die Bühnendekoration aufgebracht und zum Ganzen verbunden. Da der Festspielalltag einen täglich wechselnden Auf- und Abbau des jeweiligen Bühnenbildes vorsieht, war diese reversible Konstruktion eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung.
Unter der Regie von Frank Castorf und nach dem Bühnenbildentwurf von Aleksandar Denic, wurden im „Siegfried“ vielfältige Motive realisiert, beispielsweise der Berliner Alexanderplatz mit einer funktionsfähigen, maßstabsgetreuen Nachbildung der Weltzeituhr oder die Darstellung eines kinetischen Fernsehturmfußes. Die Rückseite zeigt eine massive Felswand mit einer kommunistischen Karikatur des US-amerikanischen Mount Rushmore. In der „Götterdämmerung“ trifft als Szenerie das originalgetreue Portal der New Yorker Börse im Maßstab 1:3 auf eine Berliner Hinterhofwelt, sowie die 12 Meter hohe Neon-Reklamewand „Plaste und Elaste aus Schkopau“, ein Relikt aus DDR Zeiten.
In einer viermonatigen Konstruktionszeit und der effektiven Bauphase von zehn Wochen pro Bühnenbild ist es gelungen, ein beeindruckendes Resultat für die diesjährige Spielzeit im Wagner-Jubläumsjahr abzuliefern. Beide Produktionen werden in den kommenden vier Spielzeiten der Bayreuther Festspiele aufgeführt. Wer also dieses Mal keine Karten für Bayreuth bekommen hat, kann vielleicht 2014 die Inszenierung ausbuhen.
(c) der Fotos: Pressestelle Bayreuth Festspielhaus
Musiktipp: Mike Oldfiels Crises neu aufgelegt
3. August 2013Als ich zum ersten Mal Moonlight Shadow hörte, war ich völlig baff, dass es sich um Mike Oldfield handelte. Solche Klänge war ich von ihm bis dato nicht gewohnt. Natürlich hatte er zuvor schon Pop-Songs gemacht, aber ich hatte es als Jugendlicher nicht auf dem Schirm. Mit Oldfield verband ich bis dahin das großartige Tubular Bells und seine Nachfolger. Die Pop-Variante von Oldfield war mir bis 1983 nicht bewusst aufgefallen. Zum 30jährigen Jubiläum des Albums Crises (30th Anniversary) kommt jetzt eine vier CD plus DVD Ende August auf den Markt. Oldfield selbst hat diesen Screenshot von seiner ProTools-Abmischung verbreitet, um ein bisschen Stimmung für Crises zu machen.
Das Album Crises war eine der ersten Schallplatten, die damals mit dem Fairlight-Synthesizer aufgenommen wurde. Daran hatte ich als Vertreter der Moog-Fraktion ein gehöriges Interesse. Die erste Seite der damaligen Schallplatte war das durchgehendes Instrumentalstück Crises mit ganz wenig Gesang von Mike Oldfield, Auf der Seite zwei waren kommerzielle Pop-Songs. Die Stimme von Maggie Reilly gefiel mir. Und auch als Rogar Chapman Shadows in the Wall trällerte, gefiel es mir auch. Meine Kumpels übersetzen damals den Songtitel Shadows in the Wall mit Schädel an die Wand. Heute ist mein Englisch ein wenig besser geworden und ich bin auf die verschiedenen Versionen der Songs gespannt.
Die 5-Disc-Ausgabe von Crises (30th Anniversary) samt fettem Buch umfasst folgende Songs. Interessant wird die 5.1-Abmischung auf DVD.
Disc: 1
1. Crises
2. Moonlight Shadow
3. In High Places
4. Foreign Affair
5. Taurus 3
6. Shadow On The Wall
7. Moonlight Shadow
8. Shadow On The Wall
9. Mistake
10. Crime Of Passion
11. Jungle Gardenia
12. Moonlight Shadow
13. Shadow On The Wall
Disc: 2
1. Woodhenge/ Incantations Part Three
2. Sheba
3. Ommadawn Part One
4. Mount Teidi
5. Five Miles Out
6. Tubular Bells Part One
Disc: 3
1. Taurus I
2. Taurus II
3. Crises
4. Moonlight Shadow
5. Shadow On The Wall
6. Family Man
Disc: 4
1. Crises
2. Tubular Bells Part One
3. Moonlight Shadow – Mike Oldfield, Maggie Reilly
4. Shadow On The Wall
5. Moonlight Shadow – Mike Oldfield, Maggie Reilly
6. Crime Of Passion – Mike Oldfield, Barry Palmer
Disc: 5 (DVD 5.1)
1. Crises
2. Moonlight Shadow
3. In High Places
4. Foreign Affair
5. Taurus 3
6. Shadow On The Wall
Alles Gute zum Geburtstag Sir Mick
27. Juli 2013Sir Mick wurde gestern 70. Jahre alt. Und wenn ich die jüngste Veröffentlichung Live im Hyde Park anhören, die einen Monat exklusiv bei iTunes veröffentlicht wurde, muss ich voller Respekt sagen: Der Kerl hat es noch drauf.
Zum Geburtstag habe ich die Jagger-Bioggrafie Rebell und Rockstar von Marc Spitz an zwei Tagen gelesen und viele Details aus dem Leben des Menschen erfahren. Diese Biografiie gab mir zahlreiche Impulse, vor allem, dass ich mich wieder mit den frühen Stones beschäftigen muss. Das Album The London Years war für mich eine absolute Offenbarung. Ich habe mir zudem in einem Marathon zwei Jagger-Filme reingezogen: Performance
und Freejack
– der erste ein wunderbare, sehenswertes Exemplar der sechziger Jahre, der andere kompletter Sciene Fiction-Blödsinn von 1992.
Ich bin wohl einer der wenigen, die sowohl die Beatles, als auch die Stones mögen. Und mir imponiert das Geschäftsinteresse der Herren McCartny und Jagger. Beide führen ihre Musikkunst wie Wirtschaftsimperien und sichern sich ihre Rechte. Nicht umsonst ist Jagger Ehrenmitglied der London School of Economics and Political Science. Mit Keith Richards kann man um die Häuser ziehen, mit Jagger würde ich einen Businessplan ausarbeiten und durchziehen.
Dabei ist er ein großartiger Musiker, wie man nicht zuletzt an seinem enormen Wissen um Blues merkt. Auch seine Zusammenarbeit mit The Red Devils muss herausgestellt werden. Ohne Jagger hätte ich diese Band nie entdeckt.
Ich habe die Stones zweimal live gesehen und war von dem perfekten Rock’n Roll-Zirkus beeindruckt. Und ich war begeistert, dass sie noch immer den Blues haben, wie man auch bei den Hyde Park-Aufnahmen feststellen kann (11:55 min Midnighht Rambler). Und ich muss auch sagen: Ich mag die Stones als Gesamtprojekt. Die Solo-Platten von Jagger und Richards finde ich schrecklich.
Wagner im Kino? Der fliegende Holländer 2013
26. Juli 2013Wagner im Kino – geht das überhaupt? Ich war sehr skeptisch, als ich den Anzug anzog und mich für die Premiere von Richard Wagners “Der fliegende Holländer” fertig machte. Ich hatte keine Karten für das Bayreuther Festspielhaus, sondern für das Scala-Kino in Fürstenfeldbruck. Die Premiere wurde in zahlreiche Kinos live auf die große Leinwand übertragen und mein Kino in Fürstenfeldbruck war auch mit dabei.
Aber da kam schon die erste Frage auf. Was zieht man für eine Festspielpremiere im Kino an? Normalerweise sind Jeans und T-Shirt die Bekleidung fürs Kino. Aber beim 200. Geburtstag des großen Richard Wagner gehen Jeans und T-Shirt gar nicht. Der Kompromiss war die Business-Klamotte mit Fliege und Einstecktuch. Die große Opernausstattung folgt dann, wenn ich in Bayreuth bin.
Feierlich war das Ambiente im Scala Kino. Roter Teppich. Die Kino-Mitarbeiter haben sich in Abendkleid und Anzug gekleidet, es gab Sekt zur Begrüßung der rund 85 Wagner-Fans. Und ein kleines Menü für 7,50 Euro als Pausensnack hatte man vorbereitet. Nur dumm, dass es bei der Kurzoper Holländer keine Pause gibt. Aber egal, ich hab den Pausenimbiss einfach nachträglich gegessen.
Das Publikum war gemischt, meist ältere Herrschaften in siebziger Jahre Klamotte – nicht weil es Kult war, sondern weil man es noch im Schrank hatte. Und da waren sich auch, die Wagnerianer, die ihr Wissen um die Inszenierung zum Besten geben mussten. Leider benahmen sich einige Zuschauer auch so, als würden sie den neuen James Bond anschauen. Sie ratschten – und das bei Wagner. Frechheit! Da machte es eine ältere Dame besser, sie schlief beim ersten Aufzug gleich mal ein und wurde von ihrer Freundin aufgrund des Schnarchens wiederum geweckt. Ich muss auch zugeben, dass ich mir ein Bier mit in den Kinosaal nahm. In Bayreuth wäre ich des Festspielhauses verwiesen worden, aber in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck geht so ein Kulturbruch.
Dann begann die Übertragung mit einer Stunde Einführung. Musikjournalist Axel Brüggemann führte Interviews, verpasste die Ankunft von Horst Seehofer und Angela Merkel und wurde von Stardirigent Christian Thielemann zurechtgewiesen. Das Interview mit einem extrem lässigen Thielemann war super. Das iPhone auf dem Knie wies er den Schwätzer Brüggemann humorvoll zurecht.
Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger war keine Neuinszenierung, sie wurde bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Der Holländer wurde von Samuel Yun wunderbar gesungen, der ja eigentlich vergangenes Jahr kurzfristig eingesprungen ist, nachdem der ursprüngliche Holländer-Bariton Evgeny Nikitin mit seinen Hackenkreuz-Tatoos für fetten Ärger sorgte und rausgeworfen wurde. Mir haben die Interpreten gefallen: Ricarda Merbeth als Senta, Tomislav Mužek als Erik, Benjamin Bruns als wunderbarer Steuermann und Franz-Josef Selig als Daland. Kritiker des Abends meinten, es sei zu wenig Kraftvolles dargeboten worden, ich fand es prima. In Bayreuth gab es Buh-Rufe für die Inszenierung von Gloger. Ich fand sie originell und humorvoll, die Kritiker fanden sie kindisch. Egal, mir hat es gefallen.
Nicht gefallen hat mir dagegen das Bild. Mehrere Bildausfälle in der Schaltung waren das eine, offene Kinotüren, weil sich Leute Pop Corn holen mussten, waren das andere. Wer aufs Klo muss, der bleibt draußen. So gilt es in Bayreuth und so sollte es auch im Kino gelten. Leute, geht vor der Vorstellung Wasser lassen und nicht während Wagner läuft. Banausen! Und ich tat mich anfangs schwer mit dem als Untertitel eingeblendeten Libretto. Ich brauchte einige Zeit, damit ich nicht lese, sondern höre. Aber für Wagner-Neulinge war es sicherlich eine Hilfe der Oper zu folgen.
Der Ton der Übertragung war nicht immer perfekt. In den stillen Parts hörte der Zuschauer Rauschen, die höhen Töne waren übersteuert. Die Akustik des Festpielhauses lässt sich eben doch nicht einfach ins Kino übertragen. Der Zauber von Bayreuth liegt in dem unsichtbaren Orchestergraben, in dem Thielemann seinen Job samt Festpielorchester wunderbar ableistet. Dafür waren die Kinokarten mit 30 Euro dann doch etwas billiger als die Karten in Bayreuth. Dort werde ich mir dieses Jahr den Tannhäuser anschauen, nachdem ich vergangenes Jahr Lohengrin genießen durfte.
Carl Orff Festspiele in Andechs: Carmina Burana
24. Juli 2013Schlagartig wurde es mir bewusst – nur ein paar Meter entfernt, liegt Carl Orff in der Schmerzhaften Kapelle der Klosterkirche Andechs begraben. Schon allein deshalb ist es eine großartige Idee gewesen, die Carl Orff Festspiele im Kloster Andechs anzusiedeln. Eine knappe Stunde lauschte ich im Florianstadl zu Andechs der Aufführung von Orffs Hauptwerk, der Carmina Burana. Musikalisch war die Inszenierung von Marcus Everding auf den diesjährigen Carl Orff-Festspielen auf hohem Niveau. Solisten, Chor, Orchester und Dirigent Christian von Gehren gaben ein eindrucksvolles Schauspiel. Hieran hätte Carl Orff sicher seine Freude gehabt.
Mir hat die Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters ebenso gefallen wie der Carl Orff-Chor Marktoberdorf (Einstudierung Stefan Wolitz). Die hervorragenden Solisten waren Wolfgang Newerla (Bariton), Belegt Kumberger Herdis Anna Jónasdóttir (Sopran) und Manuel König (Tenor). Und der Unterstufenchor des Rhabanus Maurus-Gymnasiums St. Ottilien (Einstudierung Theresia Busen) sorgte ebenso für die richtige Stimmung. Vor allem das exzellente Zusammenspiel von Schlagwerk und Blech konnte absolut überzeugen, noch dazu, weil Christian von Gehren das Originalwerk von Orff nicht verändert hatte. Applaus für soviel künstlerische Power in Andechs.
Dieses Mal sollte es ein Gesamtkunstwerk von Musik und Licht werden. Georg Boeshenz schuf die Lichtprojektionen nach Vorgaben des künstlerischen Leiters Everding. Das hätte er besser sein lassen sollen. In Sachen Musik kennt der Leiter sich aus, keine Frage. Doch in Sachen Lichtprojektion kommt mehr als Mittelmaß nicht heraus. Motion Design und Lichtprojektion kann heute deutlich mehr als ein paar Farben und Schattenspiele. Es begann ja ganz nett: Zu Beginn war die Bühne in dunkles Rot gefüllt. Dante ließ grüßen. Dann ein krasser Farbwechsel zu kaltem Weiß und schließlich zu Blau. Die Elemente waren damit eingeführt. Und dann plätscherte es lichttechnisch so dahin. Projektionen von Mond, abgelöst durch Schattenspiele war nicht das Niveau, das musikalisch hier geboten wurde.
Die Idee, die Carl Orff Festspiele im Florianstadl zu Andechs durchzuführen, ist grundsätzlich lobenswert. Die Musik von Orff gehört freilich nach Andechs. Wenn da nicht die Klimaanlage gewesen wäre. Bei Außentemperaturen um die 35 °C war die Luft innen auch nicht viel kühler. Bei den lauten Klängen der Carmina Burana störte das Surren der Anlage nicht, wohl aber bei den leisen Tönen. Wohl auch von den heißen Temperaturen in Trance versetzt waren die Platzanweiser. Eigentlich waren sie nur am Kartenabriss interessiert, die Platzsuche überließen sie dann doch dem Publikum, das zumeist aus älteren Musikfreunden bestand. „Junger Mann, ich hab meine Brille vergessen und setzt mich einfach irgendwo hin.“ Ganz schnell waren die Platzanweiser dagegen, als ich das iPhone für ein Bild zücken wollte. Keine Fotos während des Konzerts lautete die klare Anweisung. Diese Anweisung galt wohl nur für mich, denn im Saal blitzte und fotografierte es auf Teufel komm raus. Sicher werden auch bald die ersten Videos bei YouTube auftauchen.
Übrigens, alle Veranstaltungen der Carl Orff Festspiele 2013 sind ausverkauft.
Social Media: Musikerin Amanda Palmer entlarvt Daily Mail wegen Brüste
22. Juli 2013Der Social Media-Klassiker United von Dave Carroll ist hinlänglich bekannt. Ein Musiker stellt eine Fluggesellschaft bloß und zeigt die Macht von sozialen Netzen. Die jüngsten Vorfälle um Amanda Palmer haben das Zeug zum neuen Klassiker. Es zeigt, wie sich eine Musikerin gegen ein britisches Massenmedium wehrt und enorme Aufmerksamkeit im Web bekommt. Das Massenmedium mit seiner Arroganz wird bloßgestellt und seine Voyeurismus entlarvt. In der alten Zeit der Massenmedien hätte sie verloren, dank Web 2.0 und Social Media kann sie sich erfolgreich wehren.
Was ist passiert? Beim Glastonbury Festival trat die US-amerikanische Sängerin Amanda Palmer auf und rockte die Hütte. Amanda Palmer ist bekannt für ihren extravaganten Kleidungsstil. Bei so viel musikalischen Engagement rutsche beim Singen ihre Brust aus dem BH und war kurzzeitig zu sehen. Das war ein gefundenes Fressen für die englische Boulevardzeitung Daily Mail. Das Massenmedium machte am nächsten Tag mit dem Nippelgate auf. Making a boob of herself! Auf die Musik der Musikerin ging das Blatt übrigens keine Zeile ein. Das Online-Angebot der britischen Tageszeitung gilt mit 110 Mio Zugriffen pro Monat als erfolgreichste News-Seite der Welt. Die Mehrheit der Besucher kommt aus dem Ausland, vor allem den USA, der Heimat von Amanda Palmer.
In der alten Welt der Massenmedien hätte sich Amanda Palmer auf den Kopf stellen können. Sie wäre der Berichterstattung ausgeliefert gewesen. Doch nicht im Social Media-Zeitalter. Sie schlug bei einem der nächsten Konzerte im Londoner Roundhouse zurück. Sie spielte nur im Kimono bekleidet einen Andrew Lloyd Webber-Walzer aus Evita, aber mit neuem Text, speziell über die Daily Mail.
Sie sang:
dear daily mail,
it has come to my recent attention
that me recent appearance at glastonbury festivals kindly received a mention
i was doing a number of things on that stage up to and including singing songs (like you do…)
but you chose to ignore that and instead you published a feature review of my boob
dear daily mail,
there’s a thing called a search engine: use it!
if you’d googled my tits in advance you’d have found that your photos are hardly exclusive
in addition you state that my breast had escaped from my bra like a thief on the run
you do you know that it wasn’t attempting to just take in the RARE british sun?
dear daily mail,
it’s so sad what you tabloids are doing
your focus on debasing women’s appearances ruins our species of humans
but a rag is a rag and far be it from me to go censoring anyone OH NO
it appears that my entire body is currently trying to escape this kimono….
dear daily mail,
you misogynist pile of twats
i’m tired of these baby bumps, vadge flashes, muffintops
where are the newsworthy COCKS?
if iggy or jagger or bowie go topless the news barely causes a ripple
blah blah blah feminist blah blah blah gender shit blah blah blah
OH MY GOD NIPPLE
dear daily mail,
you will never write about this night
i know that because i’ve addressed you directly i’ve made myself no fun to fight
but thanks to the internet people all over the world can enjoy this discourse
and commune with a roomful of people in london who aren’t drinking kool-aid like yours
and though there be millions of people who’ll accept the cultural bar where you have it at
there are plenty of others who’re perfectly willing to see breasts in their natural habitat
i keenly anticipate your highly literate coverage of upcoming tours
Gesagt und getan. Amanda Palmer zog den Kimono aus und spielte nackt ihren Song weiter – nur die Handschuhe behielt sie an. Selbstverständlich wurde der Auftritt von mehreren Zuschauern mit dem Smartphone mitgefilmt und bei YouTube gepostet. Innerhalb kurzer Zeit verbreitete sich die Kunde im Netz. Mehre Videos wurden gepostet.
Die Daily Mail ging mit keinem Wort auf die Reaktion ein. Amanda Palmer hielt mit ihrer Aktionskunst der Boulevardpresse einen Spiegel vor und berichtete auch in ihrem Blog darüber.
Ich fand die Aktion großartig, weil sie zeigt, welche Macht ein Einzelner hat. Es zeigt sich, wie sich die Welt geändert hat. Die Videos haben inzwischen mehrere Tausend Klicks.
Neues Dylan-Album steht in den Startlöchern
21. Juli 2013Wie ein kleines Kind freue ich mich jedes Mal, wenn ich höre, dass Bob Dylan ein neues Album veröffentlichen wird. Dieses Mal wird es am 27. August so weit sein. Wir Fans bekommen die zehnte Ausgabe der Bootleg Serie zu hören. Und für dieses kleine Jubiläum hat sich Schlizohr Bob etwas besonderes einfallen lassen: Another Self Portrait
Es handelt sich um Outtakes und Demos aus der Country- und Schlagerzeit des Meisters. Als 1970 das ein Doppelalbum Self Portrait auf den Markt kam, fiel es bei Fans und Kritikern komplett durch. Was sollte dieses Zeug? Abgedroschene Schlager von Dylan. Das wollten seine Fans nicht hören.
Erst Jahre später erkannte man wie wichtig dieses Album war. Es zeigte den Übergang vom Protest zu Kommerz, der sich in der Rock- und Popwelt vollzog. Der Individualismus wurde aufgegeben und der Mainstream eroberte sich seinen Platz.
Mit der Veröffentlichung von Another Self Portrait wird diese Diskussion wieder aufflammen. Noch heute ist auf Self Portrait eines der ungeliebten Dylan-Alben. Mal sehen, was die Bootleg Serie jetzt bringt.
Schade, dass nicht alle Songs, die Dylan gemeinsam mit George Harrison aufgenommen hat, jetzt veröffentlicht werden. Es gab wunderbare Nashville-Sessions, die illegal die Runde machen. Was mich aber besonders reizt, ist eine frühe Demo des Meisterwerks When I Paint My Masterpiece. Zudem wird endlich das Konzert von Bob Dylan & the Band auf der Isle of Wight vom 31. August 1969 komplett legal veröffentlicht. Hoffentlich wurde der Sound gegenüber den Bootlegs überarbeitet. Das Album enthält Songs aus der Ära Nashville Skyline, Self Portrait und New Morning. Am 27. August wissen wir mehr, das Album wird in zwei Versionen erscheinen. Als Doppel-CD Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10 und als vierfach CD Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10
– ach ja eine Vinyl-Ausgabe Another Self Portrait 1969-1971: Bootleg Series 10 [Vinyl LP]
gibt es auch. Übrigens, wenn ich mir etwas wünschten dürfte, dann die kompletten The Basement Tapes in hörbarer Aufmachung.
Hier aber schon mal die von Columbia veröffentlichte Trackliste des Albums:
CD 1
1. „Went to See the Gypsy“ (demo)
2 „In Search of Little Sadie“ (without overdubs, Self Portrait)
3. „Pretty Saro“ (unreleased, Self Portrait)
4. „Alberta #3“ (alternate version, Self Portrait)
5. „Spanish Is the Loving Tongue“ (unreleased, Self Portrait)
6. „Annie’s Going to Sing Her Song“ (unreleased, Self Portrait)
7. „Time Passes Slowly #1“ (alternate version, New Morning)
8. „Only a Hobo“ (unreleased, Greatest Hits II)
9. „Minstrel Boy“ (unreleased, The Basement Tapes)
10. „I Threw It All Away“ (alternate version, Nashville Skyline)
11. „Railroad Bill“ (unreleased, Self Portrait)
12. „Thirsty Boots“ (unreleased, Self Portrait)
13. „This Evening So Soon“ (unreleased, Self Portrait)
14. „These Hands“ (unreleased, Self Portrait)
15. „Little Sadie“ (without overdubs, Self Portrait)
16. „House Carpenter“ (unreleased, Self Portrait)
17. „All the Tired Horses“ (without overdubs, Self Portrait)
CD 2
1. „If Not For You“ (alternate version, New Morning)
2. „Wallflower“ (alternate version, 1971)
3. „Wigwam“ (original version without overdubs, Self Portrait)
4. „Days of ’49“ (original version without overdubs, Self Portrait)
5. „Working on a Guru“ (unreleased, New Morning)
6. „Country Pie“ (alternate version, Nashville Skyline)
7. „I’ll Be Your Baby Tonight“ (Live With the Band, Isle Of Wight 1969)
8. „Highway 61 Revisited“ (Live With the Band, Isle Of Wight 1969)
9. „Copper Kettle“ (without overdubs, Self Portrait)
10. „Bring Me a Little Water“ (unreleased, New Morning)
11. „Sign on the Window“ (with orchestral overdubs, New Morning)
12. „Tattle O’Day“ (unreleased, Self Portrait)
13. „If Dogs Run Free“ (alternate version, New Morning)
14. „New Morning“ (with horn section overdubs, New Morning)
15. „Went to See the Gypsy“ (alternate version, New Morning)
16. „Belle Isle“ (without overdubs, Self Portrait)
17. „Time Passes Slowly #2“ (alternate version, New Morning)
18. „When I Paint My Masterpiece“ (demo)
Die vierfach-CD enthält das Konzert und eine Version von Self Portrait samt umfangreichen Buch.
Bob Dylan & the Band at Isle of Wight – August 31st, 1969
1. „She Belongs to Me“
2. „I Threw It All Away“
3. „Maggie’s Farm“
4. „Wild Mountain Thyme“
5. „It Ain’t Me, Babe“
6. „To Ramona“/“Mr. Tambourine Man“
7. „I Dreamed I Saw St. Augustine“
8. „Lay Lady Lay“
9. „Highway 61 Revisited“
10. „One Too Many Mornings“
11. „I Pity the Poor Immigrant“
12. „Like a Rolling Stone“
13. „I’ll Be Your Baby Tonight“
14. „Quinn the Eskimo (The Mighty Quinn)“
15. „Minstrel Boy“
16. „Rainy Day Women #12 & 35“
























