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Carl Orff Festspiele in Andechs: Carmina Burana

24. Juli 2013

Schlagartig wurde es mir bewusst – nur ein paar Meter entfernt, liegt Carl Orff in der Schmerzhaften Kapelle der Klosterkirche Andechs begraben. Schon allein deshalb ist es eine großartige Idee gewesen, die Carl Orff Festspiele im Kloster Andechs anzusiedeln. Eine knappe Stunde lauschte ich im Florianstadl zu Andechs der Aufführung von Orffs Hauptwerk, der Carmina Burana. Musikalisch war die Inszenierung von Marcus Everding auf den diesjährigen Carl Orff-Festspielen auf hohem Niveau. Solisten, Chor, Orchester und Dirigent Christian von Gehren gaben ein eindrucksvolles Schauspiel. Hieran hätte Carl Orff sicher seine Freude gehabt.

Das Grab von Carl Orff in der Klosterkirche Andechs in der Schmerzhaften Kapelle.

Das Grab von Carl Orff in der Klosterkirche Andechs in der Schmerzhaften Kapelle.

Mir hat die Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters ebenso gefallen wie der Carl Orff-Chor Marktoberdorf (Einstudierung Stefan Wolitz). Die hervorragenden Solisten waren Wolfgang Newerla (Bariton), Belegt Kumberger Herdis Anna Jónasdóttir (Sopran) und Manuel König (Tenor). Und der Unterstufenchor des Rhabanus Maurus-Gymnasiums St. Ottilien (Einstudierung Theresia Busen) sorgte ebenso für die richtige Stimmung. Vor allem das exzellente Zusammenspiel von Schlagwerk und Blech konnte absolut überzeugen, noch dazu, weil Christian von Gehren das Originalwerk von Orff nicht verändert hatte. Applaus für soviel künstlerische Power in Andechs.

Musikalisch absolut top, die Carl Orff-Festspiele in Andechs.

Musikalisch absolut top, die Carl Orff-Festspiele in Andechs.

Dieses Mal sollte es ein Gesamtkunstwerk von Musik und Licht werden. Georg Boeshenz schuf die Lichtprojektionen nach Vorgaben des künstlerischen Leiters Everding. Das hätte er besser sein lassen sollen. In Sachen Musik kennt der Leiter sich aus, keine Frage. Doch in Sachen Lichtprojektion kommt mehr als Mittelmaß nicht heraus. Motion Design und Lichtprojektion kann heute deutlich mehr als ein paar Farben und Schattenspiele. Es begann ja ganz nett: Zu Beginn war die Bühne in dunkles Rot gefüllt. Dante ließ grüßen. Dann ein krasser Farbwechsel zu kaltem Weiß und schließlich zu Blau. Die Elemente waren damit eingeführt. Und dann plätscherte es lichttechnisch so dahin. Projektionen von Mond, abgelöst durch Schattenspiele war nicht das Niveau, das musikalisch hier geboten wurde.

Mit der Lichtprojektion war ich nicht so einverstanden.

Mit der Lichtprojektion war ich nicht so einverstanden.

Die Idee, die Carl Orff Festspiele im Florianstadl zu Andechs durchzuführen, ist grundsätzlich lobenswert. Die Musik von Orff gehört freilich nach Andechs. Wenn da nicht die Klimaanlage gewesen wäre. Bei Außentemperaturen um die 35 °C war die Luft innen auch nicht viel kühler. Bei den lauten Klängen der Carmina Burana störte das Surren der Anlage nicht, wohl aber bei den leisen Tönen. Wohl auch von den heißen Temperaturen in Trance versetzt waren die Platzanweiser. Eigentlich waren sie nur am Kartenabriss interessiert, die Platzsuche überließen sie dann doch dem Publikum, das zumeist aus älteren Musikfreunden bestand. „Junger Mann, ich hab meine Brille vergessen und setzt mich einfach irgendwo hin.“ Ganz schnell waren die Platzanweiser dagegen, als ich das iPhone für ein Bild zücken wollte. Keine Fotos während des Konzerts lautete die klare Anweisung. Diese Anweisung galt wohl nur für mich, denn im Saal blitzte und fotografierte es auf Teufel komm raus. Sicher werden auch bald die ersten Videos bei YouTube auftauchen.

Übrigens, alle Veranstaltungen der Carl Orff Festspiele 2013 sind ausverkauft.