Durch Zufall bin ich in YouTube und Facebook auf eine erfrischende Indie-Folk-Band aus Australien gestoßen: Little Quirks. Bisher spielten sie nur Down Under und hatte ein paar US-und GB-Auftritte. Nun waren sie das erste Mal im alten Europa und machten auch in München Station. Ich war also dabei beim allerersten Deutschlandkonzert der Little Quirks im Lost Weekend in München Schwabing.
Little Quirks ist eine australische Indie-Folk-Band, die 2015 an der Central Coast (New South Wales) von den Schwestern Abbey Toole (Gitarre, Gesang) und Mia Toole (Schlagzeug, Gesang) sowie ihrer Cousine Jaymi Toole (Mandoline, Gesang) gegründet wurde. Die Gruppe hat Australien bereist und vier Extended Plays veröffentlicht. Im Jahr 2019 wurde die Gruppe durch Alex Toole (Jaymis älterer Bruder) am Bass und seit Ende 2021 durch Jordan Rouse an der E-Gitarre ergänzt.
Ich habe den Auftritt absolut genossen. Abbey Toole feierte an diesem Abend ihren 21. Geburtstag und die Band war gut aufgelegt und spielte ihre Setliste mit viel Charme und bekannten Temperament ab. Natürlich waren die Damen standesgemäß barfuß unterwegs, so kenne ich sie aus Facebook. Abbey trug den siebziger Jahre Klamottenlook und das Make-up erinnerte an frühe Bowie-Zeiten. Und die bekannten Gitarreninstrumente trugen auch das wunderbare Blitzlogo, wie wir sie aus Bowie-Zeiten von Aladdin Sane kennen. Ich geriet beim Auftritt ins Schwärmen, denn ich bin überzeugt, den Little Quirks steht eine erfolgreiche Karriere bevor. Ihre kraftvollen Show beherrschen die jungen Damen auf jeden Fall einwandfrei. Der Harmoniegesang wirkte, die Fans waren angetan – inklusive mir. Die Musik aus einer Mischung aus Indie-Folk und Alternative-Pop macht einfach Spaß.
Im März 2022 veröffentlichten sie die Single „The Rain“, die australische Rezensentin des NME, Ellie Robinson, beschrieb den Song als „kraftvoll“ mit einem „gefühlvollen, balladesken Lauf, angetrieben von kühl gezupften akustischen Gitarren und hellen Klavierakkorden“ Das Musikvideo wurde von Tim Swallow gedreht. Im August 2022 veröffentlichte die Gruppe ihre vierte EP, Call to Unknowns, die sechs Tracks enthält, darunter die drei vorangegangenen Singles „Someone to Hold“, „Florence’s Town“ und „The Rain“.Die EP wurde von Adam Toole in den Grove Studios und in seinem Heimstudio aufgenommen und produziert. Leider ist es mir bisher nicht gelungen einen physischen Datenträger von der Band zu bekommen und auch auf der Tour in München gab es keinerlei Merch oder Tonträger. So bleibt mir erst mal nur das Streaming über Apple Music.
Nachdem es kein großes Management oder Backstage-Bereich gab, kam ich mit den Australierinnen nach dem Konzert ein bisschen ins Plaudern und brauchte unbedingt ein Autogramm und ein Selfie mit der Band. Also hört euch die Band einmal an und genießt die frische Musik der jungen Damen.
Brain Salad Surgery von 1973 ist nicht nur eines der besten Alben von Emerson, Lake and Palmer (wenn nicht sogar das beste), sondern auch eines der Alben mit dem höchsten Wiedererkennungswert der Band. Und es ist eines meiner Lieblingsalben. Jetzt kam es als Picture Disc heraus und ich musste zuschlagen.
Die Bekanntheit liegt zum großen Teil an dem beeindruckenden Artwork, das das Album ziert. Es ist das Werk des Schweizer surrealistischen Malers, Bildhauers, Filmregisseurs und Bühnenbildners Hans Ruedi Giger, der später für seine einzigartige Arbeit an der Alien-Filmreihe bekannt ist. Ich verehre Giger.
Wie kam es zu diesem Cover? Als ELP auf der Suche nach einem neuen Artwork für ihr viertes Studioalbum waren, schlug ihr Schweizer Promoter Gustav Zumsteg seinen Freund HR Giger vor. „Mein Promoter-Freund bestand darauf, mich zu Gigers Haus zu fahren“, erinnert sich Keith Emerson. „Ich erinnere mich, dass es von außen ein ziemlich bescheidener Bungalow war – bis man hineinging. Das Innendekor war überwältigend, gotisch bis zum Äußersten. Vom Boden bis zur Decke hatte seine einzigartige Airbrush-Technik einen einfachen Raum in eine Kathedrale verwandelt.
Die ursprüngliche Hülle war in der Mitte geteilt, beide Seiten öffneten sich nach außen und enthüllten darunter ein menschliches Frauengesicht mit außerirdisch anmutendem Haar und verschiedenen Markierungen im Gesicht – vermutlich Narben. Für mich ist es Gigers damalige Frau, der Schauspielerin Li Tobler, die später aus dem Leben geschieden ist, Der damalige Arbeitstitel für die LP Whip Some Skull On Ya, ein Euphemismus für Fellatio. Das gefiel Giger natürlich sehr gut.
„Es war naheliegend, Lippen, Penis und Schädel zu kombinieren“, erklärte er damals 1991. „Diese Elemente flossen in das Bild ein. Trotzdem teilte mir Keith plötzlich mit, dass der Titel des Albums Brain Salad Surgery lauten würde. Ich war konsterniert, bis er mir erklärte, dass dieser Ausdruck ebenfalls Fellatio bedeutet.“
Mit der Welttournee „Brain Salad Surgery“ und dem daraus resultierenden Dreifach-Live-Album „Welcome Back My Friends…“ feierten ELP weitere Erfolge. Gigers wurde bekannt. Im Jahr 1977 veröffentlichte er sein erstes Buch, Necronomicon. Regisseur Ridley Scott war so begeistert dass Giger schließlich das Alien entwerfen durfte und den Oscar bekam.
Gigers Arbeit auf dem Gebiet der Musik ging ebenfalls unvermindert weiter. Er arbeitete an Magmas Album Attahk von 1978, Debbie Harrys Album Koo Koo, Danzigs Danzig III: How The Gods Kill und Stevie Stevens Atomic Playboys und entwarf Mikrofonständer für Jonathan Davis von Korn. Er arbeitete auch eng mit Thomas Gabriel Fischer zusammen und entwarf das Cover für das 1985 erschienene Album To Mega Therion von Celtic Frost sowie für das in diesem Jahr erschienene Album Eparistera Daimones von Triptykon.
Doch das Cover von ELP verschwand: Die Ausstellung Giger in Prag lief vom 14. April bis zum 31. August 2005. Nach dem Ende der Ausstellung wurde das Werk für die Rückreise in die Schweiz verpackt und über das Wochenende im Museum verschlossen. Das Werk kam am Dienstag, den 6. September, wieder in Zürich, in Gigers Haus, an und wurde von zwei Assistenten Gigers auf einen anderen Lastwagen umgeladen, der es zum Museum in Gruyeres fuhr, wo man feststellte, dass die beiden einflussreichen Werke fehlten. Ich hab sie nicht.
Bernard Herrmanns Aufnahme von “Psycho” ist ein Meisterwerk der Filmmusik. Die Musik ist so ikonisch wie der Film selbst und hat die Art und Weise, wie wir Filmmusik hören und verstehen, für immer verändert. Herrmanns Verwendung von Streichern und Perkussion ist besonders bemerkenswert. Die berühmte Duschszene wird durch das Schreien der Streicher untermalt, was eine unheimliche Atmosphäre schafft. Die Musik ist so effektiv, dass sie den Film ohne Dialog tragen könnte. Bernard Herrmann war ein US-amerikanischer Komponist und Dirigent, der durch seine Arbeit an Filmmusik bekannt wurde. Hier eine schöne Vinyl-Ausgabe.
Er wurde am 29. Juni 1911 geboren und starb am 24. Dezember 1975. Herrmann arbeitete mit vielen berühmten Regisseuren zusammen, darunter Alfred Hitchcock, François Truffaut und Martin Scorsese. Er komponierte die Musik für viele Filme, darunter “Citizen Kane”, “Vertigo” und “Psycho”. Sein letztes Werk war Taxi Driver. Nachdem der letzte Takt eingespielt war, verstarb Herrmann.
Bernard Herrmanns Musik für Alfred Hitchcocks Film „Psycho“ wird weithin als bahnbrechende Leistung in der Filmmusik angesehen und hat selbst einen ikonischen Status erlangt. Mehrere Aspekte tragen zur Einzigartigkeit und Wirkung von Herrmanns Musik in „Psycho“ bei.
Zunächst einmal war Herrmanns innovativer Einsatz von Klang und Instrumentierung entscheidend für die Gestaltung der Atmosphäre des Films und die Verstärkung seiner spannenden und psychologischen Elemente. Er setzte hauptsächlich auf Streichorchester, insbesondere Violinen, um einen durchdringenden, schrillen Effekt zu erzeugen, der die Spannung und Unruhe steigerte. Die schrillen und dissonanten Streicher, besonders in der berüchtigten „Duschszene“, sind sofort erkennbar und untrennbar mit dem Horrorfilmgenre verbunden.
Darüber hinaus brach Herrmann mit dem damaligen traditionellen Stil der Filmmusik. Anstelle eines großen Orchesters entschied er sich für ein kleineres Ensemble, das die Streicher betonte und dadurch eine intime und klaustrophobische Qualität der Musik erzeugte. Diese Wahl spiegelte die Erzählung des Films wider, der sich größtenteils in engen Räumen abspielt und die gestörte Psyche seiner Charaktere erkundet. Hier eine schöne Kombi-CD von Psycho und Vertigo. Herrmanns Partitur für „Psycho“ war auch bemerkenswert für den Einsatz von Leitmotiven, wiederkehrenden musikalischen Themen, die mit bestimmten Charakteren oder Konzepten verbunden sind. Das bekannteste Motiv ist das treibende und repetitive Thema, das die Figur des Norman Bates begleitet, der zentrale Charakter des Films. Dieses Motiv erfasst die Dualität von Bates‘ Persönlichkeit, mit einem Wechsel zwischen Verletzlichkeit und Bedrohlichkeit. Die thematische Herangehensweise verleiht der Musik eine zusätzliche Tiefe.
Der Boss war in der Stadt und es war eine Selbstverständlichkeit, dass ich ihn einen Besuch im Münchner Olympiastadion abstattete. Ich hatte ihn zuletzt 2016 dort gesehen als er die Hütte rockte. Jetzt mit 73 Jahren flog bei der Hütte das Dach weg. 2:45 Stunden spielte sich Bruce Springsteen alleine und mit E-Street-Band die Seele aus dem Leib. Hier bekommt der Fan etwas geboten für die happigen Eintrittspreise im ausverkauften Konzert.
Springsteen ist ein alter Fuchs und weiß um seine exzellente Bühnenpräsens, die er sich über schweißtreibende Jahre erarbeitet hat. Der große Entertainer hat sich den Ruf bewahrt, eine mehr als solide Show abzuziehen und setzt einig und allein auf die Ausstrahlung und Musikalität von Künstler und Band. Keine große Lightshow, keine Gimmicks, kein Feuerwerk – schlichtweg kraftvoller Stadion-Rock’n Roll, der in großen Teilen in jahrelangen Touren durch die Arenen dieser Welt einstudiert war. Interessant wäre es mal die Wirkung in einen Club in New Jersey zu erfahren, wo alles mal begonnen hat.
Emotional wird es in München da, wenn Bruce direkten Kontakt mit seinen Fans aufnimmt und nahe heran kommt. Dieses Mal gab es kein Heraufbitten von Fans auf die Bühne und gemeinsame Absingen der Klassiker. Aber vor allem zu seinen jüngsten Fans hatte Springsteen direkten Kontakt, unterschrieb sogar bei laufender Show ein Autogramm und verteilte mehrmals Gitarrenplektren aus seiner „Coin Pocket, der fünften Tasche der Jeans. Alles von Kameras eingefangen und auf drei Großbildleinwände übertragen. Kann sich noch jemand an die Zeit erinnern, als es diese Übertragungen noch nicht gegeben hat und der Musiker ein kleines Männchen in weiter Ferne auf einer Bühne war?
Überraschungen bei den Songs gab es keine. Gewohnte Kost, die uns als Fan schmeckt. Ein paar neue Songs, ein paar Klassiker zum Mitsingen. Springsteen hielt sich weitgehend an sein Set dieser Tour. Einig Johnny 99 war neu im Programm, das musikalisch überarbeitet und angereichert wurde. Es stammt von meinem persönlichen Lieblingsalbum Nebraska. Für mich der Höhepunkt des Konzerts.
ch mochte natürlich den Patti Smiths Klassiker Because the Night, ich träumte bei Glory Days, erinnerte mich die Born to Run-Zeit, rief mir bei The Rising den Schrecken des 11. Septembers zurück und freute mich über den ewigen Klassiker The River. Die Videos sind hinterlegt.
Zwischendurch gab es Geschichten aus der Anfangszeit von Springsteen. Er berichtete vom Tod seines letzten Bandenmitglieds aus der Anfangszeit seiner Karriere. Überhaupt drehte sich bei dem 73jährigen viel um Abschied, Trauer und Tod. Ein Blick zurück und gleichzeitig der Appell sein Leben zu leben. Das kam natürlich bei uns Fans gut an. Auch diese Ansprachen beherrscht der Boss perfekt und sie kommen spontan herüber, obwohl sie natürlich gescripted sind. Interessant auch, dass so mancher Song auf den Großbildleinwänden mit deutschen Untertiteln lief.
Im Netz maulte zwar einer, dass der Boss nicht mal Born in the USA nicht gespielt habe, aber Springsteen ist keine Jukebox, die spielt was der Fan will, sondern ein Künstler mit einem enormen Repertoire. Auch die Überarbeitung der Songs für die Bühne und ein großes Publikum ist schlichtweg gelungen. Bruce Springsteen versteht sein Handwerk und die E-Street-Band ist ein erstklassige Band. Persönlich mag ich den Humor von Steven Van Zandt/Little Steven samt Bandana, das seine Kopfverletzung verbirgt. Saxophonist Jake Clemons hat ebenso musikalische wie auch schauspielerische Qualitäten. Leider war Patti Scialfa dieses Mal auf der Bühne nicht dabei.
Den Abschluss machte ein ruhiges, besinnliches I’ll See You in My Dreams, Springsteen solo mit der Akustikgitarre. Der 2021 erschienene Song ist dem 2021 verstorbenen Australier Michael Gudinski gewidmet. Ein schöner Abschluss, um sich dann in das Münchner Verkehrschaos zu begeben. Und ich gelobe: Kommt Springsteen nochmals in die Stadt, dann bin ich wieder dabei.
Sänger Tony Bennett ist tot. Der große US-amerikanische Sänger starb im Alter von 96 Jahren. Ich durfte ihn nur einmal live erleben und das bei einem ungewöhnlichen Event.
Er war am Ende der Keynote auf der MacWorld Expo 2009 der Überraschungsauftritt. Apple gab bekannt, dass sie 2009 zum letzten Mal an der Macworld teilnehmen werden. Die Keynote wurde nicht von Steve Jobs, sondern von Phil Schiller gehalten. Es wurden iLife und iWork ’09 sowie ein neues 17″-MacBook-Pro vorgestellt. Und dann kam Tony Bennett auf die Bühne. Kein Mann konnte besser sein als er, denn er sang einstmals I Left My Heart in San Francisco und wer passierte nach SF als Tony Bennett. Leider hab ich im Moment nur ein Video mit schlechter Auflösung, die HD-Version liegt noch irgendwo auf Band. Ich habe das Video hier hinterlegt.
Jahre später kaufte ich mir die Vinyl mit Lady Gaga und hab es bis heute nicht bereut.
Ich bin nicht immer in der Stimmung für Ihre Musik, aber wenn ich sie bewusst hören will, dann bin ich ihr verfangen. Diese Stimme starb heute vor 35 Jahren am 18. Juli 1988 auf Ibiza. Gemeint ist Nico.
Die Sängerin Nico war zweifellos eine außergewöhnliche Künstlerin, die durch ihre einzigartige Stimme, ihren unverkennbaren Stil und ihre tiefsinnigen Interpretationen einen bleibenden Eindruck in der Musikwelt und auf mich hinterlassen hat. Geboren am 16. Oktober 1938 als Christa Päffgen in Köln wurde sie später unter ihrem Künstlernamen Nico bekannt und fand ihren Platz in der alternativen Musikszene der 1960er und 1970er Jahre.
Nico begann ihre Karriere als Model und Schauspielerin, bevor sie durch ihre Verbindung zur New Yorker Künstler- und Musikszene in den Fokus der Aufmerksamkeit rückte. Ihre Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Andy Warhol und dessen Projekt The Velvet Underground machte sie zu einem prominenten Mitglied der Underground- und Avantgarde-Bewegung. Ihre markante, tiefe Stimme, die oft mit einem Hauch Melancholie durchzogen war, verlieh den Liedern der Band eine einzigartige Faszination und ergänzte perfekt die experimentellen Klänge der Musik. Meine erste LP war The Velvet Underground by The Velvet Underground und dann gleich darauf das Meisterwerk mit der Banane The Velvet Underground & Nico.
Nach ihrem Ausstieg bei The Velvet Underground begann Nico eine Solokarriere und veröffentlichte mehrere Alben, die ihre Vielseitigkeit als Künstlerin unter Beweis stellten. Ihre Musik bewegte sich zwischen experimentellem Rock, Folk und elektronischen Klängen, wobei sie oft von düsteren und existenziellen Themen inspiriert wurde. Dabei war sie stets ehrlich und authentisch, was ihr eine treue, aber kleine Anhängerschaft einbrachte, die ihre Kunst zu schätzen wusste.
Schauspielerin und Künstlerin Neben ihrer Musikkarriere war Nico auch als Schauspielerin aktiv und trat in mehreren Filmen auf, darunter Federico Fellinis „La Dolce Vita“. Diese Vielseitigkeit in ihrem künstlerischen Ausdruck zeigte, dass sie nicht nur eine Sängerin, sondern eine wahre Künstlerin in allen Facetten war. Nico führte ein intensives, aber auch schwieriges Leben, das von Drogenabhängigkeit und persönlichen Herausforderungen geprägt war. Leider endete ihre Reise viel zu früh, als sie am 18. Juli 1988 nach einem tragischen Fahrradunfall verstarb. Sie starb aufgrund einer nicht rechtzeitig erkannten Hirnblutung am selben Tag im Krankenhaus. Nico wurde in Berlin auf dem Friedhof Grunewald-Forst im Grab ihrer Mutter beigesetzt.
Ihr Vermächtnis lebt jedoch weiter. Nico wird als Ikone der Avantgarde-Musik verehrt und hat zahlreiche Künstler nach ihr beeinflusst. Ihre eindringliche Stimme und ihre einzigartigen Kompositionen werden weiterhin gehört und geschätzt, und ihre Bedeutung für die Musikgeschichte bleibt unbestreitbar. In Erinnerung an Nico werde ich ihre Kunst und ihren Mut, Grenzen zu überschreiten, stets in Ehren halten. Möge ihre Musik weiterhin Menschen inspirieren und dazu anregen, die Vielfalt und Tiefe der menschlichen Emotionen zu erforschen. Nico wird unvergessen bleiben und als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Zeit in die Geschichte eingehen.
Dazu einen Filmtipp NICO, 1988 ist ein Roadmovie über die letzten Lebensjahre von Christa Päffgen. Der Film erzählt von ihren letzten Auftritten in den achtziger Jahren und spielt in Paris, Prag, Nürnberg, Manchester, auf dem polnischen Land und an der römischen Küste. Regisseurin Susanne Nicchiarelli taucht tief ein in das Leben einer tragischen, aber bemerkenswerten Frau, die von der dänischen Schauspielerin und Sängerin Trine Dyrholm (DIE KOMMUNE, DAS FEST), kompromisslos dargestellt wird. Alle Songs im Film werden von Trine Dyrholm selbst gesungen.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein Bob Dylan-Fan bin. Ich habe alle regulären Alben und zig Bootlegs auf Vinyl, CD und als Datei. Und heute höre ich ein Konzert, rauf und runter, das sich heute zum 45. Mal jährt: Bob Dylan live in Deutschland an einem ganz besonderen Ort.
Am 1. Juli 1978 trat er zusammen mit seiner Band und Eric Clapton auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände vor 80.000 Fans auf. Gegenüber der Tribüne auf der Hitler seine Ansprachen gehalten hatte, spielte der Jude Bob Dylan seine 1978-Tour. Die Zuschauer auf dem Zeppelinfeld wandten Hitler symbolisch den Rücken zu und feiern Dylan, wie es Konzertimpressartio Fritz Rau in mehreren Interviews ausdrückte. Das muss für Dylan ein sehr starkes emotionales Ereignis gewesen sein und sofort dachte ich an seine Zeile „Don’t follow Leaders“.
Ich habe das Konzert auf mp3 und höre es mir immer wieder an. Gerne, sehr gerne hätte ich diesen denkwürdige Konzert als offizielle Bootleg Series, denn es sollte der Nachwelt zugänglich gemacht werden. „Ich weiß, wo und warum ich diesen Song heute spiele“, hatte Dylan seinen Song „Masters Of War“ kommentiert. Hier eine Aufnahme davon.
Angereist ist Dylan von Berlin nach Nürnberg per Zug mit der damaligen Bundesbahn. Und er hatte einen besonderen Wagon. Es war der Salonwagon von Reichsmarschall Hermann Göring samt Bett und Küche. Wie muss sich Dylan gefühlt haben, als er sich dieser Tatsache bewusste wurde. Er bereiste seine Europakonzerte mit dem Zug, denn er wollte etwas von der Landschaft sehen. Er war ja nur davor 1965 auf seiner Tour durch England in Europa. In Berlin wurde Dylan ausgepfiffen, weil er nicht den Protestler geben wollte. 1978 stand für ihn eher eine Las Vegas-Show mit Chor im Vordergrund. In Nürnberg aus Respekt vor dem Ort allerdings nicht in Show-Klamotten. Die Stimmung in Nürnberg war nicht so feindselig gegenüber Dylan.
Das Nürnberger Konzert war auch gefährdet. Die Wehrsportgruppe Hoffmann mit ihrem Anführen dem Nürnberger Grafiker Karl-Heinz Hoffmann, eine Gemeinschaft bundesdeutscher Rechtsterroristen, hatte angekündigt, das Konzert auf dem Reichsparteitagsgelände zu stören oder gar zu verhindern. Passiert ist offiziell nichts, Gott sei Dank. Ob etwas hinter den Kulissen abgelaufen ist, kann ich nicht beurteilen.
Die Band spielte 30 statt der gewohnten 28 Songs, so die Setlist. She’s Love Crazy Baby, Stop Crying Mr. Tambourine Man Shelter from the Storm It’s All Over Now, Baby Blue Tangled Up In Blue Ballad of a Thin Man Maggie’s Farm I Don’t Believe You (She Acts Like We Never Have Met) Like a Rolling Stone I Shall Be Released Going, Going, Gone A Change Is Gonna Come Love Minus Zero/No Limit A Hard Rain’s A-Gonna Fall One of Us Must Know (Sooner or Later) You’re a Big Girl Now One More Cup of Coffee (Valley Below) Blowin’ in the Wind I Want You Señor (Tales of Yankee Power) Masters of War Just Like a Woman Don’t Think Twice, It’s All Right All Along the Watchtower All I Really Want to Do It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding) Forever Young I’ll Be Your Baby Tonight The Times They Are A-Changin’
Volker Bertelmann alias Hauschka hat dieses Jahr den Soundtrack-Oscar zu Im Westen nichts Neues erhalten, absolut verdient wie ich meine. Das ist sein erster Oscar, nachdem es 2016 mit der Musik zu Lion – Der lange Weg nach Hause nicht geklappt hatte. Das ist also mein Soundtracktipp.
Es gibt verschiedene Ausgaben von Im Westen nichts Neues, bisher wohl alle nur auf Vinyl. Eine CD hab ich bisher noch nicht entdeckt. Ich habe die Nummer 436 der auf 2000 Exemplare veröffentlichten Smokey-Vinyl Version.
Der Soundtrack zum Antikriegsfilm hat mich beim Betrachen des Films tief getroffen. Die Musik basiert auf einem Harmonium, das Bertelmanns Uroma gehört hatte. Das dreitönige Motiv des Harmoniums durchzieht den kompletten Film. Der Klang des Instruments wurde durch einen Verzehrer und Gitarrenverstärker gejagt und wirkt nun kalt und brutal – aber dennoch lebendig. Das Holz und der Blasebalg des Harmonium haben einen emotionalen Klang, der eben nicht mit einem Synthesizer erzeugt wird. Bertelmann verwendet in seinen Hauschka-Alben sonst präparierte Klaviere. Ein minimalistischer Klang des Albums vor dem man Angst haben muss. Die Wirkung auf mich ist heftig. Für mich eine klare Empfehlung des Soundtüfters. Der Score wurde übrigens komponiert, nachdem die Dreharbeiten abgeschlossen waren.
Ich wollte ihn unbedingt einmal live sehen: Elton John ist auf seiner Abschiedstour und sollte eigentlich 2020 in Hamburg gastieren. Dann kam Corona und die Tour wurde auf 2023 verschoben. Mit meiner Familie bin ich im Mai nach Hamburg den Auftakt des dreitätigen Hamburg-Gastspiels in der Barclays Arena zu erleben.
Ich hab das Konzert genossen, aber mit einer Träne in den Augen. Nie wieder werde ich diese schillernde Persönlichkeit live erleben dürfen. Es war ein wunderbarer musikalischer Abschied von einem Künstler, die meine Welt der Rock und Pop-Musik geprägt hat und ganz große Spuren hinterlassen hat. Zwar verzichtete ich am Merch-Stand mir ein Andenken zu kaufen, ich investiere mehr in seine Musik.
Gegenüber der Bühne nahm ich Platz und dachte an meine Jahre mit Elton John: Natürlich Diana, natürlich die seltsame Heirat mit der deutschen Braut Renate Blauel, dann das Bio-Pic Rocketman und vieles mehr. Einmal traf ich als Lokaljournalist den Meister Elton John auf dem Militärflugplatz Fursty in Fürstenfeldbruck. Der Musiker bekam eine Sonderstarterlaubnis mit seiner Maschine, ähnlich wie schon zuvor Frank Sinatra. Aber weder Sinatra noch John würdigen mich eines Blickes und es gab auch kein Autogramm, trotz meiner mitgebrachten Single von Crocodile Rock – schade.
Ich habe den Musiker Elton John als Jugendlicher 1983 mit seinem Hit I’m still Standing kennengelernt. John war menschlich in einer Krise und spielte sich mit zahlreichen Hits zurück an die Spitze. Der Song kam aus dem Album Too Low for Zero, was ich mir natürlich sofort zulegte. Ich wusste damals nichts von Bernie Taupin, der seit 1976 hier endlich wieder mit Elton John zusammenarbeite. Was ich auch nicht wusste, dass es das 17. Album des Künstlers war. Zug um Zug lernte ich die früheren Alben von Elton John kennen und lernte so viele fantastische Songs kennen.
Ich mag Goodbye Yellow Brick Road von 1973 und unter diesem Motto stand auch die Abschiedstour von Elton John. Das Ende des Konzerts war dann auch die gelbe Backsteinstraße, die im Musical Der Zauberer von Oz in die Smaragdstadt führt – einfach zauberhaft.
Ich hab es nicht geglaubt, dass ein Mann am Klavier so eine Show auf die Beine stellen kann. Beim Laufen bemerkt man den Hüftschaden des Künstlers und natürlich sind die Zeiten der Akrobatik auf dem Klavier vorbei. Mit 76 Jahren macht man einfach keine großen Sprünge, aber stimmlich ist Elton John grundsätzlich auf der Höhe und riss das Publikum mit. Auch dieses Publikum ist mit ihm gealtert und schwelgte wie ich in Erinnerungen an die alten Zeiten. Und wir genossen die Multimedia-Show auf der Bühne inklusive des fahrenden Flügels. Mein persönlicher Favorit war die Einblendung eines meiner Helden Alan Turing, der ebenso wie Elton John homosexuell ist, dies aber mit seinem Leben bezahlen musste.
Während der Zugabe erzählte Elton dem Publikum, dass seine allererste Show in Deutschland vor 51 Jahren in Hamburg stattfand und dass die Konzerte seine allerletzte Shows in Deutschland sein würden – wieder in Hamburg – und dass es „typisch für mich“ sei, den Kreis zu schließen, mit einem Lächeln.
Ich war mit der Setlist in Hamburg fast zufrieden – es waren alle Hits dabei, die ich hören wollte. Aber es fehlte der zweite Song der mich mit Elton John bekannt machte: Pinball Wizard aus dem Tommy-Film nach der Rockoper von The Who. Ich hatte und habe die Single aus dem Soundtrack und war von dem ungeliebten Song von Pete Townshend begeistert. Wahrscheinlich wollte Elton John bei der Welttour keine Tantiemen an Townshend abgeben, aber ich weiß es nicht. Was ich weiß, dass ich das Konzert sehr genossen habe – ebenso wie meine Familie und die zig Tausend Konzertbesucher. Und das war die Setlist von Hamburg. Hinter den markierten Links befinden sich die Konzertaufnahmen als Video.
Eigentlich ist das neue Bob Dylan Album Shadow Kingdom keine neue Sache, aber es ist eine gute Sache. Die Songs stammen aus einem Streaming-Konzert von Veeps.com des Jahres 2021 in der Corona-Hochphase. Dylan unterbrach seine Never Ending Tour und nahm dieses Konzert mit alten Songs auf. Diese Aufnahmen des Jahres 2021 wurden jetzt von Sony veröffentlich – leider ziemlich lieblos verpackt.
Die tadellose Musik ist im Grunde Tanzmusik und passte zu diesem Schwarzweiß-Konzert mit Maske und Clubatmosphäre. Es wurde in Santa Monica über mehrere Tage von Alma Har’el aufgenommen. Wunderbare Musik- und Filmaufnahmen, wie ich finde – allen voran Forever Young und When I paint my Masterpiece. Der Konzertfilm oder sagen wir besser Kunstfilm, Weiler ja kein wirkliches Konzert war, soll in ein paar Tagen als Download und Stream erscheinen – bisher habe ich von einer Veröffentlichung auf Datenträger noch nichts gehört, leider. Nach dem Streaming war das Konzert einen Tag in YouTube, dann hat der Rechteinhaber es löschen lassen.
Das Album Shadow Kingdom kommt in einen schäbigen Jewel-Case daher, beim Herausnehmen muss man aufpassen, dass man das Pappcover nicht zerreißt. Es gibt bis auf die Songliste keine weiteren Angaben. Kaum Bilder, keine Angaben über die vorzüglichen Musikanten. Ich habe mal recherchiert. Es spielen auf dem Album neben dem Meister, Jeff Taylor – Akkordeon, Greg Leisz – Gitarre, Pedal-Stahl-Gitarre, Mandoline, Tim Pierce – Gitarre, T-Bone Burnett – Gitarre, Ira Ingber – Gitarre, Don Was – Kontrabass, John Avila – E-Bass, Doug Lacy – Akkordeon und Steve Bartek – zusätzliche Akustikgitarre. Im Film spielen Alex Burke, Gitarre (Finger-Synking), Buck Meek, Gitarre (Finger-synching), Shahzad Ismaily, Akkordeon (Finger-synching), Janie Cowan, Kontrabass (Finger-synching) und Joshua Crumbly, Gitarre (Finger-synching).
Ich muss zugeben, ich mag dieses Konzert sehr gerne, aber die lieblose Aufmachung von Sony ist eines Meisters wie Bob Dylan nicht würdig.