Archive for the ‘Film’ Category

50 Jahre „The Rocky Horror Picture Show“ – meine Matinee

19. Juli 2023

„The Rocky Horror Picture Show“ ist ein kultiger Film, der sich keiner bestimmten Kategorie zuordnen lässt. Mit einer einzigartigen Mischung aus Musical, Komödie und Science-Fiction erobert er die Herzen der Zuschauer seit Jahrzehnten. Vor kurzem durfte ich im Saal Kino in Fürstenfeldbruck zum 50jährigen Bestehen des Films eine hervorragend besuchte Matinee durchführen.

16.5.1973 – Vor 50 Jahren fand die Uraufführung der Rocky Horror Show in London vor nur etwa 60 Zuschauern statt. Seitdem besuchten 20 Millionen Fans das Kult-Musical.

Am 14. August 1975 startete »Rocky Horror Picture Show« in den Kinos in Großbritannien. Allerdings ohne großen Erfolg. Auch in den USA war der Film zunächst ein Flop. Erst ein Jahr später entwickelte sich Rocky Horror in Mitternachtsvorstellungen zum Publikumsmagnet – besonders in Gegenden, wo es eine LGBT-Szene und in Studentenstädten wie Austin, Texas.

The Rocky Horror Picture Show ist ein Musical von Richard O’Brien. 1975 erschien der zugehörige Film, der heute längst Kult ist. Sogar der Soundtrack zum Film ist ein Klassiker geworden. Für die Schauspieler Susan Sarandon und Tim Curry bedeutete der Film den Durchbruch in ihrer Karriere.
Der Film erzählt die Geschichte des jungen und unschuldigen Paares Brad und Janet, die in das schrullige Schloss des transsexuellen Wissenschaftlers Dr. Frank-N-Furter geraten. Von dem Moment an, in dem sie die Türschwelle überschreiten, werden sie in ein verrücktes und sexuell aufgeladenes Abenteuer voller verrückter Charaktere und mitreißender Musik gezogen.

Unberechenbar
Die Stärke von „The Rocky Horror Picture Show“ liegt in seiner Unberechenbarkeit. Der Film bricht mit Konventionen und Normen und fordert die Zuschauer heraus, alle Grenzen zu überschreiten. Er ist ein Fest für die Sinne, von den bunten Kostümen über die eingängigen Songs bis hin zu den provokativen Dialogen. Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg beeindruckend, wobei Tim Curry in der Rolle des Dr. Frank-N-Furter besonders hervorsticht. Seine Darstellung ist voller Energie und Charisma und macht ihn zu einem unvergesslichen Charakter.

Keine oberflächliche Unterhaltung
„The Rocky Horror Picture Show“ ist jedoch nicht nur oberflächliche Unterhaltung. Unter seiner exzentrischen Oberfläche behandelt der Film Themen wie Sexualität, Identität und Akzeptanz. Er regt zum Nachdenken an und feiert die Individualität und Freiheit, sich selbst zu sein. Trotz seiner Zeitlosigkeit ist der Film ein Produkt seiner Zeit, der die sexuelle Revolution der 70er Jahre widerspiegelt. In diesem Film spielen sexuelle Unterdrückung und Befreiung eine zentrale Rolle, zusätzlich zur Akzeptanz von Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität usw. Dazu gibt es, Mord und Kannibalismus. Am Ende verwandelt sich das Schloss in ein Raumschiff, das zurück zum Planeten Transsexuell in der Galaxie Transsilvanien fliegt.

Treue Fangemeinde
Der Film hat eine treue Fangemeinde, die regelmäßig zusammenkommt, um ihn als interaktives Erlebnis zu feiern. Die Zuschauer singen und tanzen mit, werfen Requisiten und nehmen aktiv am Geschehen teil. Diese interaktive Atmosphäre macht „The Rocky Horror Picture Show“ zu einer einzigartigen Erfahrung, die man am besten mit Gleichgesinnten teilt.

Insgesamt ist „The Rocky Horror Picture Show“ ein wahrhaft unkonventioneller Film, der die Konventionen des Mainstream-Kinos herausfordert. Er ist ein Fest der Exzentrik und der sexuellen Freiheit, das bis heute nachhallt. Wenn du nach einem außergewöhnlichen und unterhaltsamen Filmerlebnis suchst, das dich zum Lachen bringt und zum Nachdenken anregt, dann solltest du unbedingt „The Rocky Horror Picture Show“ eine Chance geben.
Die nächste Matinee ist am 23. Juli im Scala Kino der Klassiker Das Cabinet des Dr. Caligari. Karten gibt es hier.

Erinnerungen an Nico – sie starb vor 35 Jahren

18. Juli 2023

Ich bin nicht immer in der Stimmung für Ihre Musik, aber wenn ich sie bewusst hören will, dann bin ich ihr verfangen. Diese Stimme starb heute vor 35 Jahren am 18. Juli 1988 auf Ibiza. Gemeint ist Nico.

Die Sängerin Nico war zweifellos eine außergewöhnliche Künstlerin, die durch ihre einzigartige Stimme, ihren unverkennbaren Stil und ihre tiefsinnigen Interpretationen einen bleibenden Eindruck in der Musikwelt und auf mich hinterlassen hat. Geboren am 16. Oktober 1938 als Christa Päffgen in Köln wurde sie später unter ihrem Künstlernamen Nico bekannt und fand ihren Platz in der alternativen Musikszene der 1960er und 1970er Jahre.

Nico begann ihre Karriere als Model und Schauspielerin, bevor sie durch ihre Verbindung zur New Yorker Künstler- und Musikszene in den Fokus der Aufmerksamkeit rückte. Ihre Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Andy Warhol und dessen Projekt The Velvet Underground machte sie zu einem prominenten Mitglied der Underground- und Avantgarde-Bewegung. Ihre markante, tiefe Stimme, die oft mit einem Hauch Melancholie durchzogen war, verlieh den Liedern der Band eine einzigartige Faszination und ergänzte perfekt die experimentellen Klänge der Musik. Meine erste LP war The Velvet Underground by The Velvet Underground und dann gleich darauf das Meisterwerk mit der Banane The Velvet Underground & Nico.

Nach ihrem Ausstieg bei The Velvet Underground begann Nico eine Solokarriere und veröffentlichte mehrere Alben, die ihre Vielseitigkeit als Künstlerin unter Beweis stellten. Ihre Musik bewegte sich zwischen experimentellem Rock, Folk und elektronischen Klängen, wobei sie oft von düsteren und existenziellen Themen inspiriert wurde. Dabei war sie stets ehrlich und authentisch, was ihr eine treue, aber kleine Anhängerschaft einbrachte, die ihre Kunst zu schätzen wusste.

Schauspielerin und Künstlerin
Neben ihrer Musikkarriere war Nico auch als Schauspielerin aktiv und trat in mehreren Filmen auf, darunter Federico Fellinis „La Dolce Vita“. Diese Vielseitigkeit in ihrem künstlerischen Ausdruck zeigte, dass sie nicht nur eine Sängerin, sondern eine wahre Künstlerin in allen Facetten war.
Nico führte ein intensives, aber auch schwieriges Leben, das von Drogenabhängigkeit und persönlichen Herausforderungen geprägt war. Leider endete ihre Reise viel zu früh, als sie am 18. Juli 1988 nach einem tragischen Fahrradunfall verstarb. Sie starb aufgrund einer nicht rechtzeitig erkannten Hirnblutung am selben Tag im Krankenhaus. Nico wurde in Berlin auf dem Friedhof Grunewald-Forst im Grab ihrer Mutter beigesetzt.

Ihr Vermächtnis lebt jedoch weiter. Nico wird als Ikone der Avantgarde-Musik verehrt und hat zahlreiche Künstler nach ihr beeinflusst. Ihre eindringliche Stimme und ihre einzigartigen Kompositionen werden weiterhin gehört und geschätzt, und ihre Bedeutung für die Musikgeschichte bleibt unbestreitbar.
In Erinnerung an Nico werde ich ihre Kunst und ihren Mut, Grenzen zu überschreiten, stets in Ehren halten. Möge ihre Musik weiterhin Menschen inspirieren und dazu anregen, die Vielfalt und Tiefe der menschlichen Emotionen zu erforschen. Nico wird unvergessen bleiben und als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Zeit in die Geschichte eingehen.

Dazu einen Filmtipp
NICO, 1988 ist ein Roadmovie über die letzten Lebensjahre von Christa Päffgen. Der Film erzählt von ihren letzten Auftritten in den achtziger Jahren und spielt in Paris, Prag, Nürnberg, Manchester, auf dem polnischen Land und an der römischen Küste. Regisseurin Susanne Nicchiarelli taucht tief ein in das Leben einer tragischen, aber bemerkenswerten Frau, die von der dänischen Schauspielerin und Sängerin Trine Dyrholm (DIE KOMMUNE, DAS FEST), kompromisslos dargestellt wird. Alle Songs im Film werden von Trine Dyrholm selbst gesungen.

Filmriss online – Juli 2023 – Infos und Meinung aus der Welt des Scala-Kinos

13. Juli 2023

Hier die neueste Folge meines Herzensprojekts Filmriss online. Jeden Monat spreche ich mit meinem Kumpel Markus Schmölz über neue Kinofilme und werfen einen Blick hinter die Kulissen des Kinos.

Dieses Mal ist der siebte Teil von Mission Impossible, der neue Barbie-Film und Oppenheimer im Mittelpunkt unseres Interesses. Ich darf ein wenig über den Soundtrack zu Psycho von Bernard Herrmann erzählen und wir freuen schon sehr auf die Juli-Matinee am 23. Juli im Scala Kino. Ich bespreche und zeige den fanatischen Film Das Cabinet des Dr. Caligari. Karten gibt es hier.

Also viel Spaß mit rund einer halben Stunde Filmriss online, die Juli-Ausgabe.

100-Tage Countdown zum 100-jährigen Jubiläum der The Walt Disney Company startet heute

8. Juli 2023

Heute sind es noch 100 Tage bis die große Sause um Disney beginnt. Der 100-Tage Countdown zum 100-jährigen Jubiläum der The Walt Disney Company am 16. Oktober 2023 beginnt heute. Im Sommer 1923 kaufte Walt Disney von seinen letzten 40 Dollar eine Fahrkarte für ein Zugticket nach Los Angeles, wo er und sein Bruder Roy O. Disney in der Garage ihres Onkels an der Herstellung von Animationsfilmen arbeiteten. In den nächsten 100 Jahren sollte die daraus entstandene The Walt Disney Company zu einem der bedeutendsten Entertainment-Konzerne der Welt werden. Und am Anfang stand Steamboat Willie, den ich immer noch auf Super 8 suche.

Über das ganze Jahr hinweg werden Fans und Kreative, die in den vergangenen 100 Jahren die Freude sowie den Zauber mitgestaltet und dieses Vermächtnis geschaffen haben, gefeiert. Ich werde mich als Filmfreund die nächsten 100 Tage immer wieder mit Disney beschäftigen.
Ich habe mal die deutsche Erstausgabe der Micky Maus rausgesucht, das wichtige Lehrbuch Die Kunst des Zeichentrickfilms oder das signierte Spiel Micky Epic.

In erster Linie kenn ich den Konzern von den Filmen und Spielen, einmal besuchte ich den Freizeitpark in Paris und auch die Kreativität von Walt Disney wird behandelt – und natürlich die Zukäufe des Konzerns wie Lucasfilm oder Pixar, die neues Blut beigesteuert haben und den Konzern kreativ retteten.

Auf der Todo-liste: Ausstellung Disney100
Auf den Programm steht bei mir noch die Ausstellung Disney100 zu Disney, die in München gastiert. Seit dem 18. April ist mit Disney100: Die Ausstellung die größte Disney Ausstellung aller Zeiten in der Kleinen Olympiahalle in München zu Gast und ermöglicht Fans Einblicke in die Entstehung der Charaktere, Filme, Shows und Attraktionen von Disneyland bis Walt Disney World und nimmt die Gäste mit auf eine Reise durch ein ganzes Jahrhundert voller Abenteuer, Zauber und Fantasie. Die Jubiläumsausstellung wird bis zum 3. September in München zu sehen sein und geht anschließend auf Europatournee.

Filmkritik: MISSION: IMPOSSIBLE – DEAD RECKONING Teil 1

6. Juli 2023

Wir gehen in die siebte Runde mit Ethan Hunt und begleiten ihn und seine Freunde auf ihre unmöglichen Missionen und es wird mit MISSION: IMPOSSIBLE – DEAD RECKONING Teil 1 schon gleich der nächste Teil des Kino-Franchise angekündigt, also Runde zwei wohl in absehbarer Zeit.

Gleich vorweg: Der Film macht Spaß, aber wenn man ehrlich ist: Kennste einen, kennste alle. Verschwörung, Geheimnisse, drohende Worte, hinterhältige Intrigen – alles schon mal gesehen, aber es macht Spaß den neuen Aufguss wieder im Kino zu genießen, sei es nun in der siebten Wiederholung.
Dieses Mal muss sich Ethan Hunt mit einer Künstlichen Intelligenz herumschlagen und reitet damit vorausschauend auf der aktuellen KI-Welle mit. Wie sagte schon der Philosoph Elon Musk: KI ist gefährlicher als Atombomben. Hier spielt der Film geschickt mit aktuellen Entwicklungen und Ängsten. Das Schicksal der Welt liegt in den Händen des IMF-Agenten und dir fast drei Stunden vergehen ohne Langeweile.

Aber auch hier stellt der geneigte Zuschauer fest: Alles schon mal irgendwie gesehen: U-Boot aus roter Oktober, Fiat 500 aus tödlicher Mission (okay da war es eine Ente), Zug aus dem Orient-Express und diversen Indy Jones-Filmen. Und man fragte sich immer wieder: Ist Ethan Hunt eigentlich der bessere James Bond? Natürlich hinkt der Vergleich, denn Bond ist dann doch eine Klasse für sich, aber irgendwie ähneln sich die Filme unserer Helden immer mehr.

Einen Vorteil hat Ethan Hunt gegenüber James Bond allerdings. Er hat als Regisseur Christopher McQuarrie fast schon dauerhaft an seiner Seite. Christopher McQuarrie hat schon einige Filme mit dem US-Superstar gedreht und harmoniert ausgezeichnet mit seinem Star. Er tut der IM-Reihe und vielen Tim Cruise einfach gut und das vertrauensvolle Zusammenspiel merkt man, seit dem er das 2008 das Drehbuch zum Cruise-Filme Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat verfasst hat. Der IM-Film wurde ja in der Corona-Zeit gedreht und die Unterbrechungen merkt man den Film nicht an – er wirkt wie in einem Guss.

Aber MISSION: IMPOSSIBLE – DEAD RECKONING TEIL EINS hat einige interessante Sidekicks zu bieten, ob Absicht oder nicht, kann ich nicht sagen. Ein Bösewicht, wenn nicht gar der böseste aller Bösewichte heißt Gabriel. Sofortige Assoziation zum Erzengel Gabriel. Er wird oft mit wichtigen Botschaften und Offenbarungen in Verbindung gebracht, zum Beispiel als Überbringer der Botschaft an Maria über die Geburt von Jesus. Die KI als neue Gottheit und Gabriel ist der Überbringer?
Und nun kommt es knüppeldick. MISSION: IMPOSSIBLE – DEAD RECKONING TEIL EINS schaut kräftig bei der deutschen Romantik ab. Damals ging es ja entweder um entwendete Briefe oder entwendete Schlüssel. Der Film dreht sich um die Suche nach einem Schlüssel mit dem die KI beherrscht werden kann.

Der Schlüssel hat in der Literatur von Friedrich Schiller und in der deutschen Romantik verschiedene Bedeutungen. Eine wichtige Rolle spielt der Schlüssel als Symbol für das Geheimnisvolle, das Verborgene oder das Unbekannte. Er kann als Metapher für den Zugang zu verborgenen Wahrheiten, tiefen Emotionen oder geheimnisvollen Welten dienen. Der Schlüssel kann auch als Symbol für die Suche nach Freiheit, Erkenntnis oder der eigenen Identität verwendet werden. In Schillers Werken wird der Schlüssel oft als Mittel zur Lösung von Konflikten oder zur Erlangung von Wissen eingesetzt. In der deutschen Romantik wird der Schlüssel häufig mit Elementen wie Naturmystik, Traumwelten und dem Streben nach Transzendenz verbunden. Ist Tom Cruise gar ein Fan vom alten Schiller? Da sollten wir den Herrn mal befragen. Folgt man dieser Interpretation, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Folgt man ihr nicht, dann ist MISSION: IMPOSSIBLE – DEAD RECKONING TEIL EINS ein weiterer solide gemachter Action-Film, der drei Stunden Unterhaltung bringt und bei Kinobesitzer bei der Planung des Programm für einen Nervenzusammenbruch sorgt. Kinostart in Deutschland ist der 13. Juli 2023

Ausstellung Phantome der Nacht 100 Jahre Nosferatu

4. Juli 2023

Ich besuche gerne Ausstellungen und die wichtigste Ausstellung im ersten Halbjahr war für mich Phantome der Nacht 100 Jahre Nosferatu, die in der Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin zu sehen war.

Der Film Nosferatu – eine Symphonie des Grauens (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau ist für mich eine Ikone des deutschen Stummfilms und für mich einer der besten fantastischen Filme überhaupt. Ich habe so viel über den Film gelesen, ihn mehrmals gesehen zuletzt in der wunderbar restaurierten Version der Murnau-Stiftung, ich habe einige Seminare zu diesem Meisterwerk des Grauens gehalten – nun wollte ich ein paar neue Hintergründe entdecken.

Nosferatu ist nicht ohne kunsthistorische Vorbilder zu denken. In den Entwürfen für die Ausstattung befinden sich Motive, die an die Radierungen Francisco de Goyas erinnern, an die deutsche Romantik oder an die phantastische Kunst und Literatur des frühen 20. Jahrhunderts. Anleihen bei Caspar David Friedrich sind ebenso zu erkennen wie bei Alfred Kubin, Stefan Eggeler oder Franz Sedlacek. Darüber hinaus warf die Ausstellung einen Blick auf die Auswirkungen „Nosferatus“ im Bereich der zeitgenössischen Kunst, Alltagskultur und Populärkultur. Nosferatu wirkt noch immer, trotz seiner über 100 Jahre. Werner Herzog drehte eine Neuverfilmung, Shadow of the Vampire erzählt von den Dreharbeiten und im Moment ist die Produktion für einen neuen Nosferatu-Film abgeschlossen.

Für mich sehr interessant waren die Ideen von Albin Grau, dem Produzenten des Films, der sich später ganz den Okkultismus verschrieben hat. In Nosferatu flossen viele seiner okkulten Gedanken ein und es waren viele seiner Zeichnungen zu bestaunen.

Während Murnaus Biografie weitgehend geschrieben ist, weiß man von Albin Grau bislang nur wenig. Dass er Anfang der 1920er Jahre in Berlin einer der führenden Köpfe der esoterischen, der okkulten Szene war, dass er 1924 während der in der satanischen Szene höchst wichtigen Weida-Konferenz auf Aleister Crowley traf und ihm, nach anfänglicher Faszination, die Stirn bot und mit seinem LIBER I einen Alternativ-Entwurf zu Crowleys grundlegendem LIBER AL veröffentlichte, dass er im Dritten Reich eine entscheidende Rolle in Sachen Wehrmacht-Kraftfahrtwesen einnahm, dass er seinen Lebensabend im bayrischen Luftkurort Bayrischzell verbrachte und sich mit Landschaftsmalerei bis zu seinem Tod über Wasser hielt, dass er kurz vor seinem Tod dem O.T.O. beitrat und mit dem Weltbund der Illuminaten in Kontakt stand, all dies wird in einer neuen Biografie erzählt, die irgendwann erscheint und die ich sehnsüchtig erwartete. Bis es soweit ist, lese ich den Katalog zur Ausstellung wieder und immer wieder. Auch wenn man in Berlin nicht vor Ort war und die Exponate live sehen konnte, gibt es einen sehr guten Eindruck und die Gedanken zum Film müssen sowieso mehrmals gelesen werden, um sie komplett zu erfassen.

Wenig zu sehen gab es allerdings über den großen Max Schreck, der den Vampir darstellt. Das kam mir bei der Ausstellung ein wenig zu kurz, wobei die Ausstellung wohl einen anderen Schwerpunkt gelegt hat.

Ich habe zwei VR 360 Grad Filme über die Ausstellung gedreht, damit man einen Eindruck bekommt.

Filmkritik: Indiana Jones und das Rad des Schicksals

29. Juni 2023

Es ist ein Film für alte Leute, es ist damit ein idealer Film für mich. Und sagen wir es mal so: Indiana Jones und das Rad des Schicksals ist nicht der beste Film der Indiana Jones-Reihe, aber persönlich finde ich den fünften Teil der Reihe deutlich besser als sein Vorgänger Kristallschädel. Was aber auch nicht heißt, dass es ein guter Film geworden ist.

Das Hauptproblem des Film ist für mich, dass es eigentlich nichts neues zu sehen gibt. Wir treffen alte Bekannte und sie sind wirklich alt geworden. Aber ich habe sie in mein filmisches Herz geschlossen: Steven Spielberg, George Lucas, Meister John Williams und natürlich den Spitzbuben Harrison Ford und ja auch mit Karen Allen als Marion Ravenwood gibt es ein Wiedersehen.

Indiana Jones und das Rad des Schicksals ist ein großes Leinwand-Spektakel, was auf der Kinoleinwand genossen werden sollte, denn dafür ist der Film gemacht. Der Film lebt von seiner Vergangenheit, vor allen von den ersten drei Teilen, die Kinogeschichte geschrieben haben. Teil 4 hatte ein wirres Ende und Teil 5 ist ein wenig besser. Etwas weniger Bums und mehr Hirnschmalz beim Drehbuch hätten den Film besser gemacht.

Indy-Fans werden viele Anspielungen an früher erkennen. Die Angst vor Schlangen, die wir von früheren Teilen kennen, kommt dieses Mal unter Wasser daher. So richtig gelacht habe ich nur einmal im Jahre 1969 als unser Held den drei Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins zu Pferd begegnet ist, die sich gerade in New York mit einer Parade feiern ließen. Dabei zeigte sich das überaus eindrucksvolle Setdesign des Film, um eine authentische Großstadt der Sechziger Jahre samt Beatles Musik und Revolution. Während Jones in den früheren Teilen schmachtende Blicke seiner Vorlesungshörerinnen erntete, bekommt er 1969 nur Gähnen. Also ab ins Rententeil mit ihm samt goldener Uhr.

James Mangold („Le Mans 66 – Gegen jede Chance“, „Logan – The Wolverine“) versteht sein Handwerk, aber dennoch kam bei mir nur Wehmut aus der Vergangenheit auf. Es war mir alles zuviel, zuviel Krach, zuviel Action. Als ich aus dem Kinosaal kam, legte ich zu Hause nicht die anderen Indy-Teile ein, sondern sah mir das Vorbild von Indiana Jones an: Gunga Din, den Film von 1939 von George Stevens mit Cary Grant. Damals war das Kino noch ein großen, tosendes Kinospektakel.

Heute habe ich mich sattgesehen an den CGI-Wettkämpfen und Superlativen, höher, weiter, größer. Dieser Versuchung ist auch Indiana Jones und das Rad des Schicksals erlegen. Großes lautes Kino ohne Sinn und Verstand – und leider leidet auch die Unterhaltung und das Vergnügen neues odergar eine Geschichte zu entdecken, denn irgendwie habe ich alles schon gesehen. Die bösen Nazis, die Verfolgungsjagden in der Autorikscha TukTuk, abstürzende Flugzeuge und eine historische Zeitreise zu Archimedes gibt es auch, als ob es Time Bandits von Terry Gilliam nie gegeben hätte.

Der Film ist gut gemacht, ohne Frage – und auch Harrison Ford spielt seinen Indy mit viel Humor und Gelassenheit. Aber irgendwann ist auch mal gut. Jetzt ist es Zeit loszulassen. James Mangold sagte auch schon, dass es mit ihm keine Spin Offs geben wird – guter Mann, gute Entscheidung.

Also vielen Dank Indy für deine Abenteuer. Ich hab es genossen und immer wenn dein Marsch erklingt, dann summe ich die Melodie. Wie kann ein Stück Filmgeschichte besser in Erinnerung bleiben? Übrigens, der Score ist wieder mal genial.

Soundtracktipp: Im Westen nichts neues von Volker Bertelmann

22. Juni 2023

Volker Bertelmann alias Hauschka hat dieses Jahr den Soundtrack-Oscar zu Im Westen nichts Neues erhalten, absolut verdient wie ich meine. Das ist sein erster Oscar, nachdem es 2016 mit der Musik zu Lion – Der lange Weg nach Hause nicht geklappt hatte. Das ist also mein Soundtracktipp.

Es gibt verschiedene Ausgaben von Im Westen nichts Neues, bisher wohl alle nur auf Vinyl. Eine CD hab ich bisher noch nicht entdeckt. Ich habe die Nummer 436 der auf 2000 Exemplare veröffentlichten Smokey-Vinyl Version.

Der Soundtrack zum Antikriegsfilm hat mich beim Betrachen des Films tief getroffen. Die Musik basiert auf einem Harmonium, das Bertelmanns Uroma gehört hatte. Das dreitönige Motiv des Harmoniums durchzieht den kompletten Film. Der Klang des Instruments wurde durch einen Verzehrer und Gitarrenverstärker gejagt und wirkt nun kalt und brutal – aber dennoch lebendig. Das Holz und der Blasebalg des Harmonium haben einen emotionalen Klang, der eben nicht mit einem Synthesizer erzeugt wird. Bertelmann verwendet in seinen Hauschka-Alben sonst präparierte Klaviere. Ein minimalistischer Klang des Albums vor dem man Angst haben muss. Die Wirkung auf mich ist heftig. Für mich eine klare Empfehlung des Soundtüfters. Der Score wurde übrigens komponiert, nachdem die Dreharbeiten abgeschlossen waren.

80 Jahre Lügenbaron Münchhausen im Film

20. Juni 2023

Am 3. März 1943 kam es zur Premiere des Films Münchhausen im Berliner UFA Filmpalast. Das als Leistungsschau angelegte Großprojekt glänzte mit neuer Farbtechnik, mit beeindruckenden Trick Aufnahmen und einer hochkarätigen Besetzung. Anlässlich des 80jährigen Jubiläums des Films durfte ich ein Onlineseminar durchführen und verwies auf die restaurierte Fassung des Murnau Stiftung, die ich ausdrücklich empfehlen will. Zudem möchte ich den Katalog zu 100 Jahre Ufa empfehlen.

1943 Mitten im Zweiten Weltkrieg ließ Propagandaminister Joseph Goebbels den bis dato teuersten Unterhaltungsfilm der Nazi-Zeit drehen. Bis heute wird diskutiert, ob der Film auch subtile Kritik am NS-Staat enthielt. Vier Wochen nach der Kapitulation der sechsten Armee in Stalingrad, 14 Tage nach Goebbels Sportpalast Rede zum totalen Krieg, zeigte die Premiere des Films ein trügerisches Bild von Normalität inmitten des beginnenden Zusammenbruchs des so genannten Dritten Reichs.

Der Film sollte 1943 zum 25-jährigen Jubiläum des Filmkonzerns Ufa die Leistungskraft des deutschen Kinos bezeugen.
Propagandaminister Goebbels hatte das übliche Kostenlimit aufgehoben und eine Sondergenehmigung erteilt, damit ein erstklassiger, aber offiziell verbotener Autor das Drehbuch schreiben konnte: Erich Kästner. Er schrieb nach de Krieg über den Auftrag: „Man trat damals an mich heran, für das 25-jährige Jubiläum der Ufa einen Jubiläumsfilm zu schreiben, na und da schlug ich Münchhausen vor. Und es war ja auch sehr gut, dass ich mal wieder ein Angebot hatte, denn vom Nägelkauen kann der Mensch nicht leben.“

Kästner hatte unter den Nazis gelitten. Am 10. Mai 1933 warfen bei der zentralen Veranstaltung in Berlin nationalsozialistische Studenten und Professoren und ihre Sympathisanten auf dem Opernplatz in Berlin eine große Anzahl von Büchern ins Feuer. Erich Kästner, einer der geächteten Autoren, schaute sich die Verbrennung in Berlin persönlich an. Er schreibt später: „Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen.“

Goebbels schätzte Kästners Gedichte, und gute Filmautoren waren in Deutschland rar, nachdem die Nazis die besten vertrieben hatten. Der NS-Propagandaminister wollte einen Film, der Hollywood Paroli und zugleich Ablenkung vom Krieg bieten sollte.

Aber Kästner hatte im Drehbuch auch Kritik am NS-Regime untergebracht. Als Schlüsselszene gilt ein Dialog, in dem der zwielichtige Graf Cagliostro Münchhausen für seine Eroberungspläne gewinnen will: „Wenn wir erst Kurland haben, pflücken wir Polen. Dann werden wir König.“ – „In einem werden wir zwei uns nie verstehen. Sie wollen herrschen, ich will leben. Abenteuer, Krieg, fremde Länder, schöne Frauen, ich brauche das alles. Sie aber missbrauchen es.“
Doch der verschlagene, Wucherzinsen nehmende Cagliostro trägt deutlich antisemitische Züge. Ihn verkörpert außerdem Ferdinand Marian, der die Titelrolle im antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ gespielt hatte.

Hauptdarsteller Hans Albers, der gemeinsame Auftritte mit Nazi-Größen vermied, war aber als Kinostar war beim Publikum beliebt. Und als direkte Anspielung auf den Gestapo-Terror wird oft jene Szene angeführt, in der Casanova Münchhausen in Venedig vor der Verfolgung warnt: „Venedig ist im Karneval ein gutes Versteck, seien Sie aber trotzdem vorsichtig. Die Staatsinquisition hat zehntausend Augen und Arme, und sie hat die Macht, Recht und Unrecht zu tun, ganz wie es ihr beliebt.“
In einer weiteren Szene philosophiert Münchhausen über eine Billardkugel. Sie werde gestoßen und wisse gar nicht, wie es mit ihr geschieht. Dies sei die gleiche Einstellung wie diejenige der Menschen, die fatalistisch und ohnmächtig einfach nur noch versucht haben, im nationalsozialistischen Deutschland durchzukommen.

Als Münchhausens Diener Christian Kuchenreutter nach einer langen Reise wieder nach Hause zurückkehrt, erkennt er gar nicht den jüngsten Sproß seiner Familie. Das ist wohl eine kritische Reminiszenz an die Fronturlaube von Soldaten.
Der Film endet mit der Reise zum Mond. Ein Jahr dauert auf dem Mond nur ein Tag. Somit wäre auf dem Mond ein tausendjähriges Reich schon nach knapp drei Jahren beendet. Dadurch zeigte der Film, das auch das Dritte Reich irgendwann vorübergehen würde.

Die Farben des Films
Goebbels ließ über die neutrale Schweiz Technicolor-Kopien von unter anderem Gone with the Wind (1939) und The Thief of Baghdad (1940) organisieren, um das Team um Regisseur Josef von Baky zu inspirieren. Und das sieht man dem Münchhausen-Film denn auch deutlich an. Dr Film wurde in Zusammenarbeit der Murnau Stiftung und Arri München aufwändig digital in 4 K restauriert. Dank der Farbberatung durch Professorin Dr. Barbara Flückiger von der Universität Zürich wurde sichergestellt, dass der Film nicht modern, sondern moderat in den damaligen Farbwerten restauriert wurde. Während das bis dahin übliche dreistreifige Technicolor Verfahren aus den USA eher bunt war, konnte das neu entwickelte Agfacolor (Farbenfilm genannt) mit pastelligen Tönen mehr Natürlichkeit und einfachere Kameras sicherstellen.

The Rocky Horror Picture Show – Matinee am Sontag, 18. Juni im Scala

14. Juni 2023

„The Rocky Horror Picture Show“ ist ein kultiger Film, der sich keiner bestimmten Kategorie zuordnen lässt. Mit einer einzigartigen Mischung aus Musical, Komödie und Science-Fiction erobert er die Herzen der Zuschauer seit Jahrzehnten. Am Sonntag, 18. Juni, um 10:35 Uhr darf ich im Scala Fürstenfeldbruck eine Matinee durchführen – Vortrag und Film. Die Karten gibt es hier.

Ich freu mich sehr auf diesen Film, der vielen bekannt sein dürfte. Der Film erzählt die Geschichte des jungen und unschuldigen Paares Brad und Janet, die in das schrullige Schloss des transsexuellen Wissenschaftlers Dr. Frank-N-Furter geraten. Von dem Moment an, in dem sie die Türschwelle überschreiten, werden sie in ein verrücktes und sexuell aufgeladenes Abenteuer voller verrückter Charaktere und mitreißender Musik gezogen.

Unberechenbar
Die Stärke von „The Rocky Horror Picture Show“ liegt in seiner Unberechenbarkeit. Der Film bricht mit Konventionen und Normen und fordert die Zuschauer heraus, alle Grenzen zu überschreiten. Er ist ein Fest für die Sinne, von den bunten Kostümen über die eingängigen Songs bis hin zu den provokativen Dialogen. Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg beeindruckend, wobei Tim Curry in der Rolle des Dr. Frank-N-Furter besonders hervorsticht. Seine Darstellung ist voller Energie und Charisma und macht ihn zu einem unvergesslichen Charakter.

Keine oberflächliche Unterhaltung
„The Rocky Horror Picture Show“ ist jedoch nicht nur oberflächliche Unterhaltung. Unter seiner exzentrischen Oberfläche behandelt der Film Themen wie Sexualität, Identität und Akzeptanz. Er regt zum Nachdenken an und feiert die Individualität und Freiheit, sich selbst zu sein. Trotz seiner Zeitlosigkeit ist der Film ein Produkt seiner Zeit, der die sexuelle Revolution der 70er Jahre widerspiegelt.

Treue Fangemeinde
Der Film hat eine treue Fangemeinde, die regelmäßig zusammenkommt, um ihn als interaktives Erlebnis zu feiern. Die Zuschauer singen und tanzen mit, werfen Requisiten und nehmen aktiv am Geschehen teil. Diese interaktive Atmosphäre macht „The Rocky Horror Picture Show“ zu einer einzigartigen Erfahrung, die man am besten mit Gleichgesinnten teilt.
Insgesamt ist „The Rocky Horror Picture Show“ ein wahrhaft unkonventioneller Film, der die Konventionen des Mainstream-Kinos herausfordert. Er ist ein Fest der Exzentrik und der sexuellen Freiheit, das bis heute nachhallt. Wenn du nach einem außergewöhnlichen und unterhaltsamen Filmerlebnis suchst, das dich zum Lachen bringt und zum Nachdenken anregt, dann solltest du unbedingt „The Rocky Horror Picture Show“ eine Chance geben.