Archive for the ‘Film’ Category

Kino muss sich neu erfinden

13. September 2023

Kino muss sich neu erfinden. Kino darf nicht nur mehr ein Filmtheater sein, in dem mehr oder weniger erfolgreiche Filme abgespielt werden. Kino muss sich verändern.

Ich war neulich Moderator einer sehr interessanten Diskussion unter Filmfreunden. Dort erklärte ein geschätzter Kollege, dass ihm Kino einfach zu teuer ist, wenn er mit der ganzen Familie einen Film besucht und dann zudem Softgetränke und Knabberzeugs geordnet werden. Da wartet er lieber drei Monate auf die Bluray-Veröffentlichung und zieht sich den Film über den heimischen 4K-Beamer und Soundanlage zu Hause rein – zu deutlich geringeren Kosten. Da half es auch nicht, dass ich die Kosten des Kinobetreibers anführte, der einen Teil des Filmeintritts an den Verleih abdrücken muss, Arbeitsplätze vor Ort sichert und sein Überleben und das seiner Angestellten durch Getränke und Fastfood sichern muss. Zudem kommen hohe Energie- und Mietkosten, Investitionen in Technik und Ausstattung.

Aussage steht gegen Aussage und klar ist: Kino muss sich neu erfinden. Die Studios müssen endlich ihre Mutlosigkeit aufgeben und in neue Stoffe investieren. Ich will als Kinogänger endlich neue Stoffe sehen. Ich will den Reiz des Kinos spüren. Ich will in eine Traumwelt eintauchen.

Wobei natürlich die schrecklichen Fortsetzungen gut laufen und Geld in die Kasse spielen. Mission Impossible, Indy Jones, Fast and Furious, Gurdian of the Galaxy und die Eberhofer-Reihe beweisen, dass das Rezept der Fortsetzungen eine sichere Bank ist. Alter Wein in neuen Schläuchen. Aber das wird das Kino nicht retten, denn ich brauche nur drei Monate warten, dann ist der Stream oder die Bluray-Veröffentlichung da. Ich will wieder überrascht werden. Ich will wieder fasziniert werden. Ich will wieder gebannt werden.

Wie sehen die Zahlen aus? Die Kino­branche verkauft im 1. Halbjahr mit 45,2 Mio Tickets 36,2 % mehr als 2022 und 15,7 % weniger als im vor-pandemischen 2019. Der Umsatz liegt mit 455 Mio Euro 48,9 % höher als 2022 – und beinah auf dem Niveau von 2019. Durch Erfolge wie Barbie und Oppenheimer hofft die Branche, an 2019 anzuschließen. Für mich persönlich sind die Dune 2 und Napoleon die Highlights des zweiten Halbjahres, wobei der lang erwartete Dune 2 schon auf 2024 verschoben wurde. Grund ist der Streik in Hollywood.

Welche Möglichkeiten hat das Kino? Ein Weg für mich: Kino muss stärker Community-Hotspot werden, ein Treffpunkt von Gleichgesinnten. Ich versuche es einmal im Monat mit einer Matinee mit fantastischen Filmen. 25 Minuten Vortrag von mir und dann schauen wir gemeinsam einen Film. Die Resonanz des Publikums ermutigt, die Matineen fortzusetzen. Es ist ein kleiner Teil des Communitybuildings, das mehr mit zielgruppenspezifischen Mailings unterstützt werden muss. All das hängt mit Datenpflege zusammen. Wenn ich weiß, wer mein Publikum ist, dann kann ich mein Publikum pflegen – ob Blockbuster oder Arthouse oder Familienfilm oder gar alles zusammen.

Ich genieße es auf Festivals zu gehen, um ein gleichgesinntes Publikum zu treffen. Vor kurzem war ich auf dem Fünf Seen Festival im bayerischen Oberland eingeladen. Interessantes Publikum, interessante Filme, sicherlich eine Nische, aber eine treue Nische für ein Kino. Aber auch hier gilt: Die richtige Zielgruppe muss erreicht werden.

Vor kurzem war Kinotag. An zwei Tagen im September beteiligten sich viele Kinos daran und boten an beiden Tagen einen reduzierten Eintritt von 5 Euro an, um die Begeisterung des Publikums für das Kino neu zu entfachen. Ich selbst durfte eine Matinee durchführen und hielt an beiden Tagen Vorträge über die Kinogeschichte im Foyer des Kinos. So sind es viele kleine Mosaiksteine, um aus Kino eine Community zu machen. Dazu gehören auch Firmen- und Geburtstagsfeiern im Kino. Im Zentrum steht natürlich der Film und die damit verbundene Unterhaltung. Aber Kino muss sich weiterentwickeln und ein Teil eines Kulturgemeinschaft eines Ortes sein. Dazu gibt es für 18jährige auch Geld vom Bund.

Der Buchhandel profitiert bisher am stärksten vom Kulturpass für 18jährige. Über den Kulturpass wurden bislang fast 200.000 Bücher gekauft. Auf Platz 2 liegen demnach Kinobesuche. Sie machen rund 14 Prozent aller Umsätze über das Guthaben aus. Der Kulturpass soll 18jährigen nach der Corona-Pandemie kulturelle Erlebnisse finanziell erleichtern.

Filmriss online – September 2023 – Infos und Meinung aus der Welt des Scala-Kinos

9. September 2023

Hier die neueste Folge meines Herzensprojekts Filmriss online. Jeden Monat spreche ich mit meinem Kumpel Markus Schmölz über neue Kinofilme und werfen einen Blick hinter die Kulissen des Kinos.

Dieses Mal sprechen wir über Wochenendrebellen, die Agatha Christie-Verfilmung, A Haunting in Venice, The Nun 2 und The Expendables 4. Ich darf ein wenig über den Soundtrack zu Black Hole von John Barry erzählen und wir freuen schon sehr auf die September-Matinee am 10. September im Scala Kino. Ich bespreche und zeige den Klassiker des modernen SF- und Horror-Films Alien. Karten gibt es hier. Markus Schmölz führt uns hinter die Kulissen des Kinos und zeigt, was technisch alles schief gehen kann.

Und wir diskutieren die Frage, warum hat Hollywood keinen Mut mehr, welche Auswirkungen der Streik hat und ist das Weihnachten im Kino in Gefahr, wenn viele Filme ins nächste Jahr verschoben werden wie Dune 2 oder Godzilla, Gönnt euch die 30 Minuten Unterhaltung und Information aus der Welt des Kinos.
Also viel Spaß mit rund einer halben Stunde Filmriss online, die September-Ausgabe.

Alien – Matinee am Sonntag, 10. September im Scala

8. September 2023

„Im Weltraum hört dich niemand schreien“ – so lautete die Verleihwerbung 1979 zu diesem heutigen Klassiker, den ich in meiner Matinee am 10. September im Scala Fürstenfeldbruck zeige, Es ist Kinotag und daher kostet der Eintritt auch nur 5 Euro. Restkarten gibt es hier.

Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, der 1979 unter der Regie von Ridley Scott veröffentlicht wurde, ist ein wegweisender Science-Fiction-Horrorfilm, der beide Genre nachhaltig geprägt hat. Er ist sowohl als Science Fiction als auch als Horror-Film in die Geschichte eingegangen. Der Film zeichnet sich durch seine düstere Atmosphäre, innovatives Design und seine effektive Verschmelzung von Science-Fiction und Horror aus.

Die Stärken von Alien liegen in seiner meisterhaften Spannungserzeugung und der Verwendung von minimalistischem Set-Design, um eine beklemmende und klaustrophobische Umgebung zu schaffen. Der Film kombiniert psychologische Spannung mit Schockmomenten und einer einzigartigen, biomechanischen Ästhetik, die zu einem ikonischen Look führte. Der Schweizer Künstler H.R.Giger schuf das Monster, erhielt dafür einen Oscar und die Türen Hollywoods öffneten sich für diesen Meister der Airbrush-Albträume.

Der Film ging neue Wege. Die Darstellung von Sigourney Weaver als Ellen Ripley brachte eine starke, weibliche Hauptfigur in den Vordergrund, die sich gegenüber der unerbittlichen Bedrohung durch den außerirdischen Xenomorph behauptet. Dies war zu der Zeit eine bemerkenswerte Abweichung von den gängigen Geschlechterrollen in Horrorfilmen, wo die Frau eher das Opfer als der Held war.

Die Art und Weise, wie Alien die Ängste des Unbekannten, der Isolation und der menschlichen Fragilität erforscht, hebt ihn von anderen Filmen des Genres ab. Die raffinierte Mischung aus Science-Fiction und Horror hat das Filmemachen beeinflusst und eine Reihe von Fortsetzungen, Prequels und Spin-offs inspiriert, die die Faszination für das Alien-Franchise bis heute am Leben erhalten haben. Über die Qualität der Nachfolgerfilme lässt sich diskutieren – über Alien nicht.

Aber nicht nur optisch ist der Film ein Bringer, sondern auch musikalisch. Der Soundtrack von Alien wurde von Jerry Goldsmith komponiert und ist ein herausragendes Beispiel für die atmosphärische und unheimliche Filmmusik. Goldsmith schuf eine musikalische Begleitung, die die bedrohliche und beklemmende Stimmung des Films perfekt einfängt.

Ein markantes Merkmal des Soundtracks ist die Verwendung von ungewöhnlichen Instrumenten und Klängen, die dazu beitragen, eine unheimliche und unheimliche Atmosphäre zu erzeugen. Goldsmith verwendete unter anderem Blasinstrumente wie die Oboe und die Bassklarinette, um unheimliche Melodien zu erzeugen, die das Gefühl der Isolation und der Bedrohung verstärken.

Ein weiteres herausragendes Element des Soundtracks ist die Verwendung von Chorstimmen, die in einigen Stücken zu hören sind. Diese Chorstimmen verleihen dem Soundtrack eine sakrale und beinahe gespenstische Qualität, die perfekt zur mystischen und furchteinflößenden Natur des außerirdischen Wesens passt.
Ich freue mich, wenn ich Sie am Sonntag im Scala zu meiner Matinee begrüßen darf. Die Karten gibt es hier.

Einblick in die filmische Seele Taiwans

1. September 2023

Ich bin ein wirklicher Filmfan, aber ich habe eine massive Lücke. Ich kenne keinen taiwanesischen Film. Daher freute ich mich sehr, dass ich eine Einladung zum Fünf Seen Festival vom Münchner Büro der Taipeh Vertretung nach Gauting erhalten habe, um mir zwei unterschiedliche taiwanesische Filme anzusehen: Untold Herstory (2022) und Millennium Mambo (2001).

Dr. Ian-Tsing Dieu von der Taipeh Vertretung München, den ich einstmals auf einem Empfang traf, hatte meine Frau und mich eingeladen. Dafür recht herzlichen Dank und auch dafür, dass ich in der Ansprache von Dr. Ian-Tsing Dieu persönlich begrüßt wurde.

Vor den Filmen gab es einen Empfang bei dem ich ein paar Bekannte traf. Darunter den Staatsminister a.D. Reinhold Bocklet sowie den Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes der bayerischen Bäcker Stephan Kopp. Nachdem meine Gattin Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des bayerischen Friseur- und Kosmetikhandwerks ist, standen waren natürlich Handwerksthemen im Mittelpunkt unserer Gespräche bei Fingerfood.

Ich war über die Filme überrascht. Ich hatte eine ähnliche Erzählweise erwartet, wie ich sie von japanischen Filmen kannte. Doch es war ganz anders: Lange Einstellungen, großes Schauspiel, tiefe Emotionen eingebettet in die Geschichte Taiwans.

Sehr berührt hat mich Untold Herstory, der während der Zeit des weißen Terrors spielte. Ich bin ein wenig mit der dramatischen Geschichte des Staates Taiwan vertraut. Die Kommunisten unter Mao gründeten auf dem Festland die Volksrepublik China. Die Republik China oder auch wurde, in Abgrenzung zur Volksrepublik, auch Nationalchina oder National-China genannt. Kollegen hatten aufgrund der Halbleiterindistrie in Taiwan gearbeitet. Ich konnte den Inselstaat leider noch nicht besuchen, es würde mich aber brennend interessieren.

Untold Herstory
Während der Zeit des Weißen Terrors (1949 – 1991) verhängte die Kuomintang-Regierung eine Reihe autoritärer Maßnahmen, darunter die Unterdrückung der freien Meinungsäußerung und die Verfolgung aller Kritiker der Regierung. Viele von ihnen wurden auf die „Grüne Insel“ verbannt, ein Eiland 33 Kilometer vor der Ostküste Taiwans, das in eine Strafkolonie umgewandelt worden war.

Basierend auf einem Buch von Ronald Tsao und zahlreichen mündlichen Zeitzeugenberichten spielt Zero Chou’s Untold Herstory in den frühen 1950er Jahren und erzählt die Geschichte der oft vergessenen weiblichen Gefangenen, die dort Schwerarbeit verrichten und sich intensiven Umerziehungskursen unterziehen mussten. Der Film folgt drei fiktiven Protagonistinnen: Hsing-hui (Yu Pei-jen), eine junge Schülerin, die unter dem Vorwurf eines Gedankenverbrechens verhaftet wurde, Chen Ping (Lien Yu-han), eine attraktive Tänzerin, deren gutes Aussehen die Aufmerksamkeit eines Lagerkommandanten auf sich zieht, und die Krankenschwester Yen-sang (Herb Hsu), die heimlich Informationen mit männlichen Gefangenen austauscht. Ein sehr eindrucksvoller Film, der sich Zeit nimmt, die Geschichte zu erzählen.

Millennium Mambo
Der Film Millennium Mambo gilt heute als taiwanesischer Klassiker und startet am 21. September in den deutschen Kinos. VillageVoice schreibt über den Film: „Ein langsames Brennen von tiefer Traurigkeit, das durch einige von Regisseur Hous bisher atemberaubendsten Passagen aufgelockert wird.“
Vicky blickt 10 Jahre in die Vergangenheit zurück – auf ihre Jugend zu Beginn des neuen Jahrtausends. Genervt von ihrem Freund, dem stets eifersüchtigen Möchtegern-DJ Hao-Hao, beschließt sie, ihn für den älteren, gutmütigen Gangster Jack, den sie bei ihrer Arbeit als Hostess in einem Nachtclub kennengelernt hat, zu verlassen.

The Texas Chain Saw Massacre Matinee – Rückblick auf meine Matinee

28. August 2023

Der Kopf erzeugt Bilder, die das Auge gar nicht sieht. Vor dem geistigen Auge entsteht der Terror der übersteigenden Familiendramas, das in die Filmgeschichte eingegangen ist und jahrelang die Gerichte beschäftigte. Gemeint ist natürlich The Texas Chain Saw Massacre von 1974, den ich vor kurzem in einer Matinee im Scala Kino Fürstenfeld zeigen und besprechen durfte.

Zum ersten Mal hatte ich den Film auf einer umgeschnittenen US-Laserdisc gesehen und die Wucht des Films haute mich mich. Die NTSC-Disc hatte ich unter der Theke auf einem Filmsammlermarkt für teuer Geld erstanden. Nach dem ersten Ansehen war ich regelrecht erschlagen und interessierte mich für die Umstände des Films, der sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York befindet und in Deutschland einige Jahre verboten war. Wow, ich hatte als Jugendlicher einen verbotenen Film der Filmgeschichte schrieb zu Hause, was auch irgendwie reizvoll war. Ich erinnere mich, dass die Laserdisc nicht im Schrank mit den anderen Laserdisc stand, sondern im Schrank mit den Langspielplatten – ein gutes Versteck, wie ich damals glaubte.

Zur Matinee arbeitete ich die Zeitumstände des Films heraus. Der Sommer der Liebe war vorbei. Gewalt war in den USA an der Tagesordnung. Das tödliche Attentat auf Martin Luther King ereignete sich am 4. April 1968, am 6. Juni 1968 wurde in Los Angeles Bobby Kennedy erschossen. 1968 gab es Bürgerkriegsähnliche Zustände beim Nominierungskongress der Demokraten in Chicago und Rassenunruhen. Es kam zu dem Mord an 9. August 1969 an Sharon Marie Tate durch Charles Manson. Aus Woodstock wurde Altamont am 6. Dezember 1969. Vor den Augen der Rolling Stones wurde ein Mensch erstochen. Im Fernsehen lief der reale Horror von Vietnam.

Das Kino als Spiegel der Gesellschaft änderte sich. 1969 lief Easy Rider mit Dennis Hopper und Peter Fonda. Es war die Abkehr vom alten Hollywood. Neue Kreative kamen für ein neues Hollywood von Hochschulen, George Lucas, Steven Spielberg, Michael Camino oder Francis Ford Coppiola. Und auch ein Tope Hooper stand bereit für die Zeitwende im Film. Der Gothic Horror von Dracula und Frankenstein wurde zu Grabe getragen. Er galt als alt und verstaubt. Der Schrecken und die Gewalt war auf der Straße und nicht mehr in in der fernen Welten. Der Horrofilm veränderte sich Die Nacht der lebenden Toten von Romero leitete 1968 die Wende ein. Der schwarze Held überlebt und wird am Schluss von der Polizei erschossen. Wegbereiter war Hitchcock mit Psycho von 1960.

1972 war der Terrorfilm pur in den Kinos. Last house of the Left von Wes Craven (Nightmare) und Sean S. Cunningham (Freitag der 13). Und Tope Hooper erkannte die Zeichen der Zeit. Wie Hitchcock und der Buchator Robert Bloch war er vom Serienmörder Ed Gein fasziniert. Tatsächlich geschehen sind die Morde, die Ed Gein in den 50er-Jahren in Plainfield, Wisconsin, an durchreisenden Frauen verübte. Deren Häute zog er sich ab und trug sie als Kleidungs- und Schmuckstücke. Der wahnsinnige Mörder, Leichendieb, Grab- und Leichenschänder Ed Gein war Vorbild für Psycho und dann auch für The Texas Chain Saw Massacre.

Was diesen Film so bemerkenswert macht, ist die Art und Weise, wie er eine düstere, beklemmende Atmosphäre erzeugt und den Zuschauer in die Tiefen des menschlichen Schreckens mitnimmt. Dabei nutzt er geschickt die Aspekte von Gewalt, Sadismus und Isolation, um eine verstörende Wirkung zu erzielen. Viel Spaß mit meinem Vortrag.

Die nächste Matinee findet am Sonntag, 10. September um 10:45 Uhr zum Film Alien – das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt von 1979 statt. Im Weltraum hört dich niemand schreien. Alien verband die Genre Horror- und Science-Fiction-Film kongenial. Übrigens, es ist Kinotag an diesem Tag und der Eintritt kostet nur 5 Euro. Also Zeit für eine Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Von Dracula und die Arbeit im VFX-Bereich

21. August 2023

Ursprünglich wollten wir eigentlich über den Dracula-Film die letzte Fahrt der Demeter sprechen, aber es wurde mehr. Was als Talk über die Spezialeffekte begann, endete in einem Gespräch über die VFX-Szene und deren Arbeitsbedingungen. Wir, das sind VFX-Producer und Boardmember der visual effects society Francesco Faranna, Markus Elfert von Filmreport und meine Person Matthias J. Lange von redaktion42.

Ich kannte Francesco Faranna noch von alten Zeiten als ich Chefredakteur der Zeitschriften Creative Live und DIGITAL PRODUCTION war als zielstrebigen, umtriebigen und integren Artist aus Baden Württemberg. Das Gespräch drehte ich um Bezahlung und Jobaussichten in der Branche, HomeOffice sowie die Arbeitsbedingungen und die Begeisterung für Projekte. Francesco Faranna deutete ein Projekt seiner Ehefrau an, die im Animationsbereich unterwegs ist und zu Weihnachten 2024 einen Film auf den Markt bringen wird. Und ja, ein wenig Dracula und Demeter kommt auch noch zur Sprache.

Viel Spaß bei dem Filmgespräch, das via Zoom geführt wurde.

The Texas Chain Saw Massacre Matinee am 20. August im Scala

19. August 2023

Ich habe mir lange überlegt, ob ich den Film in meiner Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck zeigen darf, zeigen soll – ich bin der Meinung: Ich muss den Film zeigen, weil er soviel verändert hat und für ein ganzes Grenze stilprägend war: The Texas Chain Saw Massacre

Ich zeige den Film am Sonntag, 20. August um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier. Und ich weiß, wie umstritten und heftig diskutiert dieser Film ist. Darauf werde ich in meinen Vortrag auch eingehen: Verflucht, verfolgt, verstümmelt, geschnitten, gefürchtet, zeitweise verboten und heute ein Kulturgut. Der Streifen befindet sich heute in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York. In vielen Ländern war „The Texas Chain Saw Massacre“ vollständig verboten oder zumindest indiziert – also viel Diskussionsstoff für einen billigen Horrorfilm.

Ich probiere mal eine Würdigung: The Texas Chain Saw Massacre von 1974 ist ein bahnbrechender Horrorfilm, der das Genre nachhaltig geprägt hat. Er wurde von Tobe Hooper inszeniert und erzählt die verstörende Geschichte einer Gruppe von Jugendlichen, die auf einer abgelegenen Farm in Texas auf eine brutale und krankhaft entstellte Familie von Kannibalen trifft. Die deutsche Kinoversion trug den passenden Titel Blutgericht in Texas, die deutsche Videoveröffentlichung hatte den reißerischen Titel Das Kettensägermassaker. Selten hatte ich damals so viel Geld für eine ungeschnittene Lasedisc auf den Tisch gelegt, wie für diesen Film.

Heute ist The Texas Chain Saw Massacre ein Franchise geworden. Leatherface hat eine ähnliche Stellung wie Freddy Krüger, Jason oder Michael Myers. Es gibt zahlreiche Fortsetzungen und Interpretationen und Neuverfilmungen und sogar einen heftigem Netflix Beitrag. Diese Woche wurde sogar ein Videospiel veröffentlicht. Also der Film ist ein diskussionswüriger Beitrag zur Popkultur geworden. Ich hab zudem noch eine verpackte Action-Figur von Leatherface im Archiv liegen.

Tiefen des menschlichen Schreckens
Was diesen Film so bemerkenswert macht, ist die Art und Weise, wie er eine düstere, beklemmende Atmosphäre erzeugt und den Zuschauer in die Tiefen des menschlichen Schreckens mitnimmt. Dabei nutzt er geschickt die Aspekte von Gewalt, Sadismus und Isolation, um eine verstörende Wirkung zu erzielen. Der wahnsinnige Mörder, Leichendieb, Grab- und Leichenschänder Ed Gein war Vorbild für den Film, erzählt aber eine andere Geschichte.

Ein wichtiger Faktor für die Wirkung des Films ist auch das extrem begrenzte Budget, das zur Verfügung stand. Dadurch entstand eine rohe, dokumentarische Ästhetik, die dem Geschehen eine beunruhigende Authentizität verleiht und das Grauen greifbarer macht.

„The Texas Chain Saw Massacre“ war seiner Zeit weit voraus und löste eine Welle von Slasher-Filmen aus, die in den folgenden Jahren entstanden sind. Der Film hat zahlreiche Regisseure und Autoren inspiriert und gilt heute als Klassiker des Horrorfilms.

Darüber hinaus hat „The Texas Chain Saw Massacre“ auch eine wichtige soziokulturelle Bedeutung. Er trug dazu bei, die Grenzen des Horrorfilms auszuloten und Tabus zu brechen, was in den 1970er Jahren zu heftigen Kontroversen führte. Aber gleichzeitig ermöglichte er es dem Genre, neue Wege zu gehen und sich weiterzuentwickeln.

Insgesamt ist „The Texas Chain Saw Massacre“ ein filmisches Meisterwerk, das durch seine einzigartige Herangehensweise an das Horrorgenre und seine schockierende Wirkung eine bedeutende Rolle in der Geschichte des Films spielt. Es bleibt ein wichtiger Beitrag zur Filmkunst und hat seinen Platz als zeitloser Klassiker des Horrors verdient. Ich freu mich auf euren Besuch zur Matinee am Sonntag, 20. August um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier und an der Tageskasse.

Musiktipp: Tangerine Dream – „Firestarter“ (1990) – Die Faszination der elektronischen Klanglandschaften

17. August 2023

Das Album „Firestarter“ von Tangerine Dream, das 1990 veröffentlicht wurde, markiert eine weitere bedeutende Etappe in der langen und beeindruckenden Karriere dieser Pioniere der elektronischen Musik. Inspiriert von Stephen Kings gleichnamigem Roman und der darauf basierenden Verfilmung von 1990, gelingt es der Band auf interessante Weise, die düstere und verstörende Atmosphäre des Stoffes in ein musikalisches Werk zu verwandeln. Ich habe noch die Vinyl und in einer Sammelbox eine CD-Ausgabe. Auch der Score von John Carpenter der Neuverfilmung kann sich hören lassen, aber mein Herz schlägt für TD. Über die Neuverfilmung habe ich hier gebloggt.

Schon der erste Track zieht den Hörer mit seinen kraftvollen, repetitiven Sequenzen in den Bann. Die Synthesizer bilden einen hypnotischen Sog, der den Zuhörer sofort in eine Welt voller Geheimnisse und Gefahren entführt. Die markanten elektronischen Klänge erzeugen eine unheimliche Stimmung, die perfekt zum Thema des Films passt und das Hörerlebnis in eine emotionale Achterbahnfahrt verwandelt.

Die Musik ist geschickt arrangiert und lässt den Hörer mitten in die Verfolgungsjagden und Verschwörungen eintauchen. Hier zeigt sich die außergewöhnliche Fähigkeit der Band, mit ihren Klängen eine lebhafte und bildhafte Erzählung zu schaffen.
Manches Mal kommt es einen vor, als ob man selbst in die Rolle des Protagonisten schlüpft und die unbändige Macht des Feuers spürt. Die Band beweist ihre Vielseitigkeit, indem sie auch ruhigere und melancholischere Töne erklingen lässt.
Insgesamt ist Tangerine Dreams Firestarter ein starkes Album, das die ikonischen Klänge und die einzigartige Atmosphäre der Band in ihrer späteren Blütezeit einfängt. Die Musik ist zeitlos und beweist, dass Tangerine Dream auch in den 1990er Jahren immer noch frische und innovative Ideen hatten. Für Fans elektronischer Musik ist dieses Album ein absolutes Muss und zeigt, warum Tangerine Dream als eine der einflussreichsten Bands im Genre gilt.

Das Cabinet des Dr. Caligari – Rückblick auf meine Matinee

14. August 2023

Es gibt Filme, die haben aus dem Stand heraus Filmgeschichte geschrieben und die Zeit überdauert. Dazu gehört der das Meisterwerk Das Cabinet des Dr. Caligari. Ich durfte im Scala Kino Fürstenfeldbruck meine monatliche Matinee zu diesem Klassiker durchführen.

Der Film „Das Cabinet des Dr. Caligari“ aus dem Jahr 1920 gilt als ein Meilenstein der Filmgeschichte und des deutschen Expressionismus. Der Film zählt zu den wichtigsten Filmen der Kinogeschichte. Seine ungewöhnliche expressionistische Ausstattung war ein Novum weltweit – und legte den Grundstein für den international erfolgreichen deutschen Film des Weimarer Kinos.

egisseur Robert Wiene und das Drehbuch von Hans Janowitz und Carl Mayer präsentierten dem Publikum eine bahnbrechende visuelle und erzählerische Ästhetik, die den Film nachhaltig prägte. Am nächsten Sonntag, 20. August zeige ich in der Matinee den 1974 gedrehten Terrorfilm The Texas Chainsaw Massacre in der angeschnittenen Fassung. Karten gibt es hier.
Im Video hier meinen Vortrag zu Das Cabinet des Dr. Caligari. Die Bedeutung von Das Cabinet des Dr. Caligaril iegt in mehreren Aspekten:

Expressionistische Ästhetik
„Das Cabinet des Dr. Caligari“ war einer der ersten Filme, der den Expressionismus im Film etablierte. Die expressionistische Bewegung, die in der Kunst und Literatur der Zeit aufkam, betonte verzerrte Formen, starke Kontraste und surreale Darstellungen, um die psychologischen Zustände der Charaktere zu verdeutlichen. Der Film nutzte expressionistische Sets mit schiefen Linien, schattigen Ecken und abstrakten Designs, um eine unheimliche und verstörende Atmosphäre zu schaffen.

Handlung und Erzählstruktur
„Das Cabinet des Dr. Caligari“ beeinflusste die Entwicklung des filmischen Erzählens. Der Film wird aus der Perspektive eines Ich-Erzählers erzählt, der die Geschichte rückblickend präsentiert. Zudem enthält der Film eine Rahmenhandlung, die die Interpretation der Ereignisse in Frage stellt und das Publikum dazu anregt, über die Natur der Realität nachzudenken. Diese nicht-lineare Erzählstruktur und die Manipulation der Wahrnehmung des Zuschauers hatten einen nachhaltigen Einfluss auf spätere Filme.

Psychologischer Horror
„Das Cabinet des Dr. Caligari“ gilt als einer der ersten bedeutenden Horrorfilme der Geschichte. Die Geschichte dreht sich um einen unheimlichen Jahrmarktsdirektor, der einen schlafenden Somnambulen dazu bringt, Morde zu begehen. Der Film erkundet Themen wie Wahnsinn, Manipulation und die Verbindung zwischen Traum und Realität. Er legte den Grundstein für das Genre des psychologischen Horrors und inspirierte zahlreiche Regisseure, darunter Alfred Hitchcock.

Einfluss auf die internationale Filmindustrie
„Das Cabinet des Dr. Caligari“ wurde zu einem großen Erfolg im In- und Ausland. Durch seine einzigartige Ästhetik und Erzählweise erregte er Aufmerksamkeit und wurde zum Vorbild für viele Regisseure weltweit. Der Film hatte einen besonders starken Einfluss auf den deutschen Expressionismus und prägte die Entstehung einer eigenständigen deutschen Filmtradition. Darüber hinaus beeinflusste er die Entwicklung des Horrorfilms und des filmischen Erzählens insgesamt.

Dracula im Film (35): Die letzte Fahrt der Demeter

11. August 2023

Endlich, endlich wieder ein Dracula, den wir als Fan ernst nehmen können: atmosphärisch dicht, schonungslos brutal – ein Film, der den Fürst der Finsternis viel Ehre macht. Die letzte Fahrt der Demeter ist ein gelungenes Kammerspiel, ein Spiel mit Beklemmung und Angst. Vielleicht eine Art Alien auf einem Segelschiff, nur dass das Alien Dracula ist und das Schiff Demeter statt Nostromo heißt.

Und ab jetzt kommen Spoiler.
Der Film von André Øvredal hält sich im großen und ganzen an die literarische Vorlage von Bram Stoker. Er beschreibt die Reise Draculas von Transsilvanien nach London. 24 Kisten mit Erde werden im Bauch der Demeter verladen, darunter auch eine Kiste mit dem Drachen-Symbol des Grafen. Das Schiff nimmt die Reise auf und die Besatzung wird Zug um Zug dezimiert. Das Logbuch des Captains zeugt vom verzweifelten Kampf gegen das blutrünstige Monster, gegen die Vorurteile der Seemänner und deren Ängste. Es ist auch ein Kampf der Wissenschaft in Person des Arztes mit dem religiösen Glauben und Aberglaube – wunderbar eingefangen, ohne dass eine Partei bloßgestellt oder gar lächerlich gemacht wird.

Es ist ein ernsthafter Film ohne den üblichen überflüssigen Comic-Relief-Jokes. Vielleicht ein wenig zuviel Jump Scares zu Beginn, aber erträglich um die Atmosphäre nicht zu zerstören. Bei Erfolg des Films wird eine Fortsetzung in der Carfax Abbey angedeutet- zu wünschen wäre es der Produktion. Der Graf mit Wolfstock und Fledermaus-Ohren.

Dracula selbst ist kein Gentleman wie Bela Lugosi, Christopher Lee oder gar Frank Lagalla. Dracula ist eine erschreckende Hommage an die Nosferatu-Darstellungen von Friedrich Wilhelm Murnau oder Werner Herzog – Max Schreck und Klaus Kinski sind gegenwärtig, aber ohne deren romantischen Leidenschaft.

Vielleicht zeigt sich hier mehr der erbarmungslose Vampir aus Brennen muss Salem gemischt mit einer Fledermaus. Der Spanier Javier Botet spielt Dracula. Auch die Opfer des Grafen werden zu Dienern gemacht. Ihre Vernichtung durch die Sonne tut dem Zuschauer richtig weh und ist eindrucksvoll gemacht.

Interessant ist, dass der Film die Regel bringt, dass sympathische Kinder und treue Tiere in einem Film immer davonkommen. Da hilft ihnen auch ein Kreuz als christliches Symbol gegen Vampire nichts. Sehr schön ist die Szene als ein Diener des Grafen die Tür zur Kabine des Kapitäns mit dem Kopf einschlägt und den Kopf hereinsteckt. Hier habe ich nur noch den Ausruf „Here’s Johnny“ erwartet, dann wäre die Hommage an Shining perfekt gewesen. Solche Anspielungen finden sich im ganzen Film, der meines Erachtens zu sehr mit der geringen Tiefenschärfe spielt, so dass der Hintergrund unscharf wird und Dracula dort herumwandern kann. Toll ist aber die expressionistische Atmosphäre, der Einsatz von Schatten und Wolken. Hier kommt ganz der alte Murnau durch und ich hab es genossen. 1922 noch in schwarzweiß, heute in blassen Farben, als ob Herzog daran beteiligt war.

Aus der literarischen Vorlage, Diener ein paar Seiten umfasst, wurde ein ganzer Spielfilm. Ich hab mir die Geschichte vor dem Filmbesuch noch einmal in der Coppenrath-Schmuckausgabe nachgelesen. Hier das Video zu dieser Dracula-Ausgabe.

Da haben Drehbuchautor Bragi F. Schut und Regisseur André Øvredal noch einiges an Stoff gebraucht, um die Geschichte aufzublasen. Neu hinzu kommen beispielsweise der Held des Films, der Schiffsarzt Clemens (Corey Hawkins) sowie die Frau Anna (Aisling Franciosi) an seiner Seite. Sie ist eine Art Reiseproviant für Dracula, der gleich mal in die Kisten von Dracula dazu gepackt wurde.

Der Score wurde von Bear McCreary beigesteuert. Er ersetzte Thomas Newman, aus welchem Grund auch immer. Ich bin kein so richtiger Fan von McCreary, der sich einen Namen durch TV-Produktionen gemacht hat. Aber vielleicht muss ich mich noch reinhören. Den Score habe ich bisher nur als Stream entdeckt ud hoffe auf eine Vinyl-Veröffentlichung.

Für mich ist der Film ein absoluter Muss für Fans des Grafens. Endlich mal ein Horrorfilm, der ernsthaft daherkommt.