Archive for the ‘Film’ Category

Suspiria – Matinee am Sonntag, 10. Dezember im Scala

7. Dezember 2023

„Suspiria“ von 1977 ist ein wegweisender Horrorfilm des italienischen Regisseurs Dario Argento. Der Film zeichnet sich durch seine visuelle Brillanz, intensive Atmosphäre und unverwechselbare Stilisierung aus. Ich halte zu diesem Film meine phantastische Matinee am Sonntag, 10. Dezember um 10:45 Uhr im beheizten Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

„Suspiria“ erzählt die Geschichte von Suzy Bannion, einer amerikanischen Ballettschülerin, die nach Deutschland kommt, um an einer renommierten Tanzakademie zu studieren. Bei ihrer Ankunft erfährt sie von seltsamen Vorfällen und unerklärlichen Todesfällen, die mit der Akademie in Verbindung stehen. Suzy beginnt, die düsteren Geheimnisse der Schule zu entwirren, und entdeckt dabei eine düstere Welt voller Hexerei und okkulter Rituale.

Inszenierung und Stil:
Argento setzt in „Suspiria“ auf eine einzigartige visuelle Ästhetik, die den Film zu einem Meisterwerk des Giallo-Genres macht. Die Farbpalette ist überwältigend und trägt wesentlich zur surrealen Atmosphäre bei. Die intensive Nutzung von Rot, Blau und Grün schafft eine unheimliche, traumähnliche Welt, die den Zuschauer von Anfang bis Ende in den Bann zieht. Die sorgfältige Komposition der Bilder und die Verwendung von Licht und Schatten tragen dazu bei, eine beunruhigende und faszinierende visuelle Erfahrung zu schaffen. Und es gibt in dem Film wunderschöne Aufnahmen vom Münchner Flughafen Riem und dem Königsplatz.

Musik:
Die Musik von Goblin, die den Soundtrack von „Suspiria“ komponiert hat, ist ein weiteres herausragendes Element des Films. Die repetitive, hypnotische Musik verstärkt die Unheimlichkeit und verstärkt die Spannung in den entscheidenden Szenen. Die Kombination von Bild und Musik erzeugt eine beängstigende Atmosphäre, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Handlung und Charaktere:
Die Handlung von „Suspiria“ ist geprägt von übernatürlichen Elementen und einer mysteriösen Atmosphäre. Argento verwebt geschickt Elemente des Okkulten und des Übernatürlichen, ohne dabei die Grundlage der Geschichte aus den Augen zu verlieren. Die Charaktere sind zwar nicht besonders tiefgründig, erfüllen jedoch ihre Funktion im Rahmen der Geschichte. Manche Zuschauer könnten sich auch an der expliziten Gewaltdarstellung stören, die für das Giallo-Genre jedoch charakteristisch ist.

„Suspiria“ ist ein wegweisender Horrorfilm, der sich durch seine einzigartige visuelle Gestaltung, die beeindruckende musikalische Untermalung und die geschickte Verbindung von Horror und Kunst auszeichnet. Dario Argento hat mit diesem Film einen Klassiker geschaffen, der auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Für Liebhaber des Horrorgenres und des Giallo-Stils ist „Suspiria“ ein absolutes Muss. Neugierig? Karten gibt es hier. Wir sehen uns am Sonntag im Scala.

Filmtipp: Godzilla Minus One

4. Dezember 2023

Was für ein Brett! Godzilla Minus One hat für mich das Kinojahr gerettet. Nach der Pleite von Napoleon ist der neue Godzilla ein wirklicher Film für die große Leinwand.

Ich hab den neuen Streifen auf der großen Leinwand im Scala Fürstenfeldbruck gesehen und mich haute den Streifen von regelrecht vom Hocker. Er unterscheidet sich von vielen Godzilla-Filmen der alten Zeit und auch von den US-amerikanischen Produktionen, denn Godzilla Minus One hat eine Tiefe an den Tag gelegt, wie man selten bei Monsterfilmen findet. Regisseur Takashi Yamazaki weiß, wie man Godzilla in Szene setzt. Das Vieh ist ein badass schlechthin und walzt alles platt, kennt kein Pardon und enthält nicht eine Spur von Humor. Ein würdiges Geburtstagsgeschenk an die Fans von der traditionellen Produktionsfirma Toho zum 70. Geburtstag.

Und Godzilla trifft die japanische Seele. Das Ganze spielt vor dem offiziellen Godzilla, der ja 1954 das Filmleben erblickte. Godzilla Minus One spielt in Japan 1945 kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Tokyo ist zerstört, der Wiederaufbau beginnt langsam. Wir kennen solche Wiederaufbaubilder aus Europa nach dem Ende der Hitler-Dikatur. Die Gespräche der Akteure drehen sich immer wieder um den großen Krieg, um Verantwortung, Verführung und Niederlage, allerdings wird der Abwurf der Atombomben auf Japan nicht wörtlich thematisiert. Allerdings fällt ein schwarzer Regen nach einem Angriff von Godzilla zu Boden, eine klare Anspielung auf den Atombombeneinsatz der Amerikaner über Hiroschima und Nagasaki. Dieser schwarze Regen berührt die japanische Seele und wird vom europäischen Zuschauer wohl nur am Rande wahrgenommen. Im Film wird – und das ist ungewöhnlich – Kritik an der japanischen Regierung geäußert. Das kommt in Nebensätzen durch und ist ein wahrer Kulturbruch, denn der Staat hat immer recht.

Der Film ist die persönliche Geschichte vom Kamikaze-Pilot Koichi Shishima (Ryunosuke Kamiki), der das Leben dem Freitod für Kaiser und Vaterland vorzieht. Er landet mit seinem Flugzeug auf der Insel Odo und trifft mit einem Reparaturtrupp auf Godzilla. Koichi Shishima stellt sich wieder nicht seiner Aufgabe und kneift beim Kampf gegen das Monster – was auch aussichtslos gewesen wäre. Koichi Shishima und ein Mechaniker überleben den brutalen Angriff von Godzilla, der unter der Menschen wütet. Mit dem Trauma des Versagens lebt der Mann sein Leben, trifft auf die junge Frau Noriko Ōish (Minami Hamabe) und das Kind Akiko (Sae Nagatani). Alle sind Gestrandete nach dem Krieg und versuchen im neuen Japan klarzukommen. Sie gründen eine Zweckgemeinschaft und Koichi Shishima nimmt den gutgezahlten Job auf den Minenräumer Shinsei Maru aus Holz an. Dort trifft er wieder und wieder auf Godzilla, denn das Monster hat Tokyo im Visier. Mehr sei nicht verraten.

Doch eines sei noch gesagt: Godzilla ist gewaltig und gnadenlos gegenüber der Menschheit und ihren technischen Errungenschaften. Wenn der Hitzestrahl von Godzilla eingesetzt wird, dann rieselt es von der Decke, so gewaltig ist das Gebrüll. Und auch hier beweist sich Takashi Yamazakis Talent. Bevor der Strahl vom Monster abgefeuert wird, herrscht Stille im Kino wodurch die Gewalt der Verwüstung noch gewaltiger ausfällt – genial gemacht. Es ist als würde der Kinozuschauer die Druckwelle der Explosion am eigenen Körper verspüren. Godzilla kennt keine Gnade, verwüstet mit seinem gewaltigen Schwanz die Städte, zerquetscht Menschen als seien es Insekten und ist absolut in schlechter Gemütsstimmung.

Die Japaner müssen Godzilla alleine bekämpfen. Die Besatzungsmacht USA hält sich raus, um nicht einen Konflikt mit der Sowjetunion zu provozieren. Elegant von Regisseur Takashi Yamazaki eingefädelt, so bleiben die Amerikaner und ihre Waffentechnik wie die H-Bombe außen vor.

Und dann verbeugt sich Godzilla Minus One vor den alten Filmen, bei denen der schlauer Wissenschaftler Kenji eine Idee hat, um das Monster zu bekämpfen. Statt der Super X (auch Super X1) der frühen Filme ist es nun ein Kyushu J7W Shinden. Das Flugzeug war Ende des Zweiten Weltkriegs die modernste Konstruktion eines japanischen Jagdflugzeuges, kam aber wie die deutsche Me262 nicht zum Einsatz.

Ein Wort zum Soundtrack. Ich kannte Naoki Satō als Komponist von Anime-Scores und als Schöpfer der Siegeshymde der 2020 Olympischen Spiele in Tokyo. Ich hab leider nur die japanische CD ergattert, es soll noch eine limierte Vinyl geben. Und die Fans im Kino klatschten als Akira Ifukube Godzilla-Thema erklang von King Kong vs. Godzilla (1962) sowie Mothra vs. Godzilla (1964).

Zur Statistik: Für die Hardcore-Fans: Es ist der 37. Film im Godzilla Franchise und Tohos 33. Godzilla und der 5. Film in der Reiwa Ära. Zuvor gab es die Shōwa Ära (1954–1975), Heisei Ära (1984–1995), Millennium Ära (1999–2004) und nun seit 2016 Reiwa Ära

Nachruf auf Michel Ciment

21. November 2023

Es gibt zwei Bücher, die mich zum Filmfan gemacht haben. Das eine war von Francois Truffaut Mr Hitchcock, wie haben Sie das gemacht und das andere war Kubrick von Michel Ciment aus dem Jahr 1980. Eben dieser großartige Michel Ciment ist am 13. November im Alter von 85 Jahren verstorben. Ich hab es jetzt erst mitbekommen. Die Filmwelt und vor allem ich haben ihn viel zu verdanken.

Ich stieß auf seine Todesmeldung durch einen Post von Kubrick Produktionsleiter Jan Harlan in Instagram. Michel Ciment war ein französischer Filmkritiker und Herausgeber des Kinomagazins Positif. 1980 schrieb er ein Buch über Stanley Kubrick und ab diesem Tage wusste ich, wer das Genie im Olymp der Kinoregisseure war. Durch Ciment wurde ich zum Kubrick Fan, was heißt Fan? Ich wurde zum Kubrick-Fanatiker, -Experten, -Liebhaber. Ich verschlang alles, was ich über Kubrick zu lesen bekam und durfte sogar Kubrick Landsitz in der Nähe von London besuchen. Ich traf mich mit Christiane Kubrick und immer wieder mit Jan Harlan.

Ciment schrieb 15 weitere Bücher über Film wie über Joseph Losey, Elia Kazan, John Boorman, Francesco Rosi, Fritz Lang und Theo Angelopoulos, wobei ich das Buch über John Boorman ausdrücklich empfehlen will.

Mein Kubrick–Buch von ihm stammt von 1980. Shining war damals der aktuelle Kubrick-Film. Es sollten nur noch zwei folgen: Full metal Jacket und Eyes Wide Shut – dann schloss der Meister für immer seine Augen. Ciment schulte meinen Blick aufs Kino. Ich erkannte durch ihn Qualität, der sich von Massenware des Kinos der 80er abhob, die heute von vielen als Kult bezeichnet wurde. Ciment schärfte mit seinen Analysen und Interpretationen, mit seinen Interviews mein Interesse für das Wesentliche im Kino und warum Kino eine Kunstform ist. Danke Michel Ciment für die Gedanken rund ums Kino. Wir haben ihm alle viel zu verdanken.

Filmkritik: Napoleon von Ridley Scott

18. November 2023

Was für ein großartiger Stoff und was für ein durchschnittlicher Film ist da herausgekommen. Ein Film ohne Rhythmus, zerfahren, abgehackt – und ja, ich muss es schreiben – ein Film ohne Liebe. Es ist eine Aneinanderreihung von Szenen und ich bin von der Kinofassung von Napoleon enttäuscht. Und das tut mir unendlich leid. Vielleicht muss ich auf die Veröffentlichung auf Datenträger warten, die deutlich länger ist und die vielleicht das gewaltige Erzähltalent von Ridley Scott zeigt, die Kinofassung ist leider nicht das Gelbe vom Ei.

Dabei ist es die Geschichte von Napoleon wert auf die große Leinwand zu gebracht zu werden, nachdem viele schon daran gescheitert sind. Ridley Scott sollte es eigentlich können. Für mich die beste Napoleon-Verfilmung bleibt die von Abel Gance aus dem Jahre 1925 mit 5 Stunden und 32 Minuten.
Dabei sind die Zutaten von Ridley Scotts 200 Millionen US-Dollar-Film fast alle hervorragend: Joaquin Phoenix als Bonaparte und Vanessa Kirby als dessen Ehefrau Joséphine sind wunderbar anzusehen, die Ausstattung eindrucksvoll, aber Score dagegen total daneben. Und das Drehbuch mit schrecklichen Humoreinlagen erzeugten bei mir nur zum Kopfschütteln: Der geniale Feldherr, der Europa erobert, aber im Bett eine Niete ist – will ich das wirklich sehen? Der Humor im Film ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, doch ich empfinde ihn als absolut unpassend.

Bei den sechs gezeigten Schlachten ist Scott dagegen in seinem Element, bringt aber bis auf Austerlitz auch nur Standardware. Bei dem viel zu kurzen Waterloo fehlen in der Kinofassung das entscheidenden Zitat der Weltgeschichte „Ich wünschte es wäre Nacht oder die Preußen kämen.“ Schön, dass wenigstens die geänderte Kampfformation der Briten berücksichtigt wurde, nachdem viel Historisches auf der Strecke blieb. Blücher kommt im Grunde nur am Rande vor – vielleicht ist das in der Langfassung später anders.

Der Film springt durch die Jahre und verlangt vom nicht geschichtsbewanderten Zuschauer so einiges ab. Französische Revolution mit Marie-Antoinette auf der Guillotine – was geschah eigentlich mit den gezeigten Kindern, Maximilien de Robespierre hatte also einen Suizidversuch hinter sich und da wäre noch der Streit zwischen Jakobiner und Royalisten. Es gibt Feldzüge wie in Ägypten samt ablehender Mumie, einen Russlandfeldzug, die gescheiterte Bündnispolitik mit dem Kaiser von Österreich und dem Zar von Russland, Wiener Kongress und der Beginn der Restauration, Waterloo und Verbannung. Der Code Napoleon kommt dabei gar nicht vor, während wir das Gewimmer zwischen Napoleon und Josefine mehrmals ertragen müssen.

Interessant ist, dass kein Hollywood-Studio sich an die Produktion gewagt hat, stattdessen ist der Streamingdienst Apple eingesprungen und hat das Geld auf den Tisch gelegt. Hollywood verändert sich rapide.

Ridley Scotts Napoleon hat für mich das Problem, dass er sich mit dem Napoleon von Stanley Kubrick messen lassen muss, der nie gedreht wurde. Dessen Material ging in Barry Lyndon ein, der zeigt wie die Erzählstruktur eines Historienfilms auszusehen hat. Hier hätte Altmeister Scott nochmals bei Regiegott Kubrick spicken sollen, bevor er sich an die Regie von Napoleon gemacht hat, denn seinem Napoleon fehlt viel in der Struktur, was Barry Lyndon zu einem Meisterwerk gemacht hat.

Vielleicht ist das Urteil hart, denn eigentlich ist Napoleon großes Kino und es wird hoffentlich sein Publikum finden, denn solche Produktionen braucht das Kino. Ich warte auf die Langfassung.

Hellraiser – Das Tor zur Hölle – Rückblick auf meine Matinee

16. November 2023

„Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ ein einzigartiges und tiefgründiges Horrorerlebnis, das sich von der Masse abhebt. Ich durfte Anfang November eine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck über diesen Film halten. Ich freue mich, dass wir inzwischen eine schöne Community sind, die über diese spezielle Art von Filmen sprechen.

Mit seiner düsteren Ästhetik, den komplexen Charakteren und der intensiven Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen bleibt der Hellraiser ein wichtiger Beitrag zum Genre des psychologischen Horrors. Persönlich finde ich die meisten Fortsetzungen des Films für die Tonne, doch Hellraiser Schaf mit Pinhead einen neuen Horrorcharakter.

Dieser 1987 von Clive Barker geschaffene Film ist weit mehr als nur eine herkömmliche Horrorgeschichte. Es ist ein Werk, das sich intensiv mit den dunklen Abgründen der menschlichen Psyche, der Lust und des Schmerzes auseinandersetzt, und dabei auf subtile Weise die Grenzen zwischen Lust und Leiden verwischt.

Bei meiner nächsten phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 10. Dezember um 10:45 gehen wir in den 70er Jahren und zeigen den Hexenfilm Suspiria. Suspiria (lat. Seufzer) ist ein italienischer Horrorfilm mit surrealistischen Elementen von Dario Argento aus dem Jahre 1977. Die Musik stammt von Goblin. Karten gibt es online zu kaufen.

Die Feindschaft zwischen Rainer Erler und Bernd Eichinger

9. November 2023

Mein Herz ist voller Trauer. Eines meiner Idole aus der Welt des Film ist im Alter von 90. Jahren in Australien verstorben: Rainer Erler

Ich habe schon oft über diesen wichtigen Regisseur gebloggt, der mich seit meiner Jugend begleitet. Ich habe den Drehort seines Blauen Palais vor der Haustüre, ich habe seine Bücher gelesen und seine Filme gesehen. Er schrieb mehr als 40 Drehbücher, 14 Romane sowie Erzählungen, Kurzgeschichten und Bühnenwerke.

Und ich stand mit Rainer Erler in Mail-Kontakt. Er war seit der Corona in seinem Zweitwohnsitz in Perth in Australien. Dort wohnt u.a. seine Tochter. Eigentlich wollte er irgendwann mal wieder nach Deutschland, in die Nähe von Bad Tölz, Bayern in seine Heimat. Dort wollten wir uns treffen, kennenlernen und reden. Es wäre eine Ehre für mich gewesen. Dazu kam es leider nicht mehr. Das ist das schade.

Ich schaue anlässlich seines Todes den Mailverkehr durch und habe eine nette Geschichte wiederentdeckt, die ich hier exklusiv veröffentlichen möchte.

Erler und ich diskutierten über den TV-Film Fleisch. In den Hauptrollen waren damals Herbert Herrmann und Jutta Speidel zu sehen. Erler schrieb mir: „FLEISCH war ja ursprünglich von mir als Kino-Film produziert worden. Mit der „Constantin“ war eine Verleihvereinbarung ausgehandelt worden. Aber in letzter Minute und kurz vor Drehbeginn hat der Herr Bernd Eichinger – mit dem mich eine alte Feindschaft aus seiner Studienzeit an der Münchner HFF verband (wo ich Dozent war) – uns hängen lassen. Ungureit vom ZDF hat uns dann gerettet. Dafür bekam das ZDF das „Recht der ersten Nacht“ – die Premiere zugesichert.“

Ich fragte nach, was das Problem mit Eichinger war: Rainer Erler schrieb mir eine Episode über Bernd Eichinger.
„Und noch ein Wort zu Bernd Eichinger, der in Hollywood starb und etliche Opfer und Feinde hinterließ.
In meinem Seminar über Schauspielerführung mit einem neue Kurs sagte ich einst meine These: Gehe immer sanft und leise mit Schauspielern um, wenn Du sie an die Figur ihrer Rolle heranführst.
Einer der Studenten unterbrach mich: „Ein ziemlicher Scheiß was Sie da verzapfen! Wenn ich zu einem Schauspieler sage „spring…!!“ – dann springt der Mann, und wenn es der dreißigste Stock ist !!“
„Wie heißen Sie eigentlich ?“ Die Frage durfte ja wohl erlaubt sein.
Er hieß „Bernd Eichinger“.
Ich empfahl ihm eine Psychotherapie auf Krankenschein, statt eines Regie-Studiums.
Damit hatte ich zwar die Lacher auf meiner Seite – Aber auch einen Feind fürs Leben.“

Der große Mann steckte voller Geschichten, Anekdoten, Wissen. Das nimmt er jetzt mit ins Grab. Ich bin sehr traurig darüber. Seine beiden Autogramme von ihm werde ich in Ehren halten.

Hellraiser – Das Tor zur Hölle – Matinee am Sonntag, 5. November im Scala

2. November 2023

Fantastische Filme können provozieren und Grenzen überschreiten. Und so auch dieser Film, dem ich am Sonntag, 5. November in meiner phantatsischen Matinee im Scala-Kino Fürstenfeldbruck um 10:45 Uhr zeigen werde:

„Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ ist ein beunruhigender und verstörender Horrorfilm, der in der Welt des fantastischen Genres einen besonderen Platz einnimmt. Dieser 1987 von Clive Barker geschaffene Film ist weit mehr als nur eine herkömmliche Horrorgeschichte. Es ist ein Werk, das sich intensiv mit den dunklen Abgründen der menschlichen Psyche, der Lust und des Schmerzes auseinandersetzt, und dabei auf subtile Weise die Grenzen zwischen Lust und Leiden verwischt. Karten gibt es hier

Eine der bemerkenswertesten Qualitäten von „Hellraiser“ ist die einzigartige visuelle Ästhetik, die Clive Barker in den Film einbringt. Die Gestaltung der Cenobites, insbesondere Pinhead, ist ikonisch und verstörend zugleich. Wir kennen Jason, wir kennen Michael Myers, wir kennen Freddie, wir kennen Chucky und wir kennen Annabelle – und hier lernen wir eine neue Figur mit Pinhead kennen, die über mehrere Folgen Bestand hat und in die Geschichte des fantastischen Films eingegangen ist. Hier der Trailer zur Wiederaufführung des Films.

Die sorgfältig ausgearbeiteten Make-up-Effekte und die detaillierten, düsteren Kulissen schaffen eine Atmosphäre, die den Zuschauer unmittelbar in das Grauen der Hölle hineinzieht.
Die Figuren in „Hellraiser“ sind alles andere als stereotypisch. Die Protagonisten, allen voran Julia und Frank, sind moralisch ambivalente Charaktere, die die dunkelsten Seiten der menschlichen Natur verkörpern. Dies verleiht dem Film eine unheimliche psychologische Tiefe, die über den typischen Horrorfilm hinausgeht. Das Drehbuch von Clive Barker geht weit über den bloßen Schockwert hinaus und erkundet tiefgründige Themen wie Verlangen, Verführung und die Konsequenzen unserer eigenen Handlungen.

Die Filmmusik von Christopher Young ist ein weiterer Höhepunkt des Films. Sie untermalt die verstörenden Bilder perfekt und verstärkt die beunruhigende Atmosphäre. Die Musik trägt dazu bei, das Publikum in die beklemmende Welt von „Hellraiser“ einzusaugen.

In Sachen Gewalt und Gore setzt „Hellraiser“ neue Maßstäbe und geht an die Grenzen des Erträglichen. Dies ist sicherlich nichts für schwache Nerven, aber es dient einem größeren Zweck in der Erzählung, da es die Konzepte von Lust und Schmerz miteinander verknüpft.

Schließlich fordert „Hellraiser“ die Zuschauer auf, über ihre eigenen Vorstellungen von Schönheit, Moral und Schmerz nachzudenken. Es ist ein Film, der keine leichten Antworten bietet, sondern den Zuschauer mit einer Fülle von Fragen und verstörenden Bildern konfrontiert.

Zusammenfassend ist „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ ein einzigartiges und tiefgründiges Horrorerlebnis, das sich von der Masse abhebt. Mit seiner düsteren Ästhetik, den komplexen Charakteren und der intensiven Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen bleibt der Film ein wichtiger Beitrag zum Genre des psychologischen Horrors. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dieser Film aufgrund seiner expliziten Gewaltdarstellung und seines verstörenden Inhalts nicht für jedermann geeignet ist. In Deutschland erschien der Film am 3. März 1988, um 4 Minuten gekürzt. Die ungeschnittene Originalfassung ist in Deutschland erst 2011 erschienen und war bis dahin nur als Import, etwa aus Österreich, erhältlich. Wir zeigen die ungeschnittene Fassung.

Ich freue mich, wenn ihr am Sonntag, 5. November um 10:45 Uhr bei meiner Matinee Vortrag und Film im Scala-Kino dabei seid. Karten gibt es online.

Soundtracktipp: The Thing von Ennio Morricone

30. Oktober 2023

Auf CD hatte ich den Score schon seit einiger Zeit, aber auf Vinyl war er schwer zu finden. Ich meine den Score zum Carpenter Film Das Ding aus einer anderen Welt.

Der Soundtrack von John Carpenters Horrorfilm „The Thing“ aus dem Jahr 1982 wurde von dem italienischen Komponisten Ennio Morricone geschrieben. Das Werk ist ein guter Mix aus elektronischer Musik und orchestralen Elementen, der die Atmosphäre des Films perfekt einfängt.

Morricone verzichtet auf die für ihn typischen, melodischen Themen und konzentriert sich stattdessen auf eine minimalistische, unterschwellige Stimmungsmusik. Die Musik ist oft dissonant und unheimlich, was die Bedrohung durch das außerirdische Monster unterstreicht. Man muss den Score mehrmals hören, bis er wirklich ins Ohr geht. Er ist nicht so eingängig wie andere Morricone-Stücke. Ich habe die Neuauflage des Vinyl-Albums.

Einige der bekanntesten Stücke des Soundtracks sind „The Thing Arrives“, „The Thing Revealed“ und „The Thing Attacks“. Diese Stücke sind geprägt von bedrohlichen Klängen, die die Angst und Paranoia der Charaktere widerspiegeln.

Der Soundtrack wurde von Kritikern und Fans gleichermaßen gelobt. Er gilt als einer der besten Horrorfilm-Soundtracks aller Zeiten. Carpenter selbst war wohl nicht ganz so zufrieden und ergänzte ihn durch eigene Aufnahmen. Ich mag die Musik des Meisters Morricone.

Dracula im Film (36): Dracula im Schloss des Schreckens

29. Oktober 2023

Gegen Ende des Film bringt es der Hauptdarsteller auf den Punkt mit der Aussage: „Ich verstehe es nicht“. Dracula im Schloss des Schreckens ist ein interessantes, aber die meiste Zeit stink langweiliges Gruselfilmen, der beim unser Graf nicht auftaucht und nur benannt wird. „Wir brauchen dein Blut so wie Dracula zum Leben“, dient als Rechtfertigung, um den Namen Dracula im deutschen Verleihtitel zu tragen. Web of the spider hieß der Film in den USA, also nix Dracula.

Innerhalb der Dialoge der deutschen Synchronfassung kommen Vampire vor. Im Original ist es ein klassischer Gothic-/Haunted-House-Streifen. Jünger des Grafen haben sich dieses Werk angeschaut und immer wieder auf die Uhr geschaut, wann die 114 Minuten vorbei sind. Die Handlung ist eine Art Geistergeschichte bei der sogar Edgar Allan Poe mitmischen darf. Der brillante Autor in der Gestalt von Klaus Kinski kann sich nicht wehren und muss für hanebüchenen Geschichten herhalten. Das hat der gute Poe nicht verdient und der irre Kinski macht die ganze Sache nicht wirklich besser.

Also wir haben schöne Bestandteile: Geister, ein altes Schloss, Träume, ein bisschen Softsex mit nackten Brüsten, etwas Blut und viele Särge samt Bodennebel und Atmosphäre. Und trotzdem ist der Film für mich beim ersten Mal Grütze und eine Qual. Allerdings wurde er beim zweiten Anschauen besser. Zwar gab es keine versteckte Geschichte zu entdecken, aber ich konzentrierte mich weniger auf die Geschichte als um das Drumherum.

Dracula im Schloß des Schreckens stammt aus dem Jahre 1971 und das macht sicherlich den Charme des Films aus. Darsteller, Set, Farben, Kamera, Musik – alles Beispiele der Zeit der frühen Siebziger. Antonio Margheriti hat bei dieser deutsch-italienischen-französischen Produktion Regie geführt. Fein ist die Musik von Riz Ortolani, der ja einiges an italienischen Horrorfilmen und Italowestern vertont hat, wobei die Doku Mondo Cane sicherlich sein berühmtestes Werk ist. Nella stretta morsa del ragno, so der Originaltitel, erschien auf limitierter Vinyl, die ich mir besorgen muss.

Ich muss meinen Hut vor der Bluray Veröffentlichung ziehen. Die Herrschaften von digidreams haben sich alle Mühe gegeben, den Film gut darstehen zu lassen. Weil nicht alle Originalkopien greifbar waren, wechselt das Bild zwischen verschiedenen Kopien samt Tonspuren hin und her, sogar die Super-8-Kopie wurde herangezogen, damit 2021 eine ungeschnittene Version in Deutschland erscheinen konnte. 1972 lief der Film in den deutschen Kinos in geschnittener Version. Auch die Extra können sich sehen lassen, hier waren Liebhaber am Werk. Ich mag vor allem die beiden Teile der Super 8-Kopie des Films.

Der Film bleibt bei all seinen Fehlern ein Liebhaberprodukt. „Es ist lächerlich: Gespenster, die Blut saugen“, so spricht unser Hauptdarsteller Anthony Franciosa als Alan Foster. Nehmen wir es mal als gegeben hin, schalten das Hirn aus, vergessen wir Dracula und saugen wir Atmosphäre der siebziger Jahre.
Aber – und nun kommt das große Aber, weshalb ich diesen Film bei all meiner Sympathie für Gruselfilme ablehne: Der Film enthält Tier-Snuff. In dem Film wird eine echte Schlange getötet und der Zuschauer sieht diese Tötung und das Leid des Tieres. Das geht nicht. Das ist verabscheuungswürdig. Das ist abzulehnen.

Das Ding aus einer anderen Welt – Rückblick auf meine Matinee

26. Oktober 2023

Es war ein Flop, der langfristig zum Erfolg wurde. John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt trat gegen ET an und verlor mit Pauken und Trompeten. Über den Lauf der Jahre gewann der 1982 gedrehte Streifen mehr und mehr Fans und gilt heute als einer der erfolgreichsten Carpenter-Filme überhaupt. Grund genug für mich, dem Film eine meiner monatlichen fantastischen Matineen im Scala Kino Fürstenfeldbruck zu widmen.

Ich mochte die Erstverfilmung des Dings aus der Produktionsschmiede von Howard Hawks, der ein klarer Film des Kalten Krieges ist. Carpenters Version war anders: Weniger politisch, dafür drastischer und effektreicher. Carpenter schafft in diesem Film eine beklemmende und düstere Atmosphäre, die von Anfang bis Ende anhält. Die Spannung baut sich langsam auf, da die Charaktere misstrauisch werden und sich gegenseitig verdächtigen. Das ist ein wahrer Genuss und sichert den Film einen Platz in der Bestenliste des SF-Horror-Films.

Die visuellen Effekte und die praktischen Creature-Designs sind auch heute noch beeindruckend und verleihen dem Film eine zeitlose Qualität. Alles ohne CGI war der Film ein Fest von praktischen Creature-Designs, das sich absolut sehen lassen kann.
Hier meine Ausführungen zu Das Ding von Carpenter in meiner Matinee.

„Das Ding“ ist auch bekannt für seine intensiven und blutigen Horror-Momente, die damals wie heute schockierend sind. Die Thematik des Misstrauens und der Paranoia unter den Charakteren, kombiniert mit der Bedrohung durch das unbekannte außerirdische Wesen, macht den Film zu einem fesselnden und psychologisch anspruchsvollen Horror-Erlebnis.

Bei meiner nächsten Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 5. November um 10:45 bleiben wir in den 80er Jahren und zeigen Hellraiser – das Tor zur Hölle. Mit diesem Film wird mit Pinhead eine neue Horrorfigur des SM-Horrors eingeführt, Jason, Michael, Chucky und Freedie um nichts nachsteht. Und es verspricht blutig zu werden. Karten gibt es online zu kaufen.