Jeder, der sich ein wenig mehr für Kino und Film interessiert, wird den Namen Roger Corman kennen. Der Regisseur und Produzent ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Ein stolzes Alter und ein stolzes Werk, das er hinterlassen hat.
Corman war zum einen ein Meister der B-Movies und zum anderen ein Förderer von Regisseuren, die größer werden sollten als er: Francis Ford Coppola, Martin Scorsese und James Cameron. Eine Würdigung von Corman gibt es auf den einschlägigen Seiten. Ich möchte mich mit einer anderen Geschichte an ihn erinnern: Roger Corman brachte mich zur Literatur.
Das mag seltsam erscheinen, aber es stimmt. Als Kind und Jugendlicher schaute ich seine preiswerten Edgar Allan Poe Verfilmungen und verschlag sie. Ich mochte das theatralische Spiel der Akteure (danke Vincent Price) ich liebte das Dekors, das in den Filmen immer wieder auftauchte – und ich mochte vor allem die Story der Filme.
Die Geschichten waren unheimlich und ich mochte sie. Und so wagte ich mich als Jugendlicher an die Geschichten von Edgar Allan Poe. So entschloss ich mich, einen Sammelband von Poe-Geschichten zu kaufen und verfiel diesem Meister der amerikanischen Kurzgeschichte. Das wäre ohne Roger Corman nie passiert. Und dafür bin ich ihm dankbar.
Ein Film, der mir bis heute Unbehagen verbreitet, ist der klassische Horrorfilm „Bis das Blut gefriert – The Haunting“ von Robert Wise aus dem Jahr 1963. Das war auch der Grund, weshalb ich ihn für meine phantastische Matinee im Scala Fürstenfeldbruck ausgewählt haben. Hier ist mein Vortrag als Video.
Der Film basiert auf den Roman „The Haunting of Hill House“ von Shirley Jackson. Der Schwarzweißfilm erzählt die Geschichte von vier Personen, die in ein altes Herrenhaus einziehen, um paranormale Phänomene zu untersuchen. Doch schon bald beginnen unerklärliche und beängstigende Ereignisse, die psychische Gesundheit der Bewohner zu beeinträchtigen.
Es ist einer der wenigen Spukfilme, bei denen das Spukhaus wirklich den Anschein hat, zu leben und auf die Personen einzuwirken. Regisseur Robert Wise schafft es wirklich Atmosphäre und Angst zu gestalten. Dazu nutzt er besondere Kameraeffekte und einen effektiven Einsatz von Soundeffekten und Musik des britischen Komponisten Humphrey Searle.
Insgesamt ist „The Haunting“ ein Klassiker des Horrorfilms, der auch nach Jahrzehnten nichts von seiner Faszination verloren hat. Robert Wise schuf mit diesem Film ein Meisterwerk des subtilen Horrors, das seine Zuschauer mit einer meisterhaften Inszenierung, starken Darstellerleistungen und einer fesselnden Geschichte in den Bann zieht.
Die nächste phantastische Matinee widmet sich dem Film Das Omen von 1976. Satan schickt seinen Sohn zur Erde mit schockierenden Auswirkungen. Die Matinee ist am Sonntag, 19. Mai um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Die Community feiert heute den Star Wars Tag am 4. Mai mit May the Fourth with you und als Fan der ersten Stunde will ich nicht abseits stehen. Star Wars-Fans sind treue Seelen, leidgeprüfte Seelen, denn George Lucas und der Ohren-Konzern machen es einem Fan nicht leicht, für Luke, Leia, Han, Darth und wie unsere Helden heißen, zu schwärmen.
Es gibt Freunde von mir, die widmen sich in ihrer Freizeit dem Cosplay, andere verfilmen ihre Star Wars Leidenschaft mit Lego und wiederum andere bauen Modelle. Und solche Ergebnisse dieser faszinierenden Fanleidenschaft ist bis 7. Juli im Berliner Napoleon-Komplex in der Ausstellung „The Fans Strike Back Exhibition“ gezeigt. Ich war zur Presseeröffnung eingeladen und konnte die über 700 einzigartige, nostalgische Sammelstücke, darunter lebensgroße Figuren, über 50 Skulpturen, Fotos, Poster und Kostüme bewundern. Hier Eindrücke von der Veranstaltung als Video.
Nach Stationen in internationalen Metropolen wie New York, Las Vegas, London und Wien, hat es „The Fans Strike Back“, die weltweit größte STAR WARS Ausstellung ihrer Art, nun nach Deutschland geschafft. Rouven Bönisch, Geschäftsführer der POA Events GmbH, äußerte sich zum Event: „Die Begeisterung und die positive Resonanz, die wir heute erlebt haben, bestärken uns in unserer Mission, einzigartige Erlebnisse zu schaffen, die die Herzen der Fans höher schlagen lassen.“ Hier die offizielle Eröffnungsansprache.
Es gab viel zu sehen und der Fan sollte ein paar Stunden einplanen, um wirklich alles zu sehen und zu lesen. Und man sollte Respekt vor der Leistung der Fans mitbringen, die sich mit ihren Modellen wirklich Mühe gegeben haben. Tipp: Unbedingt Kopfhörer aufsetzen und John Williams hören – ich hatte leider meine AirPods im Hotel vergessen, um das Geschrei der mitgebrachten Kinder wenigstens etwas ausblenden zu können. Für mich persönlich die Concept Art Interpretation von Ralph McQuarrie hervorragend mit der soviel im Star Wars-Universum begann. Der Visionär hatte damals Vader noch anders gezeichnet.
Hier ein paar Highlights für klassische Besucher. So gibt es einen umgebauten Ford Escort zu sehen, der nun ein lebensgroßer Podracer wurde. Extrem eindrucksvoll ist ein ein lebensgroßer Nachbau eines X-Wing-Fighter am Ende der Ausstellung. Und eine schöne Atmosphäre vermittelt die detaillierte Nachbildung einer Kommandorücke eines Sternzerstörers. Für mich auch faszinierend die Nachbildung eines Schneegleiters aus Imperium. Hier die komplette Ausstellung als VR 360 Rundgang.
Star Wars (und auch Star Trek) hat eine einzigartige Fähigkeit, Menschen zu begeistern und eine treue Fangemeinde zu schaffen. Diese Anziehungskraft beruht auf verschiedenen Faktoren. Zum einen bietet Star Wars eine umfassende Welt, die voller verschiedener Welten, Charaktere, Kreaturen und Kulturen ist. Diese Vielfalt und Tiefe ziehen viele Menschen an, die sich in diese faszinierende Galaxie vertiefen und Teil davon werden wollen. Darüber hinaus sind die Geschichten in Star Wars ergreifend. Die Saga erzählt von epischen Konflikten zwischen Gut und Böse, von Liebe, Freundschaft, Familie und persönlicher Entwicklung. Diese Themen sprechen viele Menschen auf einer emotionalen Ebene an und schaffen eine Verbindung zu den Charakteren und ihrer Reise.
Ein weiterer Grund für die Treue der Fans liegt in der innovativen Technologie und dem Design von Star Wars. Von den ikonischen Lichtschwertern bis zu den beeindruckenden Raumschiffen und den vielfältigen Kreaturen – die visuelle Ästhetik von Star Wars hat die Popkultur nachhaltig beeinflusst und eine starke visuelle Identität geschaffen. Zeitlose Botschaften sind ein weiteres Merkmal von Star Wars. Die Saga behandelt Themen wie Freiheit, Mut, Opferbereitschaft und das Gute im Kampf gegen das Böse. Diese Botschaften sind universell und sprechen Menschen jeden Alters und Hintergrunds an. Dazu kommt der kontinuierliche Ausbau des Star Wars-Universums. Seit den ersten Filmen in den 1970er Jahren hat sich das Universum stetig weiterentwickelt und expandiert. Neue Filme, TV-Serien, Bücher, Comics und Videospiele halten die Fans engagiert und bieten kontinuierlich neuen Stoff für Diskussionen, Spekulationen und Begeisterung.
Nicht zuletzt schafft Star Wars eine Gemeinschaft und Identifikation unter den Fans. Die leidenschaftliche und engagierte Fangemeinde unterstützt sich gegenseitig, trifft sich und verbindet sich über ihre gemeinsame Liebe zum Star Wars-Universum. Ich hab die Ausstellung The Fans Strike Back genossen und kann sie jedem Fan ans Herz legen.
Der Schriftsteller Paul Auster ist am 30. April 2024 im Alter von 77 Jahren verstorben. Diese Meldung überraschte mich gestern abend. Ich mochte seine Bücher gerne, mir der Prosa konnte ich nicht soviel anfangen. Bevor ich das erste Mal nach New York flog, las ich seine New York Trilogie und auf dem Flug zu Big Apple beendete ich das über 400 seitige Buch. Die New York Trilogie ist für mich ein Buch, das man immer wieder lesen kann und das jedes Mal neue Einsichten und Erkenntnisse bietet. Und wer keine Lust auf einen fetten Schinken hat, dem empfehle den Film Smoke – Raucher unter sich aus dem Jahr 1995. Hier hat Paul Auster das Drehbuch geschrieben.
Ich wurde auf Paul Auster durch eine Bekannte aufmerksam. Die „New York Trilogie“ von Paul Auster ist für mich eine faszinierende literarische Reise durch das Labyrinth menschlicher Existenz, identitärer Verwirrung und die unergründlichen Geheimnisse der Metropole New York. All dies habe ich bei meinem ersten New York-Besuch nicht erlebt, aber im Kopf mit durch diese Stadt getragen. Bestehend aus den drei Romanen „Stadt aus Glas“, „Schlagschatten“ und „Hinter verschlossenen Türen“, ist diese Trilogie ein tolles Werk postmoderner Literatur, das mich in ein rätselhaftes Universum von Verschwommenheit und Bedeutung führte.
Stadt aus Glas „Stadt aus Glas“, der erste Roman der Trilogie, ist eine subtile Reflexion über Identität und die Krise des Selbst. Der Schriftsteller Daniel Quinn wird fasziniert von einem Anruf, der ihn in die Rolle eines Privatdetektivs schlüpfen lässt. Doch je tiefer er in den Fall eintaucht, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Auster spielt meisterhaft mit den Konventionen des Detektivromans und führt den Leser in ein Labyrinth des Bewusstseins, in dem nichts ist, wie es scheint.
Schlagschatten In „Schlagschatten“ wird die Geschichte des Privatdetektivs Blue fortgesetzt, der nun selbst zum Objekt der Ermittlung wird. Als er einen mysteriösen Auftrag annimmt, gerät er in ein Netz aus Intrigen und Verwirrungen. Die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen, und die Suche nach Wahrheit wird zu einer existenziellen Reise in die Dunkelheit der menschlichen Seele.
Hinter verschlossenen Türen Der dritte Roman, „Hinter verschlossenen Türen“, führt uns als Leser in die Welt des Schriftstellers Fanshawe, der scheinbar spurlos verschwindet und seine Identität einem anderen Mann überlässt. Doch auch dieser Mann, der Fanshawes Leben übernimmt, ist nicht immun gegen die Geister der Vergangenheit. Auster untersucht hier auf eindringliche Weise die Natur der Authentizität und die Fragilität menschlicher Bindungen.
Versuch einer Würdigung Was diese Trilogie so beeindruckend macht, ist Austers meisterhafte Beherrschung der Sprache und seine Fähigkeit, komplexe philosophische Themen mit einer fesselnden Handlung zu verbinden. Sein Stil ist präzise und poetisch zugleich, und seine Charaktere sind so vielschichtig wie die Stadt, in der sie leben. Durch die Verflechtung von Realität und Fiktion, von Identität und Selbstentfremdung schafft Auster eine Welt, die mir noch lange nach der Lektüre im Gedächtnis blieb.
Filmtipp Smoke „Smoke“ aus dem Jahr 1995, unter der Regie von Wayne Wang und basierend auf einem Drehbuch von Paul Auster, ist ein Film, der subtil und einfühlsam die Geschichten von Menschen einfängt, die sich in den Straßen von Brooklyn kreuzen. Der Film ist eine Hommage an die Schönheit des Alltags und die unerwarteten Verbindungen, die zwischen den Menschen entstehen.
Die Handlung von „Smoke“ dreht sich um Auggie Wren, den sBesitzer eines kleinen Tabakladens in Brooklyn, gespielt von Harvey Keitel. Auggie hat eine tägliche Gewohnheit, bei der er um die gleiche Uhrzeit ein Foto von der Ecke seines Ladens schießt. Dieses einfache Ritual wird zum Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Geschichten, die sich um Auggie und die Menschen in seinem Umfeld entfalten. Eine tolle Idee und ein tolles Storytelling,
Der Film zeichnet sich durch seine liebevoll gezeichneten Charaktere aus, von Auggie selbst bis hin zu seinen Stammkunden und Freunden. Jeder Charakter hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Träume, die auf berührende Weise miteinander verflochten sind. Die Schauspieler, darunter auch William Hurt, Forest Whitaker und Stockard Channing, liefern herausragende Leistungen und bringen ihre Charaktere mit Tiefe und Authentizität zum Leben.
Eine der Stärken von „Smoke“ liegt in seiner Fähigkeit, die kleinen Momente des Lebens einzufangen und zu feiern und das ist die Leistung des Drehbuchautors Paul Auster. Der Film findet Schönheit und Bedeutung in scheinbar banalen Ereignissen und zeigt, wie selbst die gewöhnlichsten Begegnungen das Potenzial haben, das Leben zu verändern. Die ruhige Inszenierung und die zurückhaltende Erzählweise ermöglichen es den Zuschauern, sich in die Welt des Films einzufühlen und sich mit den Charakteren zu identifizieren.
Nun soll es also doch noch kommen. Nach Get Back soll nun der Originalfilm Let it Be von den Beatles veröffentlicht werden. Wir erinnern uns: Am 8. Mai 1970 wurde das zwölfte und letzte Album der Beatles auf den Markt geworden und dazu kam ein Kinofilm, der, sagen wir mal so, recht düster und in Teilen deprimiert war. Am 8. Mai 2024 kommt nun der Film bei Disney+. Ich geh davon aus, dass der Film auch auf Bluray später veröffentlicht wird. Ein Datum habe ich nicht gefunden.
Aus dem 16mm-Material der Filmaufnahmen schuf Peter Jackson eine mehrstündige Beobachtung, die das Ende der Beatles dokumentierte. Bild und Ton wurden optimal restauriert. Unter Get back wurden die Aufnahmen bei Disney+ gestreamt und dann später auf Datenträger veröffentlicht. Für mich war Get Back ein optischer und musikalischer Schatz als Beatles-Fan und stimmte mich versöhnlich, dass die Musiker zusammen kreativ waren, zusammen lachten und natürlich auch zusammen streiten. Get Back war alles in allem ein positiver Film über das Ende einer Supergruppe.
Ganz anders der rund einhalbstündige Originalfilm Let it Be von 1970. Ich hatte mal eine Bootleg-VHS und investierte dann in eine teure digitale Laserdisc, um mir das Trauerspiel und die Trauermienen anzuschauen. Let it Be war ein interessanter Film, der die Risse zwischen den Musikern zeigte. Hier der Trailer von 1970.
Interessant, wie Peter Jackson aus diesem und mehr Material die Stimmung in Get Back gedreht hatte. Was Film so alles kann, basierend auf dem gleichen Material. Aber Let it Be zeigt anderes Material als der Jackson-Film Get Back.
Jetzt wurde der Film von 1970 von Regisseur Michael Lindsay-Hogg restauriert. Wahrscheinlich erstrahlt er in besserer Qualität als meine Laserdisc. Ich warte auf die Bluray Veröffentlichung, um beide Aufnahmen vergleichen zu können. Hier das Plakat von Disney+.
Michael Lindsay-Hogg erklärte in einer Pressemitteilung: „‚Let It Be‘ wurde im Oktober/November 1969 fertiggestellt, aber es kam erst im April 1970 heraus. Einen Monat vor seiner Veröffentlichung trennten sich die Beatles offiziell. Und so sahen sich die Leute ‚Let it Be‘ mit Traurigkeit im Herzen an und dachten: ‚Ich werde die Beatles nie wieder zusammen sehen. Ich werde nie wieder diese Freude haben`, und das hat die Wahrnehmung des Films sehr getrübt.“ Man kann sich die Sache auch schön reden und rechtfertigen. Für mich war, ist und wird Let it Be ein trauriger Film bleiben und trotzdem werde ich ihn mir kaufen, wenn er auf Bluray herauskommt.
Peter Jackson hat natürlich auch was zu sagen: „Ich freue mich riesig, dass Michaels Film ‚Let It Be‘ restauriert wurde und nun endlich wieder veröffentlicht wird, nachdem er jahrzehntelang nicht erhältlich war. Ich hatte das Glück, Zugang zu Michaels Outtakes von ‚The Beatles: Get Back‘ zu haben, und ich habe immer gedacht, dass man ‚Let It Be‘ braucht, um die Geschichte von ‚The Beatles: Get Back‘ zu vervollständigen.“
Der Trailer lockt den Zuschauer auf eine völlig falsche Fährte. Wer gedacht hat, bei Civil War von Alex Garland handelt es sich um einen klassischen Actionfilm im US-patriotischen Flair von Freiheit und Aufrechtigkeit, der hat sich vollkommen geirrt. Civil War ist für mich die bisherige Überraschung des Kinojahr 2024 und ein absolut lohnenswerter Film.
Als ich aus der Pressevorführung trat, sah ich eine Reise von James Nachtwey zum Heart of Darkness, ein Road Movie mit dem Irrsinn von Apocalypse Now, allerdings nicht in den Gewässer von Indochina, sondern auf auf den staubigen Straßen um Washington. Dieser Film polarisiert und regt zum Nachdenken an. Was wäre wenn… . Als Zuschauer ergreifen wir Partei für die handelnden Personen, allesamt Fotoreporter und Journalisten unterschiedlichster Ausprägung. Der alte Mann von der New York Times, die desillusionierte Fotoreporterin, der drogenabhängige Producer und das naive Greenhorn.
Es herrscht Bürgerkrieg, Milizen gegen das Establishment in der Rolle des US-Präsidenten. Die Hintergründe kennen wir nicht. Der Präsident scheint ein böser Bube zu sein, weil er eine dritte Amtszeit antritt und einige Staaten dagegen mit Waffengewalt protestieren. Unweigerlich kommt einen der Sturm auf das Kapitol 2021 in den Sinn und auch die Arroganz eines Donald Trump lässt sich beim Betrachten des Films nicht abstreiten. Was wäre wenn …
Der Film ist eine Verbeuung vor den großen Kriegsfotografen der Vergangenheit und Gegenwart: Vor Lee Miller, vor Robert Capra und immer wieder vor James Nachtwey. Und der Film ist eine Verbeugung vor Fotografie. Sobald ein Kriegsbild geschossen wird, verstummt der Ton, das Bild wird schwarz-weiß und zeigt die enorme Wirkung von Fotografie. Als ich den Film auf mich wirken sah, erkannte ich das Todesbild des spanischen Freiheitskämpfers von Robert Capra oder das Attentatsbild von Robert Bobby Kennedy von Boris Yaro. Die Bilder wurden zu ikonischen Symbolen für diese tragischen Ereignisse.
Ein bisschen Nostalgie schwingt in dem Film mit, wenn das junge Nachwuchsjournalistin mit einer alten analogen Nikon auf Film arbeitet, die Filmdose mit Entwickler rollt und den Film dann doch am iPhone anschaut, während die hartgesottene Kriegsfotografin gleich auf eine digitale Sony Alpha setzt. Natürlich sind diese Szene für mich als Bildjournalist Balsam für die Seele, aber seien wir doch mal ehrlich: Bewegtbild hat den Fotojournalismus schon längst geschlagen. Wer heute nur mit Fotos arbeitet, hat die Medienwelt des 21. Jahrhunderts nicht verstanden und das ist meine einzige wirkliche Kritik an diesem einzigartigen Film. Erst gegen Ende tauchen eingebettete Videojournalisten auf, was dann doch eher an die Medienrealität des 21. Jahrhunderts erinnert. Das sich Fotojournalisten frei durch ein Kriegsgebiet bewegen durften, das hat die USA in Vietnam gesehen, wohin es führt. Aber egal, Civil War ist eine Dystopie mit Botschaft und immer wieder der Gedanke: Was wäre wenn …
„Bis das Blut gefriert – The Haunting“ von Robert Wise ist ein klassischer Horrorfilm aus dem Jahr 1963, der auf dem Roman „The Haunting of Hill House“ von Shirley Jackson basiert. Der Film erzählt die Geschichte von vier Personen, die in ein altes Herrenhaus einziehen, um paranormale Phänomene zu untersuchen. Doch schon bald beginnen unerklärliche und beängstigende Ereignisse, die psychische Gesundheit der Bewohner zu beeinträchtigen. Ich zeige diesen Spukhausklassiker im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 14. April um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Spannung und Atmosphäre Robert Wise, der bereits mit Filmen wie West Side Story und Der Leichendieb sein Talent bewiesen hatte, zeigt in „The Haunting“ sein Geschick für die Inszenierung von Spannung und Atmosphäre. Ab Mitte der 1940er Jahre wurde Robert Wise selbst mit ersten Regieaufträgen betraut. Durch die Filme The Curse of the Cat People und Der Leichendieb, letzterer mit den beiden damaligen Horrorstars Bela Lugosi und Boris Karloff, wurde er früh zu einem wichtigen Protagonisten des Horrorfilms.
Er nutzt in Bis das Blut gefriert geschickt Licht, Schatten und Kameraführung, um eine düstere und beklemmende Stimmung zu erzeugen, die den Zuschauer von Anfang bis Ende in ihren Bann zieht. Die Entscheidung, das Geisterhaus größtenteils im Dunkeln zu belassen und dem Publikum nur Andeutungen von unheimlichen Ereignissen zu geben, verstärkt die Gruselatmosphäre des Films und lässt die Fantasie der Zuschauer auf Hochtouren laufen. Die Herausforderung bei Spukhaus-Filmen ist, dass das Haus im Mittelpunkt der Angst stehen muss und nicht die Darsteller. Das gelingt nur wenigen Spukhausfilmen. Bis das Blut gefriert, ist einer der wenigen gelungenen Beispiele des Genres.
Ein Höhepunkt von „The Haunting“ ist sein subtiler Ansatz im Umgang mit dem Übernatürlichen. Anders als viele moderne Horrorfilme setzt dieser Film weniger auf Schockeffekte oder blutige Szenen, sondern konzentriert sich auf die psychologische Dimension des Grauens. Die wahre Bedrohung liegt nicht in äußeren Monstern, sondern in den tief verwurzelten Ängsten und Traumata der Charaktere. Und hier sitzt der Schrecken tief, was bemerkenswerte Darstellerleistungen benötigt, insbesondere Julie Harris in der Rolle der labilen Eleanor. Sie verkörpert die zunehmende Verzweiflung und Furcht ihres Charakters auf eindringliche Weise und zieht den Zuschauer mit ihrer emotionalen Intensität in den Bann. Claire Bloom, Richard Johnson und Russ Tamblyn ergänzen die Besetzung mit überzeugenden Leistungen.
Insgesamt ist „The Haunting“ ein Klassiker des Horrorfilms, der auch nach Jahrzehnten nichts von seiner Faszination verloren hat. Robert Wise schuf mit diesem Film ein Meisterwerk des subtilen Horrors, das seine Zuschauer mit einer meisterhaften Inszenierung, starken Darstellerleistungen und einer fesselnden Geschichte in den Bann zieht. Es ist ein Muss für jeden Liebhaber des Genres und ein Beweis dafür, dass echter Horror nicht immer Blut und Gewalt benötigt, um zu wirken. Ich freue mich auf Zuschauer im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 14. April um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.
Bemerkenswerter Score Die Filmmusik ist ein wichtiger Bestandteil von „The Haunting“ und trägt wesentlich zur Atmosphäre und Spannung des Films bei. Die Musik wurde von dem renommierten britischen Komponisten Humphrey Searle komponiert, der mit seinen musikalischen Beiträgen einen bedeutenden Beitrag zur Wirkung des Films leistete.
Die Filmmusik von „The Haunting“ zeichnet sich durch ihre subtile und unheimliche Stimmung aus. Searle verwendet eine Vielzahl von Instrumenten und Klangeffekten, um eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die perfekt zum schaurigen Ambiente des Herrenhauses passt. Oft setzt er auf dissonante Harmonien und unregelmäßige Rhythmen, um ein Gefühl der Unruhe und Bedrohung zu vermitteln.
Ein markantes Merkmal der Filmmusik von „The Haunting“ ist ihr minimalistischer Ansatz. Searle verzichtet weitgehend auf melodische Themen oder orchestralen Bombast und setzt stattdessen auf sparsame, aber effektive Klanglandschaften. Dies trägt dazu bei, dass sich die unheimlichen Geräusche und Ereignisse im Herrenhaus noch intensiver auf den Zuschauer auswirken, da die Musik subtiler und subtiler auf seine Sinne wirkt.
Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von ungewöhnlichen Klangeffekten, wie zum Beispiel das Flüstern des Windes, knarrende Türschlösser oder das dumpfe Klopfen von unsichtbaren Präsenzen. Diese akustischen Elemente verstärken die Bedrohung und Unheimlichkeit des Herrenhauses und tragen dazu bei, dass sich der Zuschauer in die Welt des Films hineinversetzt fühlt. In meinem Vortrag zur Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 14. April um 10:45 Uhr werde ich auch auf diesen Score eingehen. Karten gibt es hier.
Es gibt phantastisches Filme, die einen nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie enthalten ikonische Szenen, die das ganze Genre geprägt haben. Eine solche Szene ist die Verwandlung in American Werewolf von John Landis. Ich habe über diesen Klassiker eine meiner monatlichen Matineen im Scala Kino in Fürstenfeldbruck gehalten. Hier mein Vortrtag
Ein herausragendes Merkmal des Films sind die innovativen Spezialeffekte und das Make-up von Rick Baker. Die Transformationsszene, in der David sich zum ersten Mal in einen Werwolf verwandelt, ist bahnbrechend und bis heute beeindruckend. Baker gelingt es, die physische und emotionale Qual der Verwandlung realistisch darzustellen, was den Horror des Moments verstärkt. Rick Baker ist ein Pionier auf dem Gebiet der Spezialeffekte und Make-up-Kunst. Seit den 1970er Jahren hat er die Filmindustrie mit seinen innovativen und bahnbrechenden Arbeiten geprägt. Seine Kreationen haben neue Standards für Realismus und Kreativität gesetzt und zahlreiche andere Künstler inspiriert.
Frühe Masken von ihm wären in King Kong (1976), Star Wars (1977) oder Teufelskreis Alpha (1978) zu sehen. Pop-Ikone Michael Jackson war von dem Meisterwerk ‚American Werewolf so begeistert, dass ihn Baker im Kult-Video ‚Thriller‘ persönlich verunstalten durfte. Baker beschrieb seine Kunst Einmals so: „Man sieht das Ding, das vorher nur als Idee im Kopf herum spukte, real und lebendig werden. Das ist wahnsinnig aufregend und in gewisser Weise fühle ich mich dabei wie Dr. Frankenstein.“
Humor im Horrorfilm Obwohl ich Humor in Horrorfilmen eigentlich nicht mag, hier passt er. Landis spielt geschickt mit den Erwartungen des Publikums und wechselt zwischen gruseligen und komischen Momenten. Dies verleiht dem Film eine schöne Atmosphäre, die sowohl Spannung als auch Unterhaltung bietet.
Bis das Blut gefriert Die nächste Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck findet am Sonntag 14. April um 10:45 Uhr statt. Ich bespreche und zeige den Spukhausklassiker Bis das Blut gefriert. Karten gibt es online.
„Was ist das für ein Trip?“ Diese Frage stellt einer der Protagonisten im neuen Blockbuster Godzilla X Kong – The New Empire. Und genau diese Frage muss sich der Zuschauer stellen, der die neue Episode aus dem Monsterverse über sich ergingen ließ. Ich genoss den neuen Monsterfilm in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck.
Wer erzählerische Tiefe wie bei dem jüngsten japanischen oscarprämierten Ausgabe Godzilla minus One erwartet hat, der wurde gnadenlos enttäuscht. Godzilla X Kong – The New Empire ist genau das Gegenteil von Erzählkino. Die Handlung ist auf ein Minimum geschrumpft und der Kampf der Monster geht den ganzen 115 minütigen Spielfilm durch, obwohl Kong deutlich mehr Screentime hat als mein Liebling Godzilla. Sowohl Godzilla als auch Kong spüren eine Bedrohung, die aus dem Innern der Erde kommt. Auf Skull Island öffnen die Menschen einen Zugang zur Hohlerde. Dort treffen Godzilla und Kong auf einen mächtigen Gegner, der die Existenz aller bedroht, blablabla
Die Idee der Hohlerde wird weiter gesponnen und Sir Arthur Conan Doyles vergessene Welt wird ebenso zitiert wie Jules Vernes Mittelpunkt der Erde. Aber soviel Kultur wird nur angedeutet und verwirren nur das Geschehen. Tiefere Gedanken stören in dem Film nur, der sich brachial seinen Weg in das Stammhirn des Publikums haut. Ach ja, die Hohlerde hat gleich nochmal einen Hohlraum, aber das wird dann doch etwas verwirrend. Die Physik wie Lichteinfall kann getrost außer Acht gelassen werden, lenkt vom Film nur ab. Die erste Fan-Diskussion um Godzilla gab es dann auch, als er in violett auftauchte. Wahrscheinlich hatte Adidas mit seinen violetten Shirts für die Nationalmannschaft in den Fußballkreisen einen ähnlichen Aufruhr.
Kong wird allgemein emotionaler gezeigt. Er zeigt deutlich mehr Schauspieltalent als die hilflosen Schauspieler, die mit Sparwitzen nur so um sich werfen, damit sie wenigstens etwas Farbe bekommen. Einzig die Kong-Flüsterin Kaylee Hottle darf ein wenig geheimnisvoll schauspielern.
So hat der große Affe von Skull Island auch mal Zahnweh, nimmt sich einem Baby-Kong an, ist auf der Suche nach Verwandtschaft und scheint mit mehr Hirn ausgestattet zu sein, als der Rüpel Godzilla, der sich gleich das römische Kolosseum als Schlafplatz ausgesucht hat. Asiatische Drachen gegen römischen Imperialismus. Die Herrschaften nehmen bei ihren Zweikämpfen auch keine Rücksicht auf Kulturdenkmäler. Die Pyramiden bleiben ebenso auf der Strecke wie römische Tempel oder brasilianische Strände. Dann taucht noch ein Affendiktator mit Namen King Scar auf, der an den Trailer von Planet der Affen erinnert, der vor dem Hauptfilm im Scala-Kino gezeigt wurde. Der böse Affe unterjocht auch noch einen Titanten und die restliche Affenbande. Klar, dass hier eine Befreiungsaktion wie Indy Jones im Tempel des Todes gestartet werden muss. Befreiung der Affen ist ja schließlich auch eine Lebensaufgabe für Kong, der hier aber Godzilla an seiner Seite braucht. Godzilla ist ja auf der Erde so eine Art Weltpolizist und schaut, dass alles dort oben seine Ordnung hat. Kong hat sich derweil ein wenig mit Rousseeau vertraut gemacht und ist strebt nach dem idealen Naturzustand.
Godzilla X Kong als Kulturbotschafter und Ikonen der Popkultur. Und hier wird der Film auf einmal sehr interessant. Die menschlichen Akteure, voller Klischees, agieren hilflos und dienen nur der Erklärung der gezeigten Keilerei. Hirn abschalten und den Fights genießen, so ist die Forderung an den Zuschauer. Wer das nicht kann und ein wenig in der Tradition der Toho-Godzilla-Filme beheimatet ist, erkennt wohlwollend die Filme der Showa- und der Heisei-Ära, als sich Menschen noch in Gummi-Monsterkostümen kloppten. Regisseur Adam Wingard hat diese Filme mit Monster-Suit wohl als Kind ebenso genossen und setzt die Klopperei der siebziger Jahre nun in VFX um. Als endlich Mothra auftaucht, schlug mein Fan-Herz höher. Ich mag sie seit sie 1964 zum ersten Mal in Godzilla und die Urweltraupen ihr Antlitz zeigte. Die Motte war ja die Göttin der Modra-Insel, was aber im Monsterverse verloren gegangen ist. Regisseur Adam Wingard würde bei Erfolg des zweiten Teils seines Monsterverse noch einen dritten Teil draufsetzen, vielleicht geht sogar ein Film mit noch weniger Handlung. Aber bitte dann mit mehr Screentime von Godzilla.
Nur noch ein Wort zum Score. Den Score liefert Tom Holkenborg alias Junkie XL mit viel Bombast und ohne Akira Ifukube-Thema. Für mich ist de Score belanglos, da wünsche ich mir sogar Bear McCreary zurück und da hat mir der Score schon wenig gefallen.
Als ich mir „Andrea lässt sich scheiden“ im Kino angesehen habe, da hab ich mich fremdgeschämt. Ich wäre gerne unter dem Kinosessel gekrochen, denn Regisseur Josef Hader hat in seinem zweiten Spielfilm genau hingeschaut. Er hat so genau aufs Land geschaut und die Figuren und Charaktere ins Szene gesetzt, denen ich oftmals im wirklichen Leben begegne. Polt hat mal eine Serie gehabt „Fast wie im richtigen Leben“ und genau diese scharfe Beobachtungsgabe hat Josef Hader in „Andrea lässt sich scheiden“ auch, allerdings nicht auf bayerische, sondern auf österreichische Art.
Ich mag diese Art von Humor. Die Beobachtungsgabe von Hader ist enorm. Ich habe ihn vor 25 Jahren mal im Lustspielhaus live gesehen und bin seitdem ein Fan von ihm. Trocken und zielsicher. Hier ein Filmgespräch mit Hader, bevor wir seinen Film zu sehen bekommen haben.
Nach der Wilden Maus von 2017 nun die zweite Regiearbeit. Der Inhalt ist linear und einfach: Die Polizistin Andrea lebt mit ihrem Ehemann auf dem Land. Doch Andrea ist unglücklich in der Ehe und sie wünscht sich eine Scheidung, um ein neues Leben als Kriminalinspektorin in der Stadt zu führen. Aber ihr Traum von der Zukunft gerät in Gefahr, als sie nach einer Geburtstagsfeier ihren betrunkenen Noch-Ehemann anfährt und schließlich Fahrerflucht begeht. Doch zu Andreas Überraschung bekennt sich der trocknende Alkoholiker Franz im Irrglauben zu der Tat.
Aber es geht weniger um das Storytelling, es geht vielmehr wie das Storytelling in Szene gesetzt wird. Es werden Charaktere gezeigt, wie wir jederzeit und an jedem Ort auf dem Land antreffen können. Stadtmenschen können über den Film lachen und den Kopf schütteln, Landmenschen, wie ich es einer bin, werden die Mitmenschen erkennen in ihrer Sinnlosigkeit, in ihrer Tragik und naiven Aussichtslosigkeit. Jeder Charakter passt und jeder von uns Zuschauern kennt die eine oder andere dargestellte Person, vielleicht erkennt man sich auch selbst mit seinen leeren Sprüchen und nutzlosen Handlungen.
Ich habe mich köstlich amüsiert und ich war peinlich berührt, wie genau Hader seinen Mitmenschen aufs Maul geschaut hat. Vielleicht braucht man eine gewisse Reife, um den Witz in der Trostlosigkeit des Landes zu erkennen. Es tat weh diese Personen zu sehen und es tat auch weh, wenn einen selbst der Spiegel vorgehalten wird. Und der Spruch „Des is Gin Tonic. Gin Tonic is ka Alkohol.“ ist in den Wortschatz unserer Familie eingegangen.
Ich habe die Vorpremiere in München gesehen und werde nun mir den Film in meinem Lieblingskino Scala Fürstenfeldbruck noch einmal ansehen. Der Film lohnt sich.