Archive for the ‘Aufgelesen’ Category

Essbare Insekten – von Lutscher mit Skorpion und Mehlwürmer mit Chilli-Aroma

23. Mai 2014

Foto 3

Das erste Mal als ich Insekten probierte, war in einer Spelunke in Afrika. Ich war auf einer Journalistenreise durch Westafrika. Es war dunkel, der Raum war nur von Kerzenlicht erhellt und ich trank ein Bier und hatte Lust auf Knabberzeugs. Also probierte ich die Knabbereien auf dem Tisch und plauderte munter mit meinen Kollegen.

Als die Schale mit den vermeindlichen Nüsschen leer war, bat ich den Kellner um Nachschub. Er antwortete, dass es keine gerösteten Nüsschen gewesen seien, sondern Heuschrecken. Der Abend war dann für mich gelaufen, obwohl ich zugeben muss, dass mir die gerösteten Insekten geschmeckt haben. Nur mein Kopf machte einfach nicht mit.

Insekten auf der #rp14

Insekten auf der #rp14

Auf der re:publica kamen mir diese Erinnerungen an die Afrikareise wieder in den Sinn als ich auf der Internet-Messe in Berlin einen Stand mit essbaren Insekten sah. Es gab allerhand von den Viechern, aber wunderbar bunt dargereicht. Lutscher mit Grillen mit Caramel-Geschmack, Mehlwürmer mit Chilli-Aroma und vieles mehr. Die beiden Betreiber haben die Chance des viralen Marketings auf der #rp14 genutzt: Der Kölner Journalist Dennis Besseler hat sich mit seinem Geschäftspartner Michael Iselt etwas Provokantes einfallen lassen: Essbare Insekten für den menschlichen Verzehr. Mehlwürmer, Heuschrecken und Grillen aus kontrollierter Zucht gibt es herzhaft gewürzt. Wer es lieber süß mag, bestellt einen der handgemachten Lutscher mit Insekten-Einlage. Und die Nerds auf der re:publica mussten natürlich probieren: Lutscher mit Grille (2,49 Euro), Lutscher mit Skorpion (3,75 Euro)oder darf es lieber Lutscher mit Wurm (2,49 Euro) sein?

Als ich von den essbaren Insekten auf der #rp14 via Twitter berichtete, war die Reaktion geteilt. Die einen sagten, dass die Idee schon alt sei und es auch Kochkurse mit Insekten gab. Das ist richtig, Dennis Besseler bietet solche Kochkurse auch an. Andere machten mit Posts wie “Igitt” oder “Ekelhaft” ihre Position klar. Wiederum andere wiesen daraufhin, dass Insekten auch Lebenwesen seien.

Und dann gab es noch welche, die wissen wollten, wie das Zeug schmeckt. Nun ja, die Mehlwürmer mit Chilli-Aroma waren ganz ok. Eigentlich schmeckte es mehr nach Chilli als nach Wurm, obwohl ich gar nicht wissen will, wie Wurm schmeckt. Klar, früher einmal gab es die Raupe im Tequila. Wir wussten: Wenn die Raupe im Mezcal-Tequila konserviert wird, handelt es sich um guten Mezcal und der Tequila kann gefahrlos getrunken werden.

Aber heute? Lutscher mit Wurm? Naja, Wurm, Raupe – egal – Beim Probieren war es wieder das Gefühl in meinem Kopf und ich hatte gegessen. Guten Appetit

Berliner Gast- und Lesestube: Joseph Roth Diele

22. Mai 2014
Schöne Atmo in der Joseph Roth Diele zu Berlin.

Schöne Atmo in der Joseph Roth Diele zu Berlin.

Obwohl ich ein digitaler Mensch bin, liebe ich die Klassiker des Journalismus – was ja kein Widerspruch sein muss. Man muss seine Wurzeln kennen, um die seine Zukunft zu gestalten. Ich lese gerne die Geschichten von großen Journalisten der Vergangenheit, von Heinrich Heine, dem rasenden Reporter Egon Erwin Kisch und Joseph Roth. Letzterer ist mir bei meinem jüngsten Besuch in Berlin wieder in den Sinn gekommen.

Schwäbisches Essen in Berlin.

Schwäbisches Essen in Berlin.

Zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach besuchte ich die Joseph Roth Diele an der Potsdamer Straße 75. Bei einem deftigen Abendessen mit schwäbischer Hausmannskost – ich hatte Schweinebraten mit Spätzle – diskutierten wir über den Journalismus.

Die Reporter der damaligen Zeit nutzten die neuen Techniken, die ihnen zur Verfügung standen. Wir waren uns einig: Heute werden es sicher Techniken wie Blogs, YouTube und soziale Netzwerke gewesen.

Dabei war der Ort der Diskussion historisch: Der Filmemacher Peter Funke und seine Frau Ulrike Schuster haben der Joseph Roth Diele neues Leben eingehaucht. Beide sind sehr katholisch und betreiben nebenan den einzigen Berliner Devotionalienhandel. Und, für mich viel wichtiger, sie betreiben die Joseph Roth Diele. Hier ist der Wiener seiner Zunft nachgegangen. Ich soll er hier seinen Roman Spinnennetz geschrieben haben. Das Ehepaar Funke/Schuster haben daraufhin eine Gast- und Lesestube wieder belebt. Das Lokal ist wunderbar und eine Augenweide. Lasst euch bei einem Glas Bier nieder und genießt das schwäbische Essen. Lasst eure Augen über die Hunderte von Fotografien wandern oder greift zu einem Buch von Joseph Roth. Im hektischen Berlin ist die Joseph Roth Diele eine wunderbare Oase der Inspiration. Ein Besuch der Gast- und Lesestube lohnt sich.

 

Besuch der 2 Sterne Küche Facil in Berlin

21. Mai 2014

Wer in Berlin von Sterneküche spricht, der spricht oft vom Facil. Das Facil ist eines von fünf Restaurants in der deutschen Hauptstadt mit zwei Michelin-Sternen. Also musste ich der Facil-zwei Michelin-Sterne Küche unbedingt einen Besuch abstatten.

Direkt am Potsdamer Platz bei der Potsdamer Straße 3 findet sich die “Oase der Esskultur” im fünften Stock des Mandala Hotel Berlin. Michael Kempf zaubert hier seine wunderbaren Menüs. In Begleitung der beiden kundigen Foodblogger Thomas Gerlach und Peter Spandl sowie Harald Baumer, ein fabelhafter Kollegen der schreibenden politischen Zunft, besuchten ich das Facil. Vorweg: Mir hat es gefallen – meinen Foodblogger-Kollegen nicht so ganz. Ihre Meinungen sind hier (Gerlach) und hier (Spandl). Aber natürlich gilt hier, jammern auf hohem Niveau.

Wunderbar lichtdurchflutete Räume

Wunderbar lichtdurchflutete Räume

Küchenchef Michael Kempf, Jahrgang 1977, absolvierte seine Gesellenzeit in der Kleber Post in Salgau, wechselte zum Hotel Kleber-Post als Tournant, Entremetier und Saucier. Es folgten Stationen im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe als Poissonier, im Restaurant Fischerzunft Schaffhausen als Gardemanger, Entremetier und Saucier sowie Restaurant Dieter Müller im Schlosshotel Lerbach als Entremetier und Saucier. Seit 2003 ist Michael Kempf Küchenchef des Facil im Mandala Hotel Berlin.

Seit 7. November 2013 hat sich Michael Kempf seinen zweiten Michelin Stern erkocht. In seinem ersten Jahr als Küchenchef erhielt er im Alter von 26 Jahren seinen ersten Michelin-Stern. Zehn Jahre später folgte nun der zweite Stern. Sein Küchenstil ist klar: Er verwendet gerne regionale Produkte und exotische Gewürze. Wichtig ist Michael Kempf der Erhalt des Eigengeschmacks der Produkte und eine präzise Garmethodik.

Ich wählte das Abendmenü mit sieben Gänge (140 Euro) ohne Nachspeise – Nachspeisen mag ich nicht.

Nach den Grüßen aus der Küche ging es los mit:

Tatar vom Uckermärker Rind mit Eukalyptus.

Tatar vom Uckermärker Rind mit Eukalyptus.

Tatar vom Uckermärker Rind mit Eukalyptus.

Kabeljau mit Urthels Krabben, Dill und Knollensellerie

Kabeljau mit Urthels Krabben, Dill und Knollensellerie

Kabeljau mit Urthels Krabben, Dill und Knollensellerie

Kiemendeckel vom Heilbutt, Spitzkohl und Liebstöckel

Kiemendeckel vom Heilbutt, Spitzkohl und Liebstöckel

Kiemendeckel vom Heilbutt, Spitzkohl und Liebstöckel

Weißer Spargel mit Miso, Ingwer und Kapuzinerkresse

Weißer Spargel mit Miso, Ingwer und Kapuzinerkresse

Weißer Spargel mit Miso, Ingwer und Kapuzinerkresse

Brust von der Etoffe-Taube mit Blumenkohl und Tee vom geröstetem Getreide

Brust von der Etoffe-Taube mit Blumenkohl und Tee vom geröstetem Getreide

Brust von der Etoffe-Taube mit Blumenkohl und Tee vom geröstetem Getreide

Poltinger Lammschulter mit violetten Karotten, Koriandersaat und Ziegensahne

Poltinger Lammschulter mit violetten Karotten, Koriandersaat und Ziegensahne

Poltinger Lammschulter mit violetten Karotten, Koriandersaat und Ziegensahne

Rhabarber und Sauerampfer – Gouda “Classe Royal”

Rhabarber und Sauerampfer - Gouda “Classe Royal”

Rhabarber und Sauerampfer – Gouda “Classe Royal”

Süße Aufmerksamkeiten des Hauses – Köstlichkeiten vom Pâtissier

Süße Aufmerksamkeiten des Hauses - Köstlichkeiten vom Pâtissier

Süße Aufmerksamkeiten des Hauses – Köstlichkeiten vom Pâtissier

 

Parrot Bebop Drone: Drone für die Freizeit

18. Mai 2014

Parrot_BebopDrone_Lifestyle1

Dronen faszinieren mich. Ich habe eine Parrot AR.Drone der ersten Generation und spiele ein wenig damit herum. Es ist nur ein Herumspielen, aber bei Kollegen sehe ich den professionellen Einsatz. Ich werde mich mit dem Thema mehr befassen müssen, denn Dronen für Luftaufnahmen sind eine deutliche Bereicherung der klassischen Fotografie. Unlängst habe ich Bergsteiger gesehen, die von einer Drone gefilmt und fotografiert wurden, als sie einen Berg erklommen – faszinierende Bilder und extrem eindringlich. Wer von euch nutzt denn Dronen für Foto oder Video?

Eher zum Spaß ist die neue Parrot Bebop Drone anzusehen, die im vierten Quartal 2014 auf den Markt kommen soll. Der Preis steht noch nicht fest. Die Bebop Drone wird vom Hersteller als ein Hightech-Quadcopter für die Freizeit mit den Funktionen einer Profidrohne angepriesen.

Ausgestattet mit einer 14 Megapixel Fisheye Kamera fotografiert und filmt die Parrot Bebop Drone die Welt in einem 180° Panorama. Die Drone streamt live Bewegtbilder während des Flugs auf den Screen des steuernden Smartphones oder Tablets. Darüber hinaus ermöglicht die volldigitale Technologie der Bildstabilisierung der Bebop Drone Videoaufnahmen aus der Luft auch in Bewegung. Das zwar bisher immer ein Manko der Freizeitdronen. Wenn Parrot das Problem der Wackelei gelöst hat, sind wir einen Schritt weiter.  Die Kombination aus einer Vielzahl an Sensoren sorgt für eine Stabilität und Manövrierbarkeit bei der Steuerung mit einem Smartphone oder Tablet. Dank der von Parrot-Ingenieuren entwickelten Algorithmen profitiert die Bebop Drone von einem 3-Achsen Bildstabilisierungssystem, das den Blickwinkel fixiert hält, unabhängig von der Neigung der Drohne und der Bewegungen, die durch Turbulenzen verursacht werden.

Parrot_BebopDrone_Lifestyle2

Die Verwendung des WLANs 802.11ac MIMO und der vier Keramikantennen im 2.4GHz und 5GHz-Bereich garantiert laut Hersteller eine hohe Reichweite. Die mit der Bebop Drone aufgenommen Fotos, werden dank des Parrot P7 Dual Core Prozessors, der GPU und eines firmeneigenen Bildsignalprozessors digital bearbeitet.  Landschaftsmotive gelangen mit hoher Detailtreue und Schärfe in den 8GB Flash-Speicher der Parrot Bebop Drone. Nach dem Landen der Drohne können die Videos (MP4-Format) und Fotos (JPEG- und DNG-Format) entweder auf das Steuerungsgerät oder einen Computer via WLAN oder eingebautem Micro-USB Connector übertragen werden.

Entstanden ist ein extrem leistungsstarkes Hightech-Fliegerchen, das ohne Hülle 380 Gramm wiegt (400 Gramm mit Hülle) und Innen- und Außenflüge ermöglicht – ohne die Risiken, die mit größeren Drohnen verbunden sind. Spezielle Genehmigungen wie bei Profidronen sind daher nicht nötig.

Hier der technische Aufbau der Drone

Drone

  1. Hauptplatine (Parrot P7 Dual Core CPU und Quad Core GPU – 8GB Flash Memory – Alle sind an einem Magnesiumsockel befestigt, der als elektromagnetisches Schild und als Kühlkörper funktioniert.)
  2. Fischaugenlinse (6 optische Elemente – 14 Megapixel Sensor)
  3. Bürstenlose Außenläufermotoren
  4. Fiberglas-verstärkte (15%) ABS-Struktur
  5. Dreiflügelpropeller aus Polycarbonat mit Schnelldemontagesystem
  6. Trägheitsmesseinheit (GPS+Glonass+Galileo – 3-Achsen Beschleunigungssensor – 3-Achsen Gyroskop – 3-Achsen Magnetometer – Drucksensor)
  7. WLAN MIMO Antennen (2 Doppelsätze aus Keramikantennen mit 2.4 und 5 GHz)
  8. Vertikale Stabilisierungskamera (Jede 16. Millisekunde wird ein Foto vom Untergrund aufgenommen und mit dem vorigen verglichen, um die Geschwindigkeit der Bebop Drone zu messen.) Ultraschallsensor (Analysiert die Flughöhe bis zu 8 Metern)
  9. Hülle aus EPP (Einfach zu befestigen und zu entfernen, um Innen- und Außenflüge zu tätigen – schützt die Propeller vor potenziellen Stößen. Kann entfernt werden, um den Windfaktor zu reduzieren.)
  10. Anti-Vibrationsdämpfer

Tori Katsu – Berlins erster japanischer Imbiss

16. Mai 2014
Tori Katsu - Berlins erster japanischer Imbiss

Tori Katsu – Berlins erster japanischer Imbiss

Als Teilzeit-Food-Blogger interessiere ich mich für Essen, was man mir leider auch ansieht. Mein Berliner Kollege Nikolaus Netzer zeigte mir in Berlin den ältesten Japaner der Stadt: Tori Katsu Japan-Imbiss. Den Imbiss in der Winterfeldtstraße 7 gibt es seit 1968 und laut Eigenwerbung ist er der älteste Japaner seiner Zunft in Berlin.

Und der Betreiber des Imbisses setzt auch gleich eine Belohnung von 10.000 Euro aus, wer einen älteren Japaner findet. “Wenn Sie uns nachweisen können, dass vor 1968 der deutsche Name, Schriftzug oder das Firmenlogo “Japan-Imbiss” in einem Handelsregister registriert wurde. Nachweis nur mit amtlich, beglaubigter Kopie des entsprechenden Registers.”, dann gibt es die 10.000 Euro.

Zu Tori Katsu muss ich hin. Viele Deutsche meinen, dass japanische Küche ausschließlich mit Sushi gleichzusetzen sei. Weit gefehlt. Es gibt hier deftige Imbiss-Kost zu kleinem Preis. Und der ganze Laden ist authentisch, also nicht erschrecken. Der hauseigene Flyer verspricht sehr gutes Wohlbefinden 33 Minuten nach dem Essen.

Ich hab es ausprobiert und Leber-Curry bestellt. Wunderbar schmackhaft. Die Spezialität des Hauses ist Katsu, eine Hähnchenkeule paniert gebacken. Diese gibt es in verschiedenen Saucen wie Braten-Sauce, Soja-, Curry-, Pikant-, Sauer-Scharf-, Tartar-Sauce sowie mit Käse überbacken. Die kleine Kastu “New Topia” sind sechs Würfel aus Hähnchenfleisch.

Strenger Chef des Hauses ist Kaiza Murata. Mit Schürze und Kochmütze bekleidet versteht er sein Geschäft. Deutsch ist für Kaiza Murata nach 40 Jahren aber nicht unbedingt sein Ding. 1967 kam er von Yokohama über Saigon nach Marseille und kam schließend nach Deutschland. Nach kurzem Zwischenspiel eröffnete er 1968 sein Restaurant und wer in Berlin Schöneberg weilt, sollte unbedingt vorbeischauen.

 

Persönlicher Nachruf: HR Giger der Hieronymus Bosch des 20. Jahrhundert

13. Mai 2014

Ich bin vom Tode des Schweizer Künstlers HR Giger erschüttert. Im Alter von 74 Jahren verstarb der Maler nach einem Sturz. Giger hat mir persönlich viel bedeutet, erweckte er in mir Stimmungen und Gefühle, die ich nicht wahrhaben wollte. Gigers Kunst zu beschreiben, überlasse ich den Kunsthistorikern und Feuilletonisten. Für mich persönlich weckte Giger etwas in mir in seinen Bilder, das besser verborgen bleiben sollte. Aber Giger holte es hervor und zwang mich, mit mir selbst und damit mich mit seiner Kunst zu beschäftigen. Das ist wahrlich nicht angenehm.

Das erste Mal stieß ich auf Giger als ich mir die Langspielplatte Brain Salad Surgey von Emerson, Lake und Palmer kaufte. 1974 erschien dieses Meisterwerk und ich war von der Musik und auch von dem Cover begeistert. Ich interessierte mich für Giger. Das Cover stellte auf der Innenseite die große Liebe Gigers Li dar, die sich das Leben nahm. Die Aufnahmen von Brain Salad Surgery werden diese Woche in einer Box wieder veröffentlicht. Leider wird Giger diesen Erfolg nicht genießen können. Ich hatte über eine Schallfolie dieser ELP-Aufnahme bereits früher einmal gebloggt.
Giger

Giger verfolgte mich mein ganzes Leben. Vor Jahren kaufte ich mir einen limitierten und signierten Sonderdruck von Li. Das Bild hängt jetzt am Eingang zu meinem Büro und erinnerte mich täglich an das Werk von HR Giger. Oft stehe ich davor und betrachte das Bild und lasse meine Gedanken schweifen. Andere signierte Drucke „Karawane“, „Schlangenlandschaft“ und „Vögel“ von Giger und Schwarz hängen in meinem Haus. Ich habe darüber abstimmen lassen.

Li am Eingang zu meinem Arbeitszimmer.

Li am Eingang zu meinem Arbeitszimmer.

Dann begegnete mir Giger immer wieder im Kino. Seine Schöpfung Alien war für mich der Inbegriff des Weltraumhorrors. Im Weltraum hört dich niemand schreien – war damals der Claim zum Film und als der Ridley Scott-Film 1979 in die Kinos kam, war es Horror-Kino pur. Das Alien-Monster hat mich alle die Jahre fasziniert, so dass ich große und kleine Modelle der Skulpur in meinem Arbeitszimmer stehen habe. Auch während ich diese Zeilen tippe, hängt eine Alienfigur an meinem Monitor – quasi als Inspiration. Das Buch Giger’s Alien gehört sicherlich in jede Bibliothek eines Filmsammlers. Bewundert habe ich seine Filmsets zu Dune, die nicht verwirklicht wurden und auch Species war eine Weiterentwicklung des Alien-Themas. Leider war der Film und seine Nachfolger schlecht inszeniert, aber am Monster lag es sicher nicht. Zum Film erschein das interessante Buch Species Design, dass die Entstehung des Figur gut beschriebt. Das Buch H. R. Giger’s Filmdesigngibt einen guten Überblick über die Filmsets von Giger und kann ich jedem Filmfreund nur empfehlen.

Die Hauptwerke von Giger sind für mich die beiden Bände Necronomicon 1 1 und 2 sowie Biomechanicus, alle in der Edition C erschienen. Die großformatigen Bücher zeigen die Vielfalt des gepeinigten Mannes und treffen mich im Innersten. Immer wieder blättere ich die Bücher durch und stoße auf neue Gedanken. Der Vergleich zu Hieronymus Bosch wurde oft strapaziert, doch trifft es genau. Für mich war HR Giger der Hieronymus Bosch des 20. Jahrhundert.

Als New York-Reisender musste ich mir natürlich Gigers N.Y. City anschaffen. Hier berichtet Giger von seinen Erlebnissen in New York und vergleicht die Millionenstadt mit seinen Werken. Es ist eine Art Reiseführer in die Abgründe der Seele und Giger ist der Reiseführer. Großartig.

 

Traumauto Zastava 750 SE

19. April 2014
Traumauto Zastava 750 SE

Traumauto Zastava 750 SE

Ich nutze in der Regel ein Auto um von A nach B zu kommen. Freilich habe ich ein paar Automobilträume, aber es werden wohl Träume bleiben. Einer lieben Bekannten von mir ging ihr Traum in Erfüllung. Sie erhielt von ihrem Sohn zu ihrem runden Geburtstag ihr erstes Auto geschenkt: Einen Zastava 750 SE

Der Zastava 750 SE stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien und kommt aus dem heutigen Serbien. Es ist eine Fiat 600, des Fiat 600, eben made in Sozialismus. Es war das erste Auto meiner Bekannten vor über 30 Jahren.

Zusammen mit meinem Kollegen Thomas Gerlach durften wir das Traumauto ausprobieren. Herzlichen Dank. So zwänge ich mich mit meiner Leibesfülle in das Auto, während der Kollege Gerlach mit seinen rund zwei Meter Körpergröße sich fast zusammenfalten musste. Aber Spaß hat es gemacht, wie unser kleines Video hoffentlich zeigt. Vielen Dank für den Spaß liebe Annette und du hast wirklich ein Traumauto.

Matthias J. Lange und Thomas Gerlach nehmen Platz.

Matthias J. Lange und Thomas Gerlach nehmen Platz.

Dunkin‘ Donuts am Münchner Ostbahnhof

17. April 2014
Schlange stehen wie im Osten einstmals.

Schlange stehen wie im Osten einstmals.

Meine Eltern erzählten mir, dass ich mit ihnen 1971 bei der Eröffnung der ersten McDonalds Filiale in München dabei war. Ich weiß es nicht mehr, ich war etwa drei Jahre alt. An ihre Erzählungen erinnerte ich mich, als ich mit meinen Kindern jetzt zur Eröffnung von Dunkin‘ Donuts in München ging. Im April 2014 eröffnete die erste Filiale in München der pappigen Donut-Kette am Münchner Ostbahnhof.

Nach dem Trubel der ersten Tage schaute ich vorbei, nachdem ich Donuts gar nicht so schlecht finde. Nach zahlreichen US-Reisen und geprägt von der Kultur von Homer Simpson stellte ich mich mit jungem Volk in die Schlange und wählte einen Sixpack Donuts für 7,99 Euro – alles Schoko bitte. Die Gegend Ostbahnhof ist nicht die beste Adresse und vor dem Bahnhof schrien sich gerade ein paar Alkoholiker an. Also hatte ich beim Schlangestehen wenigstens etwas Unterhaltung. Mal sehen, ob es bei den weiteren Filialen in München, unter anderem am Hauptbahnhof auch so assimäßig zugeht.

Dennoch die Bedienung war freundlich und ich konnte trotz Hektik meine Donuts auswählen. Normalerweise nehme ich in den USA noch einen Kaffee mit dazu, aber in München verzichtete ich aus Zeitgründen auf das Gebräu.

Vor der Filiale kam gleich der große Donut-Test: Karton aufgemacht und reingebissen. Schmeckt – auch meinen Kindern hat es geschmeckt und da wir nicht sechs Donaus auf einmal verdrücken wollten, besuchten wir die Ehefrau an ihrem Arbeitsplatz und gaben ihr auch einen Donut ab.

Schön war der Hype in den sozialen Netzwerken zu beobachten. Auf Facebook überschlugen sich die Kommentare zum süßen Gepäck. Damit hat München einen Fast Food-Laden mehr und ich werde ab und zu am Ostbahnhof bei Dunkin‘ Donuts vorbeischauen. Das Teil hat ja 24 Stunden rund um die Uhr geöffnet. Eine wirkliche kulinarische Errungenschaft ist es nicht und wieder wird eine bayerischer Bäcker aufschreien. In Deutschland gibt es insgesamt 46 Dunkin‘ Donuts-Läden und endlich hat München auch einen.

Schmeckt, obwohl die Gegend seltsam ist.

Schmeckt, obwohl die Gegend seltsam ist.

Mode von Rudolph Moshammer

28. Februar 2014

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat. Aber im Moment interessiere ich mich für die Mode von Rudolph Moshammer. Dieser PR-Mann in eigener Sache war Teil der Münchner Schickeria bis er 2005 umgebracht wurde. Der Mord an ihn und sein Privatleben füllten damals allerhand Seiten der Yellow Press und immer wieder verkaufen heute Holzmedien Überschriften mit seinem Namen.

Die BILD verkauft mit dem Namen Mooshammer in München immer noch gut.

Die BILD verkauft mit dem Namen Moshammer in München immer noch gut.

Als modeinteressierter Mensch, wollte ich mehr über die Arbeit des Modeschöpfers Rudolph Moshammer wissen. Zu seinen Lebzeiten war ich einmal zu Gast in den Verkaufsräumen an der Maximilianstraße 14 in München. Ich schaute mir damals die Krawatten an. Diese begannen preislich bei rund 100 Währungseinheiten. Sie waren der letzte modische Schrei in München. Moshammer war auch im Laden, warf einen kritischen Blick auf mich und widmete sich seiner finanziell deutlich potenteren Kundschaft.

An einem Wochenende habe ich mir zwei Bücher über das Phänomen Moshammer reingezogen, um mir über seine Modewelt zu erfahren. Leider wurde ich enttäuscht. Beide Bücher geben in Sachen Mode nur bedingt etwas her. Also eigentlich ein Fehlkauf in Sachen Mode.

Mooshammer2

Die schreckliche Biografie Rudolph Moshammer, Der einsame König ist ein ist grausam geschrieben, in einem reißerischen Stil und so ganz bin ich mir nicht sicher, ob alle Fakten stimmen. In diesem Buch geht es weniger um das Werk von Rudolf Moshammer, als vielmehr um seine sexuellen Ausschweifungen. Doch das interessierte mich nicht. Das sollte Privatsache sein. Ich muss als Autor nicht in unter dem Bett liegen und die Verführungskünste von Rudolph Moshammer wiedergeben. Autor des Schundbuches war Claudio Carra, ein Pseudonym. Über Mode war in diesem Buch nichts zu finden und es war ein kompletter Fehlkauf.

Beim zweiten Buch Mama und ich handelt es sich um eine Autobiografie des Modemachers. Der Moshammer war kein begnadeter Schreiber und sein Deutsch ist keine große Literatur. Im Grunde ist es Verklärung der Mutter. Wir erfahren etwas über das Leben aus der eigenen Perspektive. Das Buch ist von beiden Büchern aber das lesenswertere. Hier zeigt sich das Verkaufstalent von Rudolph Moshammer. Interessant ist die Episode, wie er den US-amerikanischen Schauspieler George Hamiliton (Dracula) und dessen Gattin eine Kollektion verkaufte. Kurzerhand baute er sein Heim zum Catwalk um, verzichtete aus Geldnöten auf teure Scheinwerfer und zelebrierte stattdessen die Modenschau bei Kerzenlicht.

In einem Kapitel öffnet sich Moshammer. Er schreibt über seine noble Kundschaft: “Wenn ein solcher Kunde mein Geschäft betritt und meine Beratung sucht, so ist es immer von einem besonderen Reiz, mizuerleben, wie dieser Mensch sich durch meine Garderobe innerlich und äußerlich verjüngt, wie er das Gefühl hat, verlorene Jahre nachzuholen und mit der Kleidung, die ich ihm auf die Seele zu schneidern versuche, ein neues, ungekanntes Lebensgefühl gewinnt.” Stilistisch grausam geschrieben, inhaltlich vollkommen richtig.

Auch erfahren wir von ungeheuren Neid der Kollegen. Die Modebranche ist ein extrem hartes Pflaster. Moshammer musste dies lernen. Als ja einmal seinem Ausbilder als Lehrling ein paar hervorragende Modenideen zeigte, reagierte dieser mit Ablehnung. Er witterte sofort die Konkurrenz, weil er das Talent des jungen Schneiders erkannte.

Virales Marketing zur Kommunalwahl bei uns im Dorf

26. Februar 2014

Eine nette Idee, um die Leute zur Stimmabgabe bei der anstehenden Kommunalwahl in Bayern zu motivieren, habe ich bei uns im Dorf entdeckt. An zentralen Punkten der kleinen oberbayerischen Ortschaft Maisach westlich von München liegen weiße Zettel in unterschiedlicher Größe. Sie sind an zahlreichen wichtigen Orten des Dorfes zu finden: Bahnhof,  Metzger, Bäcker usw. Darauf steht in großer serifenloser Schrift „Lässt du das wohl liegen!“

Neugierig? Ich auch.

Neugierig? Ich auch.

Natürlich lasse ich das Papier nicht liegen und nehme es auf. Auf der Rückseite steht: „Ich sagte doch, du sollst das liegen lassen! Aber wenn Du das schon liest, kann ich dich auch was fragen: Wie sieht für Dich die beste Zusammensetzung des Maisacher Gemeinderates aus?“

Nachdenken über die Kommunalwahl.

Nachdenken über die Kommunalwahl.

Wer hinter der Aktion steckt, weiß ich nicht. Ein ViSdP Verantwortlich im Sinne des Presserechts stand nicht auf dem Papier. Das wäre aber nötig, wenn es von einer bestimmten Partei kommt. Egal. Ich fand es eine coole Idee, denn ich beginne sofort an die anstehende Kommunalwahl zu denken. Ich werde Briefwahl machen und habe meine Unterlagen schon zu Hause. Das ist ein netter Einfall in Sachen virales Marketing.