Archive for Januar 2026

Schöne Bescherung (1989) – Rückblick auf meine Matinee

9. Januar 2026

„Schöne Bescherung“ ist nicht einfach nur eine Weihnachtskomödie, sondern ein liebevoll-chaotischer Spiegel all dessen, was dieses Fest so magisch – und so nervenaufreibend – macht. Ich besprach und zeigte den Film bei meiner Weihnachtsmatinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Clark Griswolds verzweifelt optimistischer Versuch in „Schöne Bescherung“, das ultimative Weihnachtsfest zu erzwingen, trägt einen Traum in sich, den fast alle kennen: einmal alles richtig machen, Harmonie herstellen, Glück planbar machen – koste es, was es wolle. Hier mein Vortrag

Gerade deshalb trifft sein grandioses Scheitern mitten ins Herz. Wenn Lichterketten explodieren, der Baum zur Gefahr wird und die Familie am Rand des Nervenzusammenbruchs steht, wirkt das zwar urkomisch, aber immer auch schmerzhaft vertraut. Clark ist keine plumpe Witzfigur, sondern ein Getriebener: einer, der zu viel will, weil ihm seine Familie unendlich viel bedeutet, der sich verausgabt, weil er dieses eine perfekte Bild von Weihnachten im Kopf hat. Sein legendärer Ausraster ist weniger Slapstick als ein emotionaler Kurzschluss – der Moment, in dem all der Druck, die Enttäuschungen und die stummen Erwartungen mit einem Mal aus ihm herausbrechen.

Der Film erinnert daran, dass Weihnachten fast nie so läuft, wie wir es planen. Verwandte sind anstrengend, Pläne kippen, Gesten gehen schief – und doch schimmert inmitten des Durcheinanders etwas Kostbares auf. In den kleinen Momenten liegt die eigentliche Magie: im Leuchten in Clarks Augen, wenn das Haus endlich im Licht erstrahlt; im gemeinsamen Lachen nach dem größten Desaster; in diesem leisen Gefühl, trotz allem auf der richtigen Seite des Chaos zu stehen – nämlich beieinander. „Schöne Bescherung“ macht sich nicht über Familie lustig, er nimmt sie ernst, mitsamt all ihrer Macken, Verletzungen und wunderbar absurden Seiten.

Vielleicht ist der Film deshalb so zeitlos. Er erlaubt es, herzhaft über die eigenen Weihnachtskatastrophen zu lachen – und gleichzeitig Trost darin zu finden, dass man damit nicht allein ist. Am Ende bleibt die stille Erkenntnis: Liebe zeigt sich selten in perfekten Momenten, sondern in gemeinsamen Fehltritten, in Streit, Versöhnung und der Entscheidung, trotz allem zusammenzubleiben. Und wenn draußen die Lichter glitzern, drinnen das Chaos tobt und trotzdem alle irgendwie an einem Tisch landen, fühlt sich genau dieses unperfekte Weihnachten plötzlich erstaunlich richtig an.
Die nächste Komödie ist Die Glücksritter am Sonntag, 18. Januar um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Vorstellung des Meisaha-Heftes

8. Januar 2026

Mit einer Lesung wurde im Gemeindezentrum Maisach die neueste Ausgabe des jährlichen Magazins Meisaha von den Mitgliedern des historischen Arbeitskreises vorgestellt. Das „Meisaha-Heft“ ist eine regelmäßig erscheinende Publikation zur Geschichte der Gemeinde Maisach, herausgegeben vom Arbeitskreis Geschichte der Gemeinde Maisach (AKG). In diesem Heft werden themenübergreifende Beiträge zur Orts-, Wirtschafts-, Familien- und Zeitgeschichte der verschiedenen Gemeindeteile zusammengestellt – von archäologischen Funden über historische Betriebe und Lebensgeschichten bis zu persönlichen Erinnerungen von Zeitzeugen.

Das Heft erzählt lebendige Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde, etwa über alte Häuser, Vereine, Betriebe oder das Leben in unterschiedlichen Epochen. Beiträger sind meist engagierte Gemeindemitglieder und Heimatforscher, die ihre Recherchen und Erlebnisse in verständlicher Form präsentieren. Ich darf seit drei Ausgaben das Heft layouten und auch eine Geschichte beisteuern. Interessanten für die Mitarbeit sind willkommen.

Das Meisaha-Heft erscheint jährlich und wurde vor kurzem bei der Präsentation der neuen Ausgabe öffentlich vorgestellt; es ist in der Gemeinde an verschiedenen Verkaufsstellen erhältlich und richtet sich an alle, die sich für die lokale Geschichte Maisachs interessieren. Hier die Vorstellung als Videostatements der einzelnen Autoren, um einen besseren Eindruck zu gewinnen.

Stefan Pfannes machte die Einführung und ging auch auf das neue Banner ein. Es zeigt die Familie Fuchs mit Hund (der war mir sehr wichtig). Hier seine Einführung.

250 Jahre Isidoriverein Maisach und Umgebung e. V. von Stefan Pfannes

Einem der ältesten Vereine ein paar Zeilen zu widmen, klingt eigentlich nach einem einfachen Unterfangen. Doch bei näherer Betrachtung verschwimmt das so sicher geglaubte Wissen. Am Ende hat man ja nicht einmal ein konkretes Gründungsdatum. War es nun 1775 oder 1776, gar später? Wer war der wirkliche Gründer des Vereins? Dass der Zweck des Vereins heute ein anderer ist als im 18. Jahrhundert, mag da kaum mehr überraschen. Hier der Vortrag von Stefan Pfannes bei der Vorstellung des neuen Meisaha-Heftes.

Ein altes Haus erzählt von Cornelia Schader

Fährt man von Gernlinden Richtung Maisach, befindet sich dort linker Hand am Ortseingang ein altes ehemaliges Bauernhaus. Im Vergleich zu den umliegenden Gebäuden wirkt es bescheiden und klein. Dennoch hat es einiges zu erzählen. Hier der Vortrag Ein altes Haus erzählt von Cornelia Schader bei der Präsentation des Meisaha-Heftes.

Die Dampfmaschinen der Brauerei Maisach von Stefan Schader

Eines der Wahrzeichen des Ortes Maisach ist die Brauerei am östlichen Ortseingang. 1556 erstmalig erwähnt, hat sie eine aufregende Geschichte mit vielen Besitzerwechseln hinter sich. 1907 erwarb schließlich Josef Sedlmayr die Brauerei. Nur zwei Jahre später, 1909, in der Nacht zum Pfingstsonntag, brannte das Sudhaus ab und wurde neu aufgebaut. Es wurde dann auch gleich in moderne Technik investiert. Da traf es sich gut, dass die Schlossbrauerei Hofhegnenberg gerade den Betrieb eingestellt hatte und all ihre Gerätschaften, darunter eine Dampfmaschine, für insgesamt 25000 Mark zum Verkauf anbot. Die Dampfmaschinen der Brauerei Maisach von Stefan Schader bei der Präsentation des Meisaha-Heftes.

Die Torfbahn im Fußbergmoos von Hartwig Meis

In verschiedenen Veröffentlichungen zur Geschichte von Maisach und Gernlinden tauchen immer wieder Fotos und Informationen zu einer „Torfbahn im Fußbergmoos“ auf, ohne dass es hierzu eine zusammenfassende Erläuterung gibt. Nach meinem Umzug nach Gernlinden vor drei Jahren stieß ich auf ein Foto, das aus dem Jahr 1920 stammen soll: Damit begann meine Recherche. Die Torfbahn im Fußbergmoos von Hartwig Meis bei der Vorstellung des Meisaha-Heftes.

Der Hofnerhof von Helga Rueskäfer und Alfons Strähhuber

Eine erste Erwähnung des Hofes in Oberlappach finden wir im Pfarrarchiv der Pfarrei Rottbach. Als Besitzer werden genannt: 1525 Hans Erasm, 1559 Peter Erasm, 1574, 1583 und 1594 Wolf Asam (+ O4. 10. 1630). Nach Familie Asam war eine Familie Dellinger auf dem Hof, anschließend Familie Probst aus Deisenhofen, zwischen 1677 und 1679 hierher gekommen. Die Witwe Maria Probst heiratet 1715 Johannes Hofner von Frauenberg und begründet damit die Familie Hofner. Der letzte Hofner war Michael Hofner, geb. 8.6.1860. Der Hofnerhof von Helga Rueskäfer und Alfons Strähhuber bei der Präsentation des Meisaha Heftes.

Gernlindner Barackenkinder von Karl Muth

Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Ausgebombten erhöhte sich nach Kriegsende die Einwohnerzahl in der Gemeinde Maisach erheblich. 1940 hatte die Gemeinde 2.596 Einwohner, 1946 bereits 3.539 und im Jahr 1950 zählte man 4.395 Einwohner. Überall herrschte ein großer Mangel an Wohnraum. Besonders die Familien, die durch den Krieg ihre Heimat verloren hatten, mussten nach Kriegsende untergebracht werden. In Schulen, Gasthöfen und privaten Unterkünften gab es in den Jahren nach Kriegsende noch sehr viele Massenunterkünfte. Hier die Lesung Gernlindner Barackenkinder von Karl Muth bei der Präsentation des Meisaha-Heftes.

Die Geschichte der Vogtländischen Gardinenweberei Friedrich von Franz Minholz

Mit der Vogtländischen Gardinenweberei Friedrich gab es in Maisach eine für unsere Gegend untypische Firma. Gegründet wurde sie 1930 durch den 26-jährigen Textiltechniker Karl Friedrich in dessen Heimat Falkenstein im Vogtland (Sachsen). Mit drei Webstühlen wurde eine mechanische Weberei ins Leben gerufen. 1937 hatte der Betrieb schon 30 Webstühle und 25 Maschinen bei sog. „Lohnwebern“. Dabei handelte es sich um Unternehmen, die Textilien im Auftrag anderer Kunden nach deren Vorgaben herstellten. Die Geschichte der Vogtländischen Gardinenweberei Friedrich von Franz Minholz aus dem neuen Meisaha-Heft.

Die Bewohner der Ringstraße in Gernlinden von Annemarie Karg

Seit 1962 lebt Annemarie Karg in der Ringstraße in Gernlinden. Diese Straße wurde damals als Ganzes geplant, d.h. alle Häuser wurden von einem Architekten incl. der Einteilung der Grundstücke, die unterschiedlich groß waren, geplant. Architekt war Edmund Josberger aus Maisach.
Die Bewohner der Ringstraße in Gernlinden von Annemarie Karg bei der Präsentation des Meisaha-Heftes.

Corona in Maisach – Leben im Ausnahmezustand (1) von Matthias J. Lange

45 Tage führte Blogger Matthias J. Lange von redaktion42 seinen Blog über
die Corona-Epedemie in Maisach. Er erschien unter redaktion42.com. Hier die subjektiven Eindrücke aus der Gemeinde Maisach, begonnen am 22. März 2020. Viele Videos und Bilder aus der Zeit finden sich im Blog. Die Blogposts wurden für Meisaha redaktionell überarbeitet und gekürzt. Die Langfassungen der Posts gibt es im Netz unter redaktion42.com . Hier mein Vortrag Corona in Maisach – Leben im Ausnahmezustand (1) von Matthias J. Lange

Jahresrückblick vom Juli 2024 – Juni 2025 von Elfriede Böttcher

Nach Angabe des Einwohnermeldeamts waren am 30. Juni 2025 in der Gesamtgemeinde Maisach 14527 Einwohner gemeldet. Es gab 901 Zuzüge und 880 Wegzüge. Hier der Jahresrückblick vom Juli 2024 – Juni 2025 von Elfriede Böttcher bei der Meisaha Vorstellung.

Und hier ein paar Eindrücke von der Veranstaltung: Danke an die Gemeinde Maisach für die großzügige Unterstützung.

Streaming-Event: BistroTalk mit Denis Kleinknecht in Maisach

7. Januar 2026

Bei meinem BistroTalk am Mittwoch, 7. Januar im Bistro SixtyFour in Maisach darf ich um 18 Uhr einen besonderen Gast begrüßen: Denis Michael Kleinknecht vom Rottbacher Gasthof Heinzinger. Ganz nach dem Motto Live. Lokal. Echt. Findet die Veranstaltung unter Publikumsbeteiligung in der Bar in der Zentrumspassage vor Publikum statt. Zudem gibt es einen moderierten Live-Stream in YouTube.

Gastronom Denis Kleinknecht ist einer von denen, die nicht laut auftreten müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Im Gasthof Heinzinger lebt seine Handschrift in jedem Detail: ehrlich, bodenständig, herzlich. Denis hört zu, packt an, bleibt ruhig – auch wenn es stressig wird. Er steht für eine Art von Gastfreundschaft, die man nicht lernen kann, sondern lebt. Wer bei ihm einkehrt, merkt schnell: Hier geht es nicht nur ums Essen, sondern um Menschen, um Vertrauen, um ein gutes Gefühl, das bleibt, wenn man längst wieder draußen ist.

Ich kenne Denis Kleinknecht seit Jahren als engagierten Gastgeber mit seinem vorzüglichen regionalen Speisen und ich weiß auch, dass Denis Kleinknecht ein Freund des deutlichen Wortes ist. Somit ist ein interessantes Gespräch vorprogrammiert. Mal sehen, ob ich ihm das eine oder andere Geheimnis entlocken kann. Also einschalten.

Nochmal an dieser Stelle vielen Dank an Uwe Flügel vom SixtyFour, der mir eine Stunde seine Theke als Streaming-Studio zur Verfügung stellt und dem BistroTalk seit über einem Jahr eine Heimat gegeben hat. Ich verstehe den BistroTalk als Beitrag zur Kommunikation in der Gemeinde Maisach und lade in regelmäßigen Abständen Gesprächspartner aus der Gemeinde ein. 

Bei meinem BistroTalk am Mittwoch, 7. Januar im Bistro SixtyFour in Maisach darf ich um 18 Uhr einen besonderen Gast begrüßen: Denis Michael Kleinknecht vom Rottbacher Gasthof Heinzinger. Ganz nach dem Motto Live. Lokal. Echt. Findet die Veranstaltung unter Publikumsbeteiligung in der Bar in der Zentrumspassage vor Publikum statt. Zudem gibt es einen moderierten Live-Stream in YouTube.

Das sind die Bewertungssysteme bei Vinyl

5. Januar 2026

Wer wieder wie ich seine Vinyl-Scheiben auf den Plattenspieler legt und die Schallplatten second Hand nachkauft, wird oft mit kryptischen Abkürzungen konfrontiert, wie VG+/VG = Platte VG+, Cover VG. Zeit also für den Einsteiger, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, was diese Abkürzungen bedeuten.
Hier ist ein Spickzettel zu den gängigen Abkürzungen/Grading-Begriffen für gebrauchte Schallplatten (Vinyl). Wichtig: Es gibt zwei getrennte Bewertungen – Platte (Vinyl/Record) und Cover (Sleeve/Jacket).

Das wichtigste Bewertungssystem: Goldmine / Record Collector (Grading)

M / Mint (Minze)
• Bedeutung: absolut neuwertig – praktisch wie frisch aus dem Presswerk.
• Realität: Wird sehr selten korrekt vergeben. Viele Händler nutzen Mint zu großzügig.
• Bei Platte: keinerlei Spielspuren, keinerlei optische Mängel.
• Bei Cover: keine Knicke, keine Ringwear, keine Abnutzung.

NM / Near Mint (nahezu neuwertig)
• Bedeutung: fast wie neu, höchstens minimale Spuren.
• Platte: spielt in der Regel nahezu perfekt, höchstens ganz leichte, kaum hörbare Nebengeräusche in leisen Passagen.
• Cover: minimale Lagerspuren, keine starken Knicke/Abplatzungen.

EX / Excellent (häufig im UK-Umfeld)
• Oft ungefähr zwischen NM und VG+.
• Manche Händler nutzen EX statt NM.

VG+ / Very Good Plus
• Bedeutung: sehr guter Zustand, leichte Gebrauchsspuren sind okay.
• Platte: feine Hairlines/leichte Wischspuren möglich; geringes Knistern in ruhigen Stellen kann vorkommen, aber keine „Dauerstörung“.
• Cover: leichte Kantenabnutzung, kleine Knicke, evtl. leichte Ringwear.

VG / Very Good
• Bedeutung: sichtbar gebraucht, aber noch ordentlich hörbar/sammelbar.
• Platte: deutlichere Spuren; hörbares Knistern/leichte Knackser sind möglich, aber die Platte springt normalerweise nicht.
• Cover: deutliche Abnutzung, Ringwear, mehrere Knicke, evtl. kleinere Risse.

G / Good (oder G+)
• Bedeutung: „abgespielt“ – Sammlerzustand eher nicht, eher als Lückenfüller.
• Platte: deutliches Rauschen/Knistern, evtl. wiederkehrende Knackser, kann stellenweise stören.
• Cover: stark abgenutzt, Risse, Flecken, evtl. Beschriftungen.

F / Fair und P / Poor
• Bedeutung: sehr schlecht.
• Platte: kann springen, stark verzogen, tiefe Kratzer.
• Cover: praktisch kaputt.
• Eher nur interessant, wenn extrem selten und sehr günstig.

Zudem gibt es noch typische Schreibweisen in Angeboten
in shrink
• Platte/Album ist noch in der (originalen) Schutzfolie („Shrinkwrap“).
Das sagt nicht automatisch etwas über den Zustand der Platte aus, ist aber ein gutes Zeichen.
sealed
• verschweißt, ungeöffnet. (Achtung: Kann trotzdem Pressfehler haben.)
played once / unplayed
• „Einmal gespielt“ / „ungespielt“ – nette Info, aber nicht standardisiert.
1st press / first pressing
• Erstpressung (frühe Pressung). Oft begehrt.
RE / Reissue
• Wiederveröffentlichung.
RP / Repress
• Nachpressung (oft später, aber nicht zwingend „Reissue“ mit neuer Katalognummer).
OG
• Original (Originalausgabe).
Promo / DJ Copy
• Promoplatte (oft Stempel/Sticker). Kann rar sein.
Ltd / Limited
• limitierte Auflage.
Mono / Stereo
• Abmischung/Format.
Gatefold
• Klappcover.
OIS
• Original Inner Sleeve (Original-Innenhülle vorhanden).
OBI
• Japanische Veröffentlichungen: der Papierstreifen („Obi“) – wichtig für Sammler.

Und hier noch ein paar Abkürzungen/Begriffe zu typischen Mängeln
Optische / physische Themen (Platte)
• Hairlines: feine Oberflächenlinien (oft von Hülle), meist kaum hörbar.
• Scuffs: Wischspuren/Schrammen, können hörbar sein, müssen aber nicht.
• Marks: allgemeine „Spuren“.
• Scratches: Kratzer – eher kritisch, oft hörbar.
• Feelable scratch: fühlbarer Kratzer → meist deutlich hörbar.
• Warp / warped: verzogen (Welligkeit). Leicht kann ok sein, stark ist problematisch.
• Dish warp: „tellerförmig“ verzogen.
• Edge warp: Randwelle.
• DNAP / does not affect play
• „Beeinflusst das Abspielen nicht“ (Behauptung – trotzdem skeptisch prüfen).
• Plays VG+ / visually VG
• „Klingt besser als es aussieht“ oder „sieht so aus“. Gut, wenn getrennt angegeben.
• No skips
• Springt nicht (gut), heißt aber nicht: geräuschfrei.

Klang-/Abspielbegriffe
• Surface noise: Grundrauschen/Oberflächengeräusch.
• Crackle: feines Knistern.
• Pops: einzelne Knackser.
• Ticks: kleine, wiederkehrende Klicks.
• Background noise: Nebengeräusche.
• Plays through: läuft durch ohne zu springen.

Label / Mitte
• Spindle marks: Spuren am Label rund ums Loch (vom Auflegen).
• Center hole wear: Loch ausgeleiert.
• Off-center: Mittelloch nicht exakt → Ton „eiert“ (Pitch-Schwankung).

Cover-Themen
• Ringwear: „Abdruckring“ vom Vinyl am Cover.
• Corner wear / corner dings: Ecken bestoßen.
• Edge wear: Kantenabnutzung.
• Seam split: Naht aufgeplatzt (oben/unten/seitlich).
• Crease: Knickfalte.
• Cut-out: z. B. abgesägte Ecke/Lochung (Restposten-Markierung).
• Sticker / sticker residue: Aufkleber / Klebereste.
• Writing / name on cover: Beschriftung.
• Stamp: Stempel (z. B. Radio, Bibliothek).
• WC / water damage: Wasserschaden.
• Foxing: Stockflecken (bräunliche Punkte, v. a. bei Papier).

Und hier noch Kurz-Glossar: Häufige Abkürzungen auf einen Blick
• M Mint
• NM Near Mint
• VG+ Very Good Plus
• VG Very Good
• G / G+ Good / Good Plus
• F / P Fair / Poor
• OIS Original Inner Sleeve
• OBI Japanischer Obi-Streifen
• RE Reissue
• RP Repress
• OG Original
• Promo Promo/DJ Copy
• DNAP Does Not Affect Play

Robert Lebeck – Chronist der politischen Fotografie des 20. Jahrhunderts

4. Januar 2026

Robert Lebeck war einer jener seltenen Fotografen, die nicht nur Bilder machten, sondern ein Gefühl für eine ganze Epoche hinterließen. Als Vorsatz für 2026 habe ich vorgenommen, mich mehr mit Fotografie zu beschäftigen, aktiv und passiv. Ich bereite gerade ein kostenloses Seminar über diesen Chronisten der politischen Fotografie des 20. Jahrhunderts vor. Anmeldung hier.

Lebecks Arbeiten tragen die Zerbrechlichkeit der Nachkriegsjahre, die Sehnsucht nach Freiheit und den leisen Trotz derer, die sich eine neue Welt erträumen.In seinen Reportagen – von den Straßen der jungen Bundesrepublik bis zu den Momenten der Entkolonialisierung in Afrika – richtet sich der Blick immer zuerst auf den Menschen, nie auf die Pose. Da ist kein Zynismus, kein Spott, nur diese stille, wache Aufmerksamkeit, mit der er Würde selbst im verletzlichsten Augenblick sichtbar macht.

Die Ikonen, die aus seinen Bildern wurden, erzählen nicht von Glamour, sondern von Nähe: von Romy Schneider, die plötzlich weniger Star als junger, fragender Mensch ist; von Fremden auf der Straße, deren Gesichtsausdruck mehr über ein Land sagt als jede Schlagzeile. So wird Lebeck zum leisen Chronisten, der mit jeder Auslösung sagt: Du bist nicht übersehen, dein Augenblick zählt.

Die Bedeutung Robert Lebecks liegt darin, dass seine Fotografien Erinnerung in Gefühl verwandeln: Wer seine Bilder betrachtet, erinnert sich nicht nur an Geschichte, sondern spürt sie – in Blicken, Gesten, Zwischenräumen. Und vielleicht ist das das Größte, was ein Fotojournalist hinterlassen kann: eine Schule des Hinsehens, die bleibt, lange nachdem der Augenblick vergangen ist.

Ich habe mir vier Bücher über Lebeck in Ruhe angeschaut. Für Fotobegeisterten kann ich alle Bücher empfehlen.
Robert Lebeck: Fotoreporter aus dem Steidl-Verlag


1968: Die Fotos des Jahres 1968 aus dem Steidl-Verlag


Rückblenden – Erinnerungen eines Fotojournalisten aus dem Econ-Verlag


Robert Lebeck: Hierzulande aus dem Steidl-Verlag

Werdegang und Rolle als Chronist politischer Ereignisse
Für mich zählt Robert Lebeck (1929–2014) zu den bedeutendsten deutschen Fotojournalisten der Nachkriegszeit. Nach einem Ethnologie-Studium wandte er sich der Fotografie zu und arbeitete ab den 1950er-Jahren als Reporter für Illustrierte wie Revue und Kristall. 1966 wechselte er zum Hamburger Magazin stern, für das er – abgesehen von einem zweijährigen Intermezzo als Chefredakteur des neu gegründeten Magazins GEO 1977/78 – bis Mitte der 1990er Jahre als Fotograf tätig war. Über drei Jahrzehnte hinweg war Lebeck für den stern weltweit im Einsatz und wurde zum „Auge des stern“.

Mit seiner Kamera dokumentierte er wie kein anderer den Zeitgeist der jungen Bundesrepublik und zugleich politische Umbrüche rund um den Globus. Der stern würdigte ihn anerkennend als „charmanten Dieb des Augenblicks“ und als „größten Foto-Chronisten unserer Zeit“. Lebecks intuitive Fähigkeit, historisch bedeutsame Situationen im richtigen Moment einzufangen, machte ihn zum Chronisten politischer Ereignisse im In- und Ausland. Seine Fotografien – ob vom deutschen Wiederaufbau, vom Kalten Krieg oder von entlegenen Schauplätzen der Weltpolitik – haben Mediengeschichte geschrieben.

Bereits früh hielt Lebeck wichtige Szenen der Nachkriegsgeschichte fest. So fotografierte er etwa Konrad Adenauer 1952 in Baden-Baden und Winston Churchill 1956 in Bonn. Internationale Bekanntheit erlangte er dann 1960 mit seiner Reportage „Afrika im Jahre Null“, in der er die Unabhängigkeitsfeiern im Kongo dokumentierte. Von da an reiste Lebeck im Auftrag des stern auf alle Kontinente und berichtete über zahlreiche politische Brennpunkte. Gleichzeitig blieb er Beobachter der deutschen Politik: Er begleitete Bundeskanzler Willy Brandt in den 1970er-Jahren auf Wahlkampfreisen und bei Staatsbesuchen. Lebeck verstand sich nicht als tagesaktueller Nachrichtenfotograf, sondern als Erzähler in Bildern. Oft spürte er Stimmungen und gesellschaftliche Veränderungen auf, die über das unmittelbare Nachrichtengeschehen hinausgingen. Damit prägte er das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit. Seine Kamera war für die Deutschen ein „Tor zur Welt“ und seine einfühlsam eingefangenen Bilder wirken bis heute nach .

Reportagen und Fotostrecken: Meilensteine politischer Fotografie
Lebecks fotografisches Werk im Bereich der politischen Fotografie umfasst zahlreiche Reportagen und Bildessays, die zu zeitgeschichtlichen Dokumenten wurden. Im Folgenden werden einige seiner bedeutendsten politischen Fotostrecken – insbesondere jene, die im stern erschienen sind – vorgestellt, zusammen mit exemplarischen Fotos und deren Wirkung.

Afrika im Jahr Null: Kongo 1960 – das Ende der Kolonialherrschaft
Ein junger Kongolese entreißt am 30. Juni 1960 in Léopoldville (Kinshasa) König Baudouin I. von Belgien den Zeremonialdegen – Robert Lebecks ikonisches Foto vom Unabhängigkeitstag des Kongo.
Mit dieser Aufnahme schrieb Robert Lebeck Fotogeschichte. Im Sommer 1960 reiste er für die Reportage „Afrika im Jahre Null“ nach Zentralafrika, um die Emanzipation der Kolonien fotografisch festzuhalten. In Léopoldville gelang ihm der berühmte Schnappschuss eines einheimischen jungen Mannes, der dem belgischen König Baudouin während der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten den Degen stahl und jubelnd davonlief. Lebeck drückte im Bruchteil einer Sekunde intuitiv auf den Auslöser und fing damit den “Höhepunkt ein, der den Augenblick zur Metapher für das große Ganze werden lässt: Kolonialherrschaft, Freiheitsdrang, Emanzipation”. Ohne sein Bild wäre dieser Vorfall wohl kaum bekannt geworden – erst die fotografische Beweisaufnahme machte den kühnen Degendiebstahl zum Symbol für das Ende der Kolonialära. Das Foto ging um die Welt und wurde – wie Lebeck selbst sagte – zu seiner fotografischen Visitenkarte. Rückblickend gilt die Aufnahme als „Jahrhundertbild“, da sie im Keim bereits den bevorstehenden Machtwechsel und die konfliktreiche Entkolonialisierung Afrikas erahnen ließ. Bis heute steht dieses Bild ikonisch für den Niedergang der europäischen Kolonialmächte in Afrika. Die Reportage Afrika im Jahre Null machte Lebeck schlagartig bekannt und begründete seinen Ruf als herausragender politischer Fotograf.

Fotografische Handschrift: Instinkt, Empathie und der „Dieb des Augenblicks“
Robert Lebecks fotografische Handschrift war geprägt von scharfem Instinkt, menschlicher Nähe und dem Gespür für den richtigen Moment. Technik und theoretische Konzepte stellte er bewusst in den Hintergrund – wichtiger war ihm, im Augenblick zu leben und spontan zu reagieren. Er fotografierte meist mit einer unauffälligen Leica-Kamera und bewegte sich beinahe unsichtbar durch das Geschehen, immer bereit, den Auslöser im entscheidenden Sekundenbruchteil zu drücken. Kollegen beschrieben ihn als „stilles Schlitzohr mit der Leica“, das mit Charme und Witz Zugang zu Menschen fand. Chefredakteure und Prominente lagen ihm „zu Füßen“, wie es halb scherzhaft hieß – tatsächlich gewann er das Vertrauen vieler seiner Motive und konnte so authentische Bilder einfangen. Lebeck selbst erklärte bescheiden, er habe „meistens einfach unverschämtes Glück“ gehabt. Dieses Glück bestand jedoch vor allem in seinem untrüglichen Bauchgefühl für Situationen: Er ahnte intuitiv, wann sich eine Szene zuspitzt oder ein Gesichtsausdruck das Wesentliche verrät.

Typisch für Lebeck ist der respektvolle, aber ungefilterte Umgang mit Macht und Menschlichkeit. Er inszenierte die Mächtigen nicht künstlich, sondern beobachtete sie geduldig, bis ein ehrlicher Moment zum Vorschein kam. So gelang es ihm, in den Mienen von Politikern oder Würdenträgern das Menschliche hervorzuheben – Zweifel, Freude, Trauer, Zuversicht. Seine Porträts berühmter Personen zeichnen sich durch eine seltene Intensität und Intimität aus . Dabei hat Lebeck nie im paparazzihaften Sinne „aufgelauert“. Vielmehr schuf er mit Empathie eine Atmosphäre, in der selbst weltbekannte Persönlichkeiten die Maske fallen ließen. Dieses einfühlsame Herangehen spürt man etwa in der genannten Aufnahme Brandts, der vor Lebecks Kamera die Last der Verantwortung erkennen ließ, oder in den Bildern von Jackie Kennedy in stiller Trauer, die Würde und Schmerz gleichermaßen transportieren.

Lebecks fotografischer Stil ist insgesamt dokumentarisch und von klarer, ungekünstelter Bildsprache. Er bevorzugte Schwarzweiß-Fotografie, reduzierte Ablenkungen auf ein Minimum und setzte ganz auf die Aussagekraft des Augenblicks. Oft erzählen schon kleine Details oder Gesten in seinen Bildern ganze Geschichten – ein Kinderblick im Tumult, eine Geste der Erschöpfung auf der politischen Bühne. Diese Reduktion aufs Wesentliche verleiht seinen Aufnahmen Zeitlosigkeit. Zahlreiche seiner Fotos wurden zu Sinnbildern, weil sie universelle menschliche Emotionen in einem politischen Kontext verdichten. Dafür wurde Lebeck mit renommierten Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Dr.-Erich-Salomon-Preis 1991 und als erstem Fotografen überhaupt mit dem Henri-Nannen-Preis für das Lebenswerk 2007 . Doch wichtiger als jede Auszeichnung ist die unverwechselbare Handschrift, mit der er der Fotoreportage seinen Stempel aufdrückte: ein Meister des flüchtigen Augenblicks, der mit Herz und Verstand die Wahrheit hinter der Oberfläche suchte.

Bedeutung für die visuelle politische Kultur Deutschlands
Robert Lebecks Werk hat die visuelle Kultur der Bundesrepublik im 20. Jahrhundert nachhaltig geprägt. In einer Zeit, als illustrierte Magazine wie stern für breite Bevölkerungsschichten ein Fenster zur Welt waren, formten Lebecks Fotografien maßgeblich die Wahrnehmung politischer Ereignisse und Personen. Viele seiner Bilder sind bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert. Sie helfen uns, uns an historische Momente zu erinnern, und zwar in lebendiger, emotionaler Weise. Zum Beispiel denken viele beim Stichwort „Kongo 1960“ sofort an den triumphierenden Degen-Dieb – ein einzelnes Foto, das komplexe geopolitische Veränderungen symbolisiert. Ebenso ruft das Bild des ernsten Willy Brandt von 1974 sofort die Stimmung jener politischen Zäsur ins Gedächtnis. Lebecks Porträts berühmter Menschen haben unsere Vorstellungen von diesen Persönlichkeiten mitgeformt. Manche seiner Fotografien sind zu wahren Ikonen geworden, die über ihren ursprünglichen Kontext hinaus Bedeutung erlangt haben.

Werner Herzog im Filmgespräch zu Nosferatu: Eine Hommage an das untote Kino

3. Januar 2026

Schon vor längerem kam es im Filmmuseum München zu einem besonderen Abend: Regisseur Werner Herzog sprach über seinen Film Nosferatu – Phantom der Nacht (1979), einen der eindrucksvollsten deutschen Filme der Nachkriegszeit. Im Gespräch mit dem Publikum offenbarte Herzog nicht nur Hintergründe zur Entstehung des Films, sondern gab auch faszinierende Einblicke in seine Arbeitsweise, seine Inspiration – und seine Haltung zur Filmgeschichte. Jetzt endlich ist der Film auf 4K UDH erschienen und es ist Zeit, sich an dieses Gespräch mit Herzog wieder zu erinnern. In wenigen Tagen soll die Scheibe bei mir eintreffen.

Der Ursprung: Von Lotte Eisner zu Murnau
Die Idee zu Nosferatu entstand nicht aus einer konkreten Filmplanung, sondern aus einer Phase des Zweifels. Zehn Jahre lang fand Herzog mit seinen frühen Filmen kaum Beachtung. Erst in Frankreich wurden seine Werke wahrgenommen. In dieser Zeit war es die Filmhistorikerin Lotte Eisner, die ihm riet, sich der deutschen Filmgeschichte zuzuwenden – insbesondere Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm Nosferatu von 1922.

Herzog erkannte in dieser Empfehlung nicht nur eine Rückbesinnung, sondern auch eine Verpflichtung: „Wir sind eine Generation von Waisenkindern“, sagt er mit Blick auf die deutsche Filmgeschichte, die nach der Weimarer Zeit durch die NS-Barbarei jäh unterbrochen wurde. Nosferatu sollte eine Verbindung zwischen den Generationen schaffen – ein künstlerischer Brückenschlag.

Kinski als leidender Vampir
Für die Rolle des Vampirs war Herzog von Beginn an klar: „Das kann nur Kinski sein.“ Trotz warnender Stimmen aus dem Umfeld, die vor der schwierigen Zusammenarbeit mit Klaus Kinski warnten, entschied sich Herzog bewusst für den kompromisslosen Schauspieler. Er veränderte jedoch grundlegend die Natur der Figur: Während Murnaus Vampir Max Schreck „blutlos, seelenlos, wie ein Insekt“ wirkte, interpretierte Herzog den Vampir als tragische Figur, als Wesen, das an seiner Unsterblichkeit leidet.

Kinski wurde stilistisch in die Länge gezogen – mit hohen Absätzen und überlangen Kostümen wirkte er fast wie eine Giacometti-Figur. Die Maske, die vier Stunden tägliche Vorbereitung erforderte, sowie das genaue Spiel mit Händen, Blicken und Bewegungen, erschufen ein gespenstisches, aber gleichzeitig menschliches Wesen.

Isabelle Adjani und Bruno Ganz
Die weibliche Hauptrolle spielte Isabelle Adjani, die Herzog als „unsichere junge Frau“ beschreibt, der man ein „Korsett des Selbstvertrauens“ geben musste. Sie agierte fast wie eine Stummfilmfigur, was der stilisierten Ästhetik des Films zugutekommt. Bruno Ganz überzeugte in der Rolle des Harker – ebenso wie viele der Crewmitglieder, die in kleinen Nebenrollen auftraten, etwa Henning von Gierke, der für Szenenbild und Ausstattung verantwortlich war.

Drehorte, Ratten und Realismus
Gedreht wurde u. a. in Delft, wo Herzog 11.000 Ratten für die ikonische Szene mit den Pesthorden einsetzte – ein logistisches Meisterwerk. Die Tiere wurden extra aus Ungarn importiert, eingefärbt und streng kontrolliert eingesetzt. Die Geschichten rund um die Dreharbeiten mit den Ratten gehören mittlerweile zur Medienfolklore – viele davon übertrieben oder schlicht falsch, wie Herzog betonte.

Die Eröffnungsszene mit den Mumien wurde in Guanajuato, Mexiko, gedreht – ein Ort, den Herzog schon als junger Mann auf seiner Flucht vor den US-Behörden kennengelernt hatte. Die dort gefundenen Mumien beeindruckten ihn tief, weshalb sie später ihren Weg in den Film fanden.

Eine durchkomponierte Welt
Herzog betonte, wie minutiös durchgeplant der Film war – von der Ausstattung über Kostüme bis hin zur Farbpalette. Jedes Detail – etwa die 150 Jahre alten Akten im Büro von Renfield – sei sorgfältig vorbereitet worden. Selbst die ikonische Kuckucksuhr mit dem Todesskelett war eine Spezialanfertigung von Henning von Gierke und dem Spezialeffekte-Experten Cornelius Siegl. Sie befindet sich heute in der Sammlung der Deutschen Kinemathek in Berlin.

Musik als unsichtbares Narrativ
Die Musik – von Wagner bis zur Cäcilienmesse – sei nie bloßer Effekt, sondern integraler Bestandteil der filmischen Erzählung, betont Herzog. Musik verändert für ihn die Wahrnehmung der Bilder – sie darf sich nicht in Vordergründigkeit verlieren, sondern soll das Unsichtbare in den Szenen hörbar machen.

Das Vermächtnis von Nosferatu
Auf die Frage, warum der Vampirfilm bis heute so faszinierend ist, antwortete Herzog mit einem kulturgeschichtlichen Blick: Nosferatu sei eine „große Metapher“, die sich durch Jahrhunderte ziehe – von Bram Stoker bis Murnau, von Shelley bis Eggers. „Das ist nicht totzukriegen“, so Herzog. Und selbst wenn neue Versionen erscheinen, bleibe die Figur des Vampirs kulturell unsterblich – wie der Vampir selbst.

Das Gespräch im Filmmuseum war weit mehr als eine nostalgische Rückschau. Es war ein kraftvolles Zeugnis dafür, wie vielschichtig, leidenschaftlich und präzise Werner Herzog seine Filme konzipiert – und wie sehr Nosferatu für ihn ein Brückenschlag zur deutschen Filmgeschichte darstellt.

Ein Abend voller Anekdoten, Reflexionen und kluger Einsichten – und ein würdiger Blick zurück auf einen Film, der das Untote im Kino lebendig gemacht hat.

Am gleichen Ort, an dem Werner Herzog über Nosferatu – Phantom der Nacht sprach, fand er Worte zu seinem Kameramann: Es war eine Würdigung des Kameramanns Jörg Schmidt-Reitwein, der am 21. August 2023 verstorben war – ohne öffentliche Nachricht, ohne Anzeige. „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir ihn längst geehrt“, so Herzog sichtlich bewegt. Mit der Vorführung von Nosferatu holte man diese Ehrung nun nach – für einen Mann, dessen Kameraarbeit nicht nur das Kino Werner Herzogs prägte, sondern auch die deutsche Filmgeschichte.

Die leise Größe eines Kameramannes
„Seine Arbeit altert nicht“, sagt Herzog über Schmidt-Reitwein. Ob in Herz aus Glas, Woyzeck oder Land des Schweigens und der Dunkelheit – Schmidt-Reitwein war nicht nur der Mann hinter der Kamera, sondern eine Art visuelles Gewissen. Er verstand es, Licht, Schatten und Stille filmisch zu gestalten wie kaum ein Zweiter. Besonders beeindruckend: seine Fähigkeit, mit wenig Licht, etwa bei Kerzenschein, intensive Bildwelten zu erschaffen. Herzog vergleicht ihn in dieser Hinsicht mit Meistern wie Henri Alekan (La Belle et la Bête) oder Karl Freund (Murnaus Nosferatu).

Herzog beschreibt ihn als „loyalsten und mutigsten von allen“. Bei den Dreharbeiten zu Fata Morgana in der Wüste zerschmetterte sich Schmidt-Reitwein einen Finger – und drehte am nächsten Tag weiter. In der Zentralafrikanischen Republik wurde er verhaftet, in der Karibik erklomm er mit Herzog einen aktiv drohenden Vulkan, trotz seismischer Krisen. In Mexiko, Südamerika, Afrika und Europa – überall, wo Herzogs Kamera hinsah, war Schmidt-Reitwein sein „verbrüderter Begleiter“.

Eine Biografie voller Brüche – und Haltung
Herzog erzählt auch von Schmidt-Reitweins dunkler Vergangenheit: In den 1960er Jahren versuchte dieser, eine Freundin aus Ostberlin zu befreien, wurde verhaftet und in das berüchtigte Zuchthaus Bautzen gesperrt. Sechs Monate verbrachte er in einer unterirdischen „Hitzekammer“, ehe er im Schauprozess verurteilt wurde. Nach dreieinhalb Jahren wurde er gegen zwei Güterwaggons Butter von der BRD freigekauft. Diese Erfahrung, so Herzog, habe ihn gezeichnet – aber auch gestärkt.

„Er hat sich in die Seele der Menschen hineingearbeitet“
In Filmen wie Land des Schweigens und der Dunkelheit oder Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner war Schmidt-Reitwein nicht nur Techniker, sondern empathischer Mittler zwischen Kamera und Mensch. Er lernte für die taubblinde Protagonistin ein taktiles Handalphabet – und diktierte es ihr manchmal sogar mit den Zehen. Herzog erinnert sich, wie Schmidt-Reitwein den scheuen Skiflieger Walter Steiner mit einem spontanen körperlichen „Überfall“ auf die Schultern nahm – eine Geste, die die Beziehung zwischen Kamera und Mensch öffnete.

Die visuelle Tiefe von Nosferatu
Herzog würdigte besonders die gemeinsame Arbeit an Nosferatu, der an diesem Abend gezeigt wurde. Die visuelle Dichte des Films – von nebelverhangenen Straßen über spärlich beleuchtete Innenräume bis zur ikonischen Kuckucksuhr mit dem Knochenskelett – trägt unverkennbar Schmidt-Reitweins Handschrift. „Er war ein Meister des Lichts – vor allem dann, wenn kaum Licht vorhanden war“, so Herzog.

Dabei ließ sich Schmidt-Reitwein von barocken Malern wie Caravaggio und Georges de La Tour inspirieren – eine Schule der Dunkelheit, die er gemeinsam mit Herzog studierte, bevor sie drehten. „Er brachte mich zu diesen Bildern – und seither sind sie Teil meiner visuellen Kultur.“

Hier nochmal ein Vortrag von mir über Nosferatu

„Kultur ist da – getragen von vielen“: BistroTalk Maisach mit Stefan Pfannes

2. Januar 2026

Im Bistro SixtyFour in Maisach ging im vergangenen Jahr eine neue Ausgabe des BistroTalks live auf Sendung – lokal, echt und mit Publikum vor Ort sowie Zuschauerinnen und Zuschauern bei YouTube. Bevor das Gespräch begann, stand wie immer der Dank an die Gastgeber: Uwe und Ruby Flügel stellten die Bar erneut als Studio zur Verfügung und machten damit möglich, dass dieses Format mitten im Ort stattfinden kann – nahbar, ohne Bühne, ohne Distanz.

Zu Gast war Stefan Pfannes, Kulturreferent der Gemeinde Maisach, den ich im Talk interviewte. Weil wir uns seit Jahren kennen, war sofort klar: Wir duzen uns. Und obwohl die Gemeinde mitten im Kommunalwahlkampf steckt, war die Vereinbarung eindeutig: Parteipolitik bleibt draußen – an diesem Abend ging es ausschließlich um Kultur. Pfannes beschrieb die Kultur in Maisach als „gut existent“, aber nur noch in geringem Maße von der Gemeinde selbst getragen. Vieles funktioniere erstaunlich stabil, weil Vereine, Initiativen, Kirchen und engagierte Einzelpersonen das kulturelle Leben am Laufen halten. Die Gemeinde selbst habe im eigenen Kulturprogramm inzwischen nur noch wenige große Fixpunkte – vor allem den Maisacher Advent und das Meisaha-Heft. Hier die Aufzeichnung:

Im Gespräch wurde schnell deutlich, wie vielgestaltig Kultur in einer Großgemeinde wie Maisach ist, die aus vielen Ortsteilen und gewachsenen Altgemeinden besteht. Pfannes zeichnete ein lebendiges Bild dieser kulturellen Vielfalt: Musik und Gesang in Maisach, Theatertradition in Überacker, starke Gruppen in Gerlinden, Blaskapellen in Rottbach, Kirchenchöre, Schulkooperationen – ein Mosaik aus lokalen Spezialitäten, das die Gemeinde prägt. Kultur sei dabei weniger „Hochkultur“ im klassischen Sinn, sondern ein breites, bürgernahes Angebot, das zur Größe der Gemeinde passe. Wer sich dafür interessiere, überschreite längst die Grenzen zwischen den Ortsteilen – Fanclubs, Neugier und ein gewisser sportlicher Vergleichsgeist („Benchmarken“) sorgten dafür, dass man auch zu Veranstaltungen „der anderen“ fährt.

Ein wichtiger Punkt des Talks waren die Herausforderungen: weniger das Geld als vielmehr der Nachwuchs. Pfannes sprach offen darüber, wie sehr Vereine mit dem Generationenwechsel kämpfen – besonders dann, wenn nach Schulzeit und Ausbildung der Weg zum Studium oder Beruf aus dem Ort herausführt. Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch: Nach Corona habe sich das Kulturleben spürbar erholt, Theatergruppen und musikalische Formate seien wieder da, Neues sei entstanden. Auch die Frage nach der Koordination wurde gestreift: Vieles regeln die Vereine selbst über Vereinskartelle, feste Termine und Abstimmung – ohne dass das Kulturreferat die Rolle eines „Kultur-Dirigenten“ übernehmen müsse.

Breiten Raum nahm der Maisacher Advent ein: seit über 40 Jahren ein kultureller Ankerpunkt mit Budendorf, Innenbereich für soziale und karitative Gruppen, Café, Handwerk und einer Krippe, die heute durch feste Figuren ergänzt wird – lebendig bleibt sie durch Schafe und neue Elemente wie Spinnerinnen und Weberinnen. Pfannes erzählte auch von Licht und Schatten solcher Veranstaltungen: von schönen Erfolgen wie der ausverkauften Luise-Kinzeher-Veranstaltung im Bürgerzentrum – und von einer bitteren Panne mit Udo Wachtveitel, bei der fehlende Bühne und Stühle sowie organisatorische Versäumnisse die Lesung zum Desaster machten. Solche Episoden führten direkt zur Kernfrage: Maisach fehlt es nach wie vor an geeigneten Veranstaltungsräumen – ein Problem, das nicht nur Kultur verhindert, sondern auch Mut und Planung ausbremst.

Ein zweites Herzstück des Abends war das Meisaha-Heft, das der Arbeitskreis Geschichte seit 2008 jährlich herausgibt. Pfannes erklärte den historischen Ursprung des Namens „Meisaha“ und betonte den offenen Charakter des Arbeitskreises: wer Interesse an Geschichte hat, kann mitmachen – idealerweise mit Freude an Archivarbeit, am Lesen alter Schriften und am Erzählen. Hier die Facebook-Seite. Die Themen reichen von Archäologie und Ortsgeschichte bis zur jüngeren Vergangenheit; das Heft soll zugleich populär lesbar und quellenkritisch belastbar sein. Besonders spannend war der Blick in die Zukunft: Das Heft öffnet sich zunehmend auch dem Bewegtbild – etwa durch digitalisierte Super-8-Filme, die über QR-Codes abrufbar werden. Und immer wieder klang Pfannes’ Bitte durch, historische Fotos, Postkarten, Dias oder Dokumente nicht wegzuwerfen, sondern dem Gemeindearchiv anzubieten – weil darin oft ungeahnte Schätze stecken, die sonst verschwinden würden.

So wurde der BistroTalk mit Stefan Pfannes zu einem Abend, der zeigt, was Kultur im Kleinen leisten kann: Sie stiftet Identität, verbindet Ortsteile, schafft Begegnung – und lebt in Maisach vor allem durch Menschen, die sich kümmern. Am Ende blieb ein Gefühl, das gut zum Format passt: keine Show, kein Hochglanz, sondern ein echtes Gespräch über das, was eine Gemeinde zusammenhält – und was es braucht, damit Kultur nicht nur „existiert“, sondern wachsen kann.
Der nächste BistroTalk ist am Mittwoch, 7. Januar von 18-19 Uhr im Bistro SixtyFour und live in YouTube. Zu Gast ist dieses Mal Denis Michael Kleinknecht, Gastronom vom Gasthof Heinzinger in Rottbach.

Mein Silvester im Gasthof Heinzinger, Rottbach

1. Januar 2026

Jeder feiert Silvester auf seine Weise. Die einen mit großer Party bis in die Morgenstunden, die anderen stoßen in der Familie auf das neue Jahr an, andere liefern sich mit Böllern und Raketen eine Vorstufe des Krieges inklusive Verletzen und Toten.

Meine Frau und ich durften bis 23 Uhr ein hervorragendes Silvestermenü in unserem Lieblingslokal Gasthof Heinzinger bei Denis Michael Kleinknecht und seiner Frau genießen. Unsere Kinder blieben zu Hause und feierten mit Freunden und ab 23 Uhr übernahmen wir die Beruhigung unserer verschreckten Kater. Verbietet endlich das Böllern.

Gasthof Heinzinger ist ein traditionsreicher Gasthof und Gourmet-Wirtshaus im Ortsteil Rottbach der Gemeinde Maisach bei München. Er verbindet bayerische Wirtshauskultur mit moderner, kreativer Küche und legt großen Wert auf Regionalität, Nachhaltigkeit und frische Zutaten aus der Umgebung – vom klassischen Wirtshausgericht bis zum sorgfältig zusammengestellten Fine-Dining-Menü ist für Genießer viel geboten.

Unter der Leitung von Küchenchef Denis Michael Kleinknecht hat sich der Gasthof einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet und wiederholt Anerkennung in Gourmetführern erhalten. Die gemütliche Atmosphäre im Innenraum und im Sommer auch im Wirtsgarten lädt ebenso zum Verweilen ein wie die Möglichkeit, besondere Anlässe in stilvollem Rahmen zu feiern. Daher entschlossen wir uns zum zweiten Mal im Gasthof Heinzinger das Jahresende zu begehen.

Kleinknecht überraschte uns mit einem vorzüglichen Silvestermenü, das die ganze Vielfalt seines Könnens als Koch und Küchenchef zeigte. Nach einem Amuse Bouche, einer Kürbissuppe, ging es los.

Birnbaum-Rauchforelle, Buttermilch, Schnittlauch, Apfel, Kren

Imperial Kaviar, Kartoffel, braue Butter

Hummer-Ravioli

Heilbutt, wilder Blumenkohl, Safran

Rinderfilet, Kräuter, Kartoffel, Jus, Rotweinschalotte

Für mich gab es Rohmilchkäse

Baumkuchen, Schokolade, Beeren

Petit Fours

Getrunken habe ich dieses Mal ein 2024 Edda von der Catina San Marzano aus den Abruzzen

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern ein gesundes neues Jahr 2026. Übrigens, ich habe am 7. Januar einen BistroTalk mit Denis Kleinknecht von 18-19 Uhr im Bistro SixtyFour in Maisach. Der Talk wird online in YouTube gestreamt.