Persönlicher Nachruf auf Shane MacGowan

2. Dezember 2023

Ich habe kein irisches Getränk im Hause, dann nehm ich halt einen Schotten von Ardbeg und stoße auf den verstorbenen Shane MacGowan an. Der Trinker und Sänger oder Sänger und Trinker ist unlängst im Alter von 65 Jahren verstorben. Ich mochte seine Aufnahmen und verbinde mit den Liedern meine Liebe zur Insel.

Es war 1984 als ein Schulfreund die Schallplatte Red Roses for Me anschleppte. Ich war damals als braver Schujunge in einer selbstverordneten Punk-Phase und schwankte zwischen Clash, Ramones und Sex Pistols. Ich sollte unbedingt mal in die Pogues reinhören, bei denen Shane MacGowan als Sänger agierte. Die Musikrichtung sei Folkpunk, wurde mir erklärt.

Ich höre hinein und war sofort begeistert. Für mich stand fest: Es sind die Dublingers mit ein paar Drinks zuviel und provokanten Texten. Shane MacGowan war mit seinen schlechten Zähnen wahrlich keine Schönheit für ein Poster an der Wand meines Jugendzimmers, aber singen konnte der Typ. Ich nahm ihn sein Aufbegehren und seinen Protest sofort ab, aber die Pogues waren auch für mich eine Partyband, zu deren Musik ich die geistigen Getränke probierte, meist billiger Blend.
Man konnte schön mitgröhlen und das nächste Album Rum, Sodomy & the Lash war mein persönlicher Favorit. Hier stimmte für mich einfach alles, tolle Verbindung von Folk und Punk.

Später kaufte ich mir noch ein paar Pogues-Scheiben, natürlich auch das unvermeidliche Fairytale Of New York, das mir auf Christkindl- und Weihnachtsmärkten bis zur Besinnungslosigkeit eingehämmert wurde. If I Should Fall From Grace With God hieß das dritte Album der Truppe und danach hatte ich irgendwie keinen großen Bock mehr auf die Pogues.

Ich wollte mal die Band live sehen, aber dazu kam es nicht mehr. Shane MacGowan war mehr mit dem Alkohol als mit der Interpretation seiner Lieder beschäftigt. Organversagen hieß es am Schluss. Es tut mir leid um diesen talentierten Songwriter und Sänger seiner Lieder. Die Musikwelt verliert ein weiteres Original.

Konzertkritik: Martin Kohlstedt live in Augsburg

1. Dezember 2023

Vielleicht ist es wirklich so, dass die Umgebung die Atmosphäre eines Konzerts beeinflusst. Diesen Eindruck hatte ich als ich dem Auftritt von Martin Kohlstedt im traditionsreichen Parktheater Göggingen besuchte. Die hypnotische, zeitweise fast meditative Klangwelt Kohlstedts wirkte hervorragend in diesem nach einem Brand von 1972 wieder aufgebauten Pachtbau.

Auf der Bühne mit Flügel und Mini Moog sowie Sequenzer veranstalte der Thüringer Musikkünstler seine fast zweistündige Show aus Musik und Licht vor ausverkauftem Hause. Martin Kohlstedt beherrscht die hohe Kunst der Improvisation von analogen und digitaler Musik. Das Ganze kann komplett in die Hose gehen oder sich zu einem einmaligen Kunstgenuss entwickeln.

Über die meiste Zeit war es ein musikalischer Genuss, unterbrochen von kleinen Ansprachen des Künstlers, Er sprach zumeist über die Chancen und Risiken der Improvisation und hatte sein Publikum absolut im Griff. Ich habe die Schlussansprache und das finale Stück hier angefügt.

Ich kannte Martin Kohlstedt meist nur von Vinyl-Aufnahmen. Kennengelernt habe ich den Musiker in der Pandemie als ich auf der Suche nach neuen musikalischen Horizonten war. Ich kam von der Berliner Schule wie Klaus Schulze, Tangerine Dream oder Edgar Froese und wollte in Wogen aus Musik ertrinken. Die ersten Aufnahmen von Kohlstedt sind Klavierimprovisationen, dann kam mehr und mehr Elektronik dazu. Ich sah mir seine Albenvorstellungen als Live-Stream-Übertragungen im Netz an und wurde ein Fan des Musikers.

Nach Corona ging er auf große Tour und schloss eine kleine Reihe von Konzerten, die so genannten B-Tour an. Hier machte er auch in Bayern Station. Ich war schnell und kaufte Karten für das wunderschöne Kurhaus in Göggingen. Die Abstimmung von Musik und Licht wirkte in diesem historischen Raum besonders gut. Ob es in einem modernen Zweckbau oder einen klassischen Konzerthalle ebenso einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, kann ich nicht sagen. Die Wahl der Location war auf jeden Fall die richtige Wahl sowohl für Künstler und Publikum.

Nach der Show präsentierte sich Martin Kohlstedt als Künstler zum Anfassen. Er stand am Merch-Stand für kurze Gespräche mit Fans bereit. Auch ich holte mir Autogramme auf meine Vinyl-Alben und nutzte die Gelegenheit während der Abbauarbeiten zu einem kleinen improvisierten Interview. Vielen Dank dafür.

Ivan Thieme im Lucky Punch Comedy Club München

28. November 2023

Nach unzähligen Aufrufen in YouTube und Instagram nun zum zweiten Mal live und in Farbe konnte ich Standup-Comedian Ivan Thieme genießen. Dieses Mal nicht bei unlängst in Berlin, sondern in München im Lucky Punch Comedy Club im Kulturareal Fat Cat im ehemaligen Gasteig. Die Idee eines Comedy Clubs in München finde ich super und wir müssen Michael Mittermeier dankbar sein, dass er in die Einöde Bayern so etwas initiiert hat.

Max Osswald, rockte das Vorprogramm, nachdem er zuvor die Türen des Comedy Clubs aufgesperrt und Karten abgerissen hatte. Der 1992 geborene Autor und Comedian kokettierte mit dem Thema Alter, nachdem er die 30 überschritten hatte. Das Publikum war zumeist jung, Mitte zwanzig und amüsierte sich köstlich. Als Mitte Fünfzigerjähriger dachte ich mir nur, komm du mal in mein Alter und lachte mit. Er ging wunderbar auf alte Säcke-Sprüche ein und ich erkannte mich wieder. Max Osswald, du bist ein großartiger Beobachter deiner Umgebung und ich sehe viel Talent in diesem jungen Mann.

Mit Ivan Thieme kam dann der Hauptakt an die Reihe. Ich hatte ihn in Berlin zusammen mit meiner Gattin gesehen und wollte ihn in meiner Geburtsstadt München auch die Ehre erweisen. Der gebürtige Ukrainer kam mit sieben Jahren nach Deutschland und wurde ein wunderbarer Wortakrobat. Er spricht über die kleinen und großen Dinge des Lebens aus persönlicher Sicht, vor allem beim Thema Öffis (ÖPNV) konnte sich seine Gedanken nachempfinden. Der engagierte Baseketball erzählte von seinen Schwierigkeiten der Kontaktaufnahme mit dem weiblichen Geschlecht, was man sich bei diesem Mundwerk nur schwer vorstellen kann. Natürlich auch immer köstlich der Dialog mit dem Publikum. Ernster wurde es als im Carl Amery-Saal in der ersten Reihe am Rand eine junge Frau saß, die Thieme zugleich ansprach. Sie stellte sich als Ukrainerin heraus, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen war. Hier hätte bei den ernsten Situation die Stimmung kippen können, doch sie verständigten sich auf Ukrainisch und Thieme gelang es, den Bogen herumzureißen und die Stimmung zu retten.

Als hervorragender Improvisator erwies sich Ivan Thieme nach der Pause. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen gelang es Max Osswald, der auch noch für die Technik zuständig war, das Bühnenlicht nicht anzuschalten. Die Bühne mit Thieme blieb für einige Minuten dunkel, das Saallicht war aus und nur das Logo von Lucky Punch Comedy Club leuchtete in Neonfarben. Schöne Atmosphäre, die Thieme aber nicht aus seinem Konzept riss. Er verließ sein vorgegebenes Programm und improvisierte mit uns Zuschauern. Irgendwann sagte er auch: Ich genieße es, von mir aus könnte es im ganzen zweiten Teil dunkel bleiben. Doch Max Osswald bekam das Licht wieder in den Griff und Thieme machte mit dem vorgegeben Solo-Programm weiter. Die anwesenden 60 Zuschauer quittierten die Show von Osswald und Thieme mit großem Applaus.

Noch ein Wort zum Lucky Punch Comedy Club. Es ist wichtig, dass es so eine Einrichtung gibt und fast täglich bespielt wird. Ein Highlight im Gasteig, der derzeit renoviert wird. Der ehemalige Kulturpalast ist leer, dunkel und verlassen. Da wirkt die rote Beleuchtung des Lucky Punch Comedy Clubs wie ein Zufluchtsort. Aber München ist nicht Berlin. Während man in der Hauptstadt in den Keller steigt, von Feuerpolizei will ich gar nicht reden, steigt man in München auf Metalltreppen in den ersten Stock. Während in Berlin ein tätowierter bärtiger Typ die Karten abreißt, steht beim Gasteig ein städtischer Beamter in Uniform da, der einen den Weg in den Carl Amery Saal weist, der einstmals für Filmvorführungen genutzt wurde. München ist halt nicht Berlin und das ist auch gut so. Und ich freu mich, dass die bayerischen Comedian-Szene hier eine gewisse Heimat gefunden hat.

Buchkritik: Woanders ist auch Alltag von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

27. November 2023

Ein Traum vieler Journalistenkollegen meiner Jugend war der Beruf des Auslandskorrespondenten. In „Woanders ist auch Alltag“ präsentieren Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt den Lesern eine humorvolle und interessante Reise durch die ungewöhnlichen Orte und Kulturen der Welt. Dieses Buch, das 2014 veröffentlicht wurde, zeichnet sich durch seine Beschreibungen und Erzählungen aus.

Entstanden ist das Büchlein auf Basis einer Sendung namens „Alltag anders“ im Frühstückshörfunk von „Deutschland Radio Kultur“, die die beiden Autoren entwickelt haben. Entsprechend häppchenweise und mundgerecht ist auch das Buch dazu gestrickt, Tiefschürfendes zu anderen Kulturen sollte man nicht erwarten. Wenn Auslandskorrespondenten mal nicht über die große Politik sprechen, sondern über ihren Alltag vor Ort, erfährt man die wirklich wichtigen Dinge: Busfahren in Los Angeles sollte man unbedingt vermeiden, denn es macht einen zum Loser. Gibt es einen Blechschaden auf Buenos Aires Highways, kann man hemmungslos wüste Beschimpfungen ausstoßen, aber anhalten ist nicht nötig. Und öffentliche Toiletten sind in Japan sehr zu empfehlen, da wird selbst der Klogänger vollautomatisch gereinigt. – Überraschend, erhellend und unterhaltsam, denn das Alltagsleben rund um den Globus ist vertraut und fremd zugleich.

Die beiden Autoren, erfahrene Journalistenkollegen, haben ihre Begegnungen und Erfahrungen in den entlegensten Teilen der Welt gesammelt. Das Buch ist in sechs thematische Kapitel unterteilt, die verschiedene Aspekte des alltäglichen Lebens in ungewöhnlichen Regionen beleuchten. Die Themen reichen von Architektur und Wohnen über Essen und Trinken bis hin zu Arbeit und Freizeit.

Das herausragende Merkmal des Buches sind die Geschichten und Anekdoten, die die Autoren mit ihren Lesern teilen. Sie nehmen den Leser mit in abgelegene Bergdörfer in Nepal, auf die Straßen von Havanna in Kuba, in die schwimmenden Märkte von Bangkok und viele andere Orte. Die Autoren beschreiben die Menschen, die sie getroffen haben, und vermitteln ihre Geschichten auf eine Weise, die den Leser unmittelbar in die jeweilige Kultur eintauchen lässt.

Die sorgfältige Recherche und die Liebe zum Detail sind in diesem Buch offensichtlich. Die Autoren haben sich bemüht, die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Regionen, die sie besucht haben, gründlich zu verstehen. Sie werfen einen Blick auf die Architektur und die Art und Weise, wie Menschen in verschiedenen Teilen der Welt wohnen, was dazu beiträgt, die Einzigartigkeit und Vielfalt der menschlichen Kreativität zu würdigen.

Ebenso faszinierend ist die Betrachtung von Essen und Trinken in verschiedenen Kulturen. Die Autoren nehmen den Leser mit auf eine kulinarische Weltreise und stellen lokale Speisen und Getränke vor. Dieser Aspekt des Buches ist nicht nur informativ, sondern regt auch den Leser an, seine eigenen kulinarischen Horizonte zu erweitern.

Ein weiterer Punkt des Buches ist die Betrachtung von Arbeit und Freizeit in verschiedenen Kulturen. Die Autoren erkunden die verschiedenen Berufe, die Menschen in den besuchten Regionen ausüben, und zeigen, wie sich Arbeit und Freizeit in verschiedenen Teilen der Welt gestalten.

Obwohl das Buch ohne Illustrationen oder Fotos auskommt, gelingt es den Autoren dennoch, die Schönheit und Faszination des Alltagslebens in entlegenen Teilen der Welt auf eindrucksvolle Weise einzufangen. „Woanders ist auch Alltag“ ist nicht nur für Reiseliebhaber interessant, sondern für jeden, der an verschiedenen Kulturen und Lebensstilen interessiert ist. Und es ist eine interessante Arbeit von Auslandsjournalisten.

Parallelen zwischen Open AI und Apple

26. November 2023

Turbulent waren die Ereignisse bei Open AI und der Rauswurf von CEO Sam Altman, der Gang zu Microsoft und dann seine Wiedereinstellung bei Open AI. Ein ähnliches Ereignis habe ich in Grundzügen bei Apple schon einmal erlebt: Es handelt sich um die Ereignisse um Steve Jobs, die sich allerdings über mehrere Jahre hingezogen haben.

Der damalige Apple-Chef Steve Jobs wurde einst vom Vorstand an die Luft gesetzt. Das wurde von John Scully betrieben, den Jobs extra von Pepsi ins Unternehmen geholt hat. Jobs flog aus seiner eigenen Firma, gründete Next und investierte seine Millionen in Pixar. Apple ging fast den Bach runter und Jobs wurde als Heilsbringer zu Apple zurückgeholt, implementierte seine Next-Technik bei Apple und dann begann Cupertino einen Siegeszug ohnegleichen: iMac, iPod und iTunes – Ei Ei Ei der Rest ist Geschichte. Apple ist heute das reichste Unternehmen auf diesem Planeten. Jobs starb an Krebs und sein Nachfolger Tim Cook optimierte das Unternehmen weiter.

Ähnlich ging es bei KI-Hersteller Open AI zu, wobei die Details freilich unterschiedlich sind. Eigentlich ist das Unternehmen eine Stiftung für die Allgemeinheit, aber Sam Altman hatte die Milliarden von US-Dollar im Kopf, die in der KI-Technik stecken. Der Deal mit Microsoft spülte Milliarden in die Kassen von Open Ai, aber das Unternehmen entfernte sich mehr von den Stiftungszielen. Darauf zog der Vorstand am 16. November die Reißleine und warf Altman raus. Tags darauf die offizielle Entlassung und Rücktritt von Greg Brockman als Präsident. Altman heuerte gleich mal beim Investor Microsoft an und ein wichtiger Teil der Open AI-Belegschaft wollte Altman folgen. Dann kam der gewaltige Druck von Microsoft und der Investoren. Und siehe da, Ende der Woche war Sam Altman und Kollegen wieder zurück bei Open AI und nun beginnen die gnadenlosen Säuberungen bei Open AI. Altman weiß ja jetzt, wer seine Freunde sind.

Ich glaube, in der Managementtheorie heißt so etwas Bumerang-Management. Rauswerfen und zurückkehren und dann aufräumen. Ich bin sehr gespannt, wie es bei Open AI und KI weitergeht. Ich werde die Entwicklungen aufmerksam beobachten.

Meine Emotionen zur Bahn

22. November 2023

Es nervt mich, es nervt mich kolossal. Der jüngste Bahnstreik brachte mich emotional auf die Palme. Ich stelle ausdrücklich nicht das Streikrecht in Frage, aber wenn die Verhandlungen noch nicht mal richtig begonnen haben, kurzerhand einen Streik auszurufen, dass halte ich für schäbig. Bei der Bahn ist vieles schiefgelaufen. Verkehrsminister und Manager haben das Unternehmen kaputtgespart und tun so, als ob die Bahn von alleine kaputtgegangen wäre.

Ich bin konsequenter Bahnfahrer und ich werde belächelt von meiner Umgebung und es kostet mich Überwindung, die Bahn zu verteidigen. Das Familienauto lasse ich in der Regel konsequent stehen, nutze es meist nur für Kurzstrecken zum Einkaufen. Ich bin grundsätzlich ein Fan von Bus und Bahn, aber es fällt mir schwer.

Nur noch 28 % der Fahrgäste sind zufrieden mit der Deutschen Bahn, sagt eine Allensbach-Umfrage. Im Jahr 2007 waren es noch 55 %. Heute assoziieren 88 % der Befragten die Bahn mit Unpünkt­lichkeit, 73 % mit hohen Preisen, 71 % mit Unzuver­lässigkeit. Immerhin: 66 % sehen die Bahn als umwelt­freundlich.
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds aus der vergangenen Woche macht die Sache nicht leichter, denn so können die dringend benötigten Bahnsanierungen wieder auf die lange Bank geschoben werden. Doch die Klimaveränderungen gehorchen keinen Haushaltsregeln.
Und ich bin ein Fan des Deutschlandtickets und zuvor des 9 Euro Tickes. Natürlich waren die Regionalzüge voll, was hat man denn erwartet?

Und nun lese ich, dass Bayerns Verkehrsminister Bernreiter das Deutschland-Ticket nicht als den Erfolg ansieht, als der es oftmals gepriesen wird. Für den Ballungsraum sei es zwar ein Gewinn, hat der CSU-Politiker der Mediengruppe Bayern gesagt. Bei der Einführung seien jedoch 13 Millionen Verkäufe prognostiziert worden, nun seien es nur 11 Millionen. Das sei bei 84 Millionen Einwohnern nicht der große Renner, so Bernreiter. Auch werde es bei den 49 Euro für das Ticket nicht bleiben. Bis zum 1. Mai müsse die Verkehrsministerkonferenz eine dauerhafte Lösung für die Finanzierung finden. Ich muss dem Verkehrsminister widersprechen: Jede Fahrt mit der Bahn ist eine gute Fahrt, wenn dafür der Verbrenner stehen bleibt.
Und nun lese ich, dass die kleine Bahngewerkschaft wieder streikbereit ist – wieder auf den Rücken der Bahnfahrer. Die Autolobby freut sich. Irgendwie ist der Wurm drin und wie gesagt, die Klimaveränderungen gehorchen keinen politischen Spielchen. Und ich bin bald wieder emotional auf der Palme.

Nachruf auf Michel Ciment

21. November 2023

Es gibt zwei Bücher, die mich zum Filmfan gemacht haben. Das eine war von Francois Truffaut Mr Hitchcock, wie haben Sie das gemacht und das andere war Kubrick von Michel Ciment aus dem Jahr 1980. Eben dieser großartige Michel Ciment ist am 13. November im Alter von 85 Jahren verstorben. Ich hab es jetzt erst mitbekommen. Die Filmwelt und vor allem ich haben ihn viel zu verdanken.

Ich stieß auf seine Todesmeldung durch einen Post von Kubrick Produktionsleiter Jan Harlan in Instagram. Michel Ciment war ein französischer Filmkritiker und Herausgeber des Kinomagazins Positif. 1980 schrieb er ein Buch über Stanley Kubrick und ab diesem Tage wusste ich, wer das Genie im Olymp der Kinoregisseure war. Durch Ciment wurde ich zum Kubrick Fan, was heißt Fan? Ich wurde zum Kubrick-Fanatiker, -Experten, -Liebhaber. Ich verschlang alles, was ich über Kubrick zu lesen bekam und durfte sogar Kubrick Landsitz in der Nähe von London besuchen. Ich traf mich mit Christiane Kubrick und immer wieder mit Jan Harlan.

Ciment schrieb 15 weitere Bücher über Film wie über Joseph Losey, Elia Kazan, John Boorman, Francesco Rosi, Fritz Lang und Theo Angelopoulos, wobei ich das Buch über John Boorman ausdrücklich empfehlen will.

Mein Kubrick–Buch von ihm stammt von 1980. Shining war damals der aktuelle Kubrick-Film. Es sollten nur noch zwei folgen: Full metal Jacket und Eyes Wide Shut – dann schloss der Meister für immer seine Augen. Ciment schulte meinen Blick aufs Kino. Ich erkannte durch ihn Qualität, der sich von Massenware des Kinos der 80er abhob, die heute von vielen als Kult bezeichnet wurde. Ciment schärfte mit seinen Analysen und Interpretationen, mit seinen Interviews mein Interesse für das Wesentliche im Kino und warum Kino eine Kunstform ist. Danke Michel Ciment für die Gedanken rund ums Kino. Wir haben ihm alle viel zu verdanken.

Faltbare Mag-Safe Ladestation für unterwegs

19. November 2023

Im Moment bin ich wieder viel auf Reisen und ich brauche ein mobiles Ladegerät für iPhone, Apple Watch und Air Pods ohne großes Kabelgewirr.

Ich habe mich für die faltbare Mag-Safe Ladestation von Meoligr entschieden, ein Hersteller, der mir bis dato noch nicht untergekommen war. Ich probiere die Ladestation seit ein paar Tagen aus und bin zufrieden. Das System lädt nicht in Windeseile, aber ein Aufladen der Gerätschaften über Nacht ist kein Problem. Die Ladestation liefert eine Leistung von bis zu 15W für das iPhone, bis zu 5W für AirPods/AirPods Pro und bis zu 3W für die iWatch.

Alles wird über iQ geladen und ich kann endlich das Kabelzeugs aus meiner Reisetasche entfernen. Das Teil lässt sich um 180° falten und schnell in eine Handyhalterung verwandeln. Es kann horizontal aufgeladen oder in einer Tasche zusammengeklappt werden und ist somit ideal für meine Reisen. Optisch gibt es schönere Ladegeräte, aber das ist mir im Hotelzimmer egal. Ein USB auf USB-C-Kabel und ein Quick Charge 3.0 18W Schnellladegerät liegt bei. Also meine Empfehlung für das Teil.

Filmkritik: Napoleon von Ridley Scott

18. November 2023

Was für ein großartiger Stoff und was für ein durchschnittlicher Film ist da herausgekommen. Ein Film ohne Rhythmus, zerfahren, abgehackt – und ja, ich muss es schreiben – ein Film ohne Liebe. Es ist eine Aneinanderreihung von Szenen und ich bin von der Kinofassung von Napoleon enttäuscht. Und das tut mir unendlich leid. Vielleicht muss ich auf die Veröffentlichung auf Datenträger warten, die deutlich länger ist und die vielleicht das gewaltige Erzähltalent von Ridley Scott zeigt, die Kinofassung ist leider nicht das Gelbe vom Ei.

Dabei ist es die Geschichte von Napoleon wert auf die große Leinwand zu gebracht zu werden, nachdem viele schon daran gescheitert sind. Ridley Scott sollte es eigentlich können. Für mich die beste Napoleon-Verfilmung bleibt die von Abel Gance aus dem Jahre 1925 mit 5 Stunden und 32 Minuten.
Dabei sind die Zutaten von Ridley Scotts 200 Millionen US-Dollar-Film fast alle hervorragend: Joaquin Phoenix als Bonaparte und Vanessa Kirby als dessen Ehefrau Joséphine sind wunderbar anzusehen, die Ausstattung eindrucksvoll, aber Score dagegen total daneben. Und das Drehbuch mit schrecklichen Humoreinlagen erzeugten bei mir nur zum Kopfschütteln: Der geniale Feldherr, der Europa erobert, aber im Bett eine Niete ist – will ich das wirklich sehen? Der Humor im Film ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, doch ich empfinde ihn als absolut unpassend.

Bei den sechs gezeigten Schlachten ist Scott dagegen in seinem Element, bringt aber bis auf Austerlitz auch nur Standardware. Bei dem viel zu kurzen Waterloo fehlen in der Kinofassung das entscheidenden Zitat der Weltgeschichte „Ich wünschte es wäre Nacht oder die Preußen kämen.“ Schön, dass wenigstens die geänderte Kampfformation der Briten berücksichtigt wurde, nachdem viel Historisches auf der Strecke blieb. Blücher kommt im Grunde nur am Rande vor – vielleicht ist das in der Langfassung später anders.

Der Film springt durch die Jahre und verlangt vom nicht geschichtsbewanderten Zuschauer so einiges ab. Französische Revolution mit Marie-Antoinette auf der Guillotine – was geschah eigentlich mit den gezeigten Kindern, Maximilien de Robespierre hatte also einen Suizidversuch hinter sich und da wäre noch der Streit zwischen Jakobiner und Royalisten. Es gibt Feldzüge wie in Ägypten samt ablehender Mumie, einen Russlandfeldzug, die gescheiterte Bündnispolitik mit dem Kaiser von Österreich und dem Zar von Russland, Wiener Kongress und der Beginn der Restauration, Waterloo und Verbannung. Der Code Napoleon kommt dabei gar nicht vor, während wir das Gewimmer zwischen Napoleon und Josefine mehrmals ertragen müssen.

Interessant ist, dass kein Hollywood-Studio sich an die Produktion gewagt hat, stattdessen ist der Streamingdienst Apple eingesprungen und hat das Geld auf den Tisch gelegt. Hollywood verändert sich rapide.

Ridley Scotts Napoleon hat für mich das Problem, dass er sich mit dem Napoleon von Stanley Kubrick messen lassen muss, der nie gedreht wurde. Dessen Material ging in Barry Lyndon ein, der zeigt wie die Erzählstruktur eines Historienfilms auszusehen hat. Hier hätte Altmeister Scott nochmals bei Regiegott Kubrick spicken sollen, bevor er sich an die Regie von Napoleon gemacht hat, denn seinem Napoleon fehlt viel in der Struktur, was Barry Lyndon zu einem Meisterwerk gemacht hat.

Vielleicht ist das Urteil hart, denn eigentlich ist Napoleon großes Kino und es wird hoffentlich sein Publikum finden, denn solche Produktionen braucht das Kino. Ich warte auf die Langfassung.

Hellraiser – Das Tor zur Hölle – Rückblick auf meine Matinee

16. November 2023

„Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ ein einzigartiges und tiefgründiges Horrorerlebnis, das sich von der Masse abhebt. Ich durfte Anfang November eine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck über diesen Film halten. Ich freue mich, dass wir inzwischen eine schöne Community sind, die über diese spezielle Art von Filmen sprechen.

Mit seiner düsteren Ästhetik, den komplexen Charakteren und der intensiven Auseinandersetzung mit menschlichen Abgründen bleibt der Hellraiser ein wichtiger Beitrag zum Genre des psychologischen Horrors. Persönlich finde ich die meisten Fortsetzungen des Films für die Tonne, doch Hellraiser Schaf mit Pinhead einen neuen Horrorcharakter.

Dieser 1987 von Clive Barker geschaffene Film ist weit mehr als nur eine herkömmliche Horrorgeschichte. Es ist ein Werk, das sich intensiv mit den dunklen Abgründen der menschlichen Psyche, der Lust und des Schmerzes auseinandersetzt, und dabei auf subtile Weise die Grenzen zwischen Lust und Leiden verwischt.

Bei meiner nächsten phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 10. Dezember um 10:45 gehen wir in den 70er Jahren und zeigen den Hexenfilm Suspiria. Suspiria (lat. Seufzer) ist ein italienischer Horrorfilm mit surrealistischen Elementen von Dario Argento aus dem Jahre 1977. Die Musik stammt von Goblin. Karten gibt es online zu kaufen.