Archive for the ‘Musik’ Category

Deutsches Museum: Die Wundermaschine für Musiker – das Synclavier 9600

25. Dezember 2023

Frank Zappa nannte das Ding ehrfurchtsvoll „The Maschine“ – gemeint ist das Synclavier 9600. Auf dieser Wundermaschine aus den Jahren 1989 bis 1993 entstanden zahlreiche Werke der Musikgeschichte.

Hersteller dieses rund 100.000 Mark teuren Instrumentes war New England Digital Corporation. Im Deutschen Museum München steht in der Instrumentenabteilung so ein gut erhaltenen Instrument, dessen Vorbesitzer das Bayerische Staatsschauspiel war. Viele meiner musikalischen Helden mit großem Geldbeutel nutzten oder nutzen diese Höllenmaschine: Kraftwerk, Jean-Michel Jarre, Tony Banks oder Laurie Anderson. Im Moment höre ich gerade Neil Youngs bahnbrechendes Album Trans, das 1982 absolut wegweisend war und damals von Kritikern und Fans verrissen wurde. Er nutzte eine frühere Version des Synclavier inklusive Vocoder.

Das Synclavier 9600 war ein damaliges Highend-Produktionswerkzeug. Es erlaubte die Synthese von Klängen, Sampling und komplexe digitale Bearbeitung. Als hochmoderner Synthesizer und Sampler verfügt es über mehrere Arten der Klangerzeugung. Zugleich ist er ein 16spuriges, bandloses Aufnahmestudio und kann Musik in Noten darstellen. Nur einen Teil dieses Wunderwerkes habe ich zu Hause, es handelt sich um einen Mac IIfx. Er steuerte die das raumübergreifende System mit einem Velocity/Pressure Keyboard und einem Technikschrank mit Speichersystem, Wandlerkarten sowie die analogen und digitalen Anschlüsse.

Musiktipp zu Weihnachten: A Charlie Brown Christmas von Vince Guaraldi

24. Dezember 2023

Weihnachtsalbum gibt es gar viele. Meine Helden der Musik haben Weihnachtsplatten abgeliefert: Frank Sinatra, Elvis Presley, Bob Dylan, Johnny Cash, Phil Spector und viele mehr. Ich mag sie alle. Aber eine mag ich besonders gerne, nämlich A Charlie Brown Christmas von Vince Guaraldi.

Vince Guaraldi war ein US-amerikanischer Jazzpianist und Komponist, der am 17. Juli 1928 geboren wurde und am 6. Februar 1976 verstarb. Guaraldi ist am besten bekannt für seine Arbeit als Komponist des Soundtracks für die beliebten „Peanuts“-Fernseh- und Filmproduktionen des Cartoonisten Charles M. Schulz. Seine bekannteste Arbeit ist der Soundtrack für das „A Charlie Brown Christmas“-Spezial von 1965, das den Klassiker „Linus and Lucy“ enthält. Dieser Song wurde zu einem Markenzeichen der „Peanuts“-Cartoons. Guaraldi komponierte auch die Musik für viele andere „Peanuts“-Produktionen, darunter „A Boy Named Charlie Brown“ und „It’s the Great Pumpkin, Charlie Brown“. Über letzteren habe ich auch zu Halloween gebloggt.

Guaraldi begann seine musikalische Karriere in den 1950er Jahren und entwickelte sich zu einem renommierten Jazzpianisten. Neben seiner Arbeit für die „Peanuts“-Cartoons veröffentlichte er auch eine Reihe von eigenen Alben, darunter „Cast Your Fate to the Wind“, für das er 1963 einen Grammy Award erhielt.

Mein Lieblingsweihnachtsalbum ist also „A Charlie Brown Christmas“. Es ist zweifellos ein zeitloser Klassiker, der die Herzen vieler Menschen seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1965 erobert hat. Das Album, das von Vince Guaraldi Trio komponiert wurde, ist der Soundtrack zu dem gleichnamigen animierten Weihnachtsspecial, das von Charles M. Schulz erstellt wurde.

Die Musik von Vince Guaraldi ist charmant, einfühlsam und schafft eine warme, gemütliche Atmosphäre. Das Album enthält ikonische Stücke wie „Linus and Lucy“, das oft mit den „Peanuts“-Cartoons assoziiert wird, sowie zeitlose Weihnachtsklassiker wie „Christmas Time Is Here“ und „Hark, the Herald Angels Sing“. Guaraldis Jazz-Einflüsse verleihen der Musik eine einzigartige Note und machen sie sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ansprechend. Ich nerve meine Familie mit dem Album zu Weihnachten, weil es sich sehr oft am Plattenteller dreht.

Die sanften Klänge des Pianos, begleitet von Bass und Schlagzeug, erzeugen eine behagliche Stimmung, die perfekt zur festlichen Jahreszeit passt. Die Auswahl der Stücke spiegelt die Melancholie und gleichzeitig die Freude wider, die oft mit der Weihnachtszeit verbunden ist bzw sein sollte. „A Charlie Brown Christmas“ hat für mich die Fähigkeit, Emotionen zu wecken und eine nostalgische Wirkung zu entfalten, die es zu einem festen Bestandteil vieler Weihnachtsfeierlichkeiten macht.

Die Tatsache, dass dieses Album über die Jahre hinweg so beliebt geblieben ist, zeigt die zeitlose Qualität der Musik von Vince Guaraldi. Es hat nicht nur die Fähigkeit, Menschen in die festliche Stimmung zu versetzen, sondern es trägt auch dazu bei, den Geist von „A Charlie Brown Christmas“ zu bewahren, einem zeitlosen Stück Popkultur, das Generationen von Zuhörern Freude bereitet hat. Und was ist euer Lieblingsweihnachtsalbum?

Wagners Walküre in Füssen

15. Dezember 2023

An den geplanten Einsparungen bei den Bayreuther Festspielen gibt es harsche Kritik. Der Chor in Bayreuth soll kleiner werden. Es muss gespart werden. Es gibt Pläne, die Zahl der Chor-Mitglieder im kommenden Jahr um 40 Prozent von 134 auf 80 schrumpfen zu lassen. Das führt erwartungsgemäß zu Protest. Der alte Wagner hatte sich nie um Finanzen gekümmert und würde über die Einsparungen den Kopf schütteln. Der Ludwig hätte schon gezahlt.

Die Chor-Verkleinerung „wäre ein Armutszeugnis für dieses international renommierte Festival“, erklärte der Deutsche Musikrat. Die geplante Reduzierung dieses Ausnahmeklangkörpers um 40 Prozent wäre ein Armutszeugnis für dieses international renommierte Festival. Wagners Opern in Bayreuth künftig mit einem ausgedünnten Chorklang zu musizieren, wird dem besonderen Wesen seiner Musik in keiner Weise gerecht“, heißt es.

Ich habe Bayreuth seit Corona nicht mehr besucht, schlicht und einfach, weil es mir in der jetzigen wirtschaftlichen Situation nicht leisten kann/will. Das tut weh, weil ich die göttliche Musik von Wagner sehr gerne habe.

Um nicht ganz auf Wagner verzichten zu müssen, haben meine Frau und ich eine Aufführung der Walküre im Festspielhaus Füssen besucht. Naja, Füssen ist die Bayreuth und das Festspielhaus ist in erster Linie eine Bühne von Musicals. Und dennoch ist es ein besonderer Ort. Die Walküre kommt übrigens ohne Chor aus.

König Ludwig II. hat Gottfried Semper beauftragt für München ein Festspielhaus zu planen und zu errichten, um hier u.a. dem „bayerischen Volk“ Richard Wagners Werke präsentieren zu können. Dieser Plan wurde nie realisiert und so wurde in 2000 in Füssen direkt am Forggensee, gegenüber Ludwigs Märchenschloss Neuschwanstein das Festspielhaus Neuschwanstein nach Sempers Plänen für München errichtet.

Die „Die Walküre“ wurde unlängst zum zweiten Mal nach 2015 in Füssen aufgeführt. „Die Walküre – 2023“ – war eine neue Aufführung der Opera Sofia, die mit ihren bekanntesten Sängern des Landes im Juli 2023 ihre Premiere in Sofia hatte, und in Füssen von Lothar Zagrosek dirigiert wurde.

Aus den Regie-Notizen Nibelungen“ von Richard Wagner von Plamen Kartaloff: „Das Wichtigste in dieser neuen Produktion ist, unsere erste Erfahrung zu bereichern und zu entwickeln – mit einer noch tieferen Durchdringung des Stoffes, mit einer Reise in einer phantastischen Erzählung über Menschen und Ereignisse einer mythologischen Zeit im Kontext der Gegenwart und Zukunft, jedoch zu den Projektionen einer Welt, die sich im sich stets wiederholenden Kreislauf von Geburt – Leben – Tod befindet.“

Filmkritik: Callas – Paris 1958

11. Dezember 2023

Sie war, ist und wird ewig eine Göttin für mich bleiben: Maria Callas. Die Sopranistin feierte ihren 100. Geburtstag und aus diesem Grund wurde das Dezember Konzert von 1958 bild- und tontechnisch überarbeitet und auf die Kinoleinwand gebracht. In meinem Lieblingskino Scala genoss ich die Oper auf großer Leinwand in verwaschenen 4K-Bild aber mit bestem Sound zusammen mit meiner Frau.

Kurz zum Film von Tom Volf. Am 19. Dezember 1958 trat die Opern-Legende Maria Callas das erste Mal in Paris auf. Maria Callas war auf der Höhe ihrer Karriere. Sie hatte schon überall gesungen: an der Scala in Mailand, an der MET in New York, in Covent Garden in London – aber noch nie in Paris. Vor zahlreichen prominenten Gästen wie dem französischen Präsidenten, außerdem Jean Cocteau, Charlie Chaplin sowie Brigitte Bardot gab sie an der prachtvollen Pariser Opéra zahlreiche berühmte Nummern zum Besten. Gesungen hat sie ein Programm mit Arien und Szenen aus Vincenzo Bellinis „Norma“, Verdis „Il Trovatore“ und Rossinis „Il barbiere di Siviglia“. Der komplette zweite Akt bestand aus Giacomo Puccinis „Tosca“.

Die Callas ist eine wunderbare Erscheinung mit roten, langen Abendkleid mit kostbarem Schmuck. Das ist in dieser kolorierten Fassung schon sehr eindrucksvoll, mit ihren stark geschminkten Augen, blauem Lidschatten, roten Lippenstift. Ich kannte bisher nur die SW-Fassung, aber nun in Farbe ist es noch mehr ein Erlebnis. Regisseur Tom Volf hat 2021 in einem Keller in Athen Filmrollen entdeckt und dieses Material akribisch nachbearbeitet und vor allem koloriert. Das 4K hat dem Film nicht gut getan, dazu ist das optische Material zu schlecht, aber es ist eben die Callas in Farbe und das ist großartig.

Maria Callas, geboren am 2. Dezember 1923 in New York City und verstorben am 16. September 1977 in Paris, war zweifellos eine der größten Operndiven des 20. Jahrhunderts. Ihre außergewöhnliche Stimme, gepaart mit ihrer schauspielerischen Begabung und ihrem dramatischen Instinkt, machten sie zu einer unvergesslichen Persönlichkeit in der Welt der klassischen Musik.

Maria Callas‘ Stimme war von einer außergewöhnlichen Reichweite und Vielseitigkeit geprägt. Ihre Fähigkeit, zwischen lyrischen und dramatischen Rollen zu wechseln, war beeindruckend. Ihre Technik erlaubte es ihr, sowohl zarte Pianissimi als auch kraftvolle Fortissimi mit Leichtigkeit zu singen. Ihr Timbre war einzigartig und durchdringend, und sie konnte die emotionalen Nuancen einer Arie mit atemberaubender Präzision ausdrücken.

Was Callas besonders auszeichnete, war ihre Fähigkeit, nicht nur Töne zu produzieren, sondern auch Emotionen zu transportieren. Ihre Interpretationen waren durchdrungen von Leidenschaft, Dramatik und einer tiefen Verbindung zu den Charakteren, die sie darstellte. Sie durchlebte die Rollen auf der Bühne, was ihre Aufführungen zu einzigartigen und unvergesslichen Erlebnissen machte.Ich hätte gerne den Parsifal in Italienisch in einer brauchbaren Aufnahme. Bisher habe ich nur wirklich schlechte Aufnahmen von der Aufführung gefunden.
Callas war nicht nur eine herausragende Sängerin, sondern auch eine begnadete Schauspielerin. Sie brachte eine neue Dimension in die Welt der Oper, indem sie die visuelle und emotionale Komponente ihrer Aufführungen intensivierte. Ihr Bühnencharisma und ihre Ausstrahlung fesselten das Publikum und schufen eine tiefe Verbindung zwischen ihr und den Zuschauern.

Wer mit der Callas einsteigen möchte, dem empfehle ich die überarbeitete Version Callas Remastered

Musikkritik: The Complete Budokan 1978 von Bob Dylan

5. Dezember 2023

Irgendwie wurde man immer schief angesehen, wenn man unter Dylan-Fans gestand, dass man das Album At Budokan von 1978 gut fand und ja ich habe immer dazu gestanden: Mir hat die erste Japan-Tour von Bob Dylan im Land der aufgehenden Sonne gefallen – und so begrüße ich ausdrücklich die Veröffentlichung der kompletten Ausgabe The Complete Budokan 1978. Als Dylan-Fan habe ich mir gleich die fette Box gekauft und ein Unboxing gemacht.

Dylans allererste Konzerte in Japan, darunter acht Auftritte in der berühmten Nippon Budokan Hall in Tokio. Zwei der Budokan-Konzerte – der 28. Februar und der 1. März 1978 – wurden auf analogen 24-Kanal-Mehrspurbändern aufgezeichnet. 22 Auftritte aus diesen Konzerten waren auf „Bob Dylan At Budokan“ zu hören, einem 2LP-Set, das im April 1979 weltweit veröffentlicht wurde. The Complete Budokan 1978 ist das erste Mal, dass Dylans komplette Konzerte von seiner Welttournee 1978 offiziell erhältlich sind.

Die Musik auf dieser Tour wurde als Bob Dylan goes to Las Vegas bezeichnet. Chor und große Band. Die Songs waren komplett anders als bei der punkigen Rolling Thunder Tour, die Mitte der 70er durch die USA tourte. Weniger Punk, dafür mehr Melodie und der Meister singt hervorragend. Für mich repräsentiert die Aufnahmen Dylans künstlerische Evolution, da er sich hier von seinen folkigen und rockigen Wurzeln entfernt und sich in Richtung eines soundreichen, orchestralen Rocks bewegt. Die Live-Aufnahme aus dem Budokan in Tokio bietet eine einzigartige Perspektive auf Dylans Repertoire, da er einige seiner bekanntesten Songs in neu interpretierten Versionen präsentiert. Hardliner waren entsetzt und empfanden die abweichenden Arrangements als gewöhnungsbedürftig und das ist noch höflich ausgedrückt. Aber Dylan wäre nicht Dylan, wenn er nicht seinen Kopf durchsetzt. Für mich zeigen die Aufnahmen Dylans künstlerische Vielseitigkeit und die Bereitschaft, sich ständig neu zu erfinden. Der Kerl wird einfach nicht langweilig.
Die Begleitung durch ein großes Ensemble von Musikern, darunter Bläser und Hintergrundsängerinnen, verleiht dem Album eine theatralische Qualität. Die Energie, die von der Bühne strahlt, ist ansteckend, und man kann förmlich die Begeisterung des japanischen Publikums spüren. Songs wie „Like a Rolling Stone“ und „Blowin‘ in the Wind“ erhalten durch die reichen Arrangements eine neue Intensität, die sich von den Originalversionen deutlich abhebt.

Einige Puristen könnten argumentieren, dass diese experimentelle Phase nicht dem entspricht, was sie von Dylan erwarten, aber es ist wichtig, die künstlerische Freiheit zu würdigen, die Dylan hier ausübt. Das Album spiegelt den Geist der Zeit wider, in der Künstler nach neuen Wegen suchten, um ihre Musik zu präsentieren. Interessant ist ja dann auch, dass Dylan nach dieser Las Vegas-Phase in seine Prediger-Phase reinrutsche und die Konzerte zu wahren Gottesdiensten verwandelte.

The Complete Budokan 1978 ist sicherlich nicht das, was man von einem typischen Dylan-Album erwartet, aber es ist ein fesselndes Dokument einer kreativen Phase, in der der Künstler seinen Sound erforschte und die Grenzen seiner musikalischen Identität erweiterte. Es ist ein Zeugnis für Dylans künstlerische Reife und die Bereitschaft, sich ständig neu zu erfinden. Und ich schrieb es bereits: Mir gefällt die Sammlung sehr gut.

Persönlicher Nachruf auf Shane MacGowan

2. Dezember 2023

Ich habe kein irisches Getränk im Hause, dann nehm ich halt einen Schotten von Ardbeg und stoße auf den verstorbenen Shane MacGowan an. Der Trinker und Sänger oder Sänger und Trinker ist unlängst im Alter von 65 Jahren verstorben. Ich mochte seine Aufnahmen und verbinde mit den Liedern meine Liebe zur Insel.

Es war 1984 als ein Schulfreund die Schallplatte Red Roses for Me anschleppte. Ich war damals als braver Schujunge in einer selbstverordneten Punk-Phase und schwankte zwischen Clash, Ramones und Sex Pistols. Ich sollte unbedingt mal in die Pogues reinhören, bei denen Shane MacGowan als Sänger agierte. Die Musikrichtung sei Folkpunk, wurde mir erklärt.

Ich höre hinein und war sofort begeistert. Für mich stand fest: Es sind die Dublingers mit ein paar Drinks zuviel und provokanten Texten. Shane MacGowan war mit seinen schlechten Zähnen wahrlich keine Schönheit für ein Poster an der Wand meines Jugendzimmers, aber singen konnte der Typ. Ich nahm ihn sein Aufbegehren und seinen Protest sofort ab, aber die Pogues waren auch für mich eine Partyband, zu deren Musik ich die geistigen Getränke probierte, meist billiger Blend.
Man konnte schön mitgröhlen und das nächste Album Rum, Sodomy & the Lash war mein persönlicher Favorit. Hier stimmte für mich einfach alles, tolle Verbindung von Folk und Punk.

Später kaufte ich mir noch ein paar Pogues-Scheiben, natürlich auch das unvermeidliche Fairytale Of New York, das mir auf Christkindl- und Weihnachtsmärkten bis zur Besinnungslosigkeit eingehämmert wurde. If I Should Fall From Grace With God hieß das dritte Album der Truppe und danach hatte ich irgendwie keinen großen Bock mehr auf die Pogues.

Ich wollte mal die Band live sehen, aber dazu kam es nicht mehr. Shane MacGowan war mehr mit dem Alkohol als mit der Interpretation seiner Lieder beschäftigt. Organversagen hieß es am Schluss. Es tut mir leid um diesen talentierten Songwriter und Sänger seiner Lieder. Die Musikwelt verliert ein weiteres Original.

Konzertkritik: Martin Kohlstedt live in Augsburg

1. Dezember 2023

Vielleicht ist es wirklich so, dass die Umgebung die Atmosphäre eines Konzerts beeinflusst. Diesen Eindruck hatte ich als ich dem Auftritt von Martin Kohlstedt im traditionsreichen Parktheater Göggingen besuchte. Die hypnotische, zeitweise fast meditative Klangwelt Kohlstedts wirkte hervorragend in diesem nach einem Brand von 1972 wieder aufgebauten Pachtbau.

Auf der Bühne mit Flügel und Mini Moog sowie Sequenzer veranstalte der Thüringer Musikkünstler seine fast zweistündige Show aus Musik und Licht vor ausverkauftem Hause. Martin Kohlstedt beherrscht die hohe Kunst der Improvisation von analogen und digitaler Musik. Das Ganze kann komplett in die Hose gehen oder sich zu einem einmaligen Kunstgenuss entwickeln.

Über die meiste Zeit war es ein musikalischer Genuss, unterbrochen von kleinen Ansprachen des Künstlers, Er sprach zumeist über die Chancen und Risiken der Improvisation und hatte sein Publikum absolut im Griff. Ich habe die Schlussansprache und das finale Stück hier angefügt.

Ich kannte Martin Kohlstedt meist nur von Vinyl-Aufnahmen. Kennengelernt habe ich den Musiker in der Pandemie als ich auf der Suche nach neuen musikalischen Horizonten war. Ich kam von der Berliner Schule wie Klaus Schulze, Tangerine Dream oder Edgar Froese und wollte in Wogen aus Musik ertrinken. Die ersten Aufnahmen von Kohlstedt sind Klavierimprovisationen, dann kam mehr und mehr Elektronik dazu. Ich sah mir seine Albenvorstellungen als Live-Stream-Übertragungen im Netz an und wurde ein Fan des Musikers.

Nach Corona ging er auf große Tour und schloss eine kleine Reihe von Konzerten, die so genannten B-Tour an. Hier machte er auch in Bayern Station. Ich war schnell und kaufte Karten für das wunderschöne Kurhaus in Göggingen. Die Abstimmung von Musik und Licht wirkte in diesem historischen Raum besonders gut. Ob es in einem modernen Zweckbau oder einen klassischen Konzerthalle ebenso einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, kann ich nicht sagen. Die Wahl der Location war auf jeden Fall die richtige Wahl sowohl für Künstler und Publikum.

Nach der Show präsentierte sich Martin Kohlstedt als Künstler zum Anfassen. Er stand am Merch-Stand für kurze Gespräche mit Fans bereit. Auch ich holte mir Autogramme auf meine Vinyl-Alben und nutzte die Gelegenheit während der Abbauarbeiten zu einem kleinen improvisierten Interview. Vielen Dank dafür.

Träumen und genießen: Den letzten Song der Beatles Now and Then

3. November 2023

Um 14:57 Uhr war es am 2. November bei mir soweit. Da aktualisierte sich die Apple Musik Bibliothek und ich konnte den letzten Song der Beatles Now and Then hören.

Meine Frau und ich lauschten dem Gesang von John Lennon andächtig, schweigsam und nachdenklich. Was für ein emotionales Erlebnis eine neue Aufnahme der Fab Four zu hören und was für ein schönes Lied. Mich hat Now and Then berührt. Die Vinyl-Single in Blau wird heute im Laufe des Tages eintreffen und ich werde ein Unoxing-Video nachschieben. Hier die schwarze Ausgabe.

Die Geschichte von Now and Then haben wir in den vergangenen Tages immer wieder gehört: Lennon wurde 1980 von dem Fanatiker Chapman erschossen. 1979 nahm er im Dakota diesen Song auf eine einfach Audiocassette auf. Yoko Ono gab 1994/5 diese Audiocassette an Paul McCartney weiter mit der Gesangsaufnahme von Lennon samt Klavier. Das lange Zeit mythologisierte John-Lennon-Demo wurde erstmals im Februar 1995 von Paul, George und Ringo im Rahmen des Projekts The Beatles Anthology bearbeitet, blieb aber unvollendet, unter anderem wegen der unmöglichen technischen Herausforderungen bei der Arbeit mit der Stimme, die John in den 1970er Jahren auf Band aufgenommen hatte. Das Band hat einfach gebrummt.

Der Ort des Mordes an John Lennon.
Der Ort des Mordes an John Lennon.


Die Rest-Beatles wollten diese letzte Aufnahme fertigstellen, zur baren Münze umwandeln und somit veröffentlichen, doch Produzent und Techniker Jeff Lynne (ELO) scheiterte technisch an der Aufnahme. Die Technik der Zeit war einfach noch nicht so ausgereift. Das Ding brummte einfach zu stark. Es konnten nur die Songs Free as a Bird und Real Love von der gleichen Kassette gerettet und veröffentlicht werden. Now and Then war unmöglich zu produzieren – Stimme und Klavier waren zu stark miteinander verwoben – und das Brummen.

Erst als Regisseur Peter Jackson sich an die Rekonstruktion von Get Back machte, war es technisch möglich Lennons Stimme und sein Klavier und das Brummen zu trennen. Die Stimme von John Lennon wurde isoliert und war durch KI-Technik glasklar. Machine Learning analysierte den Gang und optimierte ihn. Ein bedeutender Beweis für die positive Arbeit von KI-Technologie. Die Rest-Beatles, nunmehr nur noch Paul und Ringo, entschlossen sich 2022/3 nun doch Now and Then zu veröffentlichen. George Harrison war ja 2001 an Krebs verstorben – der Gitarrenpart von Now and Then basiert aber auf seinem Gitarrenspiel. Es wurde nun Streicher hinzugefügt, die allerdings nicht wussten, dass es sich um eine Beatles-Aufnahme handelte. Paul schummelte hier und erklärte den Musikern, dass es sich um ein neues Stück von ihm handelte – also strengste Geheimhaltung.

Und so läuft bei mir Now and Then in Endlosschleife – zugegeben mit Tränen in den Augen. Nach zig Mal hören fiel mir am Ende eine Stimme aus. Etwa bei 4:04 Minute. Nur ein Wort am Ende des Songs, ich glaube es klingt nach Ringo. Ein Vermächtnis? Ein Fehler? Ein Hinweis? Und ich muss mal in den entsprechenden Beatles Foren nachlesen.

Ich sitze auf dem Sofa und träume. Natürlich wird Now and Then die Musik nicht mehr revolutionieren. Es ist keine bahnbrechende Aufnahme, aber verdammt noch mal, es sind die Beatles. Was für eine geniale Band waren die Beatles doch gewesen. Danke an Yoko Ono, dass sie das Tape weitergegeben hat. Der letzte Beatles-Song und ich war dabei.

Soundtracktipp: The Thing von Ennio Morricone

30. Oktober 2023

Auf CD hatte ich den Score schon seit einiger Zeit, aber auf Vinyl war er schwer zu finden. Ich meine den Score zum Carpenter Film Das Ding aus einer anderen Welt.

Der Soundtrack von John Carpenters Horrorfilm „The Thing“ aus dem Jahr 1982 wurde von dem italienischen Komponisten Ennio Morricone geschrieben. Das Werk ist ein guter Mix aus elektronischer Musik und orchestralen Elementen, der die Atmosphäre des Films perfekt einfängt.

Morricone verzichtet auf die für ihn typischen, melodischen Themen und konzentriert sich stattdessen auf eine minimalistische, unterschwellige Stimmungsmusik. Die Musik ist oft dissonant und unheimlich, was die Bedrohung durch das außerirdische Monster unterstreicht. Man muss den Score mehrmals hören, bis er wirklich ins Ohr geht. Er ist nicht so eingängig wie andere Morricone-Stücke. Ich habe die Neuauflage des Vinyl-Albums.

Einige der bekanntesten Stücke des Soundtracks sind „The Thing Arrives“, „The Thing Revealed“ und „The Thing Attacks“. Diese Stücke sind geprägt von bedrohlichen Klängen, die die Angst und Paranoia der Charaktere widerspiegeln.

Der Soundtrack wurde von Kritikern und Fans gleichermaßen gelobt. Er gilt als einer der besten Horrorfilm-Soundtracks aller Zeiten. Carpenter selbst war wohl nicht ganz so zufrieden und ergänzte ihn durch eigene Aufnahmen. Ich mag die Musik des Meisters Morricone.

75 Jahre Chris de Burgh – unterschiedlicher kann Geschmack nicht sein

15. Oktober 2023

Zu Chris de Burgh hab ich ein schwieriges Verhältnis. Er wird heute 75 Jahre und ich habe seine Musikerkarriere lange Zeit begleitet. Auf der einen Seite hab ich ihn wegen seiner frühen Alben verehrt, die ich noch immer gerne und intensiv höre. Auf der anderen Seite ist seine Karriere in Kitsch versunken und ich kann das Zeug seit den 80ern nicht hören.

Mein Scheideweg begann mit dem Erfolgsalbum Man on the Linie, das für meinen Geschmack zu viel beliebigen Pop enthielt. Dann ging es bergab. Lady in Red von 1986 und andere Songs hatten zwar einen unglaublichen kommerziellen Erfolg, aber der irische Sänger war bei mir von da ab unten durch. Das war nicht mehr meine Musik, die ich von Chris de Burgh hören wollte.

Ich mochte einen anderen Chris de Burgh. Seine Texte in der frühen Phase waren oft poetisch und einfühlsam, und seine Musik reichte von gefühlvollen Balladen bis hin zu mitreißenden Rocknummern. Er hat über 20 Studioalben veröffentlicht und unermüdlich getourt, um seine Musik einem weltweiten Publikum näherzubringen. Ich hab ihn allerdings nie live gesehen.

Sein Debüt 1974 Far Beyond These Castle Walls mag ich gerne, Dann folgte Spanish Train and Other Stories, was für mich noch immer sein bestes Album ist. Natürlich in der roten Fassung. Wenn Gott und der Teufel Poker um die Seele eines Zugführers und der Zuginsassen spielen, ist das einfach große Kunst. Ich kann jede Zeile mitsingen. Bei Patricia the Stripper summen meine Frau und ich wunderbar mit. Sie hat in der Schule damals Ärger bekommen, als sie den Song im Englisch-Unterrichht analysieren wollte. At the End of a Perfect Day (1977), Crusader (1979) und Eastern Wind (1980) waren für mich die beste Phase des Musikers. Das Cover von Eastern Wind zeichnete ich in der Schule in Pointilismus nach. Der Pointilismus, auch bekannt als Divisionismus oder Chromo-Luminarismus, ist eine Maltechnik, bei der Farben als viele kleine, punktförmige Farbtupfer auf die Leinwand aufgetragen werden, um eine lebhafte und leuchtende Wirkung zu erzielen.Songs wie In a Country Churchyard Dann ging es kommerziell bergauf, künstlerisch für mich aber bergab. Ich hab dann und wann noch Alben von ihn geschenkt bekommen, hielt aber bei all dem Kitsch nicht lange durch.

Und dennoch: Alles Gute zum Geburtstag lieber Chris de Burgh.