Natürlich ist die Ton- und Bildqualität von Konzerten aus den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht immer ideal und dennoch mag ich die Konzerte aus dieser Zeit. Sie haben oftmals mehr Power und Spielfreude als heutige cleane und durchgestylte Konzerte von Stars.

Vor 50 Jahren fand im April 1974 das 3 Tages-Festival California Jam auf der ehemaligen Rennstrecke Ontario Motor Speedway in Ontario, Kalifornien, USA, statt. Mit dabei zwei meiner Lieblingsbands ELP und Deep Purple. Leider existieren von Emerson, Lake & Palmer nur Videoausschnitte aus dem fulminanten Auftritt. Von Deep Purple ist das komplette Konzert mitgeschnitten worden. Es ist eine rauhe Perle und ein grandioser Auftritt der Mark III-Besetzung.
Ich hab das Konzert auf VHS und mir jetzt auf Bluray gekauft. Die Qualität ist besser, aber natürlich nicht mit heutigen Konzertaufnahmen vergleichbar. Die Originalaufnahmen sind US-Fernsehen, also NTSC (Never the Same Color)
Deep Purple war jung, voller Kraft und die Mark III-Besetzung wollte sich beweisen. Sie trat das erste Mal live vor großem Publikum auf. David Coverdale war der neue Sänger und Glenn (Graf Koks) Hughes der neue Bassist, nachdem sich die Mark II-Besetzung mit Ian Gillan und Roger Glover aufgelöst hat. Das Album Burn war vor kurzem auf dem Markt und es sollte unters Volk gebracht werden.
Das Konzert begann verspätet, weil Richtie – der schwarze Mann – Blackmore den Sonnenuntergang abwarten wollte, um sich besser in Szene zu setzen. Und dann wurde die Sau rausgelassen und mit Sau meine ich vor allem Blackmore. Die Band präsentierte unter einem künstlichen Regenbogen neue Stücke und zeigte sich improvisationsfreudig und voller Spiellaune. Große Monitore und Displays gab es nicht und wer weiter hinten stand, hat eigentlich nicht gesehen, aber wohl viel gehört. Es sollen 400000 Zuschauer dabei gewesen sein, um die beiden Headliner zu hören. Die Soundanlage galt als die lauteste dieser Zeit.
Und nachdem Herrn Blackmore die Regieanweisungen oder Bitten wohl zusehends auf den Geist gingen, riss bei ihm wohl der Faden und der Rest ist Legende. Blackmore stieß seinen Gitarrensteg in eine Fernsehkamera, zertrümmerte sein Instrument und machte den wilden Mann. Die Bühne brannte und die Show war perfekt.
Gitarrenzertrümmerer Pete Townshend von the WHO musste neidisch werden. So viel Feuer, so viel Agression auf der Bühne habe ich selten erlebt. Blackmore flippte aus, der Rest der Band spielte weiter.
Die Bluray hat einen neuen Schnitt, aber der alte Videoschnitt der VHS liegt auch als Bonus vor und als wirkliches Bonbon gibt es Super 8-Aufnahmen der Crew, verwackelt und unscharf, wie es eben so bei Super 8 möglich war. Aber der Fan bekommt einen kleinen Einblick hinter die Kulissen und sieht den wilden Mann Blackmore unscharf und von der Ferne seine Show machen.




































Der Tod von Françoise Hardy und Sterbehilfe
12. Juni 2024Ich hörte das erste Mal Françoise Hardy im Französischunterricht zu Schulzeiten, lange her. Wir beschäftigten uns mit französischen Chansons und analysierten Lieder von Edith Piaf, Charles Aznavour, Serge Gainsbourg, Juliette Gréco und auch Françoise Hardy. Leider war mein Französisch nie so gut, dass ich aus dem Stand die Texte übersetzen konnte, aber ich mochte die chanson francaise.
Die Chansonnière Françoise Hardy imponierte ich, weil sie jung und zurückhaltend war, charmant und faszinierend zugleich, ein bisschen verloren und sie sah auf ihren Schwarzweiß-Fotos immer toll aus. Ich hatte eine Audio-Cassette mit ihren Liedern, natürlich auch mit „Tous les garçons et les filles“ und „Comment te dire adieu“. Die Cassette habe ich nicht mehr, ich habe mir Zug und Zug CDs und Vinyl-Platten der Künstlerin gekauft und sie abends in Ruhe bei einem Glas Wein gehört.
Nun ist diese Sängerin gestorben und wenn ich mich nun mit ihrem Leben beschäftige, griff sie das Thema Sterbehilfe immer wieder auf. Sie war seit 2004 an unheilbarem Krebs erkrankt und meldete sich immer wieder zu diesem Thema zu Wort. „Jemanden, der unheilbar krank ist, unerträglich leiden zu lassen, bis er stirbt, ist unmenschlich,“ sagte sie der dpa. Ihr Sohn Thomas Dutronc postete die Todesmeldung „Maman est partie …“ (Mama ist weg) in Instagram.
Sterbehilfe in der Diskussion
Ihr Tod rückt das Thema Sterbehilfe wieder in die Diskussion. Je älter ich werde, desto mehr beschäftige ich mich mit diesem hoch umstrittenen und emotional aufgeladenen Thema, das ethische, rechtliche und medizinische Dimensionen umfasst. Ich habe keine Antworten auf die Frage, ob es richtig ist, auf diese Art sein Leben zu beenden.
Absichtliche Herbeiführung des Todes
Sterbehilfe bezieht sich auf die absichtliche Herbeiführung des Todes eines schwer leidenden Menschen durch eine andere Person, meist durch einen Arzt, auf ausdrücklichen Wunsch des Betroffenen. Diese Praxis wirft zahlreiche Fragen und Bedenken auf, die sorgfältig abgewogen werden müssen. Sie kommen durch den Tod der 80jährigen krebskranken Françoise Hardy wieder hoch.
Prinzip der Autonomie
Ein zentrales Argument für die aktive Sterbehilfe ist das Prinzip der Autonomie. Menschen sollten das Recht haben, über ihr eigenes Leben und dessen Ende zu entscheiden, insbesondere wenn sie an unheilbaren Krankheiten leiden und extremen Schmerz erfahren. Diese Perspektive betont die Selbstbestimmung und die Würde des Einzelnen. Unterstützer argumentieren, dass es unmenschlich sei, jemanden zu zwingen, unerträgliches Leid zu ertragen, wenn dieser Mensch entschieden hat, dass sein Leben nicht mehr lebenswert ist.
Barmherzigkeit
Ein weiteres Argument für die aktive Sterbehilfe ist die Barmherzigkeit. In vielen Fällen sind Patienten unheilbar krank und haben keine Aussicht auf Besserung. Die moderne Medizin kann zwar Schmerzen lindern, aber nicht alle Leiden vollständig beseitigen. Befürworter argumentieren, dass es ethisch geboten sein kann, jemanden von qualvollem Leiden zu erlösen, wenn dies sein ausdrücklicher Wunsch ist. Sie sehen die aktive Sterbehilfe als einen Akt des Mitgefühls und der Menschlichkeit.
Schützenswertes Leben
Auf der anderen Seite gibt es starke Argumente gegen die aktive Sterbehilfe. Eines davon ist die Heiligkeit des Lebens. Viele religiöse und ethische Traditionen lehnen jede Form von Tötung ab und sehen das Leben als etwas an, das grundsätzlich geschützt werden muss. Selbst in extremen Fällen wird argumentiert, dass das Leben einen unantastbaren Wert hat, und die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe könnte diese fundamentale Überzeugung untergraben.
Gefahr des Missbrauch
Ein weiteres bedeutendes Argument gegen die aktive Sterbehilfe ist die Gefahr des Missbrauchs und der sozialen Konsequenzen. Kritiker warnen, dass die Legalisierung einen Dammbruch darstellen könnte, der zu einer Ausweitung der Praxis führt, möglicherweise auch auf Menschen, die nicht eindeutig ihre Zustimmung gegeben haben. Es besteht die Sorge, dass ökonomische und soziale Druckmittel, wie Kosten für die Langzeitpflege, zu subtilen oder offenen Zwängen führen könnten. Zudem wird befürchtet, dass das Vertrauen in das Gesundheitssystem und in die Ärzteschaft beschädigt werden könnte, wenn Ärzte in die Rolle von „Todeshelfern“ gedrängt werden.
Leiden lindern
Darüber hinaus argumentieren viele Gegner, dass die palliative Pflege, die darauf abzielt, das Leiden zu lindern und die Lebensqualität von Schwerkranken zu verbessern, eine bessere Alternative zur aktiven Sterbehilfe darstellt. Fortschritte in der Schmerztherapie und der hospizlichen Versorgung können vielen Menschen helfen, ihre letzten Tage in Würde und relativem Komfort zu verbringen, ohne dass ihr Leben verkürzt wird.
Ich habe keine Antworten, aber durch den Tod der großen Françoise Hardy sind diese Gedanken wieder aktuell geworden.
Schlagwörter:Chanson, chanson francaise, Chansonnière, Charles Aznavour, Comment te dire adieu, Edith Piaf, Françoise Hardy, französische Sängerin, Juliette Gréco, Krebs, Lebensqualität, palliative Pflege, Schmerztherapie, Serge Gainsbourg, Sterbehilfe, Tous les garçons et les filles
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