Durchwachsen sind meine Reaktionen auf die Sammlung von Dylan-Songs zum 50. Geburtstag von Amnesty International. Ok, der Anlass ist eine gute Sache: ai macht einen guten Job und auch das Album des Meisters, interpretiert von bekannten und weniger bekannten Musikanten ist eine gute Sache. Die Box mit vier CDs heißt Chimes Of Freedom: The Songs Of Bob Dylan Honoring 50 Years Of Amnesty International.
Wir erinnern uns an den Ausspruch: Nobody sings Dylan like Dylan und der kam mir als Dylan-Purist beim Hören wieder in Erinnerung. 73 Songs wurden aufgenommen. Sagen wir es mal so: Es wäre besser, es wären einige weniger gewesen. Nicht dass die Songs schlecht sind, vielmehr sind manche Interpretationen schauerhaft. Ich gehöre damit nicht zu denjenigen, die glauben, dass Dylan zwar gute Songs geschrieben hat, aber die Schönheit nur durch die Interpretation anderer sichtbar wird. Es gibt natürlich geniale Versionen von Dylan-Songs wie Hendrixs All along the Watchtower. Auch das Konzert zum 30. Bühnengeburtstag die 30th Anniversary Concert Celebration von Dylan lieferte geniale Versionen ab – ich denke dabei an Neil Young, Eric Clapton, Stevie Wonder und andere. Aber diese CD-Box Chimes Of Freedom: The Songs Of Bob Dylan Honoring 50 Years Of Amnesty International ist nicht immer eine Bereicherung des musikalischen Bob Dylan-Universums. Warum in alles in der Welt versucht sich Miley Cyrus mit You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go? Bitte nicht und bitte auch nicht Johnny Cash featuring The Avett Brothers oder gar Sting? Leute, dass muss nicht sein.
Dennoch gibt es Ausnahmen: Carly Simon, Thea Gilmore, Kris Kristofferson und selbst Adele. Aber die Mischung machts und die versöhnt mich dann am Ende wieder.
Dieser Sampler wird die Welt nicht aus den Angeln heben, aber er macht in weiten Teilen Spaß. Am meisten Spaß habe ich aber, dass jetzt den Fans von Miley Cyrus der alte Mann näher gebracht wird. Und das freut mich.
Als Bob Dylan-Fan und angehender Comic-Interessierter kann ich die Veröffentlichung „Bob Dylan Revisited“ zu großen Teilen empfehlen. In diesem Comic des Carlsen Verlages werden 13 Songs die Meister illustriert und damit visuell interpretiert. Es war für mich ein interessantes Experiment, die 13 Songs auf einen iPod zu spielen und beim Lesen parallel abzuspielen. Das Experiment scheiterte.
Meine Interpretation und die Interpretation der Künstler gehen bei einigen Songs weit auseinander. Meine Bilder im Kopf passen nicht immer zu den Bilder in diesem Comic-Band. Für mich liegen manche zeichnerische Interpretationen zu nah auf der Hand, sie kleben zu sehr am Text und es fehlt der Blick über den Tellerrand. Bob Dylan Songs sind nicht nur einfache Geschichten, sondern auch Parabeln über das Leben. Es reichen manches Mal nur ein, zwei Zeilen des Meisters, um Bilder in meinen Kopf zu erzeugen, die weit über die zeichnerische Interpretation des vorliegenden Comic-Bandes hinausgehen.
Und ich tat mich schwer mit der Übersetzung. Was sicher ein Manko ist, die Songs wurden ins Deutsche übersetzt. Zwar ist der Übersetzer Gisbert Haefs und das bedeutet eine hervorragende Übersetzung, der auch das Standardwerk Lyrics übersetzt hat, dennoch gefällt es mir eigentlich nicht. Dylan entfaltet seine Wirkung im englischen Original – ich höre mir auch die Songs nicht in Übersetzung an.
Daher schneiden bei mir die Comic-Versionen mit reduzierten oder ohne Text wesentlich besser ab – Ausnahme ist Hurricane von Gradimir Smudja. Für mich die besten Geschichten des Comics sind daher Desolation Row von Dave McKean, Like a rolling Stone von Alfred und ganz fantastisch Blind Willie McTell von Flao.
Also, wir Dylan-Fans brauchen das Buch „Bob Dylan Revisited“ sowieso und der Rest der Ungläubigen, wird sowieso keinen Blick in einen Dylan-Comic verschwenden.
Im Moment höre ich die neue Musik von alten Männern: Leonard Cohen und Sir Paul McCartney. Beide haben in den vergangenen Wochen neue Aufnahmen veröffentlicht und beide bräuchten es aus Geldgründen eigentlich nicht mehr zu tun. Dennoch taten sie es und es ist gut so. Die Alben heißen bei Leonard Cohen „Old Ideas“ und bei Sir Paul „Kisses On The Bottom“.
Der Kandadier Cohen, mittlerweile 77 Jahre alt, birgt keinerlei musikalische Überraschungen mehr, aber viel Altersweisheit. Cohen macht das, was er schon immer hervorragend konnte: Er erzählt Geschichten, mal brummt er sie, mal summt er sie. Immer würdevoll, voller Humor und gefühlvoll – so kennen und lieben wir Cohen. Beim ersten Reinhören stellt der geneigte Hörer fest: Alle Erwartungen erfüllt – der Lala-Chor hält sich zurück, die Elektronik auch. Beim ersten Hören denkt man sich aber auch: Dieses Mal ist es ganz schön öde geworden. Aber wie immer bei Cohen kommt die Schönheit nach dem dritten, vierten Mal Hören hervor. Zwar schreibt man so keine Hitmusik, aber der bald 80-Jährige muss auch keine Hits abliefern. Seine Fans werden kaufen und genießen und ein paar neue Fans finden sicher Gefallen an der mystischen Stimme des Barden, die intensiv und voller Zärtlichkeit ins Ohr geht. Vieles hat mich persönlich berührt, einiges hat mich nachdenklich gemacht. Ein wunderbares Album, das ich alleine genießen kann. Leonard Cohen, das hast du prima gemacht.
Sehr viel skeptischer war ich da schon bei Sir Paul. Als Beatles-Fan muss ich gesehen, ich sah die Solo-Projekte der Fab Four bis auf George Harrison immer skeptisch. Lennon war mir zu viel aufgeblasene Politik, McCartney war mir zu viel aufgeblasener Weichspühler, Ringo Star hat Humor, aber eben nur begrenztes Talent – wobei Ringo der Glückspilz des Jahrtausends war. Aber „Kisses on the Bottom“ ist interessant. Paul spielt und interpretiert die Musik seiner Vätergeneration. Ja, Paul ist alt geworden und er ist reif geworden. Der britische Arbeiterjunge macht auf Jazz und er macht es gut. Ich hatte geglaubt, dass Paul McCartney bei seiner Vergangenheit ins Easy Listening abrutscht, aber er ist wohl durch Diana Krall und Band beim Jazz geblieben. Vom Pop-König ist nicht viel geblieben und den Thorn als Jazzer wird Paul nie erreichen, aber das Album macht Spaß und ich kann die Stimme von Paul genießen.
Neujahr bedeutet für mich auch immer Erinnerungen an Verstorbene. Private Verluste ebenso wie öffentliche Verluste. Öffentlich möchte ich an zwei Personen erinnern, die lange verstorben sind, aber in meiner musikalischen Welt immer in Erinnerung bleiben: Hank Williams und Townes Van Zandt. Beides waren starke Trinker, aber beides waren vor allem starke Ausnahmemusiker.
Country-Musik und auch modere Rockmusik wäre ohne Hank Williams nicht vorstellbar. Seine eingängigen Songs prägten die Musik. Kaum jemand, der sich ernsthaft für amerikanische Musik interessiert, der den Lovesick Blues nicht kennt, der nicht beim Long Gone Lonesome Blues mitlitt oder bei Weary Blues from Waitin den Blues fühlt. Bezeichnend ist sicher sein Titel I’ll Never Get Out of This World Alive – hier war der Song Programm. Hank Williams war einer der ersten Punks, der sich nicht an Konventionen hielt . Klar, er war hemmungsloser Alkoholiker und zudem Morphiumsüchtig, er wurde aus dem Mekka der Country-Musik, der Grand Ole Opry, wegen Suff ausgeschlossen, seine Ehe mit Miss Audrey scheiterte tragisch. Aber Hank machte weiter bis zur Nacht am 1. Januar 1963. Auf dem Weg zu einem Konzert wurde der 29jährige Tod in seinem Wagen aufgefunden. Herzinfarkt war die offizielle Todesursache. Als nächstes kaufe ich mir wohl diese neugefundenen Aufnahmen von Hiram „Hank“ King Williams: The Unreleased Recordings
Für mich kam in der verlogenen Countrymusik lange nichts mehr. Erst Johnny Cash war wieder einer der ganzen Großen in diesem Business.
Townes Van Zandt war eher ein Insidertipp. Der depressive und alkoholkranke Musiker schrieb hervorragende Lieder, die anderen versilberten. Van Zandt steht in der typischen Singer-Songwriter-Tradition. Dabei orientierte er sich klar an seinen Vorbildern Hank Williams und den frühen Dylan. Wobei sich Dylan immer wieder revanchierte und den Van Zandt-Song Pancho & Lefty live darbot. Townes Van Zandt war authenisch, seine Aufnahmen waren ehrlich, wobei er wohl privat ein schwieriger Mensch gewesen sein muss. Sein Ausspruch: „There are only two kinds of music: There’s the blues, and there’s Zip-A-Dee-Doo-Dah“ beschreibt ihn eigentlich ganz gut und dem gilt es nichts mehr hinzuzufügen. Der Musiker starb mit 52 Jahren im Jahr 1997. Mein Anspieltipp ist das großartige: Live at the Old Quarter,Houston
Eine Supergroup meiner Jugend wird wohl nicht mehr zusammen auftreten: Emerson, Lake & Palmer (ELP) haben sich wohl endgültig getrennt – und wenn ich ehrlich bin: Gut so, denn die Luft war irgendwie raus.
ELP waren für mich beim ersten Hören eine Offenbarung. Ich lauschte sie zum ersten Mal im Musikunterricht an der Schule. Unser progressiver Musiklehrer brachte uns Programmmusik näher und da hörte ich erstmals die Bilder einer Ausstellung von Mussorgski in der Interpretation von ELP: Pictures at an Exhibition. Da war es um mich geschehen. Der Sound haute mich vom Hocker. Eine Engelsstimme von Greg Lake, Powerdrums von Carl Palmer und die Keyboard-Orgien von Keith Emerson. Ich kaufte die Schallplatten des Trios. Ich lernte sogar Gitarre und versuchte mich an den Läufen von The Sage von Greg Lake.
Für mich waren die besten Scheiben Tarkus, Brain Salad Surgery und das 3er Live-Album Welcome Back My Friends to the Show That Never End. Von Brain kaufte ich mir sogar einen Original Giger. Die anderen ELP-Alben waren ok, aber nicht unbedingt richtungsweisend. Interessant waren die zahlreichen Bootlegs der Band. Die Zeit des Art-Rocks brachte hervorragendes Material von Genesis, Yes und von Pink Floyd.
Im neuen Jahrtausend war es ruhiger um ELP geworden. Ich wollte eigentlich zum Londoner High Voltage Rock Festival 2010 fliegen, als ELP seinen Auftritt zum 40. Bandjubiläum hatte. Aber irgendwie schaffte es nicht. Ich kaufte mir später die Aufnahme über Kanäle aus London und war schlichtweg enttäuscht. Engelchen Lake kann nicht mehr singen, Palmer ist müde (lag auch an einem Auftritt, den er mit Asia davor hatte) und nur noch Emerson hatte noch ein paar Glanzpunkte. In Youtube kursieren Videos von dem Auftritt und ich entdeckte auch eine Blu ray mit dem 40th Anniversary Reunion Concert.
Vorsicht: Es ist wirklich nur was für Hardcore-Fans. Wer ELP nicht kennt, schaut euch die Sache nicht an. Es gibt geile Aufnahmen bei YouTube, aber das ist nur noch was für alte Männer wie mich, die sehsüchtig an alte Zeiten zurückdenken.
Als sich Ludwig Hirsch in den Tod stürzte, verlor die Welt einen hervorragenden Musiker, Liedermacher und Künstler. Ich hoffe, er hat nicht gelitten und dass es schnell ging. Ludwig Hirsch hat sein ganzes Leben lang gelitten, wenn ich mir seinen musikalischen Nachlass Revue passieren lasse. Schwarzer Humor, Düsterkeit, die dunkle Seite der Menschen und depressive Provokation.
Lange bevor die toten Hosen oder Ärzte lautstark auf Provokation machten, hatte Ludwig Hirsch den Platz des leisen Provokateurs in der deutschen Musikszene erobert. Mit feiner Stimme, hervorragender Instrumentierung und zum Teil bitterbösen Textnuancen eroberte der Österreicher sich die Gemüter seiner Fans. Als sein Landsmann Falco mit Jeanny in der Kritik stand, konnte Ludwig Hirsch nur grinsen: Sein „Herr Haslinger“ behandelte schon Jahre zuvor Pädophilie und Scheinheiligkeit, aber eben auf seine charmante, depressive Art.
Das erste Mal kam ich mit Ludwig Hirsch in meiner Schulzeit in Kontakt. Mein Klassenkamerad Robert brachte mir eine Schallplatte seinen großen Bruders mit, die ich mir unbedingt anhören müsse. Es waren die Dunkelgraue Lieder und beim beiläufigen Hören auf meiner Universum-Kompaktanlage der Quelle gingen die Melodien sofort ins Ohr. Bei meinen Hausaufgaben konnte ich Mitwippen, doch als ich das erste Mal den Sinn der Texte erfasste, war es um mich geschehen. Mit einzelnen Zeilen traf mich Ludwig Hirsch mitten ins Herz. Ich hatte und habe zwar nie einen Hang zur Depression, aber ich bewunderte die Beobachtungsgabe von Ludwig Hirsch. Wie sehr konnte der Mann die Schrullen seiner Mitmenschen erfassen und zu Lieder eingängig formulieren. Das ist große Kunst und davor zog ich meinen Hut.
Ich kaufte mir als nächstes seine Schallplatte Komm, Grosser Schwarzer Vogel. Ich hoffe, dieser Vogel hat Ludwig Hirsch in die Lüfte getragen und ihn schnell von seinem Krebsleiden erlöst. Ich geb es zu, mir standen beim ersten Mal hören des Liedes die Tränen in die Augen. Und als ich Jahre später diesen Song auf einer Beerdigung hörte, konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Es traf mich tief und meine Gefühle überwältigten mich. Das ist große Kunst und davor zog ich meinen Hut.
Heute höre ich immer wieder gerne „Ich hab’s wollen wissen“. Die Zeilen von Ludwig Hirsch gelten weiter und mehr denn je:
Das neue Clapton-Album liegt vor und ist eine Wohltat. Der Stargitarrist ist wie ein Pendel, das zwischen seichten Popp und ehrlichen Blues hin und her schwingt. Mit dem neuen Album Play the Blues Live from Jazz at Lincoln Center sind wir wieder auf der Blues-Seite und das ist gut so.
Und damit gleich die Warnung: Wer den Pop-Clapton mag, muss vor so viel Old Fashion den Kopf schütteln. Der alte Erich hat mit Startrompter Wynton Marsalis eine schöne Live-Scheibe eingespielt: Jazz- und Blues-Standards sowie ein sehr eindringliches Layla, abseits der alten Opel-Werbung. Zwar ist Erich Clapton stimmlich nicht auf der Höhe, aber das hervorragende Zusammenspiel der Musikanten entschädigt dafür. Und der Brite Clapton steht zu seinen nicht vorhandenen amerikanischen Wurzeln. Daher steht dieses Album in der Tradition meiner Lieblings-Clapton-Alben Me and Mr.Johnson sowie From the Cradle. Vorbei scheinen auch die Zeiten von Clapton is God. Yardbirds und Cream waren einmal und auch Derek and the Dominos kommen nicht mehr. Der Blues hat Clapton derweil voll im Griff. Bei seiner Biografie aber nicht zu verdenken.
Das neue Album macht hörbar Spaß. Es beginnt mit der alten Jazz-Schnulze Ice Cream und endet mit dem Corrine, Corrina. Beim Hören wippt man unweigerlich mit, denkt an seine Zeit in New Orleans (ohne Kathrina). Schon für dieses Feeling muss man den Herren Clapton und Marsalis danken.
Es ist wohl so im Showgeschäft: Kaum stirbt ein Künstler, interessieren sich alle für das Werk und waren schon immer Fan. Unlängst ließ sich das beim Tod von Amy Winehouse feststellen. Die Dame hat Talent, war aber dem Suff verfallen und krank. Medien stürzten sich auf ihre Exzesse, wie abgebrochene Konzerte, Sauftouren usw. Mein Freund und Kollege Thomas Gerlach machte mich vor langer Zeit auf Winehouse aufmerksam, als in seinem Auto das Album „Back to Black“ lief. Ich tippe auf alte Motown-Aufnahmen. Natürlich falsch. Ich kaufte mir die Aufnahmen und hatte die Dame so dann und wann im Ohr. Ihren Tod bekam ich über Twitter mit. Und meine Kollegin Monika E. König analysierte in ihrem vorzüglichen Blog Lernspielwiese noch am Abend die Reaktionen auf den Tod von Winehouse. Ich kam übrigens auch vor.
Tags darauf gab es haufenweise Nachrufe. Einen sehr schönen bekam ich aus Berlin. Die Szene-Künstlerin Ursula Dietz schuft eine Auftragsarbeit für Monster Ronson’s Ichiban Karaoke an der Warschauer Straße 34 in Berlin-Friedrichshain. Ich finde diese Idee sehr gut und ich mag den Stil von Ursula Dietz und habe bereits ein älteres Bild von ihr gekauft. So eine Art von Nachruf finde ich gut. The Show must go on.
Nachruf auf Amy Winehouse von der Berliner Künstlerin Ursula Dietz.
Ich geb es ja zu: Ich mag Musik von den 50er Jahren bis zur Mitte der 70er Jahre. Mit dieser Musik wurde ich sozialisiert und ich höre die Rocker der damaligen Zeit immer noch gerne – und ich sehe sie gerne. Gute Aufnahmen von Konzerten gibt es leider sehr wenige: Ein großartiges Zeitdokument ist sicherlich „The last Walz“ von und mit The Band. Und da wäre noch das legendäre „The Concert for Bangladesh“, das 1971 von Beatle George Harrison organisiert wurde. Es ist traurig, wenn ich den Hunger in Somalia heute sehe, damals war es der Hunger in Bangladesh. Harrison hatte eingeladen und große Stars kamen: Allen voran Bob Dylan, als zorniger junger Mann in Jeansjacke. Es ist ein großartiger Auftritt. Kritiker schrieben damals: Es war als ob Jesus und Marx zusammen ein Konzert gaben. Ist natürlich Blödsinn, klingt aber gut.
Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich das Konzert kostenlos bei iTunes reinziehen. Zur Feier des 40. Jubiläums von „The Concert for Bangladesh“ zeigt Apple das Konzert in voller Länge. Es wird kostenlos bei iTunes gestreamt zwischen dem 30. Juli, 6 Uhr, und dem 2. August, 6 Uhr. Obwohl ich die DVD habe, schaue ich natürlich gerne rein. Künstler wie George Harrison, Ravi Shankar, Bob Dylan, Eric Clapton, Ringo Starr und viele andere gaben bei diesem legendären Wohltätigkeitskonzert ihre Songs zum Besten. Das dazugehörige Live-Album inklusive iTunes LP gibt es auch zum Kaufen – logo.
Heute jährt sich zum zweiten Mal der Todestag von Michael Jackson. Ich kann von mir nicht behaupten, ein Fan des selbsterkannten King of Pop gewesen zu sein und auch sein Tod hat nichts daran geändert. Mir gefällt seine Musik einfach nicht, aber egal.
Bewunderswert ist allerdings, wie einst Jackson und heute seine Erben den Musiker zu Geld machen. Aber so ist das Showbusiness und keine reine Eigenart von Michael Jackson. Ich finde den Streit, der seit Jahren wegen in Jackson in München tobt, allerdings viel interessanter. Vor dem Hotel Bayerischer Hof am Promenadeplatz steht ein Denkmal Orlando di Lasso. Fans von Jackson verwandelten das Denkmal kurzerhand in ein Mahnmal zu Ehren ihres Helden um. Sie schmücken es mit Bildern, zahlreiche Fans legen Briefe ab und immer wieder werden Kerzen angezündet. Die Verehrung des Stars kennt keine Grenzen. Es erinnert mich an das Grab von Jim Morrison in Paris, zu dem Fans der Doors hinpilgern. So eine Pilgerstätte könnte das Denkmal von Jackson Verzeihung di Lasso auch werden, in abgespeckter Version versteht sich.
Das Ganze ist voller Ironie. Irgendwie nett, schließlich war Orlando di Lasso einer der bedeutendsten Komponisten der Hochrenaissance. Jackson war zumindest einer der bedeutendsten Entertainer und Musikstars des 20. Jahrhunderts. Ich denke, die meisten Jackson-Fans sind sich dieser Ironie über die Ortswahl gar nicht bewusst. Für sie ist der Promenadeplatz wohl nur der Ort, bei dem Jackson sein Kind aus dem Fenster des Bayerischen Hofes gehalten hat als er in München auf Tour war. Über den Geisteszustand des Musikers will ich mich als Vater hier nicht auslassen. Aber die Fans schrien nach Jacko, er möge sich am Fenster zeigen.Das tat der Herr dann auch und hielt unter anderem sein Kind über die Brüstung. Da ist der Promenadeplatz sicherlich der richtige Ort für ein Jackson-Denkmal in München.
Ich wäre für ein Jackson-Denkmal in München. Und ich denke, Orlando di Lasso würde auch nicht böse sein. Das Ganze bringt ein wenig Leben in die Stadt.