Jahrelang wurde ich am 11. Februar von Schulen oder Bildungseinrichtungen für den Safer Internet Day gebucht. Das ist dieses Jahr (im Moment noch) nicht der Fall, aber dennoch ist das Thema enorm wichtig. Für mich steht fest: Nie war der Safer Internet Day wichtiger als jetzt – und nicht nur für Kinder und Jugendliche.
Manipulative Deepfakes und extreme Hassbotschaften fluten die sozialen Netzwerke, in denen Kinder und Jugendliche täglich viele Stunden verbringen. Immer mehr falsche und gefälschte, populistische und extremistische Inhalte finden sich auf allen Internet-Kanälen, vor allem in Social Media Feeds. Das stellt besonders Kinder und Jugendliche vor große Herausforderungen, Informationen und News souverän zu bewerten und kritisch einzuordnen. Junge Menschen sind rund dreieinhalb Stunden täglich online und informieren sich in sozialen Medien über das aktuelle Weltgeschehen, das bestätigt die JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) 2024. 61 Prozent der befragten Jugendlichen wurden online bereits mit Fake News, 54 Prozent mit extremen politischen Ansichten und 43 Prozent mit Verschwörungserzählungen konfrontiert (JIM-Studie 2024).
Der Safer Internet Day lebt von seinen vielfältigen Veranstaltungen und Aktionen. Spontan stehe ich für eine Buchung bereit. Dabei ist das Thema nicht nur ein Thema für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Corona hat gezeigt, wie Verschwörungslügen auf fruchtbaren Boden fallen kann, wie anfällig Mitbürger für russische hybride Kriegsführung sind, im Moment läuft eine Desinformationskampagne zur laufenden Bundestagswahl, KI bringt das Thema Lügen in sozialen Medien auf ein neues Niveau. Ich habe in den vergangenen Wochen mehrere Vorträge zu KI und Fakes gemacht und festgestellt: Die Menschen wissen nicht, wie weit die Technik ist. Ziel der Hater ist es diese Demokratie zu zerstören und Hass und Spaltung in die bundesdeutsche Gesellschaft zu tragen. Und dagegen hilf Bewusstseinswerdung und Aufklärung, auch in Zeiten knapper Kassen. Also wieder bin ich bei meinen Thema Medienkompetenz.
Ich geb es ja zu, ich habe Peter Zemann ziemlich genervt und möchte mich für meine Penetranz in den vergangenen Jahren entschuldigen. Ich war immer auf der Suche nach Ausgaben meiner Lieblingscomic-Reihe Die Gruft des Grafen Dracula und Peter Zemann war als Betreiber der Comic Company mein erster Anlaufpunkt in München, wenn es um Comics ging. Das hat nun ein Ende. Die Comic Company im Münchner Glockenbachviertel hat seit Ende Januar 2025 geschlossen. Peter Zemann hat nach 36 Jahren sein Geschäft aufgegeben.
Ich habe seinen Laden über die Jahre gerne besucht und bin auch Ende Januar nochmal da gewesen, um mich zu verabschieden. Als Erinnerung habe ich noch ein Mad-Heft mit meiner Lieblings-TV-Serie Lou Grant mitgenommen. Es war mir wichtig, dass ich nochmals aufschlage. Ich wollte mich persönlich verabschieden und Dankeschön für all die zurückliegenden Jahre sagen.
Das Haus in der Fraunhoferstr. 21, in dem sich die Comic Company befindet, wurde verkauft, aber Zemann habe vom neuen Besitzer keine Kündigung erhalten. Er habe immer wieder nach ernsthaften Interessenten gesucht, die den Laden weiterführen wollten. Vergeblich, denn viele der möglichen Interessenten seien wohl naiv gewesen, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen. Ein Geschäft zu führen ist ein Business, auch wenn es sich um so schöne Sachen wir Comics handelt. Also blieb nur noch der Schlussverkauf mit satten Rabatten und das Schließen des Ladens.
Schon als Kind habe ich gerne Comics gelesen. Superhelden, Yps, die Maus und meine Eltern haben keinen Aufstand gemacht. Meine Kinder lesen eher Manga, schauen aber hin und wieder in klassische Comics rein. Während ich so durch die Comic Company schlendere und mir die Auslagen anschaue, gehe ich auch auf eine Reise durch die Geschichte der Comics in Deutschland.
Die Anfänge der Comics Die Ursprünge des Comics in Deutschland reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits in satirischen Zeitschriften wie dem „Fliegenden Blätter“ (gegründet 1844) oder dem „Simplicissimus“ (gegründet 1896) erschienen Bildgeschichten mit humoristischen oder politischen Inhalten. Diese frühen Formen von Comics waren oft Karikaturen oder Bildergeschichten mit begleitendem Text unter den Bildern.
Ein entscheidender Meilenstein war Wilhelm Busch, dessen „Max und Moritz“ (1865) als eine der ersten sequentiellen Bildergeschichten gilt und einen bedeutenden Einfluss auf spätere Comicentwicklungen weltweit hatte. Buschs Werk prägte das Erzählen mit Bildfolgen und inspirierte spätere Generationen von Comic-Künstlern. Ich denke, in meiner Generation hat jeder noch die beiden Lausbuben gelesen und ich hab Max und Moritz auch meinen Kindern näher gebracht. Wir haben eine schöne Ausgabe von Wilhelm Busch zu Hause stehen.
Die Entwicklung des Comics im 20. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg blieben Comics in Deutschland zunächst vor allem auf satirische und humoristische Inhalte beschränkt. Erst in den 1930er Jahren wurden Comics als eigenständiges Medium populärer. Eine der ersten erfolgreichen deutschen Comic-Serien war „Strizz“ von Erich Ohser (unter dem Pseudonym e.o. plauen), der in den 1930er Jahren mit „Vater und Sohn“ humorvolle und oft rührende Kurzgeschichten in Bildform schuf.
Während der NS-Zeit gerieten Comics in Deutschland unter Druck, da sie als „undeutsch“ galten. In dieser Zeit wurden amerikanische Comics weitgehend verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch die US-amerikanische Besatzung zahlreiche amerikanische Comics nach Deutschland, darunter „Superman“, „Mickey Mouse“ und „Donald Duck“. Besonders die Übersetzung der Disney-Comics durch den Egmont Ehapa Verlag ab den 1950er Jahren trug zur Popularität bei. Über den Egmont Ehapa Verlag habe ich immer wieder geschrieben, vor allem wenn es um die Maus und Entenhausen ging. Gleichzeitig gab es deutsche Versuche, eigene Comic-Traditionen zu etablieren. Rolf Kaukas „Fix und Foxi“ (1953) war der erste große Erfolg eines deutschen Comics, der sich über Jahrzehnte großer Beliebtheit erfreute. Auch „Lupo modern“ und später „Yps“ mit seinen berühmten Gimmicks prägten Generationen von Lesern. Ich bin durch die Höhen und Tiefen von Yps gegangen. Auch bei der Wiederauflage und der Neuausrichtung war ich mit dabei.
Comics in der DDR und in der Bundesrepublik Während Comics in Westdeutschland durch Disney, Asterix und Marvel-Importe florierten, hatte die DDR ihre eigene, sozialistisch geprägte Comic-Kultur. „Mosaik“ von Hannes Hegen, später mit den Digedags und ab 1975 mit den Abrafaxen, war das bekannteste Comic-Magazin der DDR und erfreute sich großer Beliebtheit. Die Verwandtschaft aus dem Ostern versorgte mich zu DDR-Zeiten mit Lesestoff, obwohl mir die Sachen eigentlich zu sozialistisch waren, gelesen hab ich sie trotzdem.
In Westdeutschland entwickelten sich in den 1970er und 1980er Jahren zunehmend erwachsenere Comics. Zeichner wie Walter Moers („Das kleine Arschloch“, „Adolf“) oder Brösel („Werner“) fanden mit ihren Werken ein breites Publikum. Die 1980er Jahre sahen zudem eine Blütezeit des frankobelgischen Comics in Deutschland, mit Serien wie „Spirou und Fantasio“ oder „Lucky Luke“.
Der moderne deutsche Comic Seit den 1990er Jahren erlebt der deutsche Comic eine neue Renaissance. Verlage wie Carlsen und Reprodukt förderten anspruchsvolle Werke, darunter Graphic Novels mit tiefgehenden Erzählungen. Autoren wie Flix, Reinhard Kleist oder Mawil haben das Medium auf ein neues Niveau gehoben. Besonders Graphic Novels wie Kleists „Der Boxer“ oder „Nick Cave – Mercy on Me“ zeigen, dass Comics mehr sind als nur Unterhaltungsliteratur.
Die Comic-Kultur ist mittlerweile fester Bestandteil der deutschen Kulturlandschaft. Jährlich finden Comic-Messen wie die Leipziger Buchmesse oder der Comic-Salon Erlangen statt, die zeigen, dass Comics längst nicht mehr nur für Kinder sind. Gerade Erlangen kann ich jedem Comic-Fan näher bringen.
Würdigung des Mediums Comic Comics sind eine einzigartige Kunstform, die Bild und Text auf eine Weise verbindet, die kein anderes Medium in dieser Form kann. Sie ermöglichen es, Geschichten auf visuelle und emotionale Weise zu erzählen, sodass sie oft mehr sagen können als reine Prosa.
Comics sind dabei nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Sie greifen politische und soziale Themen auf, kommentieren das Zeitgeschehen und können sogar als Bildungsmedium dienen. Graphic Novels wie „Maus“ von Art Spiegelman oder „Persepolis“ von Marjane Satrapi haben gezeigt, dass Comics historische und persönliche Schicksale tiefgründig darstellen können.
In Deutschland hat sich die Wertschätzung für Comics in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewandelt. Sie sind längst nicht mehr nur „Kinderkram“, sondern ein ernstzunehmendes Medium, das sich zwischen Literatur, Kunst und Film bewegt. Die Vielfalt der Comics reicht von humorvollen Strips über actionreiche Superhelden-Abenteuer bis hin zu tiefgehenden, autobiografischen Erzählungen.
Die Zukunft des Comics in Deutschland ist vielversprechend. Die Zukunft von Comic-Läden allerdings eher nicht. Mit der Digitalisierung entstehen neue Möglichkeiten für interaktive und animierte Comics, während Webcomics eine neue Generation von Künstlern hervorbringen. Egal ob als traditionelle Printausgabe oder als digitales Erlebnis – Comics haben ihren festen Platz in der deutschen Kultur und werden weiterhin Leser aller Altersgruppen begeistern. Nur leider werden sie nicht mehr von der Comic Company in München vertrieben.
Er war einer der wirklichen guten Influencer. Eigentlich war er Buchhändler, aber sein Antiquariat in Köln stand vor der Pleite. Dann nahm ihn die Lektorin Daria Razumovych an die Hand und gemeinsam entwickelten sie einen Videoblog über Literatur. Gescheite Gedanken über gescheite Themen.
Große und kleine Autoren, große und kleine Geschichten – immer war die Liebe zum Buch spürbar. Ich hatte hin und wieder über Instagram mit ihm Kontakt, diskutierte mit ihm über eBooks und wartete auf seine Buchveröffentlichung Einfach Literatur: Eine Einladung am 25. Juni 2025. Ich wollte nach Köln fahren und es mir signieren lassen. Dazu kommt es nun nicht mehr. Eine große Inspiration ist von uns gegangen.
Im Moment arbeite ich an einer Seminarserie „Die Macht der Bilder – Politische Fotografien und ihre Fotografen“. Ich beginne mit Lee Miller, gefolgt von Robert Capa und weiteren. Wer eine Einladung zu den Seminaren braucht, bitte hier in meinem Newsletter. Die erste Veranstaltung ist am 27. Januar.
Politische Fotografien haben die Kraft, unsere Wahrnehmung der Welt zu formen, oft mehr als Worte es je könnten. Durch die Linse von Fotografen wurden Momente eingefangen, die nicht nur dokumentieren, sondern aufwühlen, zum Nachdenken anregen und ein tiefes Mitgefühl wecken. Diese Bilder sind Zeugnisse von Kriegen, Protesten, sozialer Ungerechtigkeit und Menschlichkeit in Extremsituationen – Momente, die sich in das kollektive Gedächtnis brennen. In einer Welt der Schnelllebigkeit bleiben politische Fotografien ein kraftvoller Appell für das Bewusstsein und die Erinnerung. Doch woher kommt diese Art der Fotografie?
dpa-Fotograf Anas Alkharboutli (32) in Syrien getötet / Weiterer Text über ots und http://www.presseportal.de/nr/8218 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
Und die Fotografie fordert Opfer. Vor kurzem wurde der dpa-Fotograf in Syrien getötet. Fotograf Anas Alkharboutli dokumentierte den Bürgerkrieg in Syrien in einer einzigartigen Bildsprache. Er wurde durch den Angriff eines Kampfflugzeugs in der Nähe der syrischen Stadt Hama getötet. Anas wurde nur 32 Jahre alt. Anas Alkharboutli kam 2017 als Fotograf zur dpa im Nahen Osten. Vor allem berichtete er aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet. Gerade in den vergangenen Monaten waren seine Fotos weltweit zu sehen, denn Anas berichtete über den wieder intensiv aufgeflammten Bürgerkrieg und den Vorstoß der Rebellenallianz Haiat Tahrir al-Scham (HTS).
Von den Anfängen bis zur Gegenwart Die Pressefotografie ist ein wesentlicher Bestandteil des modernen Journalismus und hat sich seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert zu einem unverzichtbaren Instrument der Berichterstattung entwickelt. Die Entwicklung der Pressefotografie ist eng mit der technischen Evolution der Fotografie selbst verbunden, aber auch mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die das Bedürfnis nach visueller Dokumentation und Vermittlung von Nachrichten verstärkt haben.
Die frühen Anfänge: Daguerreotypie und erste Bildberichte Die Geschichte der Pressefotografie beginnt in den 1830er Jahren mit der Erfindung der Daguerreotypie durch Louis Daguerre. Diese Technik ermöglichte es erstmals, Bilder dauerhaft festzuhalten, und fand schnell Anwendung in der Porträtfotografie. Die ersten Versuche, Fotografie im journalistischen Kontext zu nutzen, waren jedoch stark limitiert durch die langen Belichtungszeiten und die Schwierigkeit, diese Bilder zu vervielfältigen. In München wurde dieses Jahr das älteste Foto gefunden und der Öffentlichkeit präsentiert, es zeigt die Frauenkirche. Eine Münchner Wissenschaftlerin hat ein Lichtbild aus dem Jahr 1837 entdeckt. Zwei Jahre, bevor Louis Daguerre seine Erfindung öffentlich machte. Vier mal vier Zentimeter groß und ziemlich blass sieht die Aufnahme von der Münchner Frauenkirche mit ihren Zwiebeltürmen aus – und dennoch belegt sie, dass das Zeitalter der Fotografie in Deutschland zwei Jahre früher als bisher angenommen begonnen hat. Das folgende Foto ist ein Repro: Deutsches Museum
Ein bedeutender Schritt in Richtung moderner Pressefotografie erfolgte während des Krimkriegs (1853-1856). Der britische Fotograf Roger Fenton dokumentierte als einer der ersten Kriegskorrespondenten die Konflikte vor Ort. Seine Bilder, obwohl technisch anspruchsvoll und künstlerisch wertvoll, waren aufgrund der zeitaufwändigen Produktion und der begrenzten Reproduzierbarkeit nicht in der Lage, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.
Die Etablierung der Pressefotografie: Fortschritte im 19. Jahrhundert Mit der Entwicklung der Fototechnik im späten 19. Jahrhundert, insbesondere der Erfindung des Gelatine-Trockenplattenverfahrens, wurde es möglich, Bilder schneller und effizienter aufzunehmen und zu verbreiten. Diese technische Innovation ermöglichte es, Fotografie als ein Mittel der Massenerzählung zu etablieren. Die erste massenhaft reproduzierbare Fotografie in einer Zeitung erschien 1880 in der New York Daily Graphic, was den Beginn der modernen Pressefotografie markierte.
Während des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) setzte der Fotograf Mathew Brady die Fotografie ein, um die Schrecken des Krieges zu dokumentieren. Seine Arbeiten gelten als ein Meilenstein, da sie die Macht der Fotografie zur Dokumentation von Ereignissen und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung demonstrierten. Diese Bilder, die erstmals das Ausmaß von Krieg und Zerstörung einem breiten Publikum zugänglich machten, legten den Grundstein für die Rolle der Fotografie im Journalismus.
Das goldene Zeitalter der Pressefotografie: 1920er bis 1950er Jahre Die Zeit zwischen den 1920er und 1950er Jahren wird oft als das goldene Zeitalter der Pressefotografie bezeichnet. In dieser Epoche erlebte die Fotografie eine beispiellose Blütezeit, angetrieben durch technische Fortschritte wie die Erfindung der Kleinbildkamera, insbesondere der Leica in den 1920er Jahren. Diese Kameras ermöglichten es Fotografen, schneller und flexibler zu arbeiten und spontane, ungestellte Aufnahmen zu machen.
In den 1930er Jahren wurde die Fotografie durch Illustrierte wie Life und Picture Post weltweit populär. Diese Magazine setzten stark auf Fotoreportagen, die durch ihre visuelle Kraft ganze Geschichten erzählten. Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und Dorothea Lange wurden zu Ikonen der Pressefotografie, indem sie bedeutende historische Ereignisse und gesellschaftliche Realitäten mit ihren Bildern einfingen.
Besonders prägend war die Rolle der Fotografie während des Zweiten Weltkriegs. Robert Capas berühmtes Foto der Landung in der Normandie oder Joe Rosenthals Bild des Hissens der amerikanischen Flagge auf Iwo Jima wurden zu Symbolen des Krieges und prägten das kollektive Gedächtnis. Die Pressefotografie hatte sich als unverzichtbares Mittel der Kriegsberichterstattung etabliert, das die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflusste.
Die Pressefotografie im digitalen Zeitalter Mit dem Aufkommen des digitalen Zeitalters in den 1990er Jahren erlebte die Pressefotografie erneut eine tiefgreifende Transformation. Digitale Kameras revolutionierten die Art und Weise, wie Fotografen arbeiten, indem sie die Möglichkeit boten, Bilder sofort zu überprüfen und zu bearbeiten. Dies führte zu einer Beschleunigung des Nachrichtenzyklus und ermöglichte es, Bilder nahezu in Echtzeit zu verbreiten. Ich habe dazu ein Interview mit dem Leica-Fotografen Herbert Piel geführt.
Das Internet und soziale Medien haben die Verbreitung von Pressefotos weiter verändert. Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram haben es möglich gemacht, dass Fotografien global und ohne Verzögerung verbreitet werden. Gleichzeitig haben diese Entwicklungen die Rolle des professionellen Pressefotografen herausgefordert, da nun jeder mit einem Smartphone potenziell zum Bildberichterstatter werden kann.
Diese Demokratisierung der Fotografie hat jedoch auch ethische und qualitative Herausforderungen mit sich gebracht. Die Authentizität von Bildern ist zu einem zentralen Thema geworden, insbesondere in einer Zeit, in der digitale Bildbearbeitung leicht zugänglich ist und die Verbreitung von Fehlinformationen ein ernsthaftes Problem darstellt.
Die Zukunft der Pressefotografie Die Pressefotografie steht heute vor neuen Herausforderungen und Chancen. Während technologische Fortschritte weiterhin die Arbeit von Fotografen verändern, bleibt die zentrale Aufgabe der Pressefotografie unverändert: die visuelle Dokumentation und Interpretation von Ereignissen, um die Öffentlichkeit zu informieren und zu sensibilisieren.
Die Rolle des Pressefotografen entwickelt sich weiter in einem Umfeld, das durch ständigen Wandel und technologische Innovationen geprägt ist. Doch trotz der Herausforderungen, die das digitale Zeitalter mit sich bringt, bleibt die Kraft eines einzelnen Bildes, das eine Geschichte erzählt, ungebrochen. Die Zukunft der Pressefotografie wird weiterhin von ihrer Fähigkeit abhängen, in einer zunehmend visuellen Kultur relevant zu bleiben und gleichzeitig die ethischen Standards des Journalismus zu wahren.
Für mich bleibt die Pressefotografie ein unverzichtbares Element der modernen Berichterstattung, das durch seine einzigartige Fähigkeit, Momente einzufangen und Emotionen zu vermitteln, tief in das kollektive Bewusstsein eingreift und die Art und Weise prägt, wie wir die Welt um uns herum verstehen. Ich habe mir vorgenommen, mehr Schwarzweiß in diesem Jahr zu fotografieren. Mit SW habe ich angefangen und ich kann dir Wirkung meiner Bilder besser steuern. 2024 war ich in Prag und dieses Jahr in Estland und habe mit der Fujifilm X100VI meine Fotos in SW geschossen. Ein paar Farbbilder mit dem iPhone waren aber auch dabei.
Auch super interessant ist das Buch: Das Buch „Licht – Bild – Experiment“ von Cornelia Kemp enthüllt: Franz von Kobell machte die erste Aufnahme der Frauenkirche zwei Jahre früher als bisher angenommen. Als Geburtsjahr der Fotografie gilt das Jahr 1839, als Louis Jacques Mandé Daguerre seine Erfindung in Paris öffentlich machte. Die ältesten Aufnahmen aus Deutschland stammen von Franz von Kobell und werden in den Sammlungen des Deutschen Museums aufbewahrt. Cornelia Kemp hat die Bilder jetzt untersucht und herausgefunden, dass das älteste auf März 1837 datiert ist. Es zeigt die Frauenkirche in München. Mit ihrem neuen Buch „Licht – Bild – Experiment. Franz von Kobell, Carl August Steinheil und die Erfindung der Fotografie in München“ ergänzt die Wissenschaftlerin die Frühgeschichte dieser Bildtechnik um ein neues Kapitel.
Wenn ich auf Reise gehe, packe ich ein wenig Ausrüstung ein, damit ich meine Eindrücke dokumentieren kann. Jetzt steht eine kleine Reise ins Baltikum an. Ich war bereits mehrmals in diesen schönen Ländern, die einstmals von Deutschland und später von der Sowjetunion unterjocht wurden. Die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sind stolze Nationen und dieses Mal werde ich Estland besuchen.
Ein Kinderspiel lautet: Ich packe meinen Koffer. Ich wandle das Spiel etwas ab und nenne es: Ich packe meine Foto- und Filmtasche. Ich verwende keine klassische Fototasche, weil ich nicht auffallen möchte. Bewährt hat sich meine abgeranzte Leabags Zens Kameratasche aus Büffel-Leder. Und so sieht die Ausrüstung im Moment aus. Wie ich mich kenne, verändere ich das eine oder andere noch, aber geplant sind bisher diese Gerätschaften.
Zwei Fotokameras von Fujifilm, einmal die X100V und die X100VI, ergänzt mit leichten Weitwinkel und Teleobjektiven. Ich werde Estland in Schwarzweiß dokumentieren. Schwarzweißfotos wirken für mich intensiver, weil sie sich auf Kontraste, Texturen und Formen konzentrieren, wodurch Emotionen und Stimmungen verstärkt werden. Ohne die Ablenkung durch Farben lenken sie den Blick auf das Wesentliche und schaffen eine zeitlose, oft dramatische Atmosphäre. Dazu habe ich eine leichte Gegenlichtblende aus Gummi dabei. Ich nutze sie, um aus Bus- und Zugfenster zu fotografieren, die in der Regel reflektieren. Als Blitz habe ich den Godox TT350F
Dann packe ich mein MacBook Air M3 ein. Es ist in einer einfachen Schutzhülle Comfyable Laptophülle untergebracht Ich muss unterwegs arbeiten, Vorträge vorbereiten, meinen täglichen Blog schreiben und vieles mehr. Die Daten werden in der Cloud gesichert.
Die Accessoire sind eine INIU Powerbank mit 20000mAh. Das reicht für den Notfall, ich bin ja in der Zivilisation und kann in den Orten ja jederzeit Strom tanken. Als Kopfhörer habe ich meine bewährten Apple AirPods 2, um im Hotel zu schneiden oder einfach abzuschalten. Die AirPods sind in einer Totoro-Hülle aus Silikon, weil ich die Figur einfach mag.
Ich habe drei Videokameras im Einsatz. Klassiker ist meine Canon PowerShot V10 Vlogging, die einfach in die Hosentasche passt und exzellente Mikrofone hat. Die tote Katze ist für die Kamera dabei und werden per Magnet einfach aufgesteckt.
Wenn es etwas dramatischer werden soll, dann greife ich zu Insta360 GO, eine Action-Kamera bei ich die Kamera vom Body lösen kann und magnetisch irgendwo befestige, um interessante Einstellungen zu schießen.
Und seit Jahren bin ich ein Fan von VR 360 Grad Fotos und Videos. Dazu nutze ich seit neuestem die Insta360 x4 und hab bisher gute Erfahrungen gemacht. Natürlich sind die Dateigrößen richtig fett. Verpackt wird die Kamera in einer Fotoleey Hartschalen-tragbare Tasche.
Falls ich in Estland in die Verlegenheit ein Interview zu führen, dann nehme ich die kabellose DJI Mic 2, die ich ans iPhone und die Kameras anschließen kann. Der Sound ist top. Ich habe bisher das System von Röde eingesetzt, finde aber die Funktlösung von DJI noch etwas besser. Ich habe sie oft im Einsatz und bin absolut überzeugt.
Natürlich spreche ich mit meinen technischen Geräten? Ich spreche mit Alexa, mit Siri und neuerdings viel mit ChatGTP. Aber schreie ich Geräte an? Nun, ich muss nachdenken. Die Bitkom hat zum Jahresende festgestellt, dass 70 Prozent der Deutschen ihre technischen Geräte wie Computer, Smartphone oder Drucker bei Problemen schon angeschrien haben – Männer mit 75 Prozent etwas häufiger als Frauen mit 65 Prozent. Und wie so oft, unterscheiden sich auch die Alterskohorten: Besonders hitzig reagieren die Jüngeren, 86 Prozent der 16- bis 29-Jährigen lassen ihrem Ärger über Smartphone, Laptop & Co. lautstark freien Lauf. Die Über-65-Jährigen reagieren hingegen ruhiger, unter ihnen brüllen nur 38 Prozent ihre Geräte an.
Wenn ich so darüber nachdenke, dann hab ich wirklich nur ein Gerät im Jahr 2024 angeschrien und verflucht. Es war ein absoluter Fehlkauf, über den ich mich maßlos ärgere. Ich habe mein Huawei MatePad Paper angeschreien, weil es mit meiner Mac-Umgebung nicht zusammenarbeiten will. Natürlich könnte es mein Fehler sein (niemals), aber das Drecksding sollte einfach mit meinem Mac-Universum funktionieren. Tut es aber nicht – und ich hab schon wieder Puls. Wie ist bei Ihnen?
An die ersten Fernseher, an die ich mich erinnere, waren Grundig-Röhrenfernseher. Ein mächtiges Teil stand im Wohnzimmer meiner Eltern, angeschlossen von einem Elektrofachhändler aus der näheren Umgebung. Er kam im grauen Kittel, schloss die Glotze an, richtete sie ein und erklärte sie meinen Eltern. Bei einem Elektromarkt hätten meine Eltern nie gekauft. Später kam noch ein Video 2000 Rekorder von Grundig dazu, den ich heute noch samt 20 Cassetten besitze. Hier ein Bild vom Mediacenter meiner Jugend samt verstorbener Großmutter väterlicherseits.
Meine Großmutter mütterlicherseits kaufte mir für mein Kinderzimmer einen Schwarzweiß-Fernseher an dem ich mein Atari 2600 anschließen konnte. Ab und zu durfte ich an dem großen Fernseher im Wohnzimmer spielen, wenn meine Eltern es erlaubten. Mein Wunsch war es, einen großen Röhrenfernseher zu besitzen auf dem ich zocken konnte. Der Traum blieb unerfüllt. So nahm ich die 8-Bit-Welt zunächst meinst in Schwarzweiß wahr. Erst als ich einen C-64 bekam, zog auch ein kleines TV-Farbfernsehgerät in mein Zimmer ein, denn der Commodore hatte 16 Farben. Diese Farben waren Schwarz, Weiß, Rot, Cyan, Violett, Grün, Blau, Gelb, Orange, Braun, Hellrot, Dunkelgrau, Mittelgrau, Hellgrün, Hellblau und Hellgrau.
Heute im fortgeschrittenen Alter habe ich meine Retro-Konsolen an einer kleinen asiatischen Röhrenkiste angeschlossen, die ich bei meiner Hausärztin abgestaubt habe, nachdem sie die Praxis auf Fachbildschirme umstellte.
Und jetzt lese ich im Bett, dass der Traum von einem großen Röhren-TV für jemanden in Erfüllung gegangen ist. 45 Zoll groß und 200 kg schwer ist der Sony PVM-4300, ein Mörderteil. Dieses seltene Gerät mit einer Bildschirmdiagonale von 43 Zoll wurde in den 1980er Jahren von Sony produziert und war hauptsächlich für den professionellen Einsatz vorgesehen. Ein Technik-Enthusiast entdeckte ein solches Exemplar in einem schlechten Zustand und entschied sich, es zu restaurieren.
In einem wunderbaren YouTube-Video berichtete der Retro-Fan von seiner Odyssee bis er das Riesending von Japan in die USA bekam und restaurierte. Da kommt Neid auf, denn ich würde gerne auf einem solchen CRT-Mal zocken. Solche Geschichten liebe ich als Retrogamer.
Die schlechten Fotos des Vaters waren der Grund, warum Herbert Piel im Alter von zehn Jahren zur Leica seines Vaters griff und sich im Laufe der Jahre zu einem der großen deutschen Leica-Fotografen mauserte.
Im Legenden-Interview von Markus Elfert von Filmreport und mir sprachen wir mit Herbert Piel über Pressefotografie, über analoge und digitale Zeiten und Konzertfotografie und vieles mehr rund um Fotografie. Piel ist ein Geschichtenerzähler. Dass er mit Fotos Geschichten erzählen kannst lange bekannt, dass er auch als Mensch Geschichten erzählen kann, wurde in diesem Zoom-Interview wieder bewusst.
„Als Lokalfotograf bist du Dienstleister“, berichtet er über seine Anfänge bei der Tageszeitung. Die Taktung der Termine ist im Lokalen enorm. Dort lernte er sich zu organisieren und alle Termine unter einen Hut zu bekommen. Daraus resultiert auch eine seiner schlechten Eigenschaften: „Ich bin furchtbar ungeduldig.“ Termine hält er auf die Minute ein und erwartet dies auch von seinem Gegenüber.
Piel spricht über das Verhältnis zu schreibenden Journalisten „Ich habe den Moment und diesen Moment muss ich umsetzen.“ Als schreibender Berichterstattung kann ich nachträglich eingreifen, als Bildberichterstatter ist der Moment vorbei. Er diskutiert auch das berühmte Robert Capa-Zitat „Es gibt keine schlechten Fotos, es gibt nur Fotos, wo du nicht nahe genug warst.“ Das war nicht nur räumlich gemeint, sondern emotional. Ich werde diesen Gedanken in einem meiner Seminare über berühmte Fotografen diskutieren lassen.
Auch ein anderer großer Fotograf kam zur Sprache: James Nachtwey „Er ist immer in Ländern, bei dem die Ländern noch nicht wissen, dass sie demnächst Krisengebiet sind.“ Nachtwey habe ein „unheimliches Gefühl für solche Situationen“, so Piel.
Und natürlich mussten wir die Frage nach Farbe oder SW stellen. „Die Dramatik in einem Schwarzweißfoto ist besser auf den Punkt zu bringen.“ Wir sprachen über den analogen Entwicklungsprozess von Bilder, vergrößern, abziehen, wässern und auch über seine interessanten Foto-Workshops im kommenden Jahr. Alle abgebildeten Bilder in diesem Blog und und im Video stammen von Herbert Piel.
Copyright by P!ELmedia / Zentrale Mittelrhein / Veroeffentlichungen ausschließlich mit Namensnennung!!! 2 Belege nach Drucklegung an: P!ELmedia / Zentrale :Herbert Piel /Altes Jagdhaus / Ringstrasse 21 /56154 Boppard-Holzfeld / Fon: 06741-2000 / Fax: 06741-2000 / Mail: piel@piel-media.de / http://www.piel-media.de / P!ELmedia / Mainz Landtag RLP / Deutschhausplatz 1 /Postfach 113 /55116 Mainz / Mobil: 0171-566 1 887 /Mail: mainz@piel-media.de /Kostenpflichtige Fotos honorieren Sie bitte unter:/ Herbert Piel / P!ELmedia / Sparkasse Koblenz / Konto: 7000 3009/ BLZ 570 501 20 // Es gilt die AGB unter http://www.piel-media.de
Ehrenamtlich engagiere ich mich in meiner Wohnortgemeinde Maisach für den Arbeitskreis Geschichte. Das ist ein loser Zusammenschluss von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die die Heimatgeschichte des Ortes aufarbeiten. Es ist kein Wissenschaftskreis, sondern eine Gruppe von historisch interessierten Laien, die ein historisches Storytelling betreiben.
Und einmal im Jahr bringen wir mit Meisaha ein Heft zur Gemeindegeschichte heraus. Jetzt war es wieder soweit und die Präsentation fand im örtlichen Gemeindezentrum statt. 45 Interessierte folgte der Einladung. Am Wochenende haben wir einen zweitätigen Maisacher Advent, wo wir das Heft der Öffentlichkeit verkaufen werden. Dann beginnt der Verkauf in ausgewählten Geschäften des lokalen Einzelhandels und an der Pforte des Rathauses. Auf das Heft wird durch Plakate auf den gemeindlichen Anschlagtafeln hingewiesen.
Auch ich war dieses Jahr wieder dabei. Zum einen schrieb ich einen Artikel über den Togoverein, der lange Jahr bei uns in der Gemeinde ansässig war. Zum anderen layoutete ich das Meisaha-Heft, die Plakate und einen Roll-Up-Banner. Zudem pflege ich den Facebook-Account des Arbeitskreises und gestaltete einen Präsentationsfilm aus dem Fotos des Heftes.
In einer Auftaktveranstaltung stellten die Autoren die einzelnen Artikel des Heftes vor. Wir gaben eine kleine Inhaltsangabe, damit die Bürgerinnen und Bürger einen Einblick ins Heft bekommen und auf den Geschmack kommen, das Heft für 6 Euro zu erwerben. Die Federführung hatte die Chefredakteurin Cornelia Schader als Leiterin des Arbeitskreises Geschichte inne. Ich zeichnete die Vorstellungen auf Video auf und stellte sie als Werbemaßnahme in YouTube ein.
Bei einem Glas Sekt kam man anschließend ins Gespräch. Kommunikation ist wichtig, gerade in einer kleinen Gemeinde im Speckgürtel von München. Neuzugezogene erhalten durch das Heft einen kleinen Einblick in das Leben vergangener Tage. Und ältere Mitbürgerinnen und Bürger erinnern sich an alte Geschichten, die wir vielleicht in der Ausgabe des Jahres 2025 aufgreifen werden. Neue Geschichten sind immer willkommen – ich habe meine schon im Hinterkopf.
Meisaha 2024: Gernlinden, eine Großsiedlung der Latènezeit
Meisaha 2024: Leben in einem Denkmal – das älteste Haus in Stefansberg
Meisaha 2024: 1674-2024: 350 Jahre Schuhmacher Huttenloher in Maisach
Meisaha 2024: Die Glocken der Pfarrkirche Malching
Meisaha 2024: Gernlindner Bahnhofskinder
Meisaha 2024: Kiesgrube im Westen von Gernlinden
Meisaha 2024: Das Kalksandsteinwerk in Überacker
Meisaha 2024: Vom Herzen Maisachs nach Togo
Meisaha 2024: Maisacher Jahresrückblick Juli 2023 – Juni 2024
OpenAI greift die Kreativbranche mit seinem revolutionären Text-to-Video-Tool „Sora“ an und wird das Medium Film auf den Kopf stellen. Derzeit sind die Filme, die die KI erzeugt, noch kurz, aber der Anfang ist gemacht. Sora ist Teil des Plus-Kontos und ohne zusätzliche Kosten nutzbar. Nutzer können bis zu 50 Videos in 480p-Auflösung oder eine geringere Anzahl in 720p pro Monat erstellen. Noch stellt dies keine Gefahr für Kino und Fernsehen dar – noch nicht.
Ein weiteres Manko: Die KI hat die Physik der Animationen noch nicht vollständig im Griff. Doch es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese technischen Herausforderungen gelöst sind. Wir stehen am Anfang einer Revolution für Kreative im Bereich Film – so meine feste Überzeugung. Filmemacher werden sich schnell anpassen müssen. Auch die Ausbildung im Bereich Film sollte sich ändern, und Filmhochschulen werden ihre Lehrpläne anpassen müssen, um dieser Entwicklung gerecht zu werden.
Laut OpenAI: „Sora baut auf den Erkenntnissen von DALL·E und GPT-Modellen auf und wurde entwickelt, um Menschen erweiterte Werkzeuge für das Geschichtenerzählen und kreative Ausdrucksformen zu geben.“ Aktuell ist das Tool jedoch nicht in der EU verfügbar. Die Gründe sind nicht bekannt. Es könnte sein, dass OpenAI zunächst Erfahrungen auf dem US-Markt sammeln möchte, oder dass der strenge Digital Data Act der EU eine Rolle spielt.
Tech-Experte Marques Brownlee hat sich auf seinem YouTube-Kanal mit Sora auseinandergesetzt und sowohl Potenziale als auch Probleme beleuchtet. Die Ergebnisse, die die KI liefert, sind beeindruckend. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis ganze Filme mit solchen Tools erstellt werden können. Das erinnert an die Zeit, als Pixar mit computergenerierten Animationen revolutionierte, während klassische Disney-Zeichner diese Technologie zunächst belächelten. Doch Toy Story fegte eine ganze Branche hinweg. Eine ähnliche Umwälzung könnte durch Sora und andere KI-Tools bevorstehen – davon bin ich überzeugt.
KI plündert Drehbücher Die Situation verschärft sich zusätzlich, seit bekannt wurde, dass KI-Systeme mit Drehbüchern trainiert wurden. Diese Information wurde kürzlich durch einen Artikel im Atlantic veröffentlicht. Genau davor hatten die US-Drehbuchautoren bei ihrem Streik 2023 gewarnt. Trotz gegenteiliger Zusicherungen ist der Fall nun eingetreten: Mehr als 139.000 Drehbücher für Filme und Serien wurden als Trainingsmaterial verwendet.
Unter den genutzten Werken waren beispielsweise 700 Folgen von Die Simpsons und Futurama, 150 Folgen von Seinfeld, 45 Folgen von Twin Peaks sowie die kompletten Serien The Wire, Die Sopranos und Breaking Bad. Dabei lag der Fokus wohl vor allem auf den Dialogen, die künftig von Unternehmen wie Apple, Anthropic, Meta, Nvidia, Salesforce oder Bloomberg genutzt werden könnten.
Diese Praxis erinnert an den Umgang mit Bildarchiven, die bereits für KI-Modelle geplündert wurden. Angesichts dessen, dass viele Serien und Filme ohnehin nicht besonders innovativ oder kreativ sind, könnte die KI in Zukunft sogar selbst Drehbücher schreiben. Standardisierte Geschichten wie „Held liebt Heldin“ haben oft wenig mit echter Kreativität zu tun. Drehbuchautoren, die vor allem für Mainstream-Produktionen tätig sind, dürften sich auf drastische Veränderungen einstellen müssen.