Archive for the ‘Film’ Category

Filmkritik: Like A Complete Unknown

3. März 2025

BioPics von lebenden und verstorbenen Musikern gehören zum Filmgeschäft dazu. Sei es Spielfilme mit biografischen Hintergrund wie von Freddie Mercury, Elvis Presley, Elton John oder Johnny Cash. Nun kommt mit Like A Complete Unknown eine weitere verfilmte Biografie hinzu: Sie dreht sich um die Anfangsjahre von Bob Dylan bis zu seinem Auftritt in Newport 1965, als Dylan seine Gitarre an einen Verstärker anschloss.

Und anders als viele andere Biopics wird Dylan von Starregisseur James Mangold durchgehend als egoistischer Eigenbrödler gezeigt, der konsequent seinen Weg geht, wohl als Künstler seinen Weg gehen muss und seine Umwelt damit oftmals vor den Kopf stößt. Freunde, Freundinnen und Förderer werden oft beiseite gestoßen. Dylan will sich nicht vereinnahmen lassen und bricht mit ehemaligen Wegbereitern. Immer wieder wird im Film klar, dass sich Dylan nicht vor den Karren anderer spannen lassen will, nicht vor die US-Bürgerrechtswegung, den Folktraditionalisten, der Herzdame Joan Baez, die ihn den Weg auf die großen Bühnen bereitet hatte und Dankbarkeit erwartete. Die einzigen denen Dylan im Film treu ergeben sind, sind sein Idol Woody Guthrie und Country-Outlaw Johnny Cash.

Dylan bleibt der A Complete Unknown, wie der weitaus bessere Originaltitel des Films heißt. Der deutsche Verleih hatte wohl ein wenig zu viel Like a Rolling Stone gehört und führt den Zuschauer auf die falsche Fährte. Dylan ist ein Künstler mit tausend Masken, tausend Gesichtern, die nicht fassbar sind. Das zeigt der Film hervorragend, geht dabei einen anderen Weg als das Biopic I’m Not There von 2007. Sympathisch ist das nicht, aber so ist der Mann nun eben mal und trägt damit seine eigene Bürde. Das wird dem Zuschauer, der sich mit dem Phänomen Dylan nicht so auskennt oder gar ein hardcore Dylanolge ist, nicht gefallen: Kein PR Märchen mit versöhnlichen Abschluss. Dylan zerlegt das Folkfestival in Newport, wendet sich elektrisch gegen die Puristen und streut noch mit Songs wie I don’t work on Maggies Farm noch Salz in die Wunde.

Freunde wie der linke Liedermacher Pete Seeger oder Folkqueen Joan Baez oder der US-amerikanischer Folklore- und Musikforscher Alan Lomax bleiben mit Tränen und geplatzten Illusionen zurück. Der einzige, der sich wirklich freut ist Dylans Manager Albert Grossman (wunderbar dargestellt von Dan Fogler), der das Talent von Dylan erkennt und auch das große Geld darin.

Im Film selbst spielt sich Hauptdarsteller Timothée Chalamet die Seele aus dem Leib. Er hat jahrelang Studien über Dylan vorgenommen und er singt – wie die anderen Darsteller auch – die Songs selbst. Der Soundtrack ist hervorragend. Der 29-Jährige brilliert in der Rolle und es ist ein Genuss sich seinem Schauspiel hinzugeben. Ganze fünf Jahre bereitete er sich auf die Rolle des Bob Dylan vor, nahm Musikunterricht und zehn Kilo zu.
Um Timothée Chalamet versammelt Erfolgsregisseur James Mangold („Indiana Jones und das Rad des Schicksals“, „Walk the Line“, „Cop Land“) einen kreativen Cast: Edward Norton spielt Pete Seeger, Elle Fanning als Sylvie Russo, Monica Barbaro als Joan Baez, Boyd Holbrook als Johnny Cash und Scoot McNairy als Woody Guthrie.

Bei den Oscars 2025 fiel der Film (unverständlicherweise) durch und auch im Kino wird dem Film in Deutschland auch kein großer Erfolg beschert sein. Und dennoch sollte man sich ihn unbedingt ansehen. Ich hab den Genuss in meinem Lieblingskino Scala Fürstenfeldbruck erlebt und kann den Film auch den Nicht-Dylan-Fans absolut empfehlen.

Train to Busan (2016) – Rückblick auf meine Matinee

22. Februar 2025

Train to Busan, der 2016 unter der Regie von Yeon Sang-ho erschienene südkoreanische Film, ist weit mehr als ein typischer Zombiefilm. Ich habe ihn im Februar in meiner phantastischen Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck besprochen. Am Sonntag, 2. März geht es weiter mit einem Double Feature mit Graf Zaroff, Genie des Bösen und Vampyr – Karten gibt es hier.

Train to Busan verbindet rasante Action und packende Spannung mit tiefgreifender emotionaler Substanz und gesellschaftlicher Kritik. Durch diese Kombination avancierte der Film schnell zu einem globalen Phänomen und wurde zu einem der meistgelobten Werke im Horror-Genre der vergangenen Jahre. Hier ist die Aufzeichnung meines Vortrags:

Im Kern von „Train to Busan“ steht weniger der Kampf gegen die Zombies als die Auseinandersetzung mit den zwischenmenschlichen Konflikten und die Frage, wie Menschen in Extremsituationen handeln. Der Film konfrontiert das Publikum mit der Spannbreite menschlicher Emotionen und zeigt die besten und schlimmsten Seiten der menschlichen Natur.

Der Film stellt immer wieder die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft stellt Train to Busan die Frage, wie weit Menschen gehen, um ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten, und wie schnell sie bereit sind, andere zu opfern.

Der Erfolg von „Train to Busan“ trug dazu bei, die Aufmerksamkeit auf südkoreanisches Kino zu lenken und dessen globale Bedeutung weiter zu stärken. Neben Werken wie „Parasite“ oder „Oldboy“ hat der Film dazu beigetragen, Südkorea als eine führende Nation im Bereich des modernen Kinos zu etablieren.
Am Sonntag, 2. März geht es weiter mit der phantastischen Matinee mit einem Double Feature mit Graf Zaroff, Genie des Bösen und Vampyr – Karten gibt es hier.

Konzertkritik: Das Cabinet des Dr. Caligari im Prinzregententheater München, 2025

17. Februar 2025

Es war das vorerst letzte Konzert der Caligari-Tour von Karl Bartos. Zum zweiten Mal gastierte das ehemalige-Kraftwerk-Mitglied mit Mathias Black im Münchner Prinzregententheater und genoss sichtlich den Applaus des Publikums.

Im vergangenen Jahr absolvierte Bartos die ausgiebige Tour und zeigte seine musikalische Version des Robert Wiene Stummfilm-Klassikers das Cabinet des Dr. Caligari. Nun wurden 2025 die letzten Konzerte absolviert und weil Münchner im Herbst 2024 so gut lief, wiederholte Bartos sein Engagement im Prinzregententheater gleich nochmal.

Ich genoss Musik und den Film in seiner 4K-Version außerordentlich. Bartos und Black standen auf der Bühne hinter ihrem technischen Equipment. Keine Techniktürme wie bei TD, sondern minimalistisch wie man es von Kraftwerk kennt. Im Grunde hätte die Mensch-Maschine das Konzert ohne menschliche Beteiligung geben können, aber das Duo Bartos/Black spielten live. Das das Duo harmonierte perfekt, so dass ein perfekter Sound bei uns im Publikum ankam. Die Musik drückt den Irrsinn von Caligari aus, der einst als expressionistisches Meisterwerk in der Weimarer Republik entstanden ist. Bartos hat schon Humor, dieses Chaos von Weimar vor der Bundestagswahl aufzuführen, aber die Terminüberschneidung kommt wohl eher überraschend und ohne Vorsehung.

Ich habe bei Erscheinen das Album samt DVD angeschafft. Die Musik habe ich genossen, die Version des Films nicht, trotz 4K-Umsetzung. Ich hatte die DVD zweimal angeschaut und dann genervt in der Verpackung verschwinden lassen. Nicht weil der Film schlecht war, sondern die Interpretation. Ich bevorzuge die offizielle Version der Murnau-Stiftung auf Bluray oder die geniale Version in 4K

Zumutung
Was ich schon auf den DVD vom vergangenen Jahr schrecklich fand und in München live es auch als Zumutung empfand, war die Soundkulisse von Stimmen, Effekten und Schritten, die das Ensemble of Sounds dazu gemischt hat. Das ist ein Verbrechen an einem Meisterwerk des deutschen Expressionismus. Herr Bartos, Sie haben ein Sakrileg gegangen.

Zur Klarstellung: Bartos Musik und Wienes Film sind jeder auf ihre Art ein Meisterwerk, aber auf die beigesteuerten Effekte konnte ich getrost verzichten. Es gab schon in der Filmgeschichte immer wieder Versuche den Caligari durch Effekte zugänglicher zu machen – alle sind gescheitert und auch Bartos ist der Versuchung erlegen und musste einfach scheitern. Finger weg von dem Meisterwerk Caligari als Stummfilm. Da bin ich absoluter Purist.

Mord und Wahnsinn
Das Cabinet des Dr. Caligari ist ein legendärer, vielleicht der berühmteste deutsche Stummfilm. Entstanden kurz nach dem Ersten Weltkrieg, erzählt er eine doppelbödige Geschichte über Mord und Wahnsinn. Seine außergewöhnliche Gestaltung in schrägen, expressionistischen Kulissen machte ihn zum Kunstwerk – und zur Sensation des Jahres 1920. Die Filmkritik damals: „Es gilt, eine neue Seite in der Geschichte des Films zu beginnen: ‚Das Cabinet des Dr. Caligari‘ hat sich als eine künstlerische Einheit und ein Aufwärts in der Entwicklung des Filmspiels erwiesen; es stellt zum ersten Male die bildende Kunst ebenbürtig neben die darstellende.“

Aus dem Kaiserreich der Ordnung, ein Reich aus Eisen und Feuer, kam die deutsche Demokratie. Caligari bedeutete Aufbruch: Männer sind wie Künstler, die Krawatten waren schief, die Hüte saßen schief.

Die Geschichte ist in eine Rahmenhandlung gebettet, in der am Ende alles auf den Kopf gestellt wird. Dabei ist die Binnengeschichte schon aufregend genug: Franzis ermittelt wie ein Detektiv der populären Kriminalliteratur. Er observiert den Verdächtigen, entdeckt Geheimnisse in uralten Büchern. Der Film präsentiert seine Geschichte in einer unwirklichen, expressionistisch verzerrten Welt, geschaffen durch drei Kulissenmaler der Decla-Film-Gesellschaft: Hermann Warm, Walter Reimann und Walter Röhrig. Die expressionistische Gestaltung ist es, die den Film berühmt gemacht hat. Und die Musik von Karl Bartos passt hervorragend dazu. Sie zieht den Zuschauer in den Bann.

Vor der Bundestagswahl kamen mir Gedanken: Caligari der Verführer – er warf einen Blick in die Tiefen der deutschen Seele. Später wurde das ganze deutsche Volk verführt durch den Verführer Hitler. Die Tyrannenfigur Caligari, der Unheil über den Ort und Hitler der Unheil über die Welt verbreitete.

Der Autogrammjäger
Ich hatte im Vorfeld bei der Agentur von Bartos angefragt, ob der Meister dieses Mal auch Autogramme geben würde. Es wurde verneigt und trotzdem harrte ich mit ein paar Hardcore-Fans am Künstlerausgang des Prinzregententheater aus. Über eineinhalb Stunden in der eisigen Kälte, während im Inneren wohl der Tourabschluss gefeiert wurde, was ja auch sein musste. Doch die Feierrunde hatte nicht mit der Münchner Bürokratie gerechnet. Der Pförtner machte das Prinzregententheater um 23 Uhr dicht, Überstunden werden nicht in der derzeitigen Haushaltslage nicht bezahlt. Also kam der Künstlertross um Karl Bartos heraus und gab vereinzelt Autogramme. Selfies waren untersagt. Freundlich, aber bestimmt ging dann das Ehepaar Bartos seiner Wege. Zurück blieben eine Handvoll Fans mit ihren signierten musikalischen Schätzen. Ich sag ganz artig danke.

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – Pippi Langstrumpf wird 80 und bleibt eine Ikone der Freiheit

10. Februar 2025

Langsam werde ich alt und die Heldinnen und Helden meiner Kindheit altern mit mir. Eine meiner Heldinnen meiner TV-Zeit ist Pippi Langstrumpf und diese Ikone der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wird dieses Jahre 80 Jahre alt.

Pippi Langstrumpf hat Generationen von Mädchen und Frauen inspiriert. Seit ihrem ersten Erscheinen im Jahr 1945 hat sie Maßstäbe gesetzt und zeigt bis heute, dass weibliche Protagonistinnen in der Kinderliteratur stark, mutig und eigenständig sein können. Ihre rebellische Natur, ihr selbstbestimmtes Leben und ihr Widerstand gegen gesellschaftliche Konventionen machten sie zu einer unbewussten Vorreiterin der Frauenbewegung. Im Grunde ist Pippi Langstrumpf eine politische Figur.

Astrid Lindgren schuf mit Pippi eine Figur, die sich nicht den Erwartungen an Mädchen und Frauen ihrer Zeit unterordnete. Während die meisten weiblichen Charaktere in der Kinderliteratur des 20. Jahrhunderts sanftmütig, brav und angepasst waren, sprengte Pippi diese Rolle mit Leichtigkeit. Sie lebt allein in der Villa Kunterbunt, verfügt über übermenschliche Kräfte und besitzt einen Schatz voller Goldmünzen – sie ist finanziell unabhängig, körperlich überlegen und emotional unerschütterlich. Damit stellt sie ein Gegenbild zu traditionellen weiblichen Rollenbildern dar und ermutigt junge Leserinnen, ihre eigenen Grenzen zu hinterfragen. Anstatt sich an gesellschaftliche Normen zu halten, macht sie sich ihre eigenen Regeln und lebt nach ihren eigenen Vorstellungen.

Die Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre entdeckte Pippi Langstrumpf als Symbolfigur für Emanzipation. In einer Zeit, in der Frauenrechte weltweit diskutiert und erkämpft wurden, passte Pippis Haltung perfekt in den gesellschaftlichen Wandel. Ihr berühmtes Motto „Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“ wurde als Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung interpretiert – ein Aufruf, sich nicht den Zwängen der Gesellschaft zu beugen, sondern das eigene Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Ein zentraler Aspekt von Pippis Bedeutung für die Frauenbewegung ist ihre Freiheit von männlicher Dominanz. Sie ist kein Mädchen, das gerettet oder beschützt werden muss, sondern übernimmt selbst die Rolle der Beschützerin. Während Tommy und Annika oft unsicher sind und sich an gesellschaftliche Regeln halten, stellt Pippi diese in Frage, widersetzt sich Autoritäten und zeigt, dass Regeln nicht immer sinnvoll sind. Sie lehnt sich gegen Lehrer, Polizisten und strenge Erwachsene auf, aber nicht aus Trotz, sondern weil sie ihr eigenes Urteil über richtig und falsch trifft.

Auch ihr Erscheinungsbild steht im Kontrast zu klassischen weiblichen Schönheitsidealen. Mit ihren abstehenden roten Zöpfen, den bunten Strümpfen und den viel zu großen Schuhen bricht sie mit der Vorstellung, dass Mädchen immer hübsch und ordentlich sein müssen. Sie ist nicht darauf bedacht, anderen zu gefallen – sie ist einfach sie selbst. Damit vermittelt sie ein starkes Körper- und Selbstbewusstsein, das viele Mädchen ermutigt hat, sich nicht nach gesellschaftlichen Erwartungen zu richten.

Doch Pippi ist nicht nur ein Sinnbild der Rebellion, sondern auch der Solidarität und Fürsorge. Sie setzt sich für Schwächere ein, hilft den Armen und beschützt ihre Freunde. Dieser Aspekt ihrer Persönlichkeit zeigt, dass Unabhängigkeit und Mitgefühl keine Gegensätze sind – eine wichtige Botschaft für die feministische Bewegung, die nicht nur Gleichberechtigung, sondern auch Gemeinschaftssinn und soziale Gerechtigkeit fordert.

Bis heute bleibt Pippi Langstrumpf eine Inspirationsquelle für Frauen und Mädchen weltweit. Sie steht für den Mut, anders zu sein, für die Kraft, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen, und für die Freiheit, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. In einer Welt, in der Mädchen oft noch subtil in traditionelle Rollen gedrängt werden, ist Pippi Langstrumpf ein leuchtendes Vorbild für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung – und damit eine unvergängliche Heldin der Frauenbewegung.

Pippi Langstrumpf mag eine fiktive Figur sein, doch ihr Einfluss auf die Frauenbewegung ist real. Sie hat über Jahrzehnte hinweg dazu beigetragen, traditionelle Geschlechterrollen infrage zu stellen und jungen Mädchen das Gefühl zu geben, dass sie stark, unabhängig und einzigartig sein dürfen. In einer Welt, die noch immer mit Gleichberechtigungsfragen kämpft, bleibt Pippi Langstrumpf ein wichtiges Symbol für Selbstbestimmung und weibliche Stärke.

Zum 80. Geburtstag des stärksten Mädchens der Welt veröffentlicht der Filmkunst Musikverlag (FKM) die Originallieder aus der Pippi Langstrumpf Serie erstmals wieder auf Vinyl. Und das Beste: Pippi Langstrumpf – alias ihre deutsche Synchronstimme – meldet sich zwischen den Songs auch selbst zu Wort: mit Originalzitaten aus der Serie, von Plutifikation bis Polizei. Studio 100 International und der Filmkunst Musikverlag haben diese Audiotakes aus den Pippi-Filmen zusammen auch unter Einbeziehung der Synchronsprecherin Eva Mattes „geborgen“ und machen die limitierte Vinyl mit großflächigen Filmfotos und einer knallroten Platte zum Sammlerstück. Die Musik zu den Pippi-Liedern haben Jan Johansson, Konrad Elfers, Georg Riedel und Christian Bruhn komponiert, die Liedtexte stammen von Astrid Lindgren, Wolfgang Franke und Helmut Harun. Erscheinungstermin ist der 28.2.2025.

Train to Busan – Phantastische Matinee am Sonntag, 9. Februar im Scala FFB

7. Februar 2025

„Train to Busan“, der 2016 unter der Regie von Yeon Sang-ho erschienene südkoreanische Film, ist weit mehr als ein typischer Zombiefilm. Er verbindet rasante Action und packende Spannung mit tiefgreifender emotionaler Substanz und gesellschaftlicher Kritik. Durch diese Kombination avancierte der Film schnell zu einem globalen Phänomen und wurde zu einem der meistgelobten Werke im Horror-Genre der vergangenen Jahre. Ich bespreche und zeige diesen modernen Klassiker am Sonntag 9. Februar in meiner phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Eine mitreißende Handlung mit menschlichem Kern
Der Film erzählt die Geschichte des geschiedenen Fondsmanagers Seok-woo (gespielt von Gong Yoo), der mit seiner kleinen Tochter Soo-an (Kim Su-an) nach Busan reist, um sie ihrer Mutter zu bringen. Was als alltägliche Zugfahrt beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum, als eine Zombie-Apokalypse ausbricht. Eingeschlossen im Zug, müssen die Passagiere gegen die sich rasant ausbreitende Zombie-Epidemie kämpfen und dabei versuchen, menschliche Werte wie Solidarität, Mut und Empathie zu bewahren.

Im Kern von „Train to Busan“ steht weniger der Kampf gegen die Zombies als die Auseinandersetzung mit den zwischenmenschlichen Konflikten und die Frage, wie Menschen in Extremsituationen handeln. Der Film konfrontiert das Publikum mit der Spannbreite menschlicher Emotionen und zeigt die besten und schlimmsten Seiten der menschlichen Natur.

Gesellschaftskritik im Gewand eines Horrorfilms
Gesellschaftliche Klassenunterschiede
„Train to Busan“ wirft einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Hierarchien und die Auswirkungen von Egoismus und Gier. Die verschiedenen Passagiergruppen im Zug spiegeln unterschiedliche soziale Schichten wider, von wohlhabenden Geschäftsleuten bis hin zu Arbeiterfamilien. Besonders eindrucksvoll wird gezeigt, wie sich Menschen in Krisensituationen entweder solidarisch oder egoistisch verhalten, was letztlich oft über Leben und Tod entscheidet.

Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit
Der Film stellt immer wieder die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein. Figuren wie der robuste, aber warmherzige Sang-hwa (gespielt von Ma Dong-seok) verkörpern die Fähigkeit, sich für andere zu opfern, während andere Charaktere, wie der egoistische Firmenchef Yon-suk, das Gegenteil verkörpern. Diese Kontraste verdeutlichen, dass Menschlichkeit und Mitgefühl oft der Schlüssel zur Rettung sind.

Kritik an moderner Isolation und Egoismus
In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft stellt „Train to Busan“ die Frage, wie weit Menschen gehen, um ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten, und wie schnell sie bereit sind, andere zu opfern. Diese Themen werden besonders durch die Figur von Seok-woo hervorgehoben, der im Laufe des Films eine tiefgreifende Wandlung vom egoistischen Geschäftsmann hin zu einem selbstlosen Vater durchmacht.

Innovatives Zombie-Genre
„Train to Busan“ hebt sich durch seine innovative Herangehensweise an das Zombie-Genre ab. Das Setting in einem fahrenden Zug verleiht der Geschichte eine klaustrophobische Intensität und erhöht die Spannung, da es kaum Möglichkeiten zur Flucht gibt. Die Zombies selbst sind beeindruckend umgesetzt: Schnell, aggressiv und erbarmungslos wirken sie deutlich bedrohlicher als die oft langsam agierenden Untoten anderer Filme. Besonders die Transformationen der Infizierten sind visuell beeindruckend und verstärken die Dringlichkeit der Handlung.

Der Erfolg von „Train to Busan“ trug dazu bei, die Aufmerksamkeit auf südkoreanisches Kino zu lenken und dessen globale Bedeutung weiter zu stärken. Neben Werken wie „Parasite“ oder „Oldboy“ hat der Film dazu beigetragen, Südkorea als eine führende Nation im Bereich des modernen Kinos zu etablieren. Karten für die phantastische Matinee gibt es hier.

„Train to Busan“ ist weit mehr als ein Zombiefilm – es ist ein packender Thriller, eine emotionale Familiengeschichte und eine scharfsinnige Gesellschaftskritik in einem. Der Film beeindruckt durch seine technische Brillanz, seine originelle Handlung und die tiefgehende Auseinandersetzung mit menschlichen Werten. Durch die Kombination von Action, Emotion und Nachdenklichkeit gelingt es Yeon Sang-ho, einen Film zu schaffen, der gleichermaßen unterhält und berührt. Karten für die phantastische Matinee gibt es hier.

Tanz der Vampire (1967) – Rückblick auf meine Matinee

31. Januar 2025

„Tanz der Vampire“ ist ein Meisterwerk, das mit seinem einzigartigen Stil und seiner Mischung aus Grusel und Humor begeistert. Roman Polanski gelingt es, die Traditionen des Vampirfilms zu ehren und gleichzeitig zu persiflieren. Die grandiose visuelle Gestaltung, die einprägsame Musik und die exzellente Besetzung machen den Film zu einem Erlebnis. Ich habe diesen Film in meiner jüngsten phantastischen Matinee im Januar im Scala Kino gezeigt. Am 9. Februar geht es weiter mit Train to Busan – Karten gibt es hier.

„Tanz der Vampire“ ist eine meisterhafte Mischung aus Horror und Komödie, die sich sowohl als Hommage an klassische Vampirfilme versteht, als auch eine liebevolle Parodie auf deren Klischees darstellt. Roman Polanski, der nicht nur Regie führte, sondern auch eine Hauptrolle übernahm, schuf mit diesem Werk einen Film, der sich zeitlos und vielschichtig präsentiert. Hier mein Vortrag:

Die Geschichte beginnt mit dem schrulligen Professor Abronsius (Jack MacGowran) und seinem jungen Assistenten Alfred (Roman Polanski), die ins verschneite Transsilvanien reisen, um Vampire zu erforschen. Ihre Reise führt sie in ein abgelegenes Wirtshaus, das von abergläubischen Dorfbewohnern bewohnt wird, die unweigerlich in Verbindung mit einem nahegelegenen Schloss gebracht werden – dem Domizil des geheimnisvollen Graf von Krolock (Ferdy Mayne).

Highlands, Humor und Harrison: Wie Glenmorangie mit einem Amerikaner die Whisky-Welt überrascht

29. Januar 2025

Kann ein Amerikaner ein Gesicht für eine schottische Whisky werden? Auf dieses dünnes Eis begibt sich derzeit Glenmorangie. Harrison Ford wird das Gesicht von Glenmorangie Single Malt Whisky und Puristen fallen einfach tot um.

Aber ich finde diesen neuen Weg interessant, wahrscheinlich weil ich ein Fan von beiden bin: Glenmorangie und Harrison Ford. In einer Episodenreihe unter der Regie von Joel Edgerton zeigt Ford seinen typischen, trockenen Humor, so verspricht uns zumindest Glenmorangie.

„Once Upon a Time in Scotland“ begleitet Harrison Ford auf seiner Reise in die Heimat von Glenmorangie. In den Highlands entdeckt er die Handwerkskunst, die in jede Flasche des komplexen und eleganten Whiskys einfließt. Der Schauspieler genießt das authentische Schottland – von den Besonderheiten des schottischen Akzents, der Kilt-Etikette bis zum Kennenlernen der Einheimischen bei einem Dram Single Malt. Bewusst wurden die Szenen unkonventionell im „Off-Script“ Stil gedreht.

Die Episoden zeigen die natürliche Schönheit der Highlands im Nordosten Schottlands: Die historische Destillerie in Tain, in der Glenmorangie seit über 180 Jahren gebrannt wird, das geschichtsträchtige Ardross Castle aus dem 19. Jahrhundert und die atemberaubende Landschaft rund um Loch Glass. Mit Harrison Ford spielt das Destillerie-Team unter der Leitung von Joel Edgerton sich selbst, während die Flaggschiff-Whiskys Glenmorangie Original 12 Years Old und Glenmorangie Infinita 18 Years Old, ebenfalls eine Hauptrolle übernehmen.

Die 12 Folgen und der Herofilm von Joel Edgerton werden durch Fotos von Modefotograf Lachlan Bailey ergänzt. Sie zeigen Harrison Ford, wie man ihn noch nie gesehen hat – in einem stylischen schottischen Kilt der Streetwear-Marke Palace.

Caspar MacRae, Präsident und CEO von The Glenmorangie Company sagt: „Harrison Ford ist ein echter Weltstar und wahrer Whisky-Liebhaber. Ein Traum wurde wahr, ihn für diese Kampagne zu gewinnen und in den Highlands willkommen zu heißen. Hier, in unserer Heimat, erfuhr er so viel über Glenmorangie. Er ist jemand, der sein Handwerk über Jahrzehnte hinweg verfeinerte. Deshalb schätzt er das tiefe Engagement und die Fähigkeiten unseres Destillerie-Teams. So wie wir hat er auch keine Angst, über sich selbst zu lachen – und ich denke, Joel hat seine authentische Herzlichkeit und seinen schelmischen Humor perfekt eingefangen. Wir hoffen, dass Whisky-Liebhaber weltweit die Episoden genießen und durch Harrison die echten Menschen und Orte hinter unseren Whiskys entdecken.“

Harrison Ford, Star in „Once Upon a Time in Scotland“, sagt: „Ich habe die Zusammenarbeit mit dem Team in der Destillerie sehr genossen – sie sind alle großartig. Der gesamte Dreh war von schönen Überraschungen geprägt: kleine unerwartete Momente. Dank Glenmorangies Sinn für Humor, mussten wir uns nicht ganz so ernst nehmen. Ich denke, was Joel produzierte, hat einen gewissen Charme, unprätentiös und einfach amüsant.“

Joel Edgerton, Regisseur von „Once Upon a Time in Scotland“, sagt: „Ständig sehe ich Werbespots, die einem gewohnten Muster folgen. Umso mehr gefällt es mir, wenn die Dinge stattdessen ein wenig disruptiv, lustig und frech sind. Wie schön, dass wir in der eher traditionell geprägten Whisky-Welt die Möglichkeit hatten, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Es machte Spaß, die Ernsthaftigkeit, die oft in solche Werbekampagne einfließt, zu untergraben. Ich hoffe, dass die Leute den Kurzfilm und die Episoden in voller Länge ansehen – sie genießen und weiter teilen.“

Und wo lässt sich das Werk nun sehen? Once Upon a Time in Scotland wird seit dem 28. Januar 2025 weltweit auf Online Video Plattformen, im Connected TV, Out-of-Home, in experimentalen Werbeformen und auf Social Media veröffentlicht. Die sechs Episoden und Behind-The-Scenes sind in voller Länge auf Glenmorangie.com zu sehen, weiteres folgt im Laufe des Jahres. Bei YouTube sind die Sachen auch zu sehen.

Sammler: Corgi 65102: James Bond Toyota 2000GT

28. Januar 2025

Wenn ich an die Fahrzeuge von James Bond denke, dann kommen mir Aston Martin und Lotus in den Sinn. Aber im James-Bond-Film Man lebt nur zweimal (Originaltitel: You Only Live Twice, 1967) präsentieren uns die Produzenten auch einen Sportwagen der Extraklasse. Den Toyota 2000GT

Ich habe vor kurzem das Original von Corgi ergattern können, komplett und unbespielt. Er stammt aus der 2000er Auflage The Definitive James Bond Collection und trägt die Nummer 65102. Enthalten ist der weiße Sportwagen, die herausnehmbare James Bond Figur trägt einen blauen Smoking samt Fliege, was er in Film nicht trug. Der Raketenwerfer samt zwei Raketen im Heck des Autos ist vorhanden. Die japanische Agentin Aki sitzt am Steuer und trägt eine Art Kimono, was sie im Film allerdings auch nicht tat. Hier das Modellauto im Video:

Aber das Wichtigste ist das Auto: Der Toyota 2000GT, der im James-Bond-Film Man lebt nur zweimal (Originaltitel: You Only Live Twice, 1967) zu sehen ist, gilt als einer der ikonischsten Filmwagen der Reihe und ein Meilenstein in der Automobilgeschichte. Dieser elegante, seltene Sportwagen aus den 1960er-Jahren repräsentierte Japans Eintritt in die Welt der Hochleistungs-Sportwagen und wurde durch seinen Auftritt im Film international bekannt. Nur für diesen Film wurde ein spezielles Cabrio-Modell dieses Autos gebaut. Es ist ein Einzelstück, welches zusätzlich noch mit einer Videoanlage im Handschuhfach ausgestattet ist.

Der Toyota 2000GT, der von Yamaha in Zusammenarbeit mit Toyota entwickelt wurde, zeichnet sich durch sein schlankes, aerodynamisches Design aus, das an europäische Klassiker wie den Jaguar E-Type erinnert. Mit seinen geschwungenen Linien, den markanten Klappscheinwerfern und der flachen Silhouette wirkt der Wagen sportlich und zeitlos elegant. Im Film wurde der 2000GT als weißes Cabriolet dargestellt – eine Version, die speziell für Man lebt nur zweimal angefertigt wurde, da Sean Connerys Körpergröße das Ein- und Aussteigen aus der regulären Coupé-Version erschwerte. Das Cabriolet ist einzigartig, da vom Toyota 2000GT offiziell keine offenen Modelle für den Markt produziert wurden. Die beiden im Film gezeigten Cabriolets wurden speziell für die Dreharbeiten umgebaut und sind heute absolute Raritäten, die von Automobilsammlern hoch geschätzt werden.

Der Toyota 2000GT war für die damalige Zeit ein technisches Meisterwerk. Der Wagen verfügte über einen 2,0-Liter-Sechszylindermotor mit drei Vergasern, der etwa 150 PS leistete und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 220 km/h ermöglichte. Ein Fünfgang-Schaltgetriebe, eine Doppelquerlenkeraufhängung und Scheibenbremsen an allen vier Rädern machten den 2000GT zu einem der fortschrittlichsten Sportwagen seiner Zeit. Die Kombination aus technischer Raffinesse und hervorragender Straßenlage machte ihn zu einem starken Konkurrenten für europäische Modelle.

Auftritt im Film
Im Film dient der Toyota 2000GT als Fahrzeug von Aki (gespielt von Akiko Wakabayashi), einer Agentin des japanischen Geheimdienstes, die James Bond unterstützt. Der Sportwagen ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch mit einigen nützlichen Gadgets ausgestattet, darunter ein Funkgerät, das Bond bei seiner Mission hilft. Die Szenen, in denen der Toyota durch die Straßen und malerischen Landschaften Japans fährt, unterstreichen den futuristischen und stilvollen Charakter des Wagens.

Der Auftritt des Toyota 2000GT in Man lebt nur zweimal war ein entscheidender Moment für die japanische Automobilindustrie. Der Film trug wesentlich dazu bei, die Marke Toyota und den 2000GT international bekannt zu machen. Obwohl von diesem Modell nur 337 Exemplare produziert wurden, gilt er heute als Symbol für japanische Ingenieurskunst und Design. Der 2000GT wird oft als der erste echte japanische Supersportwagen angesehen und genießt Kultstatus unter Automobilfans.

Im Kontext der Bond-Filme ist der Toyota 2000GT ein Paradebeispiel für die stilvolle Verbindung von Technologie, Eleganz und Abenteuerlust, die die Reihe auszeichnet. Sein ikonischer Auftritt in Man lebt nur zweimal bleibt ein Highlight der Filmgeschichte und ein Zeugnis dafür, wie ein Automobil zur Legende werden kann. Mehr Infos und Bilder gibt es bei Toyota.

The Wild Bunch – Western-Matinee am Sonntag, 26. Januar im Scala FFB

24. Januar 2025

Sam Peckinpahs Westernklassiker The Wild Bunch aus dem Jahr 1969 gilt als eines der bedeutendsten und zugleich kontroversesten Werke der Filmgeschichte. Der Film, der sich durch seine ungeschönte Gewalt und seine komplexe narrative Struktur auszeichnet, hat das Genre des Western nachhaltig geprägt und bleibt bis heute ein Meisterwerk, das intensive Diskussionen auslöst. Ich bespreche und zeige diesen Klassiker in der Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Handlung
Die Geschichte spielt im Jahr 1913, einer Zeit des gesellschaftlichen und technologischen Umbruchs. Eine Gruppe von alternden Gesetzlosen unter der Führung von Pike Bishop (William Holden) plant einen letzten großen Coup, bevor sie sich zur Ruhe setzen wollen. Doch der Plan geht schief, und die Bande findet sich auf der Flucht vor skrupellosen Kopfgeldjägern wieder, die von Deke Thornton (Robert Ryan) angeführt werden, einem ehemaligen Verbündeten von Pike. Die Gruppe flieht nach Mexiko, wo sie sich mit dem ebenso gefährlichen wie manipulativen General Mapache einlässt. Letztendlich führen Loyalität, Verrat und Gewalt zu einem finalen Showdown, der als eine der blutigsten und eindrucksvollsten Schlachten der Filmgeschichte gilt.

Stil und Inszenierung
Peckinpah inszeniert The Wild Bunch mit einer für die damalige Zeit revolutionären Technik und einem radikal neuen Ansatz für das Western-Genre. Besonders markant ist der Einsatz von Zeitlupe in den Gewaltszenen, der eine fast choreografische Qualität erzeugt und die Brutalität zugleich ästhetisiert und reflektiert. Die Schnitttechnik, die schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven und Handlungen erlaubt, trägt zur Intensität der Action bei.

Die Kameraarbeit von Lucien Ballard fängt die raue Schönheit der mexikanischen Landschaft ebenso ein wie die dreckige, brutale Realität des Lebens der Protagonisten. Der Soundtrack von Jerry Fielding unterstreicht die emotionale Tiefe und die epische Dimension des Films, ohne jemals sentimental zu wirken.

Charaktere und Schauspiel
Die Figuren in The Wild Bunch sind keine typischen Helden. Sie sind moralisch ambivalent, gezeichnet von einem Leben voller Gewalt und Entbehrungen. William Holden liefert als Pike Bishop eine nuancierte Darstellung eines Mannes, der von Schuld und Nostalgie geplagt wird. Robert Ryan als Deke Thornton bietet ein Gegenstück zu Pike, ein Mann, der gezwungen ist, gegen seinen Willen zu handeln, um zu überleben.

Besonders beeindruckend ist die Dynamik innerhalb der Gruppe, gespielt von Ernest Borgnine, Warren Oates, Ben Johnson und Edmond O’Brien. Jede Figur bringt ihre eigene Geschichte und Persönlichkeit ein, was die Bande sowohl glaubwürdig als auch tragisch macht. Sie sind nicht nur Gesetzlose, sondern Männer, die mit ihrer eigenen Vergänglichkeit und der Unausweichlichkeit des Wandels konfrontiert werden.

Thematische Tiefe
The Wild Bunch ist mehr als ein Actionfilm; er ist eine Reflexion über Loyalität, Verrat und die Konsequenzen von Gewalt. Der Film hinterfragt die Idealisierung des amerikanischen Westens und präsentiert stattdessen eine Welt, in der es keine klaren Grenzen zwischen Gut und Böse gibt. Die Mitglieder der „Wild Bunch“ sind keine Helden im klassischen Sinne, sondern Antihelden, die versuchen, in einer sich rapide verändernden Welt zu überleben.

Ein zentraler Aspekt des Films ist die Darstellung von Gewalt. Peckinpah zeigt sie nicht als glorreich oder heldenhaft, sondern als brutal, chaotisch und oft sinnlos. Gleichzeitig wird die Gewalt stilisiert, was den Zuschauer dazu zwingt, über seine eigene Faszination und Abscheu nachzudenken.

Kontroversen und Einfluss
Bei seiner Veröffentlichung löste The Wild Bunch heftige Kontroversen aus. Viele Kritiker und Zuschauer waren von der expliziten Darstellung von Gewalt schockiert. Doch gerade diese Kompromisslosigkeit machte den Film zu einem Wendepunkt in der Filmgeschichte. Er beeinflusste zahlreiche Filmemacher, darunter Martin Scorsese, Quentin Tarantino und John Woo, und gilt heute als ein Schlüsselwerk des modernen Kinos.

Peckinpahs Vision eines sterbenden Westens ist zugleich brutal und poetisch, ein Film, der den Zuschauer herausfordert und lange nachwirkt. Karten für diesen außergewöhnlichen Film gibt es hier.

Leichen pflastern seinen Weg (1968) – Rückblick auf meine Matinee

19. Januar 2025

“Leichen pflastern seinen Weg” ist ein Italo-Western aus dem Jahr 1968, inszeniert von Sergio Corbucci, der als einer der bedeutendsten Regisseure des Genres gilt. Der Film, international bekannt als “Il grande silenzio” oder “The Great Silence”, zeichnet sich durch seine düstere Atmosphäre und unkonventionelle Herangehensweise an das Western-Genre aus. Ich zeigte und besprach diesen harten Western bei meiner jüngsten Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Die nächste Western-Matinee findet am Sonntag, 26.Januar statt. Ich bespreche und zeige den Film The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz. Karten gibt es hier.

Die Handlung von Leichen pflastern seinen Weg spielt in den schneebedeckten Bergen Utahs während eines strengen Winters im späten 19. Jahrhundert. Der stumme Revolverheld Silence, verkörpert von Jean-Louis Trintignant, wird von verfolgten Gesetzlosen angeheuert, um sie vor skrupellosen Kopfgeldjägern zu schützen. Klaus Kinski brilliert in der Rolle des eiskalten Kopfgeldjägers Loco, der ohne Gewissensbisse Jagd auf die Flüchtigen macht. Zwischen Silence und Loco entspinnt sich ein tödlicher Konflikt, der von Rache, Habgier und moralischer Ambivalenz geprägt ist. Hier ist der Vortrag als Aufzeichnung.

Was diesen Film besonders macht, ist seine radikale Abkehr von den typischen Western-Konventionen. Statt staubiger Wüsten dienen verschneite Berglandschaften als Kulisse, was eine kalte und unerbittliche Stimmung erzeugt. Die beeindruckende Kameraführung von Silvano Ippoliti fängt die eisige Atmosphäre meisterhaft ein und verstärkt die bedrückende Stimmung des Films.

Ich freue mich auf Sie und die nächste Matinee The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz. Karten gibt es hier.