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Demokratie braucht Haltung – und eine Gesellschaft, die auf Krisen vorbereitet ist

19. September 2026

Wie widerstandsfähig ist unsere Gesellschaft, wenn Strom, Kommunikation oder andere Teile der kritischen Infrastruktur ausfallen? Wie gut sind Polizei, Hilfsorganisationen und Versorgungsunternehmen auf neue Bedrohungen vorbereitet? Und welche Verantwortung trägt dabei jeder Einzelne? Am Tag der Demokratie diskutierte der PresseClub München auf Einladung seines Fördervereins über eine Frage, die angesichts von Cyberangriffen, Sabotage, Extremwetterereignissen und hybriden Bedrohungen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie resilient ist unsere Gesellschaft?

Christina Kahlert, die den Förderverein des PresseClubs München gegründet hat, machte bereits bei der Begrüßung deutlich, dass der Abend Auftakt für mehr sein soll. „Ich freue mich ganz besonders, dass wir heute hoffentlich eine Serie von Veranstaltungen starten unter dem Motto ‚Demokratie braucht Haltung‘“, sagte sie. Das könne man „in diesen Zeiten nicht genug diskutieren“. Hier die komplette Veranstaltung als Video:

Die Moderation übernahm der Vorsitzende des PresseClubs München, Dr. Uwe Brückner. Auf dem Podium saßen Vertreterinnen und Vertreter ganz unterschiedlicher Bereiche der Sicherheitsarchitektur und Daseinsvorsorge: Magdalena Strzedulla vom Technischen Hilfswerk, Polizeidirektorin Daniela Hand vom Polizeipräsidium München, Hannes Lindhuber von den Stadtwerken München sowie Wilko Beinlich vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE).

Schnell wurde deutlich: Resilienz beginnt nicht erst in dem Augenblick, in dem eine Katastrophe eingetreten ist. Sie muss lange vorher aufgebaut werden.

Für Magdalena Strzedulla ist dabei das Ehrenamt eine tragende Säule. Allein der THW-Landesverband Bayern umfasst 111 Ortsverbände. Die Helferinnen und Helfer werden für unterschiedlichste Aufgaben ausgebildet – von Elektroversorgung bis zu hoch spezialisierten Einsatzbereichen. Und sie alle engagieren sich neben Beruf und Privatleben. „Das basiert alles bei uns auf Ehrenamt“, betonte Strzedulla.

Ein ganzheitlicher Bevölkerungsschutz müsse deshalb früher einsetzen als bei der Alarmierung der Einsatzkräfte. „Wir können nicht erst mit entsprechender Vorbereitung starten, wenn eine Krise da ist beziehungsweise wenn wir in einen Einsatz gerufen werden“, sagte sie. Einsatzorganisationen müssten ihre Helfer vorbereiten, zugleich aber auch die Bevölkerung stärker einbeziehen.

Damit verändert sich ein lange vertrautes Bild des Katastrophenschutzes. Die Vorstellung, im Ernstfall würden professionelle und ehrenamtliche Einsatzkräfte kommen und sämtliche Probleme lösen, stößt gerade bei großen und lang anhaltenden Krisen an Grenzen. „Man muss sich ein Stück weit verabschieden von diesem Gedanken, dass nur Einsatzorganisationen entsprechend die Lage unterstützen und helfen“, sagte Strzedulla. Die vorhandenen Ressourcen seien begrenzt und müssten dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich gebraucht würden.

Polizeidirektorin Daniela Hand setzte an einem anderen Punkt an: bei Freiheit und Verantwortung. Eine demokratische Gesellschaft sei nichts Selbstverständliches und auch nichts, was unabhängig vom Verhalten ihrer Mitglieder existiere. „Jeder Einzelne von uns ist Bestandteil der Gesellschaft, und insofern prägen wir auch die Gesellschaft ganz extrem mit.“

Freiheit dürfe dabei nicht mit Rücksichtslosigkeit verwechselt werden. Hand sprach von einem teilweise „missverstandenen Freiheitsgedanken“. Wer Freiheit ausschließlich als Anspruch verstehe, selbst zuerst durch die Tür zu gehen, ohne die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere zu berücksichtigen, verkenne ihren gesellschaftlichen Charakter.

Das zeigt sich aus Sicht der erfahrenen Polizeibeamtin auch im Alltag. Bei Polizeieinsätzen werde gefilmt und beobachtet, gleichzeitig fehlten anschließend nicht selten Zeugen. Hand formulierte es drastisch: Viele Menschen könnten ihr Smartphone auf ein Ereignis richten und Aufnahmen verbreiten – „aber der Polizei als Zeuge zur Verfügung stehen, damit dann mein Mitbürger, meine Mitbürgerin zu ihrem Recht kommen kann, das ist dann schon wieder eine ganz schwierige Nummer“.

Dabei sei die Schwelle zum Helfen denkbar niedrig. Niemand solle sich selbst in Gefahr bringen. „Aber das, was jeder von uns kann, ist, dass er Hilfe holt. Super einfach: 110.“

Für Hand beginnt Resilienz ohnehin im Kleinen. Wer nicht darüber nachdenke, welche persönlichen Daten er im Internet preisgibt, wie er nach einer Feier sicher nach Hause kommt oder welche alltäglichen Gefahren entstehen können, werde sich auch mit großen Krisen schwerer tun. „Wenn ich im Kleinen nicht in der Lage bin zu bedenken, was könnte sein, und keinen Plan B habe, dann bin ich es auch in großen Situationen eher nicht.“

Dass innere Sicherheit unmittelbar mit funktionierender Infrastruktur verbunden ist, machte Hannes Lindhuber deutlich. Die Stadtwerke München stehen für Strom, Wärme, Gas und Wasser, aber ebenso für Telekommunikation, öffentlichen Nahverkehr und Ladeinfrastruktur. Damit betreiben sie wesentliche Lebensadern der Stadt.

Ein wichtiges Prinzip sei Redundanz. Das sogenannte N-1-Prinzip soll dafür sorgen, dass eine zentrale Infrastrukturkomponente ausfallen kann, ohne dass dadurch das gesamte System zusammenbricht. Hinzu kommen kleinteilige Netzstrukturen und zahlreiche Querverbindungen.

Interessant war Lindhubers Hinweis auf die Energiewende. Eine stärker dezentrale und regionale Erzeugung erneuerbarer Energie könne auch die Widerstandsfähigkeit erhöhen: Die Versorgung verteile sich auf mehr Erzeugungsanlagen und werde dadurch weniger abhängig von einzelnen großen Kraftwerken.

Gleichzeitig warnte Lindhuber davor, Sicherheit vor allem über zusätzliche Bürokratie herstellen zu wollen. Europäische und nationale Regelwerke zur Cyber- und Infrastruktursicherheit verfolgten zwar die richtigen Ziele, doch aus Sicht eines Betreibers fließe zu viel Kraft in Dokumentations- und Nachweispflichten. „Eigentlich wird versucht, Sicherheit durch Akten zu schaffen und nicht durch wirksame Maßnahmen.“

Hinzu kommt ein Dilemma zwischen Transparenz und Sicherheit. Wo genau befinden sich Anlagen? Wie funktionieren sie? Welche Kapazitäten haben sie? Solche Informationen können journalistisch oder gesellschaftlich von berechtigtem Interesse sein – zugleich können sie potenziellen Angreifern helfen. Auch Führungen durch technische Anlagen müssten deshalb heute anders bewertet werden als noch vor einigen Jahren.

„Es ist ein Angriff auf unsere Lebensgrundlagen“, sagte Lindhuber über gezielte Attacken auf kritische Infrastruktur. Er begrüßte, dass solche Angriffe inzwischen wesentlich ernster genommen würden als noch vor zehn oder zwölf Jahren, als Beschädigungen von Kabel- oder Netzinfrastruktur teilweise eher als gewöhnlicher Vandalismus wahrgenommen worden seien.

Resilienz kostet allerdings Geld. Redundante Netze, Schutzmaßnahmen und zusätzliche Infrastruktur müssen finanziert werden, obwohl sie im besten Fall niemals gebraucht werden. Lindhuber forderte deshalb langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Sein Fazit: „Es ist ein Marathon, es ist kein Sprint.“ Resilienz entstehe durch Vorsorge und nicht erst in der Krise.

Wilko Beinlich vom Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen brachte die Perspektive des Krisenmanagements in die Diskussion ein. Das BayZBE trainiert Einsatzkräfte für Situationen, die über den normalen Rettungsdienst hinausgehen: Massenanfälle von Verletzten, Anschläge, aktive Täter, Naturkatastrophen oder länger andauernde Krisen.

Beinlich kritisierte eine gesellschaftliche und politische Neigung, erst auf Katastrophen zu reagieren, statt vorher konsequent vorzusorgen. „Wir sind immer noch reaktiv“, sagte er. Viele Sicherheitsstandards seien historisch erst eingeführt worden, nachdem Katastrophen ihre Notwendigkeit brutal bewiesen hätten.

Ein Problem sei dabei die von ihm so bezeichnete „Katastrophendemenz“. Nach einer Krise würden Konzepte entwickelt, Erfahrungen ausgewertet und Verbesserungen versprochen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand lasse die Aufmerksamkeit jedoch wieder nach. Dabei sei die nächste Krise keine theoretische Möglichkeit. „Es ist keine Frage, ob die Krise wieder eintreffen wird, sondern eher wann.“

Beinlich brachte seine Forderung nach mehr praktischem Handeln mit einem Satz auf den Punkt, der im PresseClub für Aufmerksamkeit sorgte: „Machen ist wie wollen, nur geiler.“

Mehr Investitionen in Bevölkerungsschutz seien aus seiner Sicht kein verlorenes Geld, selbst wenn die befürchtete Krise nicht eintrete. Würden Hilfsorganisationen, Ehrenamt, Polizei und Bevölkerungsschutz gestärkt und die erwartete extreme Lage bliebe aus, habe die Gesellschaft trotzdem gewonnen: Sie verfüge dann über besser ausgestattete Strukturen, die ebenso bei Hochwasser, Hitze, Sturm oder anderen Katastrophen eingesetzt werden könnten.

Wie wichtig dabei gesellschaftlicher Zusammenhalt ist, zeigte Beinlich am Beispiel von Hochwasserereignissen. Nicht allein Feuerwehr, THW oder Rettungsdienste seien entscheidend. Oft seien es Nachbarn, die Pumpen bereitstellten, Keller leer räumten oder älteren Menschen halfen. „Die Menschen helfen sich, und dieser Staat funktioniert auch ziemlich gut“, sagte Beinlich.

Genau dort trafen sich die unterschiedlichen Perspektiven des Podiums. Resilienz bedeutet nicht, aus jedem Bürger einen „Prepper“ mit Generator, Treibstoff und riesigen Lebensmittelvorräten zu machen. Vielmehr geht es um überschaubare Vorsorge, Information und Nachbarschaftshilfe.

Strzedulla verwies auf Angebote wie „Krisenscout“-Veranstaltungen, bei denen Bürger erfahren können, wie sie sich auf Ausfälle und Notlagen vorbereiten. Beinlich empfahl darüber hinaus die Informationen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Schon die Frage, wie ein Haushalt die ersten Tage einer Krise überstehen kann, könne viel bewirken. Und manchmal beginne Resilienz schlicht damit, beim älteren Nachbarn zu klingeln, wenn dort seit Tagen niemand gesehen wurde.

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends waren neue technologische Bedrohungen. Daniela Hand schilderte, dass auch die Polizei ihre Kommunikation und den Umgang mit sensiblen Informationen ständig neu bewerten müsse. In Zeiten von Smartphones und digitaler Kommunikation reiche klassische Verschlusssachensicherheit nicht mehr aus. Selbst scheinbar belanglose Informationen könnten zusammengesetzt ein aussagekräftiges Bild ergeben.

Das gelte auch für die Beschäftigten kritischer Infrastruktur, ergänzte Lindhuber. In sozialen Netzwerken sei es selbstverständlich geworden, über den Arbeitsplatz, Veranstaltungen und berufliche Kontakte zu berichten. Was einzeln harmlos erscheine, könne in der Summe sicherheitsrelevant werden. Unternehmen müssten deshalb ihre Beschäftigten stärker für einen verantwortungsvollen Umgang mit Informationen sensibilisieren.

Auch Drohnen waren Thema. Auf die Frage, ob München gegen mögliche Drohnenangriffe ausreichend geschützt sei, verwies Hand auf die entstehenden Strukturen zur Drohnenabwehr. Absolute Sicherheit könne es allerdings nicht geben. Technologische Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten entwickelten sich permanent weiter.

Beinlich wiederum machte deutlich, dass moderne Technik nicht ausschließlich als Bedrohung betrachtet werden dürfe. Gerade künstliche Intelligenz könne im Katastrophenschutz helfen, riesige Datenmengen aus Sensoren und unterschiedlichen Quellen zu einem Lagebild zusammenzuführen. Entscheidend sei, die chaotische Anfangsphase einer Krise möglichst schnell in eine „Strukturierungsphase“ zu überführen. Je besser Informationen zusammengeführt würden, desto eher könnten Einsatzleitungen „vor die Lage kommen“, statt ihr hinterherzulaufen.

Am Ende kehrte die Diskussion zu ihrem Ausgangspunkt zurück: Demokratie braucht Menschen, die sich beteiligen.

Gerade bei jungen Menschen sieht Strzedulla Anlass zu Optimismus. Die Bereitschaft, sich bei Feuerwehr, THW, Rettungsorganisationen oder Vereinen zu engagieren, sei vorhanden – zunehmend auch bei Mädchen und jungen Frauen. Es müsse gelingen, ihnen Strukturen anzubieten, in denen dieses Engagement wachsen könne.

„Jeder und jede kann sich da einbringen – mit ihren Strukturen, mit ihren Kapazitäten, mit ihrem Engagement, ihrer Motivation, egal ob groß oder klein“, sagte Strzedulla zum Abschluss.

So blieb nach der Diskussion im PresseClub München weniger das Bild einer hilflosen Gesellschaft als vielmehr das einer Gesellschaft mit erheblichen Ressourcen – wenn sie diese nutzt. Polizei, Hilfsorganisationen und Infrastrukturbetreiber können vorsorgen, trainieren und investieren. Doch Resilienz lässt sich nicht vollständig delegieren.

Sie beginnt auch beim Einzelnen: mit einem Notruf, mit einem Vorrat für einige Tage, mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Informationen, mit dem Blick auf den Nachbarn und nicht zuletzt mit der Bereitschaft, sich für andere zu engagieren. In diesem Sinne bekam das Motto des Abends eine zusätzliche Bedeutung: Demokratie braucht Haltung – und Widerstandsfähigkeit braucht Gemeinschaft.

Unsicherheit bei der Twitter-Kommunikation der Polizei nach Anschlag in Ansbach

25. Juli 2016

Ich war und bin voll des Lobes über die Krisenkommunikation der Polizei München in den vergangenen Jahren. Bereits früher hab ich die Leistungen herausgestellt, wie bei den Ereignissen zu Silvester 2015 oder unlängst beim Amoklauf in München. Ich stehe hinter der Polizei und unterstütze sie.
Allerdings hat die Polizei in Bayern noch einen Nachholbedarf in Sachen moderner Kommunikation, wie sich jetzt für mich bei dem Anschlag in Ansbach herausstellte. Laptop und Lederhose gibt es nicht in ganz Bayern und das wäre dringend notwendig.
Am Morgen nach dem Attentat in Ansbach ging durch Twitter eine Nachricht mit folgendem Inhalt: „Videos und Bilder zum Tatgeschehen bitte an folgende Adresse senden: rba.mittelfranken@web.de #explosion #ansbach“ Der Absender war @polby_1 ein nichtverifizierter Account, der sich als Polizei Bayern ausgibt.

Ich war mir nicht sicher, ob sich dahinter wirklich die bayerische Polizei befindet.

Ich war mir nicht sicher, ob sich dahinter wirklich die bayerische Polizei befindet.

Ich bin nicht ganz unerfahren in Sachen Social Media und das machte mich stuzig. Der Account ist nicht von Twitter verifiziert und jeder kann sich so einen Namen und Adresse anlegen. Woher soll der Bürger wissen, ob sich dahinter wirklich die Polizei aufhält? Das ist äußerst unprofessionell. Es könnte ja auch ein Depp sein, der Bilder von dem Attentat sammelt und sonst was damit macht.
Als zweites machte mich stutzig, dass zum Übertragen von Videos eine Web.de-Adresse angegeben wird. Web.de? Geht es noch unprofessioneller? Der Bürger soll ernsthaft Videos an eine Web.de-Adresse senden? Schon mal was von Datei-Upload gehört? In München wurde eine Upload-Seite eingerichtet und wir konnten die Bilder und Videos vom OEZ hochladen.
Mich hat das Ganze sehr verstört und ich habe nachgefragt. Es kam die Antwort in bestem Beamtendeutsch: „Es handelt sich dabei um eine Rückfallebene für Präsidien ohne Twitter-Kanal.“ Eine was bitte? Was ist jetzt eine Rückfallebene? Offizielle Nachrichtenseiten und später auch die Polizei München bestätigten, dass es sich bei @polby_1 um einen echten Twitter-Account der bayerischen Polizei handelt.

Die Polizei München bestätigt die Echtheit des Accounts.

Die Polizei München bestätigt die Echtheit des Accounts.

Im Laufe des Vormittags will sich die Polizei um eine Verifizierung durch Twitter bemühen. Ob das so schnell geht? Beim Schreiben dieses Blogposts fehlte noch immer der blaue Haken. Von mehreren Seiten kam die Bestätigung, dass es sich wirklich um einen offiziellen Account der Polizei handelt. Es ist der Einsatzkanal der bay. Polizei. „Nur in Einsatzlagen aktiv. Keine Anzeigenaufnahme! Keine 24/7 Überwachung! In Notfällen immer die 110 wählen!“
Und dennoch: Hier muss sich der Freistaat Bayern besser aufstellen. So eine Unsicherheit bei den Bürgern darf auf keinen Fall vorkommen. Die Diskussionen um die nicht verifizierte Adresse sowie um das Web.de-Konto füllen das Netz. Wir Bürger wollen unsere Polizei unterstützen. Doch hier muss das Innenministerium auch die technischen Voraussetzungen schaffen. Social Media ist keine neue Erfindung.
Ich bin viel in der Ausbildung von Polizisten unterwegs. Immer wieder höre ich die schlechte technische Ausstattung bei den Beamten. Bitte stellt diesen Misstand schnell ab.

Lob für Social Media-Information der Polizei München

2. Januar 2016

Der Jahreswechsel war gezeichnet durch massiven Einsatz von Social Media-Berichterstattung. Zum einen war da der schreckliche Brand eines Hotelhochhauses in Dubai, zum anderen war der mögliche Terroranschlag in München. Von beiden Ereignissen wurde ich an Silvester durch soziale Netzwerke informiert.

Via Periskope sah ich mir den Brand in Dubai an.

Via Periskope sah ich mir den Brand in Dubai an.

Es zeigte sich, dass Twitter das richtige Social Media-Werkzeug in beiden Fällen war. In 140 Zeichen kamen die Breaking News auf mein iPhone. Hashtags sorgten für den entsprechenden Filter. Gegen 19:30 Uhr war es der Hotelbrand in Dubai. Und weil der Brand mitten in der Stadt lag, übertrugen einige User den Brand via Periscope. Befürchtungen, dass sich ein 11. September wiederholen konnte, kamen kurzzeitig bei den Kommenatoren auf. Verschiedene Periscope-Nutzer zeigten das brennende Haus aus verschiedenen Perspektiven und das Netz war weltweit dabei. Da ich kein Arabisch spreche, ließ ich mir nur die englischen Tweets anzeigen, um zu wissen, was vor sich ging und wie sich die Leute fühlten.

Die erste Terror-Warnung der Münchner Polizei über Twitter.

Die erste Terror-Warnung der Münchner Polizei über Twitter.

Am späteren Silvesterabend um 22:40 Uhr kam dann ein Tweet der Polizei München. Der offizielle Twitter-Account gab eine Terrorwarnung heraus. Auch auf Facebook war sie zu lesen. Man sollte in der Silvesternacht Menschenansammlungen in München meiden. Zudem wurden der Hauptbahnhof München und der Fern- und Regionalbahnhof München-Pasing geräumt. In Windeseile verbreitete sich diese Nachricht aus der Landeshauptstadt München durchs Netz. Die Netzwerkeffekte in Twitter und auch in Facebook sorgten für die entsprechende Reichweite. Als Informationsmedium hatte Facebook seine Berechtigung. Als Newstool ist es zu langsam und unbrauchbar.

Twittert vorbildlich: Die Münchner Polizei

Twittert vorbildlich: Die Münchner Polizei

Interessant war, dass der Polizeireporter des BR am nächsten Tag im Fernsehen vermeldete, dass die Münchner ja auf den Straßen waren und von den Durchsagen im Radio nichts mitbekamen. Hallo Smartphone-Generation? Auch wenn man noch so besoffen ist, das Smartphone ist dabei und über irgendeinen Kanal bekam man die Meldung schon mit. Dabei ist es egal, ob WA an diesem Abend einen Aussetzer hatte.
Ich führte im vergangenen Jahr mehrere Social Media-Schulungen für deutsche Polizisten und Ministerialverwaltungn durch und muss für mich feststellen: Die Münchner Polizei hat ihre Sache sehr, sehr gut gemacht. Chapeau. Während andere Polizeieinheiten noch im digitalen Nowhere-Land vegetieren, zeigt die Münchner Poilizei, wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im 21. Jahrhundert funktionieren kann. Sie nutzen Twitter nicht nur als Sende- sondern als Dialogmedium. So wurden Fragen beantwortet, ob der Flughafen auch gesperrt sei. Natürlich lag im Fall der Terrorwarnung die Hauptkommunikation auf ein Sender-Empfänger-Modell wie in klassischen Massenmedien. Der Dialog trat hier in den Hintergrund.
Bereits zur Wiesn-Zeit haben wir eine sympathische Polizei München in den sozialen Netzwerken erlebt. Einen Höhepunkt bekamen wir sicher zum Start von Star Wars VII zu sehen. Die Münchner Polizei veröffentlichte ein Fan-Plakat im Star Wars-Style und sorgte für Reichwerte und Likes.

In verschiedenen Sprachen wurde von der Polizei München getwittert.

In verschiedenen Sprachen wurde von der Polizei München getwittert.

Bei der Terrordrohung war freilich Schluss mit lustig und die Information war nüchtern, klar, schnell und vor allem professionell. Der Tweets zum drohenden Terroranschlag wurden in verschiedenen Sprachen abgesetzt, denn München ist eine internationale, offene Stadt mit vielen Gästen aus aller Welt.

Zunächst wurde klassisch gesendet, dann trat man in den Dialog ein.

Zunächst wurde klassisch gesendet, dann trat man in den Dialog ein.

Twitter, Facebook-User und klassische Massenmedien nahmen die Terrorwarnungen auf und verbreiteten sie. Der Netzwerkeffekt kam wiederum zum Tragen. Meine Timeline war voll mit dem Thema. Auf der einen Seite gab es die üblichen Silvesterbilder, auf der anderen Seite die Terrorwarnungen und entsprechende Kommentare. Das Doofvolk („Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber …“) war auch dabei und zündelte schon wieder am rechten Rand. Den Vogel schoss der Pegida-Heini ab.
Die Polizei setzt auf Twitter als schnelles Informationsmedium und das ist richtig so. Die Polizei schreibt: „Wir arbeiten mit Nachdruck sowie hohem Personaleinsatz an der Bereinigung der Lage sowie der Ermittlung möglicher Tatverdächtiger.
Wir halten Euch hier und auf unserer Twitter Seite @polizeimünchen auf dem Laufenden!“

Gegen 2 Uhr nachts kam noch die erste Periskope-Übertragung der Polizei hinzu.

Gegen 2 Uhr nachts kam noch die erste Periskope-Übertragung der Polizei hinzu.

Gegen 2 Uhr morgens kam zudem wieder Periscope zum Einsatz. Zum ersten Mal übertrug die Münchner Polizei ihre Pressekonferenz live via Periscope ins Netz. Zwar hatten die Polizisten noch einige Tonprobleme, aber die Botschaft kam an. Innenminister Joachim Herrmann hatte zudem ein so lautes Organ, dass man den CSU-Politiker einigermaßen verstehen konnte.
Es geht mir nicht darum, ob die Münchner Polizei hätte warnen dürfen oder nicht. Das kann ich nicht beurteilen. Mein Bauch sagt mir, dass es richtig war. Vollkommen richtig war der zeitgemäße Einsatz von Social Media. Chapeau – und ich freue mich, dieses Beispiel in meinen Social Media-Schulungen mit der Polizei zu zeigen.

Via Facebook kam dann die ausführliche Stellungnahme. Tools richtig eingesetzt.

Via Facebook kam dann die ausführliche Stellungnahme. Tools richtig eingesetzt.