Posts Tagged ‘Peter Wippermann’

Arbeitszeit und Freizeit dürfen kein Widerspruch sein

18. Juni 2010

Neulich habe ich eine interessante These gehört. Prof. Peter Wippermann vom Trendbüro sagte sinngemäß: Es gibt nur eine Zeit, nicht die Teilung in Arbeitszeit und Freizeit. Diese Aussage geht mir seitdem durch den Kopf, denn dieser Professor trifft den Nerv. Ich kenne unzählige Leute, die fein säuberlich zwischen einem beruflichen und einem privaten Leben unterscheiden. Dabei meine ich ausdrücklich nicht die Arbeiter am Fließband oder in der Produktion. In der industriellen Welt gilt diese Unterscheidung noch.

Viele meiner Bekannten zählen sich aber zu den so genannten Kreativen. Doch auf hier gibt es eine Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Ich höre immer wieder: „Ich will für die Agentur nicht Tag und Nacht arbeiten, ich bin sowieso zu lange im Büro.“ Das ist richtig und ich denke, dass verlangt auch niemand. Seitdem ich mir meine Zeit als Selbstständiger freier einteilen kann (ganz frei bin ich natürlich nie), habe ich mehr Kraft und Power, bin für meine Umwelt ausgeglichener. Aussagen über die Arbeitszeit zeugen für mich vor der Angst vor Vorgesetzten. Nur wenn Druck, spricht Arbeitszeit, vorhanden ist, dann bringe ich Leistung für die Arbeit. Das darf doch nicht sein. Ich bin kreativ und schöpferisch, auch wenn ich unter dem Apfelbaum liege und die Fische füttere. Mir kommen gute Gedanken für meine Kunden, wenn ich mich mal mit ganz etwas anderen beschäftige. Ist das also Arbeitszeit, wenn ich im Garten etwas pflanze oder ist das Freizeit? Nichts von beiden – es ist meine Zeit.

Leider musste ich in Firmen arbeiten, bei denen es ganz wichtig war, dass alle Mitarbeiter einstempeln. Vertrauensarbeitszeit war nicht angesagt. Das Unternehmen hatte wohl Angst, man geht früher oder erledigt seine Arbeit nicht. Das wäre unverantwortlich, denn schließlich wird man für seine Arbeit vom Unternehmen bezahlt. Die Konsequenz war, dass Mitarbeiter genau auf die Minute ausstempeln oder während der Arbeitszeit Mantel, Mütze anziehen und darauf warten, bis die tägliche Arbeitszeit zu ende ist. Hier kann kein kreatives Klima aufkommen. Als ich bei Unternehmen arbeitete, die Vertrauensarbeitszeit hatten, war ich produktiver und vermischte meine Arbeit mit meiner Freizeit. Die Projekte verliefen besser, ich fühlte mich besser, ich war ausgeglichen.

Keiner verlangt, immer erreichbar zu sein. Natürlich schalte ich das Telefon mal aus und rufe keine Mails ab. Natürlich gehe ich bei strahlendem Sonnenschein mal ins Freibad oder döse im Liegestuhl vor mich hin. Da ich ein verantwortungsvoller Mensch bin, weiß ich, wann ich Projekte fertigbekommen muss und ich weiß, wann ich einfach nur abhängen darf. Ich arbeite eben mal bis in die Nacht, wenn es wichtig ist und ich arbeite auch am Wochenende. Wenn am Sonntag ein Kunde anruft, dann bin ich eben für ihn da, wenn ich es will. Es zwingt mich keiner, das Handy am Sonntag anzuhaben. Anrufen muss ich den Kunden sowieso. Aber ich habe auch die Freiheit, meine Zeit einzuteilen, so dass sich Arbeitszeit und Freizeit vermischen. Es macht für mich keinen Unterschied, ob ich gerade arbeite oder nicht, denn der Professor vom Trendbüro hat recht: Es gibt nur eine Zeit und die möchte ich im Moment nutzen: Für mich

Gedanken zum media coffee: Kommunikation 2020

9. Juni 2010

Social Media wird eine Ernüchterung erfahren, wie es auch Second Life erging – Dieser Meinung war Prof Peter Wippermann vom Trendbüro. Auf einer Veranstaltung des media coffee bat Veranstalter newsaktuell über 300 Zuhörer zum Thema „Kommunikation 2020 – Aufbruch in ein neues Informationszeitalter“ zur IBW nach München.

Eine rundum gute Figur machte Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus online. „SL fand ich schräg, doch das iPad elektrisiert mich.“ Das Gerät zeige komplette neue Möglichkeiten, „wie man mit neuen digitalen Inhalten umgeht“. Verlage lernten jetzt erst, die neuen digitalen Inhalte aufzubereiten. Bei Focus werden die kostenlosen Apps von Werbung finanziert, bei den Verlagskollegen kosten die Apps gleich Geld. Wegner sah künftig neue hochwertige Inhalte durch das iPad. Als Vorzeigebeispiel nannte er „Wired“.

Falsch halte ich die Aussage von Wippermann, der die Wirkung des iPads bei älteren Usern überschätzt sah. Ein Achtzigjähriger ist mit dem ABC groß geworden und nicht mit Fingergesten.“ Ich glaube dagegen, ein Achtzigjähriger beherrscht seine Finger noch ganz gut. Der Praxistest mit meinen Dad verlief hervorragend.

Interessant für mich waren am Rande der Veranstaltung manche Aussagen über Arbeitszeit. So manchen Teilnehmer aus der PR-Szene stieß es übel auf, als Wippermann eine weitere Vermischung zwischen Arbeit und Freizeit ankündigte. Diese Vermischung werde eine echte Herausforderung. Hier stimme ich Helmut Freiherr von Fricks, Geschäftsführer von F&H Public Relations, zu: „Wir haben nur eine Zeit und nicht Arbeitszeit und Freizeit. Wir so denkt, sollte sein Zeitmodell überprüfen.“ Es gelte, die Zeit richtig zu nutzen. In Publikum gab es nicken und Kopfschütteln gleichermaßen. „Ich bin doch nicht bereit, für meinen Laden noch mehr zu schuften“, war eine Aussage neben mir. Ich glaube, die Dame hat es nicht verstanden.

Vielleicht war mit meiner Provokation auch etwas daran, als ich via iPhone über die Twitterwall live twitterte: „ Im Jahr 2020 gibt es mindestens 45 Prozent von denen nicht mehr und müssen mal richtig arbeiten #mediacoffee“ und allen sei noch auf den Weg gegeben: „Web 2.0 wurde nicht erfunden, damit Verlage und PR automatisch Geld verdienen 🙂 #mediacoffee“.

Es hätte ein schöner Abend werden können, doch leider war das Podium falsch besetzt: Moderator Klaus Eck mühte sich redlich ab und versuchte die Diskussion in Gang zu bekommen bzw. in Gang zu halten, doch mindestens zwei Podiumsteilnehmer waren noch nicht mal richtig im modernen Zeitalter angekommen. Wie sollen sie dann überhaupt Aussagen über die Zukunft 2020 treffen?

Der Veranstalter newsaktuell gab sich modern und richtete hinter dem Podium eine Twitterwall ein. Besucher und Interessierte im Saal der IBW und außerhalb sollten Fragen stellen und sich unter dem Hashtag #mediacoffee beteiligen. Das wurde auch gemacht und ein paar Übermutige nutzten die Wall auch für die Selbstdarstellung oder Provokation, der Autor dieser Zeilen mit eingeschlossen. Leider konnten die Diskutanten die Tweets der Wall nicht lesen, ohne sich den Kopf zu verrenken. Nachdenken und dann die neue Präsentationstechnik einsetzen, das erwarte ich bei einem Veranstalter wie einer dpa-Tochter.