Arbeitszeit und Freizeit dürfen kein Widerspruch sein

Neulich habe ich eine interessante These gehört. Prof. Peter Wippermann vom Trendbüro sagte sinngemäß: Es gibt nur eine Zeit, nicht die Teilung in Arbeitszeit und Freizeit. Diese Aussage geht mir seitdem durch den Kopf, denn dieser Professor trifft den Nerv. Ich kenne unzählige Leute, die fein säuberlich zwischen einem beruflichen und einem privaten Leben unterscheiden. Dabei meine ich ausdrücklich nicht die Arbeiter am Fließband oder in der Produktion. In der industriellen Welt gilt diese Unterscheidung noch.

Viele meiner Bekannten zählen sich aber zu den so genannten Kreativen. Doch auf hier gibt es eine Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit. Ich höre immer wieder: „Ich will für die Agentur nicht Tag und Nacht arbeiten, ich bin sowieso zu lange im Büro.“ Das ist richtig und ich denke, dass verlangt auch niemand. Seitdem ich mir meine Zeit als Selbstständiger freier einteilen kann (ganz frei bin ich natürlich nie), habe ich mehr Kraft und Power, bin für meine Umwelt ausgeglichener. Aussagen über die Arbeitszeit zeugen für mich vor der Angst vor Vorgesetzten. Nur wenn Druck, spricht Arbeitszeit, vorhanden ist, dann bringe ich Leistung für die Arbeit. Das darf doch nicht sein. Ich bin kreativ und schöpferisch, auch wenn ich unter dem Apfelbaum liege und die Fische füttere. Mir kommen gute Gedanken für meine Kunden, wenn ich mich mal mit ganz etwas anderen beschäftige. Ist das also Arbeitszeit, wenn ich im Garten etwas pflanze oder ist das Freizeit? Nichts von beiden – es ist meine Zeit.

Leider musste ich in Firmen arbeiten, bei denen es ganz wichtig war, dass alle Mitarbeiter einstempeln. Vertrauensarbeitszeit war nicht angesagt. Das Unternehmen hatte wohl Angst, man geht früher oder erledigt seine Arbeit nicht. Das wäre unverantwortlich, denn schließlich wird man für seine Arbeit vom Unternehmen bezahlt. Die Konsequenz war, dass Mitarbeiter genau auf die Minute ausstempeln oder während der Arbeitszeit Mantel, Mütze anziehen und darauf warten, bis die tägliche Arbeitszeit zu ende ist. Hier kann kein kreatives Klima aufkommen. Als ich bei Unternehmen arbeitete, die Vertrauensarbeitszeit hatten, war ich produktiver und vermischte meine Arbeit mit meiner Freizeit. Die Projekte verliefen besser, ich fühlte mich besser, ich war ausgeglichen.

Keiner verlangt, immer erreichbar zu sein. Natürlich schalte ich das Telefon mal aus und rufe keine Mails ab. Natürlich gehe ich bei strahlendem Sonnenschein mal ins Freibad oder döse im Liegestuhl vor mich hin. Da ich ein verantwortungsvoller Mensch bin, weiß ich, wann ich Projekte fertigbekommen muss und ich weiß, wann ich einfach nur abhängen darf. Ich arbeite eben mal bis in die Nacht, wenn es wichtig ist und ich arbeite auch am Wochenende. Wenn am Sonntag ein Kunde anruft, dann bin ich eben für ihn da, wenn ich es will. Es zwingt mich keiner, das Handy am Sonntag anzuhaben. Anrufen muss ich den Kunden sowieso. Aber ich habe auch die Freiheit, meine Zeit einzuteilen, so dass sich Arbeitszeit und Freizeit vermischen. Es macht für mich keinen Unterschied, ob ich gerade arbeite oder nicht, denn der Professor vom Trendbüro hat recht: Es gibt nur eine Zeit und die möchte ich im Moment nutzen: Für mich

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5 Antworten to “Arbeitszeit und Freizeit dürfen kein Widerspruch sein”

  1. Rudi Says:

    Geht mir 1000% genauso, im letzten Job ließen alle pünktlich um 17:30 alles fallen, weil es nicht gern gesehen wurde, wenn man am Morgen mal später kommt. Also haben dann auch alle sehr pünktlich Schluss gemacht. War eher nachteilig für den Arbeitgeber, nur gemerkt hat er das leider nicht.

    Jetzt kann ich theoretisch kommen und gehen wann ich will, hauptsache meine Arbeit ist erledigt. Und unterm Strich arbeite ich mehr und lieber, denn ich mache auch mal zuhause etwas, oder bleibe dafür abends länger.

    Tut also mir gut und bringt sicher auch meinem neuen Arbeitgeber mehr…

  2. Tane Says:

    Man kann es verkürzen. Wer in seiner Arbeit aufgeht, seine Arbeit grundsätzlich mag und dazu noch das Privilleg hat (lebt) selbständig zu arbeiten, der wird Freizeit und Arbeitszeit nicht trennen (können).
    Es ist gut für den Biorhythmus und für die Nerven, kann aber auch temporär nervig sein 😉 Insbesondere, wenn man Familie hat…

  3. leresa Says:

    Ich kann nur zustimmen. Bei mir führt dies auch ganz klar dazu, dass ich stundenmässig mehr arbeite. Einmal einen Tag von zu Hause zu arbeiten, bringt willkommene Abwechslung. Eine weitere Erkenntnis: ich erlaube meinen Mitarbeiter dasselbe ebenfalls (eine Arbeitszeitkontrolle war nie ein Thema) und es funktioniert. Das gegenseitige Vertrauen, die Freiräume für jeden und dann die mal notwendigen Nachtstunden wo man auf die Hilfe der anderen zählen kann – das hilft uns ein immer besseres Team zu werden.

  4. mitlucyumdenblog Says:

    Persönlich stimme ich zu, denn als freelance Texterin „arbeite“ ich oft beim Hundespaziergang, wo mir die besten Ideen kommen und meine Emails bearbeite ich gerne im „Mama-Taxi“. Kreativsein kann man ohnehin nicht immer auf Knopfdruck zur vorgegebenen Zeit ….Andererseits gibt es durchaus Persönlichkeiten, für die eine klare Trennung und Struktur im Tagesablauf besser ist, um zu entspannen und Kraft zu schöpfen und um überhaupt etwas Konstruktives zu leisten. Freie Zeiteinteilung setzt auch viel Selbstdisziplin voraus …

  5. Frau Huhn Says:

    Reblogged this on Im Hühnerstall und kommentierte:
    Wie schon angekündigt, hier ein Re-Blog eines interessanten Posts von Matthias (redaktion42), der auch mich zum Nachdenken brachte. Für meine Person möchte ich festhalten:
    1. Ich trenne defintiv zwischen Arbeitszeit und nicht-Arbeitszeit, wobei ich mit Arbeitszeit, nur die bezahlte Arbeit im Angestelltenverhältnis meine.

    2. Ich bin eine Freundin der Stechuhr und eine Gegnerin der Vertrauensarbeitzeit. Ich habe von Untersuchungen gelesen, wonach Arbeitnehmer mit Vertrauensarbeitszeit mehr Arbeiten als die „Stecher“ ;-), weil sie permanent unter schlechtem Gewissen leiden würden.
    Diese Situation erinnert mich so an meine Arbeitszeit als Mutter bzw. Hausfrau, die ja jede von uns ist. Nie wirst du fertig, immer gibt es noch etwas, was man hätte erledigen können. Mit dieser Einstellung bin ich nicht allein, das weiß ich. Und ich weiß auch, dass man sich diese Einstellung abgewöhnen muss, aber das gelingt kaum. Die Vorstellung auch als Angestellte in diesem stressigen Haltung gefangen zu sein, ist wirklich nicht verlockend.

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