Lucio Fulcis Das Haus an der Friedhofsmauer (Quella villa accanto al cimitero) ist ein Paradebeispiel für den italienischen Horrorfilm der frühen 1980er-Jahre – stilistisch markant, atmosphärisch dicht, erzählerisch jedoch brüchig. Der Film setzt weniger auf logischen Plotaufbau als auf eine albtraumhafte Bildsprache, wie sie nur Fulci inszenieren konnte. Ich bespreche und zeige Das Haus an der Friedhofsmauer am Sonntag, 18. Mai um 10:45 Uhr im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.
Morbide Ästhetik Die Inszenierung lebt von der permanenten Bedrohung, die sich über das unheimliche Haus legt. Fulcis Hang zur morbiden Ästhetik ist überall spürbar: Moder, Verfall und Tod durchziehen die Kulissen wie ein bleierner Schleier. Die Kameraarbeit von Sergio Salvati verstärkt diese Wirkung durch langsame Fahrten, düstere Farben und gezielte Unschärfen, die das Gefühl von Unsicherheit und Wahnsinn erzeugen.
Gewalt wie im Fiebertraum Die Gewalt ist brutal, explizit und bisweilen exzessiv – typisch für Fulci. Dabei geht es ihm weniger um Schockeffekte im modernen Sinne als um das Erzeugen einer grotesken, beinahe surrealen Atmosphäre. Körper werden zerschnitten, Kehlen aufgeschlitzt – doch der Horror wirkt eher wie aus einem Fiebertraum denn wie aus einem klassischen Slasherfilm.
Logik bleibt außen vor Wirklich problematisch ist jedoch das Drehbuch. Die Logik der Handlung bleibt brüchig bis unverständlich. Figuren handeln oft irrational, Dialoge sind hölzern und die psychologische Tiefe der Charaktere bleibt oberflächlich. Man spürt, dass Fulci mehr an der Bildsprache als an narrativer Kohärenz interessiert war. Das macht den Film zwar interessant für Cineasten und Fans des Giallo, aber frustrierend für Zuschauer, die eine nachvollziehbare Geschichte erwarten.
Musikalisch bietet Walter Rizzatis Soundtrack eine passende Mischung aus sanften Klaviermotiven und bedrohlichen Klangteppichen, die zwischen Melancholie und Wahnsinn schwanken – ein unterschätztes Highlight des Films.
Das Haus an der Friedhofsmauer ist weniger ein konventioneller Horrorfilm als ein stilisiertes, morbides Kunstwerk. Wer sich auf Fulcis Logik des Albtraums einlässt, wird mit einzigartigen Bildern und einer dichten Atmosphäre belohnt. Wer jedoch klare Handlung und psychologische Tiefe sucht, wird eher enttäuscht sein. Ein Kultfilm – sperrig, bizarr, faszinierend. Und dennoch ist der Film wichtig für seine Zeit und daher ein würdiger Kandidat für die phantastische Matinee. Karten gibt es hier.
Es war wieder einmal soweit. Zusammen mit meiner Frau besuchte ich das Münchner Konzert von Martin Kohlstedt im Münchner Werk 7, dem ehemaligen Kartoffelkeller der Pfanniwerke. Der Künstler aus dem thüringischen Breitenworbis zählt für mich zu den herausragenden Komponisten und Pianisten der zeitgenössischen Musikszene.
Nach einem Konzert in eindrucksvollen Konzerthaus in Göggingen sollte ich ihn nun in der nüchternen Industrieatmosphäre in München sehen. Dieses Jahr treffe ich ihn noch bei den Jazz Open in Stuttgart und fiebere einer möglichen Zusammenarbeit mit Jean-MichelJarre entgegen.#Kohlstedt Werke zeichnen sich durch eine einzigartige Verbindung von klassischem Klavierspiel und elektronischen Elementen aus, wodurch er eine eigene musikalische Sprache entwickelt hat.
Kohlstedts Ansatz des “modularen Komponierens” bedeutet, dass seine Kompositionen nicht als abgeschlossene Werke betrachtet werden, sondern als flexible Module, die je nach Kontext neu kombiniert und interpretiert werden können. Diese Herangehensweise erlaubt es ihm, seine Musik in Live-Auftritten stets neu zu gestalten und auf das Publikum sowie die Atmosphäre des Raumes einzugehen. Improvisation spielt dabei eine zentrale Rolle und macht jedes Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis. Das machen Konzerte von Martin Kohlstedt für mich zu einem besonderen Erlebnis.
Kohlstedts Live-Auftritte sind bekannt für ihre emotionale Tiefe und die direkte Interaktion mit dem Publikum, so auch in München. Seine Konzerte bieten den Zuhörern ein intensives und persönliches Musikerlebnis.
Zwischen klassischer Komposition und elektronischer Improvisation bewegt sich sein Werk – immer im Wandel, nie abgeschlossen. Doch wer ihn wirklich verstehen will, muss ihn live erleben – und dass tat ich wieder in München.
Eine Klangsprache, die sich im Raum entfaltet Was Martin Kohlstedts Musik so besonders macht, ist nicht allein ihr Klang, sondern das, was zwischen den Tönen entsteht. Sein Konzert in München war keine klassische Darbietung, bei denen ein vorgefertigtes Programm abgespult wird – sie war eine Begegnung: Mit dem Raum, dem Publikum, dem Moment. Um einen Eindruck zu bekommen, hier das letzte Stück des Münchner Konzerts.
Die Atmosphäre bei seinem Auftritt war andächtig. Es ist still – nicht aus Höflichkeit, sondern aus Spannung. Jeder Ton, jedes Echo, jede Pause bekam eine Bedeutung. Das Publikum lauschte, als würde es selbst Teil des Stücks werden. Und tatsächlich: Kohlstedt lädt das Publikum ein, mitzuschwingen, zu atmen, zu hören.
Improvisation als Haltung Seine modular aufgebauten Kompositionen gaben ihm die Freiheit, sich ganz auf den Moment einzulassen. Ein Stück, das am Vorabend ganz ruhig dahinfloss, kann an einem anderen Ort eruptiv und kantig klingen. München war sehr experimentell. Diese Unvorhersehbarkeit ist gewollt – Kohlstedt vertraut auf seine Intuition, auf die Energie des Raums und auf die Reaktion des Publikums.
Das Ergebnis: Musik, die sich lebendig anfühlt. Keine sterile Studioarbeit, sondern ein lebendiger Prozess. Besonders eindrucksvoll ist dies, wenn er während des Spiels zwischen Flügel und Synthesizer wechselte, eigene Soundschleifen kreierte und dabei doch nie die emotionale Tiefe verlor, die sein Spiel prägte.
Ein Konzert wie eine Reise – nach innen Wer ein Konzert von Martin Kohlstedt besucht, kommt selten so wieder heraus, wie er hineingegangen ist. Es ist eine Reise – keine laute, spektakuläre, sondern eine stille, eindringliche. Seine Musik schafft Räume für Gedanken, Erinnerungen, Sehnsüchte. Sie fordert nicht, sie begleitet. Und genau das macht sie so kraftvoll.Alben als musikalische Reisen Seine Diskografie umfasst mehrere Alben, die jeweils unterschiedliche Facetten seines Schaffens beleuchten. Das Debütalbum “Tag” (2012) und das Nachfolgewerk “Nacht” (2014) präsentieren seine frühen Solo-Klavierkompositionen. Mit “Strom” (2017) integrierte er erstmals elektronische Klänge in seine Musik. Das Album “Ströme” (2019), eine Zusammenarbeit mit dem GewandhausChor Leipzig, verbindet Chormusik mit seinen modularen Kompositionen. Während der Pandemie entstand “Flur” (2020), ein introspektives Solo-Klavieralbum, das in seinem Wohnzimmer in Weimar aufgenommen wurde. Sein jüngstes Werk “Feld” (2023) kombiniert elektronische Produktion mit akustischen und klassischen Elementen und reflektiert die Herausforderungen und Veränderungen der vergangenen Jahre. Ich denke, nach all den Touren wird in nächster Zeit ein Live-Album herauskommen.
Engagement für Umwelt und Gemeinschaft Neben seiner musikalischen Tätigkeit engagiert sich Kohlstedt für Umweltprojekte. Als Sohn eines Försters hat er eine enge Verbindung zur Natur und nutzt Einnahmen aus seiner Musik, um Brachflächen im Thüringer Wald aufzukaufen und aufzuforsten. Dieses Projekt unterstreicht sein Bestreben, Kunst und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu verbinden.
Persönliche Bemerkung Nach dem Münchner Konzert holte ich mir ein Autogramm auf seiner Strom-Platte. Was mich erfreute, dass Martin Kohlstedt mich als Blogger noch erkannte. Ich hatte in Göggingen ein Interview mit ihm geführt. Das Interview hat heute noch Gültigkeit.