Posts Tagged ‘Stinkefinger’

Protest gegen AfD bei uns im Dorf

20. März 2017
Bürgerinnen und Bürger aus Maisach demonstrieren gegen die AfD.

Bürgerinnen und Bürger aus Maisach demonstrieren gegen die AfD.

Ich bin ein politischer Mensch. Allerdings ist dieser Blog im Grunde frei von großen politischen Stellungnahmen. Heute eine Ausnahme, denn ich nahm an einer Protestveranstaltung gegen die AfD bei uns am Ort teil. Ich musste als Europäer einfach Flagge gegen diese Engstirnigkeit und dumpfen Nationalismus dieser Gruppierung zeigen. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD Alexander Gauland kam ins Maisacher Bräustüberl, um eine Strategiesitzung mit dem AfD-Abgeordneten für unseren Wahlkreis abzuhalten. Maisach ist im Landkreis Fürstenfeldbruck, rund 20 Kilometer westlich von München.

Im Bräustüberl Maisach tagte die AfD und Maisacher zeigen Flagge gegen diese Gruppierung.

Im Bräustüberl Maisach tagte die AfD und Maisacher zeigen Flagge gegen diese Gruppierung.

Im Vorfeld haben die örtlichen Parteien diskutiert, ob und was man gegen die Gruppierung unternehmen kann. Unser Ortsbürgermeister von der CSU hat abgewunken mit der Begründung, da dies das öffentliche Interesse mehr anfache als es die AfD verdiene. Da ich anderer Meinung bin, wollte ich Flagge zeigen und mich in die Menschenkette vor dem Bräustüberl Maisach einreihen. Ich halte das Gedankengut der AfD für gefährlich. Als Demokrat und Europäer wende ich mich eindeutig gegen diese Leute. Ich will mir später nicht von meinen Kindern vorwerfen lassen, ich habe mich nicht engagiert. Ich stelle mich gegen diesen dumpfen Nationalismus, gegen diese fremdenfeindlichen Parolen, gegen dieses antieuropäische Bashing.
Interessant war die Reaktion mancher Dorfbewohner während der Protestveranstaltung. Die einen fragten, was wir hier machen. Die anderen reihten sich für eine Zeit ein, andere gingen einfach mit frischen Semmeln an uns vorbei, schließlich war es Sonntag vormittag. Ab und zu hutsche jemand ins Bräustüberl – ob er zur AfD wollte oder zum Frühschoppen am Sonntag, das weiß ich nicht.

Ich stand neben Margret Kopp von der Togohilfe.

Ich stand neben Margret Kopp von der Togohilfe.

Ich stand neben Margret Kopp in der Protestreihe. Sie ist Kreisrätin der CSU und Vorsitzende des Togohilfsprojekts und wir unterhielten uns. Ein örtlicher Unternehmer fuhr mit Stinkefinger vorbei. Leider hatte ich das iPhone im Moment nicht bereit für ein Foto, denn das wäre mir schon eine Anzeige gegen den Herrn wert gewesen. Ich weiß allerdings, bei wem ich nicht mehr meine Dienstleistung in Anspruch nehmen werde.

Der Pressefotograf der örtlichen SZ lichtete die Protestler ab.

Der Pressefotograf der örtlichen SZ lichtete die Protestler ab.

Die örtliche Pressevertreter waren da und ich sprach mit den alten Kollegen. Klassische Massenmedien werden am nächsten Tag über den Protest berichten. Die Veranstalter sprachen von 200 Teilnehmern. Das halte ich für zu viel, aber es freut mich sehr, dass unser Dorf Flagge gegen diese Hetzer gezeigt hat. Hat durch die AfD Aufmerksamkeit durch die Berichterstattung in Massenmedien und sozialen Netzwerken bekommen? Ja, das hat sie – aber nicht in dem Sinne, wie es diese engstirnige Truppe möchte. Ich zeige klar, dass mir die AfD nicht gefällt.

Medientage München: Neues Denken für Printverlage

3. November 2009

Jeff Jarvis bei seiner Keynote auf den Münchner Medientagen

Die Münchner Medientage sind vergangene Woche zu Ende gegangen. Leider konnte ich dieses Mal nicht dabei sein, denn ich hatte mit der animago AWARD & CONFERENCE eine eigene Veranstaltung zur gleichen Zeit in Babelsberg. Ich wäre gerne mit von der Partie gewesen, als Jeff Jarvis seine Keynote gehalten hat und den anwesenden Printvertretern den verbalen Stinkefinger gezeigt hat. Jarvis ist Medienberater, Blogger und Autor des Buches „Was würde Google tun?“ In seiner Rede ging er auf die Auswirkungen von Google und Co auf die Medienbranche ein und sagte den Verlegern und Journalisten voraus, dass sich ihr Denken ändern müsse.

Blogger Daniel Fienes hat die Rede von Jeff Jarvis mitgefilmt und auf seinen Blog gestellt. Dafür herzlichen Dank. Wenn man sich die 24 Minuten angeschaut und das mp3 angehört hat, stellt man fest: Print hat in dieser Form keine Zukunft. Alte Männer bewahren ein altes Medium und wollen sich nicht auf Neues einlassen. Ich glaube nicht, dass Paid Content, die alte und neue Wunderwaffe der Printverlage, funktionieren wird. Print und seine Vertreter sind noch in alten Denkstrukturen verhaftet. Ich weiß nicht, ob sie sich ändern können. Die Zeit wird über sie hinweg gehen.

Mein Kollege Thomas Gerlach erzählt immer eine schöne Geschichte: Alle alte Eislieferanten bekämpften das Aufkommen der Kühlschränke. Keine dieser Eislieferanten konnte sich auf die neue Zeit einstellen und selbst moderne Kühlschränke produzieren. Sie waren in ihrem Denken verhaftet. Alle dieser alten Eislieferanten sind vom Markt verschwunden. Irgendwie muss ich immer wieder daran denken, wenn ich auf den Medientage Vertreter der Zukunft begegne – und ich bin ja schließlich auch einer von ihnen. Auch ich muss mich ändern.