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Konzertkritik: Kruder & Dorfmeister in München

15. Februar 2025

In den 90er Jahren war der Sound für mich vollkommen neu. Ich war ein Fan der traditionellen Elektronischen Musik wie TD, Kraftwerk oder JMJ. Aber war ich bei Kruder & Dorfmeister gehört habe, erweiterte mein Spektrum – und es gefiel mir verdammt gut. Nach all den Jahren konnte ich Kruder & Dorfmeister endlich live in der Isar Philharmonie München erleben – und es war ein Erlebnis.

Früher hatte man solche Musik in Clubs gehört, jetzt geht man in die Philharmonie, um diesen Sound zu genießen.

Gespielt wurde das Album „The K&D Sessions“ aus dem Jahr 1998, das inzwischen berühmt geworden ist. Es ist ein Mehrfachalbum, das hauptsächlich aus Remixen besteht und oft als Meilenstein in der elektronischen Musik bezeichnet wird. Der Sound ist eine Mischung aus verschiedenen Genres wie Dub, Jazz, Hip-Hop und elektronischer Musik. Diese Verschmelzung verschiedener Einflüsse schafft eine einzigartige Klanglandschaft, die viele Fans anzieht, wobei ich mit Hip-Hop am wenigsten anfangen konnte. Das tat der Stimmung in München aber keinen Abbruch.

Kruder & Dorfmeister sind bekannt für ihre Pionierarbeit im Downbeat- und Trip-Hop-Genre. Ihre Musik ist oft entspannt, atmosphärisch und hat einen einzigartigen, unverwechselbaren Sound. Ich habe die beiden Alben The K&D Sessions und DJ-Kicks und wenn ich in der richtigen Stimmung bin, höre ich die Musik den ganzen Tag. Das Interesse an dem Duo weckte einmal ein Bericht als ich hörte, dass Kruder & Dorfmeister ihre Sounds auf einen Atari erzeugten. Als Atari-Fan musste ich damals die Musik hören und besorgte mir eine Audio-Cassette. Sie haben gezielt auf analoge Sounds und Vintage-Equipment gesetzt, um eine organische, fast greifbare Klangtextur zu erzeugen. Damals erschien nur eine EP, die ich aber bei uns nie im örtlichen Plattenladen Sound erhalten konnte. Der Sound begegnete mir auf vielen Partys, die Musik war damals irgendwie allgegenwärtig.

Das Duo hat inzwischen zahlreiche Remixe für andere Künstler produziert, die oft als besser angesehen werden als die Originalversionen. Diese Remixe haben ihren Ruf als innovative und kreative Produzenten gefestigt.

Tage nach dem Konzert habe ich erfahren, dass der !K7-Gründer Horst Weidenmüller nach einer schweren Krankheit verstorben ist. Bei !K7 erschienen die Alben von Kruder & Dorfmeister. Sicherlich ein schwerer Schlag für die Szene. Von der Plattenfirma hieß es: „Seine Vision, Leidenschaft und Hingabe haben !K7 seit 1985 zu dem geformt, was es heute ist, und sein Vermächtnis wird uns weiterhin inspirieren.“

Als ich so in meinem Stuhl in der Isar Philharmonie saß und mein Fuß mitwippte und die Show genoss, dachte ich über die Faszination nach. Ihre Tracks zeichnen sich durch atmosphärische Klangwelten aus, die eine fast cineastische Tiefe erzeugen. Sanfte, hypnotische Beats verbinden sich mit vielschichtigen Melodien und schaffen so eine warme, immersive Soundlandschaft. Das Konzert zeigte, warum das Album The K&D Sessions als Meilenstein des Genres gilt. Wie geschickt die Musiker mit ihrem Sampling, sanften Basslines und ausgefeilten Arrangements eine einzigartige musikalische Atmosphäre erschaffen können. Ich hoffe, dass von der Tour ein Live-Album erscheint – natürlich auf Vinyl. Ich bin dabei.

Das Ende vom Filmtheater Sendlinger Tor – ein Nachruf

15. Januar 2025

Immer wenn ein Kino schließen muss, bin ich traurig. Beim Filmtheater Sendlinger Tor in München könnte ich heulen. Am 15. Januar 2025 ist Schluss. Das Filmtheater muss schließen. Man konnte sich mit dem Vermieter nicht über eine vertretbare Miete einigen.

Natürlich kommt wieder der Protest der Kulturbürger, die dieses Kino mit seiner gemalten Plakatwand liebten. Auch ich gehöre dazu. Das Kinosterben geht weiter. Es machen höchstens noch seelenlose Multiplex-Theater auf, an die ich mich noch gewöhnen muss. Aber ein Kino mit nur einem Saal ist wohl heute finanziell nicht mehr tragbar, sei das Kino auch noch so schön. Und das Filmtheater Sendlinger Tor war wirklich schön. Ich habe bei meinen Besuchen immer die wunderbare Architektur bewundert. Ich habe dort einst viel Zeit bei Pressevorführungen verbracht. Ab und zu habe ich als Privatperson das Kino besucht, zuletzt beim Sönke Wortmann-Film Der Spitzname. Der Film war Durchschnitt, aber es war eben mein Abschied von diesem großen Kino.

Gerne hätte ich als Freund des Filmfestes eine Stammhaus für das Kino gehabt. Im Moment ist das Filmfest München über viele Kinos verteilt, ein richtiges Zentrum gibt es nicht mehr, seitdem der Gasteig auch für lange Zeit umgebaut wird. Die Filmstadt München schafft sich immer mehr ab, nachdem auch die Bavaria auf absteigenden Ast ist.

Also es ist amtlich: Am 15. Januar 2025 schließt das Filmtheater Sendlinger Tor in München endgültig seine Pforten. Es ist ein Abschied, der weit über das Verschwinden eines weiteren Kinos hinausgeht – es ist das Ende einer Ära, ein Verlust für die Kultur und ein schwerer Schlag für alle, die den Charme und die Seele dieses traditionsreichen Hauses zu schätzen wussten.

Ein Ort voller Geschichte und Emotionen
Das Filmtheater Sendlinger Tor war weit mehr als nur ein Kino. Es war eine Institution, ein kultureller Leuchtturm, der Generationen von Münchnerinnen und Münchnern begleitet hat. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1913 stand das Kino für die Magie des Films und die einzigartige Erfahrung, Geschichten auf der großen Leinwand zu erleben.

In seinen über 110 Jahren Geschichte hat das Filmtheater unzählige Premieren, unvergessliche Filmnächte und Momente des Staunens, Lachens und Weinens geboten. Hier wurden Klassiker gezeigt, die zu Lebensbegleitern wurden, und hier fanden auch kleinere, unabhängigere Filme ein Zuhause – Filme, die ohne solche Häuser oft keinen Platz in der breiten Öffentlichkeit finden.

Ein Ort, der Herzen berührte
Es war nicht nur das Programm, das das Filmtheater Sendlinger Tor so besonders machte. Es war der Ort selbst, seine Atmosphäre, sein unvergleichlicher Charakter. Der altehrwürdige Saal mit seinem charmanten Retro-Flair, die bequemen Sitze, die das Gefühl von Geschichte atmeten, und der Duft von frischem Popcorn – all das machte einen Besuch zu etwas Einzigartigem.

Die Lage am Sendlinger Tor, mitten im Herzen Münchens, war ebenfalls Teil des Zaubers. Vor oder nach einem Film konnte man noch durch die Stadt schlendern, in ein Café gehen oder einfach nach Hause fahren, so wie ich es meist gemacht habe. Das Filmtheater war ein kultureller Anker in einer sich stetig wandelnden Stadt.

Warum musste es so enden?
Die Schließung des Filmtheaters ist ein trauriges Symptom unserer Zeit. Wie viele andere traditionsreiche Kinos musste auch das Sendlinger Tor den Herausforderungen einer sich verändernden Welt trotzen. Streaming-Dienste, steigende Mietpreise und eine veränderte Kinokultur haben es schwer gemacht, die Türen offen zu halten. Trotz aller Bemühungen und der Unterstützung treuer Kinogänger war es letztlich nicht möglich, das Filmtheater wirtschaftlich zu retten.

Es ist eine bittere Ironie, dass ein Ort, der so viele Jahre überdauert hat – durch Kriege, gesellschaftliche Umbrüche und technologische Revolutionen –, nun in einer Zeit des Überflusses und der Wahlmöglichkeiten verschwindet. Doch so groß die Liebe der Münchner zu diesem Ort auch ist, sie konnte die wirtschaftlichen Realitäten nicht aufhalten.

Was bleibt, wenn die Lichter erlöschen?
Mit der Schließung des Filmtheaters Sendlinger Tor verliert München nicht nur ein Kino, sondern einen Ort der Begegnung, der Inspiration und des gemeinschaftlichen Erlebens. Die Magie des Kinos lag immer darin, dass es Menschen zusammenbrachte, sie für ein paar Stunden in eine andere Welt entführte und dabei doch eine gemeinsame Erfahrung schuf.

Die Erinnerungen an das Sendlinger Tor werden jedoch bleiben. Es bleiben die Geschichten von ersten Dates, Familienausflügen, spontanen Besuchen und magischen Filmabenden. Es bleiben die Anekdoten von besonderen Filmen, die man hier gesehen hat, und von den Menschen, mit denen man diese Momente geteilt hat. Und es bleibt die Hoffnung, dass die Liebe zum Kino in München weiterlebt, auch wenn ein so bedeutender Teil davon verschwindet.

Ein Appell an die Stadt und ihre Menschen
Die Schließung des Filmtheaters Sendlinger Tor sollte nicht nur ein Grund zur Trauer sein, sondern auch ein Weckruf. München muss seine kulturellen Schätze schützen – nicht nur die großen Museen oder Opernhäuser, sondern auch die kleinen, charmanten Orte, die die Seele dieser Stadt ausmachen. Der Verlust des Sendlinger Tors sollte uns alle daran erinnern, wie wichtig es ist, solche Orte zu unterstützen, solange sie noch da sind.

Ein letzter Vorhang
Am 15. Januar 2025 wird das Filmtheater Sendlinger Tor zum letzten Mal seine Lichter einschalten. Der Vorhang wird ein letztes Mal zur Seite fahren, die Projektoren werden ein letztes Mal laufen, und dann wird Stille einkehren. Es wird ein emotionaler Abschied sein, für die Betreiber, die Mitarbeiter und die vielen Besucher, die diesen Ort geliebt haben. Was aus dem Gebäude wird, ist mir nicht bekannt.

Doch vielleicht liegt in diesem Abschied auch eine gewisse Schönheit – die Schönheit dessen, dass dieses Kino ein Jahrhundert überlebt hat und so vielen Menschen so viel gegeben hat. Die Seele des Filmtheaters Sendlinger Tor wird in den Herzen all jener weiterleben, die jemals in seinem Saal saßen und sich in die Magie des Films verliebt haben.

Ein Ort, den man nie vergisst
Das Filmtheater Sendlinger Tor mag bald der Vergangenheit angehören, aber seine Geschichte und sein Geist werden weiterleben. In den Straßen Münchens wird man sich immer an den Zauber dieses besonderen Kinos erinnern, an die Menschen, die es ausgemacht haben, und an die Filme, die dort unvergesslich wurden. Mach’s gut, Filmtheater Sendlinger Tor – du wirst fehlen.

FotoWalk Olympisches Dorf – Studentenstadt fotografisch erkunden

6. November 2024

Für mich ist das Olympische Dorf in München ein städtebauliches Juwel, das wie eine Insel in der Landeshauptstadt liegt. Es gibt so viele interessanten Ecke und Stellen an diesem Ort zum Entdecken. Daher veranstalte ich einen FotoWalk an diesem Samstag, 9. November von 14-16:30 Uhr.

Zunächst gibt es bei unserem FotoWalk eine Führung von Joachim Schmölz, einem ehemaligen Bewohner des Dorfes, der heute noch immer mit dem Studentenleben verbunden ist. Dann ziehen wir los und setzen das Olympiadorf fotografisch um, egal ob mit Smartphone oder Kamera.
Die Anmeldung bitte hier.

Nach der verbindlichen Anmeldung erhalten Sie von uns eine Teilnahmebestätigung und die PayPal-Adresse. Wenn die Seminargebühr von 23,80 Euro (inkl. MwSt) bei uns eingetroffen ist, erhalten Sie von uns den genauen Treffpunkt. Die Anmeldung bitte hier.

Städtebauliche Vision
Das Olympische Dorf in München, das für die Olympischen Sommerspiele 1972 errichtet wurde, ist ein ikonisches Beispiel für städtebauliche Visionen und moderne Architektur. Es spiegelt die optimistische Aufbruchsstimmung der 1970er-Jahre wider und verkörpert das damalige Verständnis von innovativem und menschlichem Städtebau. Nach den tragischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs war es ein Projekt mit dem Ziel, München als weltoffene und zukunftsorientierte Stadt darzustellen und die Olympischen Spiele 1972 unter dem Motto “Die heiteren Spiele” zu feiern.

Planung und Idee hinter dem Olympischen Dorf
Die Planung des Olympischen Dorfs begann in den 1960er-Jahren und war Teil eines umfassenden urbanen Konzepts, das den gesamten Olympiapark umfasste. Das Architekturbüro Behnisch & Partner gewann den Wettbewerb zur Gestaltung der Olympia-Anlagen und setzte die Idee um, das Gelände als Landschaftspark zu gestalten. Das Olympische Dorf sollte ein Wohnraum für die Athleten bieten und gleichzeitig ein nachhaltiger Bestandteil der Stadtentwicklung bleiben. Der Gedanke war, ein Dorf für die Athleten zu schaffen, das nach den Spielen als Wohnraum für Münchner Bürger erhalten bleibt.

Die Architektur des Olympischen Dorfs
Die Architektur des Olympischen Dorfs gilt als revolutionär und markiert einen Wendepunkt im Städtebau der damaligen Zeit. Die Architekten planten ein Wohnkonzept, das auf Gemeinschaft und Nachhaltigkeit setzte, und sie legten Wert darauf, dass die Gebäude sich harmonisch in die Umgebung des Olympiaparks einfügen. Die Gebäude wurden im sogenannten Terrassenstil errichtet, was bedeutet, dass sie treppenförmig angeordnet sind und Terrassen mit Grünflächen bieten. Diese gestaffelte Bauweise sollte ein Gefühl von Offenheit und Gemeinschaft erzeugen und zugleich jedem Apartment eine individuelle Grünfläche bieten.

Ein weiteres markantes Element der Architektur ist die Verwendung von Stahlbeton und die Farbgebung der Gebäude. Die Fassaden wurden bewusst schlicht gehalten, während bunte Akzente wie Balkongeländer und Fensterläden für Fröhlichkeit und Lebendigkeit sorgen sollten. Auch die Nähe zur Natur war den Architekten wichtig: Zwischen den Wohnblöcken entstanden grüne Innenhöfe und Plätze, die als Treffpunkte für die Bewohner gedacht waren.

Der Wohnpark Olympiadorf und die Unterbringung der Athleten
Das Olympische Dorf bestand aus zwei Bereichen: dem “Männerdorf” und dem “Frauendorf”. Während die männlichen Athleten in Hochhäusern untergebracht waren, wohnten die weiblichen Athleten in den Bungalows. Diese kleinen, eingeschossigen Gebäude waren funktional und einfach ausgestattet, boten aber dennoch den Komfort, den die Sportler während der Spiele benötigten. Nach den Spielen wurde das “Frauendorf” in den “Wohnpark Olympiadorf” umgewandelt und beherbergt seitdem Studenten und junge Leute. Viele der ehemaligen Bungalows wurden mit farbenfrohen Fassaden bemalt und sind heute ein beliebter Wohnort für Münchner Studenten.

Die Vision eines verkehrsfreien Dorfs: Unterirdische Verkehrswege
Ein zentrales Element des Olympischen Dorfs ist die Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr. Die Architekten entschieden sich dafür, den gesamten motorisierten Verkehr in eine unterirdische Ebene zu verlegen, um das Dorf verkehrsberuhigt und kinderfreundlich zu gestalten. Sämtliche Straßen für Autos sowie die Parkplätze und Zufahrtswege befinden sich unter der Erde. Diese unterirdische Ebene besteht aus einem weitläufigen Tunnelsystem, das von den Bewohnern für Anlieferungen, Parkplätze und technische Versorgungen genutzt wird.

Diese Verlagerung des Verkehrs hatte nicht nur praktische Vorteile, sondern auch ästhetische und städtebauliche. Durch den Wegfall von Straßen und Parkplätzen konnte das Olympische Dorf großzügige Grünflächen und Fußgängerzonen bieten, was zu einer ruhigen und angenehmen Wohnatmosphäre beiträgt. Die Bewohner können sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewegen, ohne sich um den Autoverkehr sorgen zu müssen, was das Dorf zu einem der ersten autofreien Wohnprojekte seiner Art machte.

Nachnutzung und Bedeutung
Nach den Olympischen Spielen wurde das Olympische Dorf umgebaut und in eine reguläre Wohnsiedlung umgewandelt. Heute leben hier rund 10.000 Menschen, und das Gebiet hat sich zu einem lebendigen Stadtviertel entwickelt, das aufgrund seiner einzigartigen Architektur und der verkehrsfreien Gestaltung sehr beliebt ist. Auch der Gedanke der Gemeinschaft ist erhalten geblieben: Viele Bewohner organisieren gemeinsame Feste und Aktivitäten und nutzen die Gemeinschaftsflächen intensiv. Die ehemaligen Sportstätten, darunter das Olympiastadion und die Olympiahalle, sind noch heute Veranstaltungsorte für Konzerte, Sportveranstaltungen und Festivals.

Architektur als Symbol des Aufbruchs
Das Olympische Dorf in München ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein Symbol für die gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er-Jahre. Die Idee, Menschen in einem “autofreien” Wohnumfeld und in enger Nachbarschaft zur Natur wohnen zu lassen, war ein zukunftsweisender Gedanke, der bis heute inspiriert. Die Trennung der Verkehrswege sowie die soziale und ökologische Ausrichtung des Olympischen Dorfs gelten noch heute als visionär und vorbildlich. Das Dorf ist nicht nur ein Stück Architekturgeschichte, sondern auch ein lebendiger Beweis für die positive Wirkung von durchdachtem Städtebau und nachhaltiger Planung.

So bleibt das Olympische Dorf in München ein einzigartiges Beispiel dafür, wie Sport, Architektur und gesellschaftliche Visionen zusammenkommen können und wie die Planung eines einmaligen Events eine dauerhafte Bereicherung für eine Stadt und ihre Bewohner schaffen kann.

Ich würde mich freuen, wenn Sie an unserem FotoWalk teilnehmen und das Olympische Dorf mit uns fotografisch erkunden wollen. Fotoapparat oder Smartphone nicht vergessen. Die Anmeldung bitte hier.

Fliegerhorst FFB: Erinnerung an die misslungene Geiselbefreiuung zum Olympia 1972

6. September 2024

Das Münchner Olympia-Attentat 1972 war einer der tragischsten Terrorakte in der Geschichte des internationalen Sports und ein einschneidendes Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am 5. September 1972 stürmte eine palästinensische Terrorgruppe, die sich „Schwarzer September“ nannte, das Olympische Dorf in München und nahm elf israelische Sportler und Betreuer als Geiseln. Die Geiselnahme endete mit einem blutigen Befreiungsversuch der deutschen Sicherheitskräfte auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, bei dem alle Geiseln, fünf der acht Terroristen und ein Polizist getötet wurden. Ich habe mir vor kurzem den Ort der gescheiterten Geiselbefreiuung auf dem Fliegerhorst angeschaut und dabei die außerordentlich gute App Erinnerungsort72 genutzt. Ich kann die App ausdrücklich empfehlen.

Ich hatte die Möglichkeit den ehemaligen Tower des Fliegerhorstes zu besichtigen. Ich sah auf den Platz vor den Hangars, bei dem die Befreiungsaktion kläglich scheiterte. Da ich bei der örtlichen Tageszeitung gearbeitet hatte, erinnerte ich mich an all die Geschichten, die sich dort angespielt hatten und die mir erzählt wurden. Ich spazierte durch den Tower, sah mit die kleine Mauer an, hinter der sich ein Scharfschütze mühsam versteckte, ich sah die Einschusslöcher und die Gedenktafeln. Ich hoffe, der Ort bleibt als Erinnerungsort bestehen und der Tower bleibt als Museum erhalten.

Gestern wollte ich auf Einladung von Landrat Thomas Karmesin mit meiner Frau zur Gedenkveranstaltung, die aber aufgrund des Attentatversuches in München kurzfristig abgesagt wurde.

Hintergrund des Attentats
Also blieb ich zurück mit meinen Gedanken an das Attentat von 1972. Das Attentat fand während der Olympischen Spiele von 1972 in München statt, die als „Heitere Spiele“ nach dem düsteren Erbe der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin geplant waren, die unter dem Nazi-Regime stattfanden. Die Spiele in München sollten ein modernes, friedliches und weltoffenes Deutschland präsentieren. Die Sicherheitsvorkehrungen waren bewusst entspannt gehalten, um den Besuchern das Gefühl einer freundlichen Atmosphäre zu vermitteln.

Am Morgen des 5. September kletterten acht bewaffnete Terroristen des „Schwarzen September“, einer militanten Palästinenser-Gruppe über den unzureichend gesicherten Zaun des Olympischen Dorfes. Sie drangen in die Unterkünfte des israelischen Teams ein und töteten sofort zwei Teammitglieder, den Gewichtheber Yossef Romano und den Trainer Moshe Weinberg. Neun weitere Sportler und Betreuer wurden als Geiseln genommen.

Die Forderung der Terroristen lautete, dass 232 palästinensische und deutsche Gefangene, die in Israel und der Bundesrepublik inhaftiert waren, freigelassen werden sollten. Andernfalls drohten sie, die Geiseln zu töten.

Verhandlungsversuche und die deutsche Reaktion
Die deutsche Regierung, die keinerlei Erfahrung im Umgang mit terroristischen Geiselnahmen hatte, geriet schnell unter Druck. Israel lehnte die Forderung der Terroristen nach Verhandlungen ab, da es sich einer Politik des Nicht-Verhandelns mit Terroristen verpflichtet sah. Die deutschen Behörden versuchten, eine friedliche Lösung zu finden, und boten den Terroristen an, sie mit den Geiseln in ein arabisches Land zu fliegen. Dieses Angebot wurde von den Terroristen angenommen, allerdings war dies nur ein Vorwand, um Zeit zu gewinnen und einen Befreiungsversuch vorzubereiten.

Die Verhandlungen zogen sich über den ganzen Tag hin, während die ganze Welt gebannt das Drama verfolgte. Die deutsche Polizei bereitete parallel einen Befreiungsversuch vor, doch es wurde schnell deutlich, dass sie weder ausgebildet noch ausgerüstet war, um mit solch einer komplexen Situation umzugehen. Es gab weder spezielle Antiterroreinheiten noch klare Einsatzprotokolle für derartige Krisen.

Der gescheiterte Befreiungsversuch
Am Abend des 5. September einigten sich die Terroristen und die deutschen Behörden darauf, die Geiseln und die Entführer per Hubschrauber vom Olympischen Dorf zum nahegelegenen Fliegerhorst Fürstenfeldbruck zu bringen. Dort sollten die Terroristen mit den Geiseln in eine bereitgestellte Boeing 727 gebracht und zu einem Ziel ihrer Wahl geflogen werden. Dies war jedoch Teil eines Plans der deutschen Behörden, einen Befreiungsversuch auf dem Militärflughafen durchzuführen.

Der Plan war schlecht durchdacht und unzureichend vorbereitet. Es waren insgesamt nur fünf Scharfschützen auf dem Gelände positioniert – zu wenig, um die acht Terroristen effizient auszuschalten. Zudem hatten die Scharfschützen weder Funkkontakt noch spezielle Nachtsichtgeräte. Sie waren nicht auf Terrorismusbekämpfung spezialisiert und konnten ihre Positionen nicht einmal klar sehen, da es an ausreichender Beleuchtung mangelte. Weitere gravierende Planungsfehler trugen zum Scheitern bei: So war die Anzahl der Terroristen falsch eingeschätzt worden, und es gab keine klare Koordination zwischen den Einsatzkräften.

Als die beiden Hubschrauber auf dem Rollfeld von Fürstenfeldbruck landeten, begannen die Scharfschützen den Angriff. Doch der Einsatz lief sofort aus dem Ruder. Die Scharfschützen konnten nicht alle Terroristen rechtzeitig ausschalten, und ein Feuergefecht entbrannte. Einer der Terroristen warf eine Handgranate in einen der Hubschrauber, der daraufhin explodierte und die darin befindlichen israelischen Geiseln tötete. In dem anderen Hubschrauber wurden die Geiseln von den Terroristen erschossen. Die unzureichend vorbereiteten deutschen Sicherheitskräfte waren nicht in der Lage, die Situation zu kontrollieren, und alle Geiseln wurden getötet.

Am Ende der Operation waren fünf der acht Terroristen tot, während drei überlebten und verhaftet wurden. Auch ein deutscher Polizist, Anton Fliegerbauer, kam bei der Schießerei ums Leben.

Die Konsequenzen des Attentats
Der misslungene Befreiungsversuch und das daraus resultierende Massaker führten zu weltweiter Empörung und Kritik an den deutschen Behörden. Es wurde klar, dass die Sicherheitskräfte völlig unvorbereitet und unzureichend ausgestattet waren, um eine solche Krise zu bewältigen. Die mangelnde Planung und die unprofessionelle Durchführung des Befreiungsversuchs auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck trugen maßgeblich zur Eskalation der Situation bei.

In Israel war die Reaktion besonders heftig. Die israelische Regierung unter Ministerpräsidentin Golda Meir war entsetzt über die Tragödie und beschloss, die für den Angriff verantwortlichen Mitglieder des „Schwarzen September“ weltweit aufzuspüren und zu eliminieren. Dieser Rachefeldzug wurde als „Operation Zorn Gottes“ bekannt und führte zur gezielten Tötung zahlreicher palästinensischer Aktivisten und Führer, die in das Attentat verwickelt waren.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis des Attentats war die Gründung der deutschen Antiterroreinheit GSG 9, die speziell für derartige Einsätze ausgebildet wurde. Die GSG 9 gilt seitdem als eine der erfolgreichsten Antiterror-Einheiten der Welt und konnte in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Geiselnahmen und Terroranschläge verhindern.

Das Vermächtnis des Münchner Attentats
Das Münchner Olympia-Attentat von 1972 war ein Wendepunkt in der Geschichte der internationalen Terrorismusbekämpfung. Es führte zu einem Umdenken in Bezug auf die Sicherheit bei internationalen Sportveranstaltungen und inspirierte die Schaffung spezialisierter Anti-Terror-Einheiten und Einsatzprotokolle in vielen Ländern.

Die Spiele selbst wurden nach einem Tag des Gedenkens fortgesetzt, was von vielen als kontrovers angesehen wurde. Die Frage, wie man mit solch einer Tragödie bei einem internationalen Sportereignis umgehen sollte, bleibt bis heute eine schwierige Diskussion. Für die Familien der Opfer und die israelische Nation bleibt das Attentat ein tiefes Trauma, das durch den Mangel an öffentlichem Gedenken in den Jahrzehnten nach der Tragödie nur noch verstärkt wurde.

Erst im Jahr 2022, zum 50. Jahrestag des Anschlags, wurde eine Entschädigungsvereinbarung zwischen der deutschen Regierung und den Familien der Opfer getroffen. Die deutsche Bundesregierung entschuldigte sich offiziell für die Fehler, die zu dem tragischen Ausgang geführt hatten, und die Rolle der Sicherheitskräfte wurde kritisch hinterfragt. Dieses späte Gedenken war ein wichtiger Schritt für die Hinterbliebenen, die über Jahrzehnte auf Anerkennung und Entschädigung gedrängt hatten.
Das Münchner Olympia-Attentat bleibt ein erschütterndes Beispiel für die verheerenden Auswirkungen des internationalen Terrorismus und die Notwendigkeit, auf solche Bedrohungen vorbereitet zu sein. Der gescheiterte Befreiungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck steht als Mahnmal für die Bedeutung von professioneller Planung und Ausbildung in Krisensituationen, um Menschenleben zu schützen.

Legende: Interview mit Prof. Christian Bruhn – der Schöpfer von Captain Future und mehr

16. August 2024

Er ist einer der Giganten der deutschen Musikindustrie. Prof Christian Bruhn schuf in seinem 90jährigen Leben Ohrwürmer, Schlager, Werbejingles, Jazz und Filmmusik. Der Generation meiner Eltern ist er in Erinnerung mit Songs wie Mamorstein und Eisen bricht oder Ich möchte der Knopf an deiner Bluse sein, generationenübergreifend haben wir seine Werbejingles wie „Nichts geht über Bärenmarke“ oder „Wir geben Ihrer Zukunft en zuhause – LBS“ im Ohr und meine Generation verehrt ihn für die deutsche Musik von Captain Future oder Heidi, Markus Elfert und ich trafen die Legende Prof Christian Bruhn in seinem Anwesen in München zu Interview.

Wir trafen auf einen absoluten Medienprofi, der bereitwillig, freundlich und voller Engagement uns fast eine Stunde lang seiner Zeit widmete und ins sein Studio einlud, um seine Lebensgeschichte vor unserer Kamera zu erzählen. 45 Minuten Interview voller Lebenserinnerungen, Weisheiten und Einschätzungen sind dabei herausgekommen. Von der frühen Jugend über sein musikalisches Schaffen bis hin zu seinem Engagement bei der GEMA und Künstlicher Intelligenz in der Musik kam alles zur Sprache.

Meine Generation ist Prof. Christian Bruhn zu Dank verpflichtet. Seine Musik hat mich von Jugendtagen begleitet und während ich diese Zeilen tippe, läuft die Soundtrack von Captain Future und die Compilation Meine Welt ist die Musik. Ich blättere durch die gefundenen Lieder von seiner ersten Frau Katja Ebstein und meine Vinyl-Soundtracks von Tim Thaler, Oliver Maas und Manni der Libero.

Konzertkritik: Nick Mason’s Saucerful of Secrets in München 2024

11. Juli 2024

Was muss diese Musik und die Show damals für eine Wirkung gehabt haben? Wenn man die Augen schließt, fühlte man sich beim Münchner Tollwood Konzert von Nick Mason’s Saucerful of Secrets in den Londoner UFO-Club zurückversetzt, wo die britische Psychodelic-Welle ihren Anfang nahm. Pink Floyd veränderte die musikalische Welt und wurde später eine der Supergroups der siebziger Jahre mit bombastischen Shows.

Nick Mason, der als Drummer bei Pink Floyd nie so im Rampenlicht wie seine Kollegen Roger Water und David Gilmour stand/saß, erinnerte mit seiner Tour an die frühe Phase von Pink Floyd von 1965 bis 1972. Dafür gehört ihm ein großes Dankeschön ausgesprochen. Seine Kollegen Waters und Gilmour setzen auf neue Projekte und die beiden Streithälse kommen wohl nicht mehr zusammen. Mason stand immer in der Mitte zwischen diesen Egos. Das zeigte sich auch als Waters bei einem Aufritt von Mason im Jahre 2019 in Beacon-Theater in NNY überraschend das Mirko ergriff.

Diese Überraschung blieb in München aus, Mason machte nur einen kleinen Witz mit einem Pseudo-Telefonat mit Waters auf der Bühne. Das Publikum machte und quittierte den Spaß mit einem Lachen. Bevor Dark Side of the Moon die Band in andere (finanzielle) Sphären katapultierte, war Pink Floyd der Wegbereiter der psychedelischen Musik.

Ich mag die frühen Alben, ich mag das geniale Mastermind Syd Barrett, der wohl zuviel LSD abbekam und durch Gilmour ersetzt wurde. Und so war ich vor allem interessiert, wie Nick Mason an diese Barrett-Zeit erinnerte. Und er tat es mit Würde, erklärte wie wichtig Barrett für die Band war. Er hatte einen besonderen Song dabei: Remember me, ein Wettbewerbssong aus dem Jahre 1965 als sich Pink Floyd in einem Beat-Wettbewerb messen wollten und verloren. Die Stimme von Syd Barrett wurde extrahiert und in dem Konzert eingespielt, während Nick Mason’s Saucerful of Secrets dazu spielten. Tolle Ehrung, dazu Bilder von Barrett auf der Leinwand. Das Video dazu gibt es hier.

Aber auch die anderen Songs von Piper at the Gates of Down wie Scarerow, Nike Song, Lucifer Sam und besonders der Konzertbeginn mit Astronomy Domine und die frühe Single Arnold Layne zogen mich in den Bann.

Wie experimentell Pink Floyd bis 1972 waren zeigten sich im Soundtrack Obscured by Clouds (schlechter Film), die Atom Heart Mother Suite (freilich ohne Orchester und Ballett) und ein gewaltiges Set the Controls for the Herat of the Sun (mit fetter Videoshow im Hintergrund). Das zumeist ältere Publikum war außer sich.

Gesteigert wurde die Hysterie mit den Klängen von Echoes und als erste Zugabe One of These Days vom Album Meddle. Ich hatte Echoes das erste Mal in der Dokumentation Crystal Voyager von 1973 kennengelernt, der bei uns im Schulkino in den Achtziger Jahren lief.
Nach dem Konzert legte ich zu Hause das Doppelalbum Ummagumma auf und lauschte den Auftritt in Pompeji. Wahnsinn, wie innovativ so einen Band sein kann. Und danke Nick Mason für diese Erinnerung.

Skulptur der Nachhaltigkeit im Deutschen Museum München

13. Mai 2024

Unsere Familie trennt die Wertstoffe, versucht wenn möglich mit dem Rad, der Bahn oder öffentliche Verkehrsmittel zu fahren, wir setzen auf Solar und bemühen uns einen Teil zur Energiewende zu leisten. Natürlich könnte es noch immer mehr sein. Nachhaltigkeit ist wichtig und wie eindrucksvoll dieses Thema dargestellt werden kann, habe ich unlängst im Deutschen Museum gesehen. Es ist ein Nachhaltigkeitsbaum aus Elektronikschrott. Es geht um das Thema Recycling von Elektronik-Werkstoffen, das eindrucksvoll dargestellt wird.

Diese Skulptur mahnt eindrucksvoll zur Reduzierung von Plastikmüll und Elektroschrott. Alte Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher, Handys oder Computer: In den 27 EU-Staaten wanderten 2020 rund 4,7 Millionen Tonnen ausgedienter Elektro- und Elektronikgeräte in den Müll. Das war ein neuer Höchststand.

Gegenüber dem Vorjahr stieg die Abfallmenge um 4 %. In Deutschland landeten im Jahr 2020 etwas mehr als eine Million Tonnen Elektro- und Elektronikgeräte in den Abfallsammelstellen (+9 % gegenüber dem Vorjahr).

Der Nachhaltigkeitsbaum ist auch irgendwie ein Kunstobjelt und ich entdeckte Elektronik, die sich selbst einmal im Einsatz hatte, aber schon lange vergessen habe. Es zeigt, wie kurzlebig unsere Zeit ist.

Museumsjuwel in München wieder eröffnet: Die Archäologischen Staatssammlung

17. April 2024

Sie sahen zwar wie die Cowboy-Hüte aus Toy Story aus, waren aber als Indiana Jones-Hüte gedacht und sie stahlen fast der Neueröffnung der Archäologischen Staatssammlung die Show. Bayerns Kunstminister Markus Blume überreichte seinem Chef Ministerpräsident Markus Söder einen solchen Hut als es an die feierliche Wiedereröffnung des eindrucksvollen Museums nach acht Jahren Umbauzeit ging. Die anwesenden Archäologen und Wissenschaftler schauten zwar etwas verwirrt, machten aber gute Miene, denn endlich ist dieser Museumsschatz mit seinen 15000 ausgestellten Fundstücke fertig und die Öffentlichkeit sollte ihn unbedingt besuchen.

66 Millionen Euro hat der Umbau gekostet und das Haus an der Lerchenfeldstraße 2 ist bis auf die Fassade praktisch neu gebaut. Nicht wundern, wenn man vor dem Gebäude steht, der Rost gehört zum dazu. Die markante Fassade aus rostigem Stahl wurde komplett erneuert. Die Architekten des spanischen Büros Nieto Sobejano Arquitectos den Charakter des ursprünglichen Museums von 1976 an der beibehalten. Und ein cooles Dachterrassencafe gibt es nun auch. Für mich jetzt schon ein Geheimtipp.

Das Wichtigste sind natürlich die Ausstellungsstücke. Der Zeitraum reicht von den ersten Menschen in Bayern vor 140.000 Jahren bis in die jüngste Vergangenheit. Bei Ausgrabungen am Münchner Marienhof entdeckte man beispielsweise den Keller des 1945 zerbombten Cafés Deistler.

Hier ein VR 360 Grad-Rundgang und ein klassischer 2D-Rundgang durch die sehenswerte Ausstellung. Für Blogger und Geschichtenerzähler gibt es hier Tausende Geschichten zu erzählen. Bleibt zu hoffen, dass sich das Museum hier aktiv wird, ein paar Ideen hätte ich schon. Ich war als Blogger eingeladen und hab ich unter die Pressekollegen geschmuggelt, gefilmt und viele Bekannte aus der Community getroffen.

Söder würde gerne Archäologe werden
Locker scherzte Söder bei seiner Ansprache: „Archäologen sind nicht wie bei Indiana Jones, sondern moderne Detektive der Geschichte. Man muss die Vergangenheit verstehen, um Gegenwart und Zukunft begreiten und gestalten zu können. Die Staatssammlung ist das historische Gewissen Bayerns.“ Er gestand auch ein, dass er nach seiner politischen Karriere vielleicht noch Archäologie studieren würde. Wann dies sei, ließ er allerdings offen. Die launige Rede des bayerischen Ministerpräsidenten gibt es hier als Video.

Blume – Kunstminister zum Anfassen
Auch Wissenschaftsminister Markus Blume war sichtlich gut gelaunt. Nach der offiziellen Eröffnung und Rundgang blieb er noch im Foyer und sprach noch lange angeregt mit den Gästen im lockeren Ton. Ein Kunstminister zum Anfassen. Auch seine Rede war mit Humor geprägt und er überreichte seinem Chef dann auch noch den Cowboy-Hut, der eigentlich ein Indiana Jones-Hut sein sollte. Vielleicht war nach Ausgaben von 66 Millionen Euro für das Museum nicht mehr drin. Gut, dass ich ein paar Hut-Fotos gemacht habe, denn in dem offiziellen Pressekit waren sie dann nicht zu finden.

Blume sagte: „Wir bringen Archäologie in alle Ecken des Freistaats! Die Archäologische Staatssammlung ist ein Museum der Superlative, das weit über München hinausstrahlt. Mit 15.000 Objekten in der Dauerausstellung, über 20 Millionen Objekten im Depot und weiteren rund 6000 Exponaten in den acht Zweigmuseen beherbergt sie die größte bayerische Sammlung.“

Museumsleiter erleichtert
Sichtlich begeistert und erleichtert war auch Museumschef Prof. Dr. Rupert Gebhard, seines Zeichens leitender Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung. Er danke allen und freute sich sichtlich, dass der Umbau fertiggestellt wurde. „Die Fundstücke, die in der ASM verwahrt werden, sind wesentlich mehr als nur stille Zeugen vergangener Epochen. Sie sind greifbare Verbindungen zu unseren Vorfahren, die ihre Geschichten erzählen. Wir ermöglichen unserem Publikum, eine authentische Erfahrung mit der Vergangenheit zu erleben und schlagen damit einen Bogen in die Gegenwart.“ Der Wissenschaftler führte das Duo Söder/Blume dann exklusiv durch die Ausstellung. Seine Rede gibt es hier.

Ein Bayer in Preußen
Einen geschichtlichen und humorvollen Rundumschlag gab es dann noch von Hermann Parzinger, ein Bayer in Preußen. Hermann Parzinger ist Prähistoriker und seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seine humorvolle Rede gibt es hier.

Menschheitsgeschichte
Die Kosten für die Generalsanierung und damit für die Wiederherstellung der Archäologischen Staatssammlung, die seit 1885 in der Vergangenheit zunächst unter dem Namen „Prähistorische Sammlung“ existierte, beliefen sich auf rund 66 Millionen Euro. Die insgesamt etwa 1.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche beinhalten in der neuen Dauerausstellung auf zwei Ebenen mehr als 15.000 archäologische Objekte, die Aufschluss über mehrere Tausend Jahre Menschheitsgeschichte geben. Vertreten sind Funde aus sämtlichen Abteilungen des Museums: Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit, Mittelalter und Neuzeit, Numismatik sowie der Abteilung Mittelmeer und Vorderer Orient.

Kuh im Brunnen
Das älteste Objekt in der Archäologischen Staatssammlung, dem bayerischen Museum für Vor- und Frühgeschichte, ist ein Faustkeil aus der Zeit um 100.000 bis 10.000 v. Chr. Auch das jüngste Objekt stammt aus Bayern, genauer aus München: Ein Serviergeschirr aus dem ehemaligen Café Deistler, das 1945 verschüttet wurde – gefunden bei Ausgrabungen am Marienhof 2012.

Zu den herausragenden Stücken der Sammlung zählen zudem ein Mammutstoßzahnfragment mit graviertem Mammut (16000-12000 v. Chr.), eine steinzeitliche Flöte aus Rehknochen (um 14000-12000 v.Chr.), das derzeit älteste Musikinstrument Bayerns, eine keltische Geldbörse mit (3. Jh. v. Chr.), eine Reitermaske der römischen Kaiserzeit aus Straß-Moos im Stil eines Alexanderporträts (2. Jh. n. Chr.), die Moorleiche aus Peiting (13.-14. Jh. n. Chr.), die bekannte Bügelfibel aus Wittislingen (um 600 n. Chr.), der bislang größte und schwerste Kleiderverschluss des Mittelalters in ganz Deutschland, sowie ein Schildbeschlag in Form eines baiuwarischen Löwen (7. Jh. n. Chr.). Eindrucksvoll ist auch ein alter Brunnen, der beim Bau des zweite S-Bahnstammstrecke am Marienhof hinter dem Rathaus entdeckt wurde. Den Brunnen hat man im Museum nachgebaut und eine Originalkuh bzw das Skelett davon gibt es auch zum Ansehen. Es wird angenommen, dass die Kuh absichtlich in den Brunnen geworfen wurde und damit den Brunnen vergiftete. Der Schacht wurde danach nur noch als Abfallgrube genutzt. Müll ist ein Schatz für die Wissenschaftler.

Für mich eine klare Sache. Ich komme wieder und freu mich, dass München wieder so ein Weltklasse-Museum hat. Die Museumspädagogik ist hervorragend und es macht einfach Spaß auf diese Art und Weise Geschichte zu erleben. Und auch mal den Museumsshop besuchen, lohnt sich.

Eindrücke von der Internationalen Handwerksmesse IHM

2. März 2024

Für mich ist ein Besuch der Internationalen Handwerksmesse IHM in München auch immer eine Reise in die Vergangenheit. Ich war einstmals Pressereferent der Handwerkskammer für München und Oberbayern und arbeite heute noch immer mit großer Freude für verschiedene Handwerksorganisationen und Betriebe.

Die Eröffnung der IHM ist immer ein Ereignis, wenn dort lässt sich immer auch die Stimmung des bayerischen (und deutschen) Handwerks ausloten. Dieses Mal war Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zu Gast. Der Vize-Kanzler musste sich in der Vergangenheit auf Konfrontation mit Bauern, Mittelständlern und Handwerkern einstellen. Eine solche Konfrontation bliebt bei der Eröffnungsveranstaltung aus. Es ging demokratisch zu.

Keine Demos erwünscht
Handwerks-Präsident Dittrich hat seine Branche davor gewarnt, sich angesichts des herrschenden Unmuts die Bauernproteste zum Vorbild zu nehmen. Wirtschaftspolitik sollte nicht auf der Straße, sondern in den Parlamenten und im Dialog der Politik mit den Verbänden stattfinden. Nach seinen Worten gibt in der Branche einen großen Druck, dem Beispiel der Bauern zu folgen. Die vielen wütenden Maximalforderungen machten immer kompromissunfähiger und zerstörten die Gemeinschaft – egal ob es beispielsweise um die Begrenzung der ungesteuerten Zuwanderung oder die wettbewerbsfähige Energieversorgung der Zukunft geht, so der Handwerks-Präsident.

Im Vorfeld wurden von einer Organisation Hand-in-Hand zur Demo gegen den Minister aufgerufen. In der Vergangenheit war die Gruppe mit Fäkalsprache und Schnauze-Voll-Ausrufen bekannt geworden. Demokratie sieht anders aus. Die Protestler sammelten sich vor der Messe. Die GHM, die Gesellschaft für Handwerksmessen, erteilte der Gruppe ein Hausverbot, die daraufhin der Messe Stasi- und DDR-Methoden vorwarf. Nichts gelernt.

Söder schlecht gelaunt
Seltsam schlecht gelaunt war der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der wohl mit dem falschen Bein aufgestanden war. Etwas mürrisch war er auf der Bühne und feuerte gegen den Wirtschaftsminister seine verbalen Pfeile ab, die von Habeck allerdings abprallten und sachlich gekontert wurde. Eine Teilnehmerin der Veranstaltung meinte, dass für Söder wohl zu wenig Bierbänke im Podium war, denn seine Rede geriet etwas ins populistische Fahrwasser, was von den anwesenden Handwerken und Verbandsvertretern nicht quotiert wurde. Hier hatte sich Söder wohl verkalkuliert oder er stand unter dem Druck des Derbleckens am abendlichen Nockherberg. Es war nicht seine beste Rede auf einer Handwerksmesse. Robert Habeck verblüffte dagegen mit seinen Antworten und hörte zu. Er ließ sich nicht vom Ministerpräsidenten provoziern. So prallte der Vorwurfs Söders nach überzogenen Datenschutz an Habeck ab, denn Datenschutz sei Ländersache und Söder könne dieses Problem sofort im eigenen Land lösen. Wie gesagt, es war nicht Söders bester Tag.

Habecks Rede

Zum Auftakt der internationalen Handwerksmesse hat Bundeswirtschaftsminister Habeck die Bedeutung der Branche unterstrichen. Die derzeitige konjunkturelle Lage sei eine große Herausforderung, so der Grünen-Politiker. Deshalb sei es umso wichtiger klarzustellen, dass es keinen Unterschied gebe zwischen Kopf-und Handarbeit. Dieses Land lebe von allen Menschen, so Habeck.

Bayerns Ministerpräsident Söder hatte zuvor erneut einen Richtungswechsel in der Wirtschaftspolitik gefordert. Deutschland sei auf Talfahrt, so Söder, und die Ampelkoalition verfüge derzeit über kein Konzept, dies zu ändern. Aus Sicht von Handwerkspräsident Dittrich muss die Bundesregierung mehrere Stellschrauben ändern, um die Rahmenbedigungen für das Handwerk zu verbessern. Unter anderem forderte Dittrich einen Abbau der Bürokratie, eine raschere Digitalisierung und belastbare Energiepreise.

Das Unsichtbare sichtbar zu machen
Im Gespräch bleiben und die Probleme des Handwerks im demokratischen Austausch lösen, war das Gebot der Stunde. Habeck versprach sich dafür einzusetzen, dass der bayerische Tag des Handwerks an den Schulen bundesweit an allen Schularten durchgesetzt wird. Er warb bei den Handwerksbetriebe „Das Unsichtbare sichtbar zu machen“ und mehr hinter die Kulissen eines Handwerksbetriebes zu zeigen. Die Aussage gefällt mir, denn genau das mache ich in meinen Social Media-Posts für Handwerksbetriebe.

Format der Eröffnung
Das Format der Eröffnungsfeier hat mir gefallen. Moderator Wolfram Kons eröffnete ganz amerikanisch die Feierlichkeiten vom Publikum aus anstatt von der großen Bühne herunter. Es war eine moderne Show mit Einspielern und viel Technik im Kongresszentrum. Die Veranstalter hatten auch zahlreiche Handwerksinfluenzer eingeladen wie Cehan San oder Juliane Veltum. Wenn ich mir allerdings die Reichweite der Herrschaften anschaue, dann ist das doch alles sehr übersichtlich. Da entwickelt mein Bäckereibetrieb, den ich betreue, deutlich mehr Kraft in den sozialen Medien und er hat auch keine Ausbildungssorgen. Aber die Messe wird sicher wissen, was sie tut.

Alles Käse
In den Pausen schlenderte ich über den Kongress und die Messe. Ich besuchte Bekannte und Geschäftspartner, machte Termine aus und kaufte auch ein wenig in der Foodhalle ein. Die bessere Hälfte versorgte sich mit Schmuck. Ich erwarb einen wunderbaren italienischen Käse, der in Papier eingewickelt wurde. Leider fing der Käse an zu riechen, oder sagen wir besser, er fing an zu stinken und ich wanderte mit dem Käse durch die Messe und saß im Kongress. Abends beim Staatsempfang gab ich den Käse bei der Garderobe ab. Die armen Damen postierten meinen Einkauf etwas entfernt von den anderen Taschen und Koffern. Die nächtliche S-Bahn-Fahrt mit Käse nach Hause, war auch etwas unangenehm. Aber der Käse ist ein Genuss.

Staatsempfang Handwerk unter sich
Abends war dann der Staatsempfang in der Residenz angesagt. Wirtschaftstaatssektär Tobias Gotthardt hatte in die edlen Räume geladen und ich traf dort auf viele Bekannte aus der Handwerksorganisation. Normalerweise ist der Staatsempfang ein Termin für den Minister Hubert Aiwanger. Der war aber wie viele andere Landtagsabgeordnete lieber auf den Nockherberg zum Starkbieranstich gegangen und bekam dort von Maxi Schafroth mit Aussagen wie „Verhaltensauffällig“, „Borkenkäfer“, „wirbellose Existenz“ den Kopf gewaschen. Die Fastenpredigt läutet traditionell das Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg ein. Also blieb beim Staatsempfang das Handwerk die meiste Zeit unter sich. Ich wechselte ein paar Worte mit dem Tobias Gotthardt und bedankte mich artig für die Einladung.

Also viel gelernt, viel gequatscht und Anregungen für weitere Geschichten gefunden – so muss das sein.

Apple Vision Pro mit Knowhow aus Deutschland

8. Februar 2024

Die Apple Vision Pro ist in den USA gestartet und die erste Charge ist ausverkauft. Apple wagt sich mit der 3500 US-Dollar teueren Brille in den Bereich AR und VR vor – und scheinbar erfolgreich. Jetzt gilt es Erfahrungen zusammen. Ich habe die Brille (noch) nicht aufgehabt und kann nur auf Berichte aus dem Netz und auf ein paar persönliche Gespräche zurückgreifen. Das Thema fasziniert mich und ich bin als Apple Fan Boy davon überzeugt, das Apple Vision Pro die Zukunft des Computings sein wird.

Ich kann mir viele Szenarien als digitaler Nomade vorstellen, wie ich die Apple Vision Pro in meinem Leben einsetzen könnte. Arbeiten und Unterhaltung werden sich massiv ändern und ich freu mich darauf. Hier ein schöner Test von Heise.

Als ich mir die Videos in YouTube ansehe, erinnerte mich an meine Vorhersagen aus dem Jahr 2015, die sich Zug um Zug erfüllt haben. Im Kern der Apple Vision Pro steckt für mich deutsches Know-how. Warum? 2015 kaufte Apple ein Unternehmen, was sich Tür an Tür bei meiner damaligen Reaktion in München befand: Metaio. Hier ein Text von 2015 von mir.

Metaio war einer der wichtigsten Firmen weltweit im Bereich augmented reality zu deutsch etwa erweiterter Realität. Die Software-Schmiede aus München entwickelte für zahlreiche Kunden höchst innovative Projekte, veranstaltete eine Top-Konferenz mit inside AR in München und war leuchtendes Beispiel für den High-Tech-Standort Bayern. Die Nutzung dieser innovativen Softwarepakete des Unternehmens erlaubte eine Integration von 3D-Animationen in live-Videostreams oder Kamerabilder der Nutzerumgebung. Metaio hatte damals über 500 Projekte erfolgreich abgeschlossen bei mehr als 450 renommierten Kunden wie BMW, Daimler, Siemens, Toyota, Peugeot, EADS, Bertelsmann, KUKA, LEGO, MINI, Popular Science, Focus Features und Volkswagen. Hier ein Video, was ich vor acht Jahren gedreht habe.

Im Februar 2002 gegründet und 2015 war dann Schluss als Apple den Laden aufkaufte. Die Übernahme von Metaio durch Apple markierte einen wichtigen Schritt in Apples Bemühungen, seine Präsenz im Bereich der erweiterten Realität zu stärken. Seit der Übernahme hat Apple die AR-Technologie von Metaio in verschiedene Produkte und Dienstleistungen integriert, darunter die ARKit-Plattform für Entwickler, die es ermöglicht, AR-Erlebnisse in iOS-Apps zu erstellen. Die Entwickler zogen nach Cupertino, der Metaio-Standort München wurde aufgegeben. Heute ist es so, dass Apple die Apple Vision Pro auch in seinen Büros in München entwickelt, im Kern ist dabei wohl das Knowhow Metaio