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Stonehenge-Ausstellung: Ein Monument, das Menschen zusammenbrachte

27. September 2026

Die Stonehenge-Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München entführt die Besucher rund 5.000 Jahre zurück in die faszinierende Welt eines der berühmtesten Monumente der Menschheitsgeschichte. Archäologische Funde, Rekonstruktionen, digitale Vermittlung und Videoinstallationen zeigen Stonehenge nicht als isolierten Steinkreis, sondern als Teil einer weitläufigen prähistorischen Kulturlandschaft. Besonders spannend ist der europäische Blickwinkel: Funde aus Bayern verdeutlichen, dass die Menschen jener Zeit über große Entfernungen miteinander verbunden waren. Eine anschauliche Ausstellung für Archäologie-Fans ebenso wie für Familien und neugierige Entdecker.

Ich habe mir in Ruhe die Ausstellung in München angeschaut, viel gesehen, viel gelesen und viel nachgedacht. Hier ein Rundgang in VR 360.

Mehr als 50 Jahre arbeitet Prof. Mike Parker Pearson als Archäologe, geforscht hat er in zahlreichen Teilen der Welt. Ausgerechnet Stonehenge gehörte lange Zeit nicht zu den Orten, an denen der Professor für jüngere britische Vorgeschichte am Institute of Archaeology des University College London unbedingt arbeiten wollte. Mit einem Augenzwinkern erklärte er bei seinem Vortrag anlässlich der Stonehenge-Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München auch warum: Stonehenge ziehe schließlich „einige sehr seltsame Leute an – britische Exzentriker aller Art“.

Dass Parker Pearson schließlich doch zu einem der bedeutenden Stonehenge-Forscher wurde, verdankt sich ausgerechnet seiner Arbeit in Madagaskar. Dort untersuchte er gemeinsam mit seinem madagassischen Kollegen Ramiri Salina Megalithen. Anders als in Europa ist das Errichten großer Steine dort keine längst verschwundene Tradition. Noch heute werden solche Monumente geschaffen.

Als Parker Pearson seinem Kollegen bei einem Besuch in Großbritannien Stonehenge zeigte und eingestand, dass man nicht genau wisse, welchem Zweck die Anlage einst gedient habe, reagierte dieser erstaunt: „Was meinst du damit, ihr wisst nicht, wofür es da ist? Hast du bei unserer gemeinsamen Arbeit über Megalithen nichts gelernt?“

Sein Kollege verwies auf eine grundlegende Unterscheidung in Madagaskar: „Für die Ahnen bauen wir aus Stein. Denn Stein ist dauerhaft, ewig – wie die Ahnen. Für die Häuser und die Lebenswelt der Lebenden bauen wir aus Holz.“

Für Parker Pearson war dies ein Schlüsselmoment. Denn unweit von Stonehenge befinden sich mit Woodhenge und den Anlagen von Durrington Walls auch die Überreste großer Holzkreise. Daraus entstand die Frage, ob Stein und Holz auch dort unterschiedliche Welten symbolisierten: Stonehenge als Ort der Ahnen und Toten, die Holzanlagen dagegen als Orte der Lebenden.

Die Toten in Stonehenge, die Lebenden in Durrington Walls
Ab 2003 führte Parker Pearsons Team über sechs Jahre hinweg umfangreiche Ausgrabungen durch. Die Ergebnisse stützten die ursprüngliche Überlegung erstaunlich deutlich. In Stonehenge fanden die Archäologen Brandbestattungen. Im Umfeld der Holzkreise kamen dagegen Häuser, Tierknochen und zahlreiche Hinterlassenschaften großer gemeinschaftlicher Mahlzeiten zum Vorschein – Spuren des alltäglichen Lebens und offenbar großer Zusammenkünfte.

Neue naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden veränderten das Bild zusätzlich. Isotopenanalysen ermöglichten es, die Herkunft von Menschen und Tieren zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass Stonehenge kein Monument einer kleinen, isolierten Gemeinschaft gewesen sein dürfte. Menschen kamen aus weit entfernten Regionen Britanniens dorthin. „Wir entdeckten, dass Stonehenge ein gewaltiges Einzugsgebiet hatte. Die Menschen kamen aus ganz unterschiedlichen Teilen Britanniens“, erklärte Parker Pearson.

Parallel dazu eröffneten genetische Untersuchungen neue Einblicke in die Bevölkerungsgeschichte. Die Menschen, die Stonehenge errichteten, gehörten zu bäuerlichen Bevölkerungsgruppen, die frühere Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften weitgehend abgelöst hatten. Später kam es erneut zu tiefgreifenden Veränderungen durch Bevölkerungsgruppen, die sich über weite Teile Europas ausbreiteten und mit der Glockenbecherkultur verbunden werden.

Damit wird Stonehenge für Parker Pearson auch zu einem Teil einer europäischen Geschichte. Gerade deshalb sei es von besonderem Wert, dass die Münchner Ausstellung archäologische Funde aus der Region einbezieht und damit Verbindungen zur Glockenbecherzeit in Mitteleuropa sichtbar macht.

Steine aus Hunderten Kilometern Entfernung
Besonders spektakulär sind für Parker Pearson die jüngsten geologischen Erkenntnisse. Die Steine von Stonehenge stammen nicht einfach aus der unmittelbaren Umgebung. Selbst die großen Sarsensteine wurden über beträchtliche Entfernungen transportiert. Die sogenannten Blausteine kamen aus Wales und legten mehr als 200 Kilometer zurück.

Noch erstaunlicher ist die Herkunft des sogenannten Altarsteins im Zentrum der Anlage. Untersuchungen ergaben, dass sein Gestein aus dem Norden Schottlands stammt – rund 900 Kilometer von Stonehenge entfernt. „Keiner der Steine von Stonehenge stammt von dort“, fasste Parker Pearson die Erkenntnisse pointiert zusammen.

Damit verändert sich auch die Frage nach der Bedeutung des Monuments. Entscheidend ist nicht allein, wie Menschen vor rund 5.000 Jahren tonnenschwere Steine bewegten. Ebenso wichtig ist die Frage, warum sie Gestein aus weit entfernten Landschaften zusammentrugen.

Für Parker Pearson liegt genau darin möglicherweise eines der großen Geheimnisse von Stonehenge. Das Monument könnte Ausdruck eines außergewöhnlichen gesellschaftlichen Vorgangs gewesen sein, bei dem Menschen, Materialien und möglicherweise auch Traditionen aus verschiedenen Teilen Britanniens zusammengeführt wurden.

„Es geht darum, Menschen und Ressourcen – und ganz besonders Steine – aus allen Teilen der Insel Großbritannien zusammenzubringen, vielleicht in einem großen Akt der Vereinigung.“

Damit formuliert Parker Pearson eine Interpretation, die sich deutlich von der populären Vorstellung eines geheimnisvollen Tempels absetzt. Für ihn steht weniger ein einzelner religiöser Zweck im Mittelpunkt als die gesellschaftliche Dimension des Bauwerks.

Sein prägnantes Fazit lautet: „Es ist kein Tempel. Es ist vielmehr ein Monument für ein außergewöhnliches Ereignis und außergewöhnliche Menschen vor fünf- bis viereinhalbtausend Jahren.“

Stonehenge als europäische Geschichte
Die Ausstellung in München versucht diese neuen Erkenntnisse nicht nur wissenschaftlich zu vermitteln, sondern räumlich und anschaulich erfahrbar zu machen. Parker Pearson würdigte dabei ausdrücklich die gestalterische Umsetzung. Dem Ausstellungsgestalter sei es gelungen, „mein archäologisches Wissen in eine dreidimensionale Realität zu verwandeln“ – und zwar sowohl für Erwachsene als auch für Kinder.

Gerade die Verbindung mit Funden aus Bayern erweitert den Blick. Stonehenge erscheint dadurch nicht als isoliertes britisches Weltwunder, sondern als Teil einer Epoche, in der Menschen, Ideen, Materialien und kulturelle Traditionen über enorme Entfernungen hinweg miteinander verbunden waren.

Vielleicht liegt darin tatsächlich ein Schlüssel zum Verständnis dieses bis heute faszinierenden Ortes: Stonehenge erzählt nicht nur von gewaltigen Steinen. Es erzählt von Menschen, die enorme Anstrengungen auf sich nahmen, um etwas Gemeinsames zu schaffen – ein Monument aus verschiedenen Landschaften für eine Gemeinschaft, deren Verbindungen offenbar weit über den Horizont der Salisbury Plain hinausreichten.

Für ein ganzes Jahr rückt der geheimnisvolle Steinkreis im Süden Englands in den Mittelpunkt
Bei der Eröffnung unterstrich Prof. Dr. Rupert Gebhard, Direktor der Archäologischen Staatssammlung, die besondere Bedeutung der Schau. Dass die Ausstellung ein Jahr lang zu sehen sein wird, bezeichnete er zugleich als „Zeichen der Nachhaltigkeit“, denn das Museum wolle Ausstellungen nicht mehr in allzu kurzen Abständen wechseln. Den Besucherinnen und Besuchern werde dadurch ausreichend Gelegenheit gegeben, sich intensiv mit Stonehenge und seiner Geschichte auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung führt dabei weit über das bekannte Bild der mächtigen Steine hinaus. Stonehenge wird in den Zusammenhang einer ganzen prähistorischen Landschaft gestellt. Über lange Zeit hatten unterschiedliche Theorien die Wahrnehmung des Monuments geprägt. Besonders populär war die Vorstellung eines vorgeschichtlichen Observatoriums. Die moderne Archäologie zeichnet heute ein wesentlich komplexeres Bild und betrachtet nicht nur den Steinkreis selbst, sondern die ihn umgebende Kulturlandschaft mit ihren Siedlungs- und Bestattungsplätzen.

Gebhard erinnerte zugleich daran, dass die Faszination für Stonehenge keineswegs eine moderne Erscheinung ist. Bereits im Mittelalter versuchten Menschen, sich die Herkunft der gewaltigen Steine zu erklären. Im 13. Jahrhundert wurden Geschichten um den Zauberer Merlin und sogar um Riesen mit Stonehenge verbunden. Für Gebhard reicht die Beschäftigung mit dem Monument damit von einer Art früher, fantasievoller „Urarchäologie Stonehenge“ bis zur modernen Forschung.

Heute haben naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden viele dieser Spekulationen abgelöst. Moderne Archäologie versucht, Herkunft, Alter und Bedeutung der Funde mit wissenschaftlichen Methoden zu rekonstruieren. Die Ausstellung macht damit auch deutlich, wie sich archäologische Forschung im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.

Gebhard zeigte sich bei der Eröffnung besonders zufrieden damit, wie sich die Schau in die neuen Räumlichkeiten der Archäologischen Staatssammlung einfügt: „Die Ausstellung ist wirklich toll“, sagte der Direktor und versprach den Gästen: „Sie werden fasziniert sein, wie man in unserem tollen neuen Ausstellungssaal diese Ausstellung einbetten konnte.“

Blume ist sehr stolz und glücklich
Auch Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, MdL, stellte die internationale Bedeutung der Ausstellung heraus. Dass die Schau nach Bayern gekommen sei und hier erstmals in Mitteleuropa gezeigt werde, mache ihn „sehr stolz und glücklich“. Besonders freue ihn, dass eine Ausstellung dieser Größenordnung in der renovierten Archäologischen Staatssammlung präsentiert werden könne.

Mit einem augenzwinkernden Satz brachte Blume seine Begeisterung auf den Punkt: „Ich hätte es auch nicht erwartet, dass ich mal hier als bayerischer Kunstminister stehen kann und sagen darf: Stonehenge wird bayerisch.“

Hinter diesem humorvollen Ausspruch steht jedoch ein ernsthafter wissenschaftlicher Gedanke. Stonehenge dürfe nicht ausschließlich als britisches Phänomen betrachtet werden. Neuere Forschungen zeigen vielmehr, wie weitreichend die Verbindungen der damaligen Gesellschaften waren. „Die Geschichte von Stonehenge ist eine sehr, sehr frühe europäische Geschichte“, betonte Blume. Unterschiedliche Kulturen hätten miteinander in Verbindung gestanden, es habe Austausch und weitreichende Kontakte gegeben.

Damit schlägt die Münchner Ausstellung bewusst eine Brücke nach Mitteleuropa und Bayern. Archäologische Funde aus dem Freistaat zeigen, dass auch hier vor Jahrtausenden Gesellschaften existierten, die zu bemerkenswerten kulturellen und technischen Leistungen fähig waren. Stonehenge wird dadurch nicht als isoliertes Monument auf einer fernen britischen Insel präsentiert, sondern in einen größeren europäischen Zusammenhang eingeordnet.

Blume griff dieses Zusammenspiel mit einem weiteren Wortspiel auf: „Zumindest mit dieser Ausstellung wird Stonehenge bayerisch.“ Umgekehrt zeige die Schau aber auch, „dass Bayern auch Stonehenge kann – jedenfalls ausstellungsmäßig“.

Für den Minister unterstreicht die Sonderausstellung zugleich die internationale Bedeutung der Archäologischen Staatssammlung. Sie sei ein attraktiver Partner für anspruchsvolle Ausstellungsprojekte und verfüge nach ihrer Wiedereröffnung über hervorragende Möglichkeiten zeitgemäßer Präsentation und Vermittlung. Blume zeigte sich überzeugt, dass Stonehenge das Potenzial zu einem „absoluten Publikumsrenner“ habe. Schließlich liege eine besondere Faszination in der Frage, wozu Menschen bereits vor rund 4.000 bis 5.000 Jahren in der Lage waren.

Dabei bleibt es nicht bei klassischen Vitrinen und archäologischen Exponaten. Videoinstallationen, digitale Vermittlungsformen und ein umfangreiches Begleitprogramm sollen unterschiedliche Zielgruppen erreichen. „Vom Anfänger bis zum Kenner“ sei etwas dabei, betonte Blume. Insbesondere Kinder und Familien sollen spielerisch Zugang zur Vorgeschichte erhalten – bis hin zur Möglichkeit, selbst einen Steinkreis nachzubauen.

Mit viel Humor stellte sich Blume bereits vor, wie Archäologen in ferner Zukunft über solche Hinterlassenschaften rätseln könnten. Vielleicht müsse man vorsichtshalber eine Plakette anbringen, damit spätere Generationen wissen, „dass es nur ein Mitmachprojekt der Archäologischen Staatssammlung war“.

Die Eröffnung machte damit deutlich, welchen Anspruch die Ausstellung verfolgt: Stonehenge soll nicht allein als ikonische Ansammlung monumentaler Steine präsentiert werden. Die Schau möchte eine längst vergangene Welt wieder sichtbar machen und zugleich zeigen, wie moderne Archäologie unser Bild dieser Welt immer wieder verändert. Vor allem aber rückt sie Stonehenge aus der vermeintlichen Isolation heraus und stellt das Monument in einen europäischen Zusammenhang. Oder, um es mit Markus Blume zu sagen: „Stonehenge wird bayerisch.“

Museumsjuwel in München wieder eröffnet: Die Archäologischen Staatssammlung

17. April 2024

Sie sahen zwar wie die Cowboy-Hüte aus Toy Story aus, waren aber als Indiana Jones-Hüte gedacht und sie stahlen fast der Neueröffnung der Archäologischen Staatssammlung die Show. Bayerns Kunstminister Markus Blume überreichte seinem Chef Ministerpräsident Markus Söder einen solchen Hut als es an die feierliche Wiedereröffnung des eindrucksvollen Museums nach acht Jahren Umbauzeit ging. Die anwesenden Archäologen und Wissenschaftler schauten zwar etwas verwirrt, machten aber gute Miene, denn endlich ist dieser Museumsschatz mit seinen 15000 ausgestellten Fundstücke fertig und die Öffentlichkeit sollte ihn unbedingt besuchen.

66 Millionen Euro hat der Umbau gekostet und das Haus an der Lerchenfeldstraße 2 ist bis auf die Fassade praktisch neu gebaut. Nicht wundern, wenn man vor dem Gebäude steht, der Rost gehört zum dazu. Die markante Fassade aus rostigem Stahl wurde komplett erneuert. Die Architekten des spanischen Büros Nieto Sobejano Arquitectos den Charakter des ursprünglichen Museums von 1976 an der beibehalten. Und ein cooles Dachterrassencafe gibt es nun auch. Für mich jetzt schon ein Geheimtipp.

Das Wichtigste sind natürlich die Ausstellungsstücke. Der Zeitraum reicht von den ersten Menschen in Bayern vor 140.000 Jahren bis in die jüngste Vergangenheit. Bei Ausgrabungen am Münchner Marienhof entdeckte man beispielsweise den Keller des 1945 zerbombten Cafés Deistler.

Hier ein VR 360 Grad-Rundgang und ein klassischer 2D-Rundgang durch die sehenswerte Ausstellung. Für Blogger und Geschichtenerzähler gibt es hier Tausende Geschichten zu erzählen. Bleibt zu hoffen, dass sich das Museum hier aktiv wird, ein paar Ideen hätte ich schon. Ich war als Blogger eingeladen und hab ich unter die Pressekollegen geschmuggelt, gefilmt und viele Bekannte aus der Community getroffen.

Söder würde gerne Archäologe werden
Locker scherzte Söder bei seiner Ansprache: „Archäologen sind nicht wie bei Indiana Jones, sondern moderne Detektive der Geschichte. Man muss die Vergangenheit verstehen, um Gegenwart und Zukunft begreiten und gestalten zu können. Die Staatssammlung ist das historische Gewissen Bayerns.“ Er gestand auch ein, dass er nach seiner politischen Karriere vielleicht noch Archäologie studieren würde. Wann dies sei, ließ er allerdings offen. Die launige Rede des bayerischen Ministerpräsidenten gibt es hier als Video.

Blume – Kunstminister zum Anfassen
Auch Wissenschaftsminister Markus Blume war sichtlich gut gelaunt. Nach der offiziellen Eröffnung und Rundgang blieb er noch im Foyer und sprach noch lange angeregt mit den Gästen im lockeren Ton. Ein Kunstminister zum Anfassen. Auch seine Rede war mit Humor geprägt und er überreichte seinem Chef dann auch noch den Cowboy-Hut, der eigentlich ein Indiana Jones-Hut sein sollte. Vielleicht war nach Ausgaben von 66 Millionen Euro für das Museum nicht mehr drin. Gut, dass ich ein paar Hut-Fotos gemacht habe, denn in dem offiziellen Pressekit waren sie dann nicht zu finden.

Blume sagte: „Wir bringen Archäologie in alle Ecken des Freistaats! Die Archäologische Staatssammlung ist ein Museum der Superlative, das weit über München hinausstrahlt. Mit 15.000 Objekten in der Dauerausstellung, über 20 Millionen Objekten im Depot und weiteren rund 6000 Exponaten in den acht Zweigmuseen beherbergt sie die größte bayerische Sammlung.“

Museumsleiter erleichtert
Sichtlich begeistert und erleichtert war auch Museumschef Prof. Dr. Rupert Gebhard, seines Zeichens leitender Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung. Er danke allen und freute sich sichtlich, dass der Umbau fertiggestellt wurde. „Die Fundstücke, die in der ASM verwahrt werden, sind wesentlich mehr als nur stille Zeugen vergangener Epochen. Sie sind greifbare Verbindungen zu unseren Vorfahren, die ihre Geschichten erzählen. Wir ermöglichen unserem Publikum, eine authentische Erfahrung mit der Vergangenheit zu erleben und schlagen damit einen Bogen in die Gegenwart.“ Der Wissenschaftler führte das Duo Söder/Blume dann exklusiv durch die Ausstellung. Seine Rede gibt es hier.

Ein Bayer in Preußen
Einen geschichtlichen und humorvollen Rundumschlag gab es dann noch von Hermann Parzinger, ein Bayer in Preußen. Hermann Parzinger ist Prähistoriker und seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seine humorvolle Rede gibt es hier.

Menschheitsgeschichte
Die Kosten für die Generalsanierung und damit für die Wiederherstellung der Archäologischen Staatssammlung, die seit 1885 in der Vergangenheit zunächst unter dem Namen „Prähistorische Sammlung“ existierte, beliefen sich auf rund 66 Millionen Euro. Die insgesamt etwa 1.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche beinhalten in der neuen Dauerausstellung auf zwei Ebenen mehr als 15.000 archäologische Objekte, die Aufschluss über mehrere Tausend Jahre Menschheitsgeschichte geben. Vertreten sind Funde aus sämtlichen Abteilungen des Museums: Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit, Mittelalter und Neuzeit, Numismatik sowie der Abteilung Mittelmeer und Vorderer Orient.

Kuh im Brunnen
Das älteste Objekt in der Archäologischen Staatssammlung, dem bayerischen Museum für Vor- und Frühgeschichte, ist ein Faustkeil aus der Zeit um 100.000 bis 10.000 v. Chr. Auch das jüngste Objekt stammt aus Bayern, genauer aus München: Ein Serviergeschirr aus dem ehemaligen Café Deistler, das 1945 verschüttet wurde – gefunden bei Ausgrabungen am Marienhof 2012.

Zu den herausragenden Stücken der Sammlung zählen zudem ein Mammutstoßzahnfragment mit graviertem Mammut (16000-12000 v. Chr.), eine steinzeitliche Flöte aus Rehknochen (um 14000-12000 v.Chr.), das derzeit älteste Musikinstrument Bayerns, eine keltische Geldbörse mit (3. Jh. v. Chr.), eine Reitermaske der römischen Kaiserzeit aus Straß-Moos im Stil eines Alexanderporträts (2. Jh. n. Chr.), die Moorleiche aus Peiting (13.-14. Jh. n. Chr.), die bekannte Bügelfibel aus Wittislingen (um 600 n. Chr.), der bislang größte und schwerste Kleiderverschluss des Mittelalters in ganz Deutschland, sowie ein Schildbeschlag in Form eines baiuwarischen Löwen (7. Jh. n. Chr.). Eindrucksvoll ist auch ein alter Brunnen, der beim Bau des zweite S-Bahnstammstrecke am Marienhof hinter dem Rathaus entdeckt wurde. Den Brunnen hat man im Museum nachgebaut und eine Originalkuh bzw das Skelett davon gibt es auch zum Ansehen. Es wird angenommen, dass die Kuh absichtlich in den Brunnen geworfen wurde und damit den Brunnen vergiftete. Der Schacht wurde danach nur noch als Abfallgrube genutzt. Müll ist ein Schatz für die Wissenschaftler.

Für mich eine klare Sache. Ich komme wieder und freu mich, dass München wieder so ein Weltklasse-Museum hat. Die Museumspädagogik ist hervorragend und es macht einfach Spaß auf diese Art und Weise Geschichte zu erleben. Und auch mal den Museumsshop besuchen, lohnt sich.