Posts Tagged ‘Make America great again’

100 Tage Donald Trump – Humor als verzweifelter Ausweg

1. Mai 2017

Trump macht den Mund ganz weit auf.

Trump macht den Mund ganz weit auf.

Bei einem meiner Vorträge in einer Schule über Medienkompetenz diskutierte ich mit Schülern über FakeNews. Eine Frage traf voll ins Schwarze: „Warum belügt uns der US-Präsident? Warum diskutieren wir hier über FakeNews und eine Institution gibt uns alternative Fakten?“  Es ist schwer, eine solche Frage zu beantworten, denn aus meiner Sicht hat der Schüler recht. In meinen Vorträgen setze ich mich für Werte ein und einer der wichtigsten Menschen auf diesen Planeten wirft mit schamlosen Lügen um sich.

100 Tage Donald Trump lassen mich nachdenklich werden. Natürlich muss nicht jeder meiner Meinung sein. Eine Demokratie lebt von dem Austausch, doch Regeln des Anstandes und der Wahrheit gehören einfach dazu. Der alte Kant ist für mich immer noch gültig.

Simpsons nehmen sich 100 Tage Trump an
Die Simpsons haben trotz ihrer Heimat bei Fox einen hervorragenden Spot über die ersten 100 Tage gedreht – ein Spot, der mir Angst macht. Ich flüchte mich in Humor und ich verzweifle. Ich lausche den politischen Kommentatoren in Presse, Funk und Fernsehen und online. Und ich verzweifle noch mehr. Eigentlich oft die gleiche Meinung: Donald Trump hat keinen brillanten Start hingelegt – und das ist höflich ausgedrückt. Er soll selbst gesagt haben, dass er geglaubt habe, die US-Präsidentschaft sei einfacher. Nun ja.


Ich war vor der Amtseinführung von Trump in den USA und ich bin froh darüber. Denn die USA ist ein tolles Land, ich habe so viele positive Eindrücke. Doch die USA verändern sich, so mein Eindruck. Das Land, das uns die Freiheit nach dem Zweiten Weltkrieg gebracht hat, verändert sich – und nicht zu seinem Vorteil. Und Donald Trump beschleunigt diese Veränderung. Persönlich habe ich deshalb beschlossen, auf absehbare Zeit auf Reisen in die USA zu verzichten.
Make America Great Again – das habe ich bei meinem USA-Aufenthalt oft gehört. Nationalismus ist der falsche Weg.

MAD Sonderheft zu 100 Tage Trump

Eine interessante Antwort auf Donald Trump gibt die Satirezeitschaft MAD. In diesem Jahr feiert das MAD-Magazin in Deutschland sein 50. Jubiläum. Das Magazin, das hierzulande unter Herbert Feuerstein als Chefredakeur groß wurde, zu Beginn der 1990er Jahren dann jedoch an Lesern verlor und kurzzeitig sogar vom Markt verschwand, wurde 1998 vom Dino Verlag wiederbelebt. 2003 übernahm Panini die Rechte für die Veröffentlichung in Deutschland und sorgt seitdem für regelmäßigen Satire-Nachschub. Auf jeden Fall hat MAD eine Sonderausgabe zu Donald Trump mit einer 80.000 Auflage herausgebracht.

Ich habe das neue MAD Sonderheft zu Trump vom Verlag erhalten und gelesen. Humor ist die richtige Antwort.

Ich habe das neue MAD Sonderheft zu Trump vom Verlag erhalten und gelesen. Humor ist die richtige Antwort.

Ich habe ein Besprechungsexemplar vom Verlag angefordert und dankend erhalten. Und wahrscheinlich scheint Humor und Satire die richtige Antwort auf Donald Trump zu sein. Ein ganzes Heft über Donald Trump – eigentlich ja nicht auszuhalten. Wir haben es in der Familie gelesen und ich habe mich köstlich amüsiert. K1 hat dagegen viele Witze nicht verstanden. Eine gewisse politische Bildung muss wohl vorausgesetzt werden, um dieses Sonderheft zu verstehen. Auch MAD hat sich wohl verändert. Unter Herbert Feuerstein hatte ich es damals als pubertierender Jugendlicher verschlungen und über die Witze gelacht. ich stand sogar in Briefkontakt mit Herrn Feuerstein. Ich muss diese Form der Kundenbindung mal aus meinen Archiv heraussuchen und darüber bloggen. Das vorliegende Sonderheft über Trump ist aber nicht so einfach zu verstehen. Natürlich gibt es die klassischen Sparwitze, aber der Humor ist zeitweise schon tiefgehender und erinnert mich an Titanic.

Am Hauptbahnhof in München wird das MAD-Heft angeboten.

Am Hauptbahnhof in München wird das MAD-Heft angeboten.

Satirisch stellt MAD-Urgestein Ivo Astalos zum Beispiel die Frage, welche Dekrete der unterschriftswütige Präsident noch unterzeichnen wird, Autor Desmond Devlin beäugt mit Zeichner Ward Sutton Trumps Verhältnis zur Bibel und zusammen mit Tom Richmond gibt Devlin Einblicke in das trump’sche Familienunternehmen, während Ward Sutton den Wahlslogan „Make America Great Again“ auf einer Doppelseite um ein paar Facetten erweitert. Matthias Kringe gestaltete ein Trump-An-und-Ausziehpüppchen (inklusive Grapsch-Hand und Twitter Man-Gürtel), damit neben der „ernsten“ Satire auch der Spaß für den Leser nicht zu kurz kommt. Das obligatorische Faltbild schließt das 52-seitige Special ab, das mit einer Cover-Abbildung von Trump und Alfred E. Trump beginnt. Also zahlreiche Ideen, um sich Trump satirisch zu nähern. Ein lesenswertes Presseprodukt, das hier aufgelegt wurde.

Journalismus geht gestärkt hervor
Ach ja Presse. Eines ist Donald Trump zu verdanken. Durch seine alternativen Fakten, Verzeihung Lügen, hat der vierte Stand in den USA wieder an Bedeutung gewonnen. Selten zuvor habe ich soviel Washington Post oder New York Times gelesen oder CNN geschaut wie heute. Die Auflagen der Digitalausgaben der Zeitungen gehen nach oben und unabhängiger Journalismus gewinnt durch Trump. Jetzt war das jährliche Pressedinner im Weißen Haus. Donald Trump nahm daran nicht teil, sondern weilte auf einer Wahlveranstaltung und hetzte die Leute gegen die einige Medien auf. Das ist eines US-Präsidenten unwürdig und eine Schande.

Der US-Präsident hetzt gegen unliebsame Medien.

Der US-Präsident hetzt gegen unliebsame Medien.

President-elect in New York – Meine Reiseimpressionen Teil 4

8. Januar 2017
Trump macht den Mund ganz weit auf.

Trump macht den Mund ganz weit auf.

Eigentlich muss ich Donald Trump dankbar sein. Ohne ihn wäre die Familie nicht über Silvester nach New York geflogen. Ich hatte K2 versprochen nach New York zu reisen, wenn The Donald die US-Präsidentschaftswahl gewinnen würde. Ich hatte nie daran geglaubt und hatte dann den Salat. Aber versprochen ist versprochen und ab ging es in die USA. Und dann wohl für die nächsten acht Jahre nicht mehr, solange Donald Trump in den Vereinigten Staaten von Amerika regiert.
Dieser Blog ist in der Regel unpolitisch und auch meine Gespräche in den USA waren nicht von politischer Natur. Und dennoch bin ich ein politischer Mensch und versuche viel zu beobachten und meine Schlüsse zu ziehen. Mir ist aufgefallen, dass ich in Manhattan anders als in München kaum verschleierte Frauen sah. Während in München in den teuren Läden viele verschleierte Damen aus Arabien einkaufen, hab ich sie in New York City kaum gesehen. Vielleicht ist das auch schon eine Auswirkung von Donald Trump und seinem Kreuzzug gegen Muslime.

new_york_2028

Make America great again
Die Amerikaner haben einen gewissen Nationalstolz und ab und zu begegnete ich markige Sprüche wie „Make America great again“. Was damit gemeint ist, konnte oder wollte mir keiner erklären. In New York findet sich sicherlich nicht die typische Trump-Wählerschaft. New York ist eher liberal. Die Stadt ist für mich eine wunderbare Mischung der Kulturen. Das Zusammenleben funktioniert auf den ersten Blick ganz gut, schließlich sind die USA ein Einwanderungsland und New York eine Einwanderungsstadt.

Ausverkauf von Hillary Clinton
Und die Amerikaner haben eine nette Art von Humor. Am Flughafen begegnete ich Geschäfte, die Devotionalien von Hillary Clinton um die Hälfte billiger anboten. Aber ich habe keinen Menschen gesehen, der die Clinton T-Shirts oder Aufkleber kaufen wollte. Hillary entwickelte sich bei meinem Besuch zu einem Ladenhüter. In den Staaten zählen wohl eher die Gewinner. Das Land interessierte sich nicht für Verlierer. Die Bevölkerung bereitete sich auf die Amtseinführung seines 45. Präsidenten vor.

Dog Toys: Donald- und Hillary-Puppen
In einer Tierhandlung am Broadway sah ich Hundespielzeuge in Form von Donald- und Hillary-Puppen. Donald in Blau, Hillary in Rot. Am nächsten Tag war die Trump-Puppe verkauft und die Hillary-Puppe blieb allein im Schaufenster zurück. Trump war ausverkauft und wurde nicht mehr aufgefüllt. Symbolischer kann man den Zweikampf der beiden US-Politiker nicht beschreiben, obwohl ich natürlich nicht weiß, ob die Donald-Puppe als Beißspielzeug für Hunde herhalten musste. Hillary saß bis zu meiner Abreise alleine im Schaufenster herum.

Trump und Clinton als Hundespielzeug.

Trump und Clinton als Hundespielzeug.

Absperrungen am Trump Tower
Scheinbar haben sich die Amerikaner abgefunden, dass Donald Trump ihr nächster Chef wird. Vor dem Trump Tower gibt es noch Absperrungen und Polizeiwägen. Auch in den Seitenstraße stehen Fahrzeuge des New Yorker Police Departments. Ob Trump allerdings in seinen Gemächern war, konnte ich nicht sagen. Aber die Sicherheitsstufe war auf jeden Fall hoch.


Es zeigte sich, dass seine Sprüche Wirkung hatten. Der Automobilhersteller Ford gab an, eine geplante Autofabrik nicht in Mexiko sondern in Michigan zu eröffnen. Arbeitsplätze wurden in den USA geschaffen. Ford nannte wirtschaftliche Gründe für die Entscheidung. US-Medien meldeten, dass die in Mexiko gebauten Fahrzeuge sonst mit hohen Zöllen belegt werden würden.

Präsidiale Wackelköpfe
In einem Souvenir-Laden am Time Square gab die präsidiale Wackelköpfe zum Kaufen. Lincoln, Kennedy, Bush, Reagan, Bill Clinton – naja und auch Hillary. Ich wollte einen Kopf von Nixon haben, den es aber nicht gab. Der Verkäufer schüttelte nur den Kopf und fragte sich wohl, warum im liberalen New York nach einem konservativen Richard Nixon gefragt wurde. Also trat kein Wackelkopf in die Reise nach Good Old Germany an, ein Staubfänger weniger.

Präsidenten und Co als Wackelköpfe.

Präsidenten und Co als Wackelköpfe.

Die vielleicht bizarrste Sympathiebezeugung für Donald Trump fand ich in einer Toilette. Hier hatte ein Schmierfink an die metallische Toilettentüre den Spruch „I love Mr Trump“ geschmiert. Ich weiß nicht, ob der President-elect dies so toll findet.

Liebesbeweis auf einer Toilette.

Liebesbeweis auf einer Toilette.

Message for the President-elect
Eine interessante Idee fand ich in der New Yorker Historischen Gesellschaft in der Nähe des Central Parks. Dort gibt es das Projekt „Message for the President-elect“ zu der alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind zum Mitmachen. Auf farbigen Postits können die New Yorker ihre Gedanken und Wünsche an den neuen US-Präsidenten aufschreiben. Dieses Projekt wurde inspiriert durch die Installation „Subway Therapy“ von Matthew „Level“ Chavez. Er hatte im November 2016 in einem U-Bahn-Tunnel zwischen der 14th Straße und 6th Avenue eine Installation geschaffen, die sich über das ganze Land ausbreitete. Die Historische Gesellschaft hat das Projekt aufgegriffen und führt es als aktive Auseinandersetzung mit der Demokratie fort. Die Zettel schwankten zwischen humorvollen und politisch ernsthaften Aussagen. Natürlich war die Frisur des künftigen Präsidenten auch ein Thema. Wenn man sonst keine Sorgen hat.