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Tim Pröse – Ein Chronist der Erinnerung: Geschichten, die uns nie loslassen

14. Februar 2025

Bereits zum vierten Mal war Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse in unserer Gemeindebücherei Maisach zu einer Lesung. Was für eine Ehre, wenn ein Mann, der ganze Hallen bei seinen Lesungen füllt, zu einer kleinen Bücherei in den Westen von München kommt und begeisterten Zuhörern seine Werke präsentiert. Ich gebe zu, ich bin ein absoluter Tim Pröse-Fan und freue mich, wenn ich diesen charismatischen Autoren treffe und sprechen kann. Ich mag den Typen einfach in seiner Art, journalistisch bewundere ich seine Schreibe, seinen Stil und seine Themen.

Tim Pröse ist ein deutscher Journalist und Autor, der sich in den vergangenen Jahren insbesondere durch seine Werke über Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht hat. Seine Bücher verbinden historische Aufarbeitung mit emotionalen Porträts und zeigen, dass Erinnerung nicht nur ein intellektueller Prozess, sondern auch eine zutiefst menschliche Angelegenheit ist. Pröse gibt denjenigen eine Stimme, die Geschichte erlebt und geprägt haben – oft Menschen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, aber deren Schicksale uns bis heute berühren und prägen. Tim Pröses journalistische Wurzeln liegen in der Porträtkunst. Er schrieb unter anderem für den Focus und bewies dort sein Gespür für persönliche Geschichten hinter den großen Ereignissen. Diese Fähigkeit, Historie durch individuelle Biografien greifbar zu machen, zieht sich durch all seine Bücher. Seine Werke sind nicht bloß historische Abhandlungen, sondern erzählen Geschichte durch die Menschen, die sie erlebt haben. Nach der Lesung führte ich ein Interview mit diesem Künstler.

In Maisach hat er Auszüge aus seinem Buch „Wir Kinder vom 20. Juli“ präsentiert. Ein wichtiges Buch, gerade vor der bevorstehenden Bundestagswahl. In „Wir Kinder des 20. Juli“ (2024) widmet er sich den Nachkommen der Widerstandskämpfer des Hitler-Attentats von 1944. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie die Ereignisse von damals in den Familien weiterwirken und welche Verantwortung die nachfolgenden Generationen tragen. Hier setzt Pröse auf eine neue Perspektive: Nicht die Zeitzeugen selbst, sondern ihre Kinder erzählen von Schuld, Trauma, aber auch von Stolz und Pflichtbewusstsein.

Mir wurde bei seiner emotionalen Lesung wieder bewusst: Tim Pröse ist kein neutraler Chronist, sondern ein Autor mit einer klaren Haltung. Er stellt sich gegen das Vergessen, gegen das Verharmlosen von Verbrechen und gegen die Relativierung der Geschichte. Dabei bleibt er aber stets auf der Ebene der Erzählung, ohne sich in politische Diskussionen zu verstricken. Seine Bücher sind ein Plädoyer für das Erinnern – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch die Kraft der persönlichen Geschichte.
Ein herausragendes Merkmal von Pröses Schreibstil ist seine Fähigkeit, historische Fakten mit lebendigen Erzählungen zu verbinden. Er schreibt klar, anschaulich und ohne akademische Distanz. Die Schicksale, die er schildert, sind oft erschütternd, aber er verfällt nie in Sensationslust oder übermäßige Dramatik. Vielmehr lässt er seine Protagonisten für sich sprechen und schafft es, ihren Geschichten Tiefe und Gewicht zu verleihen.

Und ich bin wirklich stolz, dass so ein Autor bei uns in der Gemeinde zu Gast war.

Heft zur Gemeindegeschichte Meisaha 2024 ist erschienen

12. Dezember 2024

Ehrenamtlich engagiere ich mich in meiner Wohnortgemeinde Maisach für den Arbeitskreis Geschichte. Das ist ein loser Zusammenschluss von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die die Heimatgeschichte des Ortes aufarbeiten. Es ist kein Wissenschaftskreis, sondern eine Gruppe von historisch interessierten Laien, die ein historisches Storytelling betreiben.

Und einmal im Jahr bringen wir mit Meisaha ein Heft zur Gemeindegeschichte heraus. Jetzt war es wieder soweit und die Präsentation fand im örtlichen Gemeindezentrum statt. 45 Interessierte folgte der Einladung. Am Wochenende haben wir einen zweitätigen Maisacher Advent, wo wir das Heft der Öffentlichkeit verkaufen werden. Dann beginnt der Verkauf in ausgewählten Geschäften des lokalen Einzelhandels und an der Pforte des Rathauses. Auf das Heft wird durch Plakate auf den gemeindlichen Anschlagtafeln hingewiesen.

Auch ich war dieses Jahr wieder dabei. Zum einen schrieb ich einen Artikel über den Togoverein, der lange Jahr bei uns in der Gemeinde ansässig war. Zum anderen layoutete ich das Meisaha-Heft, die Plakate und einen Roll-Up-Banner. Zudem pflege ich den Facebook-Account des Arbeitskreises und gestaltete einen Präsentationsfilm aus dem Fotos des Heftes.

In einer Auftaktveranstaltung stellten die Autoren die einzelnen Artikel des Heftes vor. Wir gaben eine kleine Inhaltsangabe, damit die Bürgerinnen und Bürger einen Einblick ins Heft bekommen und auf den Geschmack kommen, das Heft für 6 Euro zu erwerben. Die Federführung hatte die Chefredakteurin Cornelia Schader als Leiterin des Arbeitskreises Geschichte inne. Ich zeichnete die Vorstellungen auf Video auf und stellte sie als Werbemaßnahme in YouTube ein.

Bei einem Glas Sekt kam man anschließend ins Gespräch. Kommunikation ist wichtig, gerade in einer kleinen Gemeinde im Speckgürtel von München. Neuzugezogene erhalten durch das Heft einen kleinen Einblick in das Leben vergangener Tage. Und ältere Mitbürgerinnen und Bürger erinnern sich an alte Geschichten, die wir vielleicht in der Ausgabe des Jahres 2025 aufgreifen werden. Neue Geschichten sind immer willkommen – ich habe meine schon im Hinterkopf.

Meisaha 2024: Gernlinden, eine Großsiedlung der Latènezeit

Meisaha 2024: Leben in einem Denkmal – das älteste Haus in Stefansberg

Meisaha 2024: 1674-2024: 350 Jahre Schuhmacher Huttenloher in Maisach

Meisaha 2024: Die Glocken der Pfarrkirche Malching

Meisaha 2024: Gernlindner Bahnhofskinder

Meisaha 2024: Kiesgrube im Westen von Gernlinden

Meisaha 2024: Das Kalksandsteinwerk in Überacker

Meisaha 2024: Vom Herzen Maisachs nach Togo

Meisaha 2024: Maisacher Jahresrückblick Juli 2023 – Juni 2024

Start bei Mama Lulu und der Tag ist mein Freund

13. August 2024

Bei uns im Dorf Maisach kommt Leben, weil mutige Unternehmer ihr Gastro-Buisness gestartet haben. So kommt Schwung in eine kleine Gemeinde im Landkreis Fürstenfeldbruck und es ist schön, dass das Engagement von den Bürgerinnen und Bürgern angenommen wird. Die Bahnhofstraße wird mehr und mehr zum kulinarischen Höhepunkt. Wir haben die Cucina für feines italienisches Essen, die meines Erachtens beste Döner-Bude im Landkreis ist Deniz Kebap Haus und beim Cafe Dafner hole ich gerne frische Brezn.

Abends kehre ich gerne ins Bistro SixtyFour mit wunderbaren Cocktails ein, tagsüber ein Eis oder Espresso im Eiscafe Alberto, aber mein Tag der startet richtig mit einem Besuch bei Mama Lulu.

Ich liebe es dort zu frühstücken und Zeitung am Tablet zu lesen. Freundlicher Service und kulinarische Auswahl sind top, ein frischer Kaffee und der Tag ist mein Freund. In der Regel nehme ich als Frühstück den Sprinter. Das sind zwei Rühreier auf knusprig gegrilltem Brot, Avocadocreme und knackiger Salat, Räucherlachsemincé, Oliven, Obstsalat und ein frischgepresster Orangensaft. Aber die Karte bietet weit mehr.

Mama Lulu erweitert und hat seit ein paar Wochen einen hölzernen Sichtschutz, der den Verkehr dämmt. Es sind gerade zu Sommerzeiten Tische aufgestellt, damit man draußen ein wenig Flair genießen kann. Aber der Fußgängerverkehr wird nicht behindert. Leben und leben lassen.

Es ist schön zu sehen, dass die Gastro-Angebote von der Bevölkerung angenommen werden. Hier ist kein Jammern zu vernehmen, wie es DEHOGA gerne macht. Hier sind Unternehmer, die anpacken und das ist schön zu sehen. Jetzt liegt es an uns als Bevölkerung, dass sich diese Mühe auch lohnt. Meine Familie für ihren Teil ist dankbar für das Angebot und unterstützt das Engagement.

Bistro SixtyFour feiert einjährigen Geburtstag mit besonderen Specials

29. Juli 2024

Irgendwie ist das Bistro SixtyFour in meiner Wohnortgemeinde Maisach zu meinem zweiten Wohnzimmer geworden. Zusammen mit meiner Frau schauen wir oft vorbei, werden freundlich aufgenommen und genießen die Atmosphäre. Nun feiert das SixtyFour seinen einjährigen Geburtstag und hat einige Aktionen für seine Gäste vorbereitet. Ich habe dazu mit Ruby Flügel ein kleines Interview geführt.

Jeden Tag gibt es zum Geburtstag ein anderes Special mit reduzierten Preisen. Wer noch nicht da war, kann ja mal in der Zentrumspassage vorbeischauen und probieren, denn ein Bistro in Maisach kann nur leben, wenn es auch besucht und nicht nur darüber geredet wird. Bürgermeister Hans Seidl und der Gemeinderat haben sich für längere Öffnungszeiten eingesetzt, was mir zeigt, wie wichtig den politisch Verantwortlichen das Leben in Maisach ist. Das Publikum dankte es und ist gemischt, jung und alt.

Als die Fußball-EM war, veranstalteten die Pächter Uwe und Ruby Flügel Public Viewing. Auch ich als Fußball-Laie war dabei, um die Stimmung zu genießen. Neben der klassischen Karte gibt es von Uwe Flügel auch ein kulinarisches Monatsspecial. Das ein oder andere Gericht wie die Nachos sind mittlerweile auf die klassische Karte gewandert, weil sie so beliebt sind.

Der absolute USP des Bistros ist allerdings die umfangreiche Cocktailkarte, die einmalig bei uns im Dorf ist. Es gibt sowohl alkoholische als auch nicht-alkoholische Cocktails, frisch zubereitet und erfrischend.

Erinnerung: Der letzte Gang des Gerhard Landgraf

26. Juli 2024

Seit ich als Journalist in der Kommunalpolitik im Landkreis Fürstenfeldbruck tätig war, bin ich immer wieder Gerhard Landgraf, dem damaligen Bürgermeister von Maisach, begegnet. Jetzt wird der energische Franke, der bei uns 36 Jahre Bürgermeister war, zu Grabe getragen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich bei dem morgigen Gedenkgottesdienst in der örtlichen Kirche St. Vitus und bei der Beisetzung dabei bin.

Das letzte Mal traf ich Landgraf im Frühjahr auf einer Versammlung und wir hielten ein kleines Schwätzchen, scherzen herum und freuten uns. Landgraf war mit seinen 84 Jahren gut drauf. Wir beide sind Mitglied der Aktion PiT Togohilfe, eine Organisation, die Landgraf seit Jahren unterstützte.
Und wenn nun sein Gedenkgottesdienst ist, dann erinnere ich mich an eine andere Beerdigung, wo Landgraf bei mir einen Stein im Brett hatte und ich ihm großen Respekt zolle.

ich damals beim Münchner Merkur/Fürstenfeldbrucker Tagblatt war, verstarb der langjährige Fotograf der Zeitung Franz Schmotz. Er war der typische Vertreter eines rasenden Fotoreporters und war jahrzehntelang Tag und Nacht im Einsatz für seine Zeitung. Ich habe viele Geschichten mit ihm gemacht. Sein Standardsatz beim Gruppenfoto war: „Stellt’s euch zamm. I hob koane Zeit.“ Er lichtete die Bevölkerung, Vereine, Politiker, Promis und alles und jeden ab, was ihm vor die Linse seiner Canon kam. Ich hab viel von ihm gelernt. Dann starb der Franz und wurde am Vormittag auf dem Friedhof seiner Wohnortgemeinde Eichenau zu Grabe getragen. Unter den Trauergästen war allerdings kaum ein Politiker zugegen.

Am Nachmittag des gleichen Tages war Kreistagssitzung im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Als die Sitzung von der damaligen Landrätin Rosemarie Grützner eröffnet wurde, meldete sich der Maisacher Bürgermeister Gerhard Landgraf zu Worte und redete den anwesenden Kreisrätinnen und -räten ins Gewissen. „Wo wart ihr denn bei der Beerdigung vom Franz Schmotz? Jahrelang hat er euch alle fotografiert und ihr habt immer nach ihm gerufen, wenn ihr in die Zeitung kommen wolltet. Zu seiner Beerdigung ist kaum einer von euch gegangen. Schämt euch!“

Das hatte gesessen. Landgraf hatte seinen Kolleginnen und Kollegen die Leviten gelesen und ich muss als unabhängiger Berichterstatter der Tageszeitung im Nachhinein sagen: Gerhard Landgraf hat mir aus der Seele gesprochen. Daher ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich bei der Beerdigung von Gerhard Landgraf dabei bin und ihn auf seinem letzten Weg begleite.

Erfolgreiche Lesung in der Eisdiele: Alberto – ein italienisches Herz in Maisach

21. Juli 2024

Gerne versuche ich mich ehrenamtlich auch bei meiner Wohnortgemeinde Maisach im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck einzubringen. So arbeite ich beispielsweise im Arbeitskreis der Geschichte der Gemeinde Maisch gerne mit und darf auch das Layout des jährlich erschienenen Sammelbandes Meisaha erstellen. Ich halte es wichtig sich ehrenamtlich zu engagieren, um der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.

Im vergangenen Jahr schrieb ich dort den Artikel Alberto – ein italienisches Herz in Maisach. Er handelt von Alberto Pontil, der Besitzer unserer Eisdiele in Maisach. Alberto verstarb 2022 und hätte dieser Tage seinen 58. Geburtstag begangen. Aus diesem Grund durfte ich eine Lesung in seiner Eisdiele durchführen, die heute von seiner Frau Romina und den beiden Kindern weitergeführt wird.

Etwa 25 Zuhörer sind erschienen und lauschten meiner Lesung. Der Betrieb der Eisdiele lief während meiner Lesung weiter, weshalb man in der Videoaufzeichnung auch das eine oder andere Kindergeschrei hört. So ist eben das Leben. Hier das Video von der Lesung.

Familie Pontil ist in Maisach besser bekannt als Alberto und Romina, die Inhaber des Eiscafés Alberto in Maisach. Die beiden stammen aus dem Cadore-Tal, das zur Gemeinde San Pietro in der Provinz Belluno gehört. Es ist die Gegend Italiens, in der die moderne Geschichte des Speiseeises in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang fand. Sie gilt als die europäische Wiege des Speiseeises, sagte Alberto Pontil immer gerne. Denn von dort kommen rund zwei Drittel der 4000 Eisverkäufer in der Bundesrepublik. Ich zeige die Entwicklung der Eisdiele auf, die eine enorme regionale Bedeutung hat.

Das Heft Meisaha gibt es über die Gemeinde Maisach und lokalen Händlern zu beziehen.

Alberto – ein italienisches Herz in Maisach

16. Juli 2024

Ich freue mich sehr auf diesen Event. Zu Ehren von Alberto Pontil darf ich eine kleine Lesung am Dienstag, 16. Juli, um 19 Uhr in der Eisdiele Alberto in Maisach halten. Sie steht unter dem Titel Alberto – ein italienisches Herz in Maisach.

Alberto verstarb 2022 und die Gemeinde verlor einen guten Freund. Ich schrieb in der Zeitschrift Meisaha vom Arbeitskreis der Geschichte der Gemeinde Maisch im Landkreis Fürstenfeldbruck einen Artikel über diesen Unternehmer, Vater und Ehemann, der dieser Tage 58. Jahre alt geworden wäre. Um 19 Uhr werde ich diesen Artikel lesen.

Familie Pontil ist in Maisach besser bekannt als Alberto und Romina, die Inhaber des Eiscafés Alberto in Maisach. Die beiden stammen aus dem Cadore-Tal, das zur Gemeinde San Pietro in der Provinz Belluno gehört. Es ist die Gegend Italiens, in der die moderne Geschichte des Speiseeises in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang fand. Sie gilt als die europäische Wiege des Speiseeises, sagte Alberto Pontil immer gerne. Denn von dort kommen rund zwei Drittel der 4000 Eisverkäufer in der Bundesrepublik. Ich zeige die Entwicklung der Eisdiele auf, die eine enorme regionale Bedeutung hat.
Veranstaltungsort ist das Eiscafe Alberto, Bahnhofstraße 16, in Maisach, Teilnahme kostenlos. Eis darf gerne gegessen werden.

Persönlicher Nachruf auf Gerhard Landgraf, Altbürgermeister von Maisach

8. Juli 2024

Wenn ich ehrlich bin, dann könnte ich Hunderte von Geschichten über unseren unlängst verstorbenen Altbürgermeister Gerhard Landgraf berichten. Der Franke war 36 Jahre Bürgermeister meiner Wohnortgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Ein königlich bayerischer Sozialdemokrat, wie er sich selbst nannte und der am Ende seiner politischen Karriere den Glauben an seine politische Heimat verloren hatte und austrat. Landgraf wurde 84 Jahre alt.

Er war als Bürgermeister nicht unumstritten und ich erlebte ihn als aktiven Kommunalpolitiker als ich jahrelang mehrmals die Woche als Journalist über „meine“ Gemeinde Maisach berichtete: Gemeinderat, Ausschüsse, Kreistag, Bürgerversammlungen und zahlreiche Veranstaltungen am Ort. Seine Sitzungsleitung war streng. Die Rededuelle mit dem damaligen BBV-Senator Ludwig Dinkel und Eierbaron (CSU) waren nicht von schlechten Eltern. Die Ära Landgraf werden aber sicher andere politisch aufarbeiten.

Ich möchte eine persönliche Geschichte zum Besten geben. Ich habe in meiner Frau die Liebe meines Lebens gefunden und wir entschlossen uns standesamtlich zu heiraten. Aber ich wollte nicht den zuständigen Beamten als Standesbeamten, sondern den Bürgermeister. Aber der reisefreundliche Gerhard Landgraf war zu der Zeit am anderen Ende der Welt mit der örtlichen Blaskapelle in Brasilien. Die Verwaltung informierte ihn über meinen Wunsch und eines Abends rief Landgraf aus Südamerika an mit den Worten: „Du heiratest und ich bin dein Standesbeamter. Basta.“ Ich war damals nicht mehr bei der Lokalzeitung, sondern Pressereferent der Handwerkskammer und daher war das Du schon okay.

Und so kam es dann auch. Blaskapelle samt Bürgermeister kehrten zurück und wir fanden einen Trauungstermin. Am 7. Oktober 2000 gaben meine Frau und ich uns das Ja-Wort im Rathaus der Gemeinde Maisach. Bürgermeister Gerhard Landgraf verzichtete auf die feierliche Ansprache und sagte: „Heiraten ist wie Schlittenfahren. Das muss schnell gehen.“ Innerhalb von wenigen Minuten war die Zeremonie vorbei, wir waren verheiratet. So schnell wie er manche Gemeinderatssitzung führte, zog er die Trauung ohne viel Pathos durch. Für die anschließenden Familienfeierlichkeiten im kleinen Kreis waren wir viel zu früh fertig. So war er, der Gerhard Landgraf.

Wenn es an die Beerdigung geht, werde ich vielleicht noch ein paar Erinnerungen auspacken. Ich hab ihn nach dem Ausscheiden aus dem politischen Leben bei der Aktion PiT Togohilfe immer wieder getroffen. Er gehörte als Beisitzer dem Vorstand an. Seit 1987 hat unser Togoprojekt jede nur mögliche Unterstützung vom damaligen Bürgermeister Gerhard Landgraf bekommen, so die Vorsitzende Margret Kopp. Dass sich unser Verein zum heute größten Togohilfsverein in Deutschland entwickeln konnte, hat er ganz maßgeblich gefördert und aktiv mitgestaltet.

Lesung in der Gemeindebücherei: Felix Leibrock und der Mord auf dem Königssee

1. Juli 2024

Also, erzählen kann er, was aber kein Wunder ist. Felix Leibrock war in unserer Gemeindebücherei in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck und stellte seinen neuen Roman “Mord auf dem Königssee: Ein Berchtesgaden-Krimi” vor. Felix Leibrock ist Pfarrer und hat in München einen gewissen positiven Ruf. Zum einen ist er Polizeiseelsorger bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei, zum anderen arbeitet er für Antenne Bayern.

Ach ja, und er ist ein recht erfolgreicher Buchautor und hat mit “Mord auf dem Königssee” seinen dritten Roman der Krimireihe bei Servus Krimi herausgebracht. Und daher ist es ein Genuss, der Lesung von Felix Leibrock zu lauschen, denn erzählen kann der Mann – als Pfarrer hat er es schließlich gelernt.

Der Roman wechselt in der Zeit, was immer eine Herausforderung ist. Einmal springt Leibrock in die Zeit der Hexenprozesse und legt die Brutalität jener Zeit dar, dann springt er wieder in die Gegenwart, als sechs tote Priester in Ruderbooten auf dem Königssee treiben. Simon Perlinger, Polizeibergführer und Leiter der Kripo Berchtesgaden, muss ran und diesen mysteriösen Fall lösen. Leibrock verknüpft gekonnt historische Fakten, Mystizismus von abseitigen katholischen Bruderschaften und klassischen Krimistoff. Dazu ist das Buch natürlich ein bayerischer Regionalkrimi und eine lesenswerte Urlaubslektüre für Bergfreunde. Für Urlauber des Berchtesgadener Lands sollte der 368-seitige Roman Pflichtlektüre sein, denn Leibrock beschreibt Land und Leute sehr sorgsam. Das Berchtesgadener Land ist durch seine geografische Lage eine abgeschlossene Gegend mit eigenen Regeln.

Und weil Felix Leibrock eben ein Pfarrer ist und erzählen kann, berichtet er auch immer wieder von Erlebnissen seiner Recherchearbeit. So passt es ideal, wenn in dem Buch über katholische Bruderschaften berichtet wird und aktuell die Priesterbruderschaft St. Pius X. wieder medial in Erscheinung tritt. So informiert er, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. weiterhin gegen die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils verstößt und Bischof Voderholzer Priesterweihen in Zaitzkofen untersagt. Die Piusbruderschaft missachtet die notwendigen rechtlichen Bedingungen der römisch-katholischen Kirche für die Weihe (can. 1017 CIC). „Durch dieses Verhalten sehe ich mich erneut genötigt, die Ordnung der Kirche zu schützen und als Ordinarius loci die unerlaubten Weihespendungen wie auch in den vergangenen Jahren für den Bereich der Diözese Regensburg zu untersagen“, so Bischof Voderholzer in seinem Brief.

Ein anderes Beispiel, das er den Zuhörern in der Gemeindebücherei Maisach berichtete, war der versunkene VW-Käfer im Königssee. Am 28. Januar 1964 brach der Käfer mit Fahrer auf dem gefrorenen See ein und versank. Seitdem liegt der Käfer und der Tote in einer Tiefe von 120 Metern. Hier ein Video vom Fahrzeug (ohne Leiche). Auch dieses Ereignis passt wunderbar zum Buch “Mord auf dem Königssee” von Felix Leibrock.

Public Viewing im Dorf zur EM2024 Eröffnung

16. Juni 2024

Gleich vorweg: Ich habe keine Ahnung von Fußball und im Grunde interessiert mich dieser Sport nicht. Und doch schaue ich mir Teile der Europameisterschaft an, wenn die deutsche Mannschaft spielt. Den 5:1-Sieg, bei dem die Deutschen sechs Tore schossen, erlebte ich bei uns im Dorf im Bistro Sixty Four in Maisach im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck.

Das Bistro besteht jetzt bald ein Jahr und ich mag diesen Ort der Begegnung. Als Gastronom Uwe Flügel mit seiner Frau Ruby ankündigte, dass es in ihrem Bistro ein Public Viewing geben wird, war ich gerne mit dabei. Alleine vor dem Rechner hätte ich mir das Spiel nicht angeschaut, aber zusammen mit anderen wollte ich die Atmosphäre genießen, die lokale Wirtschaft und nicht die Schwarzgastronomie unterstützen.

Rund vierzig Fußballfans, ausgerüstet mit schwarz-rot-goldenen Schals, Shirts, Hüten und mit deutlich mehr Fußballwissen ausgestattet als ich, fieberten mit. Wir saßen schon einige Zeit vor dem Anpfiff zusammen, bestellten Getränke und Essen. Der Service von Ruby Flügel, ihrer Schwester Ruffy und Uwes Sohn war voll im Stress. Uwe war in der kleinen Küche und bereitete hochkonzentriert und mit Liebe die Speisen zu. Die Renner an diesem Abend waren Flammkuchen und Nachos. Ich hatte den Thunfischsalat. Dazu gab es bei mir frisch gezapftes Bier vom Hofbräuhaus.

Für mein persönliches Empfinden war die Eröffnungsshow in der Münchner Allianz-Arena eher mäßig. Es war irgendwie wie ein besseres Turnerfest, aber ich kenne mich nicht aus. Die Stimmung in der Arena und bei uns im Bistro war dagegen super. Als es an die Nationalhymnen ging, sangen die Spieler mit. In unserem Bistro erhob sich zwar keiner, als „Einigkeit und Recht und Freiheit“ gespielt wurde, aber der eine oder andere bewegte die Lippen mit: Patriotismus ohne Nationalismus.

Den ganzen Tag habe ich in München die schottischen Fans angetroffen. Sie waren in bester Partylaune. Mit Rock und Pipes sorgten sie für Stimmung. Ich hatte morgens um sechs am Hauptbahnhof München die Klänge eines Dudelsacks vernommen, als ich zu einem Seminar aufgebrochen bin. Bayern und Schotten sind sich irgendwie ähnlich, vielleicht ein bisschen rau, aber mit Liebe im Herzen. Meine Frau und ich hatten unsere Hochzeitsreise nach Schottland gemacht und von dieser Reise eine große Schottlandfahne mitgebracht, die bei der Übertragung im Sixty Four rechts neben dem großen Fernseher hing. Uwe hatte seine Deutschlandflagge links neben dem TV-Empfangsgerät aufgehängt und der ganze Gastraum war mit Winkelementen in den deutschen Farben geschmückt. Hier hat das Team sich Mühe gegeben, die Gäste honorierten den Einsatz und bestellten Speis und Trank, dass die Gastronomen immer im Stress waren. Der Nachschub war nie unterbrochen.

Ich lauschte dem Sportreporter und weiß, warum Sportjournalismus nie mein Ding war und sein wird. Für mein Empfinden gab es viele hohle Phrasen und schlechte Klischees. Warum nicht einfach mal den Mund halten, wenn es nichts zu sagen gibt? Aber ich habe ja keine Ahnung.

Die deutsche Mannschaft war für mich die meiste Zeit spielbestimmend. Die Gedanken an das Fußball-Sommermärchen kamen wieder auf. Damals feierte das ganze Land die Mannschaft und die Stimmung war gut. So eine Stimmung würde unserem zerrissenen Land heute auch wieder gut tun.

Als in den ersten Minuten das 1:0 für Deutschland fiel, war das Eis gebrochen. Alle freuten sich, klatschten und feuerten die Spieler im Fernseher an. Ich glaube, sie haben es nicht gehört und spielten dennoch sehr gut. Die Tore für Deutschland stellten sich ein. Jeder Treffer wurde mit Applaus quittiert und als Schottland mit einem Mann weniger auf dem Platz spielte, war die Partie für mich gelaufen. Ich lauschte den Erklärungen meines Nachbarn über die Spielzüge und die Leistungen der einzelnen Spieler. Wir sind ein Land voller Virologen, Militärexperten, Bildungscracks, Politikerklärer und Bundestrainer in einem, wobei mir die Rolle der Fußballexperten noch die liebste ist. Mir egal, weil ich sowieso keine Ahnung von Fußball habe.

Uwe kam aus seiner Küche, in der er während der meisten Zeit des Spiels gebunden war. Nun nachdem fast alles vorbei war, hatte er auch Zeit und erlebte noch den Abschlusstreffer der Mannschaft mit. Er sah zufrieden aus, zum einen wegen des Ergebnisses, zum anderen mit der Entscheidung im Sixty Four ein Public Viewing anzubieten.

Nach dem Spiel löste sich die Versammlung auf mit dem Versprechen, zum Spiel gegen die Schweiz wieder ins Sixty Four zu kommen. Ich will eines der nächsten deutschen Spiele in meinem Lieblingskino, dem Scala-FFB, ansehen. Auch dort soll die Stimmung prima sein. Das tut alles sehr gut nach Corona. Und wenn die deutsche Mannschaft weiter gewinnt, steht dem Sommermärchen nichts mehr im Wege. Ich würde mich freuen, auch wenn ich keine Ahnung habe.