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Heizer auf E-Loks oder warum der BJV die Welt nicht versteht

12. November 2012
Foto vom Sturmschaden. Brauch ich da einen Pressefotografen?

Foto vom Sturmschaden. Brauch ich da einen Pressefotografen?

Erinnern wir uns: In Großbritannien setzten die Gewerkschaften in den 1950er-Jahren durch, dass Heizer auch auf E-Loks mitfuhren. Was haben wir gelacht. Aber ist es in unserer Journalistenzunft nicht ebenso. Ein aktuelles Beispiel gefällig?

Jetzt beschwert sich der bayerische Journalistenverband, dass Feuerwehren von ihren Einsätzen selbst Foto schießen und an die Öffentlichkeit verteilen. Das geht doch nicht, denn freie Journalisten verdienen jetzt mit den Fotos kein Geld mehr. So eine Sauerei!

Ich bin selbst seit den achtziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts Journalist und ich habe meinen Lebensunterhalt auch mit Polizeifotos verdient. Ich bin nachts rausgefahren an die Unfall- oder Brandorte und habe Fotos mit meiner Nikon geschossen, die Filme schnell entwickelt und vergrößert und die Abzüge an die Redaktionen verkauft. Aber Leute, das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr und ich musste mir eine neue Nische suchen und mich weiter entwickeln. So schule ich heute unter anderem Rettungskräfte in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wie mache ich gute Pressefotos?

Aber die Verbandsvertreter vom BJV wollten den Lauf der Welt aufhalten und die Zeit zurückdrehen. Sie schreiben an die Berufsfeuerwehren einen offenen Brief. Der BJV kritisiert die zunehmende Konkurrenz durch Einsatzkräfte. „Redaktionen und Agenturen werden inzwischen großzügig und kostenlos von den Einsatzkräften oder den Pressestellen mit Bildmaterial beliefert. Das führt dazu, dass sich die ohnehin prekäre Situation der freien Bildjournalisten verschlechtert“, erklärt der BJV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Stöckel in dem Schreiben. Und es wird schön mit der Angst argumentiert: „Wenn Sie im Krankenhaus liegen, wollen Sie doch auch von einem Chirurgen und nicht von einem Laien operiert werden. Oder bei einem Brand wissen, dass der Mann hinter der Wasserspritze sein Handwerk versteht. Warum sollten wir dann im Journalismus andere Maßstäbe anlegen?“

Journalismus ist ein Handwerk – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und wenn die Einsatzkräfte richtig geschult sind, dann können sie auch gute Bilder machen. Dazu braucht es uns Journalisten nicht mehr. Dazu braucht es talentierte Menschen mit Verstand und Verantwortungsbewusstsein.

Die Welt ändert sich und weinen wir als Journalisten nicht vergangenen Zeiten nach. Der Setzer wurde auch durch den DTP-Journalisten ersetzt und die Welt ist nicht untergegangen. Lieber Verbandsvertreter: Gestalten Sie die Zukunft ihrer Mitglieder, sonst haben Sie bald keine mehr.

Was kommt eigentlich nach dem Bachelor?

20. Oktober 2011
Studienvorstellung durch Thomas Gronert und Markus Kaiser. Minister Marcel Huber checkt schon mal den Blackberry.

Studienvorstellung durch Thomas Gronert und Markus Kaiser. Minister Marcel Huber checkt schon mal den Blackberry.

Im Auftrag des MedienCampus Bayern haben mein Kollege Thomas Gronert und ich eine  aktuelle Studie zum Bachelor erstellt.  Markus Kaiser vom MedienCampus Bayern hat auf den Medientagen München dieses Papier vorgestellt: Rund ein Drittel der bayerischen Journalismus-, Design-, Medientechnik-, Medienmanagement- und Games-Studierenden will sich in jedem Fall um einen Masterplatz bewerben bzw. hält dies für „sehr wahrscheinlich“. Ein weiteres gutes Drittel aller Studierenden hat sich noch nicht festgelegt. Knapp jeder Vierte aller befragten Bachelor-Studierenden aus dem Medienbereich schließt es aus, direkt nach dem Bachelor einen Master anzuschließen. Stattdessen wollen sie zunächst arbeiten oder ein längeres Praktikum absolvieren. Cool war, dass Bayerns Medienminister Marcel Huber direkt von der Elefantenrunde der Medientage beim MedienCampus vorbeischaute und die Studie interpretierte.

An der online durchgeführten Umfrage haben sich 623 Studierende verschiedener Bachelor-Studiengänge im Medienbereich an bayerischen Hochschulen und Universitäten beteiligt. Die Befragung begann im August 2011. „Mit dieser Studie leistet der MedienCampus Bayern einen wertvollen Beitrag, um die Hochschulen und Universitäten bei ihren Planungen für neue Masterstudiengänge zu unterstützen“, sagt Bayerns Medienminister, Dr. Marcel Huber. Der Freistaat Bayern unterstützt den Dachverband für die Medienaus- und -fortbildung.

MedienCampus-Geschäftsstellenleiter Markus Kaiser fügt hinzu: „Außerdem wollen wir die Medienbranche informieren, mit wie vielen Bewerbungen von Bachelor-Absolventen sie in den nächsten Jahren rechnen kann.“ Seit das Diplom- und das Magisterstudium weitgehend ausgelaufen sind, ist das Hochschulstudium in zwei Abschlüsse gestuft: Nach dem in der Regel sechs- bzw. siebensemestrigen Bachelor können Studenten ein drei- bis viersemestriges Master-Studium belegen.

Überraschendes Ergebnis der MedienCampus-Studie: Ein knappes Drittel hält ein berufsbegleitendes Masterstudium für eine wählbare Option. Fast die Hälfte könnte es sich „vielleicht“ vorstellen. Nur jeder zehnte Bachelor-Student lehnt ein berufsbegleitendes Masterstudium ab. „Hier können die Hochschulen auf teils schon bewährte Strukturen aufbauen, denn einige – wie die Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Weiterbildungsmaster Multimediadidaktik – haben bereits Erfahrungen gesammelt“, meint Kaiser. „An vielen Hochschulen laufen derzeit Planungen.“

Knapp jeder zehnte Student kann sich vorstellen, an eine Fernhochschule oder eine private Hochschule zu wechseln. Knapp die Hälfte aller Befragten gab als Möglichkeit an, an der eigenen Institution zu bleiben und dort den Master zu machen. Drei Viertel schließen nicht aus, die Hochschule zu wechseln. Mehrfachnennungen waren möglich. „Dies zeigt, dass die Hochschulen auch die Frage klären müssen, wer mit welchem Bachelor-Abschluss für welchen Master zugelassen werden kann“, sagt Markus Kaiser. Um dies bayernweit zu koordinieren, organisiert der MedienCampus Bayern im März 2012 ein Koordinierungstreffen an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, die selbst den Master „Management und Innovation in Journalismus und Medien“ anbietet.

Drei Viertel aller Befragten, die einen Master absolvieren möchten, versprechen sich später bessere Berufs- und Aufstiegschancen. Zwei Drittel wollen einen Master machen, um sich weiter zu qualifizieren. Jeder Vierte plant einen Master nur für den Fall, dass er nach dem Bachelorstudium keine Beschäftigung findet. Immerhin ein knappes Viertel der Befragten gab an, später eventuell noch promovieren zu wollen.

Der Hauptgrund, der gegen einen Master spricht, wäre für zwei Drittel der Befragten, wenn sie nach dem Bachelor-Abschluss eine gute Beschäftigung bekämen. 16,3 Prozent sehen keine besonderen Vorteile im Master für ihre angestrebte Beschäftigung und Karriere. 41,4 Prozent halten ihn für zu teuer. Dass dies aber nicht an den Studienbeiträgen liegt, zeigen die Antworten auf die Frage, in welchem Bundesland die Bachelor-Absolventen ihren Master machen würden: Nur 11,8 Prozent würden sich für den Master nicht in Bayern immatrikulieren.

Projektmanagement: Das Formulieren der Ziele eines Projekts

1. Februar 2011

Vor kurzem gab ich zum ersten Mal einen gemeinsamen Kurs mit einem neuen Kollegen Dr. Michael Homberg vom Projekt Management Service. Es war ein voller Erfolg. Das Thema war Projektmanagement für Klein- und Mittelständische Unternehmen. Ziel war es, den Teilnehmern die Angst vor Projekte zu nehmen und sie an Projektmanagement heranzuführen.

Wichtige Erkenntnis: Nicht der beste Fachexperte ist der Projektmanager, sondern derjenige, der den Überblick behält. Und da kann ich meinen neuen Kollegen nur empfehlen: Er bringt Projekte der Großindustrie auf die Reihe, genauso wie Vorhaben aus dem Mittelstand. Ein Thema des Seminars war beispielsweise die Formulierung der Ziele in einem Projekt.

Das klingt einfach, kann aber ganz schön ins Auge gehen. Zu Beginn steht wie immer das Wort:  Zu Beginn steht ein ausformulierter Satz, den jeder im Projekt versteht. Dieser Satz ist enorm wichtig, dient er doch dazu, das ganze Projekt auf den Punkt zu bringen. Hier tu ich mich als gelernter Journalist sehr leicht, denn es ist eigentlich nichts anderes als das Lead, der Vorspann zu einem Artikel. Anschließend folgen die Einzelziele.

Dazu gehören das Kostenziel, das Terminziel, das Leistungsziel und die Vorgehensziele. Es hat sich gezeigt, dass erst die Kosten, Termine, Leistungen und Vorgehensweisen definiert sein sollten, dann kommt der Kernsatz. Die Teilnehmer im Seminar haben sich mit dieser Taktik beholfen und sind gut gefahren. Noch ein Tipp: Gehen Sie am Anfang nicht ins Detail. Das verwirrt die übrigen Projektteilnehmer und bremst die Motivation. Es ist leichter, sich in Details zu verrennen, als den großen Überblick zu haben.

Nur ein Seminarergebnis vom HSS-Projektmanagement-Seminar.

Nur ein Seminarergebnis vom HSS-Projektmanagement-Seminar.

Nachruf: Walther von LaRoche verstorben

14. Mai 2010
Viele Menschen halfen mir auf unterschiedlichste Weise bei meinem Berufsstart als Journalist. Einer von ihnen ist vor kurzem verstorben: Walther von La Roche
Der Journalist und Autor starb vergangenen Sonntag in Herrsching am Ammerse im Alter von 74 Jahren. Einst war er Leiter der Nachrichtenredaktion beim BR. Viel wichtiger für mich: Er gab die „gelbe Bibel“ heraus, das Standardwerk für jeden Nachwuchsjournalisten. Das Buch hieß „Einführung in den praktischen Journalismus“. Hier wurde dem Leser auseinandergesetzt, was die unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen waren und warum wir in berichtende und meinungsbildende Form im Nachkriegsjournalismus unterscheiden. Für mich ist der La Roche, wie das Buch bei mir hieß, ein wichtiger Helfer in Berufsfragen geworden. Es war ein Lehrbuch, von dem ich noch heute zehre. Dieses Buch hat mir wirklich etwas gebracht und dafür bin ich Walther von La Roche zu großem Dank verpflichtet.
Jahre später hab ich ihn mal auf einer Veranstaltung  der Nachwuchsjournalisten in Bayern (NJB) e.V. getroffen, als er uns jungen Menschen neue Bücher seiner gelben Reihe aus de, List Verlag vorstellte und ich ließ mir mein altes, zerlesenes Exemplar signieren. Es war für mich ein großer Moment, als wir gemeinsam auf einer Bühne saßen und ich die Veranstaltung moderieren durfte. Später sprachen wir darüber, wohin sich die gelbe Reihe entwickeln könnte und er hörte sich die Entwicklungen im Bereich Online interessiert an. Internet-Journalismus war damals ganz jung und La Roche war im Zeitalter von BTX stehen geblieben. Leider kam es nicht mehr zur Zusammenarbeit. Ich traf ihn dann nochmals im Mai 2008 beim 10. Geburtstag des Mediencampus Bayern. Ein verdienter Recke wie La Roche durfte da nicht fehlen, wenn es um die Journalistenausbildung geht. Leider war er ziemlich angeschlagen. Außer ein paar freundlichen Worten hatten wir keinen intensiveren Kontakt mehr.
Rundum: Vielen Dank für die Starthilfe. Sie haben erkannt, wie wichtig das richtige Rüstzeug für den späteren Berufsalltag ist.

„Deep Throat“ ist tot

22. Dezember 2008

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Sicherlich war ein Grund für mich den Beruf des Journalisten zu ergreifen, die Verfilmung des Watergate-Bestsellers „All the president´s men“. Buch und Film behandeln die Ereignisse rund um den Watergate-Skandal, der von den beiden Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein aufgedeckt wurde. Die Ermittlungen zwangen US-Präsident Richard Nixon im Jahre 1974 zum Rücktritt. Die Recherchen der beiden Reporter gingen auf Informationen von „Deep Throat“ zurück. Das ist zum einen der Name eines Porno-Klassikers, zum anderen der Deckname des Watergate-Informaten. Dieser Informant ist jetzt gestorben. Es handelte sich um den früheren FBI-Vizechef Mark Felt. Er gab den Reportern die entscheidenden Tipps und steuerte die Ermittlungen damit in die richtige Richtung.

Die beiden Reporter Woodward und Bernstein schworen sich, ihre Quelle erst zu nennen, wenn die Quelle gestorben sei. Vor ein paar Jahren wurde das bestgehüteste Geheimnis im Journalismus gelüftet. Der Ex-FBI-Mann hatte einen Schlaganfall und outete sich 2005 in der „Vanity Fair“ nach mehr als drei Jahrzehnten als der Informant namens „Deep Throat“.

Warum half er den Reportern damals? Er führte den Rechtsstaat als Grund an, böse Zungen sagten, Felt wurde bei der Beförderung zum FBI-Chef übergangen. Sei es drum. Felt hat geredet und Nixon musste gehen. Für manche ist Felt bis heute ein Nestbeschmutzer, für die anderen ein Held, der dem Rechtsstaat zum Sieg verholfen hat. Sein Kredo war „Folge dem Weg des Geldes“. Wahrscheinlich gilt dieses Kredo heute noch immer.

Mir hat das Verhalten imponiert. Ich wollte sogar meine Facharbeit in der 12. Klasse über den Watergate-Skandal schreiben, aber meine Geschichtslehrerin lehnte ab. In der Schulzeit kam meine Passion für den Journalismus auf und daran hat die Geschichte um „Deep Throat“ sicherlich ihren Anteil. Die beiden Reporter arbeiteten ihre Erlebnisse auf und es erschien 2006 das lesenswerte Buch „Der Informant: Deep Throat – Die geheime Quelle der Watergate-Enthüller“ von Bob Woodward.