Posts Tagged ‘Jon Lord’

Musiktipp: infinite von Deep Purple

12. April 2017
Ich hab mal in die neue Deep Purple reingehört und bin recht angetan.

Ich hab mal in die neue Deep Purple reingehört und bin recht angetan.

Ob inFinite wirklich das letzte Studioalbum gewesen ist, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall ist infinite eines der besten Studioalben der vergangenen Jahre. Deep Purple haben nochmals all ihre Kraft und Kreativität zusammengenommen und ein hervorragendes Hardrock-Album abgeliefert. Wenn es wirklich das letzte Studioalbum sein sollte, dann ist es ein krönender Abschluss einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte. Die Herren um die 70 Jahre haben noch den Bogen raus und agieren als Band gleichberechtigter Mitglieder. Vergessen ist Ritchie Blackmore, der sich selbst ins Aus katapultierte und mit Mittelaltergezupfe und durch Rainbow-Revial seine Brötchen verdient. Auch Jon Lord spielt im Himmel die Orgel und schaut sicherlich wohlwollend auf die jüngste Besetzung seiner Deep Purple-Crew.
Ich habe mir die CD/DVD inFinite gekauft und freute mich schon beim Aufklappen. Das Innencover mit den Musikern aus Eis erinnert an In Rock von 19710 (danke Jörg). Natürlich ist kein Child in Time oder Smoke on the Water mehr dabei aber auf infinite gibt es solide Rockmusik, die einfach Spaß macht und vor Spielfreude nur so strotzt, wenn auch die Songqualität besser sein könnte. Wenn eine junge Band so ein Album heute abliefern würde, dann wären Kritiker aus dem Häuschen. Wenn Deep Purple so ein Album abliefert, sind nur noch die Fans aus dem Häuschen. Ihre Musik findet außerhalb des Mainstreams statt: Es ist schlichtweg sehr gut von Bob Ezrin produzierter Hardrock, aber er tut sich schwer als Ohrwurm. Deep Purple sind absolut begabte Instrumentalisten und auch Ian Gillan singt hervorragend, doch das Songschreiben ist nicht immer die Sache der Band. Sie werden nie ein Team wie Jagger/Richards oder gar Lennon/McCartney, aber im Grunde macht das auch nicht. Jeder Musiker Gillan, Glover, Paice, Morse und Airey bekommen ihren Raum und der alte Ian Paice ist mir eigentlich ans Herz gewachsen mit seiner Trommelei. Der alte Mann hat es immer noch drauf und gibt im Duett mit Roger Glover die notwendige Stabilität. Keyboards und Gitarren dürfen dann machen, was sie wollen.
Etwas verdutzt war ich dann doch als ich den letzten Song lauschte. Sind das nicht die Doors? Es ist schön, wenn sich Deep Purple mit Roadhouse Blues an ihre Wurzeln erinnern, aber warum nun?
Einen Hinweis gibt es, dass es vielleicht doch das letzte Studioalbum sein könnte. Steve Morse leidet unter Arthrose. In der beiliegenden DVD mit dem legendären Yes-Keyboarder Rick Wakeman als Sprecher spricht Morse offen über seine Krankheit. Ein Gitarrist mit fortschreitender Arthrose ist ein Widerspruch in sich. Morse wächst trotz sichtlicher Schmerzen bei den Aufnahmen über sich hinaus. Ein angeschlagener Morse ist besser als das Herr der Guitarheros da draußen. Ich werde mir das 2017 Konzert von Deep Purple ansehen und auf ihrer Goodbye-Tour dann auf Wiedersehen sagen.

Musiktipp: Deep Purple: Live in Long Beach 1976

21. Mai 2016
Deep Purple Live in Long Beach 1976, der sechste Teil der Official Deep Pruple (Overseas) Live Series.

Deep Purple Live in Long Beach 1976, der sechste Teil der Official Deep Pruple (Overseas) Live Series.

Wieder einmal kam ein Teil der Official Deep Pruple (Overseas) Live Series, ich glaube es ist Teil 6, auf den Markt und wieder mal hab ich zugeschlagen. Es war die Endphase der Band und ich hatte von dem Gespann Coverdale, Bolin, Hughes, Lord und Paice noch nicht so viele Aufnahmen. Damals hatte ich mir den Bootleg dieses Konzerts nicht gekauft. Inzwischen ist es mehrmals in unterschiedlichen Versionen erschienen und diese neue Ausgabe wurde zusätzlich um drei Bonustracks aus Springfield vom 26. Januar 1976 ergänzt. Live in Long Beach selbst wurde am 27. Februar 1976 aufgenommen.
Nach mehrmaligen Anhören von Long Beach 1976 bin ich immernoch unentschlossen. Tommy Bolin war ein guter Mann an der Klampfe, hatte aber das Problem der Drogen und noch viel mehr, dass er direkt nach Ritchie (ich spiel mir den Arsch ab) Blackmore kam. Bolins Stil ist anders, sehr gut, der Kerl kann absolut Gitarre spielen, aber ich mag den alten Blackmore und den neuen Steve Morse dann doch lieber.
David Coverdale war nie mein Fall, ich mochte auch Whitesnake nicht. Aber Coverdale hat Stimme, Power und bringt richtig Kraft mit. Vielleicht nicht so facettenreich wie Ian Gillan, aber Coverdale ist ne richtige Frontsau auf Macho-Tour. Genau richtig für die Endphase von Deep Purple. Wir befinden uns in der MARK IV-Besetzung. Obwohl die Bluesstimme von Coverdale bei Long Beach 1976 mit so manchen Ton daneben lag.
Glenn Hughes ist kein Roger Glover und sein Gekreische zeigt für mich das Todesringen von Deep Purple, ich musste mich daran gewöhnen. Ich mag ihn bei Black Sabbath und noch mehr bei Keith Emerson später, aber bei Deep Purple musste ich mich an seine Stimme gewöhnen.
Live in Long Beach 1976 startet vielversprechend mit der obligatorischen Einleitung „We wanna give you some Rock’n Roll“ und den Klassiker Burn. Der Ton wird nicht immer getroffen, aber die Power pur. Die Tour wurde gemacht, um das Album Come Taste The Band zu promoten, bei dem Bolin federführend war. Leider verkaufte sich das Album im Vergleich zu früheren Purple-Platten schlecht, nur die Hardgesottenen Fans wollten es sich anhören. Zu groß war der Verlust von Gillan und Blackmore.
Und genau das ist mein Problem. Ich vergleiche die ganze Zeit. Ich vergleiche Smoke on The Water in der einen und der anderen Version, mal so gespielt, mal so. Interessant ist, was Interpretationen ausmachen, wobei Live in Long Beach 1976 noch mit einem wunderschönen Georgia on my Mind glänzen kann. So viel Humor hat Tommy Bolin, der Griesgram Blackmore hätte den Spaß nicht mitgemacht. Als ich meine Vergleichsmarotte abgelegt hatte, kam ein tolles Album zu Tage, das mir einige Stunden zu großen Teilen Spaß macht. Highlight für mich ist einer meiner Lieblingssongs Stormbringer.
Und dennoch gibt es musikalisch einiges an Live in Long Beach 1976 auszusetzen: Getting tighter ist nett, aber 14 Minuten braucht es dafür wirklich nicht. Und warum Jon Lord seine legendäre Orgel mit einem Synthi-Gemurkse in Love Child vermischt, bleibt mir schleierhaft.
Also kurzes Fazit: Wieder eine CD der Herren mehr, das Geschäft blüht, ich habe mir Karten für das nächste Konzert gekauft und ich warte auf die nächste Veröffentlichung Teil 7 aus alten Zeiten.

Doppelpack Deep Purple: From The Setting Sun… (In Wacken) und …To The Rising Sun (In Tokyo)

10. September 2015

Wieder einmal griff ich zu alter Männer-Musik und wieder einmal wurde ich nicht enttäuscht. Seit ein paar Tagen stehen Deep Purple auf meiner Playlist mit einem interessanten Experiment. Sie veröffentlichten gleichzeitig zwei Konzerte ihrer NOW What?!-Tour. Und sie geben uns Fans das komplette Paket: Doppel-CD und DVD.

Deep Purple im Doppelpack

Deep Purple im Doppelpack

Es handelt sich den 2013 Mitschnitt von Wacken unter dem netten Titel „From The Setting Sun … (In Wacken)“ und endet mit der April 2014 in Tokyo „…… To The Rising Sun (In Tokyo)“ – einmal Open Air – einmal Halle.

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Wacken ist ein Phänomen. Ich war nie dort und habe alle Infos nur via Massenmedien. Dieses Jahr war es wohl etwas nass, aber 2013 hatten Deep Purple ideale Bedingungen. Damals sah ich das Konzert live im Fernsehen und fand den Auftritt als DP-Fan wunderbar. Allerdings vermisste ich natürlich Jon Lord, der von weiter oben zusah. Das Konzert am 12. April in Tokyo 2014 fand an historischem Platze statt: Ich sage nur: Made in Japan. Deep Purple gastierten wieder im Nippon Budokan in Tokyo mit einer Bomben-Akustik.


Welche der Aufnahmen sind nun besser? Klangtechnisch sind beide Doppelalben astrein. Gerade Live-Alben von Deep Purple können aufnahmetechnisch ein Schrott sein. Diese hier sind allererste Sahne. Wie zu hören war, wurden die Audioaufnahmen beider Shows von Eike Freese und Alex Dietz (Heaven Shall Burn) gemeinsam mit Roger Glover in Hamburg gemischt.
Musikalisch sind die Songs keine Überraschung. Alles solide und auch Ian Gillan kann wieder singen. Mir macht aber das Wacken-Konzert deutlich mehr Spaß. Das merke ich vor allem, wenn ich die Videos zu den Konzerten ansehen. Technisch ist Budokan besser, bei Wacken rauscht das Bild manches Mal. Aber die Hardrock- und Metalfans in Wacken sind einfach mit dabei, wenn die Kapelle aufspielt. Da wird gesungen, gerockt – da wird einfach mitgemacht. In Japan ist es eher eine steife Angelegenheit. Vielleicht liegt es an der japanischen Mentalität, aber die richtige Stimmung kommt eher in Wacken als in Budokan auf. Zudem nervt der japanische Typ im Publikum mit seinem Schild mit der Aufschrift „I wish your Stick Ian“. Ha, und am Schluss gibt Ian Paice den Knaben die Sticks nicht – gut gemacht. Der Fan hätte das Konzert genießen sollen, anstatt dauernd das doofe Schild hoch zu halten.
Herauszustellen ist bei beiden Konzerten wieder einmal Steve Morse. Während Richtie Blackmoore immer im dunklen Dress die Bühne betrat, erscheint Herr Morse mit Indianer T-Shirt. Anders als der Griesgram Blackmore schaut Steve Morse freundlich durch die Gegend und verdammt, der Typ kann einfach Gitarre spielen. Trotz langer Tour, trotz der ewig gleichen Songs legen Deep Purple eine wahre Spielfreunde an den Tag. Es macht Spaß den alten Herren zu zuhören. Ich empfehle den Kauf beider Alben, wobei meine Vorliebe aber das Wacken-Konzert ist.

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This is the end – persönlicher Nachruf auf Ray Manzarek

21. Mai 2013
So werden Todesnachrichten heute überbracht. Todesanzeige via Facebook.

So werden Todesnachrichten heute überbracht. Todesanzeige via Facebook.

Ray Manzarek ist tot. Der ehemalige Keyboarder der Doors verstarb im Alter von 74. Jahren an Krebs im bayerischen Rosenheim. Technisch und musikalisch gab es bessere Keyboarder als Manzarek wie Jon Lord, Rick Wakeman oder Keith Emerson. Dennoch machte Manzarek den Sound der Doors aus. Das war für mich sein Markenzeichen. Der Sound, eine immer erkennbare Musik.

Das erste Mal kam ich als Kind mit der Musik der Doors in Kontakt. Zusammen mit meinen Eltern besuchte ich Passau. Als einer der touristischen Höhepunkte schauten wir uns auch die größte Orgel der Welt an. Ein Organist war am Üben und spielte Choräle rauf und runter. Und mitten drin rockte er „Light my Fire“. Als Kind wusste ich nicht, welche Musik das war, kannte weder die Doors noch den Titel des Stückes. Ich wusste aber, das Zeug gefällt mir.

Besuch am Grab von Kim Morrison in den achtziger Jahren.

Besuch am Grab von Jim Morrison in den achtziger Jahren.

Als Schüler war ich auf dem Doors-Trip. Nicht zuletzt mein längst verstorbener Kumpel Roland brachte mir den Blues näher. Stundenlang saßen wir in seinem Zimmer und hörten uns The End, Riders in the Storm, Strange days und die anderen Stücke an. Zur Klassenfahrt ging es nach Paris und dort besuchten wir Jim Morrisons letzte Ruhestätte. Wir hatten Glück (?), als wir am 3. Juli das Grab auf dem Père Lachaise besuchten. Die Doors-Fans machten eine riesige Party auf dem Friedhof. Die Musik der Doors war mit im Walkman dabei.

Irgendwann bekam ich die Morrison-Biografie „Keiner kommt hier lebend raus“ aus dem Heyne Verlag in die Hand und erfuhr, welch wichtige Rolle Ray Manzarek für die Doors spielte. Unbewusst gewusst hatte ich es schon immer. Als Gründungsmitglied hielt er den Laden zusammen, wenn Oberguru Jim Morrsion mal wieder im Drogenrausch versank. Ich hörte bei den Doors genauer hin und erkannte ein exzellentes Orgelspiel. Aber er hielt nicht nur die Band zusammen, nein, sein exzellentes Orgelspiel hielt die Songs zusammen. Als Erinnerung an Ray Manzarek suche ich mir Doors-Songs zusammen und trinke ein Glas auf ihn. Lieber Ray, schau bitte, dass dein Kumpel Jim da oben keinen Scheiß macht, so wie du es hier auch gemacht hast. Das ist wirklich das Ende.

Deep Purple in München

2. Dezember 2012

Das digitale Zeitalter macht es notwendig, dass Musiker mehr auf Tour gehen, um ihre Einnahmen und ihren Lebensstandard zu sichern. Da machen die alten Herren von Deep Purple keine Ausnahme: Seit über 40 Jahren sind die Großväter des Hardrocks in unterschiedlichen Formationen unterwegs. Jetzt lieferten sie das vorletzte Konzert ihrer Deutschlandtour 2012 in der Münchner Olympiahalle ab. Und wir stellen fest: Die Rentnerband hat es noch voll drauf. Das meist ältere Publikum kam entweder in Lederkluft oder im Kamelhaarmantel, brachte aber den Nachwuchs mit. Das Motto lautete „Schau, diese Band war toll als Papa jung war“ und ich ergänze; „diese Band ist es auch als Papa alt war“. Zur Einstimmung gab es einen Ausschnitt aus Prokofieffs „Romeo und Julia“, vielleicht als Erinnerung an den verstorbenen Jon Lord, der sich Zeit seines Lebens der Klassik widmete. Dann begann es in voller Wucht mit „Fireball“.

Bei über 40 Jahren Musikgeschichte brauchen Deep Purple auf keine zweitklassigen Songs zurückgreifen und so war es zeitweise eine Best-of-Show. Die wilden Zeiten sind vorbei. Es gibt keine Bühnenexzesse mehr, die Band liefert eine solide Leistung ab. Die wilden Männer sind weiser geworden, aber nicht ruhiger.

Warten auf den Deep Purple Auftritt in der Olympia-Halle in München

Warten auf den Deep Purple Auftritt in der Olympia-Halle in München

Lief es zu Beginn noch etwas stockend, nahm die Band im Laufe des Gigs richtig Fahrt auf. Das ist vor allem der Kraft von Steve Morse zu verdanken. Der Jungspund in der Kapelle mit seinen 58 Jahren gibt mit der Gitarre den Ton an. Soll Ritchie Blackmore doch seine Mittelaltermucke spielen, Steve Morse ist mehr als ein Ersatz. Er entwickelt die Band weiter, lässt Jazz und Country einfließen. Für den verstorbenen Jon Lord ist der ehemalige Whitesnake-Mann Don Airey (64) mit von der Partie. Sein Solo war klassisch geprägt, mit „Muss i denn“ bewies bei all der Tastenkunst sogar ein Stück Humor. Einstmals konnten wir aggressive Kämpfe zwischen Blackmore und Lord auf der Bühne erleben, die auch mal mit den Fäusten ausgetragen wurden. Heute werden diese Kämpfe zwischen Airey und Morse nur noch musikalisch ausgeführt. Hut ab, vor der Leistung von Ian Paice. Mit seinen 64 Jahren ist er das einzige lebende Gründungsmitglied von Deep Purple.

Sänger Ian Gillan hatte durch die zahlreichen Solos seiner Bandmitglieder die notwendigen Pausen, um seine Stimme zu schonen. Trotz der Stimmband-Schonung kam es in München auch wieder nicht zum legendären „Child in Time“. Diese Zeit ist wohl endgültig vorbei.

Roger Glover bedankt sich für das Ständchen zu seinem 67. Geburtstag.

Roger Glover bedankt sich für das Ständchen zu seinem 67. Geburtstag.

Hervorragend waren vor allem die Zugaben, begonnen mit einem Geburtstagsständchen für Bassist Roger Glover, der an dem Abend seinen 67. Geburtstag feierte und bei dem ersten Purple-Hit „Hush“ von 1968 sein Bass-Solo ablieferte. Jetzt drehte DP voll auf: Das relativ neue „The Battle Rages On“ kam gut an, doch richtig ab ging es bei den Klassikern „No One Came“ oder „Space Truckin“. Dass Hardrock auf Blues und Rock´n Roll aufbaut, zeigte ein wunderbares Medley alter Rock´n Roll-Songs, die um „Speed King“ eingebaut wurden: Jerry Lee Lewis, Buddy Holly – das war Emotion pur. Das Publikum wippte mit.

Richtige Glückseeligkeit in den Gesichtern erschien als die ersten Noten von „Smoke on the water“ erklangen. Das zumeist ältere Publikum freute sich, diesen Rockklassiker noch einmal live erleben zu dürfen und sang die Zeilen lauthals mit. Letztes Lied des Abends und Rausschmeißer war der alte Hitsingle „Black night“.

Nächstes Jahr werden Deep Purple wohl wieder auf Tour gehen, um das Einkommen zu sichern. Wenn sie wieder so eine Show abliefern, dann ist der Ruhestand noch eine Zeit entfernt.