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Musiktipp: Deep Purple: Live in Long Beach 1976

21. Mai 2016
Deep Purple Live in Long Beach 1976, der sechste Teil der Official Deep Pruple (Overseas) Live Series.

Deep Purple Live in Long Beach 1976, der sechste Teil der Official Deep Pruple (Overseas) Live Series.

Wieder einmal kam ein Teil der Official Deep Pruple (Overseas) Live Series, ich glaube es ist Teil 6, auf den Markt und wieder mal hab ich zugeschlagen. Es war die Endphase der Band und ich hatte von dem Gespann Coverdale, Bolin, Hughes, Lord und Paice noch nicht so viele Aufnahmen. Damals hatte ich mir den Bootleg dieses Konzerts nicht gekauft. Inzwischen ist es mehrmals in unterschiedlichen Versionen erschienen und diese neue Ausgabe wurde zusätzlich um drei Bonustracks aus Springfield vom 26. Januar 1976 ergänzt. Live in Long Beach selbst wurde am 27. Februar 1976 aufgenommen.
Nach mehrmaligen Anhören von Long Beach 1976 bin ich immernoch unentschlossen. Tommy Bolin war ein guter Mann an der Klampfe, hatte aber das Problem der Drogen und noch viel mehr, dass er direkt nach Ritchie (ich spiel mir den Arsch ab) Blackmore kam. Bolins Stil ist anders, sehr gut, der Kerl kann absolut Gitarre spielen, aber ich mag den alten Blackmore und den neuen Steve Morse dann doch lieber.
David Coverdale war nie mein Fall, ich mochte auch Whitesnake nicht. Aber Coverdale hat Stimme, Power und bringt richtig Kraft mit. Vielleicht nicht so facettenreich wie Ian Gillan, aber Coverdale ist ne richtige Frontsau auf Macho-Tour. Genau richtig für die Endphase von Deep Purple. Wir befinden uns in der MARK IV-Besetzung. Obwohl die Bluesstimme von Coverdale bei Long Beach 1976 mit so manchen Ton daneben lag.
Glenn Hughes ist kein Roger Glover und sein Gekreische zeigt für mich das Todesringen von Deep Purple, ich musste mich daran gewöhnen. Ich mag ihn bei Black Sabbath und noch mehr bei Keith Emerson später, aber bei Deep Purple musste ich mich an seine Stimme gewöhnen.
Live in Long Beach 1976 startet vielversprechend mit der obligatorischen Einleitung „We wanna give you some Rock’n Roll“ und den Klassiker Burn. Der Ton wird nicht immer getroffen, aber die Power pur. Die Tour wurde gemacht, um das Album Come Taste The Band zu promoten, bei dem Bolin federführend war. Leider verkaufte sich das Album im Vergleich zu früheren Purple-Platten schlecht, nur die Hardgesottenen Fans wollten es sich anhören. Zu groß war der Verlust von Gillan und Blackmore.
Und genau das ist mein Problem. Ich vergleiche die ganze Zeit. Ich vergleiche Smoke on The Water in der einen und der anderen Version, mal so gespielt, mal so. Interessant ist, was Interpretationen ausmachen, wobei Live in Long Beach 1976 noch mit einem wunderschönen Georgia on my Mind glänzen kann. So viel Humor hat Tommy Bolin, der Griesgram Blackmore hätte den Spaß nicht mitgemacht. Als ich meine Vergleichsmarotte abgelegt hatte, kam ein tolles Album zu Tage, das mir einige Stunden zu großen Teilen Spaß macht. Highlight für mich ist einer meiner Lieblingssongs Stormbringer.
Und dennoch gibt es musikalisch einiges an Live in Long Beach 1976 auszusetzen: Getting tighter ist nett, aber 14 Minuten braucht es dafür wirklich nicht. Und warum Jon Lord seine legendäre Orgel mit einem Synthi-Gemurkse in Love Child vermischt, bleibt mir schleierhaft.
Also kurzes Fazit: Wieder eine CD der Herren mehr, das Geschäft blüht, ich habe mir Karten für das nächste Konzert gekauft und ich warte auf die nächste Veröffentlichung Teil 7 aus alten Zeiten.

Buchkritik: Deep Purple Photos 1970-2006 von Didi Zill

20. April 2014

Deep_Purple

Die britische Deep Purple gehört für mich zu den wichtigsten Vertretern des Hardrocks. Bis heute habe ich die Konzerte dieser Band immer wieder gerne besucht und auch darüber geschrieben. Verschiedene Besetzungen und Aufnahmen unterschiedlicher Qualität prägten die Bandgeschichte. Der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf hat für mich eine hervorragende Fotodokumentation der Jahre 1970-2006 vorgelegt. Fotograf dieser einzigartigen Werkausgabe Deep Purple Photos 1970-2006 ist der legendäre Didi Zill. Über ihn habe ich ja bereits schon berichtet.

Didi Zill war einstmals einer ganz großen Fotografen der deutschen Jugendzeitschrift Bravo. Diese Jugendpostille veröffentlichte zahlreiche Fotos des Ausnahmekünstlers und der Ausnahmeband. Für den Band Deep Purple ist Didi Zill noch mal in sein Analogarchiv gestiegen und brachte legendäre Aufnahmen zu Tage. Was diese Aufnahmen ausmacht, ist das besondere Verhältnis zwischen Fotograf und Künstler. Die britischen Hardrocker schienen den Fotografen ins Herz geschlossen zu haben. Zill nahm am Leben der Band teil. Seine Kamera war zeitweise Bandmitglied. Dies führte zu zahlreichen sehr privaten Aufnahmen. Heute sind sie ein Teil der Rockgeschichte.

Besonders herausragend ist für uns alle natürlich die Entstehung des Albums Machine Head mit dem Song Smoke on the Water. Didi Zill hat 1971 die Aufnahmen in Montreux geschossen inklusive des Augenblicks als Ian Gillan den Text für den legendären Songs schrieb. Durch Zufall war Zill vor Ort und drückte ab. Er hat so einen der wichtigsten Momente der Rockgeschichte für die Nachwelt erhalten – dafür müssen wir ihm sehr, sehr dankbar sein.

Der Text von Smoke on the Water - Originalfoto: Zill

Der Text von Smoke on the Water – Originalfoto: Zill

Das dicke Fotobuch umfasst zahlreiche gestellte Fotos, eben die typischen Starschnitt und Bandfotos der damaligen Zeit. Besonders schön waren die Gesellen nie, vom Glamourfaktor gab es sicher interessante Fotomotive. Aber wenn man sich die Visagen genau anschaut, stellt man die Kraft in den Gesichtern fest. Vor allem Ritchie Blackmoore war wohl noch nie eine der sympathischen Gestalten. Er spielte auch bei den Aufnahmen eher den geheimnisvollen dunklen Typen. Aber das Verhältnis Zill – Blackmore war besonders, was sich an diesem Buch zeigt.

Insgesamt teilt sich das 464-seitige Buch in drei Schwerpunkte auf. Gestellte Gruppenfotos, Live Aufnahmen und Session- und Aufnahmefotos. Für mich am interessantesten sind die Letzteren. Wir sehen noch mal die legendären Konzerte in Stockholm und natürlich die Japan Tour. Vieles kenne ich nur von alten Langspielplatten oder CDs. Vor allem Made in Japan kam jetzt wieder in eine neue veröffentlichten Form heraus. Deep Purple bringt für alle Fans immer wieder Live Aufnahmen auf den Markt und wir Fans kaufen natürlich.

Wir sehen den Zerfall der Mark II Besetzung und ihr Untergang in Japan. Ich sah faszinierend das umgeworfene Schlagzeug von Ian Paice, das symbolisch die Auflösung der Band markiert. Zill war dabei und hat auch diesen entscheidenden Meilenstein der Rockgeschichte mit seiner Kamera am 29. Juni 1973 in Osaka eingefangen. Zill war aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinterher in den Garderoben. Hier flossen Tränen, als die Gruppe auseinanderbracht und sich auflöste.

Aus und vorbei für Mark II. Originalfoto: Zill

Aus und vorbei für Mark II. Originalfoto: Zill

Es ging dann weiter mit David Coverdale und Glen Hughes, beide noch sehr jung. Zill war bei den Aufnahmen und Proben zu Burn dabei. Und wirklich laut gelacht habe ich beim Konzertaufnahmen vom 27. Juni 1974. Immer wieder habe ich von der Geschichte gelesen, als eine junge Dame komplett unbekleidet auf die Bühne von Kursaal Ballroom stieg und sich hinter Ian Paice stellte. Didi Zill lieferte endlich die Bilder zu diesem Event.

Sehr schön sind auch die Fotos von Didi Zill zu den Einzelprojekten der Musikanten. Jon Lord Aufnahmen mit Eberhard Schoener, Bühneneskapaden von Ritchie Blackmoore und seiner Band Rainbow mit Dio sowie David Coverdales Whitesnake, ich allerdings nicht so gerne mochte. Die meisten der Home Storys konnte man sich sparen, aber so erfahre ich wenigstens, dass Blackmoore eine Bar mit Stammtisch-Zeichen in dem Keller seines Anwesens hatte. Wer diese schrecklichen Home Story-Bilder überlebt hat, bekommt starke Aufnahmen von der Bühnenpräsenz der Band mit. Hier ist Didi Zill in seinem Element. Er dokumentierte zahlreiche Auftritte und nebenbei bemerkt man auch, wie sich die Fototechnik weiterentwickelte.

Rundum ein lohenswerter Band Deep Purple Photos 1970-2006 für Freunde des gepflegten Hardrocks. Klar Kaufempfehlung. Und zum kiloschweren Fotoband gibt es zudem noch ein Autogramm von Didi Zill dazu.

Foto 1