Archive for the ‘Film’ Category

Filmkritik: Civil War – eine Reise von James Nachtwey zum Heart of Darkness

18. April 2024

Der Trailer lockt den Zuschauer auf eine völlig falsche Fährte. Wer gedacht hat, bei Civil War von Alex Garland handelt es sich um einen klassischen Actionfilm im US-patriotischen Flair von Freiheit und Aufrechtigkeit, der hat sich vollkommen geirrt. Civil War ist für mich die bisherige Überraschung des Kinojahr 2024 und ein absolut lohnenswerter Film.

Als ich aus der Pressevorführung trat, sah ich eine Reise von James Nachtwey zum Heart of Darkness, ein Road Movie mit dem Irrsinn von Apocalypse Now, allerdings nicht in den Gewässer von Indochina, sondern auf auf den staubigen Straßen um Washington.
Dieser Film polarisiert und regt zum Nachdenken an. Was wäre wenn… . Als Zuschauer ergreifen wir Partei für die handelnden Personen, allesamt Fotoreporter und Journalisten unterschiedlichster Ausprägung. Der alte Mann von der New York Times, die desillusionierte Fotoreporterin, der drogenabhängige Producer und das naive Greenhorn.

Es herrscht Bürgerkrieg, Milizen gegen das Establishment in der Rolle des US-Präsidenten. Die Hintergründe kennen wir nicht. Der Präsident scheint ein böser Bube zu sein, weil er eine dritte Amtszeit antritt und einige Staaten dagegen mit Waffengewalt protestieren. Unweigerlich kommt einen der Sturm auf das Kapitol 2021 in den Sinn und auch die Arroganz eines Donald Trump lässt sich beim Betrachten des Films nicht abstreiten. Was wäre wenn …

Der Film ist eine Verbeuung vor den großen Kriegsfotografen der Vergangenheit und Gegenwart: Vor Lee Miller, vor Robert Capra und immer wieder vor James Nachtwey. Und der Film ist eine Verbeugung vor Fotografie. Sobald ein Kriegsbild geschossen wird, verstummt der Ton, das Bild wird schwarz-weiß und zeigt die enorme Wirkung von Fotografie. Als ich den Film auf mich wirken sah, erkannte ich das Todesbild des spanischen Freiheitskämpfers von Robert Capra oder das Attentatsbild von Robert Bobby Kennedy von Boris Yaro. Die Bilder wurden zu ikonischen Symbolen für diese tragischen Ereignisse.

Ein bisschen Nostalgie schwingt in dem Film mit, wenn das junge Nachwuchsjournalistin mit einer alten analogen Nikon auf Film arbeitet, die Filmdose mit Entwickler rollt und den Film dann doch am iPhone anschaut, während die hartgesottene Kriegsfotografin gleich auf eine digitale Sony Alpha setzt. Natürlich sind diese Szene für mich als Bildjournalist Balsam für die Seele, aber seien wir doch mal ehrlich: Bewegtbild hat den Fotojournalismus schon längst geschlagen. Wer heute nur mit Fotos arbeitet, hat die Medienwelt des 21. Jahrhunderts nicht verstanden und das ist meine einzige wirkliche Kritik an diesem einzigartigen Film. Erst gegen Ende tauchen eingebettete Videojournalisten auf, was dann doch eher an die Medienrealität des 21. Jahrhunderts erinnert. Das sich Fotojournalisten frei durch ein Kriegsgebiet bewegen durften, das hat die USA in Vietnam gesehen, wohin es führt. Aber egal, Civil War ist eine Dystopie mit Botschaft und immer wieder der Gedanke: Was wäre wenn …

Bis das Blut gefriert – Matinee am Sonntag, 14. April im Scala

13. April 2024

„Bis das Blut gefriert – The Haunting“ von Robert Wise ist ein klassischer Horrorfilm aus dem Jahr 1963, der auf dem Roman „The Haunting of Hill House“ von Shirley Jackson basiert. Der Film erzählt die Geschichte von vier Personen, die in ein altes Herrenhaus einziehen, um paranormale Phänomene zu untersuchen. Doch schon bald beginnen unerklärliche und beängstigende Ereignisse, die psychische Gesundheit der Bewohner zu beeinträchtigen. Ich zeige diesen Spukhausklassiker im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 14. April um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Spannung und Atmosphäre
Robert Wise, der bereits mit Filmen wie West Side Story und Der Leichendieb sein Talent bewiesen hatte, zeigt in „The Haunting“ sein Geschick für die Inszenierung von Spannung und Atmosphäre. Ab Mitte der 1940er Jahre wurde Robert Wise selbst mit ersten Regieaufträgen betraut. Durch die Filme The Curse of the Cat People und Der Leichendieb, letzterer mit den beiden damaligen Horrorstars Bela Lugosi und Boris Karloff, wurde er früh zu einem wichtigen Protagonisten des Horrorfilms.

Er nutzt in Bis das Blut gefriert geschickt Licht, Schatten und Kameraführung, um eine düstere und beklemmende Stimmung zu erzeugen, die den Zuschauer von Anfang bis Ende in ihren Bann zieht. Die Entscheidung, das Geisterhaus größtenteils im Dunkeln zu belassen und dem Publikum nur Andeutungen von unheimlichen Ereignissen zu geben, verstärkt die Gruselatmosphäre des Films und lässt die Fantasie der Zuschauer auf Hochtouren laufen. Die Herausforderung bei Spukhaus-Filmen ist, dass das Haus im Mittelpunkt der Angst stehen muss und nicht die Darsteller. Das gelingt nur wenigen Spukhausfilmen. Bis das Blut gefriert, ist einer der wenigen gelungenen Beispiele des Genres.

Ein Höhepunkt von „The Haunting“ ist sein subtiler Ansatz im Umgang mit dem Übernatürlichen. Anders als viele moderne Horrorfilme setzt dieser Film weniger auf Schockeffekte oder blutige Szenen, sondern konzentriert sich auf die psychologische Dimension des Grauens. Die wahre Bedrohung liegt nicht in äußeren Monstern, sondern in den tief verwurzelten Ängsten und Traumata der Charaktere. Und hier sitzt der Schrecken tief, was bemerkenswerte Darstellerleistungen benötigt, insbesondere Julie Harris in der Rolle der labilen Eleanor. Sie verkörpert die zunehmende Verzweiflung und Furcht ihres Charakters auf eindringliche Weise und zieht den Zuschauer mit ihrer emotionalen Intensität in den Bann. Claire Bloom, Richard Johnson und Russ Tamblyn ergänzen die Besetzung mit überzeugenden Leistungen.

Insgesamt ist „The Haunting“ ein Klassiker des Horrorfilms, der auch nach Jahrzehnten nichts von seiner Faszination verloren hat. Robert Wise schuf mit diesem Film ein Meisterwerk des subtilen Horrors, das seine Zuschauer mit einer meisterhaften Inszenierung, starken Darstellerleistungen und einer fesselnden Geschichte in den Bann zieht. Es ist ein Muss für jeden Liebhaber des Genres und ein Beweis dafür, dass echter Horror nicht immer Blut und Gewalt benötigt, um zu wirken. Ich freue mich auf Zuschauer im Rahmen meiner phantastischen Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 14. April um 10:45 Uhr. Karten gibt es hier.

Bemerkenswerter Score
Die Filmmusik ist ein wichtiger Bestandteil von „The Haunting“ und trägt wesentlich zur Atmosphäre und Spannung des Films bei. Die Musik wurde von dem renommierten britischen Komponisten Humphrey Searle komponiert, der mit seinen musikalischen Beiträgen einen bedeutenden Beitrag zur Wirkung des Films leistete.

Die Filmmusik von „The Haunting“ zeichnet sich durch ihre subtile und unheimliche Stimmung aus. Searle verwendet eine Vielzahl von Instrumenten und Klangeffekten, um eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, die perfekt zum schaurigen Ambiente des Herrenhauses passt. Oft setzt er auf dissonante Harmonien und unregelmäßige Rhythmen, um ein Gefühl der Unruhe und Bedrohung zu vermitteln.

Ein markantes Merkmal der Filmmusik von „The Haunting“ ist ihr minimalistischer Ansatz. Searle verzichtet weitgehend auf melodische Themen oder orchestralen Bombast und setzt stattdessen auf sparsame, aber effektive Klanglandschaften. Dies trägt dazu bei, dass sich die unheimlichen Geräusche und Ereignisse im Herrenhaus noch intensiver auf den Zuschauer auswirken, da die Musik subtiler und subtiler auf seine Sinne wirkt.

Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von ungewöhnlichen Klangeffekten, wie zum Beispiel das Flüstern des Windes, knarrende Türschlösser oder das dumpfe Klopfen von unsichtbaren Präsenzen. Diese akustischen Elemente verstärken die Bedrohung und Unheimlichkeit des Herrenhauses und tragen dazu bei, dass sich der Zuschauer in die Welt des Films hineinversetzt fühlt. In meinem Vortrag zur Matinee im Scala Fürstenfeldbruck am Sonntag, 14. April um 10:45 Uhr werde ich auch auf diesen Score eingehen. Karten gibt es hier.

American Werewolf (1981) – Rückblick auf meine Matinee

9. April 2024

Es gibt phantastisches Filme, die einen nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sie enthalten ikonische Szenen, die das ganze Genre geprägt haben. Eine solche Szene ist die Verwandlung in American Werewolf von John Landis. Ich habe über diesen Klassiker eine meiner monatlichen Matineen im Scala Kino in Fürstenfeldbruck gehalten. Hier mein Vortrtag

Ein herausragendes Merkmal des Films sind die innovativen Spezialeffekte und das Make-up von Rick Baker. Die Transformationsszene, in der David sich zum ersten Mal in einen Werwolf verwandelt, ist bahnbrechend und bis heute beeindruckend. Baker gelingt es, die physische und emotionale Qual der Verwandlung realistisch darzustellen, was den Horror des Moments verstärkt. Rick Baker ist ein Pionier auf dem Gebiet der Spezialeffekte und Make-up-Kunst. Seit den 1970er Jahren hat er die Filmindustrie mit seinen innovativen und bahnbrechenden Arbeiten geprägt. Seine Kreationen haben neue Standards für Realismus und Kreativität gesetzt und zahlreiche andere Künstler inspiriert.

Frühe Masken von ihm wären in King Kong (1976), Star Wars (1977) oder Teufelskreis Alpha (1978) zu sehen. Pop-Ikone Michael Jackson war von dem Meisterwerk ‚American Werewolf so begeistert, dass ihn Baker im Kult-Video ‚Thriller‘ persönlich verunstalten durfte. Baker beschrieb seine Kunst Einmals so: „Man sieht das Ding, das vorher nur als Idee im Kopf herum spukte, real und lebendig werden. Das ist wahnsinnig aufregend und in gewisser Weise fühle ich mich dabei wie Dr. Frankenstein.“

Humor im Horrorfilm
Obwohl ich Humor in Horrorfilmen eigentlich nicht mag, hier passt er. Landis spielt geschickt mit den Erwartungen des Publikums und wechselt zwischen gruseligen und komischen Momenten. Dies verleiht dem Film eine schöne Atmosphäre, die sowohl Spannung als auch Unterhaltung bietet.

Bis das Blut gefriert
Die nächste Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck findet am Sonntag 14. April um 10:45 Uhr statt. Ich bespreche und zeige den Spukhausklassiker Bis das Blut gefriert. Karten gibt es online.

Filmkritik: Godzilla X Kong – The new Empire

8. April 2024

„Was ist das für ein Trip?“ Diese Frage stellt einer der Protagonisten im neuen Blockbuster Godzilla X Kong – The New Empire. Und genau diese Frage muss sich der Zuschauer stellen, der die neue Episode aus dem Monsterverse über sich ergingen ließ. Ich genoss den neuen Monsterfilm in meinem Lieblingskino Scala in Fürstenfeldbruck.

Wer erzählerische Tiefe wie bei dem jüngsten japanischen oscarprämierten Ausgabe Godzilla minus One erwartet hat, der wurde gnadenlos enttäuscht. Godzilla X Kong – The New Empire ist genau das Gegenteil von Erzählkino. Die Handlung ist auf ein Minimum geschrumpft und der Kampf der Monster geht den ganzen 115 minütigen Spielfilm durch, obwohl Kong deutlich mehr Screentime hat als mein Liebling Godzilla. Sowohl Godzilla als auch Kong spüren eine Bedrohung, die aus dem Innern der Erde kommt. Auf Skull Island öffnen die Menschen einen Zugang zur Hohlerde. Dort treffen Godzilla und Kong auf einen mächtigen Gegner, der die Existenz aller bedroht, blablabla

Die Idee der Hohlerde wird weiter gesponnen und Sir Arthur Conan Doyles vergessene Welt wird ebenso zitiert wie Jules Vernes Mittelpunkt der Erde. Aber soviel Kultur wird nur angedeutet und verwirren nur das Geschehen. Tiefere Gedanken stören in dem Film nur, der sich brachial seinen Weg in das Stammhirn des Publikums haut. Ach ja, die Hohlerde hat gleich nochmal einen Hohlraum, aber das wird dann doch etwas verwirrend. Die Physik wie Lichteinfall kann getrost außer Acht gelassen werden, lenkt vom Film nur ab. Die erste Fan-Diskussion um Godzilla gab es dann auch, als er in violett auftauchte. Wahrscheinlich hatte Adidas mit seinen violetten Shirts für die Nationalmannschaft in den Fußballkreisen einen ähnlichen Aufruhr.

Kong wird allgemein emotionaler gezeigt. Er zeigt deutlich mehr Schauspieltalent als die hilflosen Schauspieler, die mit Sparwitzen nur so um sich werfen, damit sie wenigstens etwas Farbe bekommen. Einzig die Kong-Flüsterin Kaylee Hottle darf ein wenig geheimnisvoll schauspielern.

So hat der große Affe von Skull Island auch mal Zahnweh, nimmt sich einem Baby-Kong an, ist auf der Suche nach Verwandtschaft und scheint mit mehr Hirn ausgestattet zu sein, als der Rüpel Godzilla, der sich gleich das römische Kolosseum als Schlafplatz ausgesucht hat. Asiatische Drachen gegen römischen Imperialismus. Die Herrschaften nehmen bei ihren Zweikämpfen auch keine Rücksicht auf Kulturdenkmäler. Die Pyramiden bleiben ebenso auf der Strecke wie römische Tempel oder brasilianische Strände. Dann taucht noch ein Affendiktator mit Namen King Scar auf, der an den Trailer von Planet der Affen erinnert, der vor dem Hauptfilm im Scala-Kino gezeigt wurde. Der böse Affe unterjocht auch noch einen Titanten und die restliche Affenbande. Klar, dass hier eine Befreiungsaktion wie Indy Jones im Tempel des Todes gestartet werden muss. Befreiung der Affen ist ja schließlich auch eine Lebensaufgabe für Kong, der hier aber Godzilla an seiner Seite braucht. Godzilla ist ja auf der Erde so eine Art Weltpolizist und schaut, dass alles dort oben seine Ordnung hat. Kong hat sich derweil ein wenig mit Rousseeau vertraut gemacht und ist strebt nach dem idealen Naturzustand.

Godzilla X Kong als Kulturbotschafter und Ikonen der Popkultur. Und hier wird der Film auf einmal sehr interessant. Die menschlichen Akteure, voller Klischees, agieren hilflos und dienen nur der Erklärung der gezeigten Keilerei. Hirn abschalten und den Fights genießen, so ist die Forderung an den Zuschauer.
Wer das nicht kann und ein wenig in der Tradition der Toho-Godzilla-Filme beheimatet ist, erkennt wohlwollend die Filme der Showa- und der Heisei-Ära, als sich Menschen noch in Gummi-Monsterkostümen kloppten. Regisseur Adam Wingard hat diese Filme mit Monster-Suit wohl als Kind ebenso genossen und setzt die Klopperei der siebziger Jahre nun in VFX um.
Als endlich Mothra auftaucht, schlug mein Fan-Herz höher. Ich mag sie seit sie 1964 zum ersten Mal in Godzilla und die Urweltraupen ihr Antlitz zeigte. Die Motte war ja die Göttin der Modra-Insel, was aber im Monsterverse verloren gegangen ist. Regisseur Adam Wingard würde bei Erfolg des zweiten Teils seines Monsterverse noch einen dritten Teil draufsetzen, vielleicht geht sogar ein Film mit noch weniger Handlung. Aber bitte dann mit mehr Screentime von Godzilla.

Nur noch ein Wort zum Score. Den Score liefert Tom Holkenborg alias Junkie XL mit viel Bombast und ohne Akira Ifukube-Thema. Für mich ist de Score belanglos, da wünsche ich mir sogar Bear McCreary zurück und da hat mir der Score schon wenig gefallen.

Filmkritik: Andrea lässt sich scheiden – Gin Tonic is ka Alkohol

3. April 2024

Als ich mir „Andrea lässt sich scheiden“ im Kino angesehen habe, da hab ich mich fremdgeschämt. Ich wäre gerne unter dem Kinosessel gekrochen, denn Regisseur Josef Hader hat in seinem zweiten Spielfilm genau hingeschaut. Er hat so genau aufs Land geschaut und die Figuren und Charaktere ins Szene gesetzt, denen ich oftmals im wirklichen Leben begegne. Polt hat mal eine Serie gehabt „Fast wie im richtigen Leben“ und genau diese scharfe Beobachtungsgabe hat Josef Hader in „Andrea lässt sich scheiden“ auch, allerdings nicht auf bayerische, sondern auf österreichische Art.

Ich mag diese Art von Humor. Die Beobachtungsgabe von Hader ist enorm. Ich habe ihn vor 25 Jahren mal im Lustspielhaus live gesehen und bin seitdem ein Fan von ihm. Trocken und zielsicher. Hier ein Filmgespräch mit Hader, bevor wir seinen Film zu sehen bekommen haben.

Nach der Wilden Maus von 2017 nun die zweite Regiearbeit. Der Inhalt ist linear und einfach: Die Polizistin Andrea lebt mit ihrem Ehemann auf dem Land. Doch Andrea ist unglücklich in der Ehe und sie wünscht sich eine Scheidung, um ein neues Leben als Kriminalinspektorin in der Stadt zu führen. Aber ihr Traum von der Zukunft gerät in Gefahr, als sie nach einer Geburtstagsfeier ihren betrunkenen Noch-Ehemann anfährt und schließlich Fahrerflucht begeht. Doch zu Andreas Überraschung bekennt sich der trocknende Alkoholiker Franz im Irrglauben zu der Tat.

Aber es geht weniger um das Storytelling, es geht vielmehr wie das Storytelling in Szene gesetzt wird. Es werden Charaktere gezeigt, wie wir jederzeit und an jedem Ort auf dem Land antreffen können. Stadtmenschen können über den Film lachen und den Kopf schütteln, Landmenschen, wie ich es einer bin, werden die Mitmenschen erkennen in ihrer Sinnlosigkeit, in ihrer Tragik und naiven Aussichtslosigkeit. Jeder Charakter passt und jeder von uns Zuschauern kennt die eine oder andere dargestellte Person, vielleicht erkennt man sich auch selbst mit seinen leeren Sprüchen und nutzlosen Handlungen.

Ich habe mich köstlich amüsiert und ich war peinlich berührt, wie genau Hader seinen Mitmenschen aufs Maul geschaut hat. Vielleicht braucht man eine gewisse Reife, um den Witz in der Trostlosigkeit des Landes zu erkennen. Es tat weh diese Personen zu sehen und es tat auch weh, wenn einen selbst der Spiegel vorgehalten wird. Und der Spruch „Des is Gin Tonic. Gin Tonic is ka Alkohol.“ ist in den Wortschatz unserer Familie eingegangen.

Ich habe die Vorpremiere in München gesehen und werde nun mir den Film in meinem Lieblingskino Scala Fürstenfeldbruck noch einmal ansehen. Der Film lohnt sich.

Herr der Kaijū-Monster: Godzilla-Sammler Detlef Claus

1. April 2024

Im Moment ist wieder Godzilla in aller Munde: Der Überraschungserfolg von Godzilla minus one in den Kinos, der Oscar für die Spezialeffekte und in Kürze startet der nächste Teil des Monsterverse Godzilla vs Kong – the new Empire. Und diese Erfolgswelle des japanischen Monsters nutzt Sammler Detelf Claus, der sein dritten Buch über die japanischen und asiatischen Monster im Eigenverlag veröffentlicht hat. Sein Buch Monster and Science Fiction Poster Art ist ein Paradies für Sammler, Fans und Fanatiker der Kaijū und Artgenossen.

Zeit also für ein ausführliches Videointerview mit Detlef Claus über seine Sammelleidenschaft, seine Bücher und seine Faszination zu sprechen. Zudem veranstaltet er einmal im Jahr ein Monstertreffen in seiner Heimatstadt Uelzen.

Detlef Claus ist Godzillafan seit über 50 Jahren und diese asiatischen Monster haben ihn so begeistert, dass ich 1998 mein erstes Buch dazu mit Rolf Giesen veröffentlicht habe. Das zweite Buch Asiatische Monster und Science Fiction Filme folgte dann 2011 mit dem nahezu gesamten Kinowerbematerial, welches jemals in Deutschland seit 1956 produziert worden ist. Und nun hat er sein drittes Asian Monster and Science Fiction Poster Art zu diesem Thema rausgebracht und zeige darin viele Kinoplakate aus Europa und anderen Teilen der Welt. Wie verschiedene Sammler bestätigen, hat Detlef Claus wohl die größte Kinoplakatsammlung Europas zu diesem Filmbereich.

Gedanken zu Fritz Wepper in Die Brücke (1959)

28. März 2024

Mein erster Anti-Kriegsfilm war meiner Erinnerung nach die Brücke von Bernhard Wicki. Ich hab den Film bei meinem Onkel auf Betamax gesehen und kaufte mir später eine Lasedisc von diesem erschütternden Film. Laserdisc hießt damals noch Bildplatte. Heute habe ich die Bluray.

Der Inhalt des Films erschütterte mich: Jungs, vom Nazi-Regmie verblendete Milchbubis, verteidigen im Zweiten Weltkrieg eine strategisch wertlose Brücke und beißen zumeist jämmerlich ins Gras. Nur Albert, gespielt von Fritz Wepper, überlebt das sinnlose Gefecht. Der junge Fritz Wepper war damals gerade mal 17 Jahre alt und spielt unglaublich überzeugend.

Nun verstarb der beliebte Schauspieler Wepper mit 82 Jahren. Wepper spielte viel im Kino, noch mehr im Fernsehen, aber rückblickend sind mir vor allem der Anti-Kriegsfilm Die Brücke in Erinnerung geblieben.

Gedreht wurde der Film 1959 an der Brücke über einem Nebenarm des Fluss Regen beim „Biertor“ in Cham (Bayern, Oberpfalz). Ich wollte mir die Originalbrücke einmal ansehen, aber sie wurde abgerissen. Für den Film wurde Bernhard Wicki mit Preisen überhäuft, nicht zuletzt bekam er das Prädikat besonders wertvoll. Für mich eröffnete Die Brücke das Genre des Anti-Kriegsfilms und für Fritz Wepper ebnete sich der Weg in die nationale und internationale Filmwelt. Was so ein kleiner Film alles ausmacht.

Übrigens, kleiner Film. Eine kleine Nebenrolle, die mir auch im Gedächtnis blieb und sich mir bis heute einprägte war nur am Rande zu sehen. Vicco von Bülow (Loriot) spielte einen Stabsfeldwebel und rief am Telefon immer das Codewort Bienenkorb. Das Wort wird innerhalb unserer Familie verwendet, wenn jemand nicht erreichbar ist.

Filmrkitik: Chantal im Märchenland – es ist wie Twitter

26. März 2024

Die Pennäler-Reihe Fack ju Göhte wurde bis zum dritten Teil totgeritten, da wurde es für die Constantin Zeit, mit eine Spin-off die Kuh weiter zu melken. Herausgekommen ist nun Chantal im Märchenland als neues Zugpferd der Reihe. Als ich die Pressevorführung in München.verließ, baute die Constantin gerade zum abendlichen Premierenevent im Mathäser-Kino auf.

Als mich eine freundliche Dame vom Verleih bat, eine kurze Kritik zu Chantal im Märchenland abzugeben, fiel mir ein: Wenn ich im Duden unter Zeitverschwendung nachschlage, dann werde ich einen Artikel zu Chantal im Märchenland finden. Sicherlich wird Constantin diesen Satz nicht für die PR nutzen.

Ich bin ja ein positiv eingestellter Mensch, aber den Film durchzuhalten, fiel mir wirklich schwer. Die Kreativen haben in dem Film alles reingepackt an schnellen Gags, dummen Sprüchen, Social Media-Sprech, Fäkalsprache, Unterschichtenwortschatz, zweifelhaften Jugendjargon damit der Film satirisch überzeichnet sein sollte, aber bei mir zündet Chantal nicht. Und es ist unerträglich viel Produktwerbung vorhanden von einer Burgerkette und einem Smartphone-Hersteller.

Der Film wird natürlich sein Publikum finden, nicht zuletzt durch die gigantische Werbemaschinerie, aber es ist kein unterhaltsamer Film geworden, es sind ganz schöne Längen vorhanden. Er ist sprunghaft und in erster Linie biedert er sich der gewünschten Zielgruppe an. Hinzu kommt noch der moralisierende Zeigefinger, wahrscheinlich damit man großzügig die Filmförderung abgreifen kann.

Der Inhalt
Um was geht es? Chantal versucht sich immer noch als Influencerin, jedoch ohne Follower. Eines Tages geraten sie und ihre beste Freundin Zeynep durch einen antiken Zauberspiegel, den sie für ein Social-Media-Gimmick halten, in die Märchenwelt. Chantal sieht ihre Chance, besten Content zu generieren. Jedoch stellen beide fest, dass die Welt der Märchen ihre eigenen Tücken hat. Auf dem Weg zurück nach Hause treffen sie unter anderem Prinzessin Amalia, die gar nicht davon träumt, verheiratet zu werden, den sensiblen Prinzen Bosco, der unter Identitätsproblemen leidet, und Aladin, der noch nie etwas von einem fliegenden Teppich gehört hat.

Im Grunde ist es eine Zitatenreise durch die Grimmsche Märchenwelt und die Welt der Popkultur. Dornröschen, Prinzessin auf der Erbse, Schneewittchen, die sieben Zwerge, Hänsel und Gretel, Aladin, aber auch Games of Thrones, König der Löwen, die Artus-Sage und vielleicht sogar Smaug kommen vor. Anleihen bei der Musik von Richard Wagner waren ebenso zu finden, wie die großen Zitate aus der VFX-Welt, die großartig gemacht wurde. Es gibt eine Szene, bei dem eine angekettete Schreibfeder den Verfasser eines weichspühlten Märchens verprügelt. Hätte sie das bitte mit den Produzenten des Films gemacht, vielleicht wäre ein besserer Film herausgekommen.

Dabei geben die Schauspieler wirklich ihr Bestes: Jella Haase spielt die Chantal gewohnt hervorragend und als beste Nebendarstellerin hat mir Nora Tschirner als Hexe bzw. Hebamme am besten gefallen. Bei den Hexenszenen kam wenigstens so etwas wie Atmosphäre auf. Lachen musste ich bei Jasmin Tabatabai als Geist der Wunderlampe. Wahrscheinlich wird die Zielgruppe den Witz nicht verstehen: So heißt bei Disneys Aladdin die Prinzession auch Jasmin.

Vielleicht springt es Chantal selbst auf den Punkt: „Das ist nicht Instagram, das ist wie Twitter.“ Und wir wissen ja, was Elon Musk aus Twitter gemacht hat.

Erinnerungen an Lichtrenner: LEGO 21314 Ideas TRON: Legacy

17. März 2024

Ich hab es damals einfach verschlafen und heute habe ich meine Frau versprochen, dass ich mir kein Lego ohne ihre Zustimmung kaufe. Aber toll finde ich es schon, als ich das Set LEGO 21314 Ideas TRON: Legacy gesehen habe.

Ich mag Tron und auch die Fortsetzung TRON: Legacy und ich habe gelesen, dass Tron nun fortgesetzt werden soll. Die Idee eines Menschen in einem Computer als Programm finde ich faszinierend. Auf der Suche nach Infos über den Dreharbeiten für den neuen Film bin ich auf LEGO 21314 Ideas TRON: Legacy aus dem Jahre 2018 gestoßen und mein Herz schlug höher. Das Set enthält 2 baubare Lichtrenner für Sam Flynn und Rinzler sowie einen TRON-Raster bzw. eine Stellplatte. Sam Flynns Lichtrenner verfügt über einen Minifigur-Sitz, authentische Funktionen und verschiedene durchsichtig-blaue Lichtelemente. Es gab auch mal ein Videospiel zu diesem Thema, das ich gerne gespielt habe. Ob sich das Lego Set zum Spielen eignet, weiß ich nicht. Der Sammler hat in der Regel eine geschlossene Verpackung und eine offene zum Spielen und Anschauen.

Das ganze Set ist 306 Gramm leicht und hat läppische 230 Teile. Für den Aufbau braucht man etwa 15 Minuten als Lego-Profi. Der heutige Preis von rund 60 Euro ist absolut nicht gerechhtfertig und Wucher, kommt aber wohl aufgrund der Lizenzgier von Disney zustande. Das Set war bei Erscheinen im Jahre 2018 wohl noch teuerer.

American Werewolf – Matinee am Sonntag, 17. März im Scala

16. März 2024

Werwölfe hatten es im Film immer schwer. Hinter dem haarigen Monster verbirgt sich seit Jahrhunderten eine tiefe Geschichte von Ängsten und Unsicherheit. Werwölfe sind eine Allegorie auf Pubertät, Menstruation, das Verdrängen eines nicht-konformen Teils des eigenen Seelenlebens oder Furcht gegenüber chronisch Kranken. Das Thema ist wunderbar facettenreich und gruselig, aber die Schwierigkeiten stellten sich spätestens beim Make-up und den Verwandlungsszenen ein. Es konnte schnell lächerlich wirken und dann ist der ganze Grusel dahin.

Natürlich gibt es den Klassiker Der Wolfsmensch (Originaltitel: The Wolf Man) mit einem großartigen Lon Chaney Jr. aus dem Jahre 1941. Hammer lieferte mit Der Fluch von Siniestro 1961 mit Oliver Reed als Wolf auch einen originellen Film ab.

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Make-up-Technik einen Schritt weiter und es kam zu Wolfen (1981), das Tier (1981) und zu meinem persönlichen Highlight American Werewolf von John Landis. Gerade dieser Film ebnete den Weg für viele großartige Filme wie den hervorragenden Zeit der Wölfe (1984) oder Pakt der Wölfe (2001). Es gab zudem Serien wie Underworld oder Buffy, Auftritte in Harry Potter, Klamauk in Teen Wolf (bitte nur den Teil 1 ansehen) und zahlreichen Zeichentrickfilme.

Phantastische Matinee im Scala Kino
In meiner phantastischen Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck bespreche und zeige ich am Sonntag 17. März American Werewolf. Der Filmklassiker versteht es auch Jahrzehnte später, die Waage zwischen Horror, schwarzem Humor und Gesellschaftskritik zu halten. Für das spektakuläre Make-up gab’s sogar einen Oscar. Karten für die Matinee gibt es hier.

Amerikaner in England
„American Werewolf“ folgt zwei amerikanischen Rucksacktouristen, David und Jack, die während ihres Besuchs in England von einem Werwolf angegriffen werden. Jack wird getötet, während David überlebt, aber als Werwolf erwacht. Die Handlung dreht sich um Davids zunehmende Isolation und Verzweiflung, als er versucht, seine Taten zu verstehen und zu kontrollieren, während er sich in einen blutrünstigen Werwolf verwandelt. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, besonders David, dessen emotionale Reise und innere Konflikte das Herzstück der Geschichte bilden.

Perfektes Team John Landis und Rick Baker
John Landis schafft eine düstere und bedrohliche Atmosphäre, die durch die malerische Kulisse der englischen Landschaft verstärkt wird. Die Kombination aus gruseligen Waldszenen und düsteren Londoner Straßen verleiht dem Film eine unheimliche Stimmung. Die Verwendung von Licht und Schatten trägt zur Spannung bei und verstärkt die Schreckmomente des Films.
Ein herausragendes Merkmal des Films sind die innovativen Spezialeffekte und das Make-up von Rick Baker.

Die Transformationsszene, in der David sich zum ersten Mal in einen Werwolf verwandelt, ist bahnbrechend und bis heute beeindruckend. Baker gelingt es, die physische und emotionale Qual der Verwandlung realistisch darzustellen, was den Horror des Moments verstärkt. Rick Baker ist ein Pionier auf dem Gebiet der Spezialeffekte und Make-up-Kunst. Seit den 1970er Jahren hat er die Filmindustrie mit seinen innovativen und bahnbrechenden Arbeiten geprägt. Seine Kreationen haben neue Standards für Realismus und Kreativität gesetzt und zahlreiche andere Künstler inspiriert. Frühe Masken von ihm wären in King Kong (1976), Star Wars (1977) oder Teufelskreis Alpha (1978) zu sehen. Pop-Ikone Michael Jackson war von dem Meisterwerk ‚American Werewolf so begeistert, dass ihn Baker im Kult-Video ‚Thriller‘ persönlich verunstalten durfte. Baker beschrieb seine Kunst Einmals so: „Man sieht das Ding, das vorher nur als Idee im Kopf herum spukte, real und lebendig werden. Das ist wahnsinnig aufregend und in gewisser Weise fühle ich mich dabei wie Dr. Frankenstein.“

Humor im Horrorfilm
Obwohl ich Humor in Horrorfilmen eigentlich nicht mag, hier passt er. Landis spielt geschickt mit den Erwartungen des Publikums und wechselt zwischen gruseligen und komischen Momenten. Dies verleiht dem Film eine schöne Atmosphäre, die sowohl Spannung als auch Unterhaltung bietet.

Humor im Horrorfilm
Obwohl ich Humor in Horrorfilmen eigentlich nicht mag, hier passt er. Landis spielt geschickt mit den Erwartungen des Publikums und wechselt zwischen gruseligen und komischen Momenten. Dies verleiht dem Film eine schöne Atmosphäre, die sowohl Spannung als auch Unterhaltung bietet.
John Landis hat sich in einer Vielzahl von Genres bewährt, darunter Komödie, Horror, Action und Musikfilm. Sein Talent erstreckt sich über verschiedene Stile und Themen, was seine Vielseitigkeit und sein Können als Regisseur unterstreicht. Landis hat eine Reihe von Kultfilmen geschaffen, die das Filmlandschaft geprägt haben. Dazu gehören Filme wie „Blues Brothers“ (1980), „American Werewolf“ (1981) und „Trading Places“ (1983). Diese Filme sind nicht nur kommerziell erfolgreich, sondern haben auch einen bleibenden Einfluss auf die Popkultur und werden von uns Fans weltweit geschätzt. Landis‘ Regiearbeit zeichnet sich durch seine innovative Inszenierung, sein Gespür für Timing und seine Fähigkeit aus, das Beste aus seinen Schauspielern herauszuholen. Er beherrscht die Kunst, Spannung und Humor zu mischen, was zu unterhaltsamen und fesselnden Filmen führt.

Besonders in Horrorfilmen hat Landis seine Spuren hinterlassen. „American Werewolf“ gilt als Meisterwerk des Horrorgenres und hat neue Maßstäbe für Spezialeffekte und Make-up gesetzt. Sein Beitrag zur Horrorfilmgeschichte wird auch durch Filme deutlich wie „Twilight Zone: The Movie“ (1983) und „Bloody Marie – Eine Frau mit Biß (Innocent Blood) (1992)“, der aber gegenüber American Werewolf deutlich abfällt.
Also ich freue mich auf euch am Sonntag, 17. März im Scala. Um 10:45 Uhr geht es los. Karten gibt es hier.