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Konzertkritik: Kraftwerk in München 2025

21. Dezember 2025

Kraftwerk in München und es ist für mich eine Selbstverständlichkeit hier dabei zu sein. Begleitet wurde ich von einer begeisterten Tochter, die Ehefrau blieb navh verschiedenen Kraftwerk-Konzerte zu Hause beim Plätzchenbacken.

Der Sound im Zenit war großartig, ebenso wie bei meinem letzten Konzert von Kraftwerk in Stuttgart. Kraftwerk gelten seit Jahrzehnten als Pioniere der elektronischen Musik, die Klang und Technologie zu Kunst verschmolzen haben. Gegründet 1970 in Düsseldorf, schuf das Kollektiv um Ralf Hütter und (bis zu seinem Austritt) Florian Schneider visionäre elektronische Klangwelten in ihrem legendären Kling-Klang-Studio. Bereits Mitte der 1970er erlangten sie internationale Anerkennung für ihren revolutionären Sound und ihre Experimente mit Robotik und neuen technischen Innovationen. Alben wie Autobahn (1974) brachten deutsche Elektronik-Klänge unerhört in die internationalen Charts, Radio-Aktivität (1975) thematisierte das Thema Kernkraft, Trans Europa Express (1977) feierte futuristische Mobilität, und Die Mensch-Maschine (1978) definierte das Bild der Symbiose von Mensch und Technik in der Popkultur. Mit Computerwelt (1981) antizipierten Kraftwerk die digitale Gesellschaft und übten subtile Kritik an der Datenüberwachung – lange bevor diese Themen Mainstream wurden.

Jeder dieser musikalischen Meilensteine transportierte Ideen ihrer Zeit und prägte künftige Musikergenerationen. So wurde etwa der treibende Beat von „Trans Europa Express“ zur Blaupause für Afrika Bambaataas Hip-Hop-Klassiker Planet Rock, und sogar Coldplay entlehnten sich eine Melodie von Kraftwerk für ihren Hit „Talk“. Diese Beispiele verdeutlichen, wie musikalische Ideen von Kraftwerk weit über ihr eigenes Schaffen hinaus weitergetragen wurden – ein direkter Beleg für das Motto „Musik als Träger von Ideen“.

„Musik als Träger von Ideen“
Und es erwischte mich am Konzertende wieder voll. Die Zeile „Es wird immer weitergehn: Musik als Träger von Ideen“ stammt ursprünglich aus dem Song „Techno Pop“ (1986) und ist weit mehr als ein Liedtext – sie ist zu einem Leitsatz des Kraftwerk’schen Schaffens geworden. Wie der Musikjournalist Michael Döringer anmerkt, „sagt diese Textzeile alles aus über das Musikverständnis der Düsseldorfer Elektronikpioniere“.

Ich stehe in der Halle und mir wieder schlagartig wieder bewusst, welche enorme künstlicherische Kraft von Kraftwerk ausgeht. Kraftwerk wussten genau um die gesellschaftliche Kraft der Musik und darum, „was Kunst alles sein kann“. In ihrer Vision ist Musik kein bloßer Hintergrundklang, sondern ein Medium für Ideen, Botschaften und Visionen. Der Ausspruch impliziert, dass musikalische Innovation und Inspiration niemals stagnieren – Ideen werden immer weitergetragen, von einer Generation zur nächsten, von einem Genre ins nächste.

Diese Haltung spiegelt sich im Werk der Band wider. Kraftwerk haben konsequent den Zeitgeist reflektiert und in ihren Stücken verarbeitet. Oft wirkten ihre Songs wie klangliche Essays zu Themen der modernen Zivilisation: „Radioaktivität“ etwa beleuchtete 1975 wissenschaftlich-neutral die Wunder der Kernenergie, wurde aber später – nach Tschernobyl und Fukushima – live in einen eindringlichen Appell gegen radioaktive Gefahren umgewandelt (“Stoppt die Radioaktivität!”). Hier zeigt sich Musik als Träger einer sich wandelnden Idee: von naiver Faszination hin zu mahnender Verantwortung.
Ähnlich verknüpfte „Trans Europa Express“ Fortschrittseuphorie mit kultureller Reflexion, wenn Europas neue Verbundenheit im Hochgeschwindigkeitszug besungen und zugleich der Bogen zu Kunstikonen wie Iggy Pop und David Bowie geschlagen wird. Kraftwerk demonstrieren damit, dass Musik Bedeutung transportiert – sei es als Feier technologischer Utopien, als Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen oder als Bewahrer kultureller Erinnerungen.

Philosophisch knüpft diese Sichtweise an den Gedanken an, dass Kunst eine transformative Kraft besitzt. Seit jeher haben Denker Musik eine besondere Fähigkeit zugeschrieben, Ideen auszudrücken und Menschen innerlich zu bewegen. Kraftwerk führen dies im Kontext des elektronischen Zeitalters fort: Ihre Musik, so minimalistisch die Texte oft sind, vermittelt Konzepte von Fortschritt und Mensch-Maschine-Beziehung, von Urbanität und Natur, von Euphorie und Nachdenklichkeit. Die Textzeile „Musik als Träger von Ideen“ unterstreicht, dass jeder Klang, jeder Beat mehr bedeuten kann – nämlich eine Idee transportieren, die beim Hörer resoniert und einen Denkprozess auslöst. Gerade in der heutigen digitalen Welt – der Welt, die Kraftwerk mit ihren „Zukunfts-Visionen“ gewissermaßen den Soundtrack geliefert haben – behält diese Maxime ihre Gültigkeit.

Musik bleibt ein Vehikel, um Ideen in die Zukunft zu tragen. Und Kraftwerk selbst sind der lebende Beweis: Noch 50 Jahre nach Bandgründung lässt ihr Gesamtkunstwerk keinen Zweifel daran, dass diese Überzeugung Bestand hat. Ihre Klänge und Botschaften haben Generationen von Künstlern beeinflusst und ganze Genres hervorgebracht, von Synth-Pop über Techno bis Industrial und Hip-Hop .

Technologie, Kunst und kulturelle Entwicklung in Einklang
Schon früh erhoben Kraftwerk Technologie und moderne Ästhetik zur Kunstform. In einer Zeit, als Rock und Jazz dominierten, suchten sie bewusst nach einer neuen, deutschen Klangsprache jenseits angloamerikanischer Vorbilder. Sie integrierten technische Geräte – Synthesizer, Drum-Computer, Vocoder – als gleichberechtigte kreative Instrumente und gestalteten damit einen völlig neuartigen, minimalistisch-präzisen Sound. Damit wurden sie nicht nur Musiker, sondern Ingenieure einer audiovisuellen Zukunftsvision. Die Verbindung von elektronischer Musik mit visueller Kunst ist ihnen inhärent: Kraftwerk-Konzerte sind legendär für ihre streng durchgestalteten Projektionen, Computeranimationen und die ikonische Roboter-Ästhetik. Jede Show wird zum Gesamtkunstwerk aus Klang und Bild, in dem die Grenzen zwischen Konzert und Kunstinstallation verschwimmen. Diese multimediale Präsentation knüpft an das Konzept der Gesamtkunstwerk-Idee an, wie sie in der europäischen Kunsttradition (etwa bei Wagner) formuliert wurde, und übersetzt es ins digitale Zeitalter.

Damit schlagen Kraftwerk eine Brücke von der Popkultur zur Hochkultur. Längst werden sie in einem Atemzug mit bildenden Künstlern genannt – ihre minimalistische, konstruktivistische Gestaltung von Klang und Auftreten brachte ihnen Ausstellungen in Museen und Kunsthallen weltweit ein . Vom New Yorker MoMA (2012) über die Tate Modern bis zur Neuen Nationalgalerie Berlin haben Kraftwerk ihre Werke in renommierten Kunststätten präsentiert  – Anerkennung dafür, dass ihre audiovisuelle Performance als kulturelles Erbe und Kunstform anerkannt ist. Die Band selbst inszeniert sich dabei als Teil ihrer Kunst: anonymisierte Akteure in identischen Anzügen, die Idee der „Mensch-Maschine“ verkörpernd. Ralf Hütter und seine Kollegen sprechen oft von sich als Musik-Arbeiter; der individuelle Künstler tritt zurück hinter die Konzeptfigur des avancierenden Technikers-Musikers. Hier manifestiert sich der philosophische Gedanke, dass in einer technologischen Welt die traditionelle Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt – ein Leitmotiv, das Kraftwerk künstlerisch durchdekliniert haben.

Die kulturelle Entwicklung, die Kraftwerk angestoßen haben, ist kaum zu überschätzen. Indem sie elektronische Klänge salonfähig machten und deren ästhetische Tiefe aufzeigten, ebneten sie den Weg für ganze Subkulturen. Ihre Musik war Träger einer Idee von Zukunft, die in unterschiedlichen Regionen auf fruchtbaren Boden fiel – Detroit etwa empfing via Radio Kraftwerks maschinelle Rhythmen als Inspirationsquelle und gebar daraus den Techno der zweiten Generation. In Europa wie in den USA veränderten junge Künstler ihr Schaffen, nachdem sie Kraftwerk gehört hatten – viele nennen es bis heute ein Erweckungserlebnis. So gesehen, fungierte Kraftwerks Œuvre selbst als Träger von Ideen, die andere weiterführten. Technologie, Kunst und Kultur sind in ihrem Werk untrennbar verwoben: Jedes Kraftwerk-Album reflektiert technische Errungenschaften und deren Einfluss auf den Menschen, präsentiert in künstlerischer Form, und beeinflusst wiederum die Kultur, indem es neue Denkanstöße liefert. Im Zeitalter von KI wäre ein weiteres Statement von Kraftwerk wünschenswert.

Live-Performance als Vision
Besonders deutlich erfahrbar wird Kraftwerks Motto im Live-Konzerterlebnis – etwa beim jüngsten Auftritt der Band in München im Zenith. Wenn die vier Musiker in ihren futuristischen Anzügen hinter Pulten stehen und die ersten elektronischen Klänge ertönen, verwandelt sich der Ort in einen anderen Raum: Als die Lichter erlöschen, ist es, als würde eine Zeitmaschine anspringen. Das Publikum taucht ein in eine digitale Kathedrale aus Klang und Licht. Die Bühne erweckt den Eindruck einer Zeitreise durch Kraftwerks Gesamtkatalog und darüber hinaus – eine Reise durch Vergangenheit und Zukunft, in der nostalgische Elemente nahtlos in eine immerwährende Gegenwart übergehen. Hier wird keine müde Nostalgie gefeiert; stattdessen entfaltet sich eine musikalische Vision, „die nie an Aktualität verloren hat“. Die Beats kommen glasklar und präzise aus den Boxen, doch trotz aller elektronischen Kühle schwingt eine gewisse Wärme und Menschlichkeit mit, die Kraftwerks Sound zeitlos faszinierend macht.

Kraftwerks Live-Performance ist streng durchchoreografiert und doch emotional mitreißend. Die Musiker selbst agieren betont statisch – Interaktion in klassischem Rock-’n’-Roll-Sinn findet kaum statt; die wenigen gesprochenen Worte (etwa die Begrüßung oder eine Widmung) kommen verzerrt aus dem Vocoder. Weil es Weihnachten ist, gab es eine Widmung an Ryūichi Sakamoto mit Merry Christmas Mr. Lawrence. Sakamoto lieferte auch den japanischen Text zu Radioaktivität. Was für eine Verbeugung von dem 2003 verstorbenen Sakamoto, den Kraftwerk 1981 bei ihrem ersten Tokyo-Konzert trafen.

Diese demonstrative Unnahbarkeit lenkt den Fokus ganz auf die Inhalte, die visuell und akustisch vermittelt werden. Über riesige Projektionsflächen laufen synchronisierte 3D-Animationen: leuchtend grüne Zahlenkolonnen bei „Nummern“, eine endlose Autobahn bei „Autobahn“, DNA-Helices bei „Vitamin“ oder Geigerzähler-Symbole bei „Radioaktivität“. Zu letzterem Song etwa wechseln die Warnzeichen auf den Bildschirmen bedrohlich von Gelb auf Rot und mahnen vor atomarer Gefahr, während die Musik düster und eindringlich wird – ein Gänsehautmoment der Reflexion über Verantwortung in der Technikwelt. Man spürt, wie politisch und relevant Kraftwerk immer noch sind, wenn plötzlich inmitten der mitreißenden Elektronik solche nachdenklichen Töne angeschlagen werden. Das Publikum verstummt in diesen Augenblicken spürbar, bevor es im nächsten Moment von hypnotischen Rhythmen wieder mitgerissen wird.

Auffällig ist die generationenübergreifende Wirkung der Show. Im Zenith stehen bei einem Kraftwerk-Konzert Menschen jeden Alters nebeneinander: grauhaarige Ersthörer der 70er neben jungen Techno-Fans, Familienväter neben ihren staunenden Kindern (so einer war ich). Diese Vielfalt im Publikum – „von jung bis alt, von Nerd bis Tänzer“ – zeigt, wie zeitlos und verbindend Musik sein kann. Für die Dauer des Konzerts verschwinden die Unterschiede: Musik als universeller Träger verbindet die Menschen direkt. Man beobachtet, wie bei Klassikern wie „Computerwelt“ oder „Autobahn“ die Menge unwillkürlich im Takt schwingt – die Menge wiegt sich im Takt, von den ersten Reihen bis zu den hinteren Stehplätzen. Es ist, als verschmelze der Puls der Stadt mit dem der Musik: Die Live-Elektronik wird zum kollektiven Herzschlag aller Anwesenden. Hier erfüllt sich spürbar, was der Kraftwerk-Slogan verheißt – eine Idee vereint durch Musik.

In den ekstatischen Momenten, etwa wenn in der Zugabe „Die Roboter“ ertönt, steigert sich dieses Gemeinschaftsgefühl weiter. Obwohl die Musiker selbst fast regungslos bleiben, ist plötzlich alles in Bewegung: „Visuals, Musik, Publikum – für einen Moment scheint es, als wären wir alle Teil einer großen Choreografie – Mensch und Maschine, vereint im Rhythmus“ . Diese Szene lässt erahnen, was Kraftwerk mit der Mensch-Maschine-Idee künstlerisch intendieren: Die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum, zwischen Performer und Publikum, verschwimmt. Im Gleichschritt mit den Maschinenrhythmen tanzen alle als Einheit – ein symbolischer Augenblick, in dem Musik buchstäblich zur gemeinsamen Sprache wird, welche die Trennung zwischen Mensch und Technologie aufhebt. Man kann hier von einer fast rituellen Erfahrung sprechen, in der die Transformation unmittelbar erlebt wird: Musik transformiert die Menschenmenge zu einem Kollektiv, die Konzerthalle zum visionären Raum.

Am Ende des Abends schließlich wird das Motto „Es wird immer weitergehen…“ in einer letzten Geste greifbar. Nach rund zwei Stunden verabschieden sich die Musiker nämlich während noch der Sequencer pulsiert: Bei „Musique Non Stop“ verlässt einer nach dem anderen mit einer Verneigung die Bühne, doch die Musik läuft weiter. Die Maschine spielt unbeirrt alleine weiter, als hätte sie ein Eigenleben: Die Maschine spielt weiter, auch wenn der Mensch die Bühne verlässt. Dieser Schlussmoment, in dem die letzten Projektionen flimmern und Kraftwerk im Dunkel verschwinden, lässt das Publikum mit einem tiefen Eindruck zurück. Viele Zuschauer bleiben noch eine Weile stehen, benommen und erfüllt von dem Erlebten. Die Botschaft ist klar spürbar: Die Ideen, die Kraftwerk durch ihre Musik in die Welt gesetzt haben, klingen über den Auftritt der physischen Personen hinaus fort. Die Musik als Träger von Ideen setzt ihren Weg fort – zeit- und ortsunabhängig.

Visionäres Vermächtnis im Konzertformat
Der Auftritt von Kraftwerk – sei es im Münchner Zenith 2025 oder an einem anderen Ort – erweist sich als weit mehr als nostalgische Konzertreise. Er gleicht eher einer kulturellen Reflexion in Echtzeit, einem Nachdenken über Technik, Kunst und Menschlichkeit, verpackt in mitreißende audiovisuelle Performance. Kraftwerk demonstrieren mit jedem Track, dass ihre Maxime „Musik als Träger von Ideen“ gelebte Realität ist: Musik kann unterhalten und zugleich tiefgründige Ideen vermitteln, sie kann Vergangenheit und Zukunft verknüpfen und Menschen jeden Hintergrunds zusammenbringen. Die philosophische Tiefe des Kraftwerk-Zitats zeigt sich nicht nur in ihren Studioalben, sondern intensiv auf der Live-Bühne – dort, wo das Publikum Teil des Gesamtkunstwerks wird und am eigenen Leib erfährt, was die Mensch-Maschine-Symbiose bedeutet.

Noch heute, nach über fünf Jahrzehnten, wirkt Kraftwerks Kunstvision frisch und zukunftsgewandt. Ihr Konzertabend in München führte das eindrücklich vor Augen: Hier stand ein Stück Musikgeschichte in Form von vier regungslosen Gestalten auf der Bühne – doch was aus den Lautsprechern und Leinwänden strömte, war lebendige Gegenwart und vorweggenommene Zukunft zugleich. Es ging immer weiter: von den experimentellen Anfängen bis in die digitale Gegenwart hat Kraftwerks Musik Ideen transportiert und Transformation bewirkt. Und es wird immer weitergehen – denn die Ideen leben in der Musik weiter, ob auf Vinyl, in digitalen Samples oder in den Köpfen und Herzen eines begeisterten Publikums. Kraftwerk haben der Welt eine Philosophie des Klangs hinterlassen, die in jedem Konzert neu aufblüht: Musik als Träger von Ideen, gestern, heute und morgen.

Neo – der Traum vom eigenen Haushaltsroboter rückt näher

3. November 2025

Ich bin fest davon überzeugt, dass die nächste Innovation in der Robotik liegt. Als kleines Hobby habe ich zum Leidwesen meiner Frau Spielzeugroboter und lese gerade, dass der Haushaltsroboter in Menschenform mit Namen Neo sich vorbestellen lässt. Zur Beruhigung meiner mitlesenden Gattin stelle ich klar. Ich werde mir den Neo nicht bestellen. Zum einen kostet das Ding noch 20.000 US-Dollar, zum anderen ist der Handlungsrahmen des Roboters noch äußerst begrenzt. Bestellungen bitte hier. Aber wie heißt es: Der Weg ist das Ziel.

Der Haushaltsroboter Neo des US-norwegischen Unternehmens 1X Technologies gilt als ein vielversprechender Schritt in Richtung einer neuen Generation von Robotern, die den Alltag im Haushalt aktiv unterstützen sollen. Neo kann bereits vorbestellt werden und soll nach Angaben des Herstellers ab 2026 ausgeliefert werden. Mit einem Preis von rund 20.000 US-Dollar richtet sich das Gerät zunächst an technikaffine Pioniere, die bereit sind, eine noch junge, aber rasant fortschreitende Technologie zu erproben.

Der etwa 1,65 Meter große und rund 30 Kilogramm schwere Roboter ist humanoid gestaltet und soll verschiedenste Aufgaben im Haushalt übernehmen können – vom Aufräumen und Tragen von Gegenständen bis hin zu einfacheren Handgriffen wie dem Öffnen von Türen oder dem Holen einer Wasserflasche. Dank spezieller Gelenkantriebe bewegt sich Neo vergleichsweise geschmeidig und kann Bewegungen ausführen, die menschlichen Handlungen ähneln. Im Inneren arbeitet eine Kombination aus visueller Sensorik und Sprach-KI, die den Roboter in die Lage versetzen soll, seine Umgebung zu verstehen, auf gesprochene Anweisungen zu reagieren und mit den Bewohnern zu interagieren.

Zunächst wird Neo jedoch noch auf Unterstützung durch Fernsteuerung angewiesen sein. Mitarbeiter von 1X können sich online mit einzelnen Geräten verbinden, um komplexe Aufgaben zu trainieren oder Fehler zu korrigieren. Diese Lernphase ist Teil des Entwicklungskonzepts: Durch das Sammeln von Daten und Erfahrungen sollen die Roboter langfristig immer autonomer werden. Aktuell lassen sich erste Geräte mit einer Anzahlung von etwa 200 US-Dollar vorbestellen, wahlweise ist auch ein Abo-Modell im Gespräch.

Mit der Einführung von Neo betritt die Robotik eine neue Phase. Während bislang vor allem spezialisierte Geräte wie Staubsauger- oder Mähroboter den Markt prägten, versucht 1X Technologies, ein vielseitiges, humanoides System zu etablieren. Die Idee dahinter ist klar: Ein Roboter mit menschlicher Gestalt kann sich leichter in bestehende Umgebungen integrieren und Tätigkeiten übernehmen, die an menschliche Bewegungen gebunden sind – beispielsweise das Greifen, Heben oder Bedienen von Alltagsobjekten.

Die technischen Fortschritte der vergangenen Jahre, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, machen diese Vision für mich zunehmend realistisch. Moderne KI-Modelle ermöglichen es Robotern, visuelle Informationen zu interpretieren, Sprache zu verstehen und situationsabhängig zu reagieren. Systeme wie Neo profitieren von der engen Verknüpfung zwischen maschinellem Lernen und Robotik, die es ihnen erlaubt, Erfahrungen zu speichern und selbstständig dazuzulernen.

Gleichzeitig zeigen sich auch die Grenzen der aktuellen Technik. Haushaltsumgebungen sind unübersichtlich, individuell und ständig im Wandel – eine Herausforderung für jede autonome Maschine. Zudem stellen Energieverbrauch, Wartung und Datensicherheit zentrale Themen dar. Die Vorstellung, dass ein Roboter mit Kameras und Mikrofonen durch die eigenen vier Wände navigiert, wird sicherlich nicht von allen Menschen vorbehaltlos akzeptiert.

Trotz dieser Hürden ist für mich der Trend eindeutig: Haushaltsroboter wie Neo markieren den Beginn einer Entwicklung, die in den kommenden Jahren an Fahrt aufnehmen dürfte. Während heute noch vor allem Enthusiasten und Forschungseinrichtungen solche Geräte einsetzen, könnten sie in Zukunft so selbstverständlich werden wie ein Staubsauger oder Geschirrspüler. Mit sinkenden Produktionskosten, leistungsfähigeren Prozessoren und fortschreitender KI-Entwicklung wird Robotik alltagstauglicher, sicherer und zugänglicher.

Neo steht für mich somit exemplarisch für eine Zukunft, in der humanoide Roboter keine Science-Fiction-Figuren mehr sind, sondern reale Alltagshelfer. Noch sind sie langsam, teuer und auf Unterstützung angewiesen – doch ihr Potenzial ist enorm. Wenn sich die Technik weiter in diesem Tempo entwickelt, könnten Roboter in wenigen Jahren nicht nur Routineaufgaben übernehmen, sondern auch zu echten Begleitern werden, die unsere Lebensqualität steigern und uns Zeit für das Wesentliche geben.

Robo-Kämpfer in der realen Welt und via Augmented Reality

5. November 2018

Immer wieder bricht es hervor, mein kleines aber feines Hobby Spielzeugroboter. Ich kaufe zwar kaum noch Exemplare für meine Sammlung hinzu, aber ich verfolge die Entwicklung auf diesem Spielzeugsektor aufmerksam. Ein bis zweimal im Jahr darf ich Seminare zu diesem Thema halten und es ist für mich ein riesiger Spaß. So musste ich grinsen, dass endlich die Welten Roboter und Augmented Reality (AR) zusammenwachsen.
Der britische Hersteller bringt Reach Robotics den MekaMon Berserker V2 auf den Markt. Mit einem völlig neuen AR- und Gamingerlebnis, einem neunen Kampfmodus und einer Spielgeschichte kommt der MekaMon in mein Spielzimmer. Reach Robotics ist ein britisches Technologie-Startup mit Sitz in Bristol.

MekaMon ist ein interessantes Roboterkonzept, wie ich finde. Es ist der weltweit erste echte Gaming-Roboter, der an Kämpfen in der realen Welt teilnimmt und Einzelspieler-Kämpfe in der erweiterten Realität durchführt. Klingt für mich spannend. MekaMon wird vollständig über ein iOS- oder Android Smart-Gerät gesteuert und bietet eine Mischung aus virtuellem und realem Spiel durch Robotik, Gaming und AR.
280 Euro kosten die kleinen Kämpfer der neuen Generation, die allerlei Features integriert haben, darunter 7 Schild- und Waffen-Upgrade-Slots, 4 Infrarotsender/-empfänger und 3 Freiheitsgrade pro Bein. Gerade die Robotik macht es aus, denn es ist nicht ein einfaches Spielzeug, sondern ein hochentwickelter Robi in Kinderhände. Die Spielzeit pro Akkuladung wird vom Hersteller mit 1,5 Stunden angegeben. Dann dürfte auch der Kampf der Roboter geschlagen sein. Wer einen Berserker V2 hat, kann nur in der AR-Welt kämpfen, durch die markerlose AR-Technologie mit ARKit 2 . Wer zwei oder bis zu vier von den Dingern hat, kann in der realen Welt antreten. Mal sehen, ob ich so einen Roboter testen kann – ich werde berichten.

Enttäuschend: Sonderausstellung „Schaufenster Robotik“ im Deutschen Museum

8. Februar 2010
Um es klar vorweg zu sagen: Ich bin enttäuscht von der Sonderausstellung „Schaufenster Robotik“, die noch bis 2011 im Zentrum Neue Technologien des Deutschen Museums München läuft. Bei dieser Sonderausstellung handelt es sich um einen Raum mit ein paar interessanten Exponaten, aber lieblos präsentiert und voller Lücken.
Ich bin ein Fan des Deutschen Museums und unsere Familie ist auch Fördermitglied, weil ich es für wichtig und richtig halte, Wissenschafts- und Technikgeschichte der breiten Masse zugänglich zu machen. Die Technikfeindlichkeit in diesem Land ist zu groß.
Aber diese Sonderausstellung ist hingeschludert. Die Geschichte der Robotor reicht lange zurück, bis ins 16. Jahrhundert. Gerne wird Rabbi Löw und sein Golem als eine der Geburtsstunden der Robotik genannt. Hier hätte das Museum ein paar schöne Aushangfotos oder Filme anbringen können, aber nichts. Es gibt eine Tafel und das war es auch schon. Ach ja Filme: Es gibt Klassiker des SF-Films, bei denen Roboter eine tragende Rolle spielen: Jeder kennt R2D2 oder C3PO, aber auch „Robocop“, Sonny aus „I Robot“, GoRT vom „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ oder die Klassiker Robby aus „Alarm im Weltall“ oder Colossus aus dem gleichnamigen Film oder sondern WOPR aus „War Games“.
Künstliche Wesen haben die Fantasie der Menschen von alters her beflügelt. In den 1960er-Jahren wurden die Vorstellungen über Roboter in Form des Industrieroboters erstmals realisiert. In der Industrie übernahmen sie schwere oder gesundheitsschädliche Arbeiten. Als so genannte Jobkiller wurden sie aber auch zum Dreh- und Angelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion. Mittlerweile sind Roboter aus der industriellen Fertigung nicht mehr wegzudenken. Sie sind aber auch auf dem Vormarsch in nichtindustrielle Bereiche, wie in das Reinigungsgewerbe, die Medizin oder den Sicherheitsbereich. Zu den Einsatzmöglichkeiten im Büro, bei Kranken- und Altenpflege sowie in Haushalten wird intensiv geforscht. Das Deutsche Museum zeigt eine Auswahl von Robotern aus historischen und aktuellen Anwendungsbereichen, aber die Auswahl ist eher bescheiden.
Mir ist es unverständlich, dass im Kinderreich im Keller ein wunderbarer Industrieroboter Autos zusammenbaut und in der Roboterausstellung die meisten Exponate ausgeschaltet herumstehen. Ausnahme waren die Staubsaugrobbis von Kärcher. Ich vermisse leider die iRobots von Roomba. Ein Aibo von Sony lag in der Ecke und in der Vitrine standen ein paar Spielzeuge wie der aktuelle Dino von Pleo, eine schöne Robo-Katze von Yume Neko oder Wowwee-Toys.
Ich hätte so gerne den Fußballroboter Franz in Aktion gesehen, er von 2004 bis 2007 im Team der Uni Freiburg spielte und am Robocup teilnahm. Mehr Liebe, mehr Emotionen hätten dieser kleinen Sonderausstellung gut getan. Mir kommt es lieblos vor. Hier ist mehr drinnen und von einem Technikmuseum wie dem Deutschen Museum erwarte ich da deutlich mehr. Schade.