Posts Tagged ‘Retrocomputer’

Gamescom 2019 – historisch: Computer in der DDR

26. August 2019
Buchautor René Meyer (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange

Buchautor René Meyer (r) im Gespräch mit Matthias J. Lange

Den C64, den ZX 81, den Schneider Joyce kennen viele – gemeinsam haben diese Retromaschinen, dass sie auf der westlichen Seite des eisernen Vorhangs erhältlich waren. Doch wie sah die Computerszene im deutschen Osten aus?

Wenn ich ehrlich bin, kenne ich nur Robotron als DDR-Firma, die Computer herstellte. Meine Verwandtschaft in der DDR hatte wohl  mal an der Uni damit gearbeitet, aber ich habe nie auf einem Robotron getippt. Aber es gab drüben noch viel mehr Maschinen, von denen ich nichts wusste. Bisher, denn diese Wissenslücke schließt jetzt René Meyer mit seinem Buch Computer in der DDR.

Auf der Gamescom 2019 in Köln stellte René Meyer sein Buch vor und wir trafen ihn in der Retro-Halle zum Interviews. Seit Jahren stehe ich mit René via Facebook in Kontakt, persönlich habe ich den Kollegen noch nie. Das sollte sich dieses Mal auf der Gamescom ändern. Mit gelben Hemd und Strohhut zog er durch den Retro-Bereich und ich sprach ihn an. Freundlich die Reaktion, er hatte sogar ein Buch für mich dabei, signierte es und hatte auch kurz Zeit für ein Videointerview mit Lärm der Gamescom. 

Mikroelektronik war einer der Schlüssel des technologischen Fortschritts und des Exports. Auf beides war die DDR angewiesen, um als Industrienation zu überleben. Die Fachleute in Wirtschaft und Politik wussten das sehr genau. Und dieses Ziel wurde mit dem Einsatz hoher Investitionen verfolgt. Dennoch blieb die DDR um mehrere Jahre hinter dem Weltniveau zurück. Die Produkte waren zu teuer und ließen sich nicht in den notwendigen Mengen produzieren. Was erfunden, was produziert und was schließlich die Betriebe und Konsumenten erreichte, davon gibt René Meyer in seinem Buch einen Überblick. Zudem zeigt er auf 145 Seiten wie die nachgebauten Mikroprozessoren, der Bildungscomputer BIC und der Spieleautomat Poly-Play funktionierten. 

Poly-Play in Aktion

Auf der Gamescom gab es u.a. Auch einen Poly-Play zu sehen, in einer seltenen tschechischen Ausgabe. Poly-Play entstand 1984, der auf einem ZX81 und Atari 2600 inspiriert wurden. Der Automat wurde im VEB Poly Technik Karl-Marx-Stadt entwickelt. ES konnten bis zu zehn Spiele auf dem Automaten gespielt werden. Insgesamt wurden 2000 Geräte hergestellt.  

Kostenloses Buch Computer in der DDR

Das Buch Computer in der DDR ist für mich ein wichtiger Beitrag der Technik- und IT-Geschichte und darüber hinaus ein lesenswerter Input zur medialen Kulturgeschichte. 

René Meyer ist ein Profi in der Welt der Videospiele. Über 60 Bücher zum Thema hat bereits veröffentlicht und viele kennen ihn als Betreiber des „Haus der Computerspiele“, einer Wanderausstellung mit über 25.000 Exponaten aus der Geschichte der Computer- und Videospiele. Seine Sammlung von Spielekonsolen wurde in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Für die Gamescom organisierte er die Retro-Halle. 

Signiert vom Autor Buchautor René Meyer

Signiert vom Autor Buchautor René Meyer

Das Buch Computer in der DDR wird kostenlos von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (lzt) abgegeben – Bestellungen hierBestellungen hier. Es werden 5 Euro für den Versand berechnet. René Meyer hat eineinhalb Jahre an dem Buch recherchiert. 

Alles Gute zum Geburtstag: 30 Ausgaben Retro Magazin

10. April 2014

lisa

Jeden Tag gehe ich an meiner Lisa vorbei und streiche behutsam über ihre Kurven. Ich liebe ihre Kurven. Ja, ich mag sie und meine Frau hat in diesem Fall nichts dagegen, obwohl sie nicht Lisa heißt.

Ja ich mag Lisa und meine alten Rechner. Ich bin ein bekennender Retro-Computerfan. Aber ich habe mich gebessert, ich kaufe nur noch ab und zu eine alte Kiste – neulich hätte ich beinahe einen Next Cube gekauft. Aber aus Platzgründen werden solche Investitionen erst einmal verschoben.

Da greife ich lieber zu Retro-Magazinen, in denen Gleichgesinnte über die alten Rechenknechte schreiben. Als Journalist bin ich mit IT vertraut und nutze neue Geräte zum Arbeiten. Ich arbeite mit der neuesten Technik, erinnere mich aber gerne an die alten Zeiten, wie es bei mir begann: C64, ZX 81, Atari 2600 und eben meine Lisa.

Cover-Retro30

Immer wieder nehme ich die Retro-Zeitschriften zur Entspannung in die Hand. Ich bin Leser des Retro Gamers aus dem Heise-Verlag und des Retro Magazins aus dem CSW-Verlag. Soeben ist die 30. Ausgabe des Retro Magazins erschienen und ich freue mich auf die Lektüre. Ich wünsche schon mal hier in aller Form: Alles Gute zur 30. Ausgabe.

In einer Zeit, in der Zeitschriften immer unwichtiger werden und die Auflagenzahlen in den Keller gehen, kann sich seit vielen Jahren ein Magazin gegen den Trend der Zeit behaupten: Von Retro aus dem schwäbischen CSW-Verlag gibt es Positives zu berichten: Das größte, deutschsprachige Magazin für Retro- und Computerspiele-Kultur ist seit 2005 erfolgreich am Markt, die Auflagenzahlen verzeichnen gegen den Branchentrend feste Zuwächse. „Die Mischung aus Emotionen durch Spielklassiker, kombiniert mit der Faszination für aktuelle Computerspiele kommt bei den Lesern sehr gut an“, so Herausgeber Enno Coners. Ich kenne noch Coners aus alten Tagen und er ist Herausgeber der Klassikerreihe um Extraleben, Aus diesem Grund schaut Retro nicht nur in eine rosige Zukunft, sondern hat diese Tage einen besonderes Jubiläum zu feiern: 30 Ausgaben Retro.

Das Hauptthema der 30. Retro-Ausgabe nennt sich „OSTZILLATION – Computer im Osten“. Auf rund 100 Seiten werden Themen wie die Entwicklung des ostdeutschen Spielautomaten Poly-Play, Apple-II Klone aus Bulgarien oder 30 Jahre „Tetris“- Mathematik behandelt. Des Weiteren verrät das Jubiläumsheft, wie man einen Mini- Arcadeautomaten selbst baut, lässt die Geschichte des Rollenspiel-Klassikers „Ultima“ Revue passieren und widmet sich dem Computer Sinclair QL.

Je mehr ich lese, desto mehr überlege ich, wo ich eigentlich mehr Platz her bekomme? Es gäbe da noch so ein paar alte Rechner …