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Die Macht der Kamera – wie Smartphones in Minnesota zum Werkzeug des Widerstands wurden

6. Februar 2026

In Minnesota ist das Smartphone zu einem zentralen Werkzeug des Widerstands gegen die zunehmende Gewalt der U.S.‑Behörde ICE geworden. Nachdem im Januar 2026 innerhalb weniger Wochen zwei Einwohner – Renee Good und der Krankenpfleger Alex Pretti –  von Bundesbeamten erschossen wurden, entstanden überall im Land „ICE Observer“‑Gruppen.

Allein bei einem Online‑Training loggten sich laut Guardian fast 80 000 Personen ein, um zu lernen, wie man ICE‑Einsätze gewaltfrei dokumentiert; innerhalb von 24 Stunden schauten weitere 200 000 Menschen die Aufzeichnung. Teilnehmerschrieben in den Chat, dass sie „ICE aus ihren Gemeinden drängen“ wollten, und eine Einwohnerin betonte, dass man dank der Handy‑Videos „die Wahrheit darüber zeigen kann, was mit Renee und Alex passiert ist“.

Seit den Tötungen haben sich Tausende neuen Beobachtungsgruppen angeschlossen; die bloße Präsenz von Menschen mit Kameras hat laut dem Präsidenten des Stadt­rates von Minneapolis mehrere Entführungsversuche verhindert.

Die juristische Grundlage für das Filmen ist das Erste Verfassungs­amendment der USA. Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation betont, dass jede Person – unabhängig vom Aufenthaltsstatus –  Polizei‑ und ICE‑Beamte bei ihrer Arbeit im öffentlichen Raum filmen darf. Videoaufnahmen seien essenziell, um Beamte zur Rechenschaft zu ziehen und Ungereimtheiten aufzudecken. In den Fällen Good und Pretti widerlegten Amateurvideos die behördlichen Darstellungen: Bei Pretti zeigte eine vom Guardian und Reuters verifizierte Aufnahme, dass er mit erhobener Hand ein Handy hielt und nicht, wie das Heimatschutzministerium behauptete, mit einer gezogenen Waffe auf die Beamten zuging; das Video beweist auch, dass Beamte seine Pistole erst entfernten, bevor sie auf ihn schossen. In Goods Fall zeigte die Handyaufnahme aus mehreren Perspektiven, dass ihr Auto sich von den Beamten wegdrehte, obwohl das Ministerium behauptete, sie habe es als „Waffe“ benutzt.

Screenshot

Die Verbreitung solcher Videos hat die politische Debatte verändert. Der demokratische Generalstaatsanwalt Minnesotas, Keith Ellison, hielt bei einer Veranstaltung sein Handy hoch und sagte, dass alle diese Geräte nutzen müssten – sie seien „bemerkenswert hilfreich“. Seine Amtskolleginnen betonen, dass Handy­aufnahmen ein mächtiges Gegengewicht zur offiziellen Darstellung darstellten, gerade weil Bundesbehörden staatlichen und lokalen Ermittlerinnen den Zugang zu Beweismitteln verweigern. Minnesota hat deshalb eine Online‑Plattform eingerichtet, auf der Bürger Handy­videos von ICE‑Übergriffen hochladen können; solche Aufnahmen werden vor Gericht genutzt, um gegen die Operation „Metro Surge“ des Bundes vorzugehen. Die breite Öffentlichkeit ist sensibilisiert: Auch konservative Amerikaner glauben laut Umfragen immer häufiger, dass die Tötungen nicht gerechtfertigt waren und die beteiligten Beamten strafrechtlich verfolgt werden sollten.

Handykameras sind jedoch nicht nur ein Instrument der Dokumentation, sondern auch Teil eines Propagandakriegs. Die sozialistische Zeitschrift Current Affairs beschreibt, wie ICE‑Beamte gewaltsam Telefone aus den Händen von Beobachterinnen reißen, Menschen zu Boden werfen oder mit Tränengas beschießen und anschließend behaupten, die Demonstrierenden seien die Aggressoren. Donald Trump und seine Verbündeten versuchen, das Filmen als illegal darzustellen und labeln Beobachter als „Terroristen“, obwohl Juristen klarstellen, dass das Gegenteil gilt.

Gleichzeitig setzt ICE auf aggressive PR: Sie schicken Kamerateams zu Razzien, inszenieren dramatische Festnahmen und stellen Migrantinnen als Kriminelle dar; diese Clips werden im Minutentakt in den sozialen Medien verbreitet. Die Behörde rekrutiert zudem rechte Influencer, die Proteste filmen, gezielt eskalieren und die Demonstrierenden als gewalttätige Randalierer darstellen. Recherchen des Magazins Vox zeigen, dass solche pro‑ICE‑Influencer nach der Tötung von Renee Good nach Minneapolis reisten, Proteste begleiteten und riesige Mengen an Inhalten produzierten, die ein trumpfreundliches Narrativ verbreiten. Diese Flut an Inhalten verschiebt den Diskurs; linke Aktivistien haben weniger Ressourcen und Reichweite.

Auch technisch wird aufgerüstet: Die Bürgerrechtsorganisation ACLU warnt davor, dass ICE mit Apps wie „Mobile Fortify“ 200 Millionen behördliche Fotos durchsucht; Beamte können auf ihren Dienst­telefonen Gesichter von Protestierenden scannen und mit Datenbanken abgleichen. Investigative Berichte zeigen, dass ICE mithilfe von Palantir‑Software und Social‑Media‑Monitoring persönliche Daten sammelt und Bewegungsprofile erstellt. Umgekehrt entstehen Apps wie „ICEBlock“, „Red Dot“ und „Eyes Up“, mit denen Bürger ICE‑Trupps lokalisieren oder Videos sicher speichern können. Big‑Tech‑Konzerne wie Apple und Google entfernten diese Anwendungen allerdings nach Druck der Regierung aus ihren Stores, sodass Aktivisten alternative Wege finden müssen.

Die Smartphone‑Bilder haben auch eine kulturelle Dimension: Sie führen zu viralen Memes, in denen Protestierende ICE‑Beamte mit Sandwiches bewerfen oder in Frosch­kostümen auftauchen – eine „lebhafte Verteidigungsstrategie“ in Zeiten, in denen traditioneller politischer Einfluss schwindet. Viele fühlen sich an die sozialen Bewegungen des Arabischen Frühlings oder der Black‑Lives‑Matter‑Proteste erinnert, als soziale Medien Transparenz ermöglichten. Gleichzeitig warnen Journalisten wie Kyle Chayka im New Yorker vor dem „Panoptikum“, denn die gleichen Kanäle, mit denen Aktivistinnen Missstände belegen, werden von der Gegenseite genutzt, um Ziele für Razzien zu identifizieren.

Insgesamt zeigt sich: In den aktuellen Auseinandersetzungen in Minnesota ist das Smartphone weit mehr als ein Kommunikationsgerät. Für Demonstrierende dient es als Auge und Gedächtnis der Bewegung, das Gewaltakte sichtbar macht, Lügen entlarvt und solidarische Netzwerke stärkt. Juristisch erzeugen die Videos Druck auf Ermittlerinnen und Gerichte, während der Staat versucht, das Filmen zu kriminalisieren. Gleichzeitig nutzen ICE und verbündete Influencer die gleichen Geräte, um eine gegenläufige Propaganda zu verbreiten und Protestierende zu überwachen. Die Demonstrationen in Minnesota verdeutlichen so, dass der Kampf um Wahrheit, Öffentlichkeit und Macht im digitalen Zeitalter zu einem Kampf um Bilder und Daten geworden ist – und dass die Kamera in der Hand einer gewöhnlichen Person oft mächtiger ist als die Waffe eines Bundesbeamten.

Die Welt von Mittelerde, Herr der Ringe und Tolkien in der Maisacher Gemeindebücherei

23. September 2025

Ein weiterer Vortrag zur MGP Maisacher Gespräche zur Popkultur steht an: Dieses Mal geht es um die Welt von Mittelerde, Herr der Ringe und Tolkien.

Mittelerde ist ein Reich der Fantasie, das sich anfühlt, als wäre es schon immer Teil unserer Welt gewesen. Wenn wir in die Geschichten eintauchen, betreten wir Landschaften voller Magie und Schönheit: die stillen Wälder Lothlóriens, die gewaltigen Berge des Nebelgebirges, die grünen Hügel des Auenlandes. Jeder Ort trägt eine eigene Stimmung, ein Echo von Geschichte und Erinnerung, das Tolkien mit einzigartiger Sprachkraft und Liebe zum Detail gezeichnet hat. Es ist eine Welt, die lebt, weil sie bis ins Kleinste durchdacht ist – von den Sprachen und Kulturen bis zu Legenden, Liedern und Geschichten in der Geschichte. Ich werde einen Vortrag über die Welt von Mittelerde, Herr der Ringe und Tolkien in der Maisacher Gemeindebücherei am Mittwoch, 24. September um 18 Uhr halten. Der Eintritt ist kostenlos.

Ich spreche über den Autor, die Bücher und auch über die Filme und ein bisschen mehr. Und es gibt eine Überraschung.

Doch das Besondere an Der Herr der Ringe ist nicht nur die epische Weite, sondern die Menschlichkeit, die in jeder Zeile steckt. Es sind nicht die mächtigen Könige oder Zauberer allein, die den Lauf der Dinge bestimmen, sondern vor allem die kleinen Gestalten – die Hobbits. In Frodo, Sam, Merry und Pippin erkennen wir den Mut des Alltäglichen, die Kraft von Freundschaft und Treue, die selbst in der größten Dunkelheit standhält. Sie lehren uns, dass Heldenmut nicht im Glanz des Schwertes liegt, sondern in der Entschlossenheit, das Richtige zu tun, auch wenn die Welt dagegensteht.

Der Autor J.R.R. Tolkien selbst, geprägt durch seine Jugend in England, die Schrecken des Ersten Weltkriegs und seine Liebe zu Sprachen und Mythen, hat diese Welt nicht einfach erfunden – er hat sie erschaffen wie ein lebendiger Organismus. Er verband germanische und nordische Legenden mit christlichen Werten, persönliche Erfahrungen mit universalen Fragen: Was bedeutet Macht? Wie weit darf man gehen, um sie zu erlangen? Wo liegen die Grenzen von Opfer und Hoffnung? Dadurch spricht Mittelerde nicht nur Fans von Fantasy an, sondern jeden, der sich mit der Suche nach Sinn, Mut und Menschlichkeit auseinandersetzt.

Der Herr der Ringe ist deshalb mehr als ein Abenteuerroman. Es ist eine Geschichte über Verlust und Wiederaufstehen, über Versuchung und Verzicht, über das Erkennen des Werts von Freundschaft und Heimat. Und es ist eine Geschichte darüber, dass auch in den dunkelsten Zeiten ein kleines Licht nicht verlöscht. Tolkien hat mit Mittelerde ein zeitloses Vermächtnis geschaffen – eine Welt, die uns lehrt, dass selbst der Kleinste das Schicksal der Welt verändern kann.

Ich freue mich auf einen weiteren Teil der MGP Maisacher Gespräche zur Popkultur am Mittwoch, 24. September um 18 Uhr in der Gemeindebücherei Maisach. Der Eintritt ist kostenlos.

Überall in der Gemeinde Maisach wurde plakatiert und ich bedanke mich für die Werbung.

Und wer wissen will, wie so etwas abläuft. Hier eine Aufzeichnung von meinem Vortrag zu Science Fiction: