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Spannung im Landratsamt: Wie Maisach seine Wahl erlebte

8. März 2026

Es juckte mich in den Finger und ich wollte meinen Senf bei den Ereignissen der Kommunalwahl in meiner Wohnortgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck dazugeben. Und auch ein bisschen Wahlparty-Stimmung schnuppern. Also auf ins Landratsamt und im Foyer auf die Politprofis meiner Gemeinde und des Landkreises sowie Landtag und Bundestag gewartet.

Dabei habe ich die alten Kollegen der Lokalpresse getroffen, die deutlich unter dem Druck der Aktualität gearbeitet haben.
Schnell stellte sich heraus, dass es bei der Wahl um dem Landrat zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Thomas Karmasin (CSU) und der Grünen-Herausforderin Ronja von Wurmb-Seibel kommen wird. Der ehemalige Olchinger SPD-Bürgermeister Andreas Magg zog den Kürzeren. Stichwahl ist dann in zwei Wochen.

Auch bei der Landratswahl folgte Maisach dem allgemeinen Trend im Landkreis: In Maisach erhielt Amtsinhaber Thomas Karmasin 46,1 Prozent, Ronja von Wurmb-Seibel erhielt 20,1 Prozent. Sie war die einzige Frau unter den Kandidaten.

Mich interessierte aber das Maisacher Bürgermeisterergebnis, das relativ lange auf sich Warten ließ. Um 20:26 Uhr kamen dann die Zahlen, nachdem es zuvor immer wieder Wasserstandsmeldungen aus den Wahllokalen aufs Smartphone kamen. Die Website der Gemeinde schmierte wohl unter der hohen Last der Zugriffe ab, aber die Server des Landratsamtes informierten stabil.

Bei der Kommunalwahl in der Gemeinde Maisach ist Amtsinhaber Hans Seidl deutlich im Amt bestätigt worden. Da es keinen Gegenkandidaten gab, entfielen 74,5 Prozent der Stimmen auf den CSU-Bürgermeister. Insgesamt wurden 6.543 gültige Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag mit 73,6 Prozent auf einem sehr hohen Niveau und zeigt das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der lokalen Politik. Mit dem klaren Ergebnis kann Hans Seidl seine Arbeit als Bürgermeister der Gemeinde Maisach fortsetzen.


In der Nacht wurden dann Gemeinderat und später Kreistag ausgezählt.

BistroTalk: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit

21. Februar 2026

Mein jüngster BistroTalk ist ein Beitrag zur Demokratie-Stärkung in meiner Wohnortgemeinde Maisach. Im BistroTalk aus der Bar SixtyFour in Maisach sprach ich mit Florian Wiesent, Amtsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Gemeinde Maisach, über die anstehenden Kommunalwahlen – und damit über ein Thema, das unmittelbar den Kern demokratischer Selbstverwaltung berührt. Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass es nicht um parteipolitische Werbung geht, sondern um Aufklärung: Wie funktioniert die Wahl konkret, welche Regeln gelten, welche Verantwortung trägt die Verwaltung – und welche Rolle haben Bürgerinnen und Bürger, damit Demokratie vor Ort lebendig bleibt. Hier die Aufzeichnung:

Organisatorische Vorbereitung
Florian Wiesent beschrieb die Gemeinde bereits mitten in der organisatorischen Vorbereitung. Die Wahlbenachrichtigungen seien verschickt, aktuell laufe vor allem die Abwicklung der Briefwahl auf Hochtouren. Dahinter stecke echte Handarbeit: Antrag, Wahlschein, Stimmzettel, mehrere Umschläge, Merkblatt – alles müsse korrekt zusammengestellt, kuvertiert und versandfertig gemacht werden. Der Versand starte dann; die Gemeinde übergibt diese Aufgabe nicht einfach vollständig an Dienstleister, sondern organisiert wesentliche Schritte selbst. Wiesent betonte den Aufwand, machte aber ebenso klar, dass die Verwaltung als Team arbeite, um die Abläufe zuverlässig zu stemmen. Die Wahl sei eine logistische Großaufgabe, aber vor allem eine Aufgabe, die Vertrauen verdient – und dafür brauche es Sorgfalt.

Die Arbeit der Wahlhelfer
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das Thema Wahlhelferinnen und Wahlhelfer als tragende Säule demokratischer Praxis. Wiesent nannte konkrete Zahlen: In Maisach gebe es einen Pool von rund 320 Wahlhelfern, benötigt würden für die Kommunalwahl 244 Personen in den Wahllokalen sowie zusätzlich etwa 15 Mitarbeitende in der Verwaltung für Annahme, Prüfung und Weitergabe der Schnellmeldungen. Das Werben um genügend Unterstützung sei nicht ganz einfach gewesen, doch alle Positionen seien derzeit besetzt. Zugleich ermutigte er zur Beteiligung: Wer sich für künftige Wahlen engagieren wolle, könne sich weiterhin melden und in den Pool aufnehmen lassen. Damit wurde ein Grundgedanke des Abends greifbar: Demokratie findet nicht nur am Stimmzettel statt, sondern auch durch Mitarbeit und Verantwortung im Ablauf.

Was wird gewählt?
Inhaltlich ordnete das Gespräch die Kommunalwahl als besonders vielschichtig ein. Gewählt werden nicht nur Gemeinderat und Bürgermeister, sondern auch Landrat und Kreistag. Gerade diese Vielfalt, kombiniert mit den komplexen Stimmzetteln, mache die Kommunalwahl organisatorisch anspruchsvoll. Wiesent erklärte, dass es diesmal vier Stimmzettel gebe, wobei insbesondere der Kreistagsstimmzettel durch die große Zahl an möglichen Stimmen herausrage: Bis zu 70 Stimmen können dort vergeben werden. Beim Gemeinderat in Maisach sind es 24 Stimmen, passend zur Anzahl der Sitze. Damit wird sichtbar, wie stark kommunale Wahlen auf Personen und konkrete örtliche Vertretung ausgerichtet sind – und wie sehr sie Bürgerinnen und Bürgern Gestaltungsspielraum geben.

Auszählen mit Barcodes
Zur Bewältigung dieser Komplexität setzt die Gemeinde bei der Auszählung auf EDV-Unterstützung. Wiesent erläuterte das System mit Barcodes neben den Kandidatennamen und Barcode-Lesestiften: Die Stimmen werden gemäß Markierung erfasst, das Programm prüft im Hintergrund die Gültigkeit des Stimmzettels. Zugleich betonte er die Kontrollmechanismen: Es werde nicht „automatisch“ im Sinne eines Wahlautomaten entschieden, sondern die Technik unterstütze die Arbeit, während Menschen weiterhin prüfen und kontrollieren. Der Umgang mit Technik werde zudem geschult; die Geräte seien dauerhaft angeschlossen, um Ausfälle zu vermeiden. Damit wurde ein demokratischer Kernpunkt angesprochen: Moderne Verfahren können helfen, Transparenz und Verlässlichkeit zu sichern – aber Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Prozesse, klare Regeln und menschliche Kontrolle.

Kumulieren und Panaschieren
Sehr ausführlich ging es um die Wahlmöglichkeiten selbst, insbesondere um Kumulieren und Panaschieren. Wiesent erklärte die Begriffe pragmatisch: Kumulieren bedeutet, einer Person bis zu drei Stimmen geben zu können; Panaschieren heißt, Stimmen über verschiedene Listen hinweg zu verteilen. Auch das Streichen einzelner Kandidaten trotz Listenkreuz sei möglich. Gleichzeitig wurde deutlich, wo typische Fehler entstehen: Der häufigste Fehler sei das Vergeben zu vieler Stimmen. Korrekturen seien jedoch möglich, wenn sie eindeutig vorgenommen werden – etwa durch sauberes Durchstreichen und klare Neumarkierung. Das Gespräch blieb dabei bewusst auf der Ebene der Regeln und Abläufe und machte klar: Die Verwaltung bewertet nicht politische Inhalte, sondern allein die formale Gültigkeit.

Wahl des Bürgermeisters
Ein besonders demokratierelevanter Punkt war die Frage nach Kandidaturen und Alternativen. Im Gespräch wurde angesprochen, dass es bei der Bürgermeisterwahl nur einen offiziellen Vorschlag gibt – und dass Demokratie dennoch Wahlmöglichkeiten kennt. Wiesent erläuterte, dass Bürgerinnen und Bürger beim Bürgermeister in der vorgesehenen Zeile eine andere wählbare Person aus dem Gemeindegebiet handschriftlich eintragen können. Das zeige: Selbst wenn das Bewerberfeld klein ist, bleibt das Wahlrecht in seinem Grundprinzip offen. Gleichzeitig wurde realistisch eingeordnet, dass eine solche Wahl in der Praxis selten vorkommt und dass eine gewählte Person die Wahl auch annehmen muss. Das Gespräch streifte damit eine Herausforderung vieler Kommunen: demokratische Auswahl lebt von Beteiligung – und Beteiligung setzt Menschen voraus, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Die Wahllokale
Auch die Wahllokale und deren Einteilung wurden thematisiert – inklusive des Spannungsfelds zwischen organisatorischer Effizienz und lokalem Selbstverständnis. Wiesent nannte die konkrete Struktur: vier Wahllokale im Hauptort Maisach, drei in Gernlinden (darunter eines im Pflegeheim), sowie je ein Wahllokal in Überacker, Rottbach und Malching. Besonders Rottbach wurde als Beispiel genannt: Aus verwaltungstechnischer Sicht hätte eine Zusammenlegung wegen der Wählerzahlen und des Personalbedarfs Sinn ergeben, politisch und im Ort bestand jedoch der Wunsch nach einem eigenen Wahllokal. Der Gemeinderat habe 2024 beschlossen, der Verwaltung nahezulegen, das Wahllokal beizubehalten – und die Verwaltung sei dem gefolgt. In dieser Passage wurde ein Demokratieprinzip im Kleinen sichtbar: Verwaltung handelt nach Regeln und Zweckmäßigkeit, demokratisch legitimierte Gremien artikulieren den politischen Willen, und am Ende wird ein Ausgleich gesucht, der nachvollziehbar bleibt.

Stimmabgabe
Zu den Wahlzeiten stellte Wiesent klar: Am Wahlsonntag ist die Stimmabgabe von 8 bis 18 Uhr möglich. Nach 18 Uhr wird niemand mehr eingelassen, aber wer rechtzeitig im Wahllokal ist, darf auch dann noch wählen. Für Menschen, die es zeitlich nicht schaffen, ist die Briefwahl die Alternative. Briefwahlunterlagen müssen spätestens bis 18 Uhr am Wahlsonntag im Rathausbriefkasten eingegangen sein – später eintreffende Wahlbriefe werden nicht mehr berücksichtigt, ungeöffnet als verspätet gekennzeichnet und entsprechend aufbewahrt, bis die gesetzliche Frist zur Vernichtung abläuft. Die Formulierung „ungeöffnet“ war hier zentral: Die Verwaltung schützt das Wahlgeheimnis konsequent, auch wenn Neugier menschlich sein mag.

Enorme Interesse an Briefwahl
Breiten Raum nahm die Briefwahl ein, weil sie in Maisach voraussichtlich den größten Anteil ausmacht. Wiesent sprach von einer erwarteten Briefwahlquote von rund 70 Prozent. Ein Grund sei die Größe der Stimmzettel: Viele Wählerinnen und Wähler möchten die umfangreichen Listen in Ruhe zu Hause durchgehen, statt in der Wahlkabine mit begrenztem Platz zu entscheiden. Briefwahl kann online beantragt werden – über einen QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung – oder persönlich im Rathaus. Online gelte eine frühere Frist, damit der rechtzeitige Postlauf gewährleistet bleibt; persönlich ist der Antrag bis zum Freitag vor der Wahl, 6. März, 15 Uhr möglich. Zudem wies Wiesent darauf hin, dass Briefwahl heute ohne Begründung beantragt werden kann – ein Beispiel dafür, wie Verfahren bürgerfreundlicher geworden sind, ohne den rechtlichen Rahmen aufzugeben.

Das Auszählen
Auch die Auszählung der Briefwahl wurde transparent erklärt: Ab 16 Uhr dürfen die roten Wahlbriefe geöffnet und formal geprüft werden (Wahlschein vorhanden, unterschrieben, Stimmzettelumschlag vorhanden). Der eigentliche Stimmzettelumschlag wandert danach wieder in die Urne, die bis 18 Uhr verschlossen bleibt. Erst ab 18 Uhr dürfen die weißen Umschläge geöffnet und die Stimmen ausgezählt werden. Diese zeitliche Trennung schützt das Wahlgeheimnis und verhindert, dass Ergebnisse vor Schließung der Wahllokale entstehen. Damit wurde ein wichtiger Aspekt demokratischer Fairness betont: alle sollen unter gleichen Bedingungen wählen können, ohne Einfluss durch vorzeitige Trends.

Das Auszählen
Die Reihenfolge der Auszählung erläuterte Wiesent ebenfalls: Zuerst Bürgermeister, dann Landrat, anschließend Gemeinderat und zuletzt Kreistag. Erste Ergebnisse beim Bürgermeister seien möglicherweise schon gegen 18.20 Uhr sichtbar, weitere Ergebnisse folgten gestaffelt. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Geschwindigkeit nie auf Kosten der Richtigkeit gehen dürfe. Gerade weil Wahlhelfer auch „Feierabend“ möchten, brauche es im Rathaus und in den Wahllokalen klare Abläufe und Ruhe, um Fehler zu vermeiden. Als Anerkennung für den Einsatz gibt es weiterhin Erfrischungsgeld sowie Verpflegung – Brotzeit, Obst und „Nervennahrung“ – ausdrücklich nicht als Luxus, sondern als Zeichen, dass demokratisches Engagement wertgeschätzt wird.
Ein zentrales Demokratieelement des Gesprächs war die Öffentlichkeit der Auszählung. Wiesent stellte klar: Wahlbeobachtung ist erlaubt, die Auszählung ist öffentlich, jede und jeder darf zuschauen – solange der Ablauf nicht gestört wird. Diese Transparenz ist ein Grundpfeiler des Vertrauens: Demokratie braucht nicht nur korrekte Ergebnisse, sondern auch nachvollziehbare Verfahren. Ergänzend erklärte Wiesent, dass die Verwaltung am Wahltag erreichbar ist, bei Streitfällen berät und im Zweifel auch vor Ort unterstützt. Entscheidungen trifft der Wahlvorstand, bei Bedarf mit Rückkopplung an die Verwaltung – auch hier wieder das Prinzip: Regeln, Verantwortung und Kontrolle greifen ineinander.

Wahlwerbung
Praktische Hinweise rundeten das Gespräch ab: Wahlwerbung ist am Wahltag in und unmittelbar vor Wahllokalen nicht erlaubt; Kandidaten, die als Wahlhelfer eingesetzt sind, dürfen nicht mit Parteiabzeichen oder „Wählt mich“-Symbolik auftreten. Filmen und Fotografieren im Wahllokal ist grundsätzlich untersagt, auch wenn es im Einzelfall mediale „klassische Motive“ gibt. Außerdem wurde thematisiert, dass Wahlplakate eine Woche nach der Wahl abgebaut sein müssen; Beschädigungen sind Sachbeschädigung und können angezeigt werden. In der Gemeinde gibt es Informationsmaterialien in Broschürenform am Empfang des Rathauses, außerdem auf der Gemeindehomepage einen eigenen Bereich zur Kommunalwahl. Besonders hervorgehoben wurde ein interaktiver Probestimmzettel, mit dem Bürgerinnen und Bürger das korrekte Wählen üben und prüfen können, ob ihre Stimmabgabe gültig wäre.

Auch die Frage, wer überhaupt was wählen darf, wurde erläutert – ein Punkt, der oft unterschätzt wird. Wiesent erklärte, dass für Gemeinderat und Bürgermeister bestimmte Wohnsitzfristen gelten: Wer erst kürzlich innerhalb des Landkreises zugezogen ist, kann unter Umständen Landrat und Kreistag wählen, aber noch nicht Bürgermeister und Gemeinderat. Diese Regelung sei nicht „Maisach-spezifisch“, sondern gesetzlich im Kommunalwahlrecht verankert. Damit zeigte das Gespräch, dass Demokratie immer auch aus klaren, manchmal komplexen Regeln besteht – Regeln, die Gleichheit und Zugehörigkeit definieren und deshalb erklärt werden müssen.

Der demokratische Leitgedanke zog sich bis zum Schluss durch: Wiesent wünschte sich eine möglichst hohe Wahlbeteiligung und nannte als Orientierung die letzte Kommunalwahl mit rund 65 Prozent. Die Aussage war eindeutig: Wer nicht wählt, sollte sich mit Kritik zurückhalten – nicht als moralische Keule, sondern als Erinnerung an Verantwortung. Gleichzeitig wurde der positive Gegenentwurf betont: Wer unzufrieden ist, kann sich einbringen – durch Wahl, durch Mitarbeit, durch Engagement in Parteien, Gruppierungen oder im Ehrenamt. Kommunalpolitik betrifft das unmittelbare Lebensumfeld: Infrastruktur, Finanzen, Entscheidungen über den Ort und seine Ortsteile. Gerade deshalb ist die Kommunalwahl für die Demokratie im Alltag so entscheidend.

Am Ende stand ein sachlich-optimistischer Ton: Die Organisation ist aufwendig, die Verantwortung groß, der Wahltag für alle Beteiligten anstrengend – aber das Ziel ist klar: ein Verfahren, das korrekt, transparent und vertrauenswürdig abläuft. Der BistroTalk machte damit nicht nur praktische Abläufe verständlich, sondern vermittelte vor allem, warum diese Abläufe wichtig sind: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Arbeit – in der Verwaltung, bei den Wahlhelfern und bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Stimme abgeben.

Erinnerung: Der letzte Gang des Gerhard Landgraf

26. Juli 2024

Seit ich als Journalist in der Kommunalpolitik im Landkreis Fürstenfeldbruck tätig war, bin ich immer wieder Gerhard Landgraf, dem damaligen Bürgermeister von Maisach, begegnet. Jetzt wird der energische Franke, der bei uns 36 Jahre Bürgermeister war, zu Grabe getragen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich bei dem morgigen Gedenkgottesdienst in der örtlichen Kirche St. Vitus und bei der Beisetzung dabei bin.

Das letzte Mal traf ich Landgraf im Frühjahr auf einer Versammlung und wir hielten ein kleines Schwätzchen, scherzen herum und freuten uns. Landgraf war mit seinen 84 Jahren gut drauf. Wir beide sind Mitglied der Aktion PiT Togohilfe, eine Organisation, die Landgraf seit Jahren unterstützte.
Und wenn nun sein Gedenkgottesdienst ist, dann erinnere ich mich an eine andere Beerdigung, wo Landgraf bei mir einen Stein im Brett hatte und ich ihm großen Respekt zolle.

ich damals beim Münchner Merkur/Fürstenfeldbrucker Tagblatt war, verstarb der langjährige Fotograf der Zeitung Franz Schmotz. Er war der typische Vertreter eines rasenden Fotoreporters und war jahrzehntelang Tag und Nacht im Einsatz für seine Zeitung. Ich habe viele Geschichten mit ihm gemacht. Sein Standardsatz beim Gruppenfoto war: „Stellt’s euch zamm. I hob koane Zeit.“ Er lichtete die Bevölkerung, Vereine, Politiker, Promis und alles und jeden ab, was ihm vor die Linse seiner Canon kam. Ich hab viel von ihm gelernt. Dann starb der Franz und wurde am Vormittag auf dem Friedhof seiner Wohnortgemeinde Eichenau zu Grabe getragen. Unter den Trauergästen war allerdings kaum ein Politiker zugegen.

Am Nachmittag des gleichen Tages war Kreistagssitzung im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Als die Sitzung von der damaligen Landrätin Rosemarie Grützner eröffnet wurde, meldete sich der Maisacher Bürgermeister Gerhard Landgraf zu Worte und redete den anwesenden Kreisrätinnen und -räten ins Gewissen. „Wo wart ihr denn bei der Beerdigung vom Franz Schmotz? Jahrelang hat er euch alle fotografiert und ihr habt immer nach ihm gerufen, wenn ihr in die Zeitung kommen wolltet. Zu seiner Beerdigung ist kaum einer von euch gegangen. Schämt euch!“

Das hatte gesessen. Landgraf hatte seinen Kolleginnen und Kollegen die Leviten gelesen und ich muss als unabhängiger Berichterstatter der Tageszeitung im Nachhinein sagen: Gerhard Landgraf hat mir aus der Seele gesprochen. Daher ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich bei der Beerdigung von Gerhard Landgraf dabei bin und ihn auf seinem letzten Weg begleite.