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Konzert: Deep Purple in der Olympiahalle München 2017

22. Mai 2017

Als zur Einstimmung auf das Konzert The Boys are back in Town lief, da wurde ich etwas melancholisch. Sollte es wirklich das letzte Mal sein, dass ich Deep Purple live sehen würde? Die britische Band befindet sich auf ihrer Long Goodbye Tour und machten in Münchner Olympiahalle Station. Wie oft hatte ich die britischen Hardrocker schon gesehen? Viele Male guten alten Hardrock. Damals noch mit Ritchie Blackmore als wilden geheimnisvollen Mann bei der Perfect Stranger-Vereinigung. Ich hatte Keyboard-Zauberer Jon Lord noch lebend gesehen. Und nun saß ich hier und wollte auf Wiedersehen sagen, schließlich sind die Herren im Seniorenalter. Infinite soll das letzte Studioalbum gewesen sein.


Die Spannung auf Deep Purple war bei mir enorm. Die Vorband Spacetruck machte einen guten Job und heizte den Fans ein. Und dann begann die rund zweistündige Show der Altrocker. Im Hintergrund schwebte das Konterfei der Herren in einem Eisberg, wie einst die US-Präsidenten in Mount Rushmore. Das Bild kannten wir bereits aus dem Booklet von Infinite.


Dann brach es los mit Time for Bedlam. Ian Gillan überraschte uns mit Sonnenbrille und Goldjacke. Ich dachte sofort an die Scheibe 50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong, die Elvis‘ Gold Records, Volume 2. Und irgendwie stimmte es ja: Deep Purple spielte eine Best of-Show mit ein paar neuen Songs. Die Herren müssen nicht mehr beweisen, was sie können. Das neue Songmaterial ist nett, aber das alte ist netter. Routiniert spielen sie ihre Show ab und zeigen, welchen Sound die Mark VIII-Besetzung hervorbringt. Ian Gillan, Steve Morse, Don Airey, Roger Glover und Ian Paice machen mir immer noch eine Freude. Das Zusammenspiel der alten Herren ist tadellos aufeinander abgestimmt. Nachdem ich im Vorfeld immer wieder von den Problemen des Gitarristen gehört habe, achtete ich besonders darauf. Auf dem Konzert konnte ich von den Arthrose-Problemen von Steve Morse nichts feststellen – das ist gut so. Im Hintergrund stand ein Roadie mit Gitarre bereit, der aber mehr bemüht war, die Instrumente zu stimmen. Ob er als Ersatz fungieren sollte, weiß ich nicht. Ich mag diesen Steve Morse einfach. Er scheint ein freundlicher Kerl zu sein, anders als der Stinkstiefel Herr Blackmore. Morse hat seinen eigenen Stil in Deep Purple eingebracht und fungiert nicht als Blackmore-Ersatz. Das Zusammenspiel zwischen der immer noch tollen Stimme von Ian Gillan und der Gitarre von Steve Morse klappt hervorragend und beide scheinen nach all den Jahren sogar noch Spaß daran zu haben, trotz Hunderter Konzerte. Ein Made in Japan kommt freilich nicht mehr heraus, erwartet aber auch keiner im meist älteren Publikum.


Einziges Gründungsmitglied von Deep Purple ist Ian Paice, der Spaßvogel. Er sitzt hinter seiner Schießbude und drischt bekleidet mit seinem Werbe-T-Shirt von Pearl auf die Felle ein, dass es eine Freude ist. Ab und zu hängt die Zunge raus zwecks Konzentration. Pacie geht richtig ab, wenn er sich durch die Klassiker spielt. Und davon gab es viele auf der Long Goodbye Tour.
Die Setlist war in München:
Time for Bedlam, 
Fireball, 
Bloodsucker, 
Strange, Kind of Woman, 
Johnny’s Band, 
Uncommon Man , The Surprising, 
Lazy (with keyboard intro), 
Birds of Prey, 
Hell to Pay, 
Keyboard Solo, 
Perfect Strangers, 
Space Truckin‘, 
Smoke on the Water
Die Zugaben waren:
Highway Star, 
Hush, 
Bass Solo, 
Black Night
Da war es wieder, dass alte Hardrock-Feeling. Die Mischung zwischen alten und neuen Songs hat gepasst und freilich haben die Fans in der Olympiahalle bei Smoke on the Water mitgesungen, wie es sich gehört. Jeder Gitarrenanfänger kennt die Griffe, die die Rockmusik verändert haben.
Also die Herren, wenn es wirklich die letzte Tour war, dann sag ich artig vielen lieben Dank. Ihr habt mein Leben bereichert. Mir hat es gefallen und auf der Heimfahrt hörte ich freilich Highway Star.

Musiktipp: Deep Purple: Graz 1975

21. September 2014
Ich hatte mich echt auf Graz 1975 gefreut - leider zu früh.

Ich hatte mich echt auf Graz 1975 gefreut – leider zu früh.

Der Hardrock der siebziger Jahre geht mir immer noch gut ins Ohr und die Helden dieser Zeit waren für mich Deep Purple. Und so kaufe ich so dann und wann Aufnahmen der Herren, besuche ihre Konzerte oder glotze Fotobücher der alten Zeiten an. Manches Mal beschleicht mich aber das leise Gefühl, dass die Band in erster Linie monetäre Interessen hat, weil ein Wust an Veröffentlichungen auf den Markt kommt. Nach dem Geldverdienen kommt lange nichts mehr. Der Hardcore-Fan hat da den Überblick, ich leider nicht.
Bisher wurde ich von den Veröffentlichungen von earMUSIC nicht enttäuscht. Das Label veröffentlicht eine exklusive, 10-teilige Reissue-Reihe mit Konzerten, genannt „The Official Deep Purple (Overseas) Live Series“. Die bislang veröffentlichten Konzertalben aus Paris, Kopenhagen und Stockholm waren absolute Klasse und nun kam Graz 1975 an die Reihe. Die Band war damals kurz vor dem Zerbrechen, Ritchie Blackmore war bereits auf den Sprung. Aber Deep Purple Mark III lieferte eine fette Show ab. Ich kannte einige Aufnahmen bisher nur aus dem Album Made in Europe. Und als ich bei dem Graz 1975-Album den Aufkleber las, dass es sich um das komplette Konzert handeln würde, griff ich bedenkenlos zu. Da kann ich ja nichts falsch machen. Denkste. Die Musik ist zwar hervorragend, doch es ist nicht das komplette Konzert. Lüge und ich prangere dies an.

Scharmlos belogen werden hier die Fans.

Scharmlos belogen werden hier die Fans.

Am 3. April 1975 trat die Band bestehend aus Coverdale, Blackmore, Hugos, Paice und Lord vor 4000 Fans in der Grazer Eissporthalle in Ösi-Land auf und lieferte eine eindrucksvolle musikalische Show ab. Wenn man die Musik hört, gibt es kein Anzeichen für das Auseinanderbrechen der Band in wenigen Tagen. Herr Blackmore zeigt, wo der Bartl den Most holt. Nach zwei weiteren Konzerten warf Blackmore aber hin und rief Rainbow offiziell ins Leben. Sein letztes Konzert dieser Tage als Deep Purple-Mitglied war Paris, das wunderbar komplett in der Serie erschienen ist.
Die Songs auf der Graz-CD sind nicht komplett und ich bin enttäuscht. Es fehlt das im Intro angekündete Drum-Solo von Ian Paice bei You fool no one. Auch das Gitarrensolos/Blues fehlt darin. Ist hier der Titel hier Programm? Mein Kollege Jörg Laumann wies mich zudem darauf hin, dass die kompletten Zugaben fehlen. Kein „Goin‘ Down“ und „Highway Star“ – was soll denn der Aufkleber eines kompletten Konzerts? Es ist schlichtweg Betrug am Fan. Ich hätte mir auch ein Doppelalbum gekauft. Was soll so eine Veröffentlichungspolitik? Diese Art von Alben kaufen sowieso nur Fans und nicht zufällige Käufer?