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Buchtipp: Ein Leben mit Spuren – Als Anthroposoph bei der Deutschen Bahn von Karl-Dieter Bodack

13. Oktober 2020

Dies ist ein Gastbeitrag von meinem Freund Walter Killi, der selbst Bahnexperte ist und über 30 Jahre an der Hochschule München lehrte:

Prof. Dipl.-Ing. Karl-Dieter Bodack, der Verfasser dieser lesenswerten Autobiographie ist in Eisenbahnerkreisen und weit darüber hinaus kein Unbekannter: Er ist u.a Autor des inzwischen vergriffenen Werks „InterRegio. Die abenteuerliche Geschichte eines beliebten Zugsystems“ und Verfasser von zahlreichen Aufsätzen, erschienen in allen namhaften Fachzeitschriften des Eisenbahnwesens als auch in populärwissenschaftlichen Zeitschriften, die sich mit Bahn- und Verkehrswesen befassen. Das Layout dieser Autobiographie Ein Leben mit Spuren: Als Anthroposoph bei der Deutschen Bahn ist ungewöhnlich: In schwarzer Schrift beschreibt sie in 66 Kapiteln die zahlreichen Stationen des beruflichen und privaten Werdegangs des Autors und seines Wirkens. Es erstaunt: wie vielfältig und unterschiedlich sind doch die Begabungen dieses Autors! Die einzelnen Kapitel können unabhängig voneinander gelesen werden. In blauer Schrift schließen sich an jedes Kapitel in der Regel Erkenntnisse und Schlussfolgerungen an, die Allgemeingültigkeit besitzen. Er erläutert dort näher seine Lebensphilosophie, die Grundlage seiner Überlegungen und Handlungen darstellt. Eine zentrale Rolle im Denken von Prof. Bodack nimmt ein Hauptwerk Rudolf Steiners – des Begründers der Anthroposophie – ein, nämlich „Die Dreigliederung des Sozialen Organismus“. Die Abschnitte in blauer Schrift sind darüber hinaus eine Art Handreichung, wie Erkenntnisse der Anthroposophie in der dienstlichen Arbeitspraxis, in der Unternehmensführung, aber auch in der persönlichen Lebensgestaltung gewinnbringend umgesetzt werden können.

Prof. Bodack war Zeit seines Lebens ein begeisterter Eisenbahner, hat es dem Unternehmen DB AG aber nicht immer leicht gemacht, mit ihm auszukommen! So sparte er nicht mit Kritik, wenn er der Meinung war, daß die Bahn durch die Politik ihres eigenen Vorstands Schaden erleidet. Von Anfang an war er ein engagierter Gegner von Stuttgart 21, ein unermüdlicher Streiter gegen die nach seinen Ermittlungen zu weit gehenden Streckenstilllegungen, die im Rahmen des Projekts „betriebswirtschaftlich optimales Netz“ umgesetzt wurden.

In den Jahren von Dr.-Ing. Reiner Maria Gohlke als Vorsitzenden des Vorstands der DB fand Prof. Bodack einen einflußreichen Fürsprecher, von dem er oft als Berater für den Personenverkehr gehört wurde.

Prof. Bodack hat zahlreiche Spuren im Gedächtnis und Erscheinungsbild der DB hinterlassen. Es ist unmöglich, hier auch nur die wichtigsten aufzuzählen! Wo es seiner Überzeugung entsprach, hat er die Bahnverwaltung massiv kritisiert, so bei den Streckenstilllegungen und bei Stuttgart 21. Eine Persönlichkeit wie er hat der Bahn gut getan, da er mitzuhelfen versucht hat, ihre meist verkrusteten und unbeweglichen Verwaltungsstrukturen aufzubrechen. So verkörperte er schon früh das Erscheinungsbild eines zeitgemäßen Beamtentums, wie es sich nun allmählich durchzusetzen beginnt!

Die Autobiographie Ein Leben mit Spuren: Als Anthroposoph bei der Deutschen Bahn zeichnet das Bild einer interessanten und eigenwilligen Persönlichkeit, die sich schwer in ein Schema einordnen läßt. Die Hauptmerkmale seiner Persönlichkeit sind: seine Vielseitigkeit, begründet in seinen verschiedenen und ganz unterschiedlichen Begabungen, die Ausrichtung seiner beruflichen und privaten Tätigkeiten an Erkenntnissen der Anthroposophie, die für unsere Gegenwart interpretiert wird und als überzeugter „Eisenbahner“ besonders sein bedingungsloser, mutiger Einsatz für die Bahn der Zukunft, wie er sie sich zusammen mit anderen Visionären vorstellt; nicht zuletzt seine Menschlichkeit, die Achtung seiner Mitmenschen!

Was wird unvergesslich bleiben vom beruflichen Wirken Prof. Bodacks bei der DB AG? Sein Engagement bei der Entwicklung des sehr erfolgreichen InterRegio-Zugsystems, dessen Erscheinungsbild er maßgeblich mit gestaltet hat, sein mutiger Einsatz gegen die seiner Meinung nach zu weitgehenden Strecken-Stilllegungs-Pläne des Vorstands der DB und seine Protest gegen das Projekt „Stuttgart 21“, das nicht nur er für eine Fehlentscheidung hielt und hält. Für die Fertigung der InterRegio Wagen wurde mit der PFA-Weiden ein neuer Typ eines DB-Ausbesserungswerks geschaffen, das sogar international Beachtung fand. Die erfolgreiche Durchführung der Arbeiten in sogenannten Meisterfamilien geht auf seine Ideen zurück.

Die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland hat ihm die Gründung und weitgehend auch die Gestaltung der Waldorfschule in Gröbenzell im bayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck zu verdanken.

In einem eigenen, besonders lesenswerten Kapitel beschreibt Prof. Bodack Planung und Bau des Wohnhauses für seine eigene Familie in Gröbenzell. Losgelöst vom üblichen einfallslosen Schema moderner Architekturen entwarf er einen im wahrsten Sinn organischen Bau, der sich harmonisch seiner natürlichen Umgebung anpasst und die Fassaden an die unterschiedlichen Bedingungen der vier Himmelsrichtungen ausrichtet. Jeder Raum erhielt eine individuelle Gestalt, die den Bedürfnissen der jeweiligen Bewohner entsprechen. Entstanden ist das Meisterwerk eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung, das zweifelsfrei neue Maßstäbe für zeitgemäßes Wohnen setzt. Ein Wunsch- und Traumhaus jeder Familie!

Diese Autobiografie Ein Leben mit Spuren: Als Anthroposoph bei der Deutschen Bahn vermittelt das Bild einer Persönlichkeit, die es verstanden hat, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und im Berufsleben unerschrockene Zivilcourage bei der Durchsetzung seiner Einsichten zu zeigen. Die Lektüre dieses Werkes verspricht ein unterhaltsames und zugleich belehrendes Lesevergnügen, das ich nicht nur Eisenbahnern als Leser uneingeschränkt empfehlen kann.
Walter Killi

Info: 2019 Info3-Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-95779-103-0

Corona-Virus: Tag 30 der Ausgangsbeschränkung – Kopf freibekommen auf dem Räuber Kneißl Radweg

20. April 2020

Ausblick vom Räuber Kneißl-Rastplatz in Frauenberg.

Ausblick vom Räuber Kneißl-Rastplatz in Frauenberg.

Am Sonntag fiel uns die Decke auf den Kopf. Wir mussten raus mit dem Rad, um den ganzen Druck von Corona und Ausgangsbeschränkung hinter uns zu lassen. Am Morgen erinnerte uns Bürgermeister Hans Seidl via Facebook die Heimat zu genießen. Und das machten wir auch: Meine Frau und ich fuhren den Räuber Kneißl Radweg entlang durch die Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck.
Eigentlich wird der Räuber Kneißl Radweg erst offiziell am 26. April eröffnet, aber so lange wollten wir nicht warten. Unsere Heimat hat so viel zu bieten und wenn es nun einen offiziellen Radweg gibt, dann müssen wir ihn auch ausprobieren.
Der Radweg führt durch die sieben Gemeinden der WestAllianz München – Bergkichen, Gröbenzell, Karlsfeld, Maisach, Odelzhausen, Paffenhofen a.d. Glonn und Sulzemoos. Entlang der Wegstrecke lernen die Radler die Historie des Mathias Kneißl zwischen 1857 und 1902 kennen.

Pause muss auch sein.

Pause muss auch sein.

Die offiziellen Kneißl-Rastplätze mit den Infotafeln über den Räuber Mathias Kneißl sind noch nicht aufgestellt, aber wer hier wohnt, der kennt die Geschichte vom Kneißl sicher.
Als Lokalpatrioten wählten wir die dritte Route des Räuber Kneißl Radwegs von 23,2 Kilometern Länge mit zwei Kneißl-Rastplätzen bei Überacker und Frauenberg. Beide befinden sich noch im Bau, aber die Website gibt schon interessante Infos. Eigens angelegt für den Räuber Kneißl Radweg gibt es GPS Daten für diesen Abschnitt. Zudem gibt es Radwegkarten aus Papier und als PDF. Papier belastet nur, also wählten wir die PDF-Karte zum Download. Für Mathias Kneißl war die Gemeinde Maisach sein Schicksal. Es erwartete ihn Verhaftung, Verhandlung und Hinrichtung.
Von der vergeblichen Suche mürbe gemacht, wird das Kneißl-Polizeiaufgebot verkleinert. Da gibt Kneißls Cousine Mathilde Lorenz dem Münchner Sicherheitskommissär Bossert den entscheidenden Hinweis. Auf dem Weg zu einem eingefädelten Treffen mit ihm in Pischertshofen streut sie Orangenschalen für die Verfolger. Am 4. März ist Kneißl im Anwesen der Familie Märkl in Geisenhofen. Etwa 150 Schutzleute und Gendarmen werden zusammengezogen. Sie wechseln sich mit der Bewachung des Anwesens schichtweise ab. Rasch verbreitet sich die Nachricht von Kneißls bevorstehender Verhaftung. Schaulustige reisen aus München und Augsburg an, um dabei zu sein. Am 5. März 1902 wird der Stadel des Anwesens mit ca. 1.500 Schuss Munition beschossen, Kneißl verwundet und ihm der Prozess gemacht. Er wird in Ausgburg hingerichtet.

Erste Etappe von Maisach nach Überacker
Unsere Radtour begann nach einem Eis bei Alberto in der Kandlerstraße in Maisach und ging über die Brauerei Maisach – das Bräustüberl ist aufgrund von Corona geschlossen – weiter nach Überacker zur Kapelle St. Wolfang.

Die Kapelle ist geschlossen. Es ist ein kleiner Saalbau mit polygonalem Chorschluss, Lisenengliederung und Dachreiter mit Spitzhelm aus den Jahren 1700/01. Den Spinnweben nach zu urteilen war schon lange keiner mehr da. Vor der Kapelle sind zwei wunderbare Lindenbäume samt Vogelnest. Die Infotafeln wurden noch nicht aufgestellt. Aber den Platz mag ich gleich.

Zweite Etappe in Überacker zu St. Bartholomäus

Die kurze Fahrzeit durch Überacker endet mit dem Besuch der Kuratiekirche St. Bartholomäus. Leider war die Kirche verschlossen, aber der Aufstieg zur Kirche hat mir imponiert.

Dritte Etappe von Überacker nach Einsbach

Vierte Etappe von Einsbach über Prack und Wenigmünchen

Fünfte Etappe von Dürabuch nach Englertshofen

Sechste Etappe von Englertshofen über Germerswang nach Frauenberg

Hier ist dann der zweite Kneißl-Rastplatz in der Gemeinde Maisach. Auch er ist noch im Bau, bietet aber schon jetzt einen wunderbaren Blick.

Ich freue mich über so einen schönen Radweg, der durch unsere Gemeinde führt. Ich bin gespannt, wann er offiziell eröffnet wird. Vielleicht kann ich ja bei der Eröffnungsfeier dabei sein. Es würde mich auf jeden Fall freuen.

Ach ja, bevor Fragen kommen. Die Aufnahmen entstanden mit einem iPhone und dem DJI Osmo Mobile 3