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Unbedingt ansehen: Ausstellung „HAAR – MACHT – LUST“

23. März 2026

Die Ausstellung „HAAR – MACHT – LUST“ in der Kunsthalle München ist ein herausragendes kulturelles Highlight, das die tiefgreifende gesellschaftliche und politische Bedeutung von Haaren beleuchtet. Bis zum 4. Oktober 2026 lädt die Schau zu einem fesselnden Streifzug durch drei Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte ein. Als Pressebeauftragter des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern besuchte ich die Ausstellung und war schwer begeistert.

Eine universelle Sprache
Haare sind weit mehr als ein bloßes modisches Accessoire oder eine Frage des persönlichen Stils. Sie fungieren seit Jahrtausenden als kraftvolles Ausdrucksmittel, um Zugehörigkeit zu demonstrieren, soziale Rollen zu definieren oder Rebellion und Widerstand zu artikulieren. Die Ausstellung zeigt auf faszinierende Weise, wie das scheinbar Alltägliche von Schönheit und Begehren, aber auch von spürbaren Machtgefällen und Ohnmacht erzählt.

Meisterhafte Kuration
Unter der Leitung von Kuratorin Juliane Au und Direktor Roger Diederen wurden rund 200 hochkarätige Exponate von der Antike bis zur Gegenwart raffiniert und tiefgründig in Szene gesetzt. Die beeindruckende Bandbreite reicht von klassischen Gemälden und Skulpturen über Videoarbeiten bis hin zu skurrilen Alltagsgegenständen wie historischen Barttassen aus dem 19. Jahrhundert. Leihgaben aus weltberühmten Häusern wie dem Louvre, dem Prado und dem Rijksmuseum unterstreichen den internationalen und kulturübergreifenden Anspruch dieser hervorragend gegliederten Schau.

Historie und moderner Protest
Jeder Ausstellungsraum widmet sich einem spezifischen Aspekt und verwebt historische Kontexte nahtlos mit hochaktuellen Themen. So wird dokumentiert, wie im Militär vergangener Epochen die Länge des Bartes den sozialen Rang spiegelte, oder wie historische Herrscher ihre Macht über Frauen durch deren Haartracht inszenierten. Im direkten Kontrast dazu stehen moderne Werke, welche die iranischen „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste von 2024 aufgreifen und eindrucksvoll zeigen, wie das Abschneiden der Haare zum ultimativen Symbol der Selbstbestimmung wird.

Die Ausstellung überzeugt nicht nur durch ihre schiere Vielfalt, sondern setzt mit ausgewählten Exponaten wie filmischen Arbeiten, popkulturellen Ikonen und mythologischen Figuren brillante Akzente.

Multimediale Videoarbeiten
Die Schau besticht durch einen integrativen Ansatz, der klassische Kunstwerke fließend mit modernen Videoarbeiten verknüpft. Diese filmischen Darstellungen machen das Motiv greifbar, indem sie die Dynamik, Sinnlichkeit und Wandelbarkeit von Kopf- und Körperhaar auf eine Weise einfangen, die statische Medien kaum leisten können. Durch die bewegten Bilder wird das faszinierende Zusammenspiel von Identität, Schönheit und Körperlichkeit für die Besucher auf einer sehr direkten, modernen Ebene erlebbar gemacht. Besonders habe ich mich über Charlie Chaplins-Film der große Diktator gefreut, eine Satire über Hitler, bei dem Chaplin einen jüdischen Friseur spielt.

Friedensprotest von John Lennon
Ein absolutes Highlight für mich als Popkultur-Fan ist die ikonische Fotografie „Hair Peace, Bed Peace“ von Nico Koster aus dem Jahr 1969. Das Bild zeigt John Lennon und Yoko Ono bei ihrem weltberühmten „Bed-in“-Protest und demonstriert eindrucksvoll, wie Haare als bewusstes politisches Statement eingesetzt wurden. In diesem historischen Kontext wird die wachsende Haarpracht zum ultimativen Symbol für Rebellion, Gewaltlosigkeit und den gesellschaftlichen Aufbruch einer ganzen Generation.

Die Schlangen der Medusa
Auch die fesselnde Kraft der Mythologie findet ihren verdienten Platz in der Ausstellung, was besonders an den Darstellungen der Medusa deutlich wird. Ihre legendären, furchteinflößenden Schlangenhaare dienen in der Kunstgeschichte als eindringliches Symbol für unbändige Stärke, Gefahr und weibliche Urgewalt. Diese klassischen Interpretationen belegen auf faszinierende Weise, dass den Haaren schon in der Antike eine mystische und zutiefst Respekt einflößende Macht zugeschrieben wurde.

Die Ausstellung beweist enorme kuratorische Stärke, indem sie die untrennbare Verbindung von Haaren und menschlicher Würde auch in ihren dunkelsten, schmerzhaftesten historischen Dimensionen schonungslos beleuchtet. Im Spannungsfeld von Macht und Ohnmacht wird das Haar hier vom ästhetischen Objekt zum Zeugen tiefster menschlicher Abgründe und systematischer Unterwerfung.

Instrument der öffentlichen Demütigung
Ein historisch erschütterndes Beispiel für die gewaltvolle Instrumentalisierung von Haaren ist die Behandlung französischer Kollaborateurinnen nach der Befreiung am Ende des Zweiten Weltkriegs. Frauen, denen eine sogenannte „horizontale Kollaboration“ mit deutschen Besatzern vorgeworfen wurde, wurden auf den Straßen öffentlich und systematisch kahlgeschoren, um sie gesellschaftlich zu brandmarken und vor der Masse maximal zu demütigen. Die Thematik der Ausstellung verdeutlicht hier auf schmerzhafte Weise, wie der erzwungene Verlust der Haare als direktes Instrument der politischen Machtausübung, der Rache und der gezielten Identitätsberaubung fungiert.


Die absolute Dehumanisierung im KZ Auschwitz
Den unfassbaren Tiefpunkt der historischen Ohnmacht markiert die beispiellose Entwürdigung von Menschen durch die Nationalsozialisten in Vernichtungslagern wie dem KZ Auschwitz. Das dortige systematische Scheren der Opfer unmittelbar nach ihrer Ankunft besiegelte den ultimativen Akt der Entmenschlichung und den endgültigen Raub jeglicher persönlicher Identität. Die verabscheuungswürdige, geradezu industrielle Verwertung dieses menschlichen Haares als bloßes Rohmaterial für die Kriegsindustrie offenbart eine absolute Grausamkeit, die dem Ausstellungsaspekt der „Ohnmacht“ eine zutiefst bedrückende und historisch notwendige Dimension verleiht. Auch das gehört zu dieser Ausstellung dazu.

75. Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz

27. Januar 2020

Wenn sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt, dann poste ich in meinem Blog in der Regel Bilder von meinem Besuch in Auschwitz zum Gedenken.
Zum heutigen 75. Jahrestag zur Befreiung von Auschwitz werde ich keine dokumentarischen Aufnahmen posten, sondern ich erinnere mich an den Tag als ich den Film Schindlers Liste zum ersten Mal im Kino gesehen hatte. Der Steven Spielberg Film nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Keneally hatte mich tief berührt und tut es immer noch. Daher schaue ich mir den Film heute wieder an.


Als ich 1994 ins Kino ging war ich neugierig. Ich war ein Fan von Steven Spielberg und liebte seine unterhaltsamen Filme wie der weiße Hai, Indiana Jones, Unheimliche Begegnung oder E.T. der Außerirdische. Dass sich der Jude Spielberg des Themas Judenverfolgung annahm war nur konsequent, aber konnte er dieses Thema wirklich auf die Leinwand bringen? Ja, und wie er es konnte. Dass hat auch mein Filmidol Stanley Kubrick gesehen, der in der Vorbereitung des Films Aryan Papers arbeitete – eine Verfilmung des Romans Lügen in Zeiten des Krieges von Louis Begley. Kubrick brach die Vorbereitungen ab, die kurz vor dem Drehstart standen. Nach Schindlers Liste würde das Publikum keinen weiteren Film über den Holocaust mehr sehen wollen.
Als ich damals die ersten Minuten von Schindlers Liste im Kino sah, wunderte ich mich, warum der Film in Schwarzweiß gedreht wurde. Aber richtig: Für mich war der Holocaust, der Zweite Weltkrieg und die ganze Thematik schwarzweiß. Es gab zwar Farbfilme in der Zeit, doch diese Geschichte wurde in meinem Kopf in Bildern in Schwarzweiß eingebrannt. Und so traf mich die Szene mi dem roten Mantel des kleinen Kindes um so mehr. Die Emotionen brachen im Kino hervor. Mit welches Brutalität die Mörder vorgingen war ekelerregend. Jedes Mal, wenn ich die Szene auch heute noch sehe, kommen bei mir die Gefühle des Mitleids und des Zorns wieder hoch. Spielberg verstand es, auf der Klaviatur meiner Gefühle zu spielen. Das war seine Kunst in seinen Filmen, die er meisterlich beherrschte. Hinzu kam sicherlich auch der Score von John Williams. Williams weigerte sich anfangs die Filmmusik zu Schindlers Liste zu schreiben. Es gäbe dafür bessere Leute, sagte er zu Spielberg. Der antwortete sinngemäß. „Ja, ich weiß, aber sie sind alle tot.“
Der Film bewegte mich auch auf eine andere Weise. Er zeigt, dass es Menschen gibt, die Unrecht erkennen und sich auf ihre Art zur Wehr setzen. Im Film ist es die Liste der 1200 Schindler-Juden und deren Dank an Oskar Schindler mit dem Ring aus Zahngold auf dem der Talmud-Spruch eingraviert ist: „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.“
Zum 75.Jahrestag der Befreiung von Auschwitz nimmt der Hass gegen Juden in Menem Deutschland wieder zu. Ich nenne nur Halle als Stichwort. Dagegen müssen wir uns alle stellen, dagegen muss ich mich stellen. Ich möchte keine Wiederholung der deutschen Geschichte. Wir haben eine Verantwortung. Ich konnte nicht verhindern, welche Verbrechen damals gegen die Menschlichkeit passierten. Aber ich kann durch meinen Einsatz verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholen.

Ich vergesse es niemals – 70 Jahre Auschwitz

28. Januar 2015

Foto: Lange

Foto: Lange

Unter dem Eindruck der Gedenkfeiern zur Befreiung von Auschwitz habe ich zwei Fotos von mir herausgesucht, als ich das Konzentrationslager besuchte. Die Traurigkeit und das Entsetzen, das ich damals verspürte, hatte ich beim Betrachten der Bilder wieder. Wie grausam kann der Mensch sein? Auschwitz bleibt eine Mahnung. Nie wieder!

Foto: Lange

Foto: Lange

Alles Gute lieber Richard Wagner – meine Gratulation

22. Mai 2013

Foto 1

Heute jährt sich der 200. Geburtstag von Richard Wagner. Sollen wir diesen Geburtstag feiern? Ich meine ja. Für mich ist Wagner einer der wichtigsten Komponisten. Er hat bedeutende Klangwelten erschaffen, die in ein Gesamtkunstwerk münden. Musikalisch hat Wagner großartiges geleistet. Politisch ist Wagner aber abzulehnen.

Ich kann Leute verstehen, die Richard Wagner auch rundherum ablehnen. Politisch war der Mann ein Wirrkopf, der Feuer gelegt hat. Im Netz lese ich immer wieder: Kann man nach Auschwitz noch Wagner hören? Ich denke ja, werde aber hier die Diskussion nicht führen.

Das Interesse an Wagner wurde bei mir geweckt, als ich dem Begräbnis von Wagner-Biograf Martin Gregor Dellin beiwohnte. Ich habe darüber gebloggt, wie mich der Wagner-Virus gepackt hat. Wagner hat viele Fans, die keinen Spaß verstehen und energisch auf die hohe Kunst des Meisters beharren.

Ich begegnete über die Jahre aber auch unkomplizierten Wagner-Fans. Allen voran mein Ex-Kollege Gerhard, der leider 2012 verstorben ist. Er war in Bayreuth bei der Handwerkskammer beschäftigt und ich durfte als Pressereferent der HWK München und Oberbayern immer wieder zu Sitzungen mit ihm. Als wir eines Tages in Bayreuth tagten, lud er die Runde zu sich nach Hause ein. In seinem Wohnzimmer fanden wir sein Hobby vor: Er baute Wagner-Bühnenbilder mit Zinnfiguren detailgetreu nach. Jedes Jahr besorgte er sich die Bühnenbilder der aktuellen Inszenierungen und baute sie nach, stundenlang in Handarbeit Wie verrückt muss man denn sein? In feuchtfröhlicher Runde lauschten wir den Erklärungen und fanden einen unterhaltsamen und dennoch faszinierenden Zugang zu Richard Wagner. Danke dafür.

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Wer heute nach Bayreuth kommt, wird von einer Wagner-Welle regelrecht überrollt. Zu Wagner komme ich wegen der Musik. Leider habe ich für dieses Jahr keine Karten bekommen. Vergangenes Jahr durfte ich Lohengrin auf dem grünen Hügel besuchen. Wie gesagt, dieses Jahr ging ich leer aus – schade. Aber vielleicht bekomme ich noch Fake-Karten geschickt: Tausende Haushalte haben gefälschte Freikarten für die Eröffnungsvorstellung der Bayreuther Festspiele erhalten. In den Umschlägen waren jeweils zwei Karten für den Holländer am 25. Juli. Wer den QR Code auf den Karten scannt, erkennt den Schwindel: Dann wird die Aufdruck „Ätsch, das Ticket ist falsch“ sichtbar.

Aber ich bin auch sauer: Mir nicht verständlich, warum das Festspielhaus im Jubiläumsjahr renoviert werden muss. Da hätte man doch ein Jahr früher beginnen können. Für mich eine komplette Fehlplanung und grausam, wie sich Bayreuth hier der Musikwelt präsentiert. In den Hotels entdecke ich Modelle des Festspielhauses, die mich an den Bühnenbilder meines Freundes Gerhard  erinnern. Sehr schön finde ich auch eine Wand mit einem Wagnerkonterfei im Treppenaufgang beim Bayreuther Hugendubel. Aus Buchcovern wird das Gesicht von Richard Wagner gebildet. Also: Alles Gute Richard und danke für deine Musik.