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Erbarmungslos (Unforgiven, 1992) – Matinee am 28. Dezember im Scala Fürstenfeldbruck

26. Dezember 2025

Erbarmungslos (Unforgiven, 1992) ist mehr als ein klassischer Western – der Film ist Clint Eastwoods schonungslose Abrechnung mit dem Mythos des edlen Revolverhelden und zugleich eine würdige Bilanz eines ganzen Filmgenres. Ich bespreche und zeige den Film am Sonntag, 28. Dezember bei meiner Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Beginn ist um 10:45 Uhr. Karten gibt es online.

Eastwood inszeniert und spielt William Munny, einen gealterten ehemaligen Killer, der versucht hat, sein früheres Leben hinter sich zu lassen. Armut, Schuld und die Verantwortung für seine Kinder treiben ihn jedoch noch einmal zurück in eine Welt, die keine Helden kennt.

Der Film verweigert jede romantische Verklärung von Gewalt. Töten ist hier unerquicklich, zufällig und moralisch zerstörerisch. Eastwood zeigt, dass Gewalt nicht aus Stärke entsteht, sondern aus Schwäche, Angst und Verzweiflung. Gene Hackman verkörpert als Sheriff Little Bill Daggett die vielleicht beunruhigendste Figur des Films: einen Mann, der Ordnung predigt und dabei selbst zum brutalen Tyrannen wird. Hackmans Spiel ist so kontrolliert wie grausam und wurde zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet.

Erbarmungslos lebt von seiner Ruhe und Konsequenz. Die Kamera beobachtet, statt zu urteilen, die Musik bleibt zurückhaltend, die Dialoge sind knapp und präzise. Jeder Schuss hat Gewicht, jede Entscheidung Folgen. Besonders eindrucksvoll ist, wie der Film das Erzählen von Heldengeschichten demaskiert – verkörpert durch den Schriftsteller Beauchamp, der stets nach großen Legenden sucht und am Ende nur ernüchternde Realität findet.

Mit Erbarmungslos verabschiedet sich Clint Eastwood nicht nur von der Figur des Westernhelden, sondern reflektiert auch seine eigene Leinwandvergangenheit. Der Film wirkt wie ein spätes moralisches Resümee: Was bleibt von all den Toten, von Ruhm und Legende? Die Antwort ist bitter, aber ehrlich. Gerade darin liegt die Größe dieses Films. Erbarmungslos ist ein stilles, dunkles Meisterwerk – ein Western für Erwachsene, der bis heute nachhallt und zu den bedeutendsten Filmen der Filmgeschichte zählt. Karten gibt es online.

Der Mann, der Liberty Valance erschoss (1962) – Rückblick auf meine Western Matinee

30. Mai 2025

Für mich ist der Film einer der besten Western überhaupt, den ich bei meiner Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck besprechen durfte: Der Mann, der Liberty Valance erschoss. Die nächste Matinee ist die Westernkomödie „Vierzig Wagen westwärts“ von John Sturges am Sonntag, 8. Juni. Karten gibt es hier.

Der Mann, der Liberty Valance erschoss (Originaltitel: The Man Who Shot Liberty Valance, USA 1962, Regie: John Ford) gilt als eines der bedeutendsten Spätwerke des Western-Genres und zugleich als kritischer Kommentar auf den Mythos des amerikanischen Westens. Der Film erzählt die Geschichte des Senators Ransom Stoddard (James Stewart), der in seine frühere Heimatstadt zurückkehrt, um an der Beerdigung eines alten Freundes teilzunehmen – Tom Doniphon (John Wayne). In Rückblenden wird die wahre Geschichte um den Tod des gefürchteten Banditen Liberty Valance (Lee Marvin) aufgerollt. Hier die Aufzeichnung meines Vortrags:

Erzählstruktur
Formal und inhaltlich ist der Film stark durch eine reflexive Erzählstruktur geprägt. Die Rahmenhandlung in Schwarz-Weiß hebt sich bewusst von den farbenprächtigen Westernbildern jener Zeit ab und unterstreicht den nostalgischen, zugleich entmystifizierenden Ton des Films. Im Zentrum steht die Frage nach Wahrheit und Legende, nach dem Spannungsverhältnis zwischen persönlicher Integrität, öffentlicher Wahrnehmung und politischem Erfolg.

James Stewart verkörpert Ransom Stoddard als idealistischen Anwalt aus dem Osten, der sich dem Gesetz und der zivilisierten Ordnung verpflichtet fühlt, aber letztlich nur durch eine falsche Heldengeschichte politischen Einfluss gewinnt. John Waynes Figur Tom Doniphon repräsentiert hingegen den klassischen Westernhelden: unabhängig, stark und pragmatisch – aber letztlich eine Figur, deren Zeit im Übergang zur Moderne vorbei ist. Doniphon ist es, der Liberty Valance tatsächlich erschießt, um Stoddard zu schützen, bleibt dabei aber im Schatten der Öffentlichkeit.

Wahrheit bleibt auf der Strecke
Die zentrale Aussage des Films wird im berühmten Zitat verdichtet: „When the legend becomes fact, print the legend.“ Diese Zeile bringt die bittere Erkenntnis zum Ausdruck, dass gesellschaftlicher Fortschritt oft auf Mythen und Konstrukten beruht – und nicht zwingend auf der Wahrheit.

Dialoge, Figurenpsychologie und moralische Fragen
John Ford inszeniert diese Geschichte mit großer formaler Souveränität. Der Film verzichtet weitgehend auf spektakuläre Actionszenen und konzentriert sich stattdessen auf Dialoge, Figurenpsychologie und moralische Fragen. Die Inszenierung ist zurückgenommen, die Kameraarbeit von William H. Clothier klar und zweckdienlich, der Score von Cyril J. Mockridge unterstreicht die melancholische Grundstimmung.

In seiner Rückschau auf die Westernmythen, seiner Reflexion über Macht und Wahrheit und seinem tragischen Grundton ist Der Mann, der Liberty Valance erschoss ein Schlüsselfilm des Spätwesterns. Er markiert nicht nur einen Wendepunkt in der Genre-Geschichte, sondern auch im Werk John Fords, der hier eine Art Abgesang auf das heroische Westernbild inszeniert. Der Film stellt nicht nur die Frage, wer Liberty Valance erschossen hat, sondern vor allem: Welche Wahrheit darf (oder soll) Bestand haben – und zu welchem Preis?

Der Mann, der Liberty Valanace erschoss – Western-Matinee am Sonntag, 16. März im Scala FFB

14. März 2025

Wenn es um Western geht, dann geht es bei mir immer um John Ford. In meiner Western-Matinee am Sonntag, 16.März im Scala Fürstenfeldbruck zeige ich den wegweisenden Film Der Mann, der Liberty Valanace erschoss. Karten gibt es hier.

John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoss (The Man Who Shot Liberty Valance) ist mehr als nur ein Western – er ist eine tiefgründige Reflexion über Mythos und Realität, das Ende des Wilden Westens und den Übergang in eine zivilisierte Gesellschaft. Mit John Wayne als rauem Cowboy Tom Doniphon, James Stewart als idealistischem Anwalt Ransom Stoddard und Lee Marvin als furchteinflößendem Outlaw Liberty Valance versammelt der Film einige der größten Stars seiner Zeit und inszeniert ein packendes Drama über Macht, Moral und den Einfluss der Medien.

Der Film beginnt mit einer Rahmenhandlung: Der angesehene Senator Ransom Stoddard (James Stewart) kehrt nach Jahren in den kleinen Ort Shinbone zurück, um an der Beerdigung eines alten Freundes teilzunehmen. In Rückblenden wird die Geschichte erzählt, wie der junge, idealistische Anwalt Stoddard in die Stadt kam und sich dort mit dem skrupellosen Banditen Liberty Valance (Lee Marvin) anlegte. Während Stoddard versucht, Recht und Gesetz mit friedlichen Mitteln durchzusetzen, hält Tom Doniphon (John Wayne) an der alten Ordnung fest, in der das Gesetz der Waffe zählt.

Der berühmteste Satz des Films lautet: “Wenn die Legende zur Tatsache wird, druckt die Legende.” Dies zeigt das zentrale Thema des Films: Die Legende von Stoddard als dem Mann, der Liberty Valance erschoss, hat ihm Ruhm, politische Macht und Einfluss gebracht. Der Film thematisiert damit, wie Geschichte oft durch Mythen geformt wird – besonders in der amerikanischen Kultur.

Für mich ist dieser Film einer meiner Lieblingswestern und zählt zu meinen Lieblingsfilmen überhaupt. Ich freue mich auf Ihren Besuch am 16. März um 10:45 Uhr Scala. Karten gibt es hier.