Posts Tagged ‘Werbung’

Mutti, mach die Tür zu

30. Oktober 2008

Am Rande der Medientage München wurde Kritik an einem neuen Antidiskrimminierungsvorhaben der EU laut. Künftig soll es verboten sein, Frauen in der Werbung in der Waschküche zu zeigen. Klementine wird damit endgültig zu Grabe getragen. Die EU wendet sich damit gegen Geschlechterklischees und dass sei nun mal eine Frau in der Waschküche. Mein Gott, habt ihr Probleme. Als Werber darf ich den Mann dann beim Waschen zeigen, die Frau aber nicht, denn Frau beim Waschen ist ein Geschlechterklischees. Wie wäre es dann, wenn ich künftig keinen Mann mehr mit IT umgehen sehen will. Es sind doch zumeinst Männer, die sich für technischen Schnickschnack begeistern oder den Heimserver aufsetzen (so ist es zumindest bei uns zu Hause). Das ist auch ein Geschlechterklischee. Das sag ich gleich meiner Frau, die kann dann das Heimnetzwerk zum Laufen bringen oder den Drecksdrucker zum Doktor bringen. In der Fachpresse wird diese EU-Entscheidung heftig diskutiert. Übrigens galt es bisher auch, dass die Diskriminierung von Personen wegen ihres Geschlechts, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, ihrer Sprache, ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer politischen Anschauung, ihres Alters oder ihres Aussehens verboten ist. Jetzt muss der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW ran und gegen kochende oder waschende Hausfrauen in Werbungen vorgehen. Gute Nacht Europa oder besser Mutti, mach die Türe zur Waschküche zu.

Ich will keine Prospekte, ehrlich!

22. Oktober 2008

Warum können Austräger nicht lesen? Diese Frage stelle ich mir immer, wenn ich mir die Briefkästen bei großen Wohnblocks ansehe. An vielen dieser Fächer klebt der Aufkleber „bitte keine Werbung oder Anzeigenblätter einwerfen“. Denkste. Die Briefkästen quellen über mit Werbeblättchen und Flyern unterschiedlicher Art. Das gibt es Wurfsendungen vom neuen Pizza-Dienst, der Fassaden-Renovierung (in einem Mietshaus versteht sich), Angebote vom Fleischmarkt und vieles mehr. Zumindest die Wahlwerbung in Bayern haben wir jetzt hinter uns. Also nochmals die Frage: „Warum können Austräger nicht lesen?“ Leute, ich will euer Zeug nicht, ich will keine Angebote, keine Zeitungen. Ich will meine Ruhe und der Briefkasten ist eben für Briefe da. Bei E-Mail habe ich zumindest einen Junk-Filter für unerwünschte Mails. Bein Briefkasten geht das nicht. Neulich habe ich einen Austräger mal erwischt und ihn zur Rede gestellt. Es war ein junger Kerl, der sein Taschengeld aufbessern wollte. Versteh ich ja, doch interessiert mich eigentlich nicht. Dabei erinnere ich mich selbst an meine Jugend. Ich habe selbst mal Prospekte ausgetragen. Es gab 3 Pfennige pro Briefkasten und bei 1000 Prospekten waren dies 30 Mark. Dann kam mir die Idee, für mehrere Firmen, Parteien und Vereine Prospekte auszutragen. Es kamen dann rund 35 Pfennige pro Kasten zusammen, also 350 Mark. Und das Beste: Ich beschäftigte meine Kumpels und hab ihnen 80 Mark ab. Wie eine Spinne saß ich zu Hause, verdiente 270 Mark, während die Kollegen schufteten. Naja, das Ding ein Jahr gut, dann gab es eine Revolution und die Marktwirtschaft in Reinkultur war vorbei. Aber eine gute Idee war es trotzdem. 

Leute, lest mehr Zeitung!

17. Oktober 2008

Am Münchner Hauptbahnhof fällt mir derzeit eine Werbung der Süddeutschen Zeitung auf. „Schenken Sie Ihren Kindern schlaue Eltern. Lesen Sie die Süddeutsche Zeitung.“ Eine nette Idee, die Eltern zu motivieren, eine SZ zu abonnieren. Schließlich wollen Eltern immer intelligente Hechte sein und die Kinder sollen nicht blöde aufwachsen. Gefällt mir gut. Nebenbei erfüllt die Werbung einen weiteren Zweck: Sie bindet Kinder an eine Zeitung, bestenfalls an die Süddeutsche. Grund: Es ist erwiesen, dass Kinder in der Regel zu einer Tageszeitung greifen, wenn sie es aus ihrem Elternhaus gelernt haben. Also wenn Papa morgens beim Frühstück hinter einer Zeitung verschwindet, dann hat es was pädagogisch Gutes. Ist in einem Haushalt keine Zeitung vorhanden, dann sind die Chancen schlecht, dass der Nachwuchs überhaupt zur Zeitung greift. Also mehr Zeitungen lesen und so Jobs in der Zeitungsbranche retten. 

Buchstäblich: Werbung vor der Kirche

26. September 2008

Als Freund von Marketingideen freue ich mich immer über neue Maßnahmen. Interessant war eine Diskussion, die vor kurzem in der Münchner Fußgängerzone stattfand. Hier steht die St. Michaelskirche in der Neuhauser Straße. Sie ist die größte Renaissancekirche in München und wurde zum Wegweiser des Barocks im süddeutschen Raum. Die St. Michaelskirche wird derzeit renoviert und wir wissen: die katholische Kirche ist Geld gegenüber nicht abgeneigt. Also hängte man vor die zu renovierende Fassade eine große Plane. Darauf war eine Werbung eines privaten TV-Senders zu sehen. Hier wird für die Disney Camp Rock geworben, das in Pro 7 läuft. Ein älteres Ehepaar schaute sich das Plakat an und fing an über Sinn und Unsinn zu diskutieren. Interessanterweise gab es keine Debatte, ob man Werbung vor eine Kirchefassade hängen darf oder nicht, sondern was so ein Plakat der Kirche wohl bringt. Nun die Höhe der Einnahmen kenne ich auch nicht. Die Marketingidee ist gelungen. Ich habe aber gemerkt, wie mich die Kommerzialisierung dennoch getroffen hat. Eine Kirche mit Pro 7-Werbung? Wie wäre es denn, wenn man die Gebetsbücher mit Küchenrezepten von Dr. Oekter ausstattet? Oder im Altarraum ein Leuchtlaufband aufstellt und für Coke Werbung macht? Wir können auf jeden Fall froh sein, dass in Pro 7 nicht „Das Omen“ oder „Exorzist“ läuft. Hier würde die Werbung zumindest zum Thema passen.

Kein Platz für Fußball im US-Fernsehen

10. September 2008

Nachdem ich mir das jüngste Spiel der deutschen Fußballmannschaft angeschaut habe, wurde mir bewusst, warum Fußball in den USA keine Massensportart im Fernsehen wird. Ganz einfach, es dauert zu lange. Soccer, wie Fußball korrekt übersetzt in den USA heißt, ist nichts für amerikanische TV-Sender. Hier braucht man Sportarten die Werbeblöcke zulassen. Und was machen wir: Zweimal 45 Minuten und dazwischen eine Pause. Nein, so geht das nicht. Ein Baseball- oder Football-Match ist da schon besser. Angriff, Unterbrechung. Kaum haben die Jungs ein paar Meter gewonnen, dann wird unterbrochen und neu aufgestellt. Der ideale Platz für eine Werbepause. Und beim Baseball? Zum einen blick ich die Regeln sowieso nicht, zum anderen hab ich das Gefühl, das Spiel ist nur für Zuschauer da, die Hotdogs essen oder Dünnbier trinken wollen. Auch da sind Werbepausen super. Das amerikanische TV-System ist auf diese Werbeblöcke ausgerichtet und reagiert empfindlich, wenn es gestört wird. Ich habe noch eine Idee für die USA. Als ich in Schottland war, lief den ganzen Tag ein Kricket-Turnier. Spielen, Shortbread essen, Tee trinken, Spielen und das Publikum klatscht ganz eifrig. Also Kricket, das ich zugegebenermaßen auch nicht verstehe, ist ideal für das US-Fernsehen.