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Ich will keine Prospekte, ehrlich!

22. Oktober 2008

Warum können Austräger nicht lesen? Diese Frage stelle ich mir immer, wenn ich mir die Briefkästen bei großen Wohnblocks ansehe. An vielen dieser Fächer klebt der Aufkleber „bitte keine Werbung oder Anzeigenblätter einwerfen“. Denkste. Die Briefkästen quellen über mit Werbeblättchen und Flyern unterschiedlicher Art. Das gibt es Wurfsendungen vom neuen Pizza-Dienst, der Fassaden-Renovierung (in einem Mietshaus versteht sich), Angebote vom Fleischmarkt und vieles mehr. Zumindest die Wahlwerbung in Bayern haben wir jetzt hinter uns. Also nochmals die Frage: „Warum können Austräger nicht lesen?“ Leute, ich will euer Zeug nicht, ich will keine Angebote, keine Zeitungen. Ich will meine Ruhe und der Briefkasten ist eben für Briefe da. Bei E-Mail habe ich zumindest einen Junk-Filter für unerwünschte Mails. Bein Briefkasten geht das nicht. Neulich habe ich einen Austräger mal erwischt und ihn zur Rede gestellt. Es war ein junger Kerl, der sein Taschengeld aufbessern wollte. Versteh ich ja, doch interessiert mich eigentlich nicht. Dabei erinnere ich mich selbst an meine Jugend. Ich habe selbst mal Prospekte ausgetragen. Es gab 3 Pfennige pro Briefkasten und bei 1000 Prospekten waren dies 30 Mark. Dann kam mir die Idee, für mehrere Firmen, Parteien und Vereine Prospekte auszutragen. Es kamen dann rund 35 Pfennige pro Kasten zusammen, also 350 Mark. Und das Beste: Ich beschäftigte meine Kumpels und hab ihnen 80 Mark ab. Wie eine Spinne saß ich zu Hause, verdiente 270 Mark, während die Kollegen schufteten. Naja, das Ding ein Jahr gut, dann gab es eine Revolution und die Marktwirtschaft in Reinkultur war vorbei. Aber eine gute Idee war es trotzdem.