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Mein persönlicher Jahresrückblick 2025

31. Dezember 2025

Das Jahr 2025 war ein Jahr der drastischen Veränderung. In diesem Jahr verstarb meine geliebte Mutter überraschend. Ich konnte sie in ihren letzten Momenten nicht begleiten, weil ich an der Ostsee weilte. Zehn Stunden Rückfahrt waren lang. Ich konnte nicht bei ihr sein. Jetzt bin ich nach dem Tod meines Vaters zur Corona-Zeit wirklich das Familienoberhaupt und ich trage schwer an dieser Bürde. Die Bürokratie bei einer Erbschaft frustete mich gewaltig. Aber ganz herzlichen Dank an meine Frau und meine Kinder, die hier immer zur Seite standen.

Monster Bürokratie
Aufgelöst haben wir einen Verein BEST, den meine Kollegin Maria Filina und ich mit Unterstützung der Landtagsabgeordneten Barbara Becker gegründet hatte. Er sollte russischsprachigen Menschen eine Eingliederung in das deutsche Gesundheitswesen ermöglichen. Meine persönliche Erkenntnis: Das bürokratische Gesundheitswesen in Deutschland ist oftmals an keiner Lösung interessiert. Den engagierten Leuten werden Hürden in den Weg gelegt. Das frustrierte mich, obwohl wir mit BEST natürlich auch Erfolge hatten. Danke an alle, die sich engagiert haben.

15 Jahre redaktion42
Aber es ging auch aufwärts im vergangenen Jahr. Ich feierte im März den 15. Geburtstag meines Unternehmens redaktion42. Eigentlich ist es schon älter, weil ich es neben meiner damaligen Festanstellung mein Unternehmen parallel dazu aufgebaut habe. Aber seit 15 Jahren bin ich wirklich selbstständig.

Es gelang 2025 mir neue Kunden zu gewinnen, nachdem bestehenden Kunden unter massiver Finanznot zu leiden haben. Für politische Bildung ist trotz finsterer Zeiten immer weniger Geld vorhanden. Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. „Du musst den Gürtel enger schnallen“ habe ich immer wieder gehört von Leute in einer soliden Festanstellung. Aber zurücklehnen und zu jammern ist nicht mein Ding, sondern ich versuche aktiv den Markt zu bearbeiten.

BistroTalk nimmt Fahrt auf
Dazu gehört auch eine gewisse Investitionsbereitschaft, die sich nicht sofort in bare Münze auszahlt. So hieß es 2025 experimentieren, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Eines der Experimente war das Live-Streaming BistroTalk in YouTube aus meinem zweiten Wohnzimmer, der Bar Sixtyfour in Maisach. Gastronom Uwe Flügel und seine Frau Ruby stellten mir ihr Bistro als Streamingstudio zur Verfügung. Ganz herzlichen Dank und auch Dank für eure Freundschaft.

Ich lud lokale Prominenz aus meinem Wohnort Maisach zu diesem Videopodcast ein, sprach mit ihnen vor Publikum und streamte die Veranstaltung live ins Netz mit drei Kameras und einem ATEM-Mischer. Dieses Experiment, das 2026 fortgesetzt wird, brachte dem Bistro und mir neue Kunden und den Gästen lokale Aufmerksamkeit. Also eine Win-Win-Win-Situation für alle. Vielleicht gibt es 2026 die Möglichkeit für den BistroTalk einen lokalen Sponsor zu finden.

Fortbildung zum Digitalbegleiter
Als ich vor Jahren Pressereferent der Handwerkskammer in München und Oberbayern war, schrieb ich in die Reden meines Präsidenten zum Thema Weiterbildung den bekannten Ausspruch von Laozi: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Das hab ich mir gemerkt und immer Augen und Ohren offen gehalten, um Bildung zu erhalten. Dieses Jahr stand vor allem das Thema KI an, denn aus meiner Sicht verändert Künstliche Intelligenz unsere Welt drastisch und nachhaltig. Ich saugte Wissen auf, transformierte es in Vorträge und Seminare, um dieses Wissen weiterzugeben. Das habe ich als Journalist gelernt: Komplizierte Sachverhalte zu recherchieren, zu bewerten und weiterzugeben. So oft habe ich erlebt, dass so genannte Experten unfähig sind, ihr Wissen zu vermitteln.

Und ich habe dieses Jahr einen Fortbildung zum Digitalbegleiter gemacht. Im Hinblick auf eine älter werdende Gesellschaft ist es wichtig, dass Senioren den Anschluss an die digitale Welt nicht verpassen. Und so habe ich auch neue Kunden durch diese Fortbildung gewinnen können.

52 Newsletter verschickt
Jeden Sonntag morgen verschicke ich zuverlässig meinen Newsletter. Der dient in erster Linie dazu, meine Seminare und Veranstaltungen zu bewerben. Aber er liefert zudem Informationen aus den Bereichen Internet, KI, Social Media und unterhaltende Elemente wie Film-, Buch- und Musiktipps wobei Links zu meinen Blogposts der vergangenen Woche. Der Newsletter macht ziemlich Arbeit und das gewünschte Ziel, Leute für Seminare zu begeistern, gelingt.

Rund 1000 Interessierte haben den kostenlosen Newsletter abonniert. Sie können gerne auch dabei sein. Vielleicht gelingt es mir 2026 sogar einen Sponsorpartner dafür zu finden, denn das Newsletter-System geht ziemlich ins Geld. Aber ich mache auch 2026 mit meinem wöchentlichen Newsletter weiter. Das Abo gibt es hier.

Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck
Etabliert hat sich auch meine Matinee im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Regelmäßig bespreche ich Filmklassiker vor Publikum. Die Fangemeinde wächst und wächst. Zusammen mit dem Geschäftsführer des Scalas Markus Schmölz haben wir mit phantastischen Filmen gestartet und die Matineen um Komödien und Western erweitert.

Das Programm für das erste Halbjahr 2026 steht fest und ich bin davon überzeugt, dass es angenommen wird. Die Kombination Film und Populärkultur ist meine Leidenschaft. Danke an das Scala für den Mut und die Bereitschaft neue Wege zu gehen.

Persönlich: Mein Buch-Tipp 2025
Mein Buch des Jahres war Ikigai von Ken Mogi. Ken Mogis Ikigai. Die japanische Lebenskunst ist ein schmales, leicht zugängliches Sachbuch, das den japanischen Begriff „Ikigai“ – sinngemäß das, wofür es sich zu leben lohnt – einem westlichen Publikum näherbringen möchte. Mogi, selbst Neurowissenschaftler, verbindet dabei persönliche Beobachtungen, kulturelle Einordnungen und einfache Lebensweisheiten zu einer Art philosophischem Essay über Sinn, Achtsamkeit und Lebensfreude.

Im Zentrum stehen fünf Grundpfeiler des Ikigai: klein anfangen, sich selbst loslassen, Harmonie und Nachhaltigkeit leben, die Freude an kleinen Dingen entdecken und ganz im Hier und Jetzt sein. Diese Prinzipien werden nicht systematisch wissenschaftlich hergeleitet, sondern eher erzählerisch entfaltet. Mogi greift auf Beispiele aus dem japanischen Alltag zurück – von Sushi-Meistern über Handwerker bis hin zu alltäglichen Routinen – und zeigt, wie Sinnstiftung weniger aus großen Lebensentwürfen als aus beständiger Hingabe an das eigene Tun entsteht.

Die Stärke des Buches liegt für mich in seiner ruhigen, unaufgeregten Tonalität. Ikigai lädt zur Entschleunigung ein und wirkt gerade durch seine Einfachheit. Der Autor vermeidet dogmatische Ratschläge und vermittelt stattdessen eine Haltung: Aufmerksamkeit für das Kleine, Respekt vor Prozessen und Geduld mit sich selbst. Ich bekam sogar von einer netten Kollegin ein entsprechendes T-Shirt geschenkt. Vielen Dank Anita.

Persönlich: Mein Album-Tipp 2025
Ich hatte neulich schon über mein Album 2025 ausführlich gebloggt. Nebraska von Bruce Springsteen in der Extended Version. Mit Nebraska zeigte Bruce Springsteen 1982 eine radikale, bis heute verstörend wirkungsvolle Seite seines Schaffens. In der Extended Version entfaltet sich dieses Album noch deutlicher als karges Gegenstück zum Pathos späterer Stadionhymnen. Die Songs, ursprünglich als rohe Heim-Demos aufgenommen, erzählen von Verlierern, Außenseitern und moralischer Leere im amerikanischen Alltag. Springsteens Stimme klingt brüchig, fast dokumentarisch, begleitet nur von Akustikgitarre, Mundharmonika und gelegentlichen düsteren Klangflächen.

Gerade in der erweiterten Fassung wird Nebraska weniger als Sammlung einzelner Lieder, sondern als geschlossenes Stimmungsbild erfahrbar: ein Amerika der leisen Verzweiflung, fern von Glanz und Erlösung. Die zusätzliche Laufzeit verstärkt den Eindruck von Trostlosigkeit und Konsequenz, ohne das Album zu verwässern. Nebraska bleibt damit eines der mutigsten und nachhaltigsten Werke Springsteens – unbequem, reduziert und gerade deshalb von zeitloser Kraft.

Persönlich: Meine Konzerte 2025
Durch den überraschenden Tod meiner Mutter hatte ich eine neue Freiheit gewonnen, die mir durch Pflege meiner Mutter verwehrt gewesen blieb. Nun konnte ich mit meiner Frau wieder reisen und auf Konzerte gehen, in einem Ausmaß, das ich früher nicht machen konnte.

Ich besuchte zahlreiche Privatkonzerte in München mit beispielsweise Dominik Plangger, reiste u.a. zu Neil Young nach Berlin, hörte Kruger und Dorfmeister und auch Karl Bartos, aber die wichtigsten Konzerte für mich im Jahre 2025 waren auf den Stuttgarter Jazz-Festival als ich Kraftwerk, Jean-Michel Jarre und Martin Kohlstedt lauschen durfte. Über all die Konzerte habe ich gebloggt. Kraftwerk bleibt für mich die wichtigste deutsche Band. JMJ begleitet mich seit meiner Jugend und ich wollte diesen einstigen Vertreter der Musique Concrete unbedingt mal live sehen: Überwältigend.

Martin Kohlstedt gehört für mich zu den eigenständigsten Stimmen der zeitgenössischen Instrumentalmusik. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen Minimal Music, Neoklassik und elektronischer Offenheit und entwickeln eine große emotionale Tiefe, ohne je pathetisch zu wirken. Besonders charakteristisch ist sein modulares Konzept: Stücke sind keine abgeschlossenen Werke, sondern lebendige Systeme, die sich in Konzerten immer wieder neu formen.

Und ich traf wieder den großartigen Schriftsteller Tim Pröse bei einer seiner emotionalen Buchvorstellungen.

Persönlich: Meine Reisen
Ich genoss dieses Jahr meine Reise nach Schottland , nach Bayreuth oder auch ins wunderschöne Lübeck. Dieses Jahr war aber meine wichtigste Reise nach Estland. Mitten im Winter zeigte sich dieser baltische Staat von einer Schönheit, die ich so nie erwartet hatte. Und ich habe die Angst der Esten vor einer drohenden russischen Invasion kennengelernt. Die Esten waren mehrmals von Deutschen und Sowjets besetzt und litten darunter. Sie mussten den ersten Cyberkrieg der Russen erleben und sind achtsam. Ich bewundere zudem die weitreichende Digitalisierung. „Die Deutschen denken zuerst nach und handeln dann – nicht!“ Dieser Satz ist mir hängen geblieben. Ich habe die Reise ausführlich mit schwarzweiß Fotos dokumentiert. Dabei habe ich festgestellt, wie stark SW wirkt.

Zum Leidwesen meiner Frau habe ich auch wieder angefangen analog zu fotografieren. Und zwar mit einer SX-70 von Polaroid von 1974. Ja, ganz richtig: Ich habe wieder mit Sofortbilder begonnen. Das war noch Fotografie, wie ich sie liebe.

Eine große Freude und Inspiration war es, den Sohn der großartigen Fotografin Lee Miller Antony Penrose und den renommierten Leica-Fotografen Herbert Piel zu treffen und zu sprechen.

Persönlich: Meine Anschaffung
Ich habe dieses Jahr investiert und mir eine Apple Vision Pro zugelegt. Die Apple Vision Pro ist mehr als ein technisches Wunder – sie ist für mich ein Tor zu einer Welt, in der Arbeit nicht länger an starre Grenzen gebunden ist, sondern sich wie ein lebendiger Strom um den Menschen herum entfaltet. Allerdings habe ich nun eine Lösung für Probleme, die ich bisher nicht hatte.

Ich taste mich Zug um Zug in diese faszinierende virtuelle Welt vor. Hilfe und Unterstützung gibt mir ein virtueller Stammtisch der Facebook-Gruppe VR Familie – Meta Quest, Steam Frame, Apple Vision Pro, PSVR, Galaxy XR. Im Moment schreibe ich diesen Text über die Vision Pro und es ist eine ganz neue Erfahrung. Ich bin gespannt, wohin mich meine Reise bringt.

Persönlich: Meine Ehrenämter
Ich habe mehrere Ehrenämter, die mich ganz schon in Anspruch genommen haben. Da wäre zum einen die Aktion PiT Togohilfe um die Familie Kopp. Dort gehöre ich dem Vorstand an und bringe mich in Sachen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Zum anderen bin ich Mitglied des historischen Arbeitskreises meiner Wohnortgemeinde Maisach. Dort geben wir einmal pro Jahr das Heft Meisaha heraus, bei dem ich Artikel schreibe und die ganzen Artikel layouten sowie die Öffentlichkeitsarbeit mache. Das Heft wird in zahlreichen Geschäften in der Gemeinde und im Rathaus verkauft. Ich darf die Facebook-Seite betreuen, nehme unsere Veranstaltungen und Lesungen auf Video auf.

Und was soll 2026 kommen?
Im kommenden Jahr soll noch ein Online-Shop und die Website für mein Meisaha-Heft hinzukommen. Die Arbeit werde ich nicht aufschieben, denn ich weiß ja nicht, was das Jahr 2026 noch so bringen wird.
Die Erfahrungen mit dem Online-Shop kann ich gleich nutzen, um Teile meines Archivs aufzulösen und Platz zu schaffen. Die Keller sind voll, übervoll und ich werde mich von einigen Sammlungen trennen. Da wäre so ein Online-Shop ganz nützlich.

Fünf Tage vermisst: Unsere Katze Atari ist wieder zurück

17. Juni 2025

Vor fünf Tagen ist unser Kater Atari verschwunden – einfach so, ohne ein Geräusch, ohne ein Zeichen, ohne Abschied, einfach so. Es war ein sonniger Tag, wie so viele zuvor, an dem er noch schnurrend durchs Wohnzimmer streifte, bevor er durch die Katzenklappe um 18:33 Uhr ins Freie schlüpfte. Wir dachten uns nichts dabei – Atari war ein Freigänger, selbstbewusst, klug. Nachts ist er ein großer Kuschler, tagsüber ein scheues Tier. Aber er ist bisher immer wieder zurückgekommen. Doch dieses Mal blieb sein Platz leer.

Zuerst kam die Sorge. Dann die Unruhe. Und schließlich die Angst, vor allem bei mir. Ich hätte die ganze Familie angesteckt, erklärte mir meine Frau.

Wir haben unsere beiden Kater Atari und Parsifal seit der Corona-Zeit und sie sind uns sehr ans Herz gewachsen. Die Tochter hat die jungen Kater aus der großartigen Tierauffangstation Überacker bei uns aufgezogen und die ganze Familie kümmert sich um die beiden Fellnasen. Da ich als Selbstständiger von zu Hause arbeite, strichen die Kater meist bei mir umher und ich verwöhnte sie. Aber nun war Atari verschwunden, deutlich länger als sonst.

Wir suchten die umliegenden Straßen ab, riefen seinen Namen, fragten Nachbarn, durchforsteten Gebüsche. Kein Miauen, kein Rascheln, kein Hinweis. Nacht für Nacht standen wir im Garten, blickten immer wieder durch die Fenster und hofften auf ein vertrautes Geräusch. Meine Frau und ich versuchten stark zu sein – die Gedanken um die verschwundene Katze waren immer da. Unsere beiden erwachsenen Kinder, längst aus dem Gröbsten raus, kämpften plötzlich wieder mit kindlicher Hilflosigkeit. Atari war kein Haustier – er war Familienmitglied, Freund, Begleiter durch Höhen und Tiefen.

Ich meldete den Kater bei Tasso, eine sehr engagierte Organisation für verlorene und gefundene Tiere. Wir bekamen ein Plaket, posteten es in sozialen Netzwerken und erhielten ein unglaubliche Menge an aufmunternden, positiven Feedback – vielen Dank dafür. Es gibt auch Liebe im Netz und in den sozialen Netzwerken.

Die Tage zogen sich wie Kaugummi. Ich malte mir das Schlimmste aus. Ein Unfall. Ein Mensch, der ihn mitnahm. Oder Schlimmeres. Wir schauten immer wieder in den Garten, als könnten wir so die Zeit zurückdrehen. Jeder kleine Hoffnungsschimmer – ein ähnlicher Kater auf einem Zaun, ein Rascheln im Gebüsch – wurde zu einem emotionalen Drahtseilakt.

Und dann kam das Gewitter über das Dorf. Schwer und laut, mit peitschendem Regen. Meine Frau und ich waren in einem Konzert, als um 22:04 Uhr Atari durch die Katzenklappe schlüpfte. Wir haben eine WLAN gesteuerte Klappe, die Alarm gibt, wenn ein eigenes Tier die Hütte betritt. Sofort riefen wir die Tochter zu Hause an, doch sie hatte bereits alles unter Kontrolle und nahm den Streuner in Empfang. Unser verlorenes Familienmitglied war wieder da.

In diesen Tagen wurde uns schmerzhaft bewusst, wie tief Liebe gehen kann – auch die zu einem Tier. Und wie sehr das Gefühl von Verlust an der Seele zehren kann. Wir sind dankbar. Und wir wissen: Das Glück, das wir jetzt spüren, wiegt all die Angst auf. Atari ist wieder zu Hause. Und mit ihm ist auch ein Stück unseres Herzens zurückgekehrt. Erst mal wurde gefressen und getrunken und lange, lange geschlafen.

Zwischen Pendelstress und Küchentisch: Unser Alltag mit Homeoffice

17. Mai 2025

Als Selbstständiger beobachte ich die Entwicklung mit Interesse: Einmal rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln. Gemeint ist die Diskussion um das Homeoffice.

Die Argumente sind seit langem ausgetauscht, die Emotionen noch lange nicht. Nun schauen wir mal auf aktuellen Zahlen, die unlängst von der Bitkom geliefert wurden: 58 Prozent der Unternehmen ermöglichen mobiles Arbeiten wie Homeoffice zumindest für einen Teil der Belegschaft. Ein Fünftel (20 Prozent) hat früher Homeoffice angeboten, tut dies heute aber nicht mehr. Bei ebenso vielen (20 Prozent) gab es noch nie die Möglichkeit zu Homeoffice. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. In größeren Unternehmen ist Homeoffice dagegen weiter stark verbreitet. So bieten 71 Prozent der Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten mobiles Arbeiten an, in der Größenordnung ab 500 Beschäftigten sind es 74 Prozent. In den kommenden Monaten könnten die Zahlen aber weiter sinken. 15 Prozent aller Unternehmen, die aktuell noch Homeoffice anbieten, wollen die Möglichkeit reduzieren, 5 Prozent sogar ganz abschaffen. In 30 Prozent wurde Homeoffice im vergangenen Jahr bereits zurückgefahren. Knapp die Hälfte (45 Prozent) will an ihrer bestehenden Homeoffice-Regelung dagegen nichts ändern, 3 Prozent wollen das Homeoffice sogar ausbauen.

Ich betrachte meine Kinder. Der Sohn arbeitet in einem Handwerksbetrieb im nächsten Ort, der kann kein HomeOffice machen, weil die Produktionsmittel im Betrieb stehen. Da stellt sich nicht die Frage. Arbeit und Wohnen sind hier dank kurzer Entfernungen möglich.

Die Tochter studiert und arbeitet nebenbei und tut dies beides die meiste Zeit von zu Hause aus. Den Sinn zeitaufwändig in die Hochschule oder an den Büroschreibtisch zu fahren, erschließt sich ihr nur bedingt. Die Anfahrtswege sind einfach rund eine Stunde im Speckgürtel von München: Voller ÖNPV, volle Straßen, keine Parkplätze kosten Überwindung. Von gut organisierten hybriden Arbeitsmodellen mit der Möglichkeit zum Homeoffice können viele Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen profitieren. Wichtig seien gemeinsame Tage im Büro, um Face to Face gut vorbereitet Dinge abzusprechen und dann seine Arbeitsaufträge zu erledigen. Der soziale Faktor der Kommunikation kann nur bedingt durch Videokonferenzen ersetzt werden, aber die Voraussetzung ist, dass sich in einem Meeting jeder konzentriert bei der Sache ist.

Das sieht auch eine Mehrheit der Unternehmen so. 57 Prozent sind überzeugt, dass es Unternehmen, die kein Homeoffice ermöglichen, schwer haben, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. 46 Prozent glauben, dass Rückrufaktionen ins Büro vornehmlich dazu dienen, unmotivierte Beschäftigte loszuwerden. Zwar befürchtet eine deutliche Mehrheit von zwei Dritteln (67 Prozent) der Unternehmen, dass durch Homeoffice der Zusammenhalt im Unternehmen verloren geht, zugleich meinen aber 44 Prozent, dass in der Regel im Homeoffice produktiver gearbeitet wird als im Büro. Und auch ein Aufreger-Thema der vergangenen Monate wird in den Unternehmen gelassener gesehen: 41 Prozent finden es in Ordnung, wenn Beschäftigte private Angelegenheiten während der Homeoffice-Zeit erledigen.

Andere Zahlen: Laut Zahlen des Landesamts für Statistik ist in Bayern der Anteil der Angestellten, die jeden Tag im Homeoffice arbeiten, auch deutlich gesunken. Während vor drei Jahren noch 36 Prozent ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet haben, betrug die Quote im Freistaat zuletzt nur noch 21 Prozent.

Leben und Arbeiten
Bei den Eltern meiner Frau und bei meinen Eltern waren Leben und Arbeiten entweder im Hause oder im Ort. Weite Pendlerstrecken gab es nicht und daher auch nicht die Diskussion um Homeoffice. Leben und Arbeiten unter einem Dach, das ist auch eine Version von Homeoffice.

Mir bestätigen Pendler im Speckgürtel von München, dass heute viele vom Auto auf den überlasteten ÖPNV umgestiegen sind. Besser im Zug warten, als im Auto im Stadtverkehr von München. Für mich als Außenstehender hat sich Homeoffice in der Arbeitswelt etabliert. Wie ist das bei euch?