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Konzertkritik: Rainbow in München Juni 2019

14. Juni 2019
Rainbow in München - ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Rainbow in München – ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Memories of Rock – so war die Tour betitelt und wenn ich mich an Rainbow erinnere, dann kommt mir als erstes der legendäre Auftritt der Jungs um Ritchie Blackmore von 1977 in der Münchner Olympiahalle in den Sinn. Gleich vorweg: So ein Auftritt ist es im Juni 2019 am gleichen Ort nicht geworden.
Ich war kein Freund von Blackmores Mittelalter Gedöns und so freute ich mich, dass der ehemalige Guitar Hero wieder mit seiner Hardrock Combo Rainbow auf Tour ging. Und er kam für ein einziges Konzert nach Deutschland und sogar in meine Heimatstadt München. Die bayerische Landeshauptstadt bedeutet für Blackmore viel und er strengte sich an.
Nachdem Ronnie James Dio und Cozy Powell von 1977 ja nicht mehr unter uns weilen, musste Blackmore seine Band neu aufbauen und es ist ihm gelungen. Die Spielfreude der Band ist ihnen hoch anzurechnen.
Aber was ist aus unserem Helden Blackmore geworden? Einst ein Berserker auf der Bühne, der musikalisch provozierte, der den meisten der heutigen Gitarristen „den Arsch“ abspielen konnte (Zitat Blackmore) – ja was ist aus ihm geworden? Der launische Mann an der weißen Stratocaster ist ruhig geworden. Keine emotionalen Ego-Ausbrüche mehr wie zu alten Zeiten. Er steht ruhig da und konzentriert sich auf sein Gitarrenspiel. Sein Instrument beherrscht er noch, ohne Zweifel. Aber lieber Ritchie – schau mal zu Steve Morse rüber und da sieht man wie man heute Gitarre in einer Hardrock-Band spielt.

Aber nachdem ich mit Fans gesprochen habe, die sich die letzten Konzerte von ihm angetan haben, ist München wohl dagegen ein Hochgenuss gewesen. Blackmore hat sich bemüht, aber mit Arthritis spielt sich halt nicht mehr meisterhaft Gitarre. Mit den Hochgeschwindigkeitssolos ist es vorbei, aber für eine Memories in Rock-Tour reicht es dann noch. Experimente ließen sich nicht erwarten, dennoch hatte ich den Eindruck, dass viele Songs spontan angestimmt wurden. Sänger Ronnie Romero ist nicht Dio, aber er machte seine Sache sehr, sehr gut. Manches wirkte für mich uninspiriert, wie die Solos in Mistreated – ich habe immer David Coverdale im Ohr.

Schön war, dass ein Brite Freude schöner Götterfunken in Difficult to Cure zitierte. Ein Synthesizer mag in den Siebzigern und Achtzigern noch eine Innovation gewesen sein, aber das Thema ist durch, egal welche Improvisation da Jens Johansson abgibt.

Die Setlist variierte im Vergleich zu früheren Konzerten der Tour. Und natürlich bei Memories in Rock durften die Gassenhauer nicht fehlen. Das meist ältere Publikum feierte ihren Helden, wippte mit und nachdem die Plattencover auf der Videowand eingespielt wurden, konnte man sich erinnern, was so die Klassiker sind, die man haben musste. Emotional wurde es dann noch zum Schluss – eine Verbeugung an den alten Kumpel Jon Lord und als Abschluss noch Smoke on the Water. Was will man mehr?

Bei der Heimfahrt mit dem Auto legte ich erst einmal Live in Munich 1977 ein. Das war eben noch ein richtig gutes Konzert, eben Rock Memories von 1977 und nicht ein gutes Konzert von 2019.

Kleiner Mann ganz groß: Nachruf auf Ronnie James Dio

18. Mai 2010
Meine erste Dio-Platte: Holy Diver - ohne Kompromisse.

Meine erste Dio-Platte: Holy Diver - ohne Kompromisse.

Irgendwie hab ich die Nachricht verpasst, aber gestern traf mich die Neuigkeit dann um so heftiger: Ronnie James Dio ist tot. Der Sänger verstarb am Sonntag, 16. Mai 2010, im Alter von 67 Jahren an Krebs.

Ich war nie ein wahrer Dio-Fan mit Kutte und so, doch ich hörte ihn über die Jahre aber ganz gerne. Das erste Mal war es noch zu meiner Schulzeit als ein Klassenkamerad mir die legendäre Platte Holy Diver (Remastered) lieh. Das Cover war nicht von schlechten Eltern und es war mir mit einem Schlag klar, was Black Metal bedeutete. Der Humor entging mir allerdings die ersten Jahre, muss ich heute gestehen. Die Musik war klassischer Hardrock der siebziger Jahre. Später kaufte ich mir die wichtigsten Aufnahmen von Dio zusammen. Ich mochte vor allem die Rainbow-Aufnahmen Long Live Rock’N’Roll und Ritchie Blackmore’s Rainbow (Re Release), aber natürlich haben auch die Black Sabbath-Aufnahmen einen fetten Sound. Solo waren neben Holy Diver mir vor allem The Last in Line und Lock Up the Wolves die liebsten Aufnahmen des kleinen Mannes mit der Hammerstimme. Lange gesucht habe ich die Aufnahmen der ersten Dio-Band Elf wie The Elf Albums: Carolina Country Ball (1974) / Trying to Burn the Sun (1975) , eigentlich mehr Bluerock als Hardrock, aber unglaublich Gefühl.

Ich glaube, Dio machte mich mit der Teufelshörner-Geste bekannt. Der kleine Finger und Zeigefinger ragen aus der Faust heraus, was an einen gehörnten Teufelskopf erinnern soll – diese Geste will Dio in die Szene eingeführt haben. Egal, ob es stimmt, eine nette Geschichte ist es allemal.

Der Tod des Musikers wird auch in der digitalen Welt begangen. Seine Gattin Wendy ließ über die Website verlauten: „Today my heart is broken, Ronnie passed away at 7:45am 16th May. Many, many friends and family were able to say their private good-byes before he peacefully passed away.“ Und es wurde sofort eine Facebook-Fanseite zum Kondolieren eingerichtet, in der über Nacht Tausende ihre Wünsche und Erinnerungen posten konnten. So ist sie wohl die Trauerarbeit im 21. Jahrhundert.