Konzertkritik: Rainbow in München Juni 2019

Rainbow in München - ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Rainbow in München – ich wollte Herrn Blackmore nochmal sehen.

Memories of Rock – so war die Tour betitelt und wenn ich mich an Rainbow erinnere, dann kommt mir als erstes der legendäre Auftritt der Jungs um Ritchie Blackmore von 1977 in der Münchner Olympiahalle in den Sinn. Gleich vorweg: So ein Auftritt ist es im Juni 2019 am gleichen Ort nicht geworden.
Ich war kein Freund von Blackmores Mittelalter Gedöns und so freute ich mich, dass der ehemalige Guitar Hero wieder mit seiner Hardrock Combo Rainbow auf Tour ging. Und er kam für ein einziges Konzert nach Deutschland und sogar in meine Heimatstadt München. Die bayerische Landeshauptstadt bedeutet für Blackmore viel und er strengte sich an.
Nachdem Ronnie James Dio und Cozy Powell von 1977 ja nicht mehr unter uns weilen, musste Blackmore seine Band neu aufbauen und es ist ihm gelungen. Die Spielfreude der Band ist ihnen hoch anzurechnen.
Aber was ist aus unserem Helden Blackmore geworden? Einst ein Berserker auf der Bühne, der musikalisch provozierte, der den meisten der heutigen Gitarristen „den Arsch“ abspielen konnte (Zitat Blackmore) – ja was ist aus ihm geworden? Der launische Mann an der weißen Stratocaster ist ruhig geworden. Keine emotionalen Ego-Ausbrüche mehr wie zu alten Zeiten. Er steht ruhig da und konzentriert sich auf sein Gitarrenspiel. Sein Instrument beherrscht er noch, ohne Zweifel. Aber lieber Ritchie – schau mal zu Steve Morse rüber und da sieht man wie man heute Gitarre in einer Hardrock-Band spielt.

Aber nachdem ich mit Fans gesprochen habe, die sich die letzten Konzerte von ihm angetan haben, ist München wohl dagegen ein Hochgenuss gewesen. Blackmore hat sich bemüht, aber mit Arthritis spielt sich halt nicht mehr meisterhaft Gitarre. Mit den Hochgeschwindigkeitssolos ist es vorbei, aber für eine Memories in Rock-Tour reicht es dann noch. Experimente ließen sich nicht erwarten, dennoch hatte ich den Eindruck, dass viele Songs spontan angestimmt wurden. Sänger Ronnie Romero ist nicht Dio, aber er machte seine Sache sehr, sehr gut. Manches wirkte für mich uninspiriert, wie die Solos in Mistreated – ich habe immer David Coverdale im Ohr.

Schön war, dass ein Brite Freude schöner Götterfunken in Difficult to Cure zitierte. Ein Synthesizer mag in den Siebzigern und Achtzigern noch eine Innovation gewesen sein, aber das Thema ist durch, egal welche Improvisation da Jens Johansson abgibt.

Die Setlist variierte im Vergleich zu früheren Konzerten der Tour. Und natürlich bei Memories in Rock durften die Gassenhauer nicht fehlen. Das meist ältere Publikum feierte ihren Helden, wippte mit und nachdem die Plattencover auf der Videowand eingespielt wurden, konnte man sich erinnern, was so die Klassiker sind, die man haben musste. Emotional wurde es dann noch zum Schluss – eine Verbeugung an den alten Kumpel Jon Lord und als Abschluss noch Smoke on the Water. Was will man mehr?

Bei der Heimfahrt mit dem Auto legte ich erst einmal Live in Munich 1977 ein. Das war eben noch ein richtig gutes Konzert, eben Rock Memories von 1977 und nicht ein gutes Konzert von 2019.

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2 Antworten to “Konzertkritik: Rainbow in München Juni 2019”

  1. Andi Says:

    „Sänger Ronnie Romero ist nicht Dio, aber er machte seine Sache sehr, sehr gut. Manches wirkte für mich uninspiriert, wie die Solos in Mistreated – ich habe immer David Coverdale im Ohr.‘
    Würde Ronnie Romero Ihre Kritik lesen, hätte er bestimmt nicht eine YouTube Aufnahme von Ihnen auf seiner Fb-Seite geteilt. Was mich am Meisten zum Schmunzeln bringt, dass es ausgerechnet „Mistreated“ ist. Scheinbar war er mit seinem Job zufrieden, ,wie übrigens viele überwältigte und begeisterte.Zuhörer dieses Konzertes, zu denen auch ich gehöre.

  2. Thomas Behrens Says:

    Ich hab ne Menge Livegigs von Rainbow auf meinen PC mit den alten Jungs – DAS hier ist ein langweiiges Remake aus der Hochzeit von Rainbow und Blackmore covered sich selbst – langweilig und fad…
    Live ist er nicht mehr zu gebrauchen und wirkt auf mich wie ein Schatten seiner selbst – ein alter Mann.
    Man sollte wissen man es Zeit ist aufzuhören.
    Ich spiele selber eine Fender Stratocaster und liebe den sensiblen Klang der Singlecoins, die selbst bei Verzerrung noch ihren typischen Sound liefern.
    Bei dem Konzert in München 1977 war es eben dieser typische Blackmoresound, der in Mark und Bein grellte – dramatisch, konzertant, furios, bissig, druckvoll und zuweilen dennoch weich und beinahe zärtlich.
    ( Man erinnert sich zudem auch gern zurück an sein AKAI Tapedeck, welches ihm als Echo und Vorverstärker diente ).
    Herausragend bei diesem Konzert war „Catch the Rainbow“, welches zunächst sanfvoll und getragen begonn und in den Solopassagen wie Blitz und Donner auf das Publikum herunterprallte,
    nicht zuletzt durch das knüppelharte Drumspiel von Cozy Powell und dem sich immer wieder einschleichenden, elegischen Gesang von Dio.
    Die gesamte Band spielte mit einer schier unvergleichbaren Einfühlsamkeit und lies das Konzert zu einen berauschenden Fest werden – ein brodelnder Hexenkessel !
    Für mich hatte Rainbow immer etwas Mystisches und Verzauberndes, ja sogar etwas Heiliges und Göttliches…
    und Ritchie führte immer wieder aufs Neue seine ritterliche Tafelrunde und das Publikum in eine andere Welt der Rockmusik.
    Sicher wird nicht jeder vieles so hineininterpretieren und so empfinden wie ich, aber ich bin sicher nicht der Einzige der in Rainbow damals mehr sah
    als nur eine Hardrockband. Bei der neuen Band spüre ich absolut nichts ! Sie ist kalt und ohne emotionale Tiefe, zusammengewürfelt und nicht wirklich gewachsen.
    Mag manch einer den Mittelalterkram nicht mögen, den Blckmore die letzten Jahren zelebriet hat.
    Doch der war irgendwie authentisch und trotz kommerzieller Züge einmalig, ja sogar innovativ und strahlte viel Freude und große Hingabe aus.
    Die Band wirkte sehr „geformt“ und man spürte diesen Zusammenhalt auch in der Musik.
    Und ob akustisch oder mit E-Gitarre – Mr. Blackmore zeigte dabei Stil und seine Gitarre sang auf ihre Art passend wundervoll zur Musik.
    Das kann ich nun nicht mehr so behaupten.
    Ronnie Romero ist für mich ein Brüllaffe, der wenigsten die Töne trifft und sich große Mühe gibt die Songs gut rüberzubringen, der aber kein Vergleich zu Dio darstellt.
    Es ist derselbe Fehlgriff wie in den Achzigern „Graham Bonnet“. Der daraufolgende Sänger Joe Lynn Turner war dann eindeutig passgerechter !
    Schließlich ist ja die Stimme meist die halbe Miete einer Band.
    Als Blackmore in den Neuzigern mit dem Sänger Doogie White das Album „Stranger in us all“ herausbrachte war noch das Feuer und der Biß da,
    der sich von dem sinnlosen Krach manch Rockband deutlich abhob und der von je her einen großen Teil von Blackmores Solos und Songes ausmacht – kraftvoll und lyrisch zugleich,
    beinahe wie in Anfangszeiten.
    Doogie White wäre meiner Meinung auch heute noch eindeutig die bessere Wahl gewesen… er hat ähnlich wie Dio einen warmen Ton in der Stimme und kann trotzdem laut und
    krafvoll singen ohne das es „gewollt erzwungen und schreiend“ klingt.
    Die neue Formation „hinkt“ irgendwie und läuft einer Zeit hinterher, die sie nicht mehr zurückgeholt bekommt.
    Aber es scheint ja genug Leute zu geben, die das nicht merken… aber jedem sein Spiel.
    Blackmore hat eben ein Charisma und eine Aura, die ihn immer wieder ins Licht tragen…
    und das wiederum ereugt in mir dann doch großen Respekt auch wenn ich
    mich nicht an seiner jetzigen Band erfreuen kann.

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