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Wo Brüssel nach Muscheln, Pommes und Geschichte duftet

11. Oktober 2026

Brüssel ist nicht nur eine Stadt für Kunst, Geschichte und Architektur, sondern auch ein wunderbares Ziel für Genießer. Kulinarisch haben wir es uns jedenfalls richtig gut gehen lassen. Neben Kultur wie Museen gab es vor allem Esskultur. Natürlich durften dabei die berühmten Moules-frites nicht fehlen: frische Muscheln, klassisch im Sud serviert. Aber auch Schnecken, aromatisch mit Knoblauch und Kräutern zubereitet, gehörten zu unseren Entdeckungen. Ein besonderer Genuss war der Hummer – frisch, saftig und ohne unnötigen Schnickschnack serviert. Und dann wären da natürlich noch die Pommes: außen herrlich knusprig, innen weich und für mich ein weiterer Beweis dafür, dass die Belgier diese vermeintlich einfache Spezialität einfach beherrschen. Brüssel hat uns auch kulinarisch überzeugt. Bei meiner Zeit in Brüssel habe ich einige Restaurant getestet und genossen. Hier ein paar ausgewählte Beispiele

Chez Léon
Mein Spitzenreiter Chez Léon gehört zu den bekanntesten Traditionsrestaurants Brüssels. Das familiengeführte Lokal in der Rue des Bouchers, nur wenige Schritte von der Grand-Place entfernt, besteht seit 1893. Berühmt ist Chez Léon vor allem für den belgischen Klassiker Moules-frites – Muscheln mit Pommes frites. Daneben stehen weitere Spezialitäten der belgischen und Brüsseler Küche auf der Karte. Das große, lebhafte Restaurant mit seiner traditionellen Atmosphäre ist längst selbst zu einer Sehenswürdigkeit der Stadt geworden. Wer in Brüssel einmal ganz klassisch Muscheln essen möchte, kommt an Chez Léon kaum vorbei.


Hier geht es nicht um stille Eleganz oder zurückhaltenden Luxus. Chez Léon lebt von Bewegung, Geselligkeit und belgischer Bodenständigkeit. Die Räume sind belebt, die Tische stehen dicht beieinander und überall herrscht jene unkomplizierte Atmosphäre, in der ein Essen schnell zu einer Erinnerung an Brüssel wird. Ich habe hier Meeresfrüchte genossen, dazu ein, zwei Bier und ich habe immer wieder Comics im Laden entdeckt. Ich habe das Lokal vor 30 Jahren besucht und schätzen gelernt. Leider hat sich der damalige Chef das Leben genommen, aber die Tradition des Hauses lebt weiter.

The Lobster House
Das Lobster House in der berühmten Rue des Bouchers ist eine wunderbare Adresse für Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten. Seit 2006 dreht sich hier fast alles um Hummer, Austern, Krabben, Garnelen und andere Spezialitäten aus dem Meer. Besonders eindrucksvoll ist der Blaue Hummer, der direkt aus dem Meerwasseraquarium ausgewählt und anschließend frisch zubereitet wird. Dazu gibt es – wie sollte es in Belgien anders sein – hervorragende Pommes. Das lebhafte Restaurant mitten im historischen Zentrum ist touristisch, ohne dass der Genuss dabei zu kurz kommt. Für uns war der Hummer eines der kulinarischen Highlights unseres Brüssel-Besuchs.


Doch es ist nicht allein das Essen, das den Reiz ausmacht. Es ist dieses typische Brüsseler Gefühl: draußen historische Fassaden und lebhafte Gassen, drinnen gedeckte Tische, Gespräche und der Duft frisch zubereiteter Speisen. Für einen Moment fühlt es sich an, als lägen die belgische Hauptstadt und die raue Nordseeküste ganz nah beieinander. Allerdings sitzt man sehr eng aufeinander, was so manchen deutschen Touristen etwas verwirrt.

Aux Armes de Bruxelles
Das Aux Armes de Bruxelles in der Rue des Bouchers ist eine der traditionsreichen gastronomischen Adressen im Herzen Brüssels. 1921 übernahm Calixte Veulemans das bereits unter diesem Namen bestehende Lokal und entwickelte es zu einem renommierten Restaurant. Bis heute steht es für klassische belgisch-brüsseler Küche in einem eleganten, historischen Brasserie-Ambiente.


Hinter dem Aux Armes de Bruxelles steckt mehr als ein Jahrhundert Brüsseler Gastronomiegeschichte. 1921 kaufte Calixte Veulemans das bereits unter diesem Namen bestehende Lokal in der Rue des Bouchers 13 und machte aus der ehemaligen Taverne ein gehobenes Restaurant. Veulemans gehörte zu den Gastronomen, die Muscheln populär machten: Er ließ sie täglich aus dem niederländischen Yerseke anliefern und servierte sie in einzelnen Töpfen direkt am Tisch.
Zu den Gästen gehörten im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Prominente. König Leopold III. soll regelmäßig Seezunge und Muscheln gegessen haben; auch Jacques Brel, Toots Thielemans, Fernandel, Michèle Morgan und später Johnny Hallyday kehrten hier ein. Einen weiteren Aufschwung erlebte das Restaurant während der Brüsseler Weltausstellung 1958.
Anfang der 1970er-Jahre übernahm Calixte Veulemans’ Sohn Jacques das Geschäft. Die Familie führte das Restaurant bis 2006. Nach einigen schwierigeren Jahren wurde die traditionsreiche Brasserie 2018 von der Familie Vanlancker übernommen, die auch hinter der benachbarten Brüsseler Institution Chez Léon steht. Damit begann die Wiederbelebung eines Hauses, das eng mit der gastronomischen Geschichte des historischen Brüsseler Zentrums verbunden ist.
Auf der Speisekarte finden sich belgische Klassiker, Fisch und Meeresfrüchte sowie Fleischgerichte. Besonders schön ist die Verbindung aus traditioneller Küche und dem nostalgischen Flair des Hauses. Wer in Brüssel nicht nur gut essen, sondern dabei auch ein Stück gastronomischer Stadtgeschichte erleben möchte, ist im Aux Armes de Bruxelles genau richtig. Die Preise sind etwas höher, aber es lohnt sich.

Frites Atelier
Wer glaubt, Pommes frites seien nur eine einfache Beilage, sollte in Brüssel das Frites Atelier besuchen. Hinter dem Konzept steht der niederländische Spitzenkoch Sergio Herman, der mit seinem früheren Restaurant Oud Sluis drei Michelin-Sterne erkochte. 2016 startete er Frites Atelier mit einer einfachen Idee: aus perfekten Pommes ein eigenständiges kulinarisches Erlebnis zu machen. Dafür wurde rund 18 Monate mit Kartoffelsorten und Zubereitungsmethoden experimentiert.
Die Brüsseler Filiale befindet sich in der Rue Sainte-Catherine 32. Serviert werden goldgelbe, besonders knusprige Frites mit hausgemachten Saucen und teilweise ungewöhnlichen Toppings. Dazu kommen Spezialitäten wie flämisches Rindergulasch, Garnelen- und Käsekroketten oder Frites mit Parmesan und Basilikum.
Das Spannende am Frites Atelier ist der Anspruch, aus belgisch-niederländischer Imbisskultur beinahe Haute Cuisine zu machen. Sergio Herman behandelt die Kartoffel mit derselben Ernsthaftigkeit, die man sonst hochwertigen Zutaten in einem Sternerestaurant entgegenbringt. Heraus kommt Fast Food mit Gourmet-Anspruch – und ein schöner Beweis dafür, welchen Stellenwert gute Pommes in Belgien haben.

La Terrasse de Bruxelles
La Terrasse de Bruxelles liegt mitten im touristischen Herzen Brüssels in der Rue des Bouchers und setzt auf klassische belgisch-französische Küche mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Fisch und Meeresfrüchten.
Die Atmosphäre ist lebhaft und typisch für das Brüsseler Zentrum, die Portionen ordentlich und die Speisekarte bietet eine gute Auswahl für alle, die belgische Klassiker und Seafood mögen. Kulinarisch sollte man allerdings keine große Raffinesse erwarten: La Terrasse ist eher eine unkomplizierte Brasserie als ein Gourmetrestaurant. Sicherlich nicht die Nummer eins der Empfehlungen, aber wer im Zentrum ist, kann einen Blick wagen.

Das sind nur ein paar Beispiele. Es gibt mehr, viel mehr.

Bouillabaisse und Meeresfrüchte – ein kulinarischer Traum in der Goldenen Traube

9. August 2017

Was ist das Geheimnis einer perfekten Bouillabaisse? Dem wollte ich auf den Grund gehen und probierte in den vergangenen Wochen immer wieder diese französische Fischsuppe, wenn ich die Gelegenheit dazu hatte. Eine ganz besondere Variante bekam ich von einem meiner Lieblingsköche Steffen Szabo serviert. Szabo ist Sternekoch im Romantik Hotel Goldene Traube in Coburg und auf meinem Rückweg von den Bayreuther Festspielen machte ich in Traube in Coburg zu Mittag Station. Es gab Bouillabaisse und Meeresfrüchteplatte – absolut lecker.

Die französische Fischsuppe mit Leckereien wie Dorade, Rotbarbe, Riesengarnelen, Miesmuscheln und Saibling ist ein Klassiker im Victoria Grill der Goldenen Traube. Die echte Bouillabaisse wird mindestens mit vier verschiedenen Fischarten zubereitet. Die Meeresfrüchteplatte bietet je nach tagesfrischem Einkauf wilde Garnelen, Pulpo, Crevetten, Gambas, Muscheln, Calamarettisalat und roh marinierten Lachs.

Doch was verbirgt sich hinter der Bouillabaisse? Das Geheimnis sind nicht nur die Fische, sondern vor allem die Zubereitung. Und hier ließ sich Steffen Szabo nicht auf die Finger bzw. In den Topf schauen. Ein richtiges Händchen hat er mit Safran, eines der elden Gewürze.
Um die perfekte Bouillabaisse ranken sich Mythen und Geheimnisse. Die Legende der perfekten Fischsuppe geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon 1860 dichtete der französische Dichter und Satiriker Joseph Méry in einem Reiseführer über seine Heimatstadt Marseille über das Gericht. Die kulinarische Reise von einem Armeleute-Essen aus Fischabfällen zum heutigen Luxusgericht ist immer wieder Gesprächsstoff. Wahrheit und Erfundenes vermischen sich zur Legende. Die Bouillabaisse war die Suppe der Fischer vom Alten Hafen von Marseille. Gekocht wurde sie aus Fisch, der nicht verkauft wurde. Der Name kommt von bouillir, kochen, und à baisse, auf kleiner Flamme.
Wer in den Genuss kommen will, sollte sich beeilen. Bouillabaisse und Meeresfrüchteplatte gibt es nur noch bis 2. September in der Goldenen Traube. Dann heißt es wieder bis zum nächsten Sommer warten – und das ist eine ganz schön lange Zeit.

Fischdosen und frischer Fisch

14. November 2010

Fischdosen haben etwas von meiner Jugend. Meine Frau erzählte, dass es bei ihrer Familie früher zum Abendessen zwei Fischdosen gab. Und auch heute schätzt sie ab und zu den Inhalt einer Blechdose. Bei mir zu Hause mochte die Fischdosen mein Vater. Wenn wir heute Fischdosen beim Supermarkt kaufen („Es empfiehlt sich immer, etwas Appel im Hause zu haben“ – ja, ja ein Kind der Werbung) können wir unter zahlreichen Sorten wählen. Curry, Senf, Sahne usw. Das gab es früher nicht. Bei uns zu hause gab es standardmäßig drei Sorten: Tomaten-Sauce, mit Champignons oder die voll exotische Variante Balkan mit Paprika und Mais. Da gab es obendrein das Zitat meines Vaters: „Esse ich einen Fisch oder eine Gemüseplatte?“.

Die Auswahl an Fisch in meiner Jugend war auch begrenzt. Nicht, weil es keinen gab, sondern weil Fischessen nicht so in unserem Haushalt angesagt war. Natürlich gab es die Forelle, entweder nach Art Müllerin, aber meist Forelle blau. Als Kind bekam ich noch eine Schillerlocke mit den Worten: „Iss die ganz auf, die war teuer!“ Dann noch so Sachen wie Brathering (am besten englisch ausgesprochen mit th) und den Rollmops.

Gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Heute ist Fisch ein großer Bestandteil unserer Küche: Ich liebe Doraden mit Knoblauch und alle anderen Arten von Fisch, Schalentieren und Meeres- See- oder Flussbewohnern. Muscheln, Mann wie genial sind eigentlich Muscheln. Bei einem Aufenthalt in Kopenhagen verbrachte ich zwei Stunden beim Frühstück, um mich durch alle Arten von Heringssalaten beim Hotelfrühstück zu fressen (ja, ich muss es so sagen). Fisch ist genial, obwohl meine Erfahrungen mit Fischern eine andere Geschichte ist, die ich hier nicht ausbreiten muss.

Fischdosen gibt es heute auch noch, aber ich mag sie immer noch nicht so. Bis auf die Kieler Sprotte – und da gab es früher schon die Diskussion, ob ich den Kopf mitessen darf oder nicht. Ich hab ihn gegessen.