Posts Tagged ‘Filmprojektor’

Mein Vortrtag über Nosferatu – Kino ist mehr als Filme abspielen

8. März 2022

In zweifacher Hinsicht war ich etwas angespannt als ich einen Einführungsvortrag zum Meisterwerk Nosferatu – eine Symphonie des Grauens als Matinee halten durfte. Zum einen bin ich es als Dozent und Rampensau zwar gewöhnt vor Publikum zu sprechen, aber dies war das erste Mal in meinem Lieblingskino dem Scala Fürstenfeldbruck. Zum anderen spreche ich über ein 100jähriges Meisterwerk der Filmkunst, wie es kein zweites gibt.

Im Großen und Ganzen verlief mein Vortrag zu meiner Zufriedenheit, ein paar kleine Zahlendreher waren aufgrund der Nervosität dennoch enthalten, die man mir verzeihen möge. Das Publikum und der Veranstalter waren sehr zufrieden und jetzt geht es daran, weitere Filme dort vorzustellen, wohin sie gehören: Ins Kino – denn auch Kino muss sich nach Corona verändern. Ich habe euch meinen Vortrag als Video angefügt.

Bei der Bewerbung des Vortrags testeten wir verschiedene Wege aus: Klassisch analog und digital. Markus Schmölz, der engagierte Geschäftsführer des Scala-Kino nahm die Matinee in die Plakatvorschau des Kinos auf und hängte sie im Kino und an verschiedenen Plätzen in de Umgebung auf. Er nahm ein paar Euro in die Hand und schaltete Instagram-Werbung, setzte den Vortrag auf die Website des Kinos und postete die Matinee in soziale Netzwerke. Ich nahm den 100. Geburtstag von Nosferatu zum Anlass und bloggte über den Film, berichtete viral in verschiedenen Facebook-Gruppen und verschickte einen Newsletter, der einmal wöchentlich erscheint.

In der Kombination waren unsere Bemühungen ein schöner Erfolg. Das Publikum kam und der Saal 5 des Scala-Kinos füllte sich. Uns wurde klar: Es gibt ein Publikum abseits vom Mainstream-Kino, das wir erreichen können. Und ich hab selbst viel gelernt über Kinotechnik, nachdem ich aus einer Zeit stamme, als es noch klassische Filmprojektoren im Kino gab und nicht Hochleistungsbeamer, die via Computer gesteuert wurden.
Wenn das Kino zustimmt, dann mache ich gerne weiter. Im Moment arbeite ich an einer Verfeinerung des Formats. Ideen hab ich so einige, denn für mich ist es wichtig, dass Kino weiterlebt, sich verändert und ein Ort der Community wird. Vielleicht irgendwann eine Convention, vielleicht eine Ausstellung – da geht noch mehr. Der Anfang ist gemacht, jetzt gehen wir (hoffentlich) den nächsten Schritt.

Gabriel Filmtheater: Das Ende des ältesten Kinos der Welt

22. September 2019

Eine Ära geht zu Ende.

Eine Ära geht zu Ende.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in diesen Räumen verbracht habe. Ich weiß aber, dass es nun vorbei ist. Das Gabriel Filmtheater, das älteste Kino in München und zugleich das älteste Kino der Welt, ist Geschichte. Mit einem Tag der offenen Tür konnte sich das Publikum vom Kino und seinen Betreibern verabschieden. Es war für mich ein sentimentales Ereignis und eine Selbstverständlichkeit dabei zu sein.

Das Gabriel Filmtheater war für mich als Filmfreund und Filmkritiker in erster Linie ein Ort der Arbeit, aber auch ein Ort der Inspiration. Nun, ich gehöre schon lange nicht mehr zum engen Pulk der eingeschworenen Münchner Filmkritiker, die Tag ein, Tag aus ins Kino zu den Pressevorführungen gehen. Ich bekomme nur noch ab und zu Einladungen zu den Vorführungen und schreibe meine Kritiken u.a. in meinem Blog. Und ein Ort dieser exklusiven Filmvorführungen war das Gabriel Filmtheater in der Dachauer Straße 16 in München.

Im April diesen Jahres musste das Gabriel Filmtheater schließen. Nun gab es die Möglichkeit, sich von den Räumlichkeiten zu verabschieden und tief in die Geschichte eines der ältesten Kinos einzutauchen. Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen und ich musste mich persönlich verabschieden.
Die ehemaligen Betreiber Alexandra Gmell und ihr Vater Walter Büche sowie die Schauspielerin Selma Schwesig erzählten Geschichten aus dem traditionsreichen Haus und das Filmpublikum konnte alle Räumlichkeiten – einschließlich der Katakomben – alte Filmrollen und -Plakate bestaunen.
Das Gabriel Filmtheater galt als eines der ältesten Kinos der Welt. Am 21. April 1907 wurde es von Carl Gabriel unter dem Namen „The American Bio-Cie. – Carl Gabriels Theater lebender Bilder“ eröffnet. Seit 1936 war das Kino in der Hand von Alexandra Gmells Familie. Ihre Urgroßeltern Ludwig und Franziska Büche kauften das Haus, der Sohn Hans übernahm den Kinobetrieb, ihm folgte seine Frau Beatrix nach. Später übernahm ihr Sohn Hans Walter Büche, der das Gabriel bis zuletzt mit seiner Tochter betrieb.

Das Kino hatte ursprünglich einen großen Saal. Der Balkon wurde 1964 abgetrennt und es wurde das Kino 2 daraus. Hier liefen dann die Filme, die weniger Publikum anzogen. Ach ja Filme: Das Gabriel war einst auch ein Kino für Erwachsene. Das Aki im Hauptbahnhof und das Gabriel lieferten die Pornos der siebziger und achtziger Jahre. Im Keller vom Gabriel gab es noch viele Filmrollen und Plakate mit Sex-Filmchen: Die Nymphomanin Catrice, Event L’amour, Wild Lovers, Villa der Perversionen und viele mehr. Auch der sexy Historienschinken der Turm der verbotenen Liebe mit Uschi Glas war dabei.
Als Kino-Fan bin ich traurig, wenn ein Lichtspielhaus oder Filmtheater stirbt. Ich mag die Paläste der Träume. Hier bin ich ein verklärter Träumer. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck hat sich ein Verein gebildet, der das örtliche Lichtspielhaus als Kulturkino trägt. Ich bin hier Mitglied geworden und unterstützte das Programm mit meinem Eintritt und Mitgliedsbeiträgen. In München ist so eine Umwandlung bisher gescheitert, trotz Aufschrei der Politik.
Aber zurück zum Gabriel: Danke, dass wir in den Keller absteigen durften. Dort liegt noch allerhand Filmmaterial, Rollen, Plakate – ein Schatz für Trash-Filmfreunde. Ich hab Material zu B- und C-Movies gesehen. Viel nackte Haut, Sexfilmchen und ein bisschen Western mit Django und Franco Nero. Die Rollen stauben ein. Was mit den Schätzen passiert, wusste Alexandra Gmell noch nicht. Vielleicht gibt es eine Versteigerung. Ich habe mich auf jeden Fall auf eine Interessentenliste setzen lassen.
Die Projektoren sind schon lange abgebaut. Es gab einst noch 35 Millimeter Projektoren, die Mitte der 90er durch Beamer und Server ersetzt wurde. Zunächst gab es Festplatten, dann Download-Links für Filme – die Romantik war verschwunden.

In aller Form möchte ich mich bei den Betreibern des Gabriel für die vielen angenehmen Stunden in Ihrem Hause bedanken und wünsche alles Gute auf dem weiteren Lebensweg. – Und wir Filmkritiker müssen uns eine neue Heimat suchen. Und hier noch die Demontage des Gabriel-Schriftzugs in voller Länge.

Kino 2014: Das Ende der Filmrolle

21. Januar 2014

Alter Mann vor altem Projektor.

Alter Mann vor altem Projektor.

Kino bedeutete mir einst sehr viel. Es ist der magische Ort, den ich besuchte, wenn ich in andere Welten eintauchen wollte. Viel ist über die Macht des Kinos und der bewegten Bilder geschrieben worden: Eisenstein, Siegfried Kracauer und wie die Filmtheoretiker des vergangenen Jahrhunderts auch heißen mögen. Kino war Magie und diese Magie kam aus dem Projektor. Kino war für mich mit Kinoprojektoren verbunden. Ich durfte einige Male die Filme aus der Kabine des Filmvorführers sehen und es war ein bewegendes Erlebnis, die großen Filmprojektoren mit den 35 mm-Rollen bei ihrer Arbeit zu betrachten, dem Rattern zu lauschen. wenn der Film transportiert wird.

Aber dies ist nun vorbei. Das digitale Zeitalter wird nun auch in den Filmvorführraum endgültig einziehen. Paramount vertreibt seine Filme nicht mehr auf Filmrollen, sondern nur noch als digitales Medium – das heißt Festplatte oder Satellitenlink. Die 35 mm Filmrolle ist tot – möge sie in Frieden ruhen.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Diese Frau lockte mich früher ins Kino.

Der Film “Anchorman 2: Die Legende kehrt zurück“ ist zwar filmtechnisch unwichtig, wird aber dennoch Geschichte machen. Es ist der letzte Film von Paramount, der noch auch als 35 mm Kopie ausgeliefert wurde. Dann ist Schluss.

Der anstehende Paramount-Film The Wolf of Wall Street von Martin Scorsese wird nur noch in digitaler Form seinen Weg in die Kinos und damit zum Zuschauer finden. Die Vorteile für den Verleih liegen auf der Hand: Die Distribution und das Rechtemanagement wird leichter. Auch die 3D-Filme sind damit einfacher ins Kino zu bekommen. Filmexperten sagen, dass eine digitale Kopie rund 1000 US-Dollar kostet, während die analoge Filmkopie auf 2000 US-Dollar kommt.

Das Nachsehen haben die Kinos, die nicht in die Digitaltechnik investiert haben. Wer keine digitale Projektion hat, der spielt nicht mehr mit. Der muss jetzt investieren oder er geht pleite. So einfach ist das. Was Paramount vormacht, werden Fox, Sony, Warner und wie sie heißen nachmachen. Ich kenne noch Kinos in Deutschland, die nur klassische Projektoren haben. Diese werde ich noch einmal aufsuchen und mich verabschieden.

Ich erinnere mich noch als ich einmal mit jungen Leuten im Kino war und einen Spielfilm auf Film anschaute. Meine jungen Begleiter waren verwirrt von dem Filmkorn. Sie waren die glatte digitale Präsentation ihrer Blu rays am heimischen Flatscreen gewohnt und reagierten mit Unverständnis auf Filmkorn. Unscharf nannten sie die Projektion. Mir geht es so, wenn ich die alten analogen Folgen von Star Wars mit den neuen digital gedrehten Folgen sehe. Ich empfand dies zunächst als zu glatt, zu rein, zu viel Motion Blur und Global Illumination. Heute habe ich mich daran gewöhnt. Die Zeiten ändern sich.