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Ich seh schwarz: EDV-Betreuung an Schulen

25. Februar 2012

Ich vergleiche eine Schule mal mit einem mittelständischen Unternehmen. Der Direktor ist der CEO/Geschäftsführer, das Direktorium ist der Vorstand (CFO, CTO, CIO …), die Lehrerschaft ist das Management und die Schüler sind die Belegschaft. Da kommen oft über 1300 Leute zusammen, also ein recht großer Mittelständler.

Aber jeder Mittelständler in dieser Größe leistet sich eine eigene EDV-Abteilung, die die Rechner und Infrastruktur am Laufen hält. Steht die EDV still, dann steht die Produktion still.

Doch was leisten sich Schulen? EDV-Abteilung? In der Regel Fehlanzeige! Bei vielen Schulen in denen ich unterwegs bin, werden ein, zwei Lehrer für die EDV-Betreuung abgestellt. In der Regel sind es Mathe- oder Physikkollegen.

 

Manches Mal habe ich das Gefühl, die Leute bekommen wie folgt ihren Job:

Direktor: Kollege Müller, sie machen doch zu Hause was mit Computern? 

Müller: Ja, ich habe ein kleines Heimnetzwerk eingerichtet.

Direktor: Dann sind Sie ja ein Spezialist und Sie können sich gleich um die EDV an unserer Schule kümmern. Das dürfte für Sie ja kein Problem sein.

Müller: Aber ich bin doch Pädagoge. Ich habe sehr viele Stunden und zudem kommen Korrekturen.

Direktor: Papperlapapp. Wissen Sie was, Sie bekommen eine, na gut, zwei Entlastungsstunden. Das ist doch ein Angebot?

Müller: Äh

Direktor: Das war keine Frage. Vielen Dank Kollege Müller im Namen der Schule.

 

Diese Leute haben meine höchste Bewunderung und Anerkennung. Aber wenn ich ehrlich bin, zwei Entlastungsstunden reichen bei weitem nicht aus. Lehrer sind Lehrer geworden, weil sie etwas lehren wollen und nicht, damit sie EDV-Feuerwehr spielen müssen. Burnout und Frust sind doch vorprogrammiert. Der EDV-Bereich entwickelt sich rasant voran und die Entwicklungen im Bereich Netzwerke, Firewalls, Server, Client und Software allgemein sind enorm. Wie soll der Lehrer da mithalten, wenn er vor allem unseren Kinder etwas beibringen soll/will.

Ich höre von Schulen, bei denen es EDV-Springer für einen Landkreis gibt. Interessante Idee und ich bin mal auf die Ergebnisse gespannt. Liebe Sachaufwandsträger von Schulen: Geht mal in euch und überlegt mal in euren Stadt- und Landkreisverwaltungen, ob der Laden laufen würde, wenn der Typ aus der Statistik die EDV schmeißen würde. Leute, es geht um unsere Kinder.

Meine Quelle ist pleite

22. Oktober 2009

Die Quelle ist pleite und obwohl sich die bayerische Politik gegen dieses Faktum wehrt, hat der Markt bereits entschieden. Da nutze es nichts, dass Ministerpräsident Horst Seehofer den Druckauftrag für den letzten Katalog quasi persönlich gab und mit Steuergeldern die Quelle unterstützte. Der Markt hat entschieden, so hart es klingt. Ein Unternehmen wie Quelle hat den Anschluss an die Moderne verpasst. Die Mitarbeiter haben einen guten Job gemacht, versagt hatte die Konzernleitung, die den Laden nicht umgebaut hat. Sagt mal, wofür bekommt ihr eure Gehälter?

Als ob Onlinehandel und verändertes Kaufverhalten nicht zu bemerken sind. Darf ich vorstellen, es gibt da zum Beispiel eine kleine US-Firma. Sie heißt Amazon. Schon mal davon gehört? Ich tu mich schwer, der Quelle richtig nachzuweinen und hier meine ich ausdrücklich nicht die Mitarbeiter. Wie viele kleine Einzelhändler hat Quelle, Karstadt und Co platt gemacht und keiner außer den betroffenen Familien hat geweint. Bei den Kleinen ist keine Staatsknete geflossen. Aber zurück zur Quelle.

Mit der Quelle bin ich aufgewachsen. Meine Eltern waren begeisterte Quelle-Kunden. Der Quelle-Katalog kam ins Haus und dann begann familienintern die Auswahl. Ab und zu fuhr die ganze Familie nach Fürth und kaufte im riesigen Kaufladen direkt ein. Mein Kumpel Bert ist sogar mal Lastwagen für die Quelle gefahren und mein Kumpel Thomas arbeitete in der EDV als es noch Bandmaschinen gab. Unser Heim hatte zahlreiche Quelle-Geräte im Einsatz. Ich glaube, die Eigenmarken hießen Universum und Privileg. Coole Namen aus einem vergangenen Jahrtausend. Meine erste elektrische Schreibmaschine kam von der Quelle und auf ihr tippte ich meine Facharbeit. Sie hatte sogar ein Korrekturband, so dass Tippex nicht mehr gebraucht wurde. Die Maschine hatte eine Schnittstelle und es gelang mir als Schüler später meinen C64 an diese Maschine anzuschließen. Nur die Umlaute ä, ü, ö und das ß wurden nicht gedruckt.

Quelle hatte bei mir aber Schaden als Jugendlicher genommen. Ich wollte unbedingt einen Sony Walkman haben. Das Ding war eine Revolution für mich. Meine Musik auf Kassette immer dabei, immer am Mann. Der Walkman war das Statussymbol in der Schule. Meinen Eltern teilte ich diesen Wunsch mit und ich bekam zu Weihnachten ein mobiles Kassettenabspielgerät der Quelle-Marke Universum. Es hatte sogar noch ein Radioteil und war eigentlich besser ausgestattet als der ersehnte Walkman. Doch es war kein Walkman. Meine Eltern kauften bei der Quelle und da gab es kein Sony.

Doch das war einmal. Quelle ist Geschichte. Etwas Neues kommt nach.