Ich seh schwarz: EDV-Betreuung an Schulen

Ich vergleiche eine Schule mal mit einem mittelständischen Unternehmen. Der Direktor ist der CEO/Geschäftsführer, das Direktorium ist der Vorstand (CFO, CTO, CIO …), die Lehrerschaft ist das Management und die Schüler sind die Belegschaft. Da kommen oft über 1300 Leute zusammen, also ein recht großer Mittelständler.

Aber jeder Mittelständler in dieser Größe leistet sich eine eigene EDV-Abteilung, die die Rechner und Infrastruktur am Laufen hält. Steht die EDV still, dann steht die Produktion still.

Doch was leisten sich Schulen? EDV-Abteilung? In der Regel Fehlanzeige! Bei vielen Schulen in denen ich unterwegs bin, werden ein, zwei Lehrer für die EDV-Betreuung abgestellt. In der Regel sind es Mathe- oder Physikkollegen.

 

Manches Mal habe ich das Gefühl, die Leute bekommen wie folgt ihren Job:

Direktor: Kollege Müller, sie machen doch zu Hause was mit Computern? 

Müller: Ja, ich habe ein kleines Heimnetzwerk eingerichtet.

Direktor: Dann sind Sie ja ein Spezialist und Sie können sich gleich um die EDV an unserer Schule kümmern. Das dürfte für Sie ja kein Problem sein.

Müller: Aber ich bin doch Pädagoge. Ich habe sehr viele Stunden und zudem kommen Korrekturen.

Direktor: Papperlapapp. Wissen Sie was, Sie bekommen eine, na gut, zwei Entlastungsstunden. Das ist doch ein Angebot?

Müller: Äh

Direktor: Das war keine Frage. Vielen Dank Kollege Müller im Namen der Schule.

 

Diese Leute haben meine höchste Bewunderung und Anerkennung. Aber wenn ich ehrlich bin, zwei Entlastungsstunden reichen bei weitem nicht aus. Lehrer sind Lehrer geworden, weil sie etwas lehren wollen und nicht, damit sie EDV-Feuerwehr spielen müssen. Burnout und Frust sind doch vorprogrammiert. Der EDV-Bereich entwickelt sich rasant voran und die Entwicklungen im Bereich Netzwerke, Firewalls, Server, Client und Software allgemein sind enorm. Wie soll der Lehrer da mithalten, wenn er vor allem unseren Kinder etwas beibringen soll/will.

Ich höre von Schulen, bei denen es EDV-Springer für einen Landkreis gibt. Interessante Idee und ich bin mal auf die Ergebnisse gespannt. Liebe Sachaufwandsträger von Schulen: Geht mal in euch und überlegt mal in euren Stadt- und Landkreisverwaltungen, ob der Laden laufen würde, wenn der Typ aus der Statistik die EDV schmeißen würde. Leute, es geht um unsere Kinder.

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6 Antworten to “Ich seh schwarz: EDV-Betreuung an Schulen”

  1. Andreas Says:

    Es gibt so viele gute Open Source Projekte.
    Wäre es nicht der richtige Weg, wenn die Länder (oder auch der Staat oder EU) ein Open Source Projekt ins Leben ruft, um eine System zu schaffen, das sich einfach zu bedien und warten lässt, so dass es Lehrer einfach bedienen können, ein Fachkundiger einfach betreuen kann und evtl. eine externe Firma zusätzlich ab und zu mit wenig Arbeitsstunden das Netzwerk betreut?

    Ich glaube Ansätze dafür gibt es schon, vielleicht gibt es auch schon ein Projekt woran sich Deutschland beteiligen kann.

    Denn vielen Schulnetzwerken fehlt alleine schon das Konzept. Häufig ist es nur ein zusammengeflicktes Netzwerk, das die Lehrer auch nicht richtig bedienen können.

  2. Smirne76 Says:

    Warum nicht an die IT-Abteilungen der Behörden auf die Schulen ausweiten und die Schulen ins Netzwerk mit einbinden? EDV-Anlagen und -Netzwerke benötigen ebenso Fachleute, wie wir für die Schüler Fachleute, die Lehrer, benötigen.

  3. Alexander Says:

    @ Stirne ein solches Projekt gibt es in Mittelhessen, wo die IT der Unis die Schulen (auf Anforderung) mitbetreut: http://medienzentrum-giessen-vogelsberg.de/
    Leider ist es sonst weitgehend so wie im Artikel beschrieben. Ich habe sogar nur eine Entlastungsstunde (ok, wir sind aber auch eine kleine Schule).

  4. damianduchamps Says:

    In Deutschland gibt es viele Lösungen. Ganz so drastisch, wie im Beitrag geschildert, ist es nicht überall. In NRW arbeitet man darauf hin, verlässliche Strukturen zu schaffen. An vielen Orten ist die Betreuung bereits an externe Dienstleister übertragen. Es werden allenfalls noch Lehrer für den First Level Support gebraucht. Die stecken dann die Stecker wieder ein, tauschen den Toner am Drucker oder machen vielleicht noch eine automatisierte Wiederherstellung an einem Rechner. Den Rest, Einrichtung, Hardware Support, Wartung, etc. übernehmen dann die externen Dienstleister. Das können, wie vielfach der Fall kommunale Datenzentralen sein oder auch beauftragte Firmen.

    @Andreas Open Source ist gut, hat aber mit dem Problem nichts zu tun. Ob man Moodle nutzt oder Fronter, einen Windows Server oder Linux ist völlig egal. Der Support wird dadurch keine kleinere Leistung.

    @Smirne76 Schulische IT Infrastruktur an die von Behörden anbinden, ist oft ein Schuss, der für Schulen nach hinten losgeht, wie ich selbst aus leidiger Erfahrung weiß. Behörden haben völlig andere Sachvoraussetzungen und Strukturen, was komplett andere IT Lösungen notwendig macht als bei Schulen. An meiner Schule war ein Verwaltungsmensch so schlau und meinte, wir müssten alles so haben wie im Rathaus. Das Ergebnis ist eine Katastrophe in vielen Belangen. Wir haben PCs, die für Büros ausgelegt sind mit einer Grafik, die für schulische Belange viel zu schwach ist. Man hat alles mit Glasfaser verkabelt, bis in Klassenräume (zwischen Glasfaser und Internet ist aber alles Kupfer!) und dort nur Glasfaseranschlüsse gelegt. Wir brauchen nun für alles sauteure Konverter auf Kupfer und sind völlig unflexibel. Einziger Ausweg aus der Misere, an einigen wenigen Glasfaserausgängen einen W-lan Accesspoint aufstellen. Das kommt auf die Menge billiger. So viel zu Schulen an Behörden IT Infrastrukturen anschließen.

  5. Thorsten Sandte Says:

    Halo zusammen,
    ein interessanter Artikel. Ich selbst habe vor rund 10 Jahren im „Support-Center“ für Schulen beim Landkreis angefangen. Wir waren zu Viert. Seit 6 Jahren bin ich allein für ALLE meine Schulen zuständig. Ohne die Mitarbeit der Lehrer wäre dies absolut aussichtslos. Im Grunde ist es jetzt schon ein Kampf gegen Windmühlen der nicht zu gewinnen ist. Es fehlt an Struktur. Jeder hat andere Ideen und ein anderes System. Wenn man in der Lage wäre eine einheitliche Struktur aufzubauen wäre dies die halbe Miete. Die andere Seite der Medaille ist einfach Manpower. Rechner kaufen kann jeder. Den Support dafür leisten ist etwas gänzlich anderes. Lehrer sollen lehren und das reicht heutzutage auch schon. Ich habe kein Patentrezept, sehe aber die ganze Sache hier als vertrakt. Und das Schlimmste ist – es interessiert niemanden – weil alles andere ja Geld kostet.

  6. Christian Fuchs Says:

    Die Koordination und Administration der IT in den Schulen wird immer aufwändiger. Speziell, wenn die neue Kustodenregelung kommt und ein externer Experte die Wartung übernimmt, ist mit erhöhtem Koordinationsaufwand seitens der Schule / Kustoden/innen zu rechnen. Ein Supportsystem für diese Tätigkeiten ist unerlässlich.

    Ich möchte daher auf das Tool http://www.ikt-service.at hinweisen, das ich zur Unterstützung der IT-Kustoden schon seit einigen Jahren anbiete.

    Die komplette Verwaltung der IT-Ausstattung samt Fehlermeldungen, Tätigkeiten (TODO) und Protokoll der Reparaturen und vieles mehr sind einfach möglich.

    Mit IKT-Service.at erhält die Verwaltung der IT einen Qualitätsschub und die Organisation für die Kustoden wird um vieles vereinfacht und verbessert.

    Hier findest man einige Videos (10 min.) die ein Bild von den Möglichkeiten geben.

    siehe auch Anhang

    Es sind Anleitungen, um einen Überblick über die Funktionen zu erhalten und ich denke, dass dieses Tool die Philosophie einer qualtiätsbewussten Schule (Integration von guten Tools für hohe Qualität) unterstützen wird.

    Testzugang ist jederzeit möglich.

    Es dauert nur ein paar Minuten um sich die Anleitungen anzusehen oder an die Kustod/innen weiter zu leiten. SIE WERDEN BEGEISTERT SEIN.

    Statement von Mag. Klaus Haberl, HAK Klagenfurt (verwendet das System seit 5 Jahren)

    Die BHAK/BHAS Klagenfurt 1 und 2 verwendet IKT-Service.at seit vielen Jahren und es wäre für uns gänzlich unmöglich, die über 500 Geräte und Drucker in einer anderen Form zu verwalten. Täglich erreichen uns unzählige Meldungen von Schüler/innen und Lehrer/innen und wir können durch die automatische Mailbenachrichtigung viele Probleme sehr zeitnah und effizient lösen.
    Ein großes Plus von IKT-Service.at ist auch, die gute Möglichkeit der Zusammenarbeit mit anderen IT-Kustod/innen und den verantwortlichen Servicefirmen. Jede Anforderungen kann umgehend per Mail samt den wichtigsten Daten über das Gerät (wie Seriennr., Kaufdatum, uvm.) versendet werden. Dadurch kann die Antwortzeit ( Reparaturzeit) minimiert werden und die Geräte stehen schneller wieder für den Unterricht zur Verfügung.
    Außerdem haben wir die Möglichkeit ALLE bisherigen Probleme und Reparaturen bei JEDEM Gerät sofort zu sehen, so dass es uns viel leichter möglich ist, diese zu beheben.

    Ohne IKT-Service.at wäre meine Tätigkeit als IT-Kustode sicherlich nicht mehr möglich! Ich weiß gar nicht, wie das andere Schulen ohne dieser Unterstützung machen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Fuchs

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