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Was machen die Bremer Stadtmusikanten in Riga?

9. Januar 2020
Etwas erstaunt war ich als ich die Bremer Stadtmusikanten in Riga traf.

Etwas erstaunt war ich als ich die Bremer Stadtmusikanten in Riga traf.

Als ich so durch die Altstadt von Riga, der Hauptstadt Lettlands spazierte, hatte ich den Eindruck, dass nicht die hohe Petrikirche die Attraktion der Stadt ist, sondern eine Skulptur der Bremer Stadtmusikanten. Moment – Bremer Stadtmusikanten in Riga, was soll das?

Sie befindet sich auf der Südseite der Scharrenstraße (Skārņu iela) nördlich der Petrikirche in der Rigaer Altstadt und sie ist der Publikumsmagnet. Es bilden sich lange Schlangen vor der Skulptur, um ein Selfie zu machen. Aber die Tiere gelten auch noch als Glücksbringer. Wer die Schnauzen/Schnabel der Tiere Esel, Hund, Katze und Hahn berührt, der hat Glück. Nun, zum Hahn muss man ganz schön hoch springen. Insgesamt sind die Bremer Stadtmusikanten in Riga drei Meter hoch. Nachdem Heerscharen von Touristen die Tiere berührten, führte es dazu, dass die Schnauzen der Vierbeiner und der Schnabel des Hahns inzwischen Gold sind, während der restliche Körper noch in schwarzer Bronze ist.


Aber nochmal: Was machen die Bremer Stadtmusikanten in Riga? Ganz einfach: Die Patenstadt von Bremen ist die lettische Hauptstadt. Die Skulptur, geschaffen von Christa Baumgärtel, wurde 1990 von der Stadt Bremen offiziell geschenkt.
Aber die Skulptur ist nicht einfach nur eine Kopie der 1953 von Gerhard Marcks erstellten Bremer Stadtmusikanten aus Bremen, sondern es steckt eine interessante Geschichte dahinter.
Die Tiere in Riga schauen zwischen zwei schwarzen Metallstreben durch und sie schauen überrascht. Das Werk symbolisiert die Öffnung des eisernen Vorhangs und die eintretende Überraschung. Die Geschenk aus Bremen war 1990 und erst 1991 wurde Lettland unabhängig nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Wenn das keine Überraschung ist.

Froschkönig vom Computer gelesen und verstanden

15. August 2014

Dass ein Computer einen Text vorlesen kann, das ist nichts neues. Ich nutze beispielsweise sehr oft die Sprachausgabe beim Adobe Acrobat. Auch mit meinem Amazon Paperwhite nutze ich dann und wann die Vorlesefunktion.
Aber die ganze Sache nicht so richtig rund. Es quakt noch ziemlich. Aber es wird langsam besser. Und schon wären wir beim Froschkönig. Vier Studenten haben in einem Seminar bei Sprachtechnologe Thierry Declerck eine Software entwickelt, die den Computer zum Märchenerzähler macht. Das Besondere: Im Gegensatz zu üblichen Vorleseprogrammen hat der Rechner den Text verstanden, so berichtet zumindestens die Uni Saarbrücken. Der Computer erkennt die verschiedenen Charaktere, erzählt automatisch mit verteilten Rollen, passt seine Stimme den jeweiligen Gefühlen an und setzt Spezialeffekte wie Hall ein.

Jana Ott, Christian Eisenreich und Christian Willms, Studenten von Thierry Declerck (l.), haben ein Programm entwickelt, das Märchen vorlesen kann.

Jana Ott, Christian Eisenreich und Christian Willms, Studenten von Thierry Declerck (l.), haben ein Programm entwickelt, das Märchen vorlesen kann.

Entwickelt wurde die Software anhand des Märchens „Der Froschkönig“, aber die Sprachverarbeitung ist automatisierbar: Nach Eingabe bestimmter Informationen kann der Computer auch andere Märchen erzählen.
„Unser Programm erkennt, ob in einer Textpassage des Märchens ein Mensch, Tier oder Fabelwesen spricht, und es erkennt die Gefühlslage und den jeweiligen Charakter. Je nachdem passt der Computer bei der Sprachausgabe Betonung, Tempo und Sprechweise an“, erklärt Christian Eisenreich. Gemeinsam mit Jana Ott, Tonio Süßdorf und Christian Willms hat der Student, der im sechsten Semester Computerlinguistik studiert, dem Rechner beigebracht, Märchen zu erzählen. Die Idee stammt von ihm: „Wir sollten für das Seminar ein praxisbezogenes Thema vorschlagen. Ich dachte an ein Stofftier, das Märchen erzählt“, sagt Christian Eisenreich.
„Das Besondere ist, dass der Computer den Text verstanden hat. Märchen eignen sich hierbei besonders gut, weil sie wiederkehrende Muster mit ähnlichen Rollen haben“, erläutert Thierry Declerck, der in der Computerlinguistik am Lehrstuhl von Professor Hans Uszkoreit und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz forscht und das Seminar leitete. Die Software entwickelten die Studenten anhand des Märchens „Der Froschkönig“. Aber die Sprachverarbeitung lässt sich auf andere Märchen übertragen. Der Computer muss lediglich mit einigen Daten gefüttert werden und dann erzählt er das Märchen der Wahl. Dies wurde bereits mit den „Bremer Stadtmusikanten“, „Rumpelstilzchen“ und mit „Wilde Schwäne“ erprobt. Hier gibt es eine Kostprobe des Froschkönigs.
Aber ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Damit der Computer zum „Märchenversteher“ wird, haben die Studenten den Text des „Froschkönigs“ zunächst komplett durchdrungen: Sie arbeiteten Wort für Wort mitsamt Bedeutung auf, interpretierten Sätze und Dialoge, trugen Hintergrundinformationen zusammen. Anschließend übersetzten sie alles in eine Sprache, die der Computer versteht, und programmierten die Software so, dass er Muster, Bedeutungsstruktur und Zusammenhänge erlernen kann.
Dabei waren die Aufgaben im Team verteilt. Tonio Süßdorf war für die Zeitabläufe zuständig, Christian Willms für die Dialoge, Jana Ott für die Gefühle der Figuren. Christian Eisenreich zeichnet verantwortlich für die Ontologie, also das Beziehungsgeflecht im Text, was womit zusammenhängt, und für die Umwandlung des Textes in Sprache. Mithilfe eines „Goldstandards“, einer Art Musterlösung, die die Studenten vom Text erstellten, konnten sie das Programm auf Fehler untersuchen. „Alles musste dann so zusammengebracht werden, dass es harmoniert“, sagt Eisenreich. „Eine gute Übung, denn von Teamarbeit hängt in Forschungsprojekten der Erfolg ab“, ergänzt Declerck.
Die Studenten konnten bei ihrer Seminararbeit auf Forschungsergebnisse der Saarbrücker Sprachtechnologen aufbauen. Etwa auf die Sprachausgabe „Mary TTS“ von Marc Schröder und Jürgen Trouvain, die dem Computer jetzt die Stimmen der Erzählerin, der Prinzessin oder des Froschs verleiht. Sie tragen die Märchen gefühlvoll und automatisch mit verteilten Rollen vor – nur hin und wieder entlarven winzige metallische Kiekser und feinste Sprünge zwischen Laut- und Wortschnipseln die Computerstimme.