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Maisacher Festwoche: Mein erster Einzug aufs Volksfest

20. August 2017

Marschieren ist ja überhaupt nicht so mein Ding, dieses Mal habe ich eine Ausnahme gemacht. Ich bin beim Festeinzug der Maisacher Vereine zum Zelt auf der Festwiese mitmarschiert. Es war der Startschuss für die 43. Maisacher Festwoche, die in meinem Dorf westlich von München im Landkreis Fürstenfeldbruck stattfindet.
Nachdem ich mich ehrenamtlich für die Maisacher Togohilfe ein wenig engagiere, fragte die Vorsitzende Margret Kopp, ob meine Frau und ich nicht beim Einzug der Maisacher Vereine dabei sein wollen. Wollten wir und schon stellte sich die Frage, was ziehe ich an?

Outfit für einen Festeinzug
Wir sind schließlich in Oberbayern und da gehört Tracht zum normalen Outfit. Meine Frau griff in den Schrank und holte eines ihrer Dirndl heraus und sah fantastisch aus. Ich habe weder Lederhose noch Haferlschuh und will mich nicht verkleiden. Landhaus-Mode, wie auf der Wiesn bald wieder zu sehen, hasse ich und ich will mich nicht anbiedern. Also bin ich in Freizeit-Dress mitmarschiert: Weißes Hemd, beige Hose, blauweiße Fliege. Als modischen Gag setzte ich einen Florentiner Strohhut auf, der wegen seiner Kreisform und seines gezackten Randes auch Kreissäge genannt wurde. Wegen seiner Herkunft von den Seeleuten wurde er im englischen Raum auch Boater, im französischen Canotier oder Matelote genannt. Passt nicht ins oberbayerische Dorfleben, war mir aber egal.

Die Gattin sah wieder mal wunderschön aus.

Die Gattin sah wieder mal wunderschön aus.

Startschuss vor dem Rathaus
Vor dem örtlichen Rathaus versammelten sich die Maisacher Vereine. Die Gemeinde Maisach umfasst zahlreiche Ortsteile und ist auch die flächengrößte Gemeinde im Landkreis. Und die Gemeinde verfügt über ein (noch) gesundes Vereinsleben: Sportler, Schützen, Trachtler, Musiker, Chöre, Pfarrjugend, Feuerwehr, Schäfer- und Bulldogstammisch und eben auch die Aktion Pit Togohilfe Maisach. Meine Frau ist in der Vereinswelt eher zu Hause und kannte viele Leute. Ich kenne viele Teilnehmer vom Sehen her und nickte freundlich zu. Aus früherer Zeit, als ich noch Berichterstatter der Lokalzeitung war, kannte ich noch die Honoratioren des Dorfes und wurde auch vom Volksfestreferent freundlich begrüßt.

Die Togohilfe Maisach nahm am Festumzug zur Maisacher Festwoche teil.

Die Togohilfe Maisach nahm am Festumzug zur Maisacher Festwoche teil.

Zur Einstimmung gab es vor dem Rathaus ein Standkonzert der Luitpold Musikanten Germerswang und dann ergriff der CSU-Bürgermeister das Wort. Hans Seidl begrüßte artig die Teilnehmer und natürlich auch die Ehrengäste. Er erwähnte extra Katrin Staffler als Vertreterin des Kreistages. Es waren zwar andere Kreisräte auch vor Ort, aber die Dame ist zufällig auch CSU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis und so funktioniert das eben bei uns. Die Schützen gaben Böllerschüsse als Startsignal ab und schon ging es los.

Programm der Maisacher Festwoche
Seit 25 Jahren ist Jochen Mörz mit seinem Festzelt bei uns am Ort und ich erinnere mich an die Zeitungskollektive, die ich vor 25 Jahren über ihn geschrieben habe, als sich Jochen Mörz das erste Mal im Dorf vorstellte. Ich glaube, er macht mit seinem Festzeltbetrieb einen guten Job und nach dieser Festwoche stehen die Verhandlungen für die nächsten Jahre an. Mein Gefühl: Die Chancen auf Verlängerung stehen gut.
Es hat sich auch einiges getan, damit die Maisacher Festwoche attraktiver wird. In diesem Jahr gab es erstmalig zur Maisacher Festwoche das „Maisacher Familienherz“. Eine gestaltete Pappschachtel beinhaltet 2 Biermarken, 4 Marken für alkoholfreie Getränke, 2 Hendlmarken, 3 Gutscheine für Pommes (Speisen und Getränke) und je 4 Fahrchips für Autoskooter und das Kinderkarussell.
Obwohl es sicherlich nicht mein Ding ist, schaue ich beim 1. Maisacher Bierturnier vielleicht vorbei. Was verbirgt sich dahinter? Dort gibt es die Disziplinen Fingerhakeln, Masskrugstemmen, Hau den Lukas und Bierdeckelweitwurf sowie Wettzapfen. Ja, wir sind auf dem Land. Ich glaube, es wird eine riesen Gaudi.
Musikalisch hat die Maisacher Festwoche einiges zu bieten und eine bayerische Lokalgröße hat sich angesagt: LaBrassBanda schaut auf ihrer Bierzelttour 2017 auch in Maisach vorbei. Das zieht sicherlich Besucher aus nah und fern ins Dorf.
Als meine Kinder klein waren, waren wir zudem immer Besucher der Schafausstellung. Ich genoss die Stimmung und kam mir in die Serie „der Doktor und das liebe Vieh“ versetzt. Dieses Jahr gibt es die Schafausstellung auch und eine Neuerung ebenso: Während andere eine Bierkönigin, Milchkönigin, Rosenkönigin oder Weinkönigin haben, so hat meine Gemeinde Maisach künftig eine bayerische Wollkönigin.

Weil die Hilfe ankommt - wichtig in unserer Zeit.

Weil die Hilfe ankommt – wichtig in unserer Zeit.

Der Gang durchs Dorf
Zurück zum Einzug der Vereine. Wir von der Togohilfe postierten uns hinter der Maisacher Blaskapelle und waren eher am Ende des Festzugs dabei. Belo, ein freundlicher Togolese in afrikanischer Tracht, trug das Schild, das uns als Togohilfe identifizierte. Daneben gingen die Vorsitzende Margret Kopp und ein Vereinsmitglied, beide auch in togolesischen Gewändern. Dann kamen meine Frau und ich, gefolgt von Togolesen in bayerischer Tracht, Lederhosen und Dirndl. Wir waren also eine ganz schön bunte Truppe, die durch den Ort marschierte. Blaskapelle voran und wir hinterher. Links und rechts der Straßen zum Festplatz standen Maisacher Bürger und winkten, klatschen und freuten sich. Das ganze Dorf war auf den Beinen, zumindest einige Bewohner. Die Straßen waren von der Polizei abgesperrt und in Zeiten des Terrors tut es gut, wenn die Polizei bei solchen Veranstaltungen Flagge zeigt. Mein ausdrücklicher Dank an die Beamten, die hier ihren Dienst tun.
Viele Maisacher lachten uns an. Aber natürlich lag es nicht an mir, sondern vielmehr an den Togolesen in ihren bunten, farbenfrohen Klamotten oder in bayerische Tracht. Sie waren ein echter Hingucker. Immer wieder wurde mit dem Smartphone gefilmt oder fotografiert. Am letzten Kreisel standen zwei fesche Damen von der Gemeindeverwaltung mit Klemmbrett, die eifrig etwas notierten. Am Festplatz standen die ganzen Fahnenabordnungen der Vereine und wir schritten hindurch. Es war ein großartiger Empfang.

Ein Schlag zum Anzapfen
Im Festzelt von Jochen Mörz angekommen fanden wir unseren Platz relativ weit hinten. Traditionsvereine haben einen besseren Blick auf die Bühne und bekamen von der Musik mehr mit. Der Bieranstich durch den Bürgermeister ging ratz, fatz vor sich. Hans Seidl brauchte einen Schlag und das Fass war angezapft, ein Profi halt. So schnell, dass die örtliche Lokalpresse zu spät auf den Auslöser drückte. Ich kann mir schon vorstellen, welchen Anschiss es dann wieder in der Redaktion später gegeben hat. Festwoche ohne Foto vom Bieranstich – geht gar nicht. Am Platz angekommen verteilte die Vorsitzende der Togo-Hilfe je eine Biermarke an jeden Mitmarschierenden.

Die ganze Sache war genau abgezählt und es gab auch eine Durchsage, dass zuviel ausgegebene Biermarken bei der Gemeinde wieder abzugeben sind. Sind wir denn im Schwabenland oder gar Schottland? Aber die Damen, die am Kreisel mit Klemmbrett bewaffnet waren, führten genau Buch, wieviele Leute bei welchem Verein mitmarschieren und entsprechende Marken gab es dann auch. Ja, so funktioniert Deutschland. Übrigens, es gibt von der örtlichen Brauerei Maisach ein eigenes süffiges Märzen, das sich durch eine höhere Stammwürze auszeichnet.

Zusammen im Festzelt.

Zusammen im Festzelt.

Es zog ein Unwetter auf, das richtig heftig war. Die Mitarbeiter vom Festwirt haben in Windeseile die Schotten dicht gemacht und waren jederzeit Herr der Situation.  Im Zelt spürte man kaum etwas davon, was aber auch an den zwei Mass Bier liegen konnte. Bei strömenden Regen bin ich dann heimgewankt. Schön war es.

500 Jahre Reinheitsgebot beim Bier – die Geschichte von Heinrich dem Kempter

30. Mai 2016
Armin Gross vom Hotel Prinz Luitpold Bad zeigt mir den roten Bock Heinrich dem Kempter.

Armin Gross vom Hotel Prinz Luitpold Bad zeigt mir den roten Bock Heinrich dem Kempter.

Das Reinheitsgebot beim Bier ist 500 Jahre alt und als Bayer freue ich mich über den Erfolg des Gerstensafts. Ich mag es im Biergarten zu sitzen und die eine oder andere Halbe zu genießen. Ich bevorzuge das Bier von kleinen, lokalen Brauereien. Bei uns im Ort ist die Brauerei Maisach, die die Chance auf ein wunderbares Storytelling haben. Die haben das Räuber Kneissl Dunkle. Das Bier ist nach einer Art bayerischen Robin Hood benannt.
Durch meinen Kollegen Thomas Gerlach wurde ich mit der fränkischen Bierkultur vertraut. Es gibt in Franken die weltweit größte Dichte an Brauereien. Jedes Bier schmeckt anders. So dann und wann schreibe ich in meinem Blog darüber – als Beispiel will ich mein Storytelling über den Metzgerbräu in Ützing nennen, der einst sein Bier in alten Wurstkesseln braute. Geschichte vom Bier gibt es überall zu finden. Vor kurzem machte ich ein Biertasting im Legoland Deutschland und habe darüber geschrieben.
Mein Freund Rudi Seelmann betreibt mit seiner wunderbaren Frau Inken in der Nähe von Bamberg eine kleine, historische Brauerei – die Brauerei Seelmann. Das Bier ist absolut köstlich und wenn ich Zeit habe, werde ich mich in eines seiner Gästezimmer einquartieren und sein Bier in Ruhe kosten. Und ich werde die Geschichte seiner Brauerei genießen und darüber bloggen. Versprochen.

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Wie es der Zufall wollte, war ich am 500. Geburtstag des Reinheitsgebots als Reiseblogger unterwegs. Ich weilte in dem wunderschönen Hotel Prinz Luitpold Bad in Bad Hindelang im Allgäu. Zu vorgerückter Stunde zauberte Hotelier Armin Gross ein interessantes Bier hervor: Heinrich der Kempter. Und weil ein Bier auch eine gute Geschichte brauchte, erzählte Armin Gross die Geschichte von Heinrich der Kempter, nachdem das Bier der Brauerei Zötler benannt ist. Storytelling in Sachen Bier pur. Heinrich von Kempten ist eine mittelhochdeutsche Verserzählung, die Konrad von Würzburg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfasste. In einem ersten Teil wird die Verbannung des Ritters Heinrich vom Hofe des Kaisers Otto erzählt und im zweiten Teil die Zurückgewinnung der kaiserlichen Gnade.

Historisches Vorbild für das rote Bockbier
Manchmal genügt ein kleines Stück Brot, um das Schicksal eines Menschen zu besiegeln. Diese Erfahrung musste auch Heinrich der Kempter machen, als er den Sohn eines Herzogs von Schwaben während der Hofhaltung in Bamberg verteidigte. Der kleine Junge hatte Brot von der Tafel des Kaisers stibitzt, wofür er von dessen Mundschenk gezüchtigt wurde.
Im Streit erschlug Heinrich den Mundschenk und wurde vom Kaiser zum Tode verurteilt. Aus seiner Not heraus packte der Ritter den Kaiser und hielt ihm seine Klinge unter dessen mächtigen roten Bart. Kaiser Otto war gezwungen, das Urteil aufzuheben, verbannte Heinrich jedoch vom Hof.
Viele Jahre später führte Kaiser Otto Krieg und forderte deshalb seine Lehensmänner auf, ihm zu folgen. Dem Abt von Kempten widerwillig gehorchend, zog Heinrich los, um für seinen Herrscher zu kämpfen, bei dem er in Ungnade gefallen war.


Eines Tages konnte Heinrich, während er im Zuber badete, sehen, wie der Kaiser auf eine der belagerten Städte zuritt. Die Bürger der Stadt behaupteten, zu Verhandlungen bereit zu sein, lockten den Kaiser jedoch in eine Falle. Als Heinrich das sah, sprang er aus dem Zuber, schnappte sein Schwert und eilte dem Kaiser, nackt wie er war, zu Hilfe.
Kämpfend wie ein Bär schlug er all seine Gegner in die Flucht. Als Kaiser Otto erkannte, wer ihm zu Hilfe gekommen war, vergab er Heinrich dem Kempter. Diese Heldentat inspirierte die Braumeister von Zötler zur Kreation des Roten Bocks.
Die intensive rotbraune Farbe des Bieres ist nicht nur namensgebend für unseren Roten Bock, sondern steht auch für den mächtigen roten Bart von Kaiser Otto. Gekrönt wird das Bier von einem feinporigen cremefarbenen Schaum. In die Nase steigen ein süßlicher Karamellduft und ein feines Hopfenaroma. Klare Empfehlung von mir: Probiert dieses Bier und es wird euch schmecken, versprochen.

Bayerische Volksmusik im Wirtshaus

9. April 2009

wirtshausmusi

Ich bin wahrlich nicht volkstümlich eingestellt, aber gestern Abend machte ich eine schöne Erfahrung. Bei uns auf dem Land gibt es die Brauerei Maisach mit einer angeschlossenen Gaststätte. Küche ist gut bayerisch bei zivilen Preisen. Aus der Schwemme kam während des Essens live Volksmusik. Nicht volkstümliche Musik à la Musikantenstadl oder ähnlicher Volksverdummung, sondern richtige handgemachte Musik aus bayerischen Landen. Ich fragte den Brauereibesitzer Benno Wieser, den ich seit Jahren kenne, nach dem Grund: Jeden zweiten Mittwoch ist in der Schwemme Musikantenabend. Die Musiker aus unserem Dorf kommen zusammen und musizieren zusammen, jammen würde man wohl neudeutsch sagen. Ich fands gut und so gefällt mir bayerische Volksmusik, wenn sie vom Volk fürs Volk gemacht wird. Das klang in meinen Ohren zutiefst ehrlich. Weiter so.