Posts Tagged ‘Bayreuth’

Mein Kulturtipp: Der fliegende Holländer von Richard Wagner

5. August 2016
Einmal im Jahr ruft Wagner.

Einmal im Jahr ruft Wagner.

Wieder einmal hatte ich das Glück, seltene Karten für die Bayreuther Festspiele zu bekommen. Ich verehre die Musik von Richard Wagner und seine Musik in seinem Festspielhaus in Bayreuth zu hören, bedeutet für mich ein Hochgenuss an Kultur.
Dieses Jahr stand für meine Frau und mich der fliegende Holländer auf dem Programm. Es ist eine verhältnismäßig kurze Oper, die auf den unbequemen Stühlen im Festspielhaus das Sitzfleisch nicht zu sehr strapaziert. Aber wie heißt es doch so schön: Kunst muss wehtun.

Die Polizei war verstärkt vor Ort. Vielen Dank dafür.

Die Polizei war verstärkt vor Ort. Vielen Dank dafür.

Dieses Jahr gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen für die Festspiele. Die Festspielleitung verwies in einer eMail darauf hin. Bewaffnete Polizei war aufgezogen, hat die Straßen zum Grünen Hügel gesperrt und den Verkehr umgeleitet. Ich habe damit kein Problem und möchte der Polizei ausdrücklich für ihren Dienst danken. In diesem Video seht ihr die Eindrücke von der Anfahrt und des Abends:

Ich habe mich sicher gefühlt. Es wurde gebeten, dass Taschen und Sitzkissen nicht erlaubt sind, nur die Abendhandtasche für Damen war gestattet. Also musste ich iPhone, Ladekabel, Akku (zur Pokemon-Jagd) und Geldbeutel in meinem Gehrock unterbringen. Ich hatte meine klassische Festivalkleidung an: Maßgeschneiderten Gehrock von Svenja Jander, Schuhe kamen dieses Mal von Lloyd. Meine bezaubernde Frau hatte ein leichtes Abendkleid an, sah wundervoll aus und hatte das Glück im Konzertsaal nicht zu schwitzen. Das ist ein weiterer Beitrag zur 4. Blogparade #Kulttrip meiner IronBlogger-Kollegin Tanja Praske.

Doris Ortlieb und ich vor dem Bayreuther Festspielhaus.

Doris Ortlieb und ich vor dem Bayreuther Festspielhaus.

Da der Holländer eine kurze Oper ist, gibt es also keine Pausen. Das bedeutet wiederum, dass das Sehen und Gesehen werden vor der Oper stattfinden muss, denn hinterher verläuft sich alles in den Bayreuther Partylocations.

Bayreuth und Bratwurst gehören zusammen.

Bayreuth und Bratwurst gehören zusammen.

Zum Ritual gehört es für mich dazu, die teure Festivalbratwurst zu essen. 7 Euro kostete dieses Mal die Wildkräuterbrautwurst. Jedes Jahr beiße ich in die Wurst und jedes Jahr bin ich enttäuscht. Das Catering hat wie jedes Jahr Steigenberger mit überteuerten Preise für Standardleistung inne. Nach dem Reinfall der Hummerbratwurst kam eben jetzt der Reinfall mit der trockenen Wildkräuterbratwurst. Aber seht das Video selbst, inklusive Senf im Bart – oder Senft wie der Franke sagen würde.


Nachdem wir aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen früher am Festspielhaus waren, schauten wir Leute an. Klatsch und Tratsch hält die Welt zusammen. Es ist ein Genuss die Wagnerianer zu beobachten und dem Fachsimpeln zu lauschen. Der Monaco kommt mir immer in den Sinn – danke lieber Helmut Fischer. Und wir gingen auf die Jagd nach Pokemon. Das Festspielhaus ist eine Pokemon-Arena – wenn das die Wagnerfans wüssten. Aber außergewöhnliche Pokemons gab es nicht.

Das Festspielhaus ist eine Pokemon Arena.

Das Festspielhaus ist eine Pokemon Arena.

Und weil uns ein wenig langweilig war, besuchten wir den Kiosk gegenüber mit kleinem Postamt. Dort gab es den Richard Wagner Sonderstempel. Um sich den Sonderstempel der Bayreuther Festspiele abzuholen, bildete sich eine kleine Schlange. Ich stellte mich nicht an. Briefmarkensammeln gehört nicht zu meinen Hobbys und ich habe zudem eine wunderbare Frau.

Es gibt einen Sonderstempel der Bayreuther Festspiele - allerdings für mich nicht.

Es gibt einen Sonderstempel der Bayreuther Festspiele – allerdings für mich nicht.

18 Uhr startete die Oper und 15 Minuten vor Opernstart gibt es ein weiteres Ritual. Auf dem Balkon des Festspielhauses treten Musiker heraus und spielen ein kurzes Stück der Oper. Was sonst in den Pausen zwischen den Aufzügen passiert, muss beim Holländer vor der Oper passieren. Natürlich ist es eine Pflicht für jeden Wagner Fan hier dabei zu sein.


Dann heißt es, ab in das Festspielhaus mit seiner hervorragenden Akustik. Wir hatten Plätze in der fünften Reihe (absoluter Wahnsinn). Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger hatte ich bereits im Kino gesehen und sie hat mir gefallen: Sehr humorvoll und modern inszeniert. Dirigiert wurde das Stück von Axel Kober sehr präzise und auch den Sängern ein großes Lob: Peter Rose (Daland), Ricarda Merbeth (Senta), Andreas Schager (Erik) und Benjamin Bruns als Steuermann und Thomas J. Mayer als Holländer. Für mich ein eindrucksvolles Kulturerlebnis und eine klare Empfehlung.


Typisch natürlich auch, dass man im Festspielhaus von einem alten Opa zurechtgewiesen wird. In der Reihe hinter mir, maulte ein Opa, dass hoffentlich nicht mit dem Fächer während der Oper gefächert wird. Natürlich sagte er es nicht zu mir, sondern halblaut in den Raum. Klar drehte ich mich um und sprach den Opa direkt an, was ihn sichtlich überraschte. Natürlich werde ich die Musik von Wagner nicht durch mein Gewedel stören – was er glaubt, welcher Banause ich sei? Ätsch, Schwarzen Peter an den Meckeropa weitergegeben. Er war dann still – gut so.

Nach der Oper wieder Rituale: Die einen feiern und wir gehen ins Hotel.

Nach der Oper wieder Rituale: Die einen feiern und wir gehen ins Hotel.

Nach dem Kulturhochgenuss kommt bei uns ein weiteres Ritual. Übernachten im Gasthaus Opel in Heinersreuth. Vor dem Bett kommt eine deftige fränkische Mahlzeit: Sülze mit Bratkartoffeln und Zwiebel – dazu einige Gläser fränkisches Bier. Mir schmeckt das Essen und ein Pokemon war auch im Gastraum – was will man mehr?

Mein Standard-Gericht im Hotel Opel: Sülze mit Bratkartoffel.

Mein Standard-Gericht im Hotel Opel: Sülze mit Bratkartoffel.

 

Ein Pokemon trieb sich auch rum.

Ein Pokemon trieb sich auch rum.

Ich mag das Gasthaus. Es wurde sogar aufgenommen in das Buch: 50 historische Wirtshäuser in Oberfranken. Die Wirtin ist eine nette Frau und zu Festspielzeiten ist das Gasthaus Opel super gebucht. Seitdem wir Karten für die Bayreuther Festspiele haben, übernachten wir im Gasthaus Opel in Heinersreuth. Hier – wie jedes Jahr – ein kleiner Zimmercheck.


Einen Tag später steht der Besuch des Grabes von Richard Wagner an. Er liegt im Garten der Villa Wahnfried begraben. Für mich ein sehr feierlicher Besuch und meine Art, den Komponisten zu ehren. Auch immer nett, der Besuch des Grabes von Wagners Hund Russ, der gleich neben dem Komponisten liegt.

 

Wahnfried wurde komplett restauriert und bei meinem nächsten Besuch werde ich mir die Ausstellung in Ruhe ansehen. Dieses Mal fehlte die Zeit, weil ich noch andere Termine habe. Aber die örtliche Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer wies mich extra auf das Museum hin. Beim nächsten Mal frage ich sie einfach, ob sie Zeit hat und mir das Museum und die Villa Wahnfried zeigt.

Wagner im Kino – Parsifal mit Popcorn und Bier #KultTrip

27. Juli 2016

Das erste Mal, dass ich mit der Musik von Parsifal konfrontiert war, muss Anfang/Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein. Eine kulturbeflissene Freundin aus Bildungsbürgerkreisen schleifte mich in die Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg in ein Münchner Kino mit. So etwas hatte ich bis dato nicht gesehen. 255 Minuten eröffnete sich mir eine komplett neue Welt. Das war bewusst mein erster Kontakt zu Richard Wagner und Parsifal ist bis heute meine prägendste Oper des Meisters.

Parsifal neben Star Trek.

Parsifal neben Star Trek.

So hab ich mich gefreut, als ich hörte, dass es in Bayreuth eine Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels geben sollte. Ich hätte sogar eine Karte für die Premiere in Bayreuth bekommen können, aber eben nur eine. Meine Frau hätte zuhause bleiben müssen, was ich nicht wollte. Daher entschieden wir uns für einen anderen Weg des Kulturgenusses, der mich an meine ersten Erlebnisse mit Parsifal erinnerte. Wir schauten uns die Übertragung von Parsifal live im Kino an. Das ist dann auch gleichzeitig mein Beitrag zur 4. Blogparade #Kulttrip meiner IronBlogger-Kollegin Tanja Praske.
Übertragungsort von Wagner im Kino war wie die vergangenen Jahre zuvor das Scala Kino in Fürstenfeldbruck. Neben Fans von Independence Day 2 und Star Trek Beyond trafen sich rund 30 lokale Wagner-Fans zumeist älteres Semesters in der Lobby des Kinos. Ich muss den Betreibern des Scala Kinos mein Lob und meine Anerkennung aussprechen, dass sie eine Übertragung aus Bayreuth zeigen und nicht auf einen US-Blockbuster setzen, der garantiert mehr Umsatz bringt. Vielen Dank liebes Scala-Team, dass ihr uns wie die Jahre zuvor dieses Kulturereignis ermöglicht. Chapeau.

Danke liebes Scala in FFB für die Übertragung des Parsifal.

Danke liebes Scala in FFB für die Übertragung des Parsifal.

Wagner im Kino ist dann doch etwas anders als Wagner im Bayreuth. Im August bin ich wieder beim Holländer vor Ort und quetsche mich in die engen Stühle. Im Kino geht es lockerer zu. Es begann damit, dass ich mir Bier und Popcorn in den Saal mitnahm. In Bayreuth wäre ich dafür am Fahnenmast des Opernhauses aufgeknüpft worden. Klamottentechnisch hatte ich Anzug, Fliege und besondere Schuhe im Kino an – FashionShow muss eben auch im Kino sein.

Sekt vor der Übertragung.

Sekt vor der Übertragung.

Es gab ein Glas Sekt zum Einstand für mich, den ich alleine genoss. Meine Gattin verspätete sich aufgrund eines ärgerlichen S-Bahn-Schadens des MVV. In Bayreuth zu spät zu kommen, kommt einer Todsünde gleich. Wer zu spät kommt oder während der Vorstellung den Saal verlässt, der bleibt vor der Tür bis der Akt/Aufzug beendet ist. Strenge Gesetze sind dies in Bayreuth. Im Kino konnte meine Frau nach Vorstellungsbeginn einfach in den Kinosaal huschen und neben mir Platz nehmen.

Axel Brüggemann gibt sich Mühe, aber Katharina Wagner ist nicht bei der Sache.

Axel Brüggemann gibt sich Mühe, aber Katharina Wagner ist nicht bei der Sache.

Zudem gab es im Kino ein Erläuterungsprogramm. Locker wie immer spricht Musikjournalist Axel Brüggemann mit den Verantwortlichen am grünen Hügel, wobei Katharina Wagner mal wieder komplett unsympathisch herüber kommt. Die Dame des Hauses schaut während des Interviews nach oben und ihre Antworten sind nicht gerade das, was ich unter Begeisterung verstehe. Da hätte ich gerne den musikalischen Direktor Christian Thielemann im Gespräch gehabt. Der hätte sich auch gleich zum Abgang des Dirigenten Andris Nelsons äußern können, an dem Thielemann seiner Meinung nicht Schuld gewesen sein soll. Nein, da lieber die Decke des Schweigens über den Eklat legen und Blabla machen.
Schön war daher das Interview mit dem eingesprungenen Dirigenten Hartmut Haenchen. Ich bin begeistert, von seiner Interpretation von Parsifal. Nach seinen Worten gibt er den Parsifal, wie ihn Wagner sich vorgestellt hat. Das bedeutet, Haenchen hat massiv an Tempo und Ausdruck gearbeitet und einen vergleichsweise kurzen Parsifal dargeboten. Andere Dirigenten brauchen für die gleiche Oper fast eine Stunde länger. Ich war bisher auf die Version von Knappertsbusch eingeschworen. Mir hat die neue musikalische Interpretation des Werkes durch Haenchen gefallen – und dies nach einer vergleichsweise kurzen Probephase, nachdem Nelsons das Handtuch geschmissen hat. Ich erinnere mich gerne an die schnelle Bayreuth-Aufnahme Parsifalvon Pierre Boulez. Haenchen durfte 1971 hospitieren und hat nun seine Interpretation geschaffen. Auch das Problem mit dem Bayreuther Graben hat Hartmut Haenchen wunderbar gelöst. Orchester und Sänger spielen zeitversetzt.

Stark: Georg Zeppenfeld als Gurnemanz

Stark: Georg Zeppenfeld als Gurnemanz

Für mich die beste Sängerleistung war Georg Zeppenfeld als Gurnemanz sowie Elena Pankratova als Kundry. Und auch die Inszenierung hat mir zugesagt. Die Neuinszenierung von Uwe Eric Laufenberg passte für mich ideal in die heutige Zeit. Parsifal ist ein sakrales Werk voller Leid. Und wenn am Ende die Sänger die religiösen Symbole aller Religionen in einen Sarg packten, hatte das für mich starke Symbolkraft. Diese religionskritische Interpretation angesiedelt an einem Ort zwischen Nordirak und Syrien fand ich prima. Gralsritter und das Mysterium des Grals und der heiligen Lanze im neuen Gewand. Die Verwandlungsmusik wird optisch durch das Herumstreifen im Weltall dargestellt. Es regnet Kreuze, die Kirche als Schutzplatz für andere Religionen – viel Stoff für Interpretationen. Über allen schwebte die göttliche Musik von Richard Wagner. Der Schluss mit dem Höchsten Heiles Wunder! demonstriere mir wieder, warum ich die Musik von Richard Wagner so mag. Politisch lehne ich Wagner ab, musikalisch verehre ich ihn.

Tolle Interpretation durch Hartmut Haenchen

Tolle Interpretation durch Hartmut Haenchen

Internationaler Flair mit regionalen Gerichten: Liebesbier in Bayreuth

8. März 2016
Liebesbier heißt die neue Event-Gastronomie in Bayreuth.

Liebesbier heißt die neue Event-Gastronomie in Bayreuth.

Denk ich an die fränkische Küche, dann denke ich erst einmal an Kloß mit Soß. Das ist zwar fein, Schäuffele und Karpfen mag ich auch, aber ich will auch eine Abwechslung auf dem Teller. Eine besondere kulinarische Abwechslung habe ich vor kurzem in Bayreuth erlebt. Dort gibt es auf dem Gelände der Brauerei Maisel die neue Eventgastronimie Liebesbier.
Als Münchner wartete ich vor dem Liebesbier auf Einlass. Um 17 Uhr öffnet das Restaurant und vergibt die freien Plätze. Eine Reservierung für später am Abend ist dringend erforderlich. Also stand ich vor dem Liebesbier und dachte mir: Die Säule mit Schale am Eingang kenn ich doch. Und richtig. Die Säule stand jahrelang vor der Münchner Nobel-Location P1. Jetzt steht das Teil in Bayreuth. Münchner Style in der Richard Wagner-Stadt Bayreuth.

Das P1 aus München grüßt.

Das P1 aus München grüßt.

Liebesbier bedeutet Erlebnisgastronomie pur und es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Brauer Jeff Maisel und den Gastronomen Thomas Wenk, Ute Wenk und Andrea Bauernfeind. Als ich zum Testessen kam, saß ich mit einer Gastronomie-Familie aus Bamberg am Tisch, die das Restaurant genau unter die Lupe nahmen und sich anerkennend äußerten. Die Gastronomiefläche vom Liebesbier hat knapp 280 Innenplätze und bei warmen Temperaturen kommen 300 Außenplätze hinzu. Der Biergarten wird gerade angelegt. Im Mittelpunkt des gastronomischen Konzepts stehen Bier und Handwerk. Der Ort ist historisch: In der alten Brauerei Maisel von 1887 gibt es neben einem Museum auch eine Showbrauerei. Es handelt sich um die funktionsfähige Brauerei ‚Maisel & Friends Brauwerkstatt‘ mit einem 25 hl Sudwerk.


Ich hab mich sofort wohlgefühlt im Liebesbier. Als ich auf mein Essen gewartet habe, probierte ich Waren der eigenen Bäckerei; Brot und Treberkekse. Die Getränkekarte fasziniert und überfordert zugleich. Schließlich steht das Thema Bier im Vordergrund. Neben 21 Bierhähnen gibt es bis 80 Flaschenbiere: Typisch fränkische, klassisch bayerische und moderne Edel- und Craftbiere aus der ganzen Welt. Als Wasser wird Brauwasser aus dem Fichtelgebirge verwendet. Das Konzept Craftbeer ist voll im Kommen und jetzt auch in Bierland Oberfranken angekommen. Craftbeer ist im Grunde nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier – und es wird mit den Zutaten experimentiert. Mehr und mehr Privatleute fangen an, Bier zu brauen. Der Trend schwappte von den USA zu uns herüber. Eigentlich peinlich, dass wir selbst als Braunation nicht auf die Marketingidee kamen, aber die Brauerei im Liebesbier haben im Jahr des Reinheitsgebot die Idee des Craftbeers perfekt aufgenommen und verfeinert. Aber Bier alleine kann es nicht sein. Feines Essen gehört zu gutem Bier dazu. Und hier kommt Küchenchef Michael Waigel in Spiel.


Sein Credo ist Regionalität und damit fährt er sehr gut. Es gibt hauptsächlich saisonale Produkte. Trotz Oberfranken gibt es keinen Kloß mit Soß. Die Küche ist fein, aber bodenständig. Ich startete mit einem Beef Tatar, handgeschnittenes Roastbeef auf handgerösteten Liebesbier-Brot und Charlotten und marinierte Gurken. Sehr feiner Geschmack.

Beef Tatar, handgeschnittenes Roastbeef auf handgerösteten Liebesbier-Brot und Charlotten und marinierte Gurken

Beef Tatar, handgeschnittenes Roastbeef auf handgerösteten Liebesbier-Brot und Charlotten und marinierte Gurken

Als Hauptgang wählte ich Grillinger Deluxe. Dahinter verbergen sich hausgemachte Trebern-Bier-Bratwürste und karamellisiertes Kohlgemüse und Brot. Lecker kann ich nur sagen.

Grillinger Deluxe

Grillinger Deluxe

Zudem gab es Kung Fu Zander, ein gebratenes Zanderfilet mit Kartoffelrösi und marinierten Babyblatt Spinat.

Kung Fu Zander, ein gebratenes Zanderfilet mit Kartoffelrösi und marinierten Babyblatt Spinat.

Kung Fu Zander, ein gebratenes Zanderfilet mit Kartoffelrösi und marinierten Babyblatt Spinat.

„Aus unserer Lieblings-Küche kommen nur regionale Produkte. Wie bei unseren Bieren verlassen wir uns auch bei den Zutaten auf Lieferanten, die wir persönlich kennen, denen wir vertrauen und deren Produkte wir selbst probiert haben. Einige Leckereien stellen wir selbst her: Das Brot kommt frisch aus unserer Backstube, unser Brauwasser wird aus unserem Brunnen geschöpft und Fisch in unserem Ofen geräuchert“, so Küchenchef Michael Waigel.


Chefkoch Michael Waigel ist seit 2004 in der Bayreuther Schlossgaststätte Eremitage Küchenchef und Geschäftspartner. Hier kocht er fränkisch unter Verwendung bester und frischester Produkten aus der Region, auf Vorbestellung auch exquisite Menüs. Er ist aktiv bei der Gourmet-Veranstaltung „Gala der Köche“ in Bayreuth. Er war u.a. Küchenchef bei Steigenberger, auch im Festspielhaus; Küchendirektor in mehreren Maritim Hotels (5 Sterne Hotels), Küchenchef Europäischer Hof Baden Baden (5 Sterne). Zudem hat er in Michelin Sterne Restaurants gearbeitet: Quellenhof Aachen, Rosa Tschudi „Schweiz“, Marc Haeberlin Auberge de I’ll in Frankreich, in Belgien, Holland, Hamburg und in Düsseldorf. Im Liebesbier will Waigel ganz neue Wege gehen. Internationaler Flair mit regionalen Gerichten. Für mich eine klare Empfehlung und wer Gast in Bayreuth ist, unbedingt reinschauen und probieren.

Videos von Zimmerchecks in Hotels – Teil 6

27. Februar 2016

Meine Arbeit macht es notwenig, dass ich auf Reisen gehe. Da ich manches Mal über Nacht bleibe, bette ich mein müdes Haupt in dem einen oder anderen Hotel zur Ruhe. Bevor es aber ans Auspacken geht, drehe ich ab und zu mal ein Video von meinem Zimmer. Es ist eine Art spontaner Hotel- und Zimmercheck, der nicht den Anspruch auf Vollständigkeit hat. Es sind nur spontane Eindrücke, die ich sammle. Ab und zu werde ich in meinem Blog einige dieser Hotel- und Zimmerchecks vorstellen – viel Spaß.

Hotel- und Zimmercheck Hotel Grunau, Bayreuth 

 

Hotel- und Zimmercheck Königsburg, Legoland Günzburg

 

Hotel- und Zimmercheck Balancehotel Obermüller, Untergriesbach

 

Hotel- und Zimmercheck – Wildbad Kreuth, Hanns Seidel Stiftung

 

Hotel- und Zimmercheck Rizzelli in Neustadt (Aisch)

 

 

Konzertkritik: Kraftwerk in Essen

26. November 2015
Ein Jugendtraum wird wahr - Kraftwerk in Essen. Ein Jugendtraum wird wahr – Kraftwerk in Essen.

Ehrfürchtig nehme ich auf dem Gangplatz in der zweiten Reihe im Essener Traditionskino Lichtburg Platz. Vor mir ein mächtiger roter Vorhang. Hinter diesem Vorhang soll sich gleich ein Jugendtraum von mir verwirklichen. Ich darf Kraftwerk live sehen – endlich.


Als Jugendlicher hatte ich diese Band für mich entdeckt und war durch all die Jahre ein Verehrer der deutschen Elektronikband. Kraftwerk war anders als die Bands meiner Jugend. Es waren keine Gitarrenhelden, sondern Techniker in den Kling-Klang-Studios, die einen ungewöhnlichen Sound heraufbeschwörten. Ich kaufte die Platten in Vinyl, Langspielplatten und Singles, dann später die Musik als CD. Der Katalog in schwarz und weiß sind für mich wichtige Boxen. Doch Kraftwerk habe ich noch nie live erlebt. Bei den Münchner Konzerten hatte ich keine Karten bekommen, das Event im ZKM habe ich verbummelt und für die Auftritte in der Londoner Tate Gallery habe keinen Flug bekommen, den ich mir leisten wollte. Aber in Essen soll es jetzt sein. Kraftwerk live auf der Bühne.


Die Faszination, die ich für diese Musik empfinde, sprach und spricht bei mir alle Sinne an: Den Kopf, den Bauch, die Seele. Ich gehe gerne auf Konzerte und freue mich auf die Künstler, die ich dort sehe. Es ist Unterhaltung pur, wenn die Künstler mir eine gelungene Show abliefern. Aber bei Kraftwerk bin ich nervös. Ich nahm eine stundenlange Reise von München nach Essen mit dem ICE auf mich, wurde nach den Terroranschlägen in Paris professionell und ausgiebig beim Betreten der Lichtburg gefilzt und sitze jetzt in meinem Kinosessel in der zweiten Reihe, nah, ganz nah an der Bühne. Ich geb es zu, ich war nervös. Ich spüre die gleiche Unruhe in mir wie vor einer Wagner-Aufführung in Bayreuth. Wie wird es werden? Wird mein Jugendtraum gleich zerplatzen? Kraftwerk ist nicht einfach eine Musikkonzert, es ist Kunst, ein Kunstgenuss pur. Für mich ist Kraftwerk ein Gesamtkunsterlebnis.

Um mich herum ziehen die Fans aus dem Ruhrpott ihre 3D-Brillen auf, denn Kraftwerk hatte für uns eine Multimedia-Show in Stereoskopie im Gepäck. Die Gespräche verstummen. Aufgrund meines Augenleidens lasse ich meine 3D-Brille in der Tasche.

3D-Brillen am Eingang. 3D-Brillen am Eingang.

Jeder Konzertbesucher bekam am Eingang eine polariserte Brille im Kraftwerk-Look überreicht. Auch ich nahm eine, ziehe die 3D-Brille aber nicht auf. Ich will nur die Band hinter ihren Pulten betrachten und genießen. Punkt 0 Uhr geht es los. Meine Frau hatte mir eine Karte für die zweite Show des Abends gekauft und ich bin ihr über ihre Platzwahl ganz vorne zutiefst dankbar. So nah dran an der Band und den Boxen.


Der Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne stehe die legendären vier Pulte. Der Applaus ist gewaltig, ich klatsche, um meine Spannung abzubauen. Es geht los. Der Surround-Sound drückt mich in den Sessel der Lichtburg. Glasklarer fetter Sound, der Bass haut rein. Das größte deutsche Filmtheater mit 1500 Plätzen ist komplett ausverkauft. Die Mensch-Maschine nimmt ihren Verlauf. Die Kraftwerk-Performer betreten in ihren Neopren-Anzügen die Bühne. Die Audio Operatoren (netter Name für die Musiker) Ralf Hütter, Fritz Hilpert, Hennig Schmitz und Video Operator Falk Grieffenhagen. Von der Originalbesetzung ist nur Ralf Hütter übrig geblieben. Klaus Dingler ist leider verstorben und Karl Bartos macht sein eigenes Ding und ich werde ihn mir auch noch ansehen, irgendwann, irgendwo. Bartos macht Kraftwerk-Musik, wie sie im 21. Jahrhundert klingen sollte. Ralf Hütter ist eher der Bewahrer – also genauso ein Streit wie um Wagner. Geblieben ist die Musik, Elektropop mit und fürs Köpfchen. Für mich ist Kraftwerk die Urband der elektronischen Musik – vor Kraftwerk gab es im elektronischen Bereich nichts, was von irgendwie Bestand hatte. Kraftwerk hat meine musikalische Welt umgestaltet, eingerissen, komplett neu definiert. Und jetzt sehe ich diese Pioniere, diese Revolutionäre ein paar Meter vor mir auf der Bühne. Obwohl sich Kraftwerk die Entpersonalisierung der Musiker auf die Fahnen geschrieben hat, war ich auf die Musiker neugierig. Hinter ihnen läuft eine beeindruckende 3D-Show auf, doch ich konzentriere mich auf die Musiker. Ralf Hütter singt die legendären Zeilen, die jeder in der Lichtburg mitsingen kann. Ja, wir sind alle Textsicher bei Kraftwerk-Songs. Bei dem Song Computerwelt sah Kraftwerk die totale Digitalisierung und Überwachung voraus. Nie zuvor war Kraftwerk aktueller denn je – NSA, Snowden, Vorratsdatenspeicherung. „Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard – Flensburg und das BKA, haben unsere Daten da“. Für die Zeilen muss man Kraftwerk einfach lieben: „Automat und Telespiel – Leiten heute die Zukunft ein – Computer für den Kleinbetrieb – Computer für das eigene Heim“.


Als die Klänge von Autobahn erklangen, bekomme ich meinen persönlichen Flashback. Ich erinnere mich, wie ich diese Musik das erste Mal gehört habe. Was war das? Es waren keine drei-Minuten Hitsingle wie bei anderen Künstlern, sondern die Komposition entfaltete eine intensive hypnotische Kraft. Die Redundanz prägte sich ein. Als Jugendlicher kam nur noch Brian Eno und David Bowie mit der Berliner Phase an diese Musik heran, alles andere war oberflächliches Gedudel.


Im Grunde läuft ein Kraftwerk-Konzert computergesteuert wie ein Uhrwerk ab. Ein Absturz wie auf dem Düsseldorfer Konzert in der Philipshalle am 31. Oktober 1991 gab es in Essen nicht. Die Showmaschinerie der Mensch-Maschine lief perfekt. Ab und zu wippt Ralf Hütter mit den Füßen, aber die Musiker halten sich meist zurück. Als gegen Ende der Show nach einem Vorhang die Roboter auf die Bühne kommen, bringen die mechanischen Gesellen in einem Song mehr Bewegung auf die Bühne als die menschlichen Musiker während des ganzen Konzerts. Als Kind habe ich die Roboter mit den roten Hemden und schwarzen Krawatten im Fernsehen gesehen und wusste nicht, ob die Band nun echt oder mechanisch war. Heute weiß ich, dass Kraftwerk menschlich ist, denn Ralf Hütter grinst von der Bühne.
Eindrucksvoll waren Tour de France, das Model und immer wieder Radioaktivität mit überarbeiteten Texten. Beim Trans Europa Express denke ich an meine Zugfahrt und freue mich, dass Europa zusammengewachsen ist. Ich gerate immer tiefer in den Song der Musik und als die Klänge von Elektro Kardiogramm erklingen, drückt es mich in meinen Kinosessel hinein. Die legendären Textzeilen „Music non stop, techno pop
Es wird immer weitergehen – Musik als Träger von Ideen“ haben mich wieder gepackt. „Es wird immer weitergehen – Musik als Träger von Ideen“ genau das ist es – bravo.


Nach zwei Stunden verabschieden sich Kraftwerk mit Improvisationen auf ihren Software-Synthesizern und -Sequencern, gehen Mann für Mann an den Rand der Bühne und verbeugen sich artig. Ralf Hütter ist der letzte, der von Bord geht. „Gute Nacht, bis morgen“ lauten seine Worte an uns.

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Nein, für mich heißt es bis gleich. Ich bleibe noch ein wenig im Kinosaal sitzen und schaue mir im Vorraum den Verkaufsstand mit T-Shirts und Mauspads an. Ich muss vier Stunden überbrücken, bis mich mein ICE wieder nach Bayern bringt. Ein wenig spaziere ich durch die Innenstadt von Essen und lande in einer Kneipe. Ich höre dort Kraftwerk über das iPhone. Mein Leben ist schön.

Siegfried – der Ruf in den Konzertsaal

12. August 2015
Warten auf die Bläser.

Warten auf die Bläser.

Ich durfte dieses Jahr Siegfried bei den Bayreuther Festspielen genießen und die Musik war wieder einmal ein Hochgenuss. Die Inszenierung von Frank Castorf fand ich wie das Jahr zuvor seine Inszenierung von Götterdämmerung grausam. Ich hoffe, dass bald ein neuer Ring nach Bayreuth kommt.

Die Inszenierung vom Siegfried hat mir nicht gefallen.

Die Inszenierung vom Siegfried hat mir nicht gefallen.

Die Aufführung dauerte von 16 bis 22 Uhr und wurde von zwei Pausen unterbrochen. Am Ende jeder Pause kommen Musiker des Orchesters auf den Balkon des Grünen Hügels und rufen mit einem Pausenspiel zur nächsten Aufführung zurück. Hier das Pausenspiel zum dritten Aufzug.

Snacks bei den Bayreuther Festspielen

11. August 2015

Bei den großen Opern von Richard Wagner, wie beispielsweise den Ring-Zyklus, Tristan und Isolde oder Lohengrin gibt es zwei Pausen, um sich die Beine zu vertreten. Die Pausen dauern je eine Stunde – Zeit also genug, ein wenig über den grünen Hügel zu schlendern und etwas zu essen.

Anstehen zum Essenfassen.

Anstehen zum Essenfassen.

Es gibt Wagnerianer, die zum nahegelegenen Parkplatz marschieren und das mitgebrachte Pausenbrot verzehren. Sie haben vielleicht eine Wagnerkarte für 300 Euro, aber die paar Euro für einen Snack sind nicht mehr drin. Wer über das Festivalgelände flaniert, stößt natürlich auf die Restaurants von Steigenberger.

Bitte vorher reservieren.

Bitte vorher reservieren.

Bei der etwas nobleren Gaststätte muss der Gast reservieren und bekommt sein Essen an den Tisch gebracht. Bei der Variante fürs Volk, haben wir eine klassische Mensa-Abfertigung mit Kuchen und dem Festspielteller.


Für mich neu dieses Jahr war ein vegetarischer Wok. Den hatte ich bisher noch nicht entdeckt. Für 7 Euro wird frisch gekocht und die Sache war wunderbar schmackhaft. Leicht, bekömmlich – asiatisch eben. Ich hatte das Gefühl, dass das Wok-Gericht allerdings nicht so von den Wagner-Fans angenommen wurde. Die Schlange vor dem Wok-Stand war immer relativ kurz.


Der Klassiker in Bayreuth ist natürlich die Bratwurst. Wie jedes Jahr machte ich den Bratwursttest. War es in den vergangenen Jahren die Trüffelbratwurst und auch mal die Hummerbratwurst (hier bei mir im Blog), so kam dieses Jahr die biologische Wildkräuterbratwurst zwischen die Semmel. Preis für die Wurst 7 Euro und es hat mir nicht geschmeckt: Die Wurst war einfach trocken.
Mich würde mal interessieren, was Richard Wagner gegessen hätte? Wahrscheinlich hätte die Kugel Eis für 2,50 Euro genommen und wäre in die Innenstadt von Bayreuth marschiert.

Tristan und Isolde – Wagner im Kino Scala Fürstenfeldbruck

8. August 2015
Zusammen mit meiner Frau genoss ich Tristan und Isolde im Scala Fürstenfeldbruck.

Zusammen mit meiner Frau genoss ich Tristan und Isolde im Scala Fürstenfeldbruck.

Darf man Richard Wagner im Kino genießen? Ja, man darf, mann sollte sogar. Nachdem ich mir Siegfried live in Bayreuth angeschaut habe, genoss ich Tristan und Isolde im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Es ist die düsterste Oper des großen Richard Wagner in der interessanten Inszenierung von Katharina Wagner und mit dem großartigen Christian Thielemann am Dirigentenpult.

Ich versuche immer beides zu machen: Wagner auf dem grünen Hügel und Wagner im Kino – und beides hat dieses Jahr auch wieder geklappt.
Zwar putze ich mich nicht so heraus, wie beim modischen Schaulaufen in Bayreuth, aber weißes Hemd und Fliege müssen auch im Kino bei dieser Art von Hochkultur sein. Die Reaktionen der anderen Kinobesucher, die sich einen Actionfilm in einem anderen Saal ansehen, war einfach göttlich. So bringt Kino die Menschen zusammen und wir haben alle was zu reden.


Während es im Festspielhaus in Bayreuth deutlich über 30 Grad Celsius hatte und der Fächer die warme Luft nur verteilte, herrschten im Scala Kino Fürstenfeldbruck angenehme Temperaturen. Die bequemen Kinositze waren kein Vergleich zu den engen und unbequemen Klappstühlen im Festspielhaus. Ich habe in Bayreuth dieses Jahr gelitten, aber dazu gibt es einen anderen Blogpost.


Darf man eigentlich Nachos, Popcorn und Cola bei Wagner genießen? Im Kino auf jeden Fall – was in Bayreuth eine Todsünde wäre, ist im Kino für mich kein Problem. Die Kino-Karte kostet auch nur 30 Euro, die Bayreuth-Karte 300 Euro – Unterschiede müssen sein. Schön ist, dass das Libretto im Kino eingeblendet wird. Das Verfolgen der Handlung ist also kein Problem, wobei Handlung des Tristans schnell erzählt ist.
Störend ist nur, dass der ein oder andere der 70 Kinozuschauer in Fürstenfeldbruck während der Vorstellung die Toilette besuchte oder Biernachschub holte. Tür auf, Licht rein – das stört. In Bayreuth gilt: Wer raus geht, der bleibt bis zum nächsten Aufzug draußen und das aus guten Grund. Ich will bei der göttlichen Musik nicht gestört werden und das meine ich ernst. Der Tristan-Akkord hat das Tür auf/Tür zu nicht verdient. Geht vorher pinkeln oder in der Pause, aber nicht während der Aufführung!
Die Kinoübertragung via Satellitenlink zeigte uns Kinozuschauer mehr Content. Es gab Blicke hinter die Kulissen, allerhand Interviews (sehr schön mit Christian Thielemann im obligatorischen quergestreiften Polo-Shirt und Goldkettchen), die Handlung und eine sogar Überraschung. 2016 wird der Parsifal neu inszeniert und diese Neuinszenierung wird gleich ins Kino übertragen. Parsifal ist persönlich meine Lieblingsoper von Wagner und ich hoffe, dass ich Karten für Bayreuth bekomme. Wenn nicht, dann geh ich wieder ins Kino.


Aber es war nicht alles toll bei der Kinoübertragung. Der Ton ist klar in Bayreuth mit Abstand besser. Zwar verfügt das Scala Kino in Fürstenfeldbruck über ein hervorragendes Soundsystem, aber die Akustik im Festspielhaus ist nochmals um Klassen besser. Der alte Richard Wagner wusste, was er da macht. Schlimmer waren die Bildstörungen in der Übertragung. Vor allem gegen Ende war es entsetzlich störrend. Bei „in des Welt-Atems wehendem All“ musste ich die Augen schließen, um Isoldes Verklärung genießen zu können. Freunde in Bayreuth, das war einfach schlecht.
Und richtig daneben waren erst die Werbeeinblendungen der Allianz Versicherung, die den Pausencontent finanzierten. Der Fächer mit dem Allianz-Logo ging ja noch, aber der Tomaten-Werbetrailer aus den 80ern von der Allianz vor dem zweiten Aufzug war schlichtweg eine Frechheit.

Bayreuth: Mit Wagner das Ende der Pause einleiten

30. August 2014
Der grüne Hügel mit eingepacktem Festspielhaus  - eine Schande.

Der grüne Hügel mit eingepacktem Festspielhaus – eine Schande.

Die Wagner-Festspiele 2014 sind zu Ende. Es war ein turbulentes Wagner-Fan und die Kritiker schossen wieder scharf auf dem grünen Hügel. Ich habe mir dieses Jahr die Götterdämmerung anschaut – inszeniert hatte Frank Castorf. Das Bühnenbild war wunderbar – und ich habe schon ausführlich darüber geschrieben. Mehr werde ich über die Aufführung und Castorf nicht schreiben. Wagner-Fans wissen Bescheid, der Rest interessiert sich sowieso nicht. Und ich freu mich auf die Saison 2015 und hoffe wieder auf Karten.
Ich habe die wunderbare Musik genossen und auch wieder die Rituale auf dem grünen Hügel. Wie jedes Jahr wird der Zuschauer beim Betreten des Opernhauses darauf hingewiesen, keine Fotos zu machen. Also nicht nur von der Aufführung (klar), sondern auch nicht vom Inneren des Gebäudes selbst. Nett zu sehen, wie Wagner-Fans die Aufseher ablenken und eine andere Gruppe dann im Festspielhaus für Selfies posiert.

Ein verbotenes Foto vom Inneren des Festspielhauses.

Ein verbotenes Foto vom Inneren des Festspielhauses.

Und zu den Ritualen gehört, dass am Ende jeder Pause das Publikum mit Musik zurück in das Festspielhaus gebeten wird. Das läuft so ab: Kurz bevor der nächste Aufzug beginnt, treten Orchestermusiker auf den Balkon des Festspielhauses. Dort stimmen sie ein Thema der jeweiligen Oper an, die gespielt wird. Das passiert zweimal in jeder Pause – eine Kurzfassung des Stücks und eine längere Version des Themas.
Ich habe hier mal das Pausenläuten der Götterdämmerung mitgefilmt.

Und weil es so schön ist, hier die Klänge von Lohengrin aus dem Jahr 2012.

Die Götterdämmerung umfasst bei einer Spielzeit von über vier Stunden zwei Pausen. Wer nicht Bratwurst essen will, der flaniert über das Festspielgelände. Ach ja Bratwurst. Dieses Jahr gab es übrigens keine Hummerbratwurst mehr wie noch 2013.

Spezialität in diesem Jahr war für 7,50 Euro eine Trüffelbratwurst. Die Kugel Eis kostet übrigens 2,50 Euro. Wer mich beim Trüffelbratwurstessen ansehen will, kann dies hier tun:

Perfektes Sitzkissen für Wagners Ring und mehr

29. August 2014

Der komplette Ring in Bayreuth bedeutet Ausdauer. Wer sich den Ring antut (und Karten bekommt), der muss ein Liebhaber der göttlichen Musik von Richard Wagner sein. Aber er muss auch leidensfähig sein. Diese Saison litt er aufgrund der Inszenierung von Frank Castorf, aber egal wer inszenierte, er litt wegen der Sitze. Die Holzsitze in auf dem grünen Hügel sind – sagen wir es mal so – unbequem. Götterdämmerung von über 4 Stunden und irgendwann tut auch dem treuesten Wagner-Fan der Popo oder Rücken weh.
Daher haben viele Besucher neben Abendkleid und Jackett auch eine Plastiktüte dabei. Dort bringen sie ihr Sitzkissen für den Abend mit. In der Pause sieht man die Stuhlreihen in dem Festspielhaus mit zahlreichen bunten Sitzkissen versehen, ein farbenfroher Anblick im dem Hort der Hochkultur.

Sofakissen und mehr im Festspielhaus.

Sofakissen und mehr im Festspielhaus.

Wer sein Kissen vergessen hat, aber dennoch eines benötigte, der konnte dieses Wagner-Jahr aufatmen. In der Steigenberger-Lokalität ist dieses ein Schoko-Verkäufer ausgefallen und stattdessen wurde der Stand von Stephanie von Keller aufgeschlagen. Sie präsentierte uns die Festspieltasche. Die Festspieltasche ist eine Tasche zum Sitzen und ein Kissen als Tasche. Stephanie von Keller hat das Bayreuth-Problem erkannt, analysiert und bietet eine Lösung. Zur festlichen Abendgarderobe passt kein Sofakissen. Die Lösung ist die Festspieltasche, die extra zu diesem Zweck entworfen wurde, eine Kombination aus Abendtasche und Sitzkissen. Die Kissen lassen sich natürlich nicht nur bei den Bayreuther Festspielen verwenden, auch andere Konzerte dürfen mit der Festspieltasche besucht werden.

Tolle Idee: Die Festspieltasche

Tolle Idee: Die Festspieltasche

Außer der Kissenfunktion enthält die Tasche noch ein ausklappbares Fach, in welchem die notwendigsten Kleinigkeiten aufbewahrt werden. Die Taschen sind aus Rohseide und in der schwarzen Fransenversion sowie etwas schlichter in den Farben rot, lila und gelb erhältlich. Des weiteren gibt es ein schwarzes Herrenmodell mit einem anderen Haltegriff.
Übrigens: die Festspieltasche auf der Design- und Handwerksmesse (IHM) in München mit dem Designpreis 2013 ausgezeichnet.

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