Nun liegt sie vor, die Neuinterpretation von The Dark Side of the Moon Redux von Roger Waters. Das Album von Pink Floyd gehört zu meinen Lieblingsalben und ich habe dieses Jahr sogar ein hervorragend besuchtes Seminar zur Bedeutung des Album gemacht. Rogar Waters, den ich politisch ablehne, musikalisch aber immer gefolgt bin, hat hier seine Version des Albums veröffentlicht. Noch habe ich sie nur auf Apple Music gehört, die Vinyl-Ausgabe kommt dieser Tage.
Nun, was soll ich sagen? Ich könnte jetzt viel über die hervorragende Aufnahmequalität schreiben, die wunderbare Produktion und die Abmischung, doch eigentlich interessiert es keinen. Die Frage ist doch: Ist The Dark Side of the Moon Redux von Waters besser als die 1973 Version von Pink Floyd? Um es gleich zu sagen: Nein, sie ist es nicht, auf keinen Fall, aber sie ist anderes, sehr anders.
Die Waters Interpretation verlangt genaues Zuhören. Ich nenne diese Art von Musik Kopfhörermusik. Man kann The Dark Side of the Moon Redux nicht nebenbei hören. Das gehört sich hier nicht. Die Musik, die Interpretation verlangen Aufmerksamkeit. Ablenkung oder gar Mitwippen beim Bügeln oder ähnlichen profanen Dingen geht überhaupt nicht. „Nicht um es zu verdrängen oder zu ersetzen, sondern um daran zu erinnern“, habe der 80jährige Waters das Album neu aufgenommen. Von seinen alten Kollegen von Pink Floyd war keiner dabei. Begleitet wird er von Background-Sängerin Azniv Korkejian, auch bekannt als Bedouine, und langjährigen musikalischen Weggefährten wie Joey Waronker am Schlagzeug, Gus Seyffert am Synthesizer oder Jonathan Wilson an der Gitarre. Waters ist anders als damals der alleinige Sänger, wobei Sänger in vielen Teilen übertrieben ist. Er flüstert, er haucht, er erzählt, aber er singt vergleichsweise wenig.
Nach mehrmaligen Anhören des Albums ist es wie eine Meditation. Die Texte von Dark Side sind mir in Fleisch und Blut übergegangen und ich kann sie alle mitsprechen – eine ganz neue Art Dark Side zu erleben. Ich hatte Angst, dass Waters eine Kopie des alten Albums aufgenommen hat, aber die Angst war unbegründet, nachdem er ja schon Time und Money früh veröffentlicht hat. Er liefert eine Neuinterpretation, die für mich interessant ist, allerdings ganz weit hinter den Aufnahmen des Original-Albums zurücksteht. Also wirklich nur etwas für Fans.
Am heutigen Tag der Deutschen Einheit werden sicher wieder bedeutungsschwere Reden geschwungen, ob Deutschland nun endlich zusammengewachsen ist. Meiner Meinung ist dieses Land zutiefst gespalten, wenn ich mir Wahlergebnisse und Umfragen ansehe. Aber ich kenne auch glückliche Deutsch-Deutsche Ehepaare bei denen die Vereinigung geklappt hat (hach Wortspiel).
Aber ich will nicht politisieren. Mindestens einmal im Jahr, aber immer am Tag der Deutschen Einheit hole ich eine Schallplatte der Berliner Philharmoniker hervor und spiele sie in Ruhe ab. So auch heute. Das Album heißt das Konzert November 1989.
Der 9. November 1989 wurde zu einem historischen Datum. Dieser Donnerstag und das folgende Wochenende rückten die beiden deutschen Staaten in den Mittelpunkt des Interesses der Weltöffentlichkeit und prägten sich vor allem den Berlinern tief ins Gedächtnis ein. 28 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer öffnete die DDR ihre Grenzen zum Westen. Als ersten Schritt eines Reformprogramms, das die innenpolitischen Ereignisse erzwungen hatten, erlaubte die Regierung des zweiten deutschen Staates ihrer Bevölkerung freies Reisen.
Vor allem West-Berlin wurde daraufhin von Hunderttausenden Berlinern aus dem anderen Teil der Stadt überschwemmt. Auch die Berliner Philharmoniker blieben nicht unberührt von der Woge freudiger Begeisterung, die die Stadt erfasst hatte. Natürlich haben viele ihrer Mitglieder freund- und verwandtschaftliche Beziehungen nach „drüben“, und noch kurz vor dem Mauerbau waren einige junge Musiker aus dem Ostteil der Stadt neu zum Orchester gestoßen. Spontan beschlossen die Philharmoniker daher, zur Feier des Ereignisses, am Sonntag, den 12. November 1989, ein Sonderkonzert für Besucher aus der DDR als ihren Beitrag zu geben: Nachdem sie ein halbes Jahr zuvor zum ersten Mal nach über dreißigjähriger Zwangspause wieder im anderen Teil der Stadt konzertiert hatten, wollten sie sich interessierten Besuchern aus Ost-Berlin und der DDR nun auch im eigenen Haus, in der Scharoun-Philharmonie am Kemperplatz vorstellen.Schon an den alten Übergangsstellen und den schnell eingerichteten neuen Mauerdurchbrüchen wurden sie von wartenden Menschengruppen mit Beifall und Blumen begrüßt. In der Gegend um Gedächtniskirche und Ku-Damm brach der Verkehr im Gedrängel der Menschenmassen völlig zusammen, es herrschte Volksteststimmung, die Nacht wurde zum Tage, immer wieder fielen sich Unbekannte aus Freude über das Ereignis, das noch ein paar Wochen zuvor unvorstellbar schien, in die Arme.
Die Gelegenheit war dem Vorhaben günstig: Das Orchester von Daniel Barenboim arbeitete an einer Schallplattenaufnahme von Mozarts Così fan tutte, und mit Barenboim, dem langjährigen Chef des Orchestre de Paris und designiertem Nachfolger Sir Georg Soltis an der Spitze des Chicago Symphony Orchestra, hatten sie erst Ende Oktober ein Programm mit Beethovens erstem Klavierkonzert und der siebenten Symphonie aufgeführt. Der damals 47jährige Dirigent, der schon 1969 zum ersten Mal am Pult des Eliteorchesters gestanden hatte, war sofort einverstanden, dieses Sonderkonzert nicht nur zu leiten, sondern auch als Solist zu gestalten. Und so zufällig war auch die Programmfolge von das Konzert November 1989.zustandegekommen.
Niemand hätte aus Anlass dieser deutsch-deutschen Wiederbegegnung eine bessere und passendere Wahl treffen können. Denn wie Beethoven sowohl in seinem Grand Concert von 1798 als auch in seiner A-Dur-Symphonie von 1812 zugunsten heiterer, ja tänzerischer Beschwingtheit auf alle heroischen und pathetischen Töne verzichtete, so fehlte es der „ersten unblutigen Revolution der Deutschen“, die sich seit dem 40, Gründungstag der DDR jenseits von Mauer und Stacheldraht abspielte, an allen Zügen von Aggressivität und Gewalt. Besonders an diese friedliche Revolution sollten wir uns erinnern und nicht in German Angst verfallen. Nutzen wir die Chancen zum heutigen Tag der Deutschen Einheit.
Ich bin angefressen wegen einer ärgerlichen Schlamperei. Seit Jahrzehnten bin ich Fan der deutschen Band Kraftwerk, eine der wenigen deutschen Bands, die international etwas bewegen konnten und Geschichte gemacht haben. Ich kaufe die Alben, zunächst auf Vinyl, dann auf CD und nun seit langem wieder auf Vinyl.
Als 2009 das Gesamtwerk von Kraftwerk auf farbigen Vinyl herausgekommen ist, habe ich zugegriffen und immer wieder darüber gebloggt. Ich hatte alle Ausgabe dieser Serie bis auf die deutsche Ausgabe von The Mix, eine Art Neuabmischung der Hits. Das Album erschien 1991 auf Deutsch und auf Englisch. Ich hatte seit langem die Doppel-LP The Mix auf Englisch. Nun wollte ich endliche die Sammlung komplettieren und erwarb die deutsche Ausgabe. Leider hatte sie einen Pressfehler, war dafür aber unverschämt teuer.
Bei dem Dealer meines Vertrauens reklamierte ich, stieß auf Verständnis und bekam eine Ersatzlieferung. Und siehe da: Der Pressefehler an gleicher Stelle. Scheinbar ist die ganze Ausgabe mit Fehlern behaftet. Dann lese ich die einschlägigen Kommentare im Netz und nicht nur ich habe diesen Pressefehler, sondern auch andere Kraftwerk-Fans. Die Musik ist über alle Zweifel erhaben, aber so etwas geht absolut nicht. Ich habe die bewusste Schallplatte auf anderen Schallplatternspielern abgespielt und es liegt natürlich nicht an meinen Geräten, sondern an der Pressung.
Wie kann so etwas passieren? Warum ist eine solche Fehlpressung noch im Handel? Warum wurde die Pressung nicht eingestampft und neu produziert? Liebe Band Kraftwerk – gibt es eine Stellungnahme von euch? Ich bin echt angefressen. Außer Kosten nichts davon gehabt.
Der Markt von Sofortbilder wächst scheinbar. Die Industrie wirft immer wieder neue Modelle auf den Markt. Jetzt kündigte Fujifilm eine Instax-Sofortbildkamera für die ganz junge Generation an. Das Ding heißt Instax Pal und ich verstehe die Welt nicht, was so etwas soll.
Die Idee der Kamera bringt der Hersteller auf den Punkt: „Macht aus kleinen Momenten etwas Großes“. Klingt nett, brauch aber kein Mensch. Die Qualität der Bilder ist unter Smartphone-Niveau. Warum sollte ich dann mit einer Sofortbildkamera fotografieren, wenn ich das Smartphone immer dabei habe? Die Instax Pal wird via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und dann drucke ich das gewünschte Bild auf den portablen Fujifilm-Fotodruckern aus. Was soll das, außer viel Geld auszugeben?
Der Reiz von Sofortbilder geht für mich vollkommen verloren, wenn ich das Bild digital vorliegen habe, aus meinen Bildern auswählen und im schlimmsten Fall sogar noch digital bearbeiten kann. Warum dann überhaupt Sofortbilder? Der Preis der Instax Pal liegt bei rund 100 Euro und ist hier bestellbar.
Dem Konzept kann ich nur eine positive Seite abgewinnen. Die Idee des Bildermachens ist bei der Instax Pal ganz originell. An der Instax Pal hängt ein Plastikring an einer Trageschlaufe. Der Plastikring kann als Stativ oder als Sucher verwendet werden. Also ich schaue durch den Plastikring, um den Bildausschnitt zu erahnen. Das könnte ganz witzig sein, braucht aber auch kein Mensch.
Der Soundtrack zu „Das Schwarze Loch“ (Originaltitel: „The Black Hole“) von John Barry ist eine meisterhafte Komposition, die perfekt zur epischen Sci-Fi-Atmosphäre des Films passt. John Barry, der für seine beeindruckende Arbeit an James-Bond-Filmen bekannt ist, hat mit diesem Soundtrack erneut sein musikalisches Talent unter Beweis gestellt.
Die Musik in „Das Schwarze Loch“ ist majestätisch und orchestral, und sie trägt dazu bei, die futuristische Welt des Films zum Leben zu erwecken. Die Verwendung von elektronischen Elementen mischt sich geschickt mit den klassischen Orchesterklängen und verleiht der Partitur eine zeitgemäße Note, die gut zur Science-Fiction-Thematik passt.
Besonders bemerkenswert ist das Hauptthema des Soundtracks, das mit seiner eingängigen Melodie und seinen kraftvollen Klängen einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dieses Thema verleiht dem Film eine emotionale Tiefe und verstärkt die Spannung in den actiongeladenen Szenen.
John Barrys musikalische Arbeit in „Das Schwarze Loch“ ist ein weiteres Beispiel für sein Talent, Filmkompositionen zu schaffen, die die Handlung verstärken und die Zuschauer in die Welt des Films eintauchen lassen. Der Soundtrack trägt maßgeblich zur Atmosphäre und zum Gesamterlebnis des Films bei und ist ein echter Höhepunkt in der Karriere dieses legendären Filmkomponisten.
Ich hätte eigentlich Musikproduzent werden können, zumindest rein technisch. In meiner Jugend hatte ich Schallplatten und Kassetten sowie von meinem Papa ein Tonbänder. Ich hatte ein Vierspur-Mixer von Tascam und wollte Hörspiele aufnehmen und scheiterte an meinem Erstlingswerk Krieg und Frieden von Lew Nikolajewitsch Tolstoi auf ganzer Länge. Warum klein anfangen, dachte ich mir, griff nach den Sternen und scheiterte. Meine einzige Leistung als Musikproduzent war, dass ich Schallplatten auf Musikkassette überspielte oder eigene Mixtapes zusammenstellte. Dabei blieb es dann auch.
Die Musikkassette verschwand im Laufe der Jahre aus meinem Leben, die Vinyl-Schallplatte überlebte bis heute. Ein Tapedeck von JVC liegt noch im Keller, die meisten Musikkassetten wurden entsorgt. Ich habe nur noch das Bundle von „War of the Worlds“ von Jeff Wayne von 1978, zwei Kassetten. Leider ist der Pappschuber inzwischen verschwunden.
Die Musikkassette wurde dieses Jahr 60 Jahre alt. Eigentlich war sie 1963 als sprechendes Notizbuch gedacht, entwickelte sich aber zum preisgünstigen Medium für Musik und für mich als Nachwuchsmusikproduzent war sie ideal. Die Tonbänder meines Vaters klangen zwar besser, waren aber deutlich teuerer.
1963 wurde die Musikkassette auf der Funkausstellung vorgestellt und zog seinen Siegeszug an. Als Kind hatte ich Märchenaufnahmen auf Vinyl und auch auf Kassette. Letztere waren wichtig, denn der Kassettenrekorder, wir sprechen hier nicht vom Ghettoblaster, sondern von einem einfachen Batteriebetrieben Mono-Abspielgerät, das war auf Autofahrten meiner Eltern meine Unterhaltung und wohl auch die Qual meiner Eltern. Ein Kassettendeck im Auto kam erst viel später in unsere Familie. Pumuckl und Hui-Buh waren meine Helden.
In den Kauf von bespielten Musikkassetten bin ich nie groß eingestiegen. Ich setzte mehr auf Vinyl und später auf CD. Die Musikkassette war eher was, um selbst Musik aufzuzeichnen. Freitag abend, die Top Ten mit der Hoffnung, dass der Moderator nicht ins Lied quatscht. Press Record and Play – hieß es damals. Aufgezeichnet wurde bei mir auf BASF- und TDK-Kassetten, mein C60 und auch auf C90. Es hab auch C120-Kassetten, die rissen allerdings öfters beim Hin- und Herspulen. Und dann war noch das leidige Thema Bandsalat, ältere Leser wissen noch, was ich meine.
Jetzt habe ich gesehen, dass Künstler wieder Musikkassetten von ihren Werken verkaufen und junge Menschen legen große Euros dafür hin. Da bin ich raus. Ich bin zwar ein Retro-Liebhaber, aber das tue ich mir nicht mehr an in meinem Retro-Wahn. Und ich höre, dass die Kassetten gar nicht angehört, sondern vielmehr gesammelt werden. Es scheint ein lukrativer Markt zu sein, der allerdings ohne mich stattfindet. Als Kinofan erinnere ich mich an Guardians of the Galaxy. Hier ziert eine Musikkassette den Soundtrack mit alten Lieder meiner Jugend. Hollywood befeuert den Trend zurück zur Musikkassette. Das JVC-Kassettendeck bleibt im Keller und verstaubt. Aber der Musikkassette gratuliere ich natürlich von Herzen zum 60. Geburtstag.
Die Musik mit der stärksten unmittelbaren Resonanz ist Straßenmusik. Als Passant geht man von Musiker vorbei und innerhalb von Sekundenbruchteilen erfasst man Klang und Performance und entscheidet sich stehenzubleiben oder weiterzugehen. Straßenmusik ist ein hartes Business, aber ein zutiefst ehrliches Business – das Feedback ist unmittelbar.
In Einkaufspassagen oder U-Bahnhöfen bringen die Künstler ihre Kunst für ein paar Cents dar. Ich habe schon tolle Musiker entdeckt bei der Stadtoase in München im Rahmen der IAA habe ich endlich auch mal Ralph Kiefer gehört. Immer wieder habe ich von ihm gelesen und nun bin ich durch Zufall an ihn geraten. Seine Klaviermusik hat mich sofort in Beschlag genommen.
Ich ließ mich nieder, erwarb seine CD Winter Album, ließ es mir signieren und genoss sein fast meditatives Klavierspiel. In München ist Ralph Kiefer ein Geheimtipp und gleichzeitig eine Berühmtheit. Er löste sich von der klassischen Musikindustrie und zieht sein Ding durch, scheinbar mit Erfolg. Zumindest soweit, dass er von seiner Kunst leben kann. Dabei macht es ihm die Technik einfacher als früher. Er braucht kein klassisches Aufnahmestudio, sondern Mac, Mikro und Software reichen, um die Musik zu speichern, auf CD zu pressen oder auf Streaming-Diensten anzubieten. Und Ralph Kiefer setzt auf Social Media und das mit großem Erfolg. Auf er Bühne und Klavier sind die Hinweise zu seinen Social Media-Account nicht zu übersehen – ja, so wird heute Marketing in eigener Sache gemacht. Damit gelingt ihm eine nationale und internationale Reichweite und ein Dialog mit seinen Fans. Das kostet natürlich Zeit, aber es lohnt sich scheinbar, denn damit erhält die Musik eine interessante Reichweite, wenn die Kommunikation mit den Fans stimmt.
Seinem Klavier hat Straßenmusiker Ralph Kiefer ein Fußpedal hinzugefügt, wie für eine Basstrommel, das Klavier ist der Resonanzboden. Dazu gibt es noch ein Becken, was er dann und wann anschlägt – eine Ein-Mann-Band.
Musikalisch ist es eine Mischung aus Klassik mit New Age, aber es klingt auf jeden Fall nach viel Improvisation. Ralf Kiefer kommt vom Jazz, studierte beim Russen Leonid Chizhik. Ab 1992 war Chizhik als Dozent am Richard-Strauss-Konservatorium München tätig, ab 1994 als Professor an der Musikhochschule Weimar und seit 2004 zugleich an der Musikhochschule München. München, so habe ich es gehört, sei ein schweres Pflaster für Straßenmusiker. Es muss täglich eine Lizenz im Rathaus beantragt werden. Sind die Lizenzen des Tages vergeben, dann war es das. So entsteht unter den Musikern, Künstler und Schaustellern ein massiver Konkurrenzkampf. Da hatte es Ralph Kiefer bei der Stadtoase im Rahmen der IAA besser – hier kamen die Organisatoren auf ihn zu.
Das Album „Firestarter“ von Tangerine Dream, das 1990 veröffentlicht wurde, markiert eine weitere bedeutende Etappe in der langen und beeindruckenden Karriere dieser Pioniere der elektronischen Musik. Inspiriert von Stephen Kings gleichnamigem Roman und der darauf basierenden Verfilmung von 1990, gelingt es der Band auf interessante Weise, die düstere und verstörende Atmosphäre des Stoffes in ein musikalisches Werk zu verwandeln. Ich habe noch die Vinyl und in einer Sammelbox eine CD-Ausgabe. Auch der Score von John Carpenter der Neuverfilmung kann sich hören lassen, aber mein Herz schlägt für TD. Über die Neuverfilmung habe ich hier gebloggt.
Schon der erste Track zieht den Hörer mit seinen kraftvollen, repetitiven Sequenzen in den Bann. Die Synthesizer bilden einen hypnotischen Sog, der den Zuhörer sofort in eine Welt voller Geheimnisse und Gefahren entführt. Die markanten elektronischen Klänge erzeugen eine unheimliche Stimmung, die perfekt zum Thema des Films passt und das Hörerlebnis in eine emotionale Achterbahnfahrt verwandelt.
Die Musik ist geschickt arrangiert und lässt den Hörer mitten in die Verfolgungsjagden und Verschwörungen eintauchen. Hier zeigt sich die außergewöhnliche Fähigkeit der Band, mit ihren Klängen eine lebhafte und bildhafte Erzählung zu schaffen. Manches Mal kommt es einen vor, als ob man selbst in die Rolle des Protagonisten schlüpft und die unbändige Macht des Feuers spürt. Die Band beweist ihre Vielseitigkeit, indem sie auch ruhigere und melancholischere Töne erklingen lässt. Insgesamt ist Tangerine Dreams Firestarter ein starkes Album, das die ikonischen Klänge und die einzigartige Atmosphäre der Band in ihrer späteren Blütezeit einfängt. Die Musik ist zeitlos und beweist, dass Tangerine Dream auch in den 1990er Jahren immer noch frische und innovative Ideen hatten. Für Fans elektronischer Musik ist dieses Album ein absolutes Muss und zeigt, warum Tangerine Dream als eine der einflussreichsten Bands im Genre gilt.
Und wieder ist einer meiner musikalischen Helden verstorben. Mit 80. Jahren verschied der Sänger, Komponist und Gitarrist Robbie Robertson. Der Name wird nur Insidern bekannt sein, für mich war er einer der Großen im Musikzirkus.
Richtig bekannt wurde er als Mitglied von The Band, die einst die Begleitband von Bob Dylan war, aber sich auch für die US-amerikanische Musikgeschichte einen großen Namen gemacht haben. Das Abschiedskonzert The Last Walz ist bis heute legendär und ich habe bereits darüber gebloggt.
Aber auch als Solo-Künstler habe ich Robbie Robertson zu schätzen gelernt. 1987 kam sein ersten Solo-Album Robbie Robertson auf den Markt, darunter der Song Fallen Angel. Dieser Song ist eine Erinnerung an Richard Manuel, der zusammen mit Robbie Robertson zu den Gründungsmitgliedern von The Band gehörte. Manuel, der Pianist und manchmal auch Sänger der Band war, wurde am 4. März 1986 erhängt im Badezimmer eines Motelzimmers in Winter Park, Florida, gefunden. Immer wenn ich den Song höre, komme ich ins Grübeln.
Sein zweites Solo-Album Storyville aus dem Jahr 1991 hat mich während einer Dienstreise nach New Orleans begleitet. Ich hatte 2002 meinen ersten iPod erworben und durfte später nach New Orleans auf die Siggraph. Auf der Festplatte des MP3-Players waren zwei Künstler, die ich in dieser interessanten Stadt ausschließlich gehört habe: Voodoo-Meister Dr. John und das Album Storyville von Robbie Robertson. Es dreht sich teilweise um den Rotlichtbezirk der Stadt. Die weiteren Alben von Robertson habe ich mir zwar gekauft, aber immer weniger gehört. Er hat noch einige Soundtracks komponiert.
Zur Erinnerung an den Tod von Robbie Robertson höre ich das legendäre Album Musik from Big Pink von 1968, ein Klassiker der Rockmusik. Es wurde im Keller eines rosagestrichenen Hauses in Woodstock aufgenommen in dem die Band mit Bob Dylan musizierte. Und ich höre die legendären Basement Tapes von 1967, die revolutionären Kelleraufnahmen von Dylan und Band aus Big Pink, die eigentlich nie veröffentlicht werden sollten und als Bootleg auf den Markt kamen. 1975 kam die erste offizielle Veröffentlichung und 2014 kamen The Basement Tapes Complete und dann The Basement Tapes RAW endlich auf den Markt.
Die Sängerin Sinéad Marie Bernadette O’Connor ist tot und begraben. Ich komme jetzt erst dazu mir Gedanken über diese Frau zu machen. Die irische Sängerin starb im Alter von 56 Jahren in London. Wie ich lese, hat die Frau viel Leid in ihrem Leben erlebt. Ihr größter Hit war sicherlich die Prince-Komposition Nothing Compares 2 U aus dem Jahre 1990. Wenn ich ehrlich bin, habe ich sie aus den Augen verloren bis die Todesmeldung und jetzt das Begräbnis mir ins Mailpostfach flatterte.
Ich hatte ihre Karriere nicht auf den Schirm. Nur an einen Auftritt von Sinéad O’Connor erinnere ich mich genau. Es war das Jahr 1992 und Bob Dylan feierte am 16. Oktober 1992 sein 30jähriges Jubiläum bei seiner Plattenfirma Columbia mit vielen Stars. Ein Stelldichein der Superstars der Szene. Auch Sinéad O’Connor war dabei und sollte den Dylan-Song „I Believe In You“ singen.
Aber dazu kam es nicht. Ein paar Tage zuvor zerriss sie in der US-Satiresendung Saturday Night Live ein Bild vom Papst Johannes Paul II vor laufenden Kameras. Wie ich später gelesen habe: Als Protest gegen die schleppende Aufklärung in Sachen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Hier das Video und die Berichterstattung.
Dann sollte sie bei Dylan singen. Live und fassungslos verfolgte ich damals den Auftritt der Sängerin am Fernsehschirm. Das Konzert wurde live im Fernsehen übertragen. Ich war auf einem Seminar und machte es mir vor der Glotze bequem. Die Sängerin wurde von Kris Kristofferson vollmundig angekündigt: „Ich bin sehr stolz darauf, die nächsten Künstlerin vorzustellen, deren Name zum Synonym für Mut und Integrität wurde.“ Die junge Frau mit kahlgeschorenen Kopf trat vor das Mikrofon und wollte zu singen beginnen. Doch die US-Zuschauer im Madison Square Garden buhten, sie pfiffen sie gnadenlos aus. Sie hatten keinerlei Verständnis für die Aktion mit dem Papstfoto.
Das Buh und Geschrei war riesig. Sinéad O’Connor wartete ab, dann gab sie auf und riss sich die Kopfhörer aus den Ohren. Kris Kristofferson kam und tröstete sie mit den Worten „Lass dich von den Bastarden nicht unterkriegen“. Aber ein Singen war nicht möglich.
Nun, die streitbare Sinéad O’Connor sang nicht, sondern sie zitierte den Bob Marley Song „War“ voller Wut und Traurigkeit. Trotzig und voller Zorn schleuderte sie die Worte dem pfeifenden Publikum entgegen und ging stolz mit erhobenen Hauptes ab. Dann brach sie in Tränen aus und Kris Kristofferson nahm sie in den Arm. Das Video ist erschütternd.
In den ersten offiziellen Aufnahmen des Konzerts war Sinéad O’Connor nicht zu sehen und zu hören. Columbia veröffentlichte ein Doppelalbum ohne sie. Auch beim Bootleg des Konzerts war sie nicht dabei, aber dafür eine seltene Dylan-Aufnahme von Song to Woody, die Columbia aus technischen Gründen nicht veröffentlich hatte.
Auch bei der Doppel-VHS-Cassetten gibt es nichts von Sinéad O’Connor zu sehen. Die Gründe weiß ich nicht. Vielleicht wollte sich Columbia nicht mit den Fans anlegen.
Erst Jahre später wurde das Konzert auf CD und Bluray wiederveröffentlicht. Technisch deutlich optimiert und siehe da: Jetzt sind auf CD und Bluray die Probeaufnahmen von Sinéad O’Connor enthalten. Und wie wunderbar diese Frau singt. Es ist eine Schande, dass sie bei der Live-Übetrtagung nicht singen durfte aufgrund der Engstirnigkeit des Publikums.
Und damit sind wir bei einem sensiblen Punkt. Das ach so aufgeschlossene und progressive Publikum von Bob Dylan. Auch ich bin ein Fan, ein ziemlich großer Fan und ich muss mich natürlich auch an meine eigene Nase fassen.
Beim Nachdenken reflektierte ich als Dylan-Fan die Ereignisse von damals nochmals. Nicht nur Sinéad O’Connor bekam den Zorn der doch so aufgeklärten Dylan-Fans zu spüren. Wir erinnern uns: Der Meister selbst wurde von seinen eigenen Fans ausgebuht. Ich nenne nur Newport 1965 als Dylan elektrisch auf einem Folk-Festival spielte und dann nach einem riesigen Buh nochmals akustisch auf die Bühne zurückkam. Er will, brüllt er heraus, nicht mehr auf dieser Farm arbeiten. Klare Ansage des Künstlers an die Welt
Und dann kam die 1966-Tour mit Teilen der Band. Jeden Dylan Fan ist der Auftritt von 1966 in Gedächtnis. „Judas!“ war der berühmteste Zwischenruf der Musikgeschichte. Am 17. Mai 1966 in der Manchester Free Trade Hall kam es zum Vorfall, doch Dylan wies seine Begleitband an: „Fucking Loud“ zu spielen. Dylan kennt sich also aus mit seinem Publikum. Es heißt, beim Auftritt von Sinéad O’Connor war er in der Garderobe und hat von dem Skandal nichts mitbekommen. Ich weiß es nicht. Dylan war in dieser Zeit eher abwesend als anwesend.
Ich nehm mir auf jeden Fall vor, ein paar Alben von Sinéad O’Connor mal anzuhören, denn eigentlich kenne ich nichts von dieser irischen Sängerin.